Jubiläum der virtuellen Gitarristen
Wie auch die Pocket Operator von Teenage Engineering feiern die Session-Gitarristen von Native Instruments in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Im Verlauf dieser zehn Jahre hat Native Instruments die Serie seiner virtuellen Gitarristen kontinuierlich ausgebaut, zuletzt mit der Veröffentlichung der semi-akustischen Hollowbody-Gitarre Ruby Deluxe. Im folgenden Artikel werfen wir einen Blick zurück auf die Entwicklung dieser Software-Instrumente und stellen euch alle aktuellen Software-Instrumente vor.
Inhaltsverzeichnis
- Native Instruments Session Guitarist Jubiläum
- Native Instruments Session Guitarist – Überblick
- Session Guitarist – Soundeinstellungen und Effekte
- Native Instruments Strummed Acoustic
- Native Instruments Strummed Acoustic 2
- Native Instruments Electric Sunburst (Deluxe)
- Native Instruments Picked Acoustic
- Native Instruments Electric Vintage
- Native Instruments Picked Nylon
- Native Instruments Electric Mint
- Native Instruments Ukulele
- Native Instruments Acoustic Sunburst Deluxe
- Native Instruments Electric Storm Deluxe
- Native Instruments Electric Ruby Deluxe
Native Instruments Session Guitarist Jubiläum
Während Software-Pianos aus aktuellen Musikproduktionen nicht mehr wegzudenken sind und vermutlich nur noch ein Bruchteil aller Produktionen über Aufnahmen echter Klaviere und Flügel verfügen, sieht es bei den virtuellen Gitarristen ein wenig anders aus. Oder ist das nur gefühlt so und in Wahrheit spielen immer weniger echte Session-Gitarristen ihre Patterns und Melodien live ein und werden schon lange von ihren virtuellen Pendants ersetzt?
Tatsächlich ist die Nachahmung von Gitarren-Patterns, Melodien, Riffs und Pickings deutlich aufwendiger. Reichen bei Software-Pianos mittlerweile Gigabyte-große Librarys aus, um einen Großteil der klanglichen Vielfalt abzudecken (wenn auch nicht alles), ist ein angemessener Authentizitätsfaktor bei Software-Gitarren deutlich schwieriger zu erreichen. Doch wieso ist das so?
Ein entscheidender Faktor bei der authentischen Umsetzung von akustischen wie auch elektrischen Gitarren sind die Attack- und Release-Phasen sowie natürlich der menschliche Faktor eines Gitarristen, der einen Ton bzw. eine Saite niemals zwei Mal hintereinander identisch anschlagen kann und wird. Soll er auch gar nicht, denn ansonsten kommt es zu der sprichwörtlichen „Computermusik“: alles statisch, im exakten Tempo, quantisiert und klanglich eintönig.
Darüber hinaus hapert es bei den virtuellen Gitarristen, wie erwähnt, oftmals an der Release-Phase und den Resonanzen der Gitarre. So lassen geübte Gitarristen beim Akkordwechsel gerne Saiten ausklingen, dazu dient der Korpus der Gitarre natürlich als Resonanzkörper, der einen entscheidenden Anteil am Klang hat. Würgt man diesen Resonanzkörper samt den Saiten bei jedem Akkordwechsel ab, fällt ein großer Teil des Klangs weg und der virtuelle Gitarrist ist schnellt entlarvt.
Heißt das im Umkehrschluss, dass die Session Gitarristen von Native Instruments nicht zu gebrauchen sind? Nein, denn für alle Nicht-Gitarristen sind die Software-Instrumente dieser Serie zunächst einmal eine sehr gute Möglichkeit, Ideen zu sammeln und erste Demos eines Songs zu erstellen. Ob und in welcher Form am Ende dann Gitarren live aufgenommen werden, lässt sich später immer noch entscheiden.
Und wer sich tiefer in die Session Gitarristen von Native einarbeitet und mehrere aus der Serie clever miteinander kombiniert, so dass nicht nur ein einzelner virtueller Gitarrist, sondern drei oder vier mit einzelnen Noten oder Strummings aktiv sind, bekommt die o. g. Probleme ganz gut in den Griff. Dies zeigen auch die weiter unten verlinkten Videos, die einige Tipps & Tricks für die Programmierung der Software-Instrumente beinhalten.
