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Feature: So klingst du wie dein Idol an der Gitarre

Klingen wie die Vorbilder - Tipps, Tricks & Realitäten

27. November 2022

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Viele Gitarristen werden folgendes Szenario kennen: Auf der Suche nach dem Sound von seinem Idol, hat man nach langem Suchen und Durchstöbern der verstecktesten Musikerforen herausgefunden, welches Equipment der eigene Lieblingsgitarrist nutzt. Mit noch mehr Aufwand und Geduld hat man dann eines der Pedale bekommen und nun bei sich zu Hause unter den eigenen Füßen.
Kurz zwischen Gitarre und Amp gestöpselt, noch grob die Gitarre gestimmt und den ersten Ton angeschlagen, um in das totale Sound Nirwana abzugleiten. Doch die Ernüchterung folgt auf den Fuße. Etwas irritiert und ernüchtert schraubt man noch etwas an den Potis, um dann festzustellen, dass man irgendwie so gar nicht wie sein Idol klingt. Aber warum nicht? Man hat doch das legendäre Pedal ergattert und jetzt müsste doch alles ein Selbstläufer sein. Oder etwa doch nicht?

Soundalike – Marketing und Realität

Ein Beispiel liefert hier Jimi Hendrix.

Sound Idol

Jimi Hendrix

Ja, er ist auf fast jedem Plakat vor einem Marshall Fullstack zu sehen. Und auch seine Pedale und die Gitarre sind ja kein Geheimnis. Jedenfalls sein Live-Setup ist somit bestens dokumentiert.
Wenn man aber den Sound der Studioalben als heiligen Gral des Klangs sieht und diesem Sound von Jimi Hendrix nacheifert, wird es schon wieder schwieriger.
Er hat im Studio nämlich auch oft Fender Amps genutzt. Und wahrscheinlich, so experimentierfreudig wie der Jimi nun mal war, hat er jeden funktionierenden Amp, den er im Studio finden konnte, aufgerissen und seinen Sound herausgekitzelt. Dazu kommt noch die spezielle Aufnahmetechnik, Tonbandgeräte, Kompressoren und vielleicht noch eine Hallkammer und schon ist der Sound nicht mehr so exakt reproduzierbar.

Ähnlich erging es mir mit Slash.

Slash (Guns N‘ Roses)

Als ich im Interview einmal las, dass er im Studio für seinen cleanen Sound einen Vox Amp verwendete, ist mir fast meine Cola Light aus der Hand gefallen. Slash und ein Vox Amp?! Der steht doch zu 100 % für Marshall.
Aber nicht jeder Marshall ist für jeden klassischen Sound geeignet. Und selbst, wenn man einen Live-Sound wie von seinem Idol mit dem entsprechenden Amp reproduzieren möchte, klappt das nur bedingt.

Denn geheim bleibt meist die genaue Einstellung am Amp. Und selbst wenn man auf diese einen Blick erhaschen kann, indem man bei einem YouTube Video an der richtigen Stelle auf Stopp klickt, gibt es noch zahlreiche weitere Faktoren, die den Sound nicht exakt reproduzierbar machen.
Wurden zum Beispiel Modifikationen am Amp vorgenommen? Bei Slash ist ja bekannt, dass er auf dem „Appetite for Distruction“ Album einen stark modifizierten Marshall genutzt hat.

Und da Hendrix sicherlich einen großen Verschleiß an Amps hatte, wird der Techniker auch die eine oder andere Reparatur vorgenommen haben, um den Amp schnell wieder zum Laufen zu bringen. Dann kommt noch der Austausch des einen oder anderen zerschlissenen Lautsprechers dazu und schon weiß nur noch derjenige, der den Amp bearbeitet hat, was nun wirklich in ihm steckt.

