Feature: FOH – der Tontechniker als Teamplayer

9. Februar 2018

Die Quadratur des Kreises!

… aus der Sicht eines Gitarristen!

Schon einmal das sagenumwobene Gefühl der Hassliebe kennengelernt? Gerade unter Musikern gibt es unzählige Bandkonstellationen, wo insbesondere die Beziehung zwischen Frontmann und Gitarrist sowohl hochkreative Ergüsse, als auch selbstzerstörerische Grabenkämpfe hervorbrachten und bringen. Nun gut, neben unterschiedlichen Vorstellungen was die persönlichen und gruppendynamischem Prozesse angeht, sind es zumeist die mehr oder minder ausgeprägten Egos, die schon bekannte bis berühmte Bands zerstört oder zumindest belastet haben. Schafft man es jedoch, im entscheidenden Augenblick etwas Selbstreflexion in sein Handeln mit einzubeziehen, gelingt es meistens, innerhalb der Gruppe sein Handeln zum Allgemeinwohl hin abzuändern, gemäß des Mottos „Gemeinsam sind wir stark“. Zur Geschichte: FOH – der Tontechniker als Teamplayer.

Was aber, wenn ein Außenstehender eine Funktion bekleidet, die über Gedeih oder Verderb einer Band entscheidet. Neben des arg strapazierten Bildes des raffgierigen Managers ist es vor allem die Live-Situation, die eine Band zu 100 Prozent in die Abhängigkeit eines Dritten begibt und sie zuweilen dazu verdammt, mit anzusehen, wie sich die Fans die Ohren zuhalten oder entsetzt die Halle verlassen. Dieses Schicksal teilen alle Bands, die den Status der 2x-2-Wege-Boxen-auf-Hochständern Liga verlassen haben, sei es nun eine ambitionierte Coverband bis hinauf zu AC/DC Stadionrock. Der Künstler ist im Zweifelsfall der Dumme, denn niemand im Publikum wird nach der Show seinem Kumpel erzählen. dass der FOH die Gitarren bei 3 kHz viel zu stark gefahren hat, sondern ein knappes „die-Band-war-sch…..“ erstickt jegliches Nachfragen im Kern.

Wer jetzt glaubt, dieser Artikel soll eine Breitseite gegen die Zunft der Saal- und Monitormischer sein, könnte nicht weiter von der Absicht entfernt sein. Vielmehr gibt es jede Menge Möglichkeiten, ein gutes Miteinander zu generieren, um ein maximales Klangerlebnis umzusetzen. Insbesondere die Gitarrenzunft setzt neben dem Frontmann gerne pubertierende Duftmarken, welche eine Zusammenarbeit mit den Technikern erschwert respektive zum Erliegen kommen lässt, von daher auf zum fröhlichen Miteinander.

Gehen wir doch zunächst einmal auf die beiden Protagonisten und ihre besonderen Eigenarten ein, um ihr ureigenstes Verhalten besser nachvollziehen zu können.

aus der Sicht des FOH - eine amtliche Bühne

Aus der Sicht des FOH – eine amtliche Bühne

Der Saalmischer, besser bekannt als Front-Of-House (FOH)

Auch wenn es viele Musiker immer wieder vergessen, die meisten FOHs sind selber Musiker (gewesen) und kennen auch die andere Seite der Medaille. Sie sind also, wenn sie denn wollen, auch in der Lage, die Ängste und Sorgen des Gitarristen zu verstehen, nur wollen sie es nicht immer, oder aber sie präferieren nunmehr ihre persönliche Vorstellung. Abhängig vom persönlich gespielten Instrument ist meistens auch der Live-Sound angelegt, d.h. ein gelernter Drummer wird immer seinen Focus auf Kick und Snare legen, die dann meistens auch bei der Show klanglich und qualitativ weit vorne liegen.

Das hat aber auch den Nachteil, dass genau dieses Instrument unter ganz besonderer Beobachtung steht und ggf. mit der persönlichen Vorstellung des Musikers kollidiert. Ich habe schon FOHs und Musiker erlebt, die 30 Minuten über das Tuning der Snare gestritten haben, um das Ergebnis später dann in einer infernalischen Lautstärke ersaufen zu lassen. Das war einfach nur Egomanie, sonst nichts! So ein Verhalten ist in mehrfacher Hinsicht dumm, kostet Zeit und bringt nichts, ist aber glücklicherweise meistens die Ausnahme.

