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Gitarren-Effekte und Pedale seriell oder parallel einschleifen?

4. September 2018

Stompboxen seriell oder parallel einschleifen?

Gitarren-Effekte und Pedale seriell oder parallel einschleifen?

Gitarren-Effekte und Pedale seriell oder parallel einschleifen?

Als ich vor vielen Jahren ca. 1980 meinen ersten Röhrenverstärker, einen Orange Overdrive 2 x12″ Combo kaufte, waren mir die Bedienelemente leicht verständlich. Aber die Funktion zweier Klinkenbuchsen konnte ich mir zunächst nicht erklären.

Gitarren-Effekte und Pedale seriell oder parallel einschleifen?

Als Teenager verfügte man nicht über viel Geld und von einem Delay konnte ich damals nur träumen. Hätte ich ein solches gehabt und auch über die Möglichkeit des sogenannten „Einschleifens“ gewusst, wäre ich im jugendlichen Leichtsinn bestimmt auf die Idee gekommen, heftig damit zu experimentieren. Die beiden Dubiosen 6,3-mm-Klinkenbuchsen des Verstärkers hatten die Bezeichnung Send und Return. Was konnte dies nur bedeuten? Ohne Internetrecherche oder gute Tipps von Kollegen war man da direkt aufgeschmissen. Von den Begriffen seriell oder parallel hatte ich natürlich auch noch nichts gehört.

— Effektweg eines Marshalls —

Was ist ein Effektweg?

Der sogenannte Effektweg ist oft nur eine „schaltbare“ Unterbrechung zwischen der Vor- und Endstufe eines Verstärkers. Werden die beiden Buchsen (Send, Return) des Effektwegs nicht genutzt, geht das Eingangssignal der Gitarre unbeeinflusst seinen gewohnten Weg. Stecken wir nun ein Kabel in die Send-Buchse, wird das bereits durch die Vorstufe verstärkte Signal automatisch mittels des „Schalters“ der Klinkenbuchse umgeleitet und somit auch das Signal zur Endstufe unterbrochen. Der „Schalter“ der Buchse ist nichts weiter als die geschickte Anordnung von vier Metallkontakten. Steckt kein Stecker in der Buchse, bleibt der Kontakt geschlossen. Führt man einen Klinkenstecker ein, „übernehmen“ die oberen Kontakte das Signal. Der Verbindung zu den unteren Kontakten wird hierbei unterbrochen. Simpel, aber genial.

— Typische Fx-Loop-Buchse —

Steckt man ein Kabel in die Return-Buchse, wird das eingehende Signal direkt an die Endstufe des Verstärkers weitergeleitet. Bei einem Röhrenverstärker sitzt vor den Endstufenröhren, die meist paarweise auftreten und im sogenannten Gegentakt arbeiten, noch eine weitere Röhre (Phasensplit oder Treiberstufe).

— Prinzip des Effektweges. Steckt kein Stecker in den Buchsen, fließt das Signal unbeeinflusst von der Vor- zur Endstufe —

Manche Verstärker besitzen den Fx-Loop auch in Form einer einzelnen Stereoklinkenbuchse. Die Spitze (Tip) und der Ring des Steckers führen dann die beiden Signale (Send bzw. Return).

Wann sollte der Effektweg des Amps genutzt werden?

Wann und warum sollte man den Effektweg des Verstärkers nutzen? Unumgänglich ist das Einschleifen, wenn wir die Verzerrung unseres Gitarrensounds mithilfe der Vorstufe unseres Amps erzeugen. Viele Verstärkermodelle bieten einen großartigen, teilweise göttlichen verzerrten Sound und werden gerade deswegen auch gekauft. Hier sind vor allem Amps der Marke MESA Boogie, Marshall, Bogner, Peavey, Diezel, Engl, Dumble etc. genannt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die aufgeführten Beispiele allesamt Röhrenverstärker sind. Diese zerren meist am „ehrlichsten“ und besitzen zudem die höchstmögliche Dynamik.

Ein Delay, das vor dem Eingang unseres Verstärkers platziert wird und anschließend durch die womöglich heftig zerrende Vorstufe geschickt wird, klingt abgrundtief mies und matschig. Das gilt besonders bei Verwendung eines analogen Delays, da dieses die hohen Frequenzen meist deutlich beschneidet. Besitze ich ein Pedalboard mit diversen Zerrern und platziere mein Delay dahinter und gehe dann in den klaren oder nur ganz leicht zerrenden Amp, muss beispielsweise ein Delay nicht zwingend eingeschleift werden. Für das Einschleifen eignen sich in erster Linie zeitbasierte (Delay, Hall) oder auch Modulationseffekte (Chorus, Flanger etc.).

Seriell oder parallel?

Die Frage, ob man seriell oder parallel einschleift, wird meist schon vom vorhandenen Equipment entschieden. Die meisten Verstärker besitzen nämlich lediglich einen seriellen Einschleifweg. Schleift man ein Effektgerät wie beispielsweise ein Delay seriell ein, durchläuft das Gitarrensignal also permanent auch den Effekt, auch wenn dieses sich im Bypass befindet. Dabei kann es eventuell (in Abhängigkeit von der Qualität des eingeschleiften Effekts und eventuell dessen Wandler etc.) zu Klangverlusten kommen.

Um das zu vermeiden, ließ ich mir meinen Koch Twintone II Verstärker modifizieren, da ich den vorhandenen seriellen Effektweg mittels eines Relais schaltbar und somit fernsteuerbar haben wollte. Das hat den Vorteil, dass beim Spiel ohne Delay, kein Effektgerät im Signalweg ist und der Klang somit unbeeinflusst bleibt.

