Transwaves, Wave-Lists, Polyphoner Aftertouch - der Ensoniq TS-10
Der 1993 erschienene Ensoniq TS-10 Performance/Composition-Synthesizer war nicht nur ein mächtiges Produktionswerkzeug, sondern auch lange Zeit mein Begleiter auf den Bühnen dieses Landes. Zuerst bei den Ausseer Hardbradlern, dann auch bei der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung). Bis heute hat dieser Synthesizer einen fixen Platz in meinem Setup, wenn ich ihn auch nicht mehr live verwende. Er bietet einfach Sounds und Features, die auch nach 30 Jahren noch immer Kreativitäts-Impulse bringen.
Ensoniq TS-10 TS-12 Performance/Composition Synthesizer
Hersteller: Ensoniq (existiert seit 1998 nicht mehr als eigenständiges Unternehmen)
Erscheinungsjahr: 1993
Klangerzeung: Digital, 6 Oszillatoren, 32 Stimmen
- 300 Programs und 300 Performance-Presets (3 Sounds pro Preset)
- 6 MB Sample ROM, 2 bis 8 MB Sample RAM, 254 Wellenformen
- TransWaves und HyperWaves (bewegliche, dynamische Wavetables)
- Dynamischer 24 Bit Effektprozessor (= Ensoniq DP-4!)
- Umfangreiche Synthesizer-Einheit mit 2 Filterneinheiten (ohne Resonanz), 3 Envelopes, LFOs, etc.
- Modulations Mixer
- Ausgereifter 24-Spur-Sequencer
- 61 Keyboard-Tasten mit polyphonem Aftertouch (TS-10) bzw. 76 Klavier-Tasten mit Channel-Aftertouch (über MIDI) beim TS-12
- 80-Zeichen fluoreszierendes Display (immer gut ablesbar!)
- Floppy-Disc
- Anschlüsse: Phones, 2x Stereo-Outputs, 2x Foot-Switch, Pedal CV, MIDI In/Out/Thru, SCSI (optional)
Inhaltsverzeichnis
Ensoniq TS-10/TS-12
Ensoniq TS-10 und TS-12 unterscheiden sich nur bei der Tastatur, der Größe, dem Gewicht und dem Aftertouch. Der TS-10 hat eine sehr leichtgängige 61er-Tastatur mit polyphonem (!) Aftertouch, der TS-12 hat eine 76er Tastatur mit Hammermechanik und Channel-Aftertouch (aka normaler Aftertouch). Lange Zeit habe ich den TS-12 verwendet, vor Kurzem bin ich auf den TS-10 umgestiegen. Der TS-12 ist einfach zu groß und zu schwer, außerdem liebe ich polyphonen Aftertouch.
Ich werde in diesem Artikel also nur mehr den TS-10 erwähnen. Die Tastatur des TS-10 ist leichtgängig, spielt sich aber sehr gut. Leider ist sie etwas laut, ich kann damit leben (es gibt lautere). Die höchste Taste ist leider seitlich nicht geschützt. Deshalb ist es wichtig, beim Tragen aufzupassen, dass man nirgends dagegen stößt, sonst könnte die letzte Taste brechen.
Augen auf beim Gebrauchtkauf
Der TS-12 ist auf dem Gebrauchtmarkt deutlich günstiger zu bekommen, obwohl er ursprünglich teurer war. Platz ist nun einmal rar und kostbar. Wer gebraucht kaufen möchte, sollte darauf achten, dass eine SCSI-Schnittstelle verbaut ist. Dadurch hat man einfach Zugang zu einer größeren Soundlibrary. Leider wurde diese selten verbaut und ist somit auch selten beim Gebrauchtkauf dabei. Probleme hatte ich nur mit der Tastatur des TS-12. Die Hammermechanik ist anscheinend nicht für die Ewigkeit gebaut und hat meinem Spiel nicht Stand gehalten, weswegen ich die Tastatur ersetzen musste. Sollte also jemand einen TS-12 kaufen, unbedingt die Tastatur testen.