Übertragen auf Gitarristen wäre das eine Diskussion über den Grad der Verzerrung, die Bühnenlautstärke, den verwendeten Amp, den Lautsprecher, das Mikrofon, den Sweetspot des Speakers usw.. Alle diese Punkte kann man im Vorfeld besprechen, aber nicht während des Soundchecks, aber dazu später mehr. Generell sollte man sich vor Augen halten dass auch der FOH als Ziel hat, einen Sound zu generieren, den die Zuhörer als klar, gut, angenehm, druckvoll, fett, oder was auch immer empfinden, es gibt nur leider manchmal Situationen, die dies massiv verhindern. Später mehr dazu.

aus der Sicht des FOH - eine kleine Bühne

Aus der Sicht des FOH – eine kleine Bühne

Der Monitormischer

Machen wir es kurz, wer eine starke Tendenz zum Masochismus spürt und Stammkunde im örtlichen Domina-Studio ist, kann sich keinen besseren Job suchen. Der Monitormann ist IMMER eine ganz arme Sau! Warum? Nun, macht er seinen Job perfekt, fällt es niemandem auf und alles geht von davon aus, dass dies der Standard ist. Wenn aber auch nur ein Ping oder Pong zu laut, leise, scharf, dumpf oder was auch immer ist, bekommt der Monitormann die ganze Breitseite ab, oft genug ohne zu wissen, wofür überhaupt. Den persönlichen Monitorsound Geschmack des jeweiligen Künstlers zu treffen, ist pures Glücksspiel, von daher kannst du als Monitormann/frau nur verlieren. Apropos Frau, wer die Chance hat, eine Frau als Monitormischerin zu bekommen, unbedingt nehmen. Der tobende Künstler schreit eine Frau deutlich weniger an als einen männlichen Kollegen.

Der Gitarrist

Neben dem Sänger das am meisten nervende Element im Klangkosmos einer Band (ich darf das sagen ;-) Logisch, ist er es doch, der in fast jedem Song ein Solo spielen darf. Nun gut, der Sänger hat seines Erachtens den ganzen Song über ein Solo und lenkt im Solo auch noch mit seinen Grimassen vom Solo ab, aber im Gegensatz zum Beispiel zu der armen Bassgestalt auf der anderen Seite der Bühne steht man doch immer noch sehr gut da. OK, manchmal gibt es den „Rhythmusgitarristen“, der eigentlich nur mit auf der Bühne steht, da er das Booking macht oder die Namensrechte an der Band besitzt, aber sobald der „Leadgitarrist“ anfängt regelmäßig zu üben, ist es vorbei mit Lustig. Jetzt gilt es, dem Publikum die mühsam erarbeiteten Passagen auch in der richtigen akustischen Ausleuchtung zu präsentieren, d.h. MINDESTENS in der Lautstärke, die sonst der Sänger während des gesamten restlichen Songs für sich beansprucht.

der Gitarrist in seinem natürlichen Habitat

Der Gitarrist in seinem natürlichen Habitat

Ach ja, es dürfte wohl klar sein, dass alle Gitarristen am liebsten Instrumentalmusik machen würden, aber leider würden dann noch weniger Besucher zu den Shows kommen, wenn man nicht gerade über den Status eines Jeff Beck oder Steve Vai verfügt. Also nimmt man notgedrungen das „Aufmerksamkeitsabsobtionselement“ mit ins Boot oder aber man versucht diesen Posten gleich mit zu übernehmen, von dem ich nur tunlichst abraten kann. Merke, Richie Kotzen ist der einzige Gitarrist, der sowohl hervorragend Gitarren spielt als auch ebenso gut singt.

So, nachdem wir jetzt jedem der Protagonisten ordentlich was vor den Latz geknallt haben, widmen wir uns der Quadratur des Kreises, sprich, wie bringen wir diese Personen zusammen, auf dass nicht nur ein guter Sound generiert wird, sondern vor allem der Spaß an der Sache nicht zu kurz kommt?

