DIY: So bringst du deine Gitarre wieder in Topform

18. Februar 2018

Alles um Deine Gitarre fit zu halten

DIY: So bringst du deine Gitarre wieder in Topform

DIY: So bringst du deine Gitarre wieder in Topform

Obwohl wir es gerne verdrängen, so müssen wir doch akzeptieren, dass nichts ewig hält und es somit, gerade bei intensivem Gebrauch unserer Instrumente, zu Verschleißerscheinungen kommen wird. Dieses gilt vor allem für den Bühnenmusiker als auch dem stark ambitionierten Hobbymusiker. Alle anderen Gitarristen bzw. Bassisten werden wahrscheinlich nicht viel vom Zahn der Zeit, der an ihren Instrumenten nagt, mitbekommen, die, weil jene das Haus nicht verlassen, keinen besonderen Temperatur- und Lichtschwankungen ausgeliefert sind und auch nicht von „Hardware zersetzenden Bühnenschweiß“ beeinträchtigt werden. Ein Instrument, das nur im trauten Heim gespielt wird, läuft auch deutlich weniger Gefahr, einem betrunken Bandkollegen, unvorsichtigen Fans oder unvorhersehbaren äußerlichen Einwirkungen zu begegnen. Am meisten vom Verschleiß betroffen sind im Allgemeinen der Hals bzw. die Bünde, da sie mit jedem gegriffenen Ton einer physischen Kraft ausgesetzt sind. Aber auch andere Teile unserer Gitarren und Bässe sind davon betroffen.

Nachdem wir uns in Teil I des Workshops Tipps und Tricks Gitarre mit dem Hals beschäftigt haben, wollen wir uns nun im zweiten Teil unseres Gitarren TÜV den weiteren Parts unseres elektrischen Instruments wie Korpus, Hardware, Elektrik, kleinen Reparaturen oder auch Modifikationen widmen. Let’s get started!

Der Korpus – Basis unserer Gitarre und Beginn unseres Gitarren TÜV

Regelmäßig bzw. wenn unsere Instrumente in die Jahre kommen, sollten wir gelegentlich einmal die Politur auspacken und mit einem Lappen aus Baumwolle (altes T-Shirt etc.) für neuen Glanz sorgen. Dies gilt gleichermaßen für die Hardware aus Chrom, Gold oder Nickel. Manchmal muss man sogar zu einer alten Zahnbürste greifen, um an schwer zugängliche Stellen, z.B. an den Steg zu gelangen.

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–Heruntergerockter Steg, trotz guter Pflege austauschbedürftig —

Gerade dort lagern sich, soweit die Gitarre bzw. der Bass viel (insbesondere auf der Bühne) gespielt wird, Schweißreste ab, die die Chrom-, Gold- etc. Beschichtung anlöst. Bei meiner 19 Jahre alten Strat, die von einem Frankfurter Gitarrenbauer für mich angefertigt wurde, war nach ca. 3.000 Auftritten von meinem Vibratosystem an einigen Stellen, wo der Handballen aufliegt, nur noch das blanke Kupfer bzw. dunkler Rost zu sehen. Da ich das Vibratosystem noch nicht austauschen wollte, behalf ich mir auf die Schnelle mit klarem Nagellack, um die Brücke vor weiter fortschreitender Korrosion zu schützen.

Das ist natürlich keine Dauerlösung und so werde ich gezwungen sein, das Vibratosystem doch zu erneuern. Regelmäßige Pflege kann solche Maßnahmen eventuell herauszögern und somit auf einen späteren Zeitpunkt schieben. Manchmal muss man aber auch mit dem Austausch von Teilen rechnen.

