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Feature: Okkultismus im Rock – Teil 2

Rolling Stones, der Teufel und die 70er!

7. Juli 2024

Okkultismus und Rockmusik – eine Verbindung, über die mehr Mythen existieren als Wahrheiten. Seit den 1960er-Jahren haben einige der bekanntesten Rockbands der Welt mysteriöse und okkulte Themen in ihre Musik und ihr Image integriert. Wir hatte in diesem Feature den Black Metal ausführlich beleuchtet – die fanatische Speerspitze der rock-musikalischen Fixation auf Luzifer und Satanismus, wo beides Teil der eigentlichen musikalischen Ästhetik wurde. Doch spannender sind die Ursprünge dieser Verbindung – Okkultismus in den 60ern und 70ern. Die Rolling Stones, als unangefochtene Ikonen des Rock’n’Roll, sind ein Paradebeispiel für diese düstere Faszination. Ihre Songs und ihr Lebensstil spiegelten oft eine tiefere, dunklere Seite wider, die über den bloßen Reiz der Rebellion hinausging. Teil 2 unserer Serie beleuchtet die Verstrickungen der Rolling Stones in den Okkultismus und setzt dies in den Kontext weiterer Musiker und Bands, die sich von den dunklen Künsten inspirieren ließen.

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Die Rolling Stones – Teufel, Meister und Margarita

Keith Richards, der berühmte Gitarrist der Rolling Stones, hatte eine lange und komplizierte Beziehung zu Anita Pallenberg, einer Schauspielerin und Model, die auch mit anderen Mitgliedern der Band eng verbunden war. Ihre Beziehung begann in den späten 1960er-Jahren und dauerte bis Anfang der 1980er-Jahre. Warum das interessant ist für das Thema? Anita Pallenberg wurde oft als Muse und Einfluss auf die Rolling Stones beschrieben. Sie hatte eine intensive und oft kontroverse Persönlichkeit, die sie zu einer schillernden Figur in der Rock- und Modewelt machte. Ihre Beziehung zu Richards war von Leidenschaft, Exzessen und kreativer Inspiration geprägt, aber auch von Drogenmissbrauch und persönlichen Schwierigkeiten.

Und von einem großen Interesse am Thema Hexerei und Okkultismus.

Das Thema Hexerei und Okkultismus war in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Rockmusikszene weit verbreitet und die Rolling Stones waren keine Ausnahme. Es gibt Gerüchte und Geschichten darüber, dass Pallenberg an okkulten Praktiken interessiert war und es wurde spekuliert, dass sie einen starken Einfluss auf einige der dunkleren Themen in der Musik der Stones hatte. Wieviel davon stimmt, sei dahingestellt. Marianne Faithfull, eine Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin, erinnerte sich: „Anita ging schließlich einen Schritt weiter und beschäftigte sich mit Hexerei. Besonders nach dem Tod von Brian [Jones, ursprüngliches Bandmitglied] gab es Momente, in denen sie ein wenig verrückt wurde.“ Ein Tod, auf den wir noch zu sprechen kommen werden – und der in gewisser Weise das Ende der Unschuld für die Stones markierte.

Tarotkarten: Tarotkarten sind ein Satz von 78 Spielkarten, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen Europas verwendet werden, um Spiele wie Tarock zu spielen und später zur Weissagung und Meditation genutzt wurden. Ein bekanntes Deck ist das Rider-Waite-Deck, das 1910 veröffentlicht wurde und häufig in okkulten Kreisen Verwendung findet. Eine der Karten, der Eremit, symbolisiert innere Weisheit, Einsamkeit und spirituelle Führung.