Forum
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    Amaros  AHU

    Haha, gut geschrieben. Ich kenne auch beide Seiten sehr gut. Vergessen hast Du den Drummer, der oftmals überhaupt dafür verantwortlich ist, dass im Proberaum und auf der Bühne eine überhöhte Lautstärke erforderlich ist. Hier kommt das Argument, dass die Drums ohne ordentliche körperliche Arbeit nicht klingen, noch bevor der Gitarrist seinen Marshall auf 11 gedreht hat. Und genau das ist absolut falsch. Ich spiele mittlerweile seit vielen Jahren in Kirchen und nur noch mit Drummern aus der Oberliga. Da kommt dann selbst bei leisem Spiel ein so guter Sound raus, dass die Multitrack-Mitschnitte, die ich oft mit nur vier Mikros am Drumset mache, richtig gut sind. Und auf den Chormikrofonen ist kaum Übersprechen von den Drums! Natürlich dürfen die Jungs dann zwischendurch auch mal richtig loslegen, aber meistens müssen sie das gar nicht. Eine Snare kann, wenn man sie richtig spielen kann, auch unterhalb von 120 dB SPL gut klingen. Meistens dann sogar noch besser, weil man wirklich mal die Feinheiten zwischen den lauteren Schlägen hört und nicht zwingend einen Kompressor benötigt, der alles glatt bügelt. Gute Gitarristen erkennt man übrigens daran, dass sie auch mal einen Ton mit etwas Vibrato für mehrere Sekunden stehen lassen können und er gut klingt. Wenn dann noch „clean“ und „Overdrive“ bekannt sind und nicht nur „hotter then hell“ Distortion, gewonnen.

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      Armin Bauer  RED

      Hi Markus,
      Vollkommen richtig, habe auch schon mit Drummern gearbeitet, die das leise und trotzdem Druckvoll und dynamisch hin kriegen. Da musst du auch soundmässig fast nix machen, da die Trommeln 1a gestimmt sind und das ganze Set aus einem Guss ist. Da reichen dann auch 3-4 Mikros, wie früher (sehr viel früher) eben.
      Mit den Gitarristen ebenso, ich erinnere mich an ein Album, dass wir mit diesem Peavey Van Halen Amp eingespielt haben, volle Breitseite, klang fett. Aber für ein Solo habe ich ihm das Ding auf Crunch gedreht, er musste furchtbar arbeiten, aber das Ergebnis ging unter die Haut.

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    Armin Bauer  RED

    Hi Axel,
    Ich frage mal bei Peter nach, ob ich das durch „die Aufgabe des Tontechnikers aus Sicht des Tontechnikers“ erweitern darf ?
    Der Techniker ist immer Dienstleister,er hat sich also der Soundidee der Band(soweit vorhanden) anzunähern. Punkt.
    Aber es muss ein Miteinander stattfinden, sonst klappt das, wie überall, nicht.
    Vorherige Absprache ist natürlich optimal, aber wenn du, wir mir schon geschehen, bei einem größeren Festival 11 der 12 Bands zu mischen hast (ohne vorige Ansage vom Veranstalter) und der einzige mitgebrachte FOH-Mann der einen Band dir auch noch während deiner Arbeit zur „Inspektion“ am Pultplatz rum läuft und wichtig wichtig tut kannst du das vergessen.
    Beim Monitormix ist keine Maso-Ader erforderlich, man sollte aber wissen, was man tut, dann ist das eine sehr befriedigende Arbeit, die ich sehr gerne mache, da es hier zu 100% sitzen muss. Für FOH reichen 85%, da merken weder Band noch Publikum die fehlenden 15%.
    Immer noch mein Highlight aus der Monitor Kategorie, wenn auch schon ein Weilchen her: Die Jungs von Monster Magnet haben sich bei einem Clubgig nach dem Auftritt mit Handschlag bedankt, der Soundcheck lief übrigens nur mit der Technikcrew, hatte also bis dahin quasi keinen Kontakt zur Band. Das war echt das Lauteste was ich jemals gefahren habe. Und kein einziges Feedback, klar (Schulterklopf)

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