Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger

Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger: Röhren um Gottes Willen nicht anfassen!

Auch dein Verstärker mag es warm und trocken! Also sollte auch er nicht lange im Keller vor sich hinschimmeln oder im Winter auf dem Balkon gestellt werden. Versteht sich von selbst, wie bei allen Elektrogeräten. Bei ihren Amps übertreiben es viele Gitarristen aber mit der Zuwendung. Diese drückt sich dann in der goldenen Regel aus, die jedem E-Gitarren-Einsteiger als erstes eingebläut wird: Finger weg von der Röhre!

Die Theorie besagt, dass Fette, Öle, Eiweiß und andere Stoffe von der Hand ans Glas wandern und dort festbrennen und so zu Gestank und Rauch führen und langfristig zum frühzeitigen Röhrentod führen. Wahrscheinlich entstand diese Idee aber in Anlehnung an die Handhabungshinweise von Halogen-Glühbirnen, die tatsächlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden sollten, da verbleibende Fette dazu führen könnten, dass sich der umgebende Glaskörper ungleichmäßig erhitzt und so ungewollte Spannungen entstehen.

Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger Röhren

Keine rohen Eier oder Glühbirnen: Die Verstärkerröhre

Der Unterschied ist jedoch, dass sich Glühbirnen zum einen viel schneller aufheizen als Verstärkerröhren und zudem noch um ein Vielfaches heißer brennen. Neben den bis zu 3500 Grad am Glühdraht und bis zu 370 Grad Glastemperatur in der Halogenbirne blubbert eine typische Röhre bei gemütlichen 100 Grad vor sich hin und ist dabei etwas behäbiger. Im Ergebnis stört sie sich nicht an ein bisschen Fingerabdruck am äußeren Glas.

Viele Verstärkerbauer, auch von großen Marken, verbauen Röhren mit bloßen Händen, da sie sich einfacher handeln lassen als mit rutschigen Handschuhen. Oft werden sie natürlich danach gereinigt, weil sie als Herzstück des Amps auch schön aussehen sollen. Die Performance juckt das Ganze aber wenig.

Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger: große Hände …

Gute Gitarristen haben große Hände, guckt euch Steve Morse, Paul Gilbert und Steve Vai an!

Ja, die drei Herren haben große Hände und spielen auch ganz ordentlich Gitarre. Aber eine Voraussetzung ist es deshalb nicht. Auch feine Finger braucht es nicht unbedingt, um schnell und präzise spielen zu können. Für einige Passagen und Stile sind geeignete Hände sicherlich hilfreich, aber der menschliche Körper ist glücklicherweise extrem anpassungsfähig und das Gehirn sehr flexibel.

Große Hände helfen – sind aber kein Muss

Selbst die stubbeligsten Wurstfinger lernen ziemlich schnell, wann sie wo sein müssen, um den richtigen Ton zu erzeugen und zu 95 % liegen die erfahrenen Schwierigkeiten an fehlender Übung und nicht an der Anatomie.

Django Reinhardt revolutionierte mit zwei teilweise abgetrennten Fingern die Jazzgitarre für immer und auch Universaltalente wie Tommy Denander sind auch nicht gerade für ihre Feingliedrigkeit bekannt.

Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger: More Gain = More Pain!

Ja, ein harter Sound für Heavy Metal und knackige Riffs braucht nicht unbedingt viel Gain! Oft ist sogar das Gegenteil der Fall.

Manchmal ist weniger mehr – Gain ist nicht immer gleich Power

Viel Verzerrung verspricht im ersten Moment auch mehr Power und einen kräftigeren Ton, allerdings liegt die Kraft oder das, was wir als „hart“ wahrnehmen, vornehmlich in der Dynamik und den Kontrasten innerhalb des Klangs. Um einen guten soliden und ausdruckstarken Sound für Rock und Metal zu kreieren, ist es oft hilfreich, den Gain etwas zurückzunehmen und sich vor allem auf das eigene Spiel zu konzentrieren. So kann die Dynamik der Gitarre besser genutzt, der Klang effektiver vom Spieler geformt werden als ein extremer Gain, der jeden Laut, den die Gitarre von sich gibt, nivelliert und keine Unterschiede erkennen lässt. Das klingt dann oft flacher und monotoner als ein ausdruckstark gespielter, zurückhaltender Sound. Vor allem im Bandgefüge!