Das nächste Album der Rolling Stones, Beggars’ Banquet, punktete mit der zeitlosen, hypnotischen und tribalistischen Single „Sympathy For the Devil“. Dieses langjährige Lieblingslied, das bis heute eine Hymne der Stones bleibt, entstand durch Mick Jaggers Lektüre des russischen Romans „Der Meister und Margarita“ von Mikhail Bulgakov. Jagger erhielt das Buch von seiner damaligen Freundin Marianne Faithfull. „Er verschlang es in einer Nacht und spuckte ‚Sympathy for the Devil‘ aus“, erinnerte sich Faithfull in ihrer Autobiografie von 1994. „Die Hauptfigur des Buches ist Satan, aber es hat nichts mit Dämonismus oder schwarzer Magie zu tun… Mick schrieb ein dreiminütiges Lied, das aus diesem sehr komplexen Buch synthetisiert wurde.“

Alchemie: Alchemie ist eine philosophische und proto-wissenschaftliche Tradition, die im antiken Ägypten begann und später im Mittelalter in Europa blühte. Sie strebte die Umwandlung von unedlen Metallen in Gold, die Schaffung des Steins der Weisen und die Erreichung des Elixiers des Lebens an. Alchemisten kombinierten Chemie, Philosophie, Magie und Mystik, um spirituelle und materielle Transformationen zu erreichen.

Dann wurde „Sympathy for the Devil“ im Frühjahr 1968 von den Rolling Stones aufgenommen (die Sessions wurden von Jean-Luc Godard gefilmt und in seinen gleichnamigen Film integriert) und im Dezember veröffentlicht. Jagger sang seine klassische Ich-Erzählung von Satans Anwesenheit bei entscheidenden historischen Ereignissen. Es war ein fesselndes Lied – eins der besten, das die Stones je geschrieben haben – das in einem gewalttätigen und turbulenten Jahr die ohnehin angespannte kulturelle Stimmung weiter anheizte. Doch wie Marianne Faithfull betonte, war Jaggers teuflischer Akt völlig inszeniert. „Der einzige Grund, warum die Stones nicht von den Ideen zerstört wurden, mit denen sie spielten, ist, dass sie diese nie so ernst nahmen wie ihre Fans“, erinnerte sie sich. „Mick hat nie, auch nur für einen Moment, geglaubt, er sei Luzifer.“ Doch viele andere waren weit gläubiger. Micks Bühnenpräsenz und seine Energie luden zu allerhand Spekulationen ein – soviel ist klar.

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Lucifer Rising und das Ende der Unschuld

Der amerikanische Underground-Filmemacher Kenneth Anger war in London und nutzte seine Verbindungen zum Galeriebesitzer und Sozialite Robert Fraser, um die Stones für sein neuestes Projekt „Lucifer Rising“ zu gewinnen. Anger, ein ehemaliger Hollywood-Kinderstar und Autor des Enthüllungsbuchs „Hollywood Babylon“, war ein leidenschaftlicher Anhänger von Aleister Crowley. Seine Low-Budget-Kurzfilme wie „Inauguration of the Pleasure Dome“, „Scorpio Rising“ und „Fireworks“ waren kryptische filmische Collagen, die okkulte Motive, Sadomasochismus, Popkultur und homoerotische Themen kombinierten. Anger bezeichnete sich selbst als Hexenmeister und nahm seine Arbeit sehr ernst.

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Mick Jagger wurde von Anger überredet, einen abstrakten Synthesizer-Soundtrack für seinen Film „Invocation of My Demon Brother“ zu komponieren. Anger suchte nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch die Aufmerksamkeit, die die Rolling Stones seinem Film „Lucifer Rising“ verleihen würden. „Alle Rollen sollten sorgfältig besetzt werden“, erklärte Anger später. „Mick als Luzifer und Keith als Beelzebub… Die okkulte Einheit innerhalb der Stones waren Keith, Anita und Brian. Brian war auch eine Hexe. Er zeigte mir seine Hexenbrust und sagte: ‚In einer anderen Zeit hätten sie mich verbrannt.‘ Er war sehr stolz darauf.“

Doch dann ereignete sich 1969 eine Tragödie – die auch Pallenberg aus der Bahn warf. Brian Jones wurde am 26. Juli 1969 in seinem Swimmingpool in Sussex ertrunken aufgefunden. Obwohl er die Rolling Stones gegründet und ihren Namen nach einem Muddy Waters-Song gewählt hatte, konnte Jones nie mit ihrem Ruhm und den daraus resultierenden sexuellen, alkoholischen und chemischen Freiheiten umgehen. Er war eine verletzliche Persönlichkeit und litt unter Asthmaanfällen zusätzlich zu seinem starken Alkohol- und Drogenkonsum. Das hatte weniger mit Okkultismus zu tun, sondern mehr mit Hedonismus – und was passieren kann, wenn jemand die eigene Konstitution falsch einschätzt.

