Test: Electro Harmonix Mod 11, Gitarren-Pedal

29. Oktober 2019

Electro Harmonix präsentiert 30 Modulationen in kleiner Box!

Electro Harmonix Mod 11

Electro Harmonix kämpfen um die Vormachtstellung: Die Firma hat in den letzten zwei Jahren mehr Pedale auf den Markt geworfen als manche Pedalfirmen in ihrer gesamten Geschichte und tatsächlich war das eine oder andere Goldstück dabei: Das Oceans 11 ist eine kleine Reverb-Wunderbox und die 9er Reihe bekam zuletzt mit dem EHX Bass9 eine sinnige Ergänzung.  Die 11er Reihe ist vor allem preislich enorm attraktiv und packt viele Sounds in ein vergleichsweise kleines, aber leistungsstarkes Format. Uns hat jetzt das Electro Harmonix Mod 11 erreicht, eine Modulationskiste, die ganz typisch für Electro Harmonix übersichtlich und einfach daherkommt. Da diese Multieffektpedale mit immer besserer Technologie auskommen, sehe ich der Zukunft herkömmlicher Modulationspedale ein bisschen skeptisch entgegen. Wer ist schon heutzutage noch bereit, 200,- Euro für ein Phaser-Pedal auszugeben, wenn er für den gleichen Preis eine ganze Palette an Modulationen bekommen kann? Wahrscheinlich werden Solo-Modulationen also immer seltener werden und in erster Linie von Boutique-Firmen kommen. Das Mod 11 jedenfalls bringt eine ganze Bandbreite mit und soll sich perfekt mit dem Oceans 11 ergänzen. Zeit für uns, genauer hinzusehen.

Electro Harmonix Mod 11 – Facts and Features

Ein multifunktionaler digitaler Modulator – das soll der Mod 11 in den Worten von Electro Harmonix darstellen. Und schaut man sich die Anzahl der Soundtypen an, könnte man meinen, dass sich ein ganzes Pedalboard in dieser kleinen Box versteckt. Klar ist: Mit den Maßen 70 x 114 x 53 mm zieht das Pedal mit Oceans Eleven gleich. Der Trend, möglichst viele Sounds in eine kleine Box zu packen und dabei trotzdem Qualität zu gewährleisten, hat EHX also endgültig erreicht. Wie immer bleibe ich skeptisch, wenn diese Quantität für so einen Preis angeboten wird.

Schauen wir uns erst mal die Anschlüsse an: Kein Stereo, aber das wäre bei dem Preis wahrscheinlich auch zuviel erwartet gewesen. 6,3 mm Klinkenbuchsen gibt es an dem Gerät drei Stück: Einmal für den Input, dann für den Output sowie eine Tap-In-Buchse. Praktisch – dadurch lassen sich die Modulationen eintappen, wenn man einen externen Fußschalter miteinbezieht. Das Tempo des Tremolos lässt sich dadurch genauso einstellen wie beispielsweise die Drehgeschwindigkeit des Rotary-Effekts. Auf der Stirnseite befindet sich die Strombuchse für einen 9 Volt Stecker, der im Lieferumfang mitinbegriffen ist.

Electro Harmonix Mod 11

Das Besondere insgesamt am Electro Harmonix Mod 11: Die zweite Bedienungsebene für die Modulationen. Es steckt also noch mehr drin in dem Electro Harmonix Mod 11, als es zunächst den Eindruck macht. Der kleine Kopf in der Mitte zwischen den vier Reglern aktiviert die Zweitfunktionen der Modulationen, will heißen: Steuerung LFO-Schwingungsform, des Hüllkurvenfaktors und auch des Overdrives können für verschiedene Modulationen zusätzlich eingestellt werden. Doch dazu später mehr.

Electro Harmonix Mod 11 – Panel und Sounds

Also – 11 Modulationen bietet das Electro Harmonix Mod 11 an. Das ist eine ganze Menge für den Preis und wie eingangs erwähnt – eigentlich eher ein Grund zur Beunruhigung, da irgendwo die Abstriche gemacht worden sein müssen – oder vielleicht nicht? Tatsache ist: Es sind mehr als elf Modi. Ganz recht.

Jeder Modulationstyp besitzt bis zu drei Variationen, durch die mit dem Mode-Knopf durchgeschaltet wird. Das erhöht die Anzahl auf bis zu 30 verschiedene Sounds – bemerkenswerte Quantität also allemal. Was genau sind denn die Modulationstypen des Electro Harmonix Mod 11?

  • Trem: der typische Tremoloeffekt, dessen Sekundärfunktionen unterschiedliche Schwingungsformen und Hüllkurven sind
  • Harm: ein harmonischer Tremoloeffekt, der in seiner Modulation der Lautstärke mit tiefen und hohen Frequenzen arbeitet
  • Vibr: ein Vibrato-Effekt, bei dem die Zusatzfunktionen ebenfalls LFO-Schwingungsform und Hüllkurven betreffen
  • Uni: ein Univibe-Effekt, der irgendwo zwischen Phaser und Chorus anzusiedeln ist und in der Sekundärfunktion mit einem Overdrive versehen werden kann
  • Chorus: ein sehr am Small Clone von EHX angelehnter Chorus-Effekt
  • Rotary: der typische Rotary-Effekt, dessen Drehgeschwindigkeit und Gain auf der zweiten Bedienebene eingestellt werden kann
  • Flange: ein klassischer Flanger-Effekt, der mehrere LFOs in seinen Modi bereithält und sowohl additives als auch subtraktives Flanging ermöglicht
  • TZF: Through-Zero-Flanger, ein besonderer Flanger-Effekt, wo die durch Mini-Delays bedingte Modulation das unbearbeitete Signal überholt und dabei einen Effekt ähnlich dem Ruf eines Wals erzeugt
  • Phase: ein typischer Phaser-Effekt, angelehnt am Small Stone, der in seinen Modi entweder 4-, 6- oder 8-stufig ausfällt, LFO-Schwingungsformen und Hüllkurven gibt es in der Sekundärfunktion
  • Pitch: ein Pitchshifter mit leichter Modulation, dessen Verschiebung der Tonhöhe mit den Reglern eingestellt werden kann.
  • Filt: ein Filtereffekt, besonders für Bässe geeignet und zwischen Hoch-, Tief- und Bandpass eingestellt werden kann

