Die Workstation Story: Von Fairlight bis Korg Oasys

3. Februar 2018

40 Jahre Workstation

Rückblende in die 70er

Musikproduktionen in Tonstudios haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Ursache dafür ist die rasant zunehmende Beliebtheit populärer Musik in den Medienkanälen Radio, Fernsehen, Kino und Live. Und wo es Bedarf für permanenten Nachschub gibt, der auch schnell abgearbeitet werden soll. Gleichzeitig beschert die Aufnahmetechnik jede Menge Fortschritte, das betrifft hauptsächlich Mehrspurbandmaschinen, Synthesizer, Effektgeräte sowie ganz allgemein die Post-Production.

Noch handelt es sich allerdings teils um monströse Gerätschaften, da ist alleine die Hallplatte gerne mal raumfüllend. Komplex aufgebaute mechanische Aufnahmegeräte wiederum brauchen ständig Pflegeservice. Und die Handhabung des Maschinenparks ist zudem recht aufwändig, manche Produktionsfirmen beschäftigen gleich mehrere Mitarbeiter, um qualitativ hochwertige Musikaufnahmen veröffentlichungsfertig herzustellen.

Workstation Artikel Intro Foto

Es gibt also genügend Anlässe, all diese Prozesse zu optimieren und vor allem schneller und damit auch preisgünstiger zu gestalten. Als Lösungskonzept dafür wird kurzerhand die Workstation erfunden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht so heißt. Eine kompakte Produktionsmaschine soll es sein, die gleichzeitig Klangerzeugung und Aufnahmeeinrichtung ist.

Die damals ziemlich neue Digitaltechnologie bietet sich bestens an und die ersten ernstzunehmenden Resultate sind heute Legenden: Fairlight CMI und NED Synclavier. Beide kosten jeweils ein kleines Vermögen – und sind in der Branche dennoch Verkaufsschlager. Die Popmusikszene reißt sich darum, manche Künstler ergattern Produktionsjobs alleine deshalb, weil sie eine solche Workstation haben und die vor allem bedienen können. Warum das? Es steckt erstmal ein in jenen Tagen neuartiger Sampler drin, mit dem allerlei Instrumentenparts eingespielt werden können, und zwar die ganze Palette von Drums bis Orchester.

Obendrein wird ein halbwegs leistungsfähiger Synthesizer an Bord mitgeliefert. Womit sich die Produktion nicht nur schnell in Release-Version bringen lässt, sondern – als willkommener Nebeneffekt – auch weitaus weniger kostet, als etwa ein 45 Mann Orchester zu engagieren. Und eine Rock-Band dazu. Ersetzt das wirklich so etwas? Nein, nicht wirklich, aber zumindest in Ansätzen geht’s. Hans Zimmer etwa produziert den Soundtrack zu „Rain Main“ nahezu komplett mit dem Fairlight, abgesehen von ein paar Steel Drums. Trevor Horn nimmt den für Frankie goes to Hollywood, Art of Noise und Propaganda. Während Ralph Siegel bei seinen Schlagerproduktionen auf das Synclavier setzt. Michael Jackson hat natürlich auch so eins, genau wie Horn.

Fairlight Werbung

Und im Bereich Electronic Music hört man gelegentlich von einem ebensolchen Instrument mit dem Namen Synergy und Crumar GDS aus dem Hause Digital Keyboards Inc., wobei Ersteres mit rund US$ 5.300,- zwar vergleichsweise günstig zu haben ist, aber deutlich weniger Features mitbringt.

crumar-gds-und-synergy-mark-vail-buch

Fairlight und Synclavier haben wir bei Amazona übrigens schon genau unter die Lupe genommen, die umfangreichen Artikel finden Sie hier und hier.

Während mit diesen beiden Workstations Impulse bei Neuentwicklungen also von experimentierfreudigen Newcomern eingebracht werden, kommen etablierte Hersteller stattdessen nun mit Ideen an, die schon für kleines Budget zu haben sind. Immerhin entwickelt sich zu Beginn der 80er mit Homerecording gerade ein neuer Markt und der will bedient werden. 4-Spur-Tape-Recorder, Hardware-Sequencer und Drumcomputer zusammen mit Synthesizern erlauben so manche passable Musikproduktion durchaus ohne die Inanspruchnahme von Tonstudios, auch wenn es sich zunächst stets um separate Komponenten handelt.

