DOC ANALOG: Soundcraft DC-2000, DC-2020 Refurbished

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Reparatur der Computer Unit

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Einblick in das Netzteil

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Einblick in das Netzteil

Ein Wort zu den Operationsverstärkern. Oft wird vom sogenannten „englischem Sound“ gesprochen. Ob TAC, Soundcraft, Allen & Heath oder auch Drawmer. Seit den 80er Jahren werden bei den meisten Pulten Op-Amps der Baureihe TL072 und NE5532 verwendet. Einmal weil diese Teile extrem preiswert sind und ebenso zuverlässig jahrelang ohne Verschleiß ihren Dienst tun. Auf der anderen Seite – und da sollte man ein wenig realistisch sein – ist das kein high-end Zeugs. Man kann es positiv bewerten und sagen, ein Pult mit TL072 habe diesen tollen warmen, weichen englischen Sound. Man kann es eher negativ sehen und behaupten, es fehlten aber die Transienten und warmer Sound heißt auch „matschig“.

Wir haben eine Reihe von Versuchen angestellt und die klangbestimmenden Audio-ICs einmal alle auf Stecksockel gesetzt und mit aktuellen Nachfolge ICs versehen, die auch im High-End Bereich gerne eingesetzt werden. Dabei war zu beachten, dass einmal die Stromaufnahme pro IC nicht deutlich höher als bei den Standardtypen sein dürfte, und es sollte jetzt kein grundlegender anderer Sound erreicht werden, sondern einfach ein wenig mehr „Frische“ und Präzision.

Hier wurde statt des TL072 der TLE2072 von Texas Instrument gewählt, praktisch eine direkte Weiterentwicklung des TL072 mit verbesserten Rausch- und Klirrwerten. Für Summierstufen haben wir statt des NE5532 den Typ LM49720 verwendet, der auch in vielen HiFi-Foren als Verbesserung gepriesen wird.

Beide Typen sind gegenüber den gängigen Burr&Brown Typen relativ preiswert (ca. 2,- Euro)

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Kanäle auf dem Messplatz

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Kanäle auf dem Messplatz

Zu guter Letzt gibt es noch ein paar Feinheiten, dass wir in den EQs z.B das Hochpassfilter von 100 Hz auf 70 Hz Einsatzpunkt geändert oder die frequenzbestimmenden Folienkondensatoren durch spezielle WIMA Kondensatoren erneuert haben.

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Die  Brauchbarkeitsdauer eines 85° Elkos beträgt beim Einsatz unter 20° bis zu 20000 Stunden, erhöht sich die Umgebungstemperatur auf 40°, so sinkt sie auf 5000 Stunden.

Daher wirken sich feinste Nuancen in der Impulsverarbeitung von Bauteilen oft dramatisch auf den Klang aus.

Der beste Audio-Kondensator ist kein Kondensator. Leider lässt sich dieses Motto nicht überall in die Tat umsetzen. Gerade Audiomischpulte haben eine immense Anzahl an Koppelkondensatoren.

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Messprotokoll (weiß = vorher, grün = nachher)

Die  Induktivität (Wechselstromwiderstand) und der Ohmsche Anteil des Wechselstromwiderstandes (=ESR  =Ersatzserienwiderstand) sind zwar nicht real als Bauteil vorhanden, jedoch verhält sich ein Kondensator diesem Schaltbild entsprechend und verändert daher die Wirkung der Filter- und Koppelschaltungen in messtechnischer und klanglicher Hinsicht.

Jeder Kanalzug wurde nach der Überholung einzeln auf unserem Messplatz durchgemessen und wie man an den Messwerten und Kurven sehen kann, sind die Werte durchaus aussagefähig. Im Mittel pro Kanal eine Verbesserung des Rauschens um ca. 2 dB im EQ-Betrieb ist schon eine Ansage, zudem sind die THD-Werte auch erkennbar besser geworden.