Die nächste Tragödie folgt prompt im Dezember desselben Jahres. Meredith Hunter, ein Konzertbesucher aus San Francisco, wurde am 6. Dezember beim Konzert der Stones im Altamont Speedway in Kalifornien von den Hell’s Angels getötet. Wieder war die Todesursache eher banal als teuflisch; das Wetter war kalt, die Menge war aufgedreht, die Stimmung gereizt, da die Show verspätet war, die Angels waren auch da, schlecht drauf und Halluzinogene waren überall. Aber Hunter, der erstochen wurde, während die Stones „Under My Thumb“ spielten, war ein weiteres Opfer, das Fans und Gegner zur Kenntnis nehmen mussten.

Was war genau passiert? Die Altamont-Tragödie markierte einen dunklen Wendepunkt in der Geschichte der Rockmusik. Sie wurde zum Politikum. Das kostenlose Konzert fand am 6. Dezember 1969 auf dem Altamont Speedway in Kalifornien statt und sollte eine westliche Antwort auf das Woodstock-Festival sein. Die Sicherheitskräfte bestanden aus den berüchtigten Hell’s Angels, die für ihren gewalttätigen und unberechenbaren Ruf bekannt waren. Die Atmosphäre des Konzerts war von Anfang an angespannt, da die Sicherheitskräfte mit Schlägen auf das Publikum reagierten. Die Situation eskalierte, als Meredith Hunter, ein 18-jähriger Afroamerikaner, während des Auftritts der Rolling Stones mit einem Messer auf die Bühne zueilte und von einem Mitglied der Hell’s Angels erstochen wurde. Das schockierende Ereignis wurde von den Kameras festgehalten und ist in dem Dokumentarfilm „Gimme Shelter“ zu sehen. Hunter trug eine Schusswaffe bei sich, die später am Tatort gefunden wurde, was die Gewalttätigkeit der Szene nur noch verstärkte. Diese Tragödie gilt als das Ende der Unschuld der 1960er-Jahre und das Ende des Hippie-Traums – oder zumindest leistete sie einen großen Beitrag dazu.

Aleister Crowley, Bond & die Rolling Stones

Nach der Altamont-Tragödie änderte sich das Image der Rolling Stones erheblich. Die Band ließ viel von ihrer früheren Rücksichtslosigkeit und der spirituellen Naivität der sechziger Jahre hinter sich. Und viele der okkulten Anspielungen und Teufels-Themen wirkten wie überholte, leere Gesten. Ihr 1973 erschienenes Album „Goat’s Head Soup“ eröffnete zwar mit dem verführerischen Riff von „Dancing With Mr. D“, das okkulte Themen behandelte, doch zu diesem Zeitpunkt waren die Themen bereits durch. Andere Rock’n’Roll Acts begannen in diesem Jahrzehnt, die Botschaft des Okkultismus zu verbreiten und das oft lauter und weitreichender – und einfach „heavier“. Die Dunkelheit ließ die Stones ziehen und andere Bands übernahmen das Zepter.