9. Analoge Effekte klingen immer besser!

Beinahe alle Gitarristen verzehren sich nach analogen Stompboxen und Rack-Effekten, die, wie in den guten alten Tagen, einen reinen und sauberen, einen gottgewollten und ganzheitlichen Sound versprechen. Nichts muss umgewandelt werden, keine binären Teufel verkaufen die Seele des Sounds für einen günstigen Ladenpreis und spucken sie zurück ins Stromnetz. Nein! Pur und unberührt ist der Klang! Jungfräulich!

Auf einem ähnlichen Niveau wird manchmal argumentiert, geht es um den Unterschied zwischen analogen und digitalen Effekten. Angeführt wird dann häufig der günstigere Preis für digitale Geräte, das kann ja nur schlechter klingen! Zudem haben alle wahren Größen von Lennon bis Lemmy ausschließlich analoge Effekte und die klingen super!

Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger Effekte

Aber ist das wirklich wahr – klar, als die E-Gitarre ihren Platz in der Musikkultur einnahm und zementierte, waren lediglich analoge Effekte vorhanden und diese sollten nachhaltig festlegen, wie das Instrument zu klingen hat, welcher Klang als gut und welcher als schlecht gilt. Und die ersten Versuche, diese mit digitaler und häufig einfacherer Technik zu imitieren, konnte unmöglich besser klingen als der Referenzpunkt.

Mittlerweile sind viele digitale Delays, Chorus-, Flanger- oder Reverb-Pedale im Imitieren so gut, dass der Otto-Normalverbraucher keinen Unterschied mehr hört. Zudem sind sie günstiger, haltbar und können vielseitiger konzipiert werden, sodass Effekte und Klänge möglich werden, die analog kaum erreichbar sind. Damit sind sie auch für Gitarren-Einsteiger oft die bessere Alternative. Natürlich geht es hier wie fast immer um persönliche Präferenzen, aber man sollte nicht den Fehler begehen, nur nach analogen und damit vermeidlich besseren Effekten zu schielen. Es könnte einem einiges entgehen!

10. Das Holz ist egal!

Das dürfte wohl eines der kontroversesten und damit auch beständigsten Geheimnisse für Gitarren-Einsteiger sein, die sich schon seit Jahrzehnten um die Gitarre ranken. Zusammengefasst besagt es, dass das gewählte Tonholz durch seine Beschaffenheiten, Qualität und Behandlung keinen nennenswerten Einfluss auf die Klangentwicklung der Gitarren hat, sondern alleine die Saiten und im Falle der E-Gitarre die Pickups für den richtigen Sound verantwortlich sind.

Zu dem Thema wurden Bücher geschrieben und wahrscheinlich Millionen von Forumseinträgen und Kommentaren, auch hier auf AMAZONA.de. Wie soll man also mit den vielen verschiedenen Stimmen umgehen?  Tja, es ist kein ganz einfaches Thema, weil sich keine einfachen binären Aussagen zu dem Thema machen lassen und sich zu jedem Beispiel ein geeignetes Gegenbeispiel findet.

Gitarrenbauer wie Paul Reed Smith sind besessen von Klanghölzern und ihren Eigenschaften

Ich bin beispielsweise davon überzeugt, dass die Gitarre, egal ob akustisch oder als Solidbody E-Gitarre, immer als Gesamtsystem gesehen werden sollte, in das der Spieler Energie in Form des Steinschlages steckt, die dann von verschiedenen Elementen der Gitarre absorbiert oder und umgewandelt wird. Je nach Eigenresonanz der verwendeten Materialen, deren Güte und Menge werden verschiedenen Resonanzen der Saiten verstärkt oder geschluckt, bevor und während die Pickups diese in elektrische Impulse umwandeln und an den Amp schicken. Ich bin ebenso davon überzeugt, dass ich den Unterschied zwischen Tonhölzern, der Bauart einer Gitarre oder einer guten und einer schlechten Verarbeitung spüren und hören kann und mein Eindruck hat sich in einigen Jahren der Erfahrung mit verschiedensten Testgitarren weitestgehend bestätigt. Aber es gibt höchstwahrscheinlich eine ganze Reihe an Leuten, die das auf Einbildung und Voreingenommenheit ob eines höheren Preises oder der Verbindung mit einem bestimmten Musiker zurückführen würden.