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Im Übrigen lassen sich die vorgefertigten Patterns und Riffs der Session Gitarristen per Drag’n’Drop in das DAW-Arrangement ziehen und als MIDI-Datei bearbeiten. Bei den ersten Session Gitarristen war dies noch nicht möglich, Native Instruments hat dieses Feature erst bei den letzten Neuerscheinungen implementiert. Aber anlässlich des 10-jährigen Jubiläums haben alle aktuellen Session Gitarristen dieses Features nun spendiert bekommen, so dass – vor allem bei den Riffs – eigene Variationen erstellt werden können, um diese an bestehende Arrangements anzupassen.
Native Instruments Session Guitarist – Überblick
Wer einen Session Guitarist von Native Instruments in seiner DAW einsetzen möchte, benötigt hierfür den kostenlosen Kontakt Player. Die Vollversion von Kontakt, deren Testbericht ihr hier findet, funktioniert aber natürlich auch.
Zusammen mit der kürzlich vorgestellten semi-akustischen Hollowbody-Gitarre bietet Native Instruments im Rahmen seiner Session Guitarist Serie aktuell 11 unterschiedliche Software-Instrumente an. Neben verschiedenen akustischen Varianten befinden sich auch mehrere E-Gitarren im Repertoire des Herstellers, sogar eine Ukulele kann man sich in seine DAW holen.
Der Aufbau der Software-Instrumente der Native Instruments Session Guitarists ist stets identisch. So gibt es grundsätzlich zwei Arbeitsmodi: einen für die vorgefertigten Patterns sowie den zweiten für Melodien, bei dem Note für Note vorgegebenen werden kann, was der virtuelle Gitarrist spielen sollen. Im Pattern-Modus drückt man auf der Tastatur seines Keyboard-Controllers einzelne Töne oder komplette Akkorde, mit denen man das Software-Instrument steuert. Dies kann entweder in Echtzeit oder über das DAW-Arrangement erfolgen.
Alle Native Instruments Session Guitarists sind mit etlichen vorgefertigten Patterns und Riffs ausgestattet, die live von Gitarristen eingespielt wurden und für das Software-Instrument in Loop-fähige Patterns aufbereitet wurden. Die Loops sind unterschiedlich lang, bestehen manchmal aus reinen Strummings, manchmal aus einzelnen Riffs und teilweise auch aus Kombinationen von Strummings und Riffs.
Mit den Session Gitarristen deckt Native Instruments unterschiedliche musikalische Stile ab, die je nach Typ und Art der Gitarre von Acoustic-Songs über Pop, R&B, Folk, Country, World, Soul, Rock bis hin zu Metal-Riffs reichen. Pro „Style“ gibt es in der Regel sechs bis acht unterschiedliche Patterns/Riffs, die per Keyswitch (oder Mausklick) umgeschaltet werden können.
Im Melodie-Modus lassen sich die Session Gitarristen dagegen Note für Note programmieren bzw. live spielen. Zwischen vier Artikulationen (Open, Muted, Flageolet, Tremolo) lässt sich hier umschalten und auf Wunsch lassen sich einzelne Noten in diesem Modus auch mit den o. g. Patterns kombinieren.
Die Steuerung der Native Instruments Session Guitarists ist einfach und intuitiv. Bestens eignen sich hierfür vor allem die Komplete Kontrol Keyboards des Herstellers, da diese eine nahtlose Integration der Software-Instrumente ermöglichen und die virtuellen Gitarristen direkt von Keyboards aus gesteuert werden können. Aber auch alle anderen MIDI-Controllerkeyboards lassen sich für das Spielen und die Steuerung der Session Gitarristen nutzen.
Erhältlich sind die Session Gitarristen als einzelne Software-Instrumente oder im Rahmen des großen Komplete Bundles. Je nach Wahl des Bundles sind einzelne oder auch alle virtuellen Gitarristen der Serie enthalten. Eine genaue Übersicht dazu findet ihr hier.
