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Test: Epiphone LP Jared Nichols Old Glory, E-Gitarre

5. November 2019

Blues-Power mit P90-Pickup!

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre

Ich muss eingestehen: Der Name Jared James Nichols sagte mir zunächst recht wenig bis überhaupt nichts, als ich die Epiphone LP Jared Nichols Old Glory zum Test in Empfang nahm. Seltsam, wer segelt denn da unter meinem Radar? Eine kurze Webrecherche inklusive YouTube Videos brachte dann aber Klarheit in die Sache und für mich die Erkenntnis, dass man ja nicht überall seine Antennen ausfahren kann und ich zudem ja nun kein besonders ausgewiesener Fachmann im Blues-Bereich bin – auch das gestehe ich gleich zu Anfang!

Jared James Nichols gehört zu den Endorsern im Stall der Gibson Tochter Epiphone und war bislang dafür bekannt, mit seiner Gibson Les Paul und ihrem einzigen Pickup, einem P90, seine Blues-Skills ganz ohne Plektrum abzufeuern. Zu einem Signature-Instrument von Gibson scheint das aber noch nicht ganz zu reichen und somit ehrt Epiphone eben den 30-jährigen US-Amerikaner mit einem eigenen Instrument, das wir uns mal für einen Test haben zukommen lassen.

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory  Facts & Features

Ganz schön abgespeckt sieht sie aus, mit ihrem verlorenen P90-Pickup auf der Decke, den nur zwei Potis und ohne das klassische Tailpiece zur Aufnahme der Saiten. In aller Regel ist man ja hier andere Dinge gewohnt – mindestens zwei Humbucker, vier Regler dazu und ein verchromtes Tailpiece schmücken ja sonst an dieser Stelle den Korpus, der aus Mahagoni gefertigt wurde und eine mattschwarze Lackierung trägt. Der Hersteller bezeichnet das matte Finish der Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre als „Aged Ebony Gloss“ und somit als eine etwas in die Jahre gekommene schwarze Hochglanzlackierung.

Ich sehe ein solches Finish ja immer etwas kritisch, denn zeigen sich doch nach einer gewissen Zeit an den stark beanspruchten Stellen, wie etwa in Höhe der Armauflage oder innerhalb des Aktionsradius der rechten Hand, unschöne Abnutzungsspuren in Form von glatt polierten Stellen. Im jetzigen Neuzustand gibt es jedoch an der Qualität nichts zu meckern, der Lack wurde sauber und gleichmäßig über das gesamte Instrument verteilt aufgetragen. Ein cremefarbenes Binding umrandet nicht nur den Korpus der Gitarre, sondern schlicht jede Ecke und Kante von Kopf bis Fuß.

Blues Power!

Neben der spärlichen Tonabnehmerbestückung fällt hinter dem Steg ein graviertes Kunststoffschild auf, das für Jared James Nichols auf seiner Gitarre wohl einfach dazu gehört. „Blues Power“ lautet wohl das bzw. sein Motto und das wird an dieser Stelle eben zum Ausdruck gebracht. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre Blues Power

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory – Der Hals

Ganz traditionell wurde auch bei dieser Paula der Hals eingeleimt, irgendwelche speziellen Shapings im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs sind nicht zu finden, hier mag es Jared James Nichols wohl ganz traditionell. Er besteht aus Mahagoni und besitzt ein Griffbrett aus Ebenholz, in das die 22 Medium Jumbo-Bünde eingesetzt wurden. Das aber leider nicht sehr sorgfältig, denn vom ersten bis zum letzten Bund sind die Kanten recht scharf geblieben. Zudem fällt auf, dass das Griffbrett an beiden Seiten nicht bündig mit dem Hals abschließt. Nicht schön, selbst in dieser Preisklasse sind solche Verarbeitungsmängel mittlerweile doch ein ziemlich seltenes Bild.

Das „50s Style Rounded C“ Halsprofil kann man zweifellos als „wuchtig“ beschreiben, bis zum berühmten „Baseballschläger“ ist es auf jeden Fall nicht mehr weit. Man sollte also schon etwas Kraft aufbringen können, möchte man der Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre druckvolle Blues-Sounds entlocken. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die Halsrückseite die gleiche matte Lackierung wie der Rest des Instruments besitzt. Das macht die Sache zumindest angenehm „griffig“ und sorgt für ein natürliches Spielgefühl, das auch bei schweißnasser Greifhand keinesfalls ausgebremst wird.

LP Jared Nichols Old Glory – Die Hardware

Ich hatte es ja bereits erwähnt: Neben dem Verzicht auf eine üppige Bestückung mit Pickups hält Jared James Nichols wohl auch nichts von der typischen Steg-Tailpiece-Konstruktion, wie man sie an einer Paula üblicherweise vorfindet. Diese Reduzierung auf das Nötigste betrifft aber leider auch den „Wraparound Lightning Bar“ Steg, der ganz ohne verstellbare Saitenreiter auskommen muss. Da kommt Freude beim Einstellen der Oktavreinheit auf, lediglich mit den zwei kleinen Schrauben an der Aufnahme des Stegs der Bolzen besteht die Möglichkeit, auf die Bundreinheit Einfluss zu nehmen. Und tatsächlich schwächelte unser Testinstrument in diesem Punkt bereits deutlich hörbar, was sich in einem verstimmten Klangbild, besonders beim Spielen von Akkorden in höheren Lagen auf dem Griffbrett, unangenehm bemerkbar macht.