Was meint ihr zu diesem Thema und welche Erfahrungen oder wissenschaftlichen Erkenntnisse habt ihr dazu? Wir freuen uns über eine lebendige Diskussion!

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Forum
  1. Profilbild
    Coin  AHU

    Cooler Artikel : ) Mir macht der viel Freude beim lesen.
    Ob es sich lohnt mit Gitarre anfangen zu lernen, mit 35 ?
    Ich mein, man lernt ja nie aus.

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        wellenstrom

        Genauso íst das. Hab‘ auch erst mit 37 oder so mit dem Klampfen angefangen, kann’s immer noch nicht wirklich, aber es macht Spaß und bringt ’ne frische Note in Sound und Komposition. Lernen musste da auch nichts wirklich, es sei denn, du hast dahingehend besonderen Ehrgeiz. Und es muss auch keine teure Gitarre für den Anfang sein (meine 90 Euro Klampfe von damals kommt heute auch immer noch zum Einsatz).

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          Codeman1965  

          Ein (weiteres) Instrument zu lernen oder sich zumindest damit zu befassen/anzufreunden lohnt sich IMMER, selbst wenn’s ’ne Triangel ist!
          Es gibt Dir ja einfach weitere Möglichkeiten, das, was Du ausdrücken möchtest hörbar zu machen. Immer lustig ausprobieren, es macht Dich nicht dümmer…! :-)

          @ tilmann.seifert:
          HEISSES EISEN!!!
          An der Tonholz-Debatte sind schon Freundschaften/Ehen/Staatenbünde zerbrochen, und dabei ‚rausgekommen ist im Grunde gar nix.
          Wie Du schon schreibst, es gibt zwei Glaubensrichtungen, die in dieser Welt nicht mehr zusammenkommen. Das ändert sich auch nicht mehr.
          Ich persönlich halte es auch für müßig, eine evtl. Kaufentscheidung mit der „Holzfrage“ zu verbinden. Ist ja auch nicht so, daß die Hersteller ihre Stangenware in verschiedenen Hölzern anbieten, damit Jeder seinen Favoriten bekommt.
          Das ist dann eher ein Fall für ’ne Auftragsarbeit beim Gitarrenbauer oder beim Teilekauf im Netz…

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            tilmann.seifert  RED

            Hey Codeman1965,

            ja, das ist tatsächlich so ein Thema, über das wir schon oft diskutiert haben. Es gab auch mal eine Studie eines Physikprofessors, die anscheinend zum Ergebnis hatte, dass das Material keinen Einfluss auf den Klang hat. Es wird auch hier den ein oder anderen heftigen Kommentar in beide Richtungen geben.
            Wir als Tester haben natürlich das Privileg genossen, schon sehr viele Gitarren aus allen möglichen Hölzern in der Hand zu haben und ich denke mal alle von uns messen der Holz- und Verarbeitungsqualität einen höheren Stellenwert zu. Aber vielleicht stecken wir zusammen mit Paul Reed Smith und Gibson in einer globalen Verschwörung! Läge ja im Trend.
            Das schöne ist ja: es kann ja beiden Seiten im Grunde egal sein. Wer Seine Lieblingsgitarre schätzt und bereit ist den geforderten Preis dafür zu zahlen, der wird das auch weiterhin tun. Wer keinen Unterschied spürt, der Findet ein gewaltiges Angebot an sehr günstigen Gitarren. Vielleicht kann man sich ja demnächst auch eine aus dem 3D Drucker spucken lassen. Wer Weiß?