Lässt sich also sehen. Das Spannende ist wie gesagt, dass der Mode-Knopf durch die verschiedenen Hüllkurven- und Schwingungsform-Optionen schaltet. Jetzt drängt sich natürlich bereits der erste große Minuspunkt auf: Bei so einer breiten Variation von Sounds keinerlei Speichermöglichkeiten zu haben, auch nicht per MIDI, lässt die Brauchbarkeit eines derartigen Tausendsassa in einem schlechteren Licht erscheinen. Aber der Reihe nach.

Electro Harmonix Mod 11

Die unterschiedlichen Modulationen sind natürlich von den Reglern unterschiedlich betroffen. Der Depth-Regler lässt in erster Linie Tiefe und Intensität einstellen, während Rate wie erwartet die Geschwindigkeiten der Modulation abdeckt. Volume/Color deckt für die ersten sechs Modulationstypen die Lautstärke ab, beim Rest werden unter anderem Feedback, Resonanz oder die Tonhöhe eingestellt. Der Mode-Knopf in der Mitte erledigt wie gesagt das Durchschalten durch die Typen und kann auch darüber hinaus, sofern gedrückt gehalten wird, in einem zweiten Modus gebracht werden, wo der Rate-Regler und Volume/Color je nach Soundtyp unterschiedliche LFO-Schwingungsform, Overdrive oder den Hüllkurvenfaktor einstellen lassen.

Also, was hier allemal deutlich wird: Ein irrer Umfang, den das Electro Harmonix Mod 11 hier abdeckt. Das bereits erwähnte Fehlen von Speichermöglichkeiten ist auf Papier ein unbestreitbares Manko. Was jetzt entscheidend wird, ist die Praxis.

Electro Harmonix Mod 11 – in der Praxis

Um die Soundtiefe einschätzen zu können, nehmen wir die Modulationen des Electro Harmonix Mod 11 über den Direct-In einer Scarlett Solo auf. Zum Einsatz kommt eine Schecter Diamond Series. Wir werden uns ein paar der Modulationstypen ansehen und uns davon überzeugen, ob die Klangtiefe ausreichend ist.

Tatsächlich zieht sich durch die meisten Soundtypen des Electro Harmonix Mod 11 der gleiche Eindruck: Funktioniert. Tatsächlich ist die klangliche Flexibilität und Vielfalt nicht völlig auf Kosten der Qualität gegangen. Mir fallen aus dem Stehgreif ein paar Modulationspedale ein, die für den doppelten Preis für nur zwei oder drei Modulationen eine ähnliche Qualität aufweisen. Tatsächlich ist für jede Vorstellung was dabei: Dadurch dass die zweite Bedienebene in Sachen Schwingungsform und Hüllkurve viel Flexibilität lässt, kann man auch mal recht viel Zeit damit verbringen, den perfekten Klang zu suchen. Das ist alles schön und gut – speziell der Phaser und das Harmonic Tremolo gefallen mir persönlich tatsächlich sehr.

Electro Harmonix Mod 11

Der Univibe ist so ein Ding – ich persönlich finde, dass diese Art Modulation ausschließlich nur bei sehr hoher Klangqualität gut klingt und das ist hier beim Electro Harmonix Mod 11 schlichtweg nicht gegeben. Trotzdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis allemal beeindruckend. Die Pitch-Modulation ist hochgradig flexibel – aufgenommen habe ich das Klangbeispiel im aufsteigenden Treppenmodus, aber auch fließende Übergänge zwischen den Tönen sind problemlos möglich. Dass immerhin die Möglichkeit besteht, das Tap-Tempo einzustellen, beruhigt ein bisschen. So muss man nicht alle paar Sekunden zum Korrigieren des Tempos auf die Knie gehen. Im unmittelbaren Vergleich mit dem einen oder anderen Keeley-Gerät, das nur einen einzigen Modulationstyp abdeckt, muss ich jetzt beispielsweise sagen: Einen hochgradigen Unterschied in Sachen Qualität höre ich da nicht. Ich bin angenehm überrascht – für den Preis habe ich mir weitaus Schlimmeres vorgestellt.

Fazit

Ging die Vielfalt auf Kosten der Qualität? Da muss man sagen: nein. Das Mod 11 von Electro Harmonix besticht durch eine für den Preis angemessene Klangqualität und besitzt durch die Möglichkeit, in Echtzeit das Tempo einzutappen, durchaus seinen Reiz. Aber Tatsache ist: Dieses Pedal hat ein großes Manko. Das Fehlen jeglicher Speichermöglichkeit ist bei so einer enormen klanglichen Flexibilität einfach ein Problem. Nimmt das Pedal völlig seinen Reiz? Mitnichten, aber ich hätte stattdessen ein klein wenig mehr bezahlt und die Möglichkeit gehabt, zwischen Presets hin- und herzuschalten oder mehrere zu kombinieren.

Plus

  • befriedigende Klangqualität
  • Tap-Tempo
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keinerlei Speichermöglichkeiten
  • nicht alle Soundtypen ein Überflieger

Preis

  • 145,- Euro
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