Dings, Dongs und Kratzer – die Spuren der Zeit

Auch kleine oder deutliche Macken im Lack lassen sich nicht ganz vermeiden, sobald die Gitarre im Einsatz ist. Das Einfachste ist, man belässt es dabei. Wen das nervt, kann die kleinen „Dongs“, soweit sie nicht zu tief sind, mit Sekundenkleber auffüllen und anschließend in mehreren Stufen glattschleifen und polieren. Anleitungen gibt es dazu im Netz. Ich empfehle aber aufgrund eigener Erfahrung, Lackarbeiten besser gleich vom Gitarrenbauer machen zu lassen. Nur der Profi erzielt hier ein perfektes Resultat, alles andere wird nie wirklich schön aussehen und man ärgert sich nur, Zeit und Material verschwendet zu haben.

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— Gibson ES 135, böse Kratzer —

Löcher in geölten oder gewachsten Oberflächen neu zu füllen zu schleifen und polieren, ist dagegen eine verhältnismäßig leichte Arbeit, die auch ein talentierter Laie durchaus mit zufriedenstellendem Erfolg meistern kann. Dafür gibt es verschiedene Wachse (Wachssets) mit verschiedenen Farben. Man kann sich dann den passenden Farbton mischen, soweit man farblich keinen Volltreffer dabei hat. Hat man Zweifel an den eigenen handwerklichen Fähigkeiten, sollte man die Arbeit auch hier besser wieder den Profi machen lassen.

Halsschrauben regelmäßig nachziehen

Gelegentlich sollte man bei Gitarren (Bässen) mit geschraubten Hälsen überprüfen, ob die Halsschrauben festsitzen. Dazu sollte man unbedingt einen passenden Kreuzschlitz-Schraubendreher verwenden, um die nötige Kraft vollständig übertragen zu können und die Schrauben nicht zu beschädigen!

Die Schrauben von Patina befreien

Wenn bei einer Strat, Tele etc. die Schrauben, die das Schlagbrett halten, angerostet bzw. korrodiert sind, empfiehlt es sich, diese einige Stunden in ein Glas mit Nitroverdünnung legen. Dann werden sie vom Rost befreit und glänzen wieder. Das muss jedoch nicht jedermanns Ding sein. In Zeiten von „Gitarren-Aging“ geht der Trend ja eher zum schmutzigen und sichtbar gebrauchten Look.

Das Finish zum Glänzen bringen – das freut auch den Gitarren TÜV

Eine einfache Gitarrenpolitur (Lackpolitur, Möbelpolitur etc.) und ein Lappen aus Baumwolle reichen meist aus, um dem Lackfinish neuen Glanz zu geben. Die Hardware (Mechaniken, Vibratosystem, Brücke, Stop-Tailpiece) sollte regelmäßig mit einem Lappen von Schweiß und Schmutz befreit werden. Auch Chrompolitur kann Wunder wirken und einen schönen Glanz hervorrufen. Für eine entsprechende Behandlung sollte z.B. die Brücke aber besser erst abmontiert werden.

Die Elektrik überprüfen – Ehrensache beim Gitarren TÜV

Gelegentlich machen die Potis Probleme. Meistens ist der Austausch die beste Maßnahme. Hierbei unbedingt denselben Typ verwenden (250 k-Ohm, log. bzw. 500 k-Ohm, log.) Natürlich kann man es auch zunächst einmal mit Kontaktspray versuchen. Besitzt die Gitarre ein Schlagbrett, muss dieses natürlich zunächst einmal abgeschraubt werden. Potis sind in verschiedenen Ausführungen und Qualitäten erhältlich, leichtgängig oder schwerlaufend. Man tut sich keinen Gefallen, stets das günstigste Poti zu kaufen, besser gleich etwas mehr ausgeben und länger Spaß haben. Toggle-Switches bzw. 5-fach Schalter benötigen selten einen Austausch und funktionieren im Allgemeinen zuverlässig. Zumindest bei höherpreisigen Instrumenten.

Wenn man das Schlagbrett bzw. die Abdeckung für das Elektrikfach auf der Rückseite schon mal abgeschraubt hat, sollte man ggf. auch einmal über sinnvolle Modifikationen nachdenken (anderer Tonkondensator, Push-Pull-Poti für Pickup-Splitting oder Parallelschaltung), um das Potenzial der Gitarre voll auszunutzen. Das gilt natürlich nur, wenn es sich nicht um besonders wertvolle Gitarren handelt, die besser im Originalzustand belassen werden sollten, um keinen Wertverlust zu erleiden.