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      arving

      Schließe mich an die Kommentare an. Hilfreich natürlich wenn Du eine Idee hast WAS Du lernen willst, mit „Keine Ahnung“ planlos in der Gegend rumdudeln kann natürlich irgendwann Frust bringen, wobei es aber auch da Leute gibt denen das Spaß macht. Gelegentlichen Zuhörern oder Mitarbeitern im Gitarrenladen allerdings möglicherweise weniger ;-)

      Und nebenbei bemerkt: richtig „Können“ wird man es eh nicht. Die Bandbreite der Gitarre ist so groß, da möchte ich den mal sehen, der das alles bis in die Tiefe zu beherrschen glaubt, von klassischer Literatur, über Flamenco hin zu Improvisation, Jazz, Blues etc pp. Und weil es mir immer wieder auffällt: Genretypische Klischees „draufhaben“ verbunden mit gefälliger Gitarrenhalsakrobatik ist noch lange kein „Gitarrespielen können“.

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      antiandi  

      Hab mich das mit 35 auch gefragt und dann gedacht ich bin alt, wenn ich das denke..
      5 Jahre später: Einen Haufen Gear und ein Studio zu Hause. Reicht schon, die Feten des 25 jährigen Nachbarn (der sich auch schon alt fühlt ;) ) für eigene Konzerte nachts nutzen zu können.

      Nun bin ich aber vor 2 Jahren mit dem Kollegen zum Gitarrenbauer mit. Aus Langeweile mal ne Klampfe in die Hände genommen. Oh, das ist ja expressiv wie Posaune aber nicht so verkrampft. Machte dann den Fehler, nach was „gutem für meinen Geschmack“ zu Fragen… Liebe auf den ersten Blick, ich ging nach Hause um doch die Miete zu bezahlen und kam am nächsten Tag zurück. Auch die Vermieterin wurde schlussendlich bezahlt.

      Seither steht das Studio still. Ich betrachte mich nicht als Gitarrist, der Artikel gibt die Gründe gut wieder. Spiele mit Ohren und Händen. Betrachte das Griffbrett als Sechsfachoszillator mit FM ;) Bin sehr sehr glücklich.

      Ob das schon Musik ist, nee das kann ich besser. Aber das „Ausprobieren“ ist, wenn das Herz bei der Sache ist, Grund genug um weiter zu machen. Die Welt ist schon, naja, sonst würde ich heute Anfangen ;)

      Super Artikel, Danke!

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        tilmann.seifert  RED

        Danke für die Blumen und die Poesie!

        Ich muss auch sagen, dass ich wohl kein Vollprofi mehr werde in diesem Leben, aber es macht mir nach wie vor Spaß und das reicht mir auch. Zudem kann ich das Angenehme mit dem noch angenehmeren Verbinden. Hoffe, ich werde auch noch meiner Traumgitarre über den Weg laufen (das ist zwar dank Amazona schon einmal passiert, ich musste sie aber ebenfalls mit Rücksicht auf meinen Vermieter wieder zurückschicken).

        Aber ich denke auch – es ist nie zu Spät (nochmal) anzufangen und was Neues zu lernen.

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      tilmann.seifert  RED

      Hey Firstofnine,

      Danke dir und auf jeden Fall: Einen Nachmittag mit ein Paar Gitarren, Amps und Effekten zu verbringen hat noch Keinem geschadet und vielleicht nimmt man ja was mit nach Hause und freut sich noch lange darüber.

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    tantris  

    Bei einer elektrischen Gitarre hat das Holz keinen Einfluss auf den Klang. Dazu muss man sich das Tonabnehmersystem vor Augen führen. Die Schwingung der Saite bewegt einen Magneten im Tonabnehmer, weil die Saite aus Stahl gefertigt ist. Die Schwingung des Holzes dagegen hat keinen Einfluss auf den Magnet im Tonabnehmer, und einen sehr geringen Einfluss auf die Schwingung der Saite, weil kein Resonanzkörper vorhanden ist. Lediglich die Härte des Halteapparats der Saiten hat Einfluss auf den Sustain. Der Klang einer Gitarre ist also weitgehend von den verwendeten Tonabnehmern und den nachgeschalteten Effekten abhängig.

    Beispiel siehe hier: http://www.....AEp4R7v_oc

    Natürlich ist klar, dass der Besitzer einen Stratocaster nicht wahrhaben will, dass es klanglich gesehen kaum einen Unterschied zu einer ähnlich aufgebauten Harley Benton gibt. Der Streit darüber ist ebenso ideologisch wie der Streit um den richtigen Glauben.