Yamaha CX5M Werbung

Yamaha nimmt sich der Sache an und entwickelt dafür eigens einen richtigen Musikcomputer, es ist der Yamaha CX5M. Ausgerüstet mit einem 4 OP FM-Chip reden wir bereits über ein autarkes System, ähnlich dem Sequential Circuits Six-Trak, die jedoch den damals populären Commodore C64 mit einer extra für diesen geschriebenen Software bemühen müssen. Digitales Multitracking für Bedroom-Producer also, das allerdings noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt.

Ensoniq ESQ1 advertisement

Werbung: Die Headline bezieht sich auf die Zahl der Presets

Inzwischen wildert der amerikanische Hersteller Ensoniq in diesem Gebiet. Nachdem schon 1984 mit dem Ensoniq Mirage Sampler ein Achtungserfolg gelingt, ist nicht viel später der Ensoniq ESQ-1 bereits mit einem Sequencer fürs Recording ausgerüstet. Beim Klangvorrat fehlen lediglich noch die Drums, um damit komplette Songs aufnehmen zu können. Man wird später in einem neuen Instrument entsprechend nachlegen. Ähnlich läuft’s bei Casio, hier ist es der CZ5000. Dort forscht man aber weiter am Thema und bekommt dabei Unterstützung von Isao Tomita. Vom Cosmo Music Computer ZZ-1, der tatsächlich eine komplette Workstation ist und über den wir hier berichet haben, wird man jedoch später nicht mehr viel hören.

Der alles entscheidende Etappensieg aber gelingt Korg 1988 mit dem Korg M1. Ein samplebasierter Synthesizer, der alle wichtigen Sounds von Klavier über Strings bis Drums liefert und dazu einen 8-Spur Sequencer an Bord hat sowie ordentlich klingende Reverb-, Delay- und Chorus-Effekte – das kann nur ein Hit werden.

korg-m1-werbung

Ab diesem Zeitpunkt wird unter Keyboard Workstation eine mit solchen Features verstanden: Vielseitige Klangerzeugung plus Effekte plus Recording-Section samt internem Mixer. Von der ersten Idee auf direktem Weg zur fertigen CD, so damals das Credo. Dieses angepeilte Ziel wird zwar bei hohen Ansprüchen natürlich überhaupt nicht erreicht, aber immerhin entstehen so zahllose Demotitel, Wohnzimmerproduktionen und Pilotspuren für spätere Weiterbearbeitung auf Profilevel.

Vorläufer für die M1 (Artikel „die“, wenn man von Workstation spricht) ist der Sampler DSS1, er kann nämlich bereits Klangmaterial für den späteren Bestseller einsammeln. Was sich klanglich beim M1 tut, kann man sich hier reinziehen, da werden alle 100 Factory-Presets angespielt. Auch mit Demosongs hat man sich Mühe gegeben, einige davon finden Sie hier. Das Keyboard verkauft sich blendend und ist nach Yamaha DX7 und Roland D-50 der dritte Bestseller der 80er in Folge. Und Korg wird, bestärkt vom beachtlichen Erfolg, diesen Instrumententyp in den folgenden Jahren konsequent weiterentwickeln.

Einen zum 30-jährigen Jubiläum frisch aktualisierten und ziemlich umfangreichen Artikel über die komplette Serie von Korg M1 bis Korg T1 sowie deren Expansions und Soundangebote finden Sie hier.

Doch der neue Workstation Hype macht auch andernorts Schule. Wie bereits zuvor ist es die Company Ensoniq, die nun von sich reden macht. Deren Ensoniq VFX erscheint 1989 und bietet vor allem eine interessant aufbereitete Klangsynthese an.

