DIY Sequential Prophet-600 Panorama-Upgrade

25. Februar 2017

Panorama-Upgrade für Propheten

Prophet-600 mit Panorama-Aussicht

Das GliGli Upgrade verschafft dem Sequential Circuits Prophet-600 eine deutliche Aufwertung, siehe auch Test: Sequential Prophet-600 GliGli Upgrade.
Da stellt sich die Frage: Geht es vielleicht noch besser? Es geht! Und zwar mit einem Prophet-600 Panorama Upgrade.

Das so einfache wie geniale Panorama-Feature beim Oberheim OB-X brachte den Autor auf die Idee, für den Prophet-600 eine Schaltung zu entwickeln, die es ermöglicht, alle sechs Stimmen frei im Stereobild zu verteilen. Was bei modernen polyphonen Synthesizern heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist, bringt eine ganz neue und aufregende Erfahrung in Verbindung mit einem Vintage-Instrument, das ursprünglich nur für Monobetrieb ausgelegt ist.

Ein Wort der Warnung vorab: Der Autor möchte in erster Linie aufzeigen, was mit relativ bescheidenen technischen und finanziellen Mitteln möglich ist. In diesem Beitrag wird keine Plug-and-Play Lösung vorgestellt, die man heute schon irgendwo kaufen oder nebenher mal schnell selbst zusammenstricken kann. Für die beschriebenen Arbeiten und Eingriffe in den Synthesizer ist technische Qualifikation notwendig. Technische Laien sollten generell nicht in einem mit Netzspannung betriebenen Gerät herumwerkeln. Der Autor übernimmt daher keinerlei Verantwortung für etwaige Schäden jeglicher Art.

Die nachfolgend beschriebene Modifikation betrifft ausschließlich Hardware.

Design-Überlegungen

Das Prophet-600 Panorama-Upgrade sollte für die Originalschaltung möglichst schonend sein: Leiterbahnen durften nicht aufgetrennt und beschädigt werden. Auch stand der Schutz aller Originalkomponenten, speziell der nicht mehr hergestellten CEM Spezial ICs im Vordergrund. Weiterhin musste die automatische Tune-Regelung zuverlässig funktionieren, ebenso die manuelle Lautstärkeeinstellung. Die Audiosignale durften durch die Zusatzschaltung nicht verfälscht werden. Zum Schluss sollte die Schaltung auf einer kleinen Universal-Lochrasterplatine mit den Maßen 7 x 9 cm Platz finden. Diese Überlegungen führten zu einem Ansatz nach Bild 1.

Bild 1: Prinzip Prophet-600 Panorama-Upgrade

Die Schaltung im Überblick

Die einzelnen Stimmen werden in der Originalschaltung an geeigneter Stelle aufgetrennt und der Pan-Schaltung zugeführt. Eingangsseitig dienen Puffer-ICs zur Entkoppelung und zum Schutz der kostbaren CEM3372 Filter ICs. In einem parallelen Zweig wird aus allen sechs Stimmen zusätzlich ein Summensignal gebildet, das für die automatische Tune-Regelung benötigt wird. Dieses Signal wird anschließend auf das Voiceboard geführt.
Jede Stimme lässt sich mittels der sechs Balanceregler im Stereobild einzeln verteilen, der eigentliche Zweck der Übung.

Die nachfolgende Stufe ist ein VCA für die manuelle Lautstärkeeinstellung. Das Control-Signal wird auf dem Voiceboard abgegriffen. Der VCA schaltet auf stumm, wenn „Tune“ ausgelöst wird. Das Oszillator- und Filter-Gezwitscher bleibt dadurch unhörbar, bis der automatische Abgleich erfolgt ist. Die Nachbarn hatten sicher ihre „Freude“, als diese Funktion noch nicht eingebaut war…
Es folgt eine finale Verstärkerstufe, von der das L/R-Signal auf die beiden Klinkenbuchsen geführt wird. Wer es wünscht oder benötigt, das ursprüngliche Monosignal steht parallel zum L/R-Signal weiterhin zur Verfügung.