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      antiandi  

      Meine zwei Relish Marys lassen mich diese Aussage direkt erlebbar machen.

      Es sind zwei Sandwichgitarren (neue Bauform, der Hals schwingt frei zwischen den zwei Korpusplatten), die eine mit Holzkern, die andere Alu. Derselbe Hals, dieselben Pickups. Quasi ein wissenschaftlicher Vergleich ;)

      Alu soll ja jetzt nicht die krassesten tonalen Eigenschaften haben. Es ist aber genau die Mary A wie Alukern, die mal locker 30 Sekunden Sustain hinlegt. Die Mary W wie Wood klingt dagegen kürzer angebunden, obwohl sie brilliant ist. Es liegen dennoch Welten zwischen ihrem super Sustain und der quasi endlos schwingenden Alustimmgabel, die sich sogar wieder aufschaukeln lässt per Klopfen auf den Korpus. Es kam mir auch schon der Gedanke, das sei doch eigentlich eine Thru-Neck-Gitarre. Danke drum für deine Worte, ich kann das bestens Nachvollziehen.

      Meine „Alte“ war eine Tele mit billigem Body und einem krassen Hals krass genau vom Gitarrenbauer eingepasst. Ultrasustain und trocken fast so laut wie eine Akkustische. Krasse Pickups latürnich, weil die fangen den Ton erst ein.

      Ein billiger Body, ja, unter der Prämisse. Ein super Hals super eingepasst kommt jedoch kaum aus dem Kaufhaus. Über ihre Hälse und was das ausmacht, diskutieren Gitarristen jedoch viel weniger als über die Tonholzmystik…

      Wenn nämlich die Saiten genug an der Brücke ziehen, kann sich theoretisch sogar die Position der Tonabnehmer minimst verändern, je nach Material der Decke in der sie stecken… mit Einfluss auf den Klang wie das Herumschrauben an der Pickupstellung..

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      Bananaboi

      Da vergisst du halt so ziemlich die gesamte Masse der Gitarre. Die Saiten sind doch nicht in der Luft zwischen harten Metallteilen aufgehängt. Die geben doch auch wieder Vibrationen an das Holz weiter und das Holz absorbiert Vibrationsenergie und dämpft damit bestimmte Frequenzen, während es mit anderen resoniert.

      Wenn es so einfach wäre, würde eine Soapbox Gitarre mit nem Gibson Steg, den richtigen Pickups und ner Gibson Mechanik genau so klingen wie eine Les Paul. tut sie aber nicht.

      natürlich hat die Gitarre einen Resonanzkörper. Der Funktioniert zwar anders als bei ner Akustischen, ist aber auf jeden fall da und natürlich tritt der heftig in Wechselwirkung mit den Saiten.
      Ich
      verstehe nicht so ganz, warum man sich so sehr versucht einzureden, dass die Physik am Tailstock plötzlich ausgeschaltet wird. Es kann doch jeder in den Laden gehen und die Unterschiede zwischen Gitarren aus verschiedenen Hölzern mal trocken, ohne Amp ausprobieren…

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        Potomac

        Naja, es geht ja nicht um „trocken, ohne Amp“ sondern um „verstärkt am Amp“. Der Tonabnehmer ist halt nicht in der Lage den trockenen, akustischen Sound abzunehmen sondern elektromagnetische Felder, die der Schwingungscharakteristik entsprechen, …aber nicht dem akustischen Ton gleichen.

        Insofern kann ich mir vorstellen, dass ein Linde-Korpus, messbar, anders auf die Schwingungscharakteristik wirkt als ein Mahagoni-Korpus, ob das allerdings, hörbar, in der Band, irgendwie wahrnehmbar sein wird, darf bezweifelt werden. Zumal zwischen Tonabnehmer und Lautsprecher noch vielerlei Einflüsse den Klang verändern.

        Trotzdem respektiere ich die Meinung der Musiker, die sich mit bestimmten Holzkombinationen wohler fühlen und Unterschiede hören. Denn die meiste Zeit übt man ja alleine, und man hört nur sein eigenes Spiel auf der Gitarre. Ich würde keine Zeit mehr mit empirischen Untersuchungen zu dem Thema verschwenden.

