Test: Engl Ritchie Blackmore Signature E650, Gitarrenverstärker

Sound

Die 100 Watt Vollröhrenleistung müssen bei hoher Lautstärke unbedingt mit einem Noisegate gebändigt werden, da sonst so starke Rückkopplungen auftreten, dass der Verstärker nicht ernsthaft nutzbar ist.
Der Grundcharakter des Engl Ritchie Blackmore Signature E650 ist sehr warm und leicht vintage-mäßig, dennoch lassen sich mit dem Heavy-Lead-Kanal auch moderne Highgain-Sounds realisieren. Unabhängig von der Wahl des Kanals, ist der Ton immer sehr kräftig und hat viel Substanz und Fülle.
Der Lead-Sound erinnert durchaus an die klassische Marshall Verzerrung, je nach Einstellung können ihm aber auch leicht Fuzz-ähnliche Klänge entlockt werden.

-- Clean-Kanal --

— Clean-Kanal —

Für äußerst durchsetzungsstarke Mitten sorgt der Heavy-Lead-Kanal, der zusätzlich auch schöne Obertöne erzeugt. Gerade bei Highgain-Sounds sollten Anhebungen der Höhen und Mitten des Equalizers mit Bedacht eingestellt werden, da der Klang schnell zu scharf und spitz wird.
Der cleane Kanal ist schön transparent und klar, wobei im oberen Drittel seines Regelbereiches bereits leichte Verzerrungen entstehen. Bei der Verwendung eines Singlecoils muss beim Wechsel von Clean auf Crunch der Clean-Regler leicht aufgedreht werden, um einen deutlich hörbaren Anstieg der Verzerrung zu erreichen. Den gleichen Effekt kann man auch mit dem Volumeregler der Gitarre erzielen – vorausgesetzt man hat zuvor für entsprechende Reserven gesorgt. Bei einem Humbucker mit hohem Output reagiert der Crunch-Kanal natürlich kräftiger, wobei er bei gleicher Einstellung im Clean-Kanal auch schon leichte Verzerrungen hervorruft. Wer also diesen Verstärker vielseitig nutzen möchte, sollte die Volume- und Tonregler der Gitarre mit in sein Spiel einbinden. Sicherlich kann man auch mit diversen Tretminen dagegen steuern, aber dann besteht beim Kanalwechsel wieder das Problem, zwei Fußtaster auf einmal betätigen zu müssen.

-- Engl E650 mit Marshall 1960 TV Vintage Cabinet --

— Engl E650 mit Marshall 1960 TV Vintage Cabinet —

Fazit

Der Engl Ritchie Blackmore Signature E650 ist ein äußerst leistungsstarker Vollröhrenamp, der regelrecht für klassischen Rock geschaffen wurde. Wie von Engl gewohnt, ist die Verarbeitung sehr hochwertig, solide und macht einen langlebigen Eindruck. Dank der vier „Kanäle“ ist der Ton des E650 sehr vielseitig geartet: Glockige Cleansounds, warme, leichte Overdrive-Klänge, Marshall ähnlichen Leadsounds und moderne Highgain-Bretter werden in diesem Amp sehr gelungen vereint.

In wieweit die übergeordnete Klangregelung der Kanäle als Einschränkung empfunden wird, hängt von den Bedürfnissen und der Spielart des Anwenders ab.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Verstärkers ist sehr fair, jedoch sollten vor dem Kauf die Kosten für einen Kanalumschalter und ein gutes Noisegate pauschal mit eingeplant werden.

Klangbeispiele:
Fender Deluxe Lonestar Stratocaster
Engl E650 + Marshall 1960 TV Vintage Cabinet
Shure SM7B, AKG C 214, Neumann TLM 103 (Raum)
– Shadow Hills Gama Preamps
Pro Tools HD Interface
Pro Tools

Plus

  • vielseitiger Sound
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • bei hoher Lautstärke nicht ohne Noisegate nutzbar

Preis

  • UVP.: 1528,53 Euro
  • Straßenpreis: 1149,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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