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Feature: Instrumenten Endorsement für Gitarristen

4. Oktober 2020

Sinnvolle Kooperation oder Ego Booster Deluxe?

Es gibt wohl nur wenige Bereiche in der Musikbranche, wo eine geballte Ladung von Halbwissen, Bewunderung, Neid und Verachtung aufeinander treffen wie im Bereich eines Endorsements. Jeder Musiker hat schon davon gehört, jeder hat eine Meinung dazu, nur sehr wenige besitzen eins und fast alle möchten eins haben. Dabei sind die Vorstellungen, die sich im Dunstkreis der Instrumenten- und Zubehörhersteller gebildet haben, teilweise so aberwitzig, dass man nur noch schmunzeln kann. Dieser Artikel soll Licht in die unterschiedlichen Variationen besagter Zusammenarbeiten bringen und mit modrigen Vorstellungen aufräumen.

Feature: Instrumenten Endorsement für Gitarristen

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So kommst du als Gitarrist an ein Instrument-Endorsement

Eine einfache Frage vorab: Glaubt jemand, dass z. B. Sebastian Vettel die Reifen, die er während eines Formel 1 Rennens verbraucht, von seinem Preisgeld bezahlen muss? Natürlich muss er das nicht, aber warum eigentlich nicht? Nun, weil der Reifenhersteller, wer auch immer gerade mit Herrn Vettel zusammenarbeitet, der Meinung ist, dass die Tatsache, dass Sebastian Vettel die Reifenmarke X benutzt, mehr Umsatz für ihn generiert, als wenn S. B. die Reifen selber bezahlen würde. Der Trick ist reinste Vorschulpsychologie, S. B. gewinnt die Rennen, ist wahrscheinlich auch ein sympathischer Kerl und beim nächsten Reifenkauf erinnert sich Hans Mustermann daran und wird eher zum S. B. Produkt als zu einem anderen Produkt greifen.

Die Praxis ist viel komplexer, aber die Basis ist „as simple as that“. Bei einem Endorsement handelt es sich letztendlich um einen Werbevertrag, bei dem beide Parteien der Meinung sind, dass ihre Kooperation sich für BEIDE (sehr wichtig!) im Endeffekt lohnt oder um in unserem Beispiel zu bleiben, Herr Vettel muss die Reifen nicht bezahlen und der Reifenhersteller macht dennoch mehr Umsatz als ohne Herrn Vettel. Verliert Herr Vettel jetzt aber jedes Rennen und benimmt sich gegenüber seinen Fans wie eine offene Hose, so leidet das Image und der Reifenhersteller wird sich überlegen, ob er weiterhin mit dem Nahmen Vettel in Verbindung gebracht werden möchte. Warum diese ellenlange Einleitung? Weil sie in ihrer Kernaussage im Prinzip alles zusammenfasst, was ein Endorsement ausmacht. Tatsächlich? Nun, jetzt geht es ins Detail.

Feature: Instrumenten Endorsement für Gitarristen

Endorsements für Musiker – Verträge und Kontakte

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber als der Autor dieses Artikels noch ein kleiner Lümmel mit großen Träumen war, gab es stets 3 Punkte, an denen ich meinen persönlichen Erfolg festmachte. Ich wollte:

1.) Eine Europatour in einem dieser tollen Nightliner machen und am Ende auch noch Geld damit verdienen.

2.) Ich wollte für jedes Instrument, jeden Verstärker, jedes Pedal und jedes Kabel eins von diesen tollen, großen Flightcases mit den fetten Kugelecken haben.

3.) Ich wollte eine Gitarre mit meinem Namen drauf haben.

Insbesondere #3 war faktisch der heilige Gral für mich und die Freude war geradezu übermenschlich, als ich vor vielen Jahren mein erstes Signature-Modell erhalten habe. Ich bin mir recht sicher, dass es vielen anderen Musikern ebenso gehen wird, viele aber auch allein den Gedanken daran für überzogen halten. Warum eigentlich? Was hat man schon zu verlieren? Natürlich kann man sich bei jedem Gitarrenbauer ein Instrument auf den Leib schneidern lassen, aber der Reiz liegt ja darin, dass ein Hersteller ganz im Sinne von Herrn Vettel der Meinung ist, dass sein Brand davon profitiert, wenn du sein Instrument / Verstärker etc. in der Öffentlichkeit zur Schau stellst. Schauen wir uns daher doch erst einmal an, was es für Endorsement Variationen gibt.