Session Guitarist – Soundeinstellungen und Effekte
Neben den zwei unterschiedlichen Play-Modi bieten die Session Gitarristen allesamt Features, mit denen der Sound, die Art und Weise des Playbacks sowie Effekte eingestellt werden können.
So stehen für jede Gitarre unterschiedliche Pickup-Settings zur Verfügung, ein bzw. zwei DI-Signale lassen sich mit einem Mikrofonsignal mischen, dazu kann der Nutzer instrumentenspezifische Geräusche und Spielarten wie Noise Floor, Decay, Tuning uvm. nach seinen eigenen Wünschen einstellen.
Im Rahmen des „Amps & FX“-Tabs lassen sich dazu auch verschiedene Amps, Cabinets und Effektpedale in den Signalweg schalten.
Zu guter Letzt lässt sich über das „Playback“-Tab das Verhalten des virtuellen Gitarristen einstellen, beispielsweise ob die Patterns strikt im Tempo oder im Timing etwas ungenauer gespielt werden sollen, ob ein Pattern nach Loslassen der Tasten abrupt enden sollen oder bis zum Ende des Loops weiterlaufen soll etc.
Im folgenden Video findet ihr einen Überblick zur Bedienung der Native Instruments Session Guitarists:
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Wer einen möglichst realistischen Klang mit den Software-Instrumenten erzeugen möchte, sollte sich die folgenden drei Videos näher anschauen:
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Im folgenden Abschnitt präsentieren wir euch alle aktuellen Software-Instrumente in der Reihenfolge ihres Erscheinungsjahres.
Native Instruments Strummed Acoustic
Im Jahr 2015 startete Native Instruments seine Session Guitarist Serie mit Strummed Acoustic. Die Aufnahmen einer nicht näher spezifizierten Dreadnought-Akustikgitarre bieten vor allem für die Bereiche Pop, Folk und Country allerhand Klangvorrat. Hier der offizielle Demo-Song der Library:
Native Instruments Strummed Acoustic 2
Zwei Jahre später erweiterte Native Instruments seine Session Guitarist Serie zum ersten Mal und stellte Strummed Acoustic 2 vor.
Klanglich gab es hierdurch eine schöne Erweiterung zur ersten Version von Strummed Acoustic, denn neben einer Vintage Martin 0-17 Gitarre aus dem Jahr 1934 bietet dieses Library den Sound einer 12-saitigen Guild F-412, ein Jumbo-Modell der in den späten 1960er-Jahre erschienenen Gitarre.
Native Instruments Electric Sunburst (Deluxe)
Die erste virtuelle E-Gitarre aus der Native Instruments Session Guitarist Reihe kurze Zeit später auf den Markt und trägt den Namen Electric Sunburst. Die E-Gitarre wurde später um die Deluxe-Version erweitert, die weitere Patterns und Riffs umfasst. Die normale Version gibt es aktuell zum Preis von 95,- Euro, die Deluxe-Version kostet 149,- Euro.
Native Instruments Picked Acoustic
Seit 2019 gehört auch der Session Guitarist Picked Acoustic zur Serie dazu. Als Original-Instrument kam eine Martin 00-21 aus dem Jahr 1973 zum Einsatz und insgesamt umfasst die Library 194 Picking- und Strumming-Patterns. Egal ob Folk/Country-Pickings, triolische Arpeggien für Balladen oder Space-artige Riffs, die Picked Acoustic Library bietet ein großes Spektrum an Klängen.
Native Instruments Electric Vintage
Die zweite E-Gitarre aus dem Portfolio der Session Guitarist trägt den Namen Electric Vintage. Als Vorlage für die Aufnahmen und Samples dieses Software-Instruments diente laut Native Instruments eine mit zwei Singlecoil-Pickups ausgestattete Fender Telecaster aus dem Jahr 1958.
Native Instruments Picked Nylon
Nachdem Native Instruments mit Picked Acoustic bereits eine akustische Gitarre mit Stahlsaiten aufgezeichnet hatte, folgte im Jahr 2021 mit Picked Nylon das entspreche Nylon-Pendant. Über 200 Zupf- und Schlag-Patterns beinhaltet diese Library.