Detailbetrachtung



In der Originalschaltung kommen die Stimmen AUDIO 1…6 von den sechs Filter ICs CEM3372 und treffen sich am eingezeichneten Summenpunkt (Bild 2).

Bild 2: Summenpunkt der sechs Stimmen

Die Stimmen werden hier aufgetrennt und der Pan-Schaltung zugeführt. Erfreulicherweise hat der Hersteller für die Filter-ICs Fassungen vorgesehen. Eine einfache Lösung zum Signalabgriff wird mittels DIP-Streifenadapter, Draht und etwas Schrumpfschlauch angefertigt (Bild 3). Man beachte, dass die Lötfahne abgeknipst ist.

Bild 3: Wir basteln einen Adapter

Pro Filter-IC wird lediglich das Audioausgangssignal an Pin 14 abgegriffen (Bild 4) und separat behandelt. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass dieser Pin keinen elektrischen Kontakt mit der darunter befindlichen Fassung hat. Zur Sicherheit kann man beim Einbau zusätzlich noch einen schmalen Streifen Isolierband vorsehen. Alle anderen Anschlüsse bleiben unverändert und werden einfach nach „unten“ durchgeschleift. Sicher gibt es  elegantere Ansätze als den beschriebenen, aber für den Prototypen war das so ausreichend.

Bild 4: Audioabgriff am Filter-IC

Wie oben beschrieben wird das Summensignal der Pan-Schaltung auf das Voiceboard geführt, damit es auch weiterhin mit der Auto-Tune-Funktion klappt. Der Einspeisepunkt ist – wie sollte es auch anders sein – Pin 6 von U467.

Die Betriebsspannungen +/-15 Volt sowie Masse werden an geeigneter Stelle auf dem Voiceboard abgegriffen und auf das Pan-Board geführt. Die Stromaufnahme der Zusatzschaltung beträgt nur wenige Milliampere und fällt nicht weiter ins Gewicht.

Im Original wirkt der Lautstärkeregler auf ein VCA IC des Typs CEM3360.
Für die Pan-Schaltung wurden zwei Varianten erprobt: Variante 1 (Bild 5) bedient sich ebenfalls eines CEM3360, der ja per se als Zweifach-VCA ausgeführt ist, wie es zur L/R-Behandlung benötigt wird. Mit dieser Variante funktioniert die Schaltung zwar einwandfrei, das Ganze hat jedoch den Nachteil, dass dieses IC nicht mehr hergestellt wird und daher kritisch und teuer in der Beschaffung ist.

Bild 5: Variante 1 mit CEM 3360

Die zweite Variante (Bild 6) nutzt einen V2164D VCA von COOLAUDIO und funktioniert mit entsprechender Beschaltung ebenso einwandfrei. Klarer Vorteil hier: Dieses IC kommt aus laufender Fertigung und kostet nur einen Bruchteil dessen, was man für einen CEM 3360 auf den Tisch blättern muss. Entsprechend einfacher ist auch die Beschaffung.

Die genannten ICs sind mechanisch und elektrisch nicht kompatibel und müssen unterschiedlich beschaltet werden. Ergänzend sei noch erwähnt, dass der V2164D ein Quad-VCA ist, von dem hier allerdings nur zwei VCAs genutzt werden. Mit einer Dual-VCA Type, die der Autor nicht vorrätig hatte, ließe sich noch etwas optimieren.

Wer mit VCA-Bausteinen des Typs xxx2164 arbeitet (es gab/gibt diverse Hersteller, u.a. Analog Devices und eben auch COOLAUDIO) sollte übrigens aufpassen, dass stets beide Betriebsspannungen anliegen. Andernfalls kann es passieren, dass das IC beschädigt wird. In der Pan-Schaltung wurde eine Schottky Diode zum Schutz vorgesehen.
Gegenüber der CEM Ausführung wurden bei Variante 2 zwei Dual-Operationsverstärker durch eine Quad-Type ersetzt, was aber keinen Einfluss auf die Funktion der Schaltung hat.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    falconi  RED

    Besser Leiterplatte mit PowerPoint als Präsentation mit Eagle: Für Einsteiger und Aufsteiger!