Die Treble-Bleed Modifikation

Ich persönlich bin ein großer Fan des Treble-Bleeds, da dieser verhindert, dass bei zurückgedrehtem Volumepoti die Höhen abhandenkommen und der Sound an Klarheit und Durchsetzung verliert. Ich benutze hierfür in meiner passiven Stratocaster ein 250- Kilo-Ohm-Poti (log.), z.B 2,2 nf und 100 kOhm parallel zwischen Ein- und Ausgang des Volumepotis, da ich damit die besten Erfahrungen gemacht habe. Bei Humbuckern empfehlen sich geringfügig andere Werte. Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte einmal auf der Seite von Seymour Duncan nachschauen.

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— Links Eingang, Schleifer (Mitte) ist der Ausgang —

Aktive Elektronik

Verfügt das Instrument über eine aktive Elektronik, so sollte man gelegentlich überprüfen (z.B. mit einem Messgerät), ob die Batterie noch ausreichen Saft liefert. Zeigt das Messgerät weniger als 8 Volt an, sollte der 9-Volt-Block getauscht werden. Wundern wir uns über einen kratzigen, gelegentlich aussetzenden bzw. kraftlosen Ton, ist die Ursache zumeist bei einer schwachen Batterie zu finden.

Problemfall ausgeleierter „Jammerhaken“

Wenn bei einer Strat beispielsweise der Vibratohebel aufgrund von heftigem Gebrauch Spiel bekommt, kann es helfen, diesen mit etwas Teflonband, das im Sanitärbereich zum Abdichten von Gewindeverschraubungen (von Rohren) verwendet wird, zu umwickeln. Vorher die Öl- oder Fettreste entfernen, die sich eventuell dort befinden. Dann sitzt der Hebel wieder straffer im Gewinde und spricht schneller an.

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— Gerockter und ausgeleierter Vibratohebel —

Sonderfall Floyd Rose Vibratosystem

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— Original USA Floyd Rose Vibratosystem aus den 80er Jahren. Die Chrombeschichtung des D-Saitenreiters beginnt langsam sich zu verabschieden. —

Anfällig beim Floyd Rose System oder dessen lizenzierten Klonen sind die kleinen Blöcke, welche die Saite einklemmen. Wenn diese aufgrund von zu viel Druck durch übermäßiges Anziehen der Inbusschrauben kaputt gehen, sieht man beim Gig alt aus, soweit man keine Ersatzgitarre zur Hand hat (hat der Autor bereits einmal erlebt). Die kleinen Blöckchen kann man einzeln kaufen und sollte ein Exemplar vielleicht auch sicherheitshalber dabei haben.

Sicherungsschraube der Klinkenbuchse nachziehen

Die Klinkenbuchse (gerade bei Strats) kann sich durch häufiges Ein- und Ausstecken des Klinkenkabels gelegentlich lockern. Diese solltet ihr bei Bedarf oder auf Verdacht (jedoch nur mit einer Nuss) nachziehen. Bitte keine Zange verwenden, da die Mutter dann mit hoher Wahrscheinlichkeit leidet und unschöne Kratzer bekommt. Hier gilt: fest, aber doch mit Gefühl. Auch ist darauf zu achten, dass die Buchse sich innen im Buchsenfach nicht mitdreht und so die Kabel abreißen. Am besten das Schiffchen ausbauen (zwei Schrauben lösen) und die Buchse mit einer Zange festhalten und mit der Nuss, die Mutter fest, jedoch mit Gefühl anziehen. Hier gilt die alte Weisheit: Nach ganz fest kommt ganz locker.