Sonst sind mir keine Probleme beim TS bekannt. Alle Schalter, das Display und auch das Laufwerk, funktionieren noch nach 30 Jahren wie am ersten Tag.
Der Synthesizer
Der TS-10 ist ein wahnsinnig vielseitiger Synthesizer, jedoch ohne Resonanzfilter. Hätte er das auch, hätte er wahrscheinlich die Synthesizer-Weltherrschaft übernommen. Aber es ist anders gekommen und Ensoniq gibt es nicht mehr. Am besten, ihr hört euch die Klangbeispiele an und macht euch selbst ein Bild. Die wichtigsten Daten zum Synthesizer findet ihr im Kurz-und-Knapp-Kasten.
Die beiden Filter klingen hervorragend. Filter 1 kann als 1-, 2- oder 3-Pol Lowpass-Filter fungieren. Filter 2 als 1- oder 2-Pol Lowpass (LP) bzw. als 1- oder 2-Pol Highpass (HP). Es sind also verschiedenste Kombinationen möglich. Möchte man ein 24 dB Lowpass-Filter (6 dB entspricht einem Pol), konfiguriert man zwei 2-Pol LP-Filter. Wenn man ein 12 dB LP-Filter will, dann zwei 1-Pol Filter usw. Durch die Kombination von LP + HP erhält man ein Bandpass-Filter. Jeder der sechs digitalen Oszillatoren verfügt natürlich über eine eigene Filter-Sektion.
Hyperwave, Wave-List, Transwave
Nun kommen wir zu einem besonderem Zuckerl der TS-Serie. Wie auch andere Ensoniq Synthesizer kann der TS-10 sogenannte Hyperwaves bzw. Wave-Lists generieren. Bis zu 16 Waveforms aus dem internen Speicher können hintereinander in einer Liste programmiert werden. Das Ganze läuft so ähnlich ab wie z. B. bei der Korg Wavestation. Jede der einzelnen Waves kann gestimmt werden, in der Lautstärke und der Klangdauer verändert, es gibt Crossfade und man kann auch noch den Startpunkt der Wave verändern. Es entstehen Grooves oder Wavetable-ähnliche Sounds.
Die Transwaves sind wieder etwas Eigenes, der TS hat acht davon. Das sind spezielle Wellenformen, in denen man sich durch verschiedenste Modulationsmöglichkeiten (z. B. Wheel oder Envelope) bewegen kann. Dadurch hat Ensoniq, so glaube ich, auch versucht, die fehlende Resonanz wieder auszugleichen, indem es einen Resonance-Transwave gibt. Aber ganz egal, es klingt wunderbar! So lassen sich auch Wavelist, Transwaves und „normale“ Waves kombinieren. Ein Patch besteht ja aus bis zu sechs Oszillatoren.
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Die Sample-Bänke
Die letzten beiden Bänke des Ensoniq TS-10 haben 16 Plätze für Sounds der hauseigenen Ensoniq-Library. Da ich auch den Ensoniq ASR-10 Sampler besitze, habe ich sehr viele alte Ensoniq CD-ROMs. Manche sind super, andere wiederum unbrauchbar. Um größere Programme bzw. von CR-ROM zu importieren, braucht man allerdings das optionale SCSI-Interface und eine Speichererweiterung auf 2×4 MB. Obwohl man dann zwar 8 MB hat, kann trotzdem kein Sound mit 8 MB geladen werden, es gehen nur Programms mit max. 4 MB pro Speicherbank. Die Sounds können dann im TS-10 editiert werden, allerdings speichert man nur die editieren Parameter ab, nicht das ganze Programm. Programme zu editieren und dann wieder zu laden, ist leider mit etwas Organisationsaufwand verbunden.
Die Verwendung der Sample-Bänke wird also eher nur etwas für absolute Ensoniq-Freaks sein. Eine Nachrüstung eines USB-Laufwerkes bzw. Floppy-Emulators (z. B. HxC) wird sicher möglich sein, habe ich allerdings nie gemacht.
