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Feature: Pro und Contra Gitarrencombo und Gitarrenstack

Bauliche Unterschiede

Nun denn, im Prinzip ist der primäre Unterschied sehr leicht zu erklären. In einem Gitarrencombo befinden sich Verstärker und Lautsprecher in einem Gehäuse, bei einem Stack sind die beiden Bauelemente getrennt. Soweit, so gut, aber das alleine kann nicht der einzige Grund für die Grabenkämpfe zwischen den Lagern sein. Ist es natürlich auch nicht …

Transportabilität

Fangen wir mal mit dem Bereich an, den alle Musiker vor und vor allem NACH der Show hassen wie der Teufel das Weihwasser, es sei denn, man gehört zu der glücklichen Liga, die entsprechende Techniker für diese Arbeit beschäftigen können. Nehmen wir einmal die Standardabmessungen, ist ein Gitarrencombo deutlich einfacher zu transportieren. Man hat nur eine Kiste, die man zudem alleine heben kann. Bei vorsichtiger Ladeweise kann man bei einem offenen Combo zudem noch ein paar Kabel im Gehäuse platzieren. 1:0 für den Combo!

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Möchte man allerdings einen Gitarrencombo für eine größere Tour ordentlich casen, hebt sich der Gewichtsvorteil schnell wieder auf. Im Handumdrehen hat man ein Case vor sich, das man nicht mehr alleine bewegt bekommt, während ein Head im Case noch einigermaßen gut zu bewegen ist. Eine gefütterte Hülle kann Abhilfe schaffen, lässt den Combo aber auch in einem entsprechenden Trailer oder Truck nur eine begrenzte Zeit lang überleben.

Abstrahlverhalten

Von einigen Ausnahmen abgesehen ist ein Comboverstäker hinten meist offen, will heißen, die Lautsprecher sind von hinten zugänglich. Dies bedeutet, dass die Lautsprecher frei in beide Richtungen schwingen können und ihre Schwingungsenergie jeweils zur Hälfte in beide Richtungen abgeben. Als Konsequenz erzeugt der Combo ungefähr die gleiche Lautstärke sowohl vor als auch hinter dem Gehäuse. Baut man nun die Combo etwas vor dem Schlagzeuger auf, hört dieser einen sehr hohen Anteil des Gitarrenspiels von hinten aus dem Combogehäuse heraus und braucht den Gitarristen zum Teil gar nicht mehr auf seinem Monitor.

Ein Stack hingegen ist nahezu immer hinten geschlossen und strahlt den Schall fast ausschließlich nach vorne ab. Ein Combo sorgt somit für eine natürliche Verwirbelung des Schalls und bietet gerade auf kleinen Bühnen deutliche Vorteile. 2:0 für die Combo.

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Kompression

Die offene Bauweise eines Gitarrencombos bringt jedoch einen großen Unterschied in Sachen Klang mit sich, insbesondere in Sachen Kompression. In einem geschlossenen Cabinet bewegen sich alle Lautsprecher gleichzeitig in die gleiche Richtung, was zu einer ständigen Stauchung und Dehnung der Luft führt. Während die Lautsprechermembran in einem Combo deutlich weiter auslenkt und mit zunehmender Lautstärke klanglich undefinierter wird, komprimiert die Box eines Stacks den Sound mit zunehmender Lautstärke und sorgt somit für ein dichteres, fetteres Klangbild als bei einem Combo. Anschlusstreffer für den Stack, 2:1

Flexibilität

Ein großer Vorteil bei einem Stack ist naturgemäß die Möglichkeit der Kombination unterschiedlicher Heads und Cabinets. Während bei einem Combo der Klang mit den intern verbauten Lautsprechern fest vorgeschrieben ist, kann man bei einem Stack, vorausgesetzt die Ohmzahlen stimmen überein, nach Leibeslust kombinieren, bis die Schwarte kracht. Wahl der Lautsprecher, Gehäusebeschaffenheit, Wattzahl und Lautsprecheranzahl haben einen immensen Anteil am Gesamtklang und schaffen eine große Flexibilität. Natürlich kann man auch bei den meisten Combos den Lautsprecherstecker der internen Speaker ziehen und stattdessen eine externe Box anschließen, allerdings muss man in diesem Fall zwei große Kisten schleppen. Stack gleicht aus zum 2:2!

Bühnenverhalten

Kurz und schmerzlos, ab einer gewissen Bühnengröße sieht man letztendlich nur Stacks auf der Bühne, es sei denn, ein bestimmter Gitarrencombo ist für den Klang eines Künstlers unentbehrlich. Während bei geringen und moderaten Lautstärken ein Combo deutliche Vorteile hat, ist in Sachen Rock und Metal bei entsprechender Bühnenlautstärke der Stack faktisch die Standardausrüstung. Ein Gitarrencombo kommt bei großen Hallenbühnen oder Open Airs schnell an seine Leistungsgrenze, was zwar über entsprechendes Monitoring aufgefangen werden kann, es aber im Gesamtkontext meist an Durchsetzungskraft vermissen lässt.

— 2×12″ Combo —

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Fazit

Aufgrund der veränderten Monitor- und P.A.-Situation ist es in Sachen Lautstärke faktisch egal geworden, was für ein Verstärkertyp auf der Bühne steht. Wer aber einmal vor einem ordentlich pumpenden Fullstack gestanden hat, weiß natürlich, warum alles von Crunch an aufwärts in Sachen Gain einen Stack auf der Bühne bevorzugt. Das Ganze dient aber nur noch dem persönlichen Wohlgefühl, benötigt wird die Endlautstärke dieser Boliden selbst bei kontrolliertem Feedbackeinsatz nicht mehr.

Auf der anderen Seite, einen Jazzclub Gig mit einem Halfstack oder womöglich Fullstack? Völlig undenkbar! Von daher, jede Situation erfordert eine andere Lösung, daher glaube ich, ein gesundes Unentschieden ist ein faires Ergebnis in Sachen Combo gegen Stack. Habt Spaß!

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Forum
  1. Profilbild
    OscSync  

    Wenn mensch die Varianten Top + Box sowie einen vergleichbar ausgestatteten (Kanäle, Leistung) Combo gegenüberstellt, gewinnt nach meinem Empfinden das zweigeteilte Besteck. Ein kleiner 15W-Combo mit einem Kanal ist sicher leicht und wendig, aber wenn man sich mal die Combo-Gewichte von „Leistungsträgern“ wie Engl, Mesa oder auch der EVH-Range anschaut, ändert sich das Bild. Ich persönlich spiele meistens 2x12er-Boxen mit Rollen und habe damit für mich den idealen Kompromiss aus Druck, Vielseitigkeit und Transportabilität gefunden. Für den „kleinen Anlass“ spiele ich ein altes Mesa Studio 22-Top, das schön handlich und leicht ist, sowie eine offene 1x12er Box. In jeder Hand ein Gerät und die Klampfe auf dem Rücken läuft & trägt es sich gut ausbalanciert.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Sehr schön geschrieben, ich finde eure Workshops immer wieder sehr gelungen. Hat mich sehr gefreut.

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