Gary Moore: Seine Gitarren, seine Musik

11. Dezember 2016

The Story of Gary Moore

Kaum ein anderer Gitarrist litt so sehr an der Gitarre und beim Singen wie er. Und wie sollte man sich in diesen Punkten auch mit einer nordirischen Seele, wie sie im Bilderbuch steht, messen können? Gary William Moore war wohl einer der großen Bluesmusiker der 90er Jahre, der sein Genre auch an eine breite Masse vermitteln konnte und hat sich dabei auch noch um den Hardrock verdient gemacht. Spätestens seit seinem Bluespop-Welthit „Still got the Blues“, dessen Melodie wahrscheinlich schon jedem einmal in den Ohren fest hing, hat er sich einen Platz in unserer Reihe Gitarristen, die Geschichte mach(t)en redlich verdient.

Gary Moore

Frühe Jahre und Anfänge

Gary Moore kam im April des Jahres 1952 in der nordirischen Hauptstadt Belfast zur Welt und wuchs in einer relativ großen Familie aus der Mittelschicht auf. Zusammen mit seinen vier Geschwistern wuchs er in der Hafenstadt auf, bis seine Familie zu seiner Teenagerzeit immer weitere Zerrüttung erfuhr. Bereits mit sechzehn hielt er die Verhältnisse in seiner mehr kaputten als intakten Familie nicht mehr aus und verließ sein Elternhaus, um nach Dublin zu ziehen. Schon Mitte der sechziger Jahre war er wie viele Jugendlicher seiner Zeit auf Musiker wie Elvis Presley oder die Beatles aufmerksam geworden und wie für viele andere auch, war das Aufkommen und der Musik von Jimi Hendrix eine Zäsur in seinem Leben, die bei ihm gemeinsam mit vielen anderen Altersgenossen sein Interesse an der Gitarre erweckte. Mit zwölf oder dreizehn Jahren machte er die ersten Gehversuche an der Gitarre und der damals noch vergleichsweise jungen E-Gitarre. Schon schnell stellte sich heraus, dass er ein besonderes Händchen für jene sechs Saiten hatte, die schon bald darauf für ihn die Welt bedeuten sollten.

Dublin und der musikalische Aufstieg

In Dublin angekommen, verdingte sich Moore erst einmal als Straßenmusiker und spielte in Pubs und Bars. Auch Ende der Sechziger war das kein leichtes Auskommen, zumal er immer noch minderjährig war und es als solcher sehr schwer hatte. Im Jahr 1970 trat er dann dem Trio Skid Row bei, das vor allem für ihren Power-Rock’n’Roll bekannt wurden. Schon kurz nach seinem Beitritt zu der Band wurde das Plattenlabel CBS auf die jungen Wilden aufmerksam und binnen Jahresfrist veröffentlichten die drei Jungs zwei Alben gemeinsam mit CBS. Moore, der des musikalischen Anspruches und des Sounds von Skid Row schnell überdrüssig wurde, verlies nach den beiden Veröffentlichungen die Band und widmete sich anderen Projekten, wie der die Folkrock-Band Dr. Strangely Strange und der Gary Moore Band, in der er erstmals sang. Das erste und zugleich letzte Album der Band war ein Flop und so bestand die Band nicht lange. Sie löste sich auf und Gary Moore trat mit Mitte zwanzig und im Jahre 1974 der Band Thin Lizzy bei, die damals schon ihren Durchbruch mit der Neuinterpretation des irischen Volksliedes “Whiskey in the Jar“ feiern konnten.

Besonders in dieser frühen Zeit verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Fleetwood Mac Frontman und Gitarristen Peter Green, der für ihn ein wichtiger musikalischer Mentor und Einfluss auf sein Gitarrenspiel und seine Entwicklung war. Ihn ehrte er viele Jahre später mit einem Tribute Album, das unter dem Namen Blues for Greeny erschien. Auch Phil Lynott, mit dem er schon in den Anfangszeiten in Dublin gemeinsam Musik machte, verband ihn, was auch seine Wechsel zu Thin Lizzy erklärt, deren Frontman und Bassist Lynott schließlich war.