Und auch die Mikrofonierung des Live-Rigs spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle für den Live-Sound von den Helden, den wir am Schluss beim Konzert oder der Live-Aufnahme hören.
Wer schon mal einen Lautsprecher mikrofoniert hat, weiß, dass hier einige Zentimeter nach rechts oder links schon einen enormen klanglichen Unterschied ausmachen können.
Dazu addiert sich noch der Preamp, der eventuell vor einem Amp genutzt wird, um das Gain etwas zu pushen.
Nach dem Abnehmen wird noch mit dem EQ der Sound an die Location angepasst und schon hat selbst der findigste Fan verloren.

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Bei Angus Young, der ja einen sehr klassischen, legendären und rohen Marshall Sound hat, der ein Inbegriff für Rock darstellt, kommt zum Beispiel eine Isolationsbox zum Einsatz.

Angus Young (AC/DC)

Diese Komponente kann man zu Hause gar nicht so ohne Weiteres nachbilden. Aber schon der Raum, in dem man gerade Gitarre spielt, verändert durch Reflektionen den Klang des Amps.
Ganz extrem fällt mir das immer auf, wenn ich meinen Amp aus dem gewohnten Proberaum nehme und beim Soundcheck in der Arena (bzw. in meinem Fall eher in einem kleinen Club) anspiele. Plötzlich klingt der Drive-Sound gar nicht mehr so dick und cremig, sondern verliert sich in dem großen Raum.
Um noch mal auf Angus Young zurückzukommen: Bei seinem Rig wird nichts dem Zufall überlassen. Der Strom wird mit einem Regulator exakt eingestellt.
Während ein Techniker für einen Marshall 234 Volt als optimale Stromspannung empfohlen hat, hat ein anderer den Regulator auf 236 Volt gestellt, um den Sound nochmals zu optimieren. Hier sieht man, wie selbst kleinste Nuancen den Klang beeinflussen können.

Ein weiterer Luxus, den sich viele Hobby-Gitarristen nicht leisten können, ist es, den Amp so heiß im Bias einzustellen, dass man alle drei bis vier Konzerte neue Röhren benötigt oder dass die Röhren sogar während des Konzerts ausfallen und dann durch einen Techniker bei einem der zahlreichen zur Verfügung stehenden Amps gewechselt werden müssen.
Wenn ich mit diesem Bias Wunsch zu einem Techniker gehen würde, würde er mich wahrscheinlich nur kopfschüttelnd ansehen und sich freuen, dass ich in drei Wochen spätestens noch mal vorbeischauen würde.
Diese kochenden Amps kann man leider auch mit keinem Marshall in a Box Pedal nachbilden. Die besondere Kompression und das geänderte Ansprechverhalten ist dann einfach außergewöhnlich.

Bei dem Sound von den großen Stars setzen nicht wenige sowohl Live als auch im Studio auf eine Kombination mehrerer Amps. Und so übernimmt der Vox die Höhen und die Fender und Marshall Amps teilen sich die Mitten auf. Auf diese Weise kann man durch das Mischverhältnis der jeweiligen
Lautstärke dieser gewählten Amps seinen ganz individuellen Sound erzeugen.
Dieser ist dann, wenn er nicht akribisch notiert wurde, selbst für die Gitarristen, die ihren Sound auf diese Weise erzeugt haben, nur noch schwer bis gar nicht mehr reproduzierbar.

Wenn wir den Live-Mittschnitt auf CD oder als MP3 anhören, sind die Soundfiles ohnehin nochmals bearbeitet. Und auch das Abspielmedium hat seinen eigenen Klang. Da macht es dann schon einen gewaltigen Unterschied, ob man eine gute Anlage und qualitativ hochwertige Boxen oder besser noch Kopfhörer benutzt oder ob man das Ganze über Laptop-Boxen oder ein mehr oder weniger hochwertiges Smartphone hört.
Auch wenn die eigentliche Lautstärke beim Anhören zu Hause gar nicht mehr groß ist, kann unser Gehirn aufgrund der Erfahrung und des gehörten CD- oder MP3-Sounds, die Wucht und den Druck des Live-Spektakels dem Sound hinzuträumen. Dieser Traum zerplatzt dann oft, wenn man mit diesem Hörempfinden im Ohr den kleinen digitalen Übungs-Amp anschmeißt und über Kopfhörer den eigenen Klängen lauscht.