Ein oft übersehener Musiker, dessen Werk deutliche Anspielungen auf Aleister Crowley enthielt, war der britische Rhythm’n’Blues Tastenspieler und Sänger Graham Bond. Im Gegensatz zu Mick Jagger oder Keith Richards war Bond kein Dilettant im Okkultismus. Er behauptete, Crowleys unehelicher Sohn zu sein — Crowleys anerkannte Tochter starb im Kindesalter und er hinterließ keine gesetzlichen Erben. Obwohl Bond nie den Ruhm und Reichtum vieler seiner Zeitgenossen erreichte, beeinflusste er dennoch viele Musiker. Seine Band, The Graham Bond Organization, war vor allem als Ausgangspunkt für den Bassisten Jack Bruce und den Schlagzeuger Ginger Baker bekannt, die später das berühmte Trio Cream bildeten. Bonds Leben und Werk sind untrennbar mit dem Okkultismus verbunden. Leider waren seine Karriere und sein persönliches Leben von Drogenproblemen und geistiger Instabilität überschattet, was schließlich 1974 zu seinem tragischen Selbstmord führte, als er sich in London vor einen Zug warf. Graham Bonds Beitrag zur Musik und seine Verbindung zum Okkultismus bleiben ein faszinierendes, wenn auch tragisches Kapitel der Musikgeschichte – und Crowleys Schatten, zeigte sich erneut, war lang.

Jimmy Page und die Frage nach dem Okkultismus

Jimmy Page ist ein Freak. Er war es in den 70ern und er ist es bis heute. Mit einer tiefen Hingabe zum Okkultismus und einer beeindruckenden Sammlung von Aleister-Crowley-Artefakten brachte Page eine neue Dimension der Mystik in die Rockmusik. Led Zeppelin erhoben sich schnell zur Spitze der Rockwelt, getragen von ihrer kraftvollen Musik und dem geheimnisvollen Image, das sie umgab. Und auch wenn viele das nicht auf dem Schirm haben – Okkultismus spielte eine große Rolle bei der Mythologie dieser Band.

Jimmy Page, bekannt für seine seltenen Interviews, offenbarte sein tiefes Interesse am Okkultismus. „Man kann das Böse nicht ignorieren, wenn man das Übernatürliche so studiert wie ich“, sagte er 1973 in einem Interview. Er besaß eine umfangreiche Sammlung an Büchern über das Thema und nahm an mehreren Séancen teil. Pages Faszination für das Okkulte beeinflusste das öffentliche Image von Led Zeppelin erheblich, obwohl die anderen Bandmitglieder – Robert Plant, John Paul Jones und John Bonham – keine ähnliche Affinität teilten, jedoch in unterschiedlichem Maße durch die Assoziation betroffen waren.

1970 erwarb Page das Boleskine House am Ufer des Loch Ness in Schottland, einst im Besitz des berüchtigten Okkultisten Aleister Crowley. Dies markierte den Übergang vom bloßen Sammeln von Crowley-Artefakten zum Erwerb seines ehemaligen Anwesens. Zudem gravierten Page und der Tontechniker Terry Manning auf den ersten Vinylpressungen des Albums „Led Zeppelin III“ Crowleys Maximen „Do what thou wilt / Shall Be the Whole of Law“ in die Auslaufrillen.

Das vierte Album von Led Zeppelin, veröffentlicht 1971, erhielt keinen offiziellen Titel, sondern wurde durch vier runische oder alchemistische Symbole identifiziert, die jedes Bandmitglied repräsentierten. Pages Symbol, das wie „ZoSo“ aussieht, wird auf den italienischen Renaissance-Astrologen und Mathematiker Girolamo Cardano (ca. 1490–1565) sowie zwei französische okkulte Texte aus dem 19. Jahrhundert, „Le Triple Vocabulaire Infernal“ und „Le Dragon Rouge“, zurückgeführt. Robert Plants Symbol, eine umkreiste Feder, soll das verlorene pazifische Königreich Mu darstellen. Das Albumcover zeigte zudem eine Adaption der Eremitenkarte aus einem bekannten Tarot-Deck von 1910.

Im nächsten Teil tauchen wir noch tiefer in die Mythologie der 70er ein – und schauen uns die vielleicht dunkelste Dekade dieses Themas an – die 80er.

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Forum
  1. Profilbild
    Tomtom AHU

    Wow! Schöne Aufarbeitung dieser interessanten Zeit. Es zeigt einmal mehr, dass Musik nicht immer das einzig Wichtige für Fans ist. Gerade das Mysteriöse und Unheimliche schien/scheint eine große Faszination auf die Hörer/Fans auszuüben. Freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe!

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