Test: Earthquaker Devices Plumes, Verzerrer-Pedal

25. August 2019

Kleines Meisterstück von EQD

Earthquaker Devices Plumes

Earthquaker Devices Plumes

Das Earthquaker Devices Plumes – ein Overdrive und Tubescreamer aus amerikanischem Hause, ist ein fast schon verdächtig bodenständiges Verzerrer-Pedal der experimentellen Schmiede aus Ohio. Generell gilt: Earthquaker Devices dürften Electro Harmonix bald den Rang als geschäftigste Pedal-Schmiede ablösen. Die Jungs aus Ohio haben nicht mit Ideen und interessanten Konzepten in den letzten Jahren gespart, von denen manche besonders gut funktionierten, manche nicht. Wobei das Problem nicht immer die Konzepte als solche waren, sondern die Klangqualität – hatte das Pyramids einen doch originellen Ansatz für einen Flanger, dünnte das Gerät das Signal viel zu stark aus. Mein persönlicher Favorit aus dem Hause EQD ist und bleibt die Rainbow Machine, eins der vielleicht spannendsten und eigensinnigsten Pitchshifter-Pedale der letzten Jahre. Wenn hinter der Veröffentlichung kein irres Konzept steht, hinter dem sich die Pedalschmiede verstecken kann, sondern, wie im Falle des Plumes, ein Tubescreamer/Overdrive-Pedal, dann erst recht. Gelegenheiten wie diese ermöglichen es EQD nämlich zu zeigen, dass sie in der Lage sind, bodenständige und handwerklich gute Qualität abzuliefern. Und den Skeptikern zu zeigen, dass sie ihr klassisches Handwerk nach wie vor verstehen. Also ohne weitere Umschweife – schauen wir uns das Plumes mal genauer an.

Earthquaker Devices Plumes – Facts and Features

Womit will das Earthquaker Devices Plumes im Overdrive-Dschungel hervorstechen? EQD werden ganz konkret: viel Headroom für wenig Geld. Und man mag optimistisch sein. Denn der Palisander von Earthquaker Devices ist in der gängigen Meinung das qualitativ hochwertigste Pedal der Ohio-Schmiede – ein Overdrive Monster mit starker Klangqualität. Im Making-of Video zum Plumes wurde man ganz konkret, was den eigenständigen Ansatz des Plumes angeht, der ihn von den anderen Tubescreamern dieser Welt abgrenzen soll: Hier gibt’s nicht die klassischen Dual-OpAmps, also kein 4558-IC oder JRC4558, sondern einen JFET OpAmp mit erhöhter Input-Impedanz. Das heißt konkret, dass das Pedal das Versprechen vom erhöhten Headroom (im Vergleich zu anderen Tubescreamern) halten könnte. Der Tone-Regler ist überarbeitet worden und soll ein möglichst nahtloses und gleichmäßiges Betonen der Frequenzbereiche ermöglichen, sodass im vollen Anschlag noch genug Low-End spürbar ist – ein Problem, mit dem viele Tubescreamer-Clones kämpfen. Aber streng genommen handelt es sich beim Plumes auch nicht um einen Clone.

Ein paar Worte zu den restlichen technischen Details: Die Stromzufuhr läuft über ein 9 V Steckteil (das nicht im Lieferumfang enthalten ist), die Verarbeitung ist erwartungsgemäß gut, wie von EQD eben gewöhnt und die Stromaufnahme mit 25 mA sehr gering. Die Abmessungen belaufen sich auf 117 x 64 x 57 mm und das Pedal kommt auf knapp 400 g.

Earthquaker Devices Plumes – Clipping Modes/Panel

Earthquaker Devices Plumes

Das Panel des Earthquaker Devices Plumes ist entsprechend reduziert: Ein Regler jeweils für Level, Tone und Gain – mehr braucht es bei einem Overdrive-Pedal im Grunde auch nicht. Spannend wird es beim Plumes, was die einzelnen Clipping-Modes angeht. Hier zeigen sich der Kern des Plumes und das eigentliche Kaufargument. Die drei Modi gewährleisten nämlich, dass das Plumes vielseitig zum Einsatz kommen kann.

  • Symmetrisches Clipping im Modus 1: Hier knallt’s am lautesten. Unter Verwendung eines LED-Pärchens, also einer geraden Anzahl von Dioden, wird hier Soft-Clipping und dadurch ein lautes, zähes Klangbild mit ordentlich Sustain entfaltet.
  • OP-Amp-Verzerrung im Modus 2: Die Dioden entfallen komplett, was einen wärmeren und sanfteren Boost zur Folge hat. Ein Clean-Boost also, der wie gemacht dafür ist, um einen Akustikpart durch den Mix zu bringen.
  • Asymmetrisches Clipping im Modus 3 – hier fördert die ungerade Anordnung der Dioden einen sehr bissigen Klang zutage, der am ehesten noch an einen klassischen TS808 erinnert (obwohl diese zumeist mit symmetrischem Clipping arbeiten), nur, wie eben typisch für asymmetrisches Clipping, klarer und deutlicher klingen.