Einen guten Eindruck vermitteln jedoch die Mechaniken am anderen Ende der Drähte. Kein Wunder, stammen sie doch von Grover und dazu wohl nicht aus dem ganz unteren Regal. Sie laufen nahezu frei von Spiel auf ihren Achsen und lassen sich mit einem angenehmen Widerstand drehen, sodass das Stimmen der Gitarre hier schnell erledigt ist. Und ist die Epiphone LP Jared Nichols Old Glory noch so pechschwarz – etwas Licht findet sich dann doch noch, denn an der Rückseite der Kopfplatte sollte man ja schließlich die Signatur des Künstlers erkennen können.

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory Headstock

Jared Nichols Old Glory Headstock mit der Signatur des Künstlers

LP Jared Nichols Old Glory – Die Elektronik

Wenn schon nur ein Pickup, dann aber doch bitte gleich einen ordentlichen, scheint man sich bei Epiphone gedacht zu haben und lässt die Verstärkung einen Seymour Duncan P90 Soapbar übernehmen. Der schlummert völlig unauffällig in seiner schwarzen Hülle am Steg und ist mittels zweier Potis in Lautstärke und Klangfarbe regelbar. Die Regler sind von guter Qualität und besitzen einen relativ linearen Verlauf, sodass speziell mit dem Volume-Poti eine gute Interaktion mit dem angeschlossenen Verstärker hergestellt werden kann. Und wie das klingt, erfahren wir nun im Praxisteil!

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory P90 Seymour Duncan

Ein P90 und zwei Regler: Das muss reichen!

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory – In der Praxis!

Die Saitenlage unseres Testinstruments ist recht rustikal ausgefallen, was zusammen mit dem wuchtigen Halsprofil für mich persönlich zunächst einmal eine echte Herausforderung bzw. Umgewöhnung darstellt. Den akustischen Grundsound der Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre kann man als ausreichend bezeichnen, bei einem Instrument in dieser Preisklasse sollte und kann man einfach nicht so viel erwarten, was Spieldynamik, Klangvielfalt und vor allem Charakter im Ton betrifft. Insofern macht diese Gitarre ihren Job recht gut, auch wenn die Bestückung mit nur einem Pickup in der Praxis oft als Einschränkung empfunden wird.

Der Künstler mit seinem Signature-Instrument

Dennoch liefert der Seymour Duncan P90 Pickup zusammen mit der Mahagonikonstruktion einen guten und vor allem im leicht angezerrten Bereich ansprechenden Sound – und genau das ist ja eigentlich der Sinn der Sache bei einer Gitarre, die für Blues eingesetzt werden soll. Bei unverzerrten Sounds kann er die Schwächen im Grundsound jedoch nur schwer kaschieren und bei höheren Verzerrungen erhalten wir, wie zu erwarten war, ein deftiges Brummen auf die Ohren. Positiv anzumerken ist, dass weder die Dynamik, noch der Frequenzverlauf drastische Einbußen hinnehmen müssen, sollte man mal das Volume-Poti der Gitarre etwas zurücknehmen. Zumindest in diesem Punkt zeigt sich die Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre ein Stück weit flexibel.

Epiphone LP Jared Nichols Old Glory Klangbeispiele

Nun die Klangbeispiele, für die ich die Epiphone LP Jared Nichols Old Glory E-Gitarre in meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark mit angeschlossener 1x 12″ Celestion Vintage 30 Box eingeklinkt habe. Effekte wurden nicht verwendet, lediglich eine Pegelangleichung durch einen dezenten Einsatz eines Limiters in Logic wurde verwendet. Aufgenommen habe ich einen Lick mit einem Clean- und einem angezerrten Sound sowie zwei Cleansounds mit Solo-Licks bzw. mit verschiedenen Akkorden.

Fazit

Zu Beginn des Artikels war ich mit meinem Wissen über die Bluesszene ehrlich und am Ende möchte ich es ebenso sein. Mich hat die Epiphone LP Jared Nichols Old Glory im Test nicht überzeugen können. Zweifellos gibt es Instrumente, die mit einem P90 ganz hervorragend funktionieren, die Kombination hier aber sorgt eher für einen müden Klang und eine zähe Dynamik. Ganz anders als man es von einer klassischen Les Paul gewohnt ist. Hinzu kommen die Mängel in der Verarbeitung, was unterm Strich nur für ein „Befriedigend“ in der Wertung reicht.

Plus

  • guter Crunchsound dank Seymour Duncan P90
  • coole, schlichte Optik
  • Softcase im Lieferumfang

Minus

  • klanglich wenig flexibel
  • zähe/träge Dynamik
  • Mängel in der Verarbeitung

Preis

  • 679,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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