Die Solokarriere des Gary Moore

Auch mit Thin Lizzy hielt er es nicht lange aus und verließ seine Mitmusiker schon bald wieder, um sich verstärkt als Studiomusiker zu verdingen. Doch immer wieder zog es den noch immer jungen Ausnahmegitarristen als Gastmusiker auf die Bühne und er wirkte in zahlreichen, teilweise noch heute in Erinnerung gebliebenen Rockbands mit. Schon ein Jahr nach seinem Ausstieg von Thin Lizzy begründete er mit anderen heutigen Größen der Musikgeschichte, darunter dem Bassisten Neil Murray und der Band Colloseum II. Mit dieser bewegten sich die Musiker eher in Richtung Jazz und Jazzrock als dem Blues. Auch diese Formation löste sich knapp drei Jahre nach ihrer Gründung wieder auf und die Studiokarriere Moores ging weiter. In dieser Zeit veröffentlichte er mit Parisienne Walkways seine erste erfolgreiche Solosingle, die ihn auch einem etwas breiteren Publikum bekannt machte.

Dem Studiodasein wohl etwas überdrüssig geworden, entschied er sich bald darauf wieder, Thin Lizzy beizutreten, und mit ihnen auf Tour zu gehen. Doch auch diese Liaison hielt mal wieder kein ganzes Jahr durch und das Projekt mit einem Mitmusiker aus eben jener Band war auch kein Erfolg

Gary Moore 2.

Rock …

In dieser ganzen Zeit hatte er sich aber als Gitarrenvirtuose einen Namen machen können. Weitere Soloprojekte waren daher auch eher auf ihn zugeschnitten und er schien auch seinen Stil gefunden zu haben. Das Album Corridors of Power, das im Jahr 1982 erschien, war ein lupenreines Heavy-Metal Album und auch die nachfolgenden Alben sollten dieser Stilrichtung weitestgehend verhaftet bleiben. Auch konnte Moore es in diesem Genre und als Solokünstler erstmals überhaupt zu einigem Ruhm bringen. Seine darauf folgenden Alben Victims of the Future und Run for Cover aus den Jahren 1983 und 1985 liefen nicht nur im Radio rauf und runter, sondern konnten sich auch in der Szene einen Namen machen und etablierten Moores Ruf als angesehener Gitarrist, der es mit dem härteren Genre aufnehmen und diese vorantreiben konnte.

Weiterhin arbeitete er mit Weggefährten aus den ersten Jahren musikalisch zusammen, so auch mit dem Mitte der Achtziger verstorbenen Phil Lynott. Aber auch mit anderen Größen seiner Zeit arbeitete er insbesondere in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre zusammen. So wirkte er unter anderen mit Ozzy Osbourne auf einigen seiner Alben mit. Durch die Musik äußerte er sich auch immer wieder zu politischen Themen und vor allem zum Nordirland-Konflikt, der zum Großteil ja auch sein Alltagsleben bestimmte.

… und Blues

Einer noch breiteren Masse dürfte Moore aber mit seinem Schaffen zu Anfang der neunziger Jahre bekannt geworden sein. Auch heute noch ist diese Ära wohl am meisten im Gedächtnis an den großen Gitarristen hängen geblieben. Das liegt wohl nicht zuletzt an das im Jahr 1990 erschienene Album Still got the Blues und dessen Titeltrack liegen, der ein wahrer Welthit wurde und seine später Karriere maßgeblich beeinflussen sollte. Wie der Name des Albums schon vermuten ließe, war Moore Anfang der Neunziger vom Hard- in den Bluesrock gewechselt und eben jener Song sollte durch seine unvergessliche Hook und dem virtuosen Solo ein moderner Klassiker des Genres werden.

Ausgerechnet …

… um diesen Song gab es jedoch Streit mit dem Bassisten Jürgen Winter, der angab, die Melodie mit seiner Krautrockband Jud’s Gallery Anfang der Siebziger geschrieben und aufgenommen zu haben. Das unveröffentlichte Lied sollte Moore für seinen Superhit kopiert haben. Nachdem Winter vor Gericht Recht bekommen hatte, konnte Moore die Rechte an dem durch einen Vergleich jedoch behalten.

Auf diesem Album und auch auf seinem nächsten Blues Album konnte Gary Moore sich die Unterstützung anderer Größen des Genres wie Albert King und B.B. King sichern und auch Ex-Beatle George Harrison hatte bei seinem Blues Debüt wohl die Finger im Spiel. Unter dem Namen BBM bildete er eine neue Band, in der auch zwei frühere Cream Mitglieder (nicht Eric Clapton) mitwirkten.