Ensoniq VFX Testbericht und Demo Vinyl

Ensoniq VFX Testbericht und Demo Vinyl

Das Zauberwort heißt Transwaves, was den Wavetables eines PPG nicht ganz unähnlich ist und überhaupt: Auch dessen Samples können sich hören lassen, klicken Sie einfach mal zu den Demo-Songs, hier und hier. Damit die Songs des internen Sequencers komfortabel und preisgünstig gespeichert werden können, liefert der Hersteller recht bald das Modell Ensoniq VFX-SD mit eingebautem Floppy-Disk-Laufwerk. Die VFX Tastatur bietet polyphonen Aftertouch, so was sieht man selbst heute nicht alle Tage. Über den VFX haben wir hier bei Amazona bereits in der Green Box detailliert berichtet, den 2-Teiler finden Sie hier und hier. Und nicht viel später wird nochmals nachgelegt, der heißt dann Ensoniq SD-1.

Ein weiterer Kandidat aus USA möchte in Sachen Workstation mitmischen: Peavey. Es ist deren Debut im Bereich Keyboards und trägt die Bezeichnung Peavey DPM3. Obwohl er mit passablen Features ausgestattet ist und auch einige klangliche Highlights liefert, gerade Orgel- und Drums-Sounds haben es in sich, hat er nichts, was ihn gegenüber seinen Mitbewerbern besonders herausstellen würde.

So wurde der DPM3 in den Fachmagazinen beworben

Auch Roland erkennt nun die Zeichen der Zeit und setzt dabei zunächst auf den D20, anschließend erstmals auf ein hybrides Instrument: Sampler + Sample-basierter Synthesizer + Sequencer = Roland W30. Der Hersteller hat dabei in sein eigenes Baukastensystem gegriffen, denn das Innenleben besteht eigentlich aus einem Roland S330 Sampler plus Roland MC500 Sequencer. Dazu gibt’s noch ein Sample-ROM – fertig ist die trendgerechte Workstation.

Forum
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    lightman  AHU

    Meine erste und letzte Workstation war ein Roland JV-1000, den ich mir in den frühen 90ern anschaffte. Das war der Beginn meiner Liebe für den dort eingebauten MC-50 Sequenzer, der mich als MKII-Pultgerät viele Jahre live und im Studio begleitete. Ansonsten war der JV ein nettes, wenngleich dünn klingendes Instrument, die 24 Stimmen des Grundmodells schränkten die Nutzung ziemlich ein, aber als Flächenleger war er unübertroffen – wenn man mal die Bedienung gerafft hatte, was unter Verwendung der schlecht geschriebenen und mit Fehlern gespickten Manuals kein Zuckerschlecken war. Allein die SysEX-Übertragung von der Synthsektion zum Sequenzer (der war nicht sehr tief integiert) kostete mich fast eine Woche Fummelei! Irgendwann wurde mir die Kiste fürs Giggen zu sperrig, so daß ich sie drangab und mir unter anderem o.g. standalone-Version des MC-50 holte. Heute würde ich gerne mal wieder ein paar Stunden damit rumspielen, und sei es nur der alten Zeiten wegen. Workstations sind meiner Meinung nach immer noch für Leute relevant, die ohne Computer Musik machen wollen. Ob man sich für einen Klassiker oder ein aktuelles Gerät entscheidet, ist letztlich Geschmacksache, ich würde wegen der heutzutage viel leistungsfähigeren Sequenzer und Synthesesektionen wohl eher zu einer modernen Version greifen.

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    costello  RED

    Hi Klaus, danke für den liebevoll zusammengetragenen historischen Überblick zum Thema Workstation. Du hast völlig recht: Der volle Umfang dieser eierlegenden Wollmilchsau-Instrumente wird wohl eher selten ausgenutzt. Beim M1 waren es bei mir damals die neuen Klänge, dass Effekte und Sequenzer dabei sind, habe ich dankend zur Kenntnis genommen. Und beim PC3X war es dann die Eignung als Bühneninstrument, ein Stagepiano, das aber auch Mellotron- und Orchestersounds u.v. mehr im Gepäck hat. Alles erschlägt man damit aber auch nicht, beim Kurzweil hat mir die Orgel z.B. nie gefallen. Und ihn als Stand alone-Produktionseinheit zu benutzen fiele mir im Traum nicht ein. Ein Problem der ganzen großen Workstations: Man kommt schnell dazu, sich durch gefühlte 10.000 Presets durchzusteppen und programmiert wenig eigenes. Beim Synthesizer ist man immer am Schrauben, bei den alten E-Pianos, Multikeyboards und Stringsynthesizern eigentlich immer am Spielen. :-)