Die Gurtsicherung – denn ein Sturz kann sehr schmerzhaft werden

Die Überprüfung eines festen Sitzes der Gurtpins sollte auch Bestandteil des Gitarren TÜV sein. Schaller Security-Locks kann ich persönlich nicht empfehlen, da sie sich nach einer gewissen Zeit, auch wenn man die Muttern anknallt, immer gerne wieder lösen. Früher habe ich diese benutzt, aber dann wieder enttäuscht ausgemustert. Besser ist ein Flaschengummi einer Bierflasche (Flensburger o.Ä.) über dem Gurt. Diese Lösung ist kostengünstig und effektiv. Allerdings kann dann der Gurt nicht mehr ohne Weiteres abgenommen werden, was in einem Formcase zum Beispiel für Probleme sorgen könnte. Empfehlenswert, abgesehen von den üblichen Standardformen, sind z.B. auch die Gurtpins von Planet Waves.

gurtpins

— Doppelt sicher, ovaler Gurtpin und Flaschengummi —

Wir hoffen, dass diese Tipps für den einen oder anderen nützlich sein können – immer gut auf euer bestes Stück achtgeben! In diesem Sinne: Stay tuned and keep on rockin!

Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  

    Nitroverdünner löst IMHO keinen Rost – im Gegenteil er entfettet die Schrauben vollständig und macht es dadurch dem Rost noch leichter:)
    Am besten die Schrauben in ein gutes Kriechöl (z.B. Ballistol) legen, anschließend mit Haushaltspapier das überschüssige Öl entfernen und dann wieder montieren. Genau so verfahre ich seit Jahren mit allen anderen Metallteilen, die mit der Haut (und somit dem Schweiß) in Kontakt kommen mit Erfolg.

    Noch ein Tipp zu den sich ewig lösenden Schrauben/Muttern an Klinkenbuchsen, Security Locks usw.: Schraubensicherung heißt das Zauberwort. Aber die Richtige und zwar die mit Werkzeug wieder lösbare. Hält zuverlässig Muttern von Klinkenbuchsen, Gurthaltesystemen und anderen Kleinkram und lässt sich bei Bedarf auch wieder lösen. Vorsicht ist bei Kunstoffteilen geboten – Schraubensicherung kann diesen angreifen!

    Tipp Nr2.
    Es gibt Kontaktspray und es gibt Kontaktspray:)
    Das eine ist für grobe Kontakte wie z.B. im Kfz Bereich und das andere für sensible Elektronik. Das erste ist z.B. das bekannte Kontakt 60, das im Elektronikbereich mehr schadet als es nützt.
    Für unsere zarte Elektronik ist DeoxIT F5 für Poties bzw. DeoxIT D5 für Schalter das Mittel der Wahl. Kostet etwas mehr, hält aber lange und reinigt sehr zuverlässig ohne die sensiblen Teile zu zerstören.

  2. Profilbild
    Johannes Krayer  RED

    Hallo harrymudd,
    danke für Deine Tips! Ja, es gibt viele Methoden, um an´s Ziel zu gelangen. Jeder hat seine persönlichen Vorlieben,

    Johannes

  3. Profilbild
    dAS hEIKO

    Hmm, ich bin zwar nur ein Trommelknecht und Technohupenbetätiger,
    aber habt ihr nicht was gaaaanz wichtiges Vergessen?
    Die Saiten. :-)
    Neue Saiten sollte man sich öfter gönnen, weils einfach wieder frischer klingt. Der Preis für einen neuen Satz reißt einen nun wirklich nicht in den Ruin. Da haben Schalagzeuger schon ganz andere Investitionen zu tätigen.
    Und wer rostige Saiten hat, sollte sich für 2019 vornehmen mehr zu üben. Ansonsten gibt es dafür reiniger mit einem Filz, der aufkommenden Rost zuverlässig beseitigt.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Klar! Ich spiele meine Gitarren allerdings alle recht regelmäßig und reinige die Saiten danach meist mit Saitenreiniger (mit Filz). Deswegen kommt bei mir kein Rost auf. Aber Saiten sollten tatsächlich regelmäßig gewechselt werden, da hast Du Recht, schon weil es sich einfach auch besser anfühlt.

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