Informationen zur Original-Gitarre findet ihr im folgenden Video über Lisa Weinzierl, eine sehr interessante Gitarren-Herstellerin aus Bayern:
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Native Instruments Electric Mint
Mit Electric Mint bringt Native Instruments den Sound einer Fender Stratocaster aus dem Jahr 1960 in eure DAW. Wer auf weiche Licks und soulige Grooves sowie coole Funk-Licks und Riffs steht, findet bei dieser E-Gitarre aus der Native Instruments Session Guitarist Serie über 220 Strumming- und Picking-Patterns.
Native Instruments Ukulele
Eine ganz andere klangliche Richtung schlägt Native Instruments mit der Session Ukulele ein. Über 385 Zupf- und Strumming-Patterns umfasst dieses Software-Instrument aus der Native Instruments Session Guitarist Serie und zur Auswahl stehen in diesem Fall sogar drei unterschiedliche Ukulelen: Sopran, Tenor und Charango.
Native Instruments Acoustic Sunburst Deluxe
Als der ideale Partner fürs Songwriting bezeichnet Native Instruments sein Software-Instrument Acoustic Sunburst Deluxe. Dieses Software-Instrument enthält über 250 Zupf- und Strumming-Patterns einer Gibson Custom Shop SJ-200 aus dem Jahr 1957.
Native Instruments Electric Storm Deluxe
Wer auf der Suche nach Gitarren-Sounds der etwas härteren Gangart ist, sollte sich das Ende 2024 vorgestellte Software-Instrument Electric Storm Deluxe anschauen. Hierfür wurde eine achtsaitige Custom Made Framus Gitarre mit einer 30″-Mensur gesamplet, die laut Native Instruments speziell für High-Gain-Sound und tiefe Tunings geeignet ist.
Native Instruments Electric Ruby Deluxe
Das aktuelle Software-Instrument aus der Native Instruments Session Guitarist Serie ist Electric Ruby Deluxe, eine semi-akustische Hollowbody-Gitarre. Die nicht näher spezifizierte Gitarre wurde laut Native Instruments in den USA gefertigt und stammt aus dem Jahr 1969. Die für die Sample-Aufnahmen genutzte Gitarre verfügt über zwei, mit individuellen Lautstärke- und Tone-Control-Regler ausgestattete, P-90 Pickups.
















































Der Session Guitarist ist für mich das wichtigste Instrument von Native Instruments!
@JohnDrum So sind die Geschmäcker bzw. verschiedenen Produktionsweisen, weil ich habe es hat nicht mehr heruntergeladen, trotz Besitz. Allerdings nicht weil es aus irgendeinem Grund schlecht ist, nein, ganz und gar nicht, sondern weil ich nicht weiß wie man es in seine elektronischen Geschichten einsetzen könnte. Ist natürlich möglich und kam auch schon vor, aber typische Synthesizerklänge sind mir dann verständlicherweise oftmals seeliger. Apropos wusste ich bis dato nicht, dass man die Patterns als Midi-Datei in die DAW ziehen kann. Vielleicht animiert mich das ja doch noch dazu, die im Produktportal schlafenden Guitarsessions und Sunburst etc. herunterzuladen…..Trance mit Gitte, warum auch nicht!
Dankefür den guten Überblick, der auch sehr gut die Schwierigkeiten beim Einspielen von Giterrenparts über Keyboards erklärt. Jan Hammer hat seinerzeit eben nicht bloß gitarrenähnliche Sounds mit Synths geschaffen, sondern vor allem von Gitarristen gelernt, wie ihre Spieltechniken funktionieren und evtl. teilweise auf Tasten umgesetzt werden können.
Neben Scarbee’s Funk Guitarist sind auch die oben genannten NI Gitarren-Libraries mit etwas Übung und Geschick gut einsetzbar und bieten einen großen Schatz an Riffs und Articulations. Meine Lieblings-Libraries sind die Vintage (Tele), Mint (Strat) für erstklassige Clean Sounds und die neue Ruby, die fantastisch vielseitig einsetzbar ist.