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    ukm  

    Für mich ist das Workstation-Konzept nie aufgegangen. Auch wenn man mit einigen der gebotenen Sounds gut klar kommen konnte, gab es einfach zuviel unbrauchbare Inhalte. Mit viel Aufwand konnte man zwar wenigstens in die Nähe der gewünschten Klangergebnisse kommen, hatte aber oft auch einfach keine Chance aufgund der technischer Gegebenheiten.
    Ich habe dann schon in den 90ern meist noch Spezialisten mitgenommen (trotz der zusätzlichen Schlepperei). Aus heutiger Sicht ist man mMn wesentlich flexibler mit einem 2in1 und Cantabile3 ober anderer Lösungen dieser Art.

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    gaffer  AHU

    Kompliment, Klaus, gefällt mir sehr gut. Man könnte fast glauben, du wärst dabei gewesen ;). Vor allem die Notiz für die selten genannten Instrumente, wie den MSX von Yamaha oder den DPM 3. Im Nachhinein fragt man sich schon, warum einige Wege nicht weiter gegangen wurden und bei anderen, warum sie überhaupt eingeschlagen wurden. Es waren einige drunter, die ich auch heute noch gerne hätte, die Spanne geht allerdings auch bis zu unterirdisch.

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    AMAZONA Archiv

    Workstations – gar nicht so’n einfaches Thema. Von meiner Warte aus würde ich sagen, bis in die ganz frühen 2000er für’s Studio noch durchaus relevant. Jetzt, seit (über) ’nem Jahrzehnt für Aufnahmezwecke vollkommen uninteressant, weil moderne In The Box Kozepte (Rechner, DAW plus virtuelle Klangerzeugung, virtuelle Effekte) besser funzen, bedienerfreundlicher sind. Für die Bühne mag es ggf. immer noch anders aussehen. Denke, dafür werden die Dinger immer noch beim Einen oder Anderen Verwendung finden.

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    Son of MooG  AHU

    Im Fahrwasser der Roland Fantom-Serie gab es ja auch noch den Juno-G, der zwar nicht als Workstation bezeichnet wird, aber einen Rompler mit 16-Track MIDI-Sequencer, ab Vers.2.0 auch Sample-Import mit 512 MB sowie einem 4-Track Audio-Recorder vorweist. Das Ganze war für 900,-€ zu haben, was schon erwähnenswert ist. Unter den Presets gab es auch den „Potted Pixie“ von Zorch- & Gong-Keyboarder Howard „Gwyo“ Scarr…

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    wolftarkin  

    In der Liste fehlt eindeutig der Roland D-20, die erste Workstation von Roland.
    Billiger als der D-50, aber mit „mehr“ drum rum.

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      k.rausch  RED

      Danke für den Hinweis. Dass mir trotz gutem Fachbucharchiv und einschlägigen Websites und Querrecherche was durch die Lappen geht, dachte ich mir schon während der Schreibe. Fun Fact: Den D20 hatte ich seinerzeit fürs Soundcheck Magazin getestet und habe sogar noch das handgeschriebene (!) Manuskript davon :)

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    mdesign  

    die workstation meiner wahl war 1988 der emulator 3 – die erste mit eingebautem SMPTE-timecode-interface. damit konnte endlich synchron zum video komponiert und vertont werden. nicht grade die günstigste lösung. aber – trotz winzigem display – überzeugend.

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      psv-ddv  AHU

      Schon der Emulator II hatte ein SMPTE Interface, Synclavier und Fairlight sowieso. andere Sequencer/Workstations auch. Der EIII war da höchstens für Dich persönlich der Erste.

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    swellkoerper  AHU

    Toller Bericht, Klaus. Eine kleine Ungenauigkeit hat sich eingeschlichen: Ensoniq wurde 1998 von Creative gekauft und danach mit E-MU Systems, die wiederum 5 Jahre früher aufgekauft wurden, zur Professional-Sparte von Creative fusioniert.