Also vereinfacht ausgedrückt: Mode 1 ermöglicht bretternde Distortion, Mode 2 Clean-Boost und Mode 3 Tubescreamer. Vor allem der Low-Gain-Bereich soll im Mode 2 und Mode 3 durch den JFET massiv und dreidimensional klingen – was wir uns im Praxisteil jetzt genauer ansehen werden.

 

Earthquaker Devices Plumes – in der Praxis

Jetzt soll sich zeigen, ob der Earthquaker Devices Plumes eine ernstzunehmende Alternative zu den gängigen Tubescreamern darstellt. Wir gehen die einzelnen Modi durch und demonstrieren anhand eines Loops die Bandbreite des Tone-Reglers, die vielleicht größte Stärke des Plumes. Aber der Reihe nach. Mode 1 beginnt mit seinem symmetrischen Clipping ist erwartungsgemäß der lauteste und „hungrigste“ Mode. Die Beispiele werden mit einem Shure SDM57 über ein Focusrite Scarlet aufgenommen. Bei dem Amp handelt es sich um einen Laney Lionheart.

Der Sound ist „crisp“ und fett – und bleibt dabei überraschend transparent. Das war so nicht zu erwarten. Wie eingangs erwähnt: Signalausdünnung ist eines der Probleme der EQD-Pedale. Hier ist jedoch das Gegenteil der Fall – kein Rauschen, kein Verdünnung. Das Low-End bleibt präsent, ohne dass die Mitten oder die Höhen beeinträchtigt werden – genau wie es sein soll. Hundertprozentig Overdrive ist das nicht – der Sound erinnert eher an cremige Distortion-Pedale als an typische Tubescreamer – zumindest im Mode 1.

Mode 2 gefällt ähnlich gut, eignet sich für Low-Gain-Geschichten hervorragend und transportiert dabei trotzdem eine gewisse Wärme. Selbst wenn der Tone im Anschlag ist, wird das Klanggebilde nicht gebrechlich oder schrill. Gain ist auf 12 Uhr, Tone ebenfalls mittig, wobei er im zweiten Klangbeispiel bei knapp 3 Uhr liegt.

Zu guter Letzt führen wir uns das asymmetrische Clipping des Mode 3 zu Gemüte – der weicher ist als die anderen und trotzdem weitaus stärkeren Distortion-Charakter entfaltet. In meinen Augen der schwächste Modus – wobei trotzdem immer noch auf hohem Niveau. Der Sound in Modus 3 wirkt ein wenig komprimiert, entfaltet auch bei höheren Einstellungen nicht den gleichen Headroom der anderen beiden Modi.

Zu guter Letzt stellen wir die Frage nach dem Tone. Will heißen: Wir lassen einen Loop laufen und fahren den Tone-Regler vom Minimum zum Maximum und stellen dabei fest, dass das Low-End und die Mitten erstaunlich präsent bleiben, je weiter man in Highpass-Gefilde vorstößt. Wirklich großartig und ein definitives Kaufargument bei dem Preis.

Fazit

Earthquaker Devices überzeugen diesmal – und zwar auf ganzer Linie. Der Palisander fand über die Jahre viele Abnehmer und der Plumes ist so etwas wie der kleine Bruder dieser Overdrive-Maschine. Doch klein ist hier bis auf das Gehäuse nichts: Alle drei Modi überzeugen, das symmetrische Clipping in Mode 1 besonders. Der niedrige Preis und die Flexibilität sprechen ebenfalls für den Plumes, aber was besonders auffällt: Der überarbeitete Tone-Regler macht einiges was her und rundet sämtliche Frequenzbereiche toll ab. Schön, wenn sich ein Hersteller traut, einen Standard-Parameter zu überdenken und zu überarbeiten. Eine echte Alternative zu den TS-Clones auf dem Markt und mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald ein Topseller für die Jungs aus Ohio.

Plus

  • tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
  • sehr guter Wirkumfang des Tone-Knobs
  • alle 3 Modi distinkt

Minus

  • -

Preis

  • 119,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    El Pony

    Über den Satz „Kein Rauschen…“ habe ich mich schon gefreut. 2 Pedale von EQD haben mir persönlich leider zu heftig gerauscht.

    Was alle drei Pedale, die ich hatte, inne hatten, waren Störgeräusche bedingt durch die Stromversorgung. Selbst bei einer Akku-Stromversorgung waren Artefakte zu hören. Pedale anderer Hersteller macht in dem Kontext hingegen keine Probleme.

    EQD weisen daraufhin, dass Daisy-Chain nicht zu empfehlen ist. Für meinen Anwendungsfall dann aber leider unbrauchbar.

    Daher hoffe ich, dass dieses Pedal sich auf meinem Board geräuschlos integrieren lässt.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Ich habe keine Daisy Chain beim Test verwendet. Denke aber, dass das funktionieren sollte. Die Signal-Ausdünnung und die Rauschanfälligkeit sind sowas wie die Achillesferse der EQD-Produkte. Das Plumes lässt hoffen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

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