Der Sound des Idols und die Summe der einzelnen Teile

Es ist oft also nicht so einfach, alle Komponenten, die an der Soundgestaltung beteiligt waren, herauszufinden. Und selbst wenn man als Meisterdetektiv unterwegs war, ist das leider noch kein Garant dafür, dass man den Sound von seinen Helden dann auch wirklich nachbilden kann.
Für den Sound von Jimi Hendrix kann man sich daher meiner Meinung nach nicht einfach das Digitech Jimi Hendrix Experience Pedal kaufen und damit die perfekte Hendrix Sound-Kopie erzeugen.

Es reicht aber auch nicht, das Fuzz oder das Octavio in sein Bedroom Setup zu integrieren.

Vor einem cleanen Amp und ohne Kompression würde das einfach nur schrill klingen. Möchte man so zu seinem Ziel gelangen, sollte man nach dem Fuzz ein Drive/Kompressor-Pedal platzieren. So werden wenigstens die groben Höhenpeaks abgefangen und man kommt mit leicht geändertem Weg dem Ziel etwas näher.

Es gibt auch einige Coverbands, die mit ihrem eigenen, nicht dem Vorbild-Setup entsprechenden Setup dem Ziel wesentlich näherkommen. Sie nutzen dann anstelle des Marshall Fullstacks einen kleinen Fender Tweed Amp und drehen ihn einfach weiter auf.

Sound Idol

Der kleine Amp kann weit aufgedreht werden, ohne zu laut zu werden und kommt dann dem Röhrenamp-Sound des Helden näher als ein Marshall Fullstack, der auf Level 1 gestellt ist und dazu mit einem Attenuator noch weiter runtergefahren wird.

Lautstärke ist oft ein Teil des Soundgeheimnisses und dieser Druck ist in Zimmerlautstärke oder humaner Club-Lautstärke am schwersten zu emulieren. Lautsprecher, die an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, kochende Röhren und komprimierende Ausgangstrafos, das bekommt kein Pedal so hin.

So klingst du wie deine Idole – Spielart

Und zu guter Letzt darf natürlich auch die Spielart des Gitarrenhelden nicht außer Acht gelassen werden. Jeder Gitarrist hat seinen eigenen Stil und bei jedem Gitarristen und jeder Gitarristin klingt eine Gitarre anders. Selbst bekannte Riffs, die von verschiedenen Coverbands auf dem gleichen Setup gespielt werden würden, klingen dementsprechend immer ein bisschen unterschiedlich.
Oder anders gesagt, wenn ich auf der Gitarre von The Edge spielen würde, würde ich noch lange nicht so klingen wie The Edge.

The Edge (U2)

Die Anschlagstärke, der Winkel die Intonierung, alles verändert ja auch den Klang. Und so ist es fast unmöglich, die Spielart eines Gitarristen perfekt zu simulieren.

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Fazit

So simpel ein Rock-Sound in einem Bandmix klingen mag, so komplex und durchdacht ist er doch. Viele Frequenzen, die wir beim Hören des Komplett-Mixes wahrnehmen, gehören vielleicht schon gar nicht mehr zur Gitarre, sondern sind zum Beispiel Frequenzen vom Bass, während die eigentliche Gitarre recht mittig oder höhenreich aufgenommen wurde. Im Gesamtmix ergibt sich dann das klangliche Ideal, das im Heimbetrieb so gut wie gar nicht nachzubilden ist.
Aber bei der Suche nach dem Sound des Gitarrenvorbilds stolpert man ja vielleicht über die eine oder andere Klangvariante, die einem selbst zusagt und so ist man zumindest einen Schritt weiter auf dem Weg zum eigenen Sound.
Und der ist ja bekanntlich genauso schwer zu finden wie der der Vorbilder.