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    lightman  AHU

    Meinen CX5MII/128 habe ich immer noch, das ist eine erweiterte Version des CX5M mit 128k Speicher und MSX2-kompatiblem Videoram. Feines Teil, hat mich damals einen Haufen Geld gekostet, der modular eingebaute 4op FM-Synth macht Spaß und hat einen ganz eigenen Klang, die Sounderstellung geht mit dem ROM-basierten Editor recht komfortabel vonstatten. Den auf klassische Noteneingabe basierenden Sequenzer habe ich als zusätzliches Cartridge, ebenso einen DX7-Editor, der wirklich prima ist. Dann gibts noch einen ebenso ROM-basierten einfacher gehaltenen Sequenzer, der direkt vom Soundeditor aus aufgerufen werden kann. Zu dumm nur, daß der DX7-Editor nicht mit dem Volca FM funktioniert, da hatte ich sehr drauf gehofft. Leider rauscht die Kiste mittlerweile erbärmlich, dagegen weiß ich kein Mittel, müßte man wohl mal überholen. Es gab auch einen CX7M/128, ein MSX2-System, der ist aber sehr schwer zu kriegen und war damals noch teurer. Als Workstation würde ich die Kisten nicht einordnen, eher als computergestütztes Produktionssystem, das -auch- externe Geräte ansprechen kann, aber eigentlich mehr in seiner eigenen Welt verhaftet ist.

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    mdesign  

    stimmt. habe mich da nicht ganz genau ausgedrückt, sorry.

    der emulator III war für mich die erste echte workstation mit SMPTE, mit der man wirklich filme vertonen konnte.

    fairlight und synclavier würde ich nicht zu den workstations zählen, da sie aus mehreren einzelkomponenten bestehen, eine workstation ist mE eine ‚band in a box‘.

    der emulator II hatte schlicht nicht die speicherkapazität, um ganze szenen oder einen kompletten werbespot nicht nur mit musik, sondern auch geräuschen und dialog zu vertonen.

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      psv-ddv  AHU

      Nix gegen den EIII war ’ne coole Kiste, wunderschön anzuschauen, vielleicht abgesehen von der fixen Zuordnung der Einzelausgänge und dem zu kleinen Speicher. Na ja die Bedienung war mit dem Funktionsumfang auch leicht überfordert. Unter Anderem deswegen ist er wohl leider gefloppt. Wie auch immer, Synclavier und Fairlight nicht als Workstation zu bezeichnen finde ich gewagt. Das waren nunmal die ersten Workstations die es gab. Wie im Artikel richtig beschrieben. Auf dem Keyboard des Synclavier steht sogar „Digital Music Workstation“ drauf. Was meinst Du mit mehreren Einzelkomponenten? Bis auf Bildschirm und Tastaturen ist bei beiden Systemen alles in einer Box.

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    Saxifraga  

    Keine Erwähnung der erfolgreichen Fantom X und der wunderbaren Fantom G Reihe? Wow.
    Der Artikel gefällt mir sonst sehr gut und ist sehr umfassend, aber Roland so unter den Tisch fallen zu lassen ist ungerecht. Ich persönlich arbeite gerne mit einem Fantom G6. Unglaublich mächtig und flexibel und bekommt mit ARX-3 Karte auch wirklich brauchbare Bläser und mit ARX-01 wuchtige Drums. Einen Integra 7 und ein V-Synth habe ich per SPDIF drangehängt um auch qualitativ bessere Klänge und VA einspielen zu können. Der MIDI- und Audio-Sequencer sind wesentlich besser zu bedienen als beim Kronos der im Grunde hinter die M3 zurückgefallen ist. Multisamples lassen sich im Fantom auch besser bauen als im Kronos. Leider hat Roland das Produkt fallen gelassen und wir haben bis heute keinen Librarian, der Patches mit Multisamples verwalten kann. Schade.
    Natürlich ist ein Laptop beiden Geräten inzwischen bei weitem überlegen, ebenso das große iPad Pro.

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      k.rausch  RED

      Die Kritik ist berechtigt und es sind auch noch andere Instrumente unerwähnt geblieben, zum Beispiel Quasimidi Sirius. Allerdings legt der Artikel keinen Wert auf enzyklopädische Vollständigkeit und die genannten Instruments sind, bei aller Bemühung um Objektivität, dennoch meinerseits irgendwie gewichtet worden hinsichtlich der Bedeutung, die sie in der Evolution haben. In der Zwischenzeit erreichten mich auch eine Menge Mails, dazu Hinweise bei Facebook. Obwohl wir bei der Planung das Thema durchaus als bedeutend erkannt hatten, bin ich vor der unerwarteten Resonanz doch angenehm überrascht. Es sieht also danach aus, das noch weiter zu verfolgen. Danke also für deinen Input.