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Endkontrolle

Wer übrigens unseren DOC ANALOG kontaktieren möchte, kann dies auch über seinen Facebook-Kanal tun – und zwar HIER :-)

Fazit

Eine komplette Überholung eines DC-2000 benötigt ca. 14 Tage – und kostet inkl. Material ca. 5.000,- Euro

Bedenkt man, dass man heute ein gebrauchtes DC2000 zwischen 1.000,- und 2.000,- Euro durchaus kaufen kann oder ein noch deutlich besseres 2020 für 3.000,- bis 4.000,- Euro, hat man nach einer kompletten Überholung ein Sahneteil, das klanglich auf der Ebene eines NEVE oder SSL steht – wobei auch diese Pulte recht unterschiedlich klingen – es ist halt alles Geschmacksache…

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Schöne Werbung für die Fachwerkstatt. Ich selbst konnte nun nicht viel lernen. Also selbst kann ich immer noch nichts machen. Aber jaaaa für wenig Geld gekauft, für mehr Geld reparieren zu lassen und dann glücklich werden, man sieht dass es Möglichkeiten gibt und das ist gut! Hoch lebe das vintage feeling. Es muss nicht immer alles neu sein. Das finde ich genial!

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    Lupina

    Also ich bin der neue Besitzer dieses Schmuckstückes von dem hier die Rede ist. Ich möchte kurz meine Erfahrungen aus Kundensicht hier schildern. Insgesamt kann ich sagen das hier in diesem Bericht in keinster Weise übertrieben wird!Ich habe schon einige Mischpulte unter den Fingern gehabt. Aber ich muss ganz ehrlich sagen ich habe noch nichts vergleichbar geiles gehört. Mag daran liegen das ich leider noch nie in den Genuss gekommen bin auf einer Neve oder SSL zu mischen. Aber es muss sich wohl genau so anfühlen. So kann ich aus Erfahrung sagen rein digital (auch mit allen analog-färbenden Plugins z.B. /UAD/Neve RS-88, Slate VCC BX_console, Presonus CTC, Harrison Mixbus und wie sie alle heißen)kommt man nicht Ansatzweise an den Headroom und die Summierungsqualität dieses Pultes heran. Ich kann sagen das ich bestimmt nicht alle aber die meisten Dinge in Sachen DAW/PLUGINS/DIGITAL vs Analog ausprobiert habe. Mein Urteil ist daher eindeutig. So einen Sound bekommt man in einer DAW einfach gar nicht hin. Auch wenn viele aus Zeit und Kostengründen immer mehr auf Computertechnik setzen und diese auch immer besser wird- befindet sich das arbeiten mit einem derartigen Pult auf einem ganz anderen Niveau/Level.

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      AMAZONA Archiv

      Das glaube ich dir sofort dass der Klang transparenter ist. Digitale Technik ist klasse für bequeme Leute bzw. Wenn Zeit mehr wert ist als Sound. Habe ein Pult 2000er gesehen, 3000€.Genau das hier. Ist der Preis OK?

  3. Profilbild
    Lupina

    Auch habe ich immer noch einen regelmäßigen Kontakt zum Team von Doc- Analog/Team Siedler und kann hier nur absolut positiv berichten. Ein super technisch versiertes sehr freundliches und hilfsbereites Team, das stehts bemüht ist zu helfen. Im Unterschied zu anderen Anbietern am Markt hat man hier wirklich den Fachmann am Telefon der sich die nötige Zeit nimmt und mit wirklich fundiertem „Know How“ zur Seite steht und absolut weis worüber er spricht. Von daher kann ich das aus eigener Erfahrung nur absolut zu 100% empfehlen. Nichts ist so geil wie ein wirklich vollanaloger Sound aus einem Mischpult wenn es vom Doc Analog „gemacht“ wurde. Klare und absolute Empfehlung meinerseits!

  4. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Für mich immer noch ein Rätsel wie man die mit Siebdruck bedruckten und durch jahrelangen Schweiss angegriffenen Oberflächen wieder sauber bekommt. Bei meinen vorsichtigen Versuchen, war der Dreck wie auch Farbe und Siebdruck verschwunden. Ebenso ein großes Problem sind die Indexmarkierungen an Potis. Würde mich freuen hier auch mal vorbeugende Pflegetipps für noch nicht abgerockte Technik zu lesen.

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