Gitarren-Akkorde – der Septakkord für Gitarristen

23. Juli 2019

Gitarren-Akkorde - der Septakkord entmystifiziert

Gitarren Akkorde

Gitarren Akkorde – der Septakkord

Jedem Musiker ist sicherlich schon einmal ein Akkordsymbol mit „hochgestellter 7“ (z. B. G7) begegnet. Diese häufig anzutreffende Symbole für Gitarren-Akkorde gelten allgemein für alle Instrumente, sind also nicht nur ausschließlich im Zusammenhang mit dem Gitarrespiel zu finden. Dem Anfänger der Gitarre mag der theoretische Hintergrund oft gleichgültig sein, solange er weiß, wie man einen solchen Septakkord greift. Deswegen wird sich dieser Workshop vorwiegend mit der Praxis befassen, er soll aber auch zum besseren Verständnis und vor allem dem „Erfahren“ eines Septakkords beitragen.

Gitarren Akkorde

Was bedeutet wohl die 7?

Wir beschäftigen uns heute lediglich mit einfach zu greifenden Septakkorden und berücksichtigen dabei auch ausschließlich „Dur-Septakkorde“, um die eventuell aufkommende Verwirrung in Grenzen zu halten (es sei hier erwähnt, dass viele weitere Varianten eines Septakkords wie Moll 7, Moll 7b5, Dur maj 7, Moll maj 7 etc. existieren, um die wir uns in weiteren Workshops kümmern werden).

Was bedeutet also diese 7 im Akkordsymbol? Sie symbolisiert, dass wir es mit einem sogenannten Septakkord zu tun haben, welcher sich aus vier verschiedenen Noten zusammensetzt. Diese sind Grundton, Dur-Terz (große Terz), Quinte und kleine Septime (1, 3, 5, b7). Etwas verwirrend mag sein, dass die hochgestellte 7 im Akkordsymbol, die sogenannte kleine Septime im Verhältnis zum Grundton verlangt, also nicht etwa die in einer Durtonleiter vorhandene „leitereigene“ große Septime. In der Musik existieren nämlich zwei verschiedene Septimen, eine kleine Septime (b7) und die große Septime, welche es unbedingt zu unterscheiden gilt. Die kleine Septime (b7) kann auch als verminderte bzw. erniedrigte große Septime (7) aufgefasst werden.

Merke: Eine hochgestellte 7 im Akkordsymbol verlangt immer eine kleine Septime, es sei denn, der 7 ist die Bezeichnung „maj“ (wie bei z. B. C maj 7) vorangestellt.

Die Links dieses Beitrags richten sich an den theoretisch etwas vorgebildeten (an Musiktheorie interessierten) Musiker und können gerne ignoriert werden, falls die Abneigung diesbezüglich stark ausgeprägt ist. Man kann diesem Artikel aber auch ohne das Verstehen der verlinkten Artikel sicherlich genug Brauchbares entnehmen. Die Herausforderung, dem Anfänger den Septakkord erfolgreich nahezubringen, ohne dabei zu tief in die theoretische Büchse der Pandora zu greifen, ist eine Gratwanderung. Hier wird versucht, dies so „schonend“ und trotzdem so effektiv wie möglich zu tun. Kommen wir zur Sache:

Der Dur-Akkord mit kleiner Septime

Wird einem Dur-Akkord eine kleine Septime (b7) hinzugefügt, erhält der Klang des Akkordes eine spürbar zusätzliche Spannung, die meist im darauf folgenden Akkord nach Entspannung verlangt. Man könnte auch behaupten, der Akkord bekommt dann eine „bluesige“ Note. Die Stilrichtungen Blues oder Jazz wäre ohne einen Septakkord überhaupt nicht denkbar.

Schauen wir uns zunächst einen typischen G-Dur Akkord an.

Gitarren Akkorde

G-Dur

Wie ihr sicherlicht wisst, setzt sich ein Dur-Akkord aus den Bestandteilen Grundton, Dur-Terz (große Terz) und Quinte zusammen. Bei einem G-Dur Akkord sind dies die Noten g-h-d. Diese drei Noten werden in unserem G-Dur Akkkord teilweise gedoppelt, denn dieser besitzt, wenn alle Saiten gespielt werden, die Noten g – h – d – g – h – g. Eine Verdopplung der Noten verlangt übrigens nicht nach einer neuen Akkordbezeichnung, da nur die drei oben genannten Komponenten des Dreiklangs involviert sind. Spielte beispielsweise ein Orchester mit 80 Musikern gleichzeitig nur diese drei Töne in beispielsweise fünf verschiedenen Oktaven mit Kontrabass, Celli, Violinen und Piccoloflöten, könnte man auch hier von einem G-Dur Akkord sprechen.