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    mdesign  

    …auch die software des EIII wurde nie richtig fertig. der sequencer konnte zB nie MIDI sysex, obwohl das angekündigt war. und dass man die 8 MB RAM auf bis zu 11 floppies backuppen musste, hat den workflow nicht wirklich beschleunigt.

    einzelkomponenten: der fairlight auf dem bild im bericht besteht aus keyboard, tastatur, monitor und zwei rack-elementen. beim synclavier war das, zumindest bei den frühen exemplaren, ähnlich. daher für mich: produktionssystem ja, echte workstation nein. auch wenn solche systeme natürlich die ahnen sind und daher ganz zurecht im artikel stehen.

    wir haben damals noch mit dem PPG-system gearbeitet: wave 2.2 als keyboard und waveterm im rack. auch keine wirkliche workstation.

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      psv-ddv  AHU

      Der Fairlight im Bericht besteht aus einer einzelnen CPU box, die zweite auf dem Foto ’ne Spiegelung. Beim Synclavier gabs auch nur eine Kiste, es sei denn man hatte das ganz grosse Millionen DM teure Besteck, Tapeless Studio, wie auf meinem Avatar Bild.
      Dein Missverständnis des Begriffs „Workstation“ kommt vermutlich daher, dass die meisten bezahlbaren Workstations ab der M1 einfach ein kompaktes Keyboardformat hatten. Da hat sich der Begriff eben so eingebürgert. Die frühen, grossen Workstations, wie auch das PPG System waren einfach zu selten.
      War nach Deiner Definition eigentlich die Rackversion des EIII keine Workstation, weil man ein separates Midi Keyboard anschliessen musste? Ich glaube Du bist da einfach auf dem Holzweg was den Begriff Workstation angeht.

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    unifaun  

    Zitat:

    „Angekommen im Jahr 2018: Die Mitspieler des Bandleaders Kronos derzeit heißen Roland FA-08, Kurzweil PC3 und seit Sommer 2016 Yamaha Montage. Besonders dieser sollte wohl den Klassenprimus vom Sockel schubsen, was aber bisher nicht gelungen ist.“

    Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass der Kurzweil PC3(A/K) mittllerweile mehr oder weniger durch den Forte abgelöst wurde.

    Durch das OS-Update 3.0 (vsl. im 1. Quartal 2018) wird dem Forte ein Sequenzer implementiert. Dadurch – zusammen mit dem 16 GB Flash-Speicher (davon 3,3 GB für User-Samples) – wird der Forte zur vollwertigen Workstation.

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    AMAZONA Archiv

    In meiner Wahrnehmung waren „Workstations“ immer nur Instrumente die das Bedürfnis mancher Kunden nach mehr Features, noch mehr Features, und natürlich nach irre mehr Features befriedigten. Und zwar ohne Anspruch tatsächlich einen praktischen Mehrwert zu bringen.
    .
    Zwei Dinge an (den frühen) Workstations haben mich immer genervt. Zum einen waren (in meinen Augen) die Sequenzer mit „Unbedienbar“ nicht mal ansatzweise korrekt beschrieben. Sie rangierten bei mir eher im Bereich theoretischer Möglichkeiten.
    .
    Zum anderen viel es mir immer schwer zu glauben das jemand freiwillig *alle* Sounds aus einem Gerät holen wollte. Gerade die M1-Ära hatte doch schon deutlich einseitige gefärbte Klänge zu bieten. Auch ganze Songs aus der TX816 haben mich zum Schaudern gebracht.
    .
    Wie auch immer. Ich kenne niemanden der eine Workstation anders eingesetzt hat als einen normalen Synthesizer.
    .
    Was übrigens den SY99 angeht, da habe ich eine Anekdote von einem Bekannten. Der hat alle seine analogen Mono/Poly, Juno-106, MS-20 und was nicht alles verkauft, weil er mit nur einem Gerät – dem almighty SY-99 – alles machen kann. Mehrspur-Sequenzing, Effekte, alles drin. Dann baute er seinen ersten Song und merkte, die CPU ging im Multimode in die Knie, er konnte für alle Spuren nur zwei Effekte global verwenden. Und noch nicht mal alle. Hall ging gar nicht …