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Forum
  1. Profilbild
    Organist007 AHU

    Was hat Musikmachen für einen Sinn, wenn ich nicht einen eigenen Sound anstrebe ?
    Dieser „spirituelle“ Aspekt ist wichtiger als jeder noch so neue Technikkram.
    Auch als Musiker einer Coverband kann ich einem song den eigenen Stempel aufdrücken und an den richtigen Stellen das „Vorbild“ zitieren.

    Aber die Geräte müssen verkauft werden and the show must go on ! ;-)

    Natürlich kommen immer wieder Sachen heraus (für mich als Keymensch zB Udo super 6), die mich zum Kauf verführen und mir vorgaukeln, dass ich nur mit diesem Gerät dem heiligen Gral ein Stück näherkäme.

    Erforscht alle Geräte, die Ihr besitzt, erst mal gründlich, lasst Euch inspirieren (von der Natur, von anderer Kunst, von Menschen), seid kreativ !

    Habt FREUDE anstatt nur Spaß !

  2. Profilbild
    Sven Blau AHU

    Verstehe den Sinn des Artikels nicht so ganz..

    ich meine, es ist normal, dass man über musikalische Vorbilder zum eigenen Stil kommt – zumindest sollte es so sein. Einen Gitarristen nachahmen ist schlicht nicht möglich.

    Am Beispiel von The Edge sehr gut zu illustrieren:

    Bei ihm ist es z.B. so, dass 90% seines Sounds aus der Art, wie er die Anschlagshand nutzt, entsteht. Und auch nutzt er seit Jahrzehnten den exakt gleichen Plektrumtyp – er lässt sie sogar eigens für ihn exakt nach dem Original, welches er irgendwann mal zuerst nutzte, nachproduzieren.

    Das zeigt, dass das Nachahmen eines Künstlers mit so einem speziellen Sound und Stil schlicht nicht möglich ist. Man sollte es auch gar nicht erst probieren.

      • Profilbild
        Sven Blau AHU

        @Organist007 Bitte :)

        Ich persönlich hab mich damit abgefunden, kein super Gitarrist zu sein. Jahrelang hab ich versucht, besser zu werden.

        Die Erkenntnis zu gewinnen, einfach nicht genug Talent dafür zu haben, kann auch befreiend sein. Seitdem greife ich wieder öfter zur Gitarre, weil ich weniger Frust empfinde bei dem bissel Kram, den ich auf meinen Gitarren fabriziere.

  3. Profilbild
    Eibensang

    Ich mache schon sehr lange sehr ambitioniert (ausschließlich eigene) Musik, erweitere mein Gitarrespiel aber erst seit drei Jahren durch systematisches und methodisches Üben (ich nehme Unterricht). Inzwischen besitze ich (u.a.) sechs recht unterschiedliche E-Gitarren, die jeweils zwischen 200 und 1.200 Euro gekostet haben. Zwei der Gitarren (witzigerweise nicht die billigste) ließ ich mit hochwertigeren Pickups ausstatten.

    Ich möchte keine missen. Aber je mehr handwerkliche Fortschritte ich mache, desto mehr freut es mich, festzustellen, dass die Wahl des Modells zunehmend egal wird. Oder zumindest vernachlässigbar (von speziellen Studioaufnahmen abgesehen, wo ich z.B. funky Licks eher mit der Tele als mit der Paula einspiele). Mein Ziel, dem ich langsam näherkomme, ist, dass alles „nach mir“ klingen soll.

    Wichtiger als die Frage, welche Gitarre ich gerade in die Hand nehme, erscheint mir eher, sie jeweils zu kennen: Wie kriege ich an dieser den knackigen Klang hin und was muss ich bei der anderen beachten oder geringfügig anders machen.

    Mit Klang meine ich den meiner Finger beim Spielen. Die beste Einstellung an Amp und Pedal ist für mich dabei (meistens) diejenige, die ich am längsten unverändert so stehen lassen kann … für die jeweilige Stilrichtung.

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