Aus eins mach vier – die Patch-Select-Taster
Wer nie mit Ensoniq Synthesizern gearbeitet hat, wird die Patch-Select-Taster nicht kennen. Das sind zwei kleine graue Taster, die zusätzlich pro Sound drei weitere Soundmöglichkeiten bieten. Das Ganze funktioniert so, dass verschiedene Kombinationen der sechs Oszillatoren abgerufen werden können. Die Taster sind also nichts anderes als Oszillator-Mute-Taster. Diese können so programmiert werden, dass man sie live bedienen muss (sprich, man muss sie halten) oder dass sie wie Schalter funktionieren. Alles in allem ein Wahnsinns-Feature.
Die Effekte
Die Legende sagt, dass im Ensoniq TS-10 Synthesizer die Effekte des Ensoniq DP/4 Multieffekt-Prozessors am Werk sind. Ob das stimmt, kann ich nicht nachprüfen. Dass sie verwandt sind bzw. ähnlich klingen, ist aber unbestritten. Nur die vielfältigen Möglichkeiten eines DP/4 sind hier nicht möglich. Der Klang der TS-10 Effekte ist hervorragend. Nicht umsonst bezahlt man für ein DP/4 auf dem Gebrauchtmarkt bis zu 1000,- Euro aktuell. Beim Reverb z .B. haben Mitbewerber aus den 90ern keine Chance.
Es gibt aber nur einen Effektprozessor. Dieser hat 73 verschiedene Effekt-Algorithmen mit insgesamt 692 Presets bzw. Variationen. Bis zu drei simultane Effekte sind je nach Algorithmus möglich. Es gibt aber keinen extra Hall oder Chorus. Alles muss mit diesem einen Effekt gemacht werden. Das klingt nach Aufwand – und das ist es auch. Trotzdem, der Klang ist hervorragend und und braucht sich auch vor heutigen Plug-ins nicht zu verstecken.
Die Bedienung
Der Ensoniq TS-10 ist äußerst bedienerfreundlich. Fast jeder Parameter ist über eigene Taster erreichbar, das Display ist groß, immer ablesbar und gibt genug Auskunft. Möchte man mehrere Oszillatoren zugleich editieren, reicht ein Doppelklick. Drückt man erneut auf den Wave-Select-Button, kommt man immer auf die zuletzt angewählte Seite zurück (z. B. Filter). Über und unter dem Display gibt es jeweils drei Taster, damit erreicht man sofort den Parameter, der gerade im Display an dieser Stelle angezeigt wird (also pro Seite sind das dann sechs Parameter).
Ich tue mir schwer, das hier mit Worten zu beschreiben, aber der Ensoniq TS-10 ist sehr einfach und logisch zu bedienen, obwohl er nur einen einzigen Schieberegler besitzt.
Modulations-Mixer
Was’n das?!? Der Modulationsmixer mischt zwei Modulationen zusammen. Zum Beispiel kann ein LFO ein Vibrato erzeugen, während die Anschlagstärke bestimmt, wie stark dieses Vibrato hörbar ist. Je stärker der Anschlag, desto mehr Vibrato. Für den Verlauf der Änderung kann man verschieden Kurven auswählen (linear, konvex usw.)
Der Ensoniq TS-10 heute
Die weiteren Möglichkeiten wie Preset-Mode (drei Sounds gleichzeitig) oder den extrem umfangreichen Sequencer-Mode und die hervorragenden Eigenschaften des TS-10 als Masterkeyboard habe ich in diesem Artikel ausgelassen.
Der Ensoniq TS-10 liefert Sounds, die mit keinem anderem Synthesizer zu erzeugen sind. Diese klingen eher digital als analog, aber sie sind vielfältig und ausdrucksstark. Ob die Sounds in die heutige Musik passen, wage ich mal nicht zu behaupten. Auch könnte trotz der einfachen Bedienung die Bedienoberfläche einige abschrecken. Der Sound ist und bleibt aber einzigartig.


































