Test: Epiphone ES 335 Cherry, E-Gitarre

25. April 2021

Inspired by Gibson - die neue ES 335!

 

Dem Hersteller Epiphone eilt ja der Ruf voraus, der „kleine Bruder“ des Großkonzerns Gibson zu sein, der quasi als „Sidekick“ dafür zuständig ist, günstigere Versionen der oft hochpreisigen Gibson Gitarren herzustellen. Damit tut man Epiphone allerdings Unrecht, denn das Traditionsunternehmen stand in den 1930er-Jahren in direkter Konkurrenz zu Gibson und stellte Instrumente her, die den Modellen des Kontrahenten oft mehr als das Wasser reichen konnten. Ende der 1950er-Jahre wurde die Marke Epiphone schließlich von Gibson aufgekauft und gilt, spätestens seit der Verlagerung der Produktion nach Asien, als preisgünstige Alternative zu den Gibson Klassikern.

Die vorliegende Testgitarre ist eine Epiphone ES 335 Cherry – selbstredend handelt es sich hier um die Budget-Version der „großen“ Gibson ES 335. Das Instrument stammt aus der „Inspired by Gibson“ Modellreihe, die 2020 ins Leben gerufen wurde. Den Gitarren dieser Serie wurden einige Extras spendiert, um sie bezüglich Sound und Spielgefühl noch näher an die Originale zu bringen.

Mal sehen, ob das Testobjekt überzeugen kann!

Epiphone ES 335 Cherry – Facts und Features

Das Instrument wird in einem sog. „EpiLite Case“ geliefert, das äußerlich zunächst wie ein normaler Softbag aussieht, sich dann aber als recht stabiler Formkoffer entpuppt. Das Teil kann im Falle des „Falles“ schon einiges aushalten und ist – wie der Name schon vermuten lässt – ein Leichtgewicht.

Die „Inspired by Gibson“ Epiphone ES 335 wird in zwei Farbvarianten angeboten: Vintage Sunburst und Cherry. Das letztgenannte Finish finden wir bei unserer Testgitarre. In dieser kirschroten Farbe ist, bis auf die Vorderseite der Kopfplatte, das gesamte Instrument lackiert. Diese Arbeiten wurden sehr vorbildlich und makellos ausgeführt.

Test: Epiphone ES 335 Cherry, E-Gitarre

Die Epiphone ES 335 Cherry

Ahornkorpus mit Creme-Binding

Der „semi-hollow“ Korpus des Instruments besteht aus geschichtetem Ahorn und hat einen Sustain-Block, der aus demselben Material gefertigt ist. Bauartbedingt weist die Korpusoberseite, neben den Tonabnehmern, Hardware und Bedienelementen, zwei Aussparungen in Form von „F-Löchern“ auf. Die Zargen des Korpus sowie der Griffbrettrand sind mit einem cremefarbenen Binding eingefasst.

Test: Epiphone ES 335 Cherry, E-Gitarre

Der Korpus der Epiphone ES 335 Cherry

Eingeleimter Mahagonihals mit Indian Laurel-Griffbrett

Der eingeleimte Hals der Epiphone ES 335 Cherry ist aus Mahagoni und hat ein Griffbrett aus Indian Laurel. Diese Holzart wird immer häufiger für Griffbretter verwendet, da sie laut CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, zu Deutsch: Das Washingtoner Artenabkommen) (noch) nicht vom Aussterben bedroht ist. In das Griffbrett sind 22 Medium-Jumbo-Bünde eingelassen, bei deren Abrichtung der Hersteller allerdings etwas mehr Sorgfalt hätte walten lassen sollen – denn leider wurden, besonderes in den höheren Lagen, die Bundenden nicht sauber entgratet. Man reißt sich beim Spielen zwar nicht die Finger auf, unangenehm ist es aber schon.

Die Mensur des Halses beträgt ganz Gibson-like 628 mm, die Breite des Graph Tech „Nu Bone“-Sattels wird vom Hersteller mit 43 mm angegeben.

Test: Epiphone ES 335 Cherry, E-Gitarre

Mahagonihals mit Indian Laurel Griffbrett

„Kalamazoo“ Kopfplatte mit stilisierter Krone

Wie bereits erwähnt, ist die Rückseite der Kopfplatte ebenfalls im „Cherry-Finish“ lackiert. Dort befinden sich die sog. „Epiphone-Deluxe“ Stimmmechaniken, die cremefarbene Köpfe aufweisen und sich so farblich hervorragend ins Gesamtbild einfügen. Die gesamte Hardware der Epiphone ES 335 Cherry ist im Übrigen im „Nickel“-Finish gehalten. Die Vorderseite der Kopfplatte ist schwarz lackiert und hebt sich somit von der ansonsten „kirschigen“ Optik ab. Auf der Vorderseite finden wir neben der zweilagigen und ebenfalls schwarzen „Trussrod“-Abdeckung noch eine Art Logo in Form einer stilisierten „Krone“, so wie es auf einigen Epiphone Instrumenten zu finden ist. Die Form der Kopfplatte orientiert sich seit Einführung der „Gibson-inspired“-Serie übrigens deutlich mehr an der sog. „Open book“-Form der originalen Gibson Instrumente und wird als „Kalamazoo“ Headstock bezeichnet.