Diesen Arten von Gitarre- und Musik-Endorsement gibt es

Zunächst etwas Fachterminologie. Der Endorser ist der Hersteller des Produktes, der Musiker, der das Produkt benutzt, ist der Endorsee. Die gerne genommene Aussage eines Musikers, „ich bin Fender (o. ä,) Endorser“ ist Kokolores.

Feature: Instrumenten Endorsement für Gitarristen

Variation 1 – der 50 % Deal:

Auch wenn man es nicht glauben mag, einen sogenannten 50 % Deal, gerne auch als Artist Deal bezeichnet, ist gar nicht in so weiter Ferne, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, zumindest, wenn ihr einen deutschen Hersteller ins Auge gefasst habt. Ganz grob beschrieben, gewährt euch der Hersteller in diesem Fall eine Ermäßigung auf den Kaufpreis von ca. 50 %. Warum ist dieser Deal vergleichsweise einfach zu erhalten? Nun, es ist mehr oder minder der Kurs, zu dem der Hersteller seinen Artikel an den Einzelhandel abgibt.

Für den Hersteller ist es demnach fast egal, ob er den Artikel an den Künstler direkt oder an den Einzelhandel verkauft, Hauptsache, der Artikel wurde verkauft. Wer jetzt allerdings glaubt, dass es dem Hersteller egal wäre, wem er einen 50 % Deal anbietet, hat sich leider verrechnet, denn siehe oben, es ist immer noch sehr wichtig, welche Wertigkeit der Künstler in der Öffentlichkeit besitzt. Ein Künstler, der sich mit einem Endorsement der Firma X brüstet und dabei in jedem Partybums mit grausigen handwerklichen Fähigkeiten spielt, schadet dem Hersteller mehr, als dass es ihm nützt. Mehr dazu später.

Variation 2 – der 75 % Deal:

Hier fängt es für den Hersteller erstmals an weh zu tun, denn er investiert so viel Vertrauen in deine Person, dass er Teile seines Gewinns opfert, da er der Meinung ist, dass deine handwerklichen Fähigkeiten, deine Klickzahlen auf YouTube, die Anzahl deiner Freunde / Follower auf FB / IG oder aber deine Streaming-Zahlen bei den entsprechenden Portalen wie Apple Music / Spotify etc. so gut sind, dass die Präsentation deiner Person zusammen mit seinem Produkt sich für den Hersteller bezahlt macht. Entsprechend selten kommen diese Deals zustande, da man sich meistens dann schon im Bereich von

Variation 3 – der 100 % Deal:

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befindet. Hier bist du dann endlich da angekommen, von dem du immer geträumt hast, da ein oder mehrere Hersteller dir ein Instrument o. ä. ohne jegliche Bezahlung zur Nutzung zur Verfügung stellen. Zur Verfügung stellen? Ja, es gibt 2 Varianten im 100 % Deal. Es gibt die Variation der „ständigen Leihgabe“, bei der du das Instrument auf jede Art und Weise nutzen kannst, der Artikel rechtlich aber immer noch dem Hersteller gehört und er diesen auch wieder zurückfordern kann, z. B. wenn die Serie eingestellt wird, der Hersteller Konkurs anmeldet und dein Instrument zur Konkursmasse gehört, der Hersteller mit deinem Engagement für das Produkt unzufrieden ist o. ä.

Der heilige Gral hingegen ist ein 100 % Deal mit einer kompletten Übereignung des Instrumentes zu deinen Händen, was aber auch viele moralischen Verpflichtungen mit sich bringt. Einsacken und in die Ecke legen oder noch viel schlimmer, das Instrument heimlich verkaufen, bringt jeden Hersteller zu Recht auf die Palme und schadet deinem Renommee bis auf die Knochen. Man soll nicht glauben, wie viele Kollegen ich kenne, die sich dermaßen schändlich verhalten und ihren Namen in der Szene komplett verbrannt haben.

Ihr denkt, das ist die letzte Stufe? Von wegen, denn hier kommt …

Variation 4 – die Rockstar Abteilung

Was macht man, wenn der Name des Künstler so groß ist, dass man ihm nicht nur alles an Instrumenten zukommen lässt, was er haben möchte, sondern ihn noch mit einem anderen Leckerchen davon abhalten möchte zur Konkurrenz zu wechseln? Nun, die genauen Zahlen habe ich nicht vorliegen, aber „man schätzt“, dass z. B. Künstler wie Steve Vai oder Joe Satriani nicht nur eine unbegrenzte Anzahl von Instrumenten von Ibanez gefertigt bekommen, sondern auch jährlich einen sechsstelligen Betrag für die Verwendung ihres Namens im Zusammenhand mit dem Brand erhalten. Wer auch immer sich jetzt erbost, bitte immer daran denken, das sind normale Werbeverträge, was glaubt ihr, was Leute wie z. B. Jennifer Lopez oder Charlize Theron für die Verwendung eines Parfüms bekommen?