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      Saxifraga  

      Hm. Mein Fantom G6 hat einen prima Sequencer der sich wirklich gut bedienen läßt und dem Kronos um Lichtjahre voraus ist, obwohl der Kronos mit Touchscreen eigentlich wie ein iPad bedienbar sein müßte. Leider hat der Kronos ein Betriebsystem von 1995. Naja.
      Die Fantom Soundengine ist super, und mit dem 1GB on board, ARX-01..03 Karten sowie SPDIF um verlustfrei zu samplen sehe ich eigentlich nicht, warum man keine guten Songs damit erstellen kann!? Und mit einem Gebrauchtpreis von 900..1100 € bekommt man viel Instrument fürs Geld.
      Aber ein Masterkeyboard und iMac mit Bitwig ist sicher eine gute Investition, nur eben 3000€ Minimum und eher im Kronos bereich angesidelt.

  16. Profilbild
    Everpure  

    Das ist ein schöner Überblick und einen nette Zeitreise in die 80er und 90er. Ich erinnere mich gerne an meine Zeit mit dem ESQ-1 (gucke heute immer noch alle paar Monate bei Ebay nach Angeboten, ohne jedoch wirklich einen kaufen zu wollen) – hätte den allerdings nie unter der Kategorie „Workstations“ verbucht. Hybrid-Synthesizer mit vergleichsweise luxuriösem Sequencer? Ja. Aber komplette Workstation? Definitiv nein. Macht aber nix. Artikel war trotzdem nett zu lesen. :)

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    Murano

    Etwas schmunzeln muss ich, dass bereits der ESQ-1 als Workstation durchgeht. Da müsste eigentlich auch Rolands JX-3P eine solche sein, da ist ja ebenfalls schon ein Sequencer an Bord. ;=)

    Aber gleichwohl ein schöner Artikel, vielen Dank. Das war eine grosse Fleissarbeit!

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      k.rausch  RED

      Danke, und ja, das war schon ein bisschen Arbeit, bis das so alles rund war. Der Schmunzelpart in Sachen Abgrenzung Workstation ist durchaus auch bei mir. Die Diskussion über die Grauzone „ob oder ob nicht“ beobachte ich schon seit Jahren in einschlägigen Foren, die Teilnehmer lieferten sich da nicht selten heftige Debatten. Hier jedenfalls ist der ESQ-1 als Vorläufer eingeordnet und ohne Drums eben noch nicht Workstation. Ein Amazona Leser hat das beim Artikel M1 aber anders gesehen … tja ja :)

  18. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Klaus,

    sehr, sehr schöner Artikel. Bin allerdings fast erschrocken, wieviele von den Teilen ich auf die eine oder andere Art schon in den Fingern hatte. Bin ich denn schon SO lange in diesem Geschäft?? Unfassbar!

    Musikalische Grüße von

    Onkel Sigi

  19. Profilbild
    dAS hEIKO  

    Ich finde ja, dass die ensoniq Mr. Rack / Mr.61/76 immer zu lieblos abgehakt werden in solchen Vergleichen. Obwohl sie eine gewisse sexiness vermissen ließen, fand ich das konzept musikalisch sehr interessant. So wurde beispielsweise alles! vom Sequencer aufgezeichnet, was man grade spielte. Hatte man grade in einer Session die ultimative Melodie gefunden, mußte man nicht lange rätseln „Moment, wie hast DU das grade gespielt?“ sondern einfach die Wiedergabe drücken. Auch die Rhythmusabteilung bot eine interessante Drummachine mit programmierbaren „Versatzstücken“ wie Intro, Strophe, Break, so dass man beim komponieren schnell brauchbare Rhythmen hatte, ohne lange dranrum zu basteln. Die Drumsounds klangen zu dem extrem schlagzeugig. Der Sound der Synthabteilung klang überhaupt sehr produktionsfertig, autentisch und hochwertig.

    Egal was ihr sagt – ich fand den gut.
    Klanglich in eine ähnliche richtung gingen die Kurzweil 2000. Aber die Möglichkeiten des Geräts waren für Einsteiger gerade mal sooo bedienbar.

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