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    AMAZONA Archiv

    target 3001… kann schaltpläne in layout wandeln..
    http://bit.ly/2mvZFor
    und eine ätzmaschine von iselt kostet nicht die welt..
    übrigens ein bisschen isolation mit plastidip würde beim prototypen auch nicht schaden..

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    digital-synthologie  AHU

    Für ein bisschen Solodudeln bestimmt ein interessanter Sound.
    In richtigen Songs nerven solche Panoramaspielereien schnell und man stellt den Sound dann wieder auf Mono.

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    AMAZONA Archiv

    Da kommt man sich ein bisschen vor wie die Besitzer eines c64 in der DDR, not macht unglaublich erfinderisch und so wurde so manches Meisterwerk geboren. Tolle Sache! Weiter so!

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    el-folie  

    Einfach herrlich! Davon brauchen wir wieder mehr. Der Mensch will anfassen/begreifen/basteln/ausprobieren.

    Wenn ich dann an die arme Generation Eifohn denke… „Oh kaputt – schnell für 600€ neu kaufen“. Die Kunst der Modifikation und Reparatur geht mit der miniaturisierten Alltagstechnik leider allmählich verloren.

    Daher ein top Beitrag auf Amazona! It´s the 70s/80s again :)

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      arnimhandschlag  

      ich bin Mitglied der Generation „EiPhone“ und großer DIY Bastel/Reparaturfan, also vorsicht mit den Stereotypen ;) Aber stimmt, ich empfinde es auch als pervers, dass sich moderne Geräte fast ausnahmslos der Reparatur verweigern.

      @ digital-synthologie: Finde ich gar nicht so: Am modernen Prophet mal die Funktion nutzen und nen Acid Arp auf Random damit Pannen, herrlich. Oder auch für den fetten Unisono-Sound.

      Jedenfalls vielen Dank für die Anleitung an den Autor, irgendwie trau ich mich an so Projekte noch nicht ran. Würde mal mit paar FX Tretminen anfangen wollen aber da ich wenn etwas nicht klappt keine Ahnung bei der Fehlersuche habe (Mein Versuch eines symetrischen Netzteils ging ordentlich in die Hose), hab ich noch nix gemacht. Kennt jemand da vielleicht gute Tutorials?

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      WackyJacky  

      Toller Mod! Gibts was neues in Sachen fertiger Leiterplatine dafür, die man nur noch selber bestücken und verlöten muss? Das wäre toll!

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        Piet66  RED

        Danke, das freut mich! Es gibt noch keine Platine, ich plane aber, dieses Thema im Herbst erneut aufzugreifen, wenn es mir die Zeit erlaubt. Kurz nach Veröffentlichung des Artikels gab es über den Hinweis eines Lesers hin Gespräche mit einer spezialisierten Firma, die *komplette* Lösungen für Synthesizer-Modifikationen anbietet. Ein solcher Ansatz wäre natürlich optimal für alle Beteiligten. Aufgrund höherer Prioritäten mit Projekten aus eigenem Hause wurde eine Umsetzung dann leider doch nicht realisiert. Ich freue mich daher weiterhin über konstruktive Vorschläge und Hinweise aus dem Leserkreis.

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    Marko Ettlich  RED

    Das ist toll! Warum habe ich den P-600 nur verkauft?! Warum habe ich den P-600 nur verkauft?!Warum habe ich den P-600 nur verkauft?! Warum habe ich den P-600 nur verkauft?! :D

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      Piet66  RED

      Nachtrag : Hier gibt es auch stets die aktuellste deutsch- und englischsprachige Anleitung zu diesem D.I.Y. Projekt.

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    Piet66  RED

    Aussagekräftiges YouTube-Video eines Anwenders mit Soundbeispielen von einem Prophet-600 mit GliGli- und Panorama-Upgrade: https://youtu.be/MnoZoLZDjPo

    Bemerkenswertes Detail am Rande: die Balance-Trimmer wurden hier (ähnlich OB-8…) bündig in das rechte Holzseitenteil eingebaut.

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