        Außerdem: Es gibt keinen schlechten Klang, es gibt nur falsch eingesetzten Klang. Ein Schwermetaller würde beim Sound der Gitarre von J.J. Cale das Kotzen bekommen und George Benson würde mit dem Sound von Anthrax hilflos mit den Schultern zucken. Das Holz ist bei der Soundproduktion nur marginal beteiligt. Seasick Steve spielt auf abgewracktem, japanischen Sperrholz genau wie es Ry Cooder gelegentlich getan hat.

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          Bananaboi

          Ja, es ist schon richtig, dass die Qualität eines Klanges nur subjektiv bewertet werden können, deshalb kann man sich auch ewig darüber auseinandersetzen was „besser“ oder „schlechter“ klingt.

          Aber das ändert nichts an den physikalischen Grundprinzipien einer Gitarre. Natürlich können die Pickups die Vibrationen des Holzes nicht aufnehmen. Aber das Hals beeinflusst doch ganz klar auch die Schwingung der Saiten und nicht nur umgekehrt (es absorbiert Schwingungsenergie der Saiten) und das Gesamtergebnis wird von den Pickups an den Amp weitergegeben.
          Ich verstehe beim besten willen nicht, warum alle denken, dass das holz damit nichts zu tun hat.

          ich kann doch nicht auf jedes x-Beliebige Brett die Hardware einer Telecaster schrauben und Saiten drüber spannen und es klingt nach dem Original.
          Schließ doch mal eine Akustikgitarre mit magnetischem Tonabnehmer an einen Amp. Wo kommen da die Klangunterschiede her, wenn nicht vom Schwingungsverhalten des Bodys?

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            Potomac

            Habe ich ja gar nicht abgestritten, geschenkt. Wie und viele andere auch, bin ich leider nicht in der Lage diese Nuancen, an Ende der Verstärkungs- und Effektkette, neben dem Drummer, dem Keyboarder, dem anderen Gitarristen und dem Sänger noch rauszuhören.

            Vielleicht ist das der Grund, weshalb der Gitarrist immer meint: „Ich bin zu leise, ich kann mich nicht hören!“ und anschließend auf Stufe 11 alle anderen niederröhrt? Er will sein Holz hören?

            Okay, ich bin Basser, ich gebe es zu, ich sehe das „Problem“ u.U. etwas entspannter ;)

            Auf das Argument mit der Akustikgitarre gehe ich jetzt nicht ein, denn ein mag. Pickup macht aus einer Akustikgitarre keine E-Gitarre, ich dachte wir reden über Solid Bodies, oder?

  3. Profilbild
    Drahtzieher

    Bezüglich der Farbe unentschlossen, bestellte ich zwei gleichartige , in Tests hochgelobte, Sire Marcus Miller Bässe. Die klangen trotz gleicher Bau- und Holzart so verschieden, der eine knackig hell, der andere satt mittig, das ich nach 2 Stunden checken beide hätte kaufen müssen. Auch das Spielgefühl war verschieden. D.h., das schwingende Holz hat meiner Erfahrung nach einen klanglichen Einfluss, selbst bei CNC Instrumenten gleicher Holzart (aber nicht des identischen Holzstücks). –

    Ich habe beide zurückgeschickt: denn, immer wenn ich meinen ollen Hoyer Jazzbass (aus den 70-igern) mit Stratabondhals im Vergleich anspielte, hörten sich die Sires sehr blass an. Sie wirkten wie Draht über Pickup. Der Hoyer (auch trocken) wie ein schwingendes Gesamtsystem, dass ich bei jedem Ton körperlich spüre. Die Durchsetzungsfähigkeit und Dynamik war fappierend höher.

    Ich spielte mal einen Yamaha Bass mit brillianter Saitenlage. Nur: Klangfarben und Dymamik: Fehlanzeige. Beim Bass spürt man auch wegen der erhöhten Saitenspannung, die Unterschiede wohl deutlicher. Selbst bei gleicher Holzart kommt es wohl darauf an, welches Bodyholz an welches Halsholz kommt.

    Vor Urzeiten entschied ich mich, bei gleichem Preis, für eine gebrauchte Japan Squire, statt für eine neue Mexico Fender. Sie schwang schon trocken viel angenehmer.

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