Durch das Hinzufügen der kleinen Septime f erhalten wir nun einen Septakkord. Man findet die gesuchte kleine Septime leicht, indem man sich vom Grundton (g, dem Namensgeber) des Akkordes, einen Ganzton, bzw. zwei Halbtonschritte (zwei Bünde) abwärts bewegt. In Falle unseres G (-Dur) landen wir bei der Note F. (g – f# – f ). Dies ist bedeutend einfacher, als vom Grundton zehn Halbtöne nach oben zu rechnen, um die kleine Septime zu ermitteln.

Schaut euch zum besseren Verständnis die folgenden Beispiele an, bei denen dasselbe Prinzip bei verschiedenen Ausgangstönen angewandt wird:

Die kleine Septime von g ist f oder anders ausgedrückt: Die kleine Septime eines G7 Akkords ist f.

Die kleine Septime von D-Dur ist c bzw. die kleine Septime eines D7 Akkords ist c.

Die kleine Septime von A-Dur ist g bzw. die kleine Septime eines A7 Akkords ist g.

Die kleine Septime von E-Dur ist d bzw. die kleine Septime eines E7 Akkords ist d.

Die kleine Septime von C-Dur ist b (international Bb) bzw. die kleine Septime eines C7-Akkords ist b.

Die kleine Septime von F-Dur ist Eb bzw. die kleine Septime eines F7 Akkords ist Eb (um einen Halbton erniedrigtes e).

In diesem Zusammenhang ist gleichfalls anzumerken: Die Note b existiert nur im deutschen Sprachraum. Sie ist ein um einen Halbton erniedrigtes (vermindertes) h. Im Rest der Welt, wird das deutsche h als b bezeichnet, was letztendlich deutlich logischer ist, da die Noten dann auch der Reihenfolge des ABCs entsprechen. Demzufolge wird das deutsche b international mit Bb (gesprochen „B-flat“, flat bedeutet erniedrigt) bezeichnet.

Gitarren-Akkorde – der Septakkord in der Praxis

Auf der Gitarre ist ein Septakkord oft sehr einfach zu spielen, da sich in der Optik des Griffbildes meist (nicht immer) nur eine Note verändert und der Septakkord nach wie vor große Übereinstimmung mit dem darauf basierenden reinen Dur-Akkord (ohne kleine Septime) hat.

Vergleichen wir nun den G mit dem G7:

Gitarren Akkorde

G-Dur

Gitarren Akkorde

G7

Was hat sich in unserem Griffbild geändert? Die Note g auf der hohen E-Saite ist zum f geworden. Der Klang des Akkords verändert sich und erhält einen etwas anderen Charakter bzw. „mehr Spannung“. Sobald diese „neue“ Komponente f (die kleine Septime) mindestens einmal im Akkord auftaucht, verlangt das schlichte Akkordsymbol (G-Dur) nach einem „Upgrade“. Aus unserem Dreiklang g – h – d (ist ein Vierklang (g – h – d- f) geworden, und dies muss zur Unterscheidung vom ordinären G-Dur-Akkord im Akkordsymbol vermerkt werden.

Einfache Septakkorde für Gitarre

Schauen wir uns nun die bekanntesten „offenen“ Septakkorde einmal an. Es ist angegeben, auf welcher Seite sich die kleine Septime jeweils befindet:

Gitarren Akkorde

Hier hört ihr diese Septakkorde je einmal angespielt, in der Reihenfolge wie angegeben:

Gitarren-Akkorde – der Septakkord im Verbund

Für den etwas fortgeschrittenen Theoretiker sei erwähnt, dass Dur-Akkorde mit kleiner Septime (auch Dominantseptakkorde genannt), sich meist in einen Akkord „auflösen“, dessen Grundton sich eine Quinte tiefer als der Grundton des Septakkordes befindet. Das mag zunächst komplex klingen, es wird jedoch sofort klar und vor allen Dingen auch „erfahrbar“, wenn man einmal die unten abgebildeten Akkordfolgen spielt. Die Beherrschung eines Barré-Akkords ist hier bewusst nicht erforderlich, da dies einen Anfänger möglicherweise technisch überforderte. Die „offenen“ Septakkorde klingen auf der Gitarre meist etwas „bieder“, sind dafür aber leichter zu greifen und für viele Einsatzgebiete meist vollkommen ausreichend.