Es sollten zahlreich Soloalben folgen, die alle mehr oder weniger dem Blues verhaftet blieben, bis er sich mit A different Beat in eher experimentelle Musikgefilde mit modernen Popeinflüssen wagte, bevor er mit The Power of Blues 2003 wieder zurück zu seinem Erfolgsgenre fand. Darin und im darauf folgenden Album wurde sein Stil immer weniger rockig und insgesamt langsamer und sanfter und sein letztes Album von 2009, Bad for You Baby, wurde für den Blues Music Award nominiert. Mitten in den Vorbereitungen zu seinem letzten Blues Album verstarb Gary Moore 2011 im spanischen Estepona plötzlich und vollkommen unerwartet an einem Herzinfarkt, auch hier hatte der Alkohol sein teuflisches Werk zu Ende gebracht.

Gary Moore Still got the Blues

Sein Erfolgsalbum, dass ihn weltberühmt machte

Stil und Einflüsse

Gary Moore wurde in erster Linie für seine kraftvollen und virtuosen Bluessoli und seine technische Versiertheit auf der Gitarre bekannt, sieht man einmal von seinem Talent als Komponist ab. Da passt es auch, dass er einen der ersten und vielleicht wichtigsten E-Gitarrenvirtuosen, nämlich Jimi Hendrix, als einen seiner wichtigsten Einflüsse nannte. Das war zu der Zeit, in der sich Moore anfing, sich für Musik zu interessieren. Wahrscheinlich nichts Außergewöhnliches, war Hendrix doch gerade dabei, die Rockmusik und die E-Gitarre als Instrument völlig zu revolutionieren. Und so sind auch in seinem stark verzerrten, oft mit Fuzz-Pedalen bereicherter Sound durchaus Einflüsse von Hendrix erkennbar, auch wenn natürlich stilistisch nicht viel an die Verbindung erinnert.

Sein zweiter großer Einfluss war sein musikalischer Weggefährte und Freund Peter Green, den er mit einem Album ehrte. Ein wirkliches Wiedererkennungsmerkmal sind seine sehr sustainreichen, lange gehaltenen Bendings und das zwischenzeitliche immer wieder abgedämpften Strumming zwischen den einzelnen Tönen, mit denen er Akzente setzte. Oftmals wechselten sehr kurze und schnelle Läufe sich mit den sehr lange gehaltenen und mit Vibrato versetzen Tönen seiner Melodien ab.

Gary Moore 3

Das Equipment von Gary Moore

Moore hatte nie eine dauerhafte Liaison mit einer bestimmten Gitarre oder einem bestimmten Hersteller gepflegt. Er spielte im Grunde immer das, was ihm gerade den Sound lieferte, den er gerade suchte. Obwohl er Linkshänder war, erlernte er die Spielweise wie ein Rechtshänder und war so nie auf Sondermodelle angewiesen, die vor rund dreißig Jahren wohl noch schwerer zu finden waren als heute.

So fanden allerlei Gitarren und Gitarrentypen den Weg in sein Setup, es mit ihm ins Studio oder auf die Bühne. Ein Gitarrentyp, der wohl sehr eng mit seinem typischen Sound seiner späteren Zeit verbunden war und mit dem er doch immer etwas öfter zu sehen war, war die Les Paul von Gibson. Mit dem druckvollen Humbucker-Sound und der schieren Masse an Holz, die eine Les Paul bieten kann, kam es auch zu seinem sustainreichen und stets mittig druckvollen Sound. Er soll für lange zeit eine 59er Les Paul Standard gespielt haben, die er von Peter Green kaufte. Ebenfalls soll er in dieser Zeit eine 52er Les Paul mit schwarzen P90 Pickups und der unverwechselbaren Stoptails der frühen Paulas.

-- Gary Moore 59er Les Paul aus der aktuellen Gibson Collection --

— Gary Moore 59er Les Paul aus der aktuellen Gibson Collection —

Forum
  1. Profilbild
    janschneider  

    Ich glaube, „Wild Frontier“ war damals der erste Tonträger, den ich mir als Jugendlicher gekauft habe. MC, Musikkassette! Hab ich mir irgendwann auch noch mal als CD gekauft. Das virtuose, aber immer auch melodiöse Spiel hatte es mir angetan, und auch die Songs waren gut. Die Produktion ist aus heutiger Sicht natürlich herbe Achtziger-Soße.
    Mit seinem Bluerockgedöns hat er mich allerdings ziemlich schnell verloren… nix für mich.

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