Wenn ich wählen könnte und das Equipment es erlaubte, würde ich den parallelen Einschleifweg bevorzugen. Das parallele Einschleifen ist jedoch teilweise aufwendiger.

Parallel einschleifen

In den 80er Jahren erledigten einige meiner Vorbilder wie Steve Lukather oder Mike Landau das parallele Einschleifen mit teilweise riesigem Aufwand. Sie griffen das (oft heftig verzerrte) Signal ihrer MESA Boogies hinter der Vorstufe mithilfe der Send-Buchse ab und führten dieses (über die Aux-Wege ihres 19″ RANE-Mischers) den Eingängen ihrer luxuriösen 19″-Effektgeräte (TC 2290 Delay, Lexicon PCM 70 Hall, Eventide Harmonizer, Chorus, Modulation etc.) zu. Die Ausgänge der Effekte (nur WET-Anteile) wurden dann mithilfe dieses Mischers wieder mit dem aus der Send-Buchse abgegriffenen Signal gemischt und an die Endstufe und natürlich auch die Boxen weitergeleitet.

Der sogenannte parallele Effektweg klingt meist natürlicher, da er den Anteil des Effekts lediglich parallel dazumischt. Meine gute alte Marshall JMP-1 Vorstufe verfügt beispielsweise über einen parallelen Effektweg und ist damit eher die Ausnahme.

Beim parallelen Einschleifen sollte der Mixregler des Effektgeräts voll aufgedreht sein, da das Hinzumischen des Effektsignals über ein entsprechendes Poti am Verstärker oder die Vorstufe mit dem Effektweg geregelt wird.

Will man den parallelen Einschleifweg nutzen, sollte man sicherstellen, dass das eingeschleifte Effektgerät ausschließlich das Effektsignal und nicht auch das trockene Signal ausgibt. Dies führt dann nämlich zu Phasenproblemen und deutlich wahrnehmbaren Klangeinbußen, da wir das trockene Signal dann quasi doppelt hören. Manche Delays, wie beispielsweise der tc Nova Repeater und einige weitere Kollegen, besitzen eine sogenannte „Kill Dry“-Funktion. Diese sorgt dafür, dass nur das WET-Signal (nein, wir machen uns dabei nicht nass) ausgegeben wird. Selbst mein uraltes BOSS DD-3 Delay und sicherlich auch einige weitere Pedale besitzen getrennte Ausgangsbuchsen für das „trockene“ (dry) und das Effektsignal (wet).

Gitarren-Effekte und Pedale seriell oder parallel einschleifen?

— Effektweg eines Verstärkers mit den typischen Bezeichnungen. Gelegentlich heißen diese auch „Preamp out“ und „Power Amp in“ —

Gebuffert oder nicht?

Viele moderne Verstärker verfügen über einen so genannten „gebufferten“ (deutsch gepufferten) Effektweg. Der Buffer arbeitet mit Transistoren oder auch Röhren. Er sorgt dafür, dass wenn wir beispielsweise mit der Vierkabelmethode arbeiten, auch bei der Verwendung längerer Kabel (von und zum Effektweg des Verstärkers), keine Höhen- bzw. Klangverluste in Kauf nehmen müssen. Wer sich bezüglich dieses Themas sachkundig machen möchte, dem empfehle ich den Workshop True Bypass oder Buffer?

„Vierkabelmethode“ mit eingeschleiftem Delay etc.

Bei der sogenannten Vierkabelmethode sieht der Signalweg folgendermaßen aus: Wir gehen mit der Gitarre in den Eingang des Verstärkers oder in das Pedalboard, aber zunächst nur (soweit vorhanden) in unsere Verzerrer, den Kompressor und möglicherweise ein Wah Wah. Aus diesen Effekten geht es dann weiter in den Eingang des Verstärkers. Dann greifen wir das von der Vorstufe verstärkte Signal aus der Send-Buchse ab und führen es den zeitbasierenden Effekten wie Hall und Delay zu. Den Ausgang dieser Effekte verbinden wir wiederum mit der Return-Buchse des Verstärkers. Da hier schnell mal einige Meter Kabel benötigt werden, ist ein gebufferter Einschleifweg sicherlich von Vorteil.

Weitere effektive Möglichkeiten mit dem Effektweg

Selbstverständlich kann man auch die Vorstufe eines Verstärkers an die Endstufe eines anderen oder auch mehrere Verstärker anschließen. Als gutes Beispiel sei Eddie van Halen zu nennen, der fand nämlich irgendwann zufällig heraus, dass sein 100 Watt Marshall Super Lead noch brachialer und gemeiner klang, wenn er dessen Netzspannung von 110 Volt mittels eines sogenannten Variacs auf 90 Volt senkte. Diesen einzigartigen Sound wollte er überall auf der Bühne hören. Spielt man auf riesigen Bühnen, reicht lediglich ein Verstärker jedoch meist nicht aus. Also griff er das, in der Vorstufe seines Marshalls erzeugte Signal aus der Send-Buchse ab und führte es seinem Echoplex EP3, dem MXR Phaser, MXR Flanger und anschließend einer Reihe von H&H V800 MOS-FET-Endstufen zu, die dann die vielen 4×12″-Lautsprecherkabinetts mit dem „bösen“ Signal versorgten. So konnte Eddie seinen einzigartigen Ton gleich durch meist sechzehn fette Boxen hören.

In den 90er Jahren war mein Hauptverstärker ein Marshall JCM 800 2203 Topteil (die Rock-Bestie schlechthin) in Verbindung mit einer