dankesehr für den test!🙂
ensonique ja klang ist nicht leicht zu ordnen.
display gefällt mir so in gleich fast wie DRP 20.
der synthesizer füllt genau die lücke aus. bringt farbtupfer den
man vermißt.
Gott sei Dank! Ich habe echt schon befürchtet, dass Du nach der letzten Vintage-Vorstellung und dem Eklat in den Kommentaren keinen Bock mehr hast. Das wäre denn echt superschade gewesen.
Der »TS-10/12« ist vermutlich echt einer der Synthesizer, die man nicht so auf dem Schirm hat. Ich durfte den damals, als er neu war, mal kurz bei einem entfernten Kumpel antasten und dachte mir ob der kraftvollen Filter sofort: »Oh Mann, hätt’st mal noch ein wenig gespart und Dir nicht gleich den SK-10 gekauft!« Schade, dass Ensoniq Geschichte ist. Wenn man sich ansieht, was die da alles an Möglichkeiten in den Synthesizer gestopft haben, ist das es gleich zwei mal schade.
Was ich bei Deinen Vorstellungen immer sehr genieße sind diese Hinweise aus der Praxis. Man merkt einfach, dass Du die Dinger nicht einfach »nur« sammelst, sondern dass die Geräte auch echt im harten Einsatz sind und dort auch bestehen und performen müssen … und dass Du Deine Synthesizer liebst. Bin mal gespannt, ob Du auch den Korg »Z1« (mein Liebling) und den Yamaha »EX-5« vorstellst. 🙂
@Flowwater korg z1 🙂 ja wer den in griff hat kann echt so ich meine performen.
hebe ich mir für schlechte tage im wetter auf.
@Viertelnote Harre harre! 😁
@Flowwater :)) google sagt
harren = geduld
okay taler ist gefallen:))
@Flowwater was für ein Eklat?
wegen der ki?
@Numitron Ja
@MPC-User ah, danke!
Beim Thema Ensoniq kann ich natürlich nicht still bleiben. 😅 Ich freue mich immer sehr, wenn die Instrumente dieser Firma gewürdigt werden, von denen ich eifriger Sammler bin. Für Einsteiger in den Ensoniq-Kosmos ist es gut zu erwähnen, dass es zwei Faustformeln gibt: 1.: Die Synthesizer basieren jeweils auf den Samplern der gleichen Ära und 2.: Es gab in der gesamten Geschichte von Ensoniq lediglich etwa drei Produktlinien an Synthesizern, die stets sehr eng miteinander verwandt sind. Die erste Linie ist ESQ1/SQ80, quasi die Synthesizer-Erben des Mirage. Danach folgte die Baureihe, die am längsten weiterentwickelt wurde: Ausgehend von EPS16 / ASR10 entstanden die Synthesizer VFX, VFX-SD, SD-1 und schließlich TS. SQ1, SQ1+, SQ2 und KS32 kann man allesamt ebenfalls als abgespeckte, kostengünstige, in der Funktionsvielfalt eingeschränkte „Derivate“ der VFX/SD-Reihe betrachten.
Ensoniq hat dann so lange an dem Grundkonzept laboriert, dass sie es fast vergessen hätten, mit der Zeit zu gehen.
Die MR-Reihe (MR61/MR76/MR Rack, und auch KT76/88 zählen dazu) markierte den großen „Cut“ mit einer völlig neuen Synth Engine. Der Legende nach kam die Synth Engine des MR dann auch im FIZMO zum Einsatz, dem letzten Sargnagel für Ensoniq und zugleich vielleicht die Krönung der Transwave-Synthese.
Preis-Leistungsmäßig finde ich die TS-Reihe tatsächlich am besten. Die hat auch noch den urtypischen Ensoniq-Sound, der mit MR/FIZMO zunehmend verloren ging.
@UAP Randseitig gab es auch Piano-Module, Drum-Module/-Sampler (ASR-X hat es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht), Rack-Effektgeräte (DP-2/DP4, die meines Wissens der Effektsektion der VFX/SD/SQ/-Zeit nachempfunden sind), eine sehr gute MIDI-Patchbay (KMX-8) und noch ein paar Nettigkeiten, die heute höchstens noch historische Bedeutung haben.