Test: Epiphone ES 335 Cherry, E-Gitarre

„Kalamazoo“ Headstock

Alnico Tonabnehmer und Tune-O-Matic Bridge

Bevor wir zum Praxistest kommen, schauen wir uns noch mal die Korpus-Vorderseite an. Dort befinden sich neben den Tonabnehmern die wesentlichen Bedienelemente sowie die Brücke, die einen nicht unerheblichen Anteil am Klang eines Instrumentes hat.

Bei den Tonabnehmern handelt es sich um zwei „Alnico Classic PRO“ Pickups, die laut Hersteller „eine breite Palette von Vintage-Sounds“ erzeugen und auf einigen Epiphone Gitarrenmodellen zu finden sind. Unterhalb der Tonabnehmer befindet sich das schwarze, fünflagige Schlagbrett in der typischen ES 335 Form. Geregelt werden die beiden Tonabnehmer über jeweils einen Volume- und ein Tone-Poti pro Pickup – die Anwahl der Pickups erfolgt über einen 3er-Toggle-Switch. Als Brücke ist auf der Epiphone ES 335 Cherry eine „Locktone Tune-O-Matic“ Bridge mit einem „Locktone Tailpiece“ verbaut. Diese Hardware-Elemente sind Epiphone „Eigengewächse“ und stellen eine kluge Lösung dar, um ungewolltes Verstellen oder gar Herunterfallen der Bridge und des Tailpiece beim Saitenwechsel zu verhindern. Außerdem fördert dieses System ein gutes Sustain des Instrumentes.

Wie klingt die Epiphone ES 335 Cherry? – der Praxistest

Das mit 3,5 kg nicht übermäßig schwere Instrument liegt sowohl stehend am Gurt, als auch im Sitzen, sehr gut am Körper. Der Hals weist laut Hersteller ein „Rounded C“-Profil auf und lässt sich samt Griffbrett bis in die höchsten Lagen komfortabel bespielen, Punktabzüge gibt es hier nur bezüglich der scharfkantigen Bünde (siehe oben).

Unverstärkt klingt das Instrument aufgrund seiner Bauart sehr resonant und kräftig, mit einer guten und ausgewogenen Darstellung in allen Frequenzbereichen.

Am clean eingestellten Verstärker klingen die beiden „Alnico Classic PRO“ Pickups charakterstark in allen drei Positionen. Der Halstonabnehmer alleine lädt zu jazzigem Spiel ein, aber auch cleane Akkord-Pickings oder rhythmisches Spiel tönen klar und definiert, ohne zu „mumpfen“. In der mittleren Position (beide Pickups) wird der Klang deutlich schlanker mit einer leichten Zunahme der mittleren Frequenzen – ideal für rhythmisch funkige Klänge. Der Bridge-Pickup alleine hat einen knochig, crispen Grundcharakter mit guter Durchsetzungsfähigkeit. Wie zu erwarten, ist das Klangbild hier höhenbetonter.

Schaltet man um auf den verzerrten Kanal, liefert der Hals-Pickup mächtige Powerchords, die trotz Bassdominanz immer noch genügend Definition aufweisen. Sololinien klingen cremig weich mit schönem Sustain. Beim Betrieb beider Pickups macht sich – wie beim cleanen Betrieb – eine Zunahme der Mitten und gleichzeitige Ausdünnung der Bassfrequenzen bemerkbar. Ein schöner „in-between“ Sound mit einer guten Portion „Twang“. Der Bridge-Tonabnehmer entpuppt sich bei verzerrten Sounds als waschechter Rocker! Powerchords tönen mit Druck und Definition aus dem Lautsprecher und Leadlines bellen einen geradezu an – das macht Spaß!

 

Fazit

Mit der ES 335 Cherry hat der Hersteller Epiphone ein recht heißes Eisen im Feuer des unteren Preissegments. Eine mit leichten Abstrichen sehr gute Verarbeitung und überzeugende Sounds machen diese Gitarre zu einer Empfehlung für all diejenigen, die den Spirit des großen Originals zu einem weitaus günstigeren Preis erleben möchten.

Plus

  • generelle Verarbeitung
  • Sounds
  • Bespielbarkeit
  • Optik

Minus

  • scharfe Bundgrate in den höheren Lagen

Preis

  • 563,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    FenderBaba

    Ein wirklich schönes Instrument. Ich hatte mir vor gut 20 Jahren eine Epiphone Dot ES-335 EB gegönnt. Toller Klang, gute Verarbeitung, Stimmstabil, immer noch ein Genuss sie zu spielen.

  2. Profilbild
    El Pony  

    Kannst du vielleicht noch nachreichen, mit welchem Amp und Mikrofon du die Soundbeispiele aufgenommen hast?

    Finde das für die Bewertung des Klangeindrucks hinfreich.

    Zur Gitarre… schön und echt eine Überlegung wert. Ich spiele eine Jazzmaster und eine ES-artige Gitarre mit längerer Mensur. Mit der kurzen Mensur konnte ich mich bisher nie anfreunden bzw. habe nie lange genug damit verbracht, um mich daran zu gewöhnen.
    Die ES ist eine unfassbar vielseitig Gitarre und wäre eine Lösung, dem Abhilfe zu schaffen.

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