Endorsement als Musiker – wie geht das?

Bevor du ein Endorsement in Angriff nimmst, solltest du dir immer erst zwei Fragen stellen.

1.) Benötige ich wirklich ein Endorsement?
2.) Würde ich mir selber ein Endorsement geben?

zu 1.) Natürlich ist es ein Traum, wenn du als professioneller Musiker eine Kooperation mit einem „Verbrauchsartikel-Hersteller“ wie z. B. Saiten oder Drumsticks besitzt, einfach schon, weil es dein Portemonnaie schont. Geht es allerdings über diesen Bereich hinaus, kann es schon schwierig werden. Auch wenn man es sich teilweise nicht vorstellen kann, sowohl Kollegen, andere Musiker und auch die Hersteller spüren, wenn du nicht zu 100 % hinter dem Produkt stehst. Kleine Feinheiten verraten sofort, ob du nur etwas abgreifen möchtest oder ob dich das Produkt wirklich überzeugt.

Feature: Instrumenten Endorsement für Gitarristen

Zu 2.) Hältst du dich selber für so auffällig / interessant / professionell / handwerklich outstanding, dass du in dich selber Geld investieren würdest? Wenn ja, go for it, wenn nein, warum sollte es jemand anders machen?

Wenn du beide Fragen mit ja beantworten kannst, hier ein paar Tipps:

– Auch wenn internationale Namen wie Fender, Gibson oder wer auch immer den Charme schlechthin versprühen mögen, schau dir an, was dein eigenes Land oder zumindest Europa an Herstellern bietet. Warum? Für einen Deutschen ist es faktisch unmöglich, einen direkten Deal mit einem interkontinentalen Unternehmen an Land zu ziehen (Ausnahmen bestätigen die Regel), du wirst in der Regel an den lokalen Vertrieb weitergeleitet, der dann natürlich für jede größere Investition sich erst einmal mit dem Hersteller abstimmen muss. Bei einem lokalen Unternehmen sind die Wege kürzer, die Sprachbarriere fällt weg und die Qualität ist mindestens die Gleiche, teilweise sogar deutlich über der Konkurrenz.

– Für die Kontaktaufnahme gibt es bei den meisten Unternehmen eigens angestellte Mitarbeiter, die den Bereich A&R / Artist Relation Manager / PR Manager / Marketing Manager etc. bekleiden. Am besten im Vorfeld eine gute Recherche an den Tag legen und sich per E-Mail melden. Ein Telefonat als Erstkontakt hat immer ein bisschen was von „Nötigung“.

– Ihr müsst den Ansprechpartner davon überzeugen, dass sich eine Kooperation für ihn lohnt. Die Mitgliedschaft in einer Band und fleißiges Arbeiten überzeugen heutzutage leider niemanden mehr, zumal diese Mitarbeiter ungefähr die gleiche Frequentierung erfahren wie der Booking Agent eines Musikclubs. Kurze Beschreibung, wer du bist, was du machst und dann ab an die Verlinkung. Live Shows, Videos, Interviews, Workshops, Arbeitsbereiche, alles was du irgendwann einmal im Netz platziert hast oder von dir platziert wurde und was von hoher akustischer Qualität ist, entsprechend verlinken. Eben alles wie bei einer ganz normalen Bewerbung.

– Nicht enttäuscht sein, wenn es nicht funktioniert, da es sich nicht unbedingt um mangelnde Interesse von Seiten der Industrie handeln muss. Meistens haben die Mitarbeiter ein begrenztes Budget, mit dem sie arbeiten können. ist dieses Budget ausgeschöpft, kann man leider keine neuen Künstler mehr unterstützen.

– Nicht verärgert sein, wenn Lachnummern wie Mötley Crüe „Sänger“ Vince Neil in Interviews darüber „jammert“, dass er ständig neue Gitarren zugeschickt bekommt, um sie bei seinen Backingtrack-Shows nicht angeschlossen zu spielen. In der Liga ist es völlig egal, ob überhaupt noch irgendein Instrument live gespielt wird, solange die Leute (vielleicht in ein paar Jahren wieder) für diese Verarsche auch noch Geld bezahlen.

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Fazit

Ich hoffe, der Artikel konnte dir ein wenig helfen und wer weiß, vielleicht kannst du mehr Leute überzeugen, als du dir im Moment vorstellen kannst. Viel Erfolg!