Am Ende der Ensoniq-Zeit gab es dann auch PC-Soundkarten und sogar ein modulares computerbasiertes System, inkl. eigener DAW und DSPs (PARIS – Professional Audio Recording Integrated System), aber das braucht heute wohl keiner mehr.
Als Ensoniq dann von Creative Technology aufgekauft wurde, gab es noch ein paar Instrumente, in denen eigentlich E-MU drinsteckte, die aber auf Ensoniq umgelabelt waren (z.B. Ensoniq Halo – praktisch ein Keyboard mit Sounds der beliebten E-MU Rackmodule und der Ensoniq MR/ZR-Zeit). Soweit ich weiß: relativ einfache ROMpler und nicht weiter interessant.
@UAP Hallo UAP, das ist keine Legende. Ein Ensoniq MR (Rack) plus ein spezielles Dance Board (Name vergessen) ergeben quasi einen Fizmo. Plus noch mehr Transwaves als der Fizmo von Haus aus hat.
Ich bereue den Verkauf meiner TS10, des EPS16+ und ASR10 sehr. Problematisch war bei Ensoniq immer der SCSI Controller, der sehr zickig war. Das eigene Diskettenformat konnte man aushebeln, solange man einen alten Computer mit MS-Dos oder MacOS System 7 hatte. Der Poly-Aftertouch war ebenfalls super. Nur das nicht-resonanzfähige Filter war ein Nachteil.
@Markus Galla Ich besaß früher auch den ASR 10. Der war nicht billig. Ich glaube, ich habe ca. 5000,- DM bezahlt. Aber der Sound war wirklich gut. Vor dem Auftritt mußte ich die Sounds von einem SCSI Laufwerk in den ASR 10 laden. Das hat manchmal geklappt – manchmal aber auch nicht. Dann brauchte man 4, 5 Versuche. In der Zwischenzeit konnte der Sänger ja ein paar Witze erzählen.
@Spartakus Oh ja….deshalb gab es Ersatzdisketten.
ich habe nicht klar verstanden warum
filter ohne resonance ist. ist nur das eine frage von technic btw. processor ? oder was
hindert die umsetzbarkeit / feasibility. das selbe bei Korg X3 NS series.
@Viertelnote Bei manchen Plugins der Play-Series von Native Instruments, besonders die für EDM, gibt es überhaupt kein Cuttoff und Resonanz, obwohl dies bei dem Genre essentiell ist. Gut dass es in der DAW Filter Stock-Plugins gibt. Diese lösen das Problem. xD
@Filterpad danke! nun ist klar👍
@Viertelnote Ich vermute, das hängt mit der Leistung der seinerzeit verfügbaren Prozessoren zusammen.
@network southwest okay processor power ….danke!
@Viertelnote Die Filter vom »TS-10/12« sind digital aufgebaut, also mit Hilfe von Prozessoren berechnet (anders als die analogen Filter von MiniMoog, Prophet-5, Jupiter 8 usw.). Die damalige digitale Sounderzeugung steckte noch in den Kinderschuhen, so dass die Hersteller mehr oder minder froh waren, überhaupt Filter digital anbieten zu können. Die Resonanz war noch zu kompliziert zu berechnen. Deswegen haben sie es einfach weg gelassen. Auch die Korg »M1« hat zum Beispiel dieses Schicksal. Der Roland »JV-1080« hat dagegen Resonanz in seinen Filtern, allerdings klingt diese weitab von dem, was man aus den analogen Synthesizern als Resonanz kennt.
Ich persönlich bin mir unschlüssig: In der M1 habe ich die Resonanz nie vermisst und im JV-1080 nie benutzt (weil eher krätzig). Und wenn Du Dir die Soundbeispiele von Franz zum TS-10 anhörst … ganz im Ernst: Ich vermisse auch dort (erst einmal) keine Resonanz.