Die entsprechende Tonart der Beispiele (bzw. der sogenannte Tonika-Akkord auf der ersten Stufe der entsprechenden Tonleiter) ist durch fette Schrift gekennzeichnet. Spielt also nun die folgenden Akkordkombinationen in der angegebenen Reihenfolge, wobei das Tempo vollkommen zweitrangig ist. Es geht darum, den Klang und die Spannung des Septakkordes zu erfahren:

G-Dur – C-Dur – D7G-Dur

D-Dur  – Em – A7D-Dur

A-Dur  – D-Dur – E7A-Dur

C-Dur – A-Moll – F-Dur – G7C -Dur

„Zugwirkung“ eines Dominantseptakkords

Um die „Zugwirkung“ eines Dominantseptakkordes besonders gut wahrzunehmen, spielen wir nun einige Male C-Dur und G7 im Wechsel. Schließt dieses Beispiel beim G7, entsteht das Gefühl, dass „hier etwas fehlt“, etwas „nicht abgeschlossen ist“ und die Spannung unaufgelöst bleibt. Erst nach erneutem Erklingen des C-Dur Akkords (Tonika), tritt spürbar Entspannung ein. Ein Dominantseptakkord erzeugt im Vergleich mit einem reinen Dur-Akkord zusätzliche Spannung.

Wie ihr möglicherweise schon gemerkt habt, kehren wir in allen im obigen Absatz angeführten Beispielen am Schluss der Akkordfolge stets wieder zum Tonika-Akkord (dem Ruhepol) zurück. So kann man die erzeugte Spannung des Dominantseptakkordes und die unmittelbar darauf folgende Auflösung (Entspannung) wunderbar erfahren bzw. wahrnehmen. In der Musik dreht sich vieles um das Erzeugen von Spannung und Entspannung.

Gitarren Akkorde

Gitarren-Akkorde – für „Musiktheorie-Nerds“

Etwas detaillierter ausgedrückt (kann vom Anfänger gerne ignoriert werden):

Die kleine Septime (b7) des Dominantseptakkords (hier G7) besitzt die Tendenz, sich einen Halbton abwärts in die Terz (3) der Tonika aufzulösen.

Die große Terz des Dominantseptakkords besitzt die Tendenz, sich einen Halbton aufwärts in den Grundton (1) der Tonika aufzulösen.

Septakkord Auflösung

Auflösung des Dominantseptakkords

Dies kann man im folgenden Beispiel gut hören:

Septakkorde mit nachfolgendem Moll-Akkord

Ein sogenannter „Dominantseptakkord“ kann sich auch „nach Moll auflösen„, d. h. dem Dominantseptakkord folgt ein Mollakkord. Spielt man einen französischen Chanson, ein russisches Volkslied oder auch einen lateinamerikanisch oder „spanisch“ angehauchten Song, kommt man um diese typische Akkordfolge sicherlich nicht herum. Aber auch in der Popmusik sind diese Akkordfolgen permanent zu finden:

A-Moll – D-Moll – E7A-Moll

E-Moll – C-Dur – H7E-Moll

Äußerst bekannt ist natürlich auch diese („Flamenco-mäßige“) Akkordfolge:

A-Moll  – G-Dur  –  F-Dur  –  E7  – Am

Schlusswort

Die Beschäftigung mit dem theoretischen Hintergrund der Gitarren-Akkorde wird sicherlich keinesfalls schaden. Dieser Workshop wird euch helfen, das Level eines „ausschließlich nach Optik spielenden Gitarristen“ zu verlassen und den Dominantseptakkord wirklich zu verstehen und bewusst einzusetzen. Eine weiterführende Übung bestünde z. B. darin, sich die Akkordraster weiterer Dur-Akkorde mit kleiner Septime anzuschauen und zu ermitteln, wo sich die kleine Septime jeweils im Akkord befindet und welcher „Sound“ daraus entsteht. Ihr werdet sehen, dass dem Variantenreichtum keine Grenzen gesetzt sind.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte zum besseren Verständnis, dem „Entmystifizieren“ und vor allem dem „Erfahren“ eines einfachen Septakkordes (Dur mit kleiner Septime) beitragen.

Stay tuned!

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