Übrigens, es geht keineswegs immer nur um Geld bei einem Endorsement. Viele Künstler pflegen auch deshalb Endorsements, da sie z. B. bei ihren weltweiten Tourneen immer einen Vertrieb des Herstellers in dem jeweiligen Land haben, so dass sie z. B. ihre favorisierten Verstärker überall spielen können.

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Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hi Axel,
    ich liebe Vergleiche, die auf der Auto Industrie aufbauen, damit lässt sich hier, im Autoland Nr.1, so gut wie alles begründen.
    Das Vettel Beispiel greift aber leider nicht, die fahren da alle dieselben Schlappen desselben Herstellers, sorry :-)
    Einen ganz wichtigen Punkt für Endorsement erwähnst du im Fazit. Weltweit das präferierte Equipment gestellt zu kriegen. Für Gitarristen vielleicht inzwischen gar nicht mal so wichtig, du beschreibst ja in deinen Artikeln selbst die Suche nach einem guten Live Sound auf Airline Handgepäck Maßen. Für international agierende Drummer und Keyboarder aber elementar.
    Grüße Armin

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hi Armin,

      bei Headliner Tourneen mag das Drummer System evtl. noch funktionieren, bei Festivals stehen meistens pro Bühne 2 Sets zur Verfügung und die Drummer sind bereits dankbar, wenn die gewünschten Tomsgrößen und die nötige Anzahl der Cymbals vor Ort sind. Was ich hier schon alles selbst bei etablierten Festivals erlebt habe, füllt ein ganzes Buch.

      Manchmal werden noch die Resonanzfelle getauscht, damit die nötige Firma zu lesen ist, aber dass ein Künstler sein bevorzugtes Set auf einem Festival vorfindet, ist pures Glück, oder aber er lässt sein Set vom Vertrieb anliefern.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hi Axel,
    ist klar, berufe mich da weniger auf Festivals. Snare und Fußmaschine mitbringen, der Rest muss irgendwie passen, sondern eher auf Touren mit wirklich wichtigen Musikern.
    Z.B. eine Till Brönner Tour, dürfte so 2007/08 gewesen sein. Durfte da einmal Monitormix machen. Till war da mit einer 1A Amerika Besetzung unterwegs, mit Jack De Johnette als Drummer. Und natürlich hat da Sonor brav überall ein Set angekarrt.
    War aber auch ein unvergleichliches Erlebnis, wenn du dem Typ in 3 Meter Entfernung beim Solo zugucken konntest, wie er locker zurück gelehnt und lächelnd einfach die Schlagzahl verdoppelt, irre…

  3. Profilbild
    Joerg  

    Lieber Axel, eines fernab vom Thema: ich finde deine Artikel immer sehr lesenswert! Bitte weiter so :-)
    Und wenn Du ein Buch über das Musikerleben schreiben kannst, dann mach das doch. Wer hält dich ab ? Ich würds lesen

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Joerg,

      vielen Dank für dein Lob, es freut mich sehr, wenn meine Artikel dir zusagen.

      Ich hatte in der Tat schon öfters die Idee, ein Buch zu schreiben in dem ich dann auch all die Namen nenne, die ich im Moment noch aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen „umschreibe“, aber so ein Buch kann man nur schreiben, wenn man selber mit seiner aktiven Karriere abgeschlossen hat, wenn du weisst, was ich meine … ;-) Allein die Auflistung der Kollegen, welche das Publikum mit z. T. halben Playback-Show verarschen, würde mich zu einer internationalen persona non grata machen.

      Und da ich vorhabe, mich noch ein paar Jahre im Musikzirkus aktiv aufzuhalten, wird ein solches Buch, sofern es denn je erscheinen wird, zumindest so lange auf sich warten lassen.

  4. Profilbild
    manomym  

    Danke für den interessanten Artikel, spannend zu lesen! (Ich bin leider nicht talentiert genug, irgendwann Endorsee zu werden :) )

  5. Profilbild
    elbonzoseco  

    Wir haben mit unserer kleinen Firma meist Selbstkosten Deals gemacht, gerade auch um einfach den Namen bekannter zu machen. Heißt man musste nicht wirklich ein angehender Star sein um bei uns nen Deal zu bekommen. Lustig war dann nur zu sehen wie gerade einige dieser Bands/Musiker die absurdesten Forderungen stellten :)
    Es geht halt meist um Eitelkeiten und Status. Die Sache mit dem Weiterverkauf zu höheren Preisen ist uns auch sauer aufgestoßen.

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