@Flowwater , einigen wir uns drauf, das es digitale Filter ab 1983 zu kaufen gab, nur war ein TMS32010 von TI den Herstellern einfach zu teuer. Kostensparen und Rotstift war damals auch schon Thema. Der M1 ist auch ein einziger Kompromiss und Rotstift optimiert. Was nicht schlechtes sein muss.
@Viertelnote , stell dir ein digitales Filter, wie eine Rechenmaschine vor, in der alle Werte blockweise summiert werden und dann durch die Anzahl der Werte dividiert wird. Das Ganze entsprechend der Auflösung in Bit und mit einer gegebenen Abstastfrequenz. Jetzt musst noch zwei Sachen beachten, die Gruppenlaufzeit des gesamten Signalspektrums und die Einzellaufzeit der Signale. Passt die Gruppenlaufzeit nicht, gibts Phasenschweinereien. Passen die Einzelaufzeiten nicht, gibts noch größere Probleme. Man kannte die Phänomäne in den Achtzigern schon, und 1983 veröffentlichte Texas Instruments den DSP TMS32010 damit konnte man digitale bauen und rechnen. Allerdings haben Dave Rossum(E-MU) und Marcus Ryle quasi das Thema digitale Filter in die Synthesizer gebracht und grundlegende Arbeit geleistet. Bei Rossum führte das zu den A-Z Chips und Ryle hat die u.a bei Alesis ausgetobt
@TobyB danke toby sehr lieb!
ich habe filter in digital nicht aufmerksam geschenkt. es ist eben so da.
in zeit ich achte da mehr darauf. checksum / prüfsumme ist aber was etwas anderes?
weil du schreibst laufzeit. nur die frage wegen sauber unsauber.
@Viertelnote , Checksum, Prüfsummen werden auch über blockweise Summierung, dividiert durch Anzahl errechnet. Typischerweise auf Bit Ebene. In einem digitalen Filter ist das nur eine Variante. Die hat allerdings Nachteile. Vorteil ein solches Filter ist schnell programmiert, hat aber schnell die Grenzwerte erreicht.
@TobyB hat das nicht damals nur wenige Leute interessiert?
klar, es gab schon Leute die Techno und co gemacht haben, aber eher wenige.
viele suchten nach dem heiligen Gral äh Piano 😃
die M1 hatte das dann und andere.
der Organist bei der Kirche meiner Eltern hatte auch einen.
Anfang der 90er sah das dann aber anders aus.
@Numitron so nun toby darüber schreibt es intereseirt mich. okay du meinst
damals in zeit. portable in box also piano organ strings.
okay meine oma hat nur piano und es führt nie weg vorbei🙂
heute ich finde piano wie sagt man in tod langweilig wenn sagen wir
man neue ein klangfarbe man sucht. piano preparing. classic ja ich spiele mal.
marble / mumel glas das teste ich so ich bei ihr im sommer bin. 😀
@Numitron , Filter und digitale Filter brauchst du nicht nur in Synthesizern. Nur wir machen mit Filtern Musik. Digitaltechnik war allerdings als ich mit der Ausbildung und Lehre begonnen habe(1987), fester Bestandteil der Lehrbücher. Analoge Filter ausrechnen war damals schon lahm. Die Gleichungen dafür hatte man auf seinem Taschencomputer von HP, TI, Casio und fertig. Digitale Filter funktionieren nun halt wesentlich anders, auch wenn das Ergebnis ein Filter ist. Erstmal solls es ein FIR, IIR, machste Gleitender Mittelwert, Butterworth-Filter, Chebyshev-Filter. Die M1 hab ich gepickt, weil technisch wären bessere digitale Filter machbar gewesen, nur wäre dann eine Preislatte gerissen worden.
Die Ensoniq-Geräte waren schon eine Klasse für sich damals. Als ich mir vor 35 Jahren den EPS 16+ angeschafft habe, war das eine Offenbarung für mich. Und er funktioniert immer noch und ist Teil meines inzwischen ziemlich großen Setup. Verkaufen? Never ever.
Sehr interessanter Artikel.
Ich selbst besitze einen KT76. Ein Paradebeispiel amerikanischer Handwerkskunst. Groß und schwer, sehr solide gebaut. Super Tastatur! Guter ausgewogener Klang. Sehr umfangreicher sequencer. Top Effekte. Allerdings sind die factory Sounds für heutige Verhältnisse etwas lame und editieren natürlich auch eher PITA (pain in the ass).
Leider wurde der KT76 früher anscheinend nicht sonderlich beachtet und ich habe trotz intensiver Suche nirgendwo kommerzielle Patches gefunden, obwohl die engine recht umfangreich ist und damit auch abgefahrene Sounds drin sind.
Crosskompatibilität zu anderen Geräten aus der Serie scheint auch mau zu sein. Daher benutze ich den KT eigentlich vor allem als Master Keyboard, was ja auch schade ist.
Vielleicht hat ja noch einer der alten Ensoniq Hasen 🎹🐰 hier einen Hinweis zu Patches?
@Quadratwelle KT ist aus mehreren Gründen ein etwas schwieriger Fall:
1. Die KT-Reihe war eher als eine Art Stage Piano mit Orgel und Synthesizer-Option konzipiert (quasi „Nachfolger“ des KS-32). Die Sound-Editierung stand bewusst nicht im Vordergrund.
2. KT liegt chronologisch zwischen TS und MR und hat schon die neue MR-Engine, aber anscheinend nicht voll ausgebaut – mit weniger Editierungsmöglichkeiten und teilweise anderen Wellenformen als MR. Trotz der technischen Verwandtschaft können wohl KT-Sounds nicht auf MR geladen werden und umgekehrt, weil die Wellenformen sich unterscheiden und weil wahrscheinlich die Modulationsmöglichkeiten bei MR komplexer sind und KT manches davon nicht darstellen kann. Beide Instrumente haben (soweit ich weiß) auch ihr eigenes Dateiformat.
3. Leider waren die KT-Instrumente am Markt nicht sehr erfolgreich und nur kurze Zeit erhältlich. Mit der MR-Reihe bot Ensoniq nur etwa ein Jahr nach dem KT-Release ein attraktiveres, sehr leistungsfähiges Workstation-Konzept, sodass KT relativ schnell in Vergessenheit geriet. Viele wissen gar nicht, dass es die gibt.
Ich nehme an, dass es deshalb relativ wenig kommerzielle Patches für KT gab/gibt, während man vor allem für VFX/SD/TS Tausende Patches online findet. Ich schätze, dass es auch schwierig sein wird, (abgesehen von Midiquest) einen Software-Editor für die KTs zu finden, aber danach könntest Du ja mal suchen. Dann wäre evtl. die Editierung wenigstens einfacher.
@UAP Wahrscheinlich ist es so wie du sagst, zu wenig Erfolg und damit wahrscheinlich zu wenig Nachfrage um Patches zu verkaufen. Auch die Ausrichtung als Stagepiano wird da mitschwingen. Heute ist der KT sooooo günstig auf dem Gebrauchtmarkt, absoluter Geheimtipp für ein sehr gediegenes Masterkeybord!!
@Quadratwelle Auf jeden Fall! 👍 Und auf YouTube gibt es erstaunlich viele Videos zum KT-76, darunter auch dieses sehr coole VHS Instructional Video von Ensoniq daselbst: https://youtu.be/ifJwrD-ZWPs?si=Ob_0wZKTDlUtvUGg
@UAP Einen Editor gibt es für die SQ-Engine Reihe (nicht SQ80!). Einfach mal nach KSeditor googeln.
Danke für den super Bericht. ich hatte mal den TS12 gleichzeitig wie den DP4+. Die Effekte im TS12 gefielen mir viel besser, rauschten weniger und hatten viel mehr Parameter. in den Effekten gibts übrigens einen Resonanzfilter. Evtl hatte ich aber damals den DP4 nicht verstanden.
Der „Test“ animiert mich dazu einen TS10 aus dem Keller zu holen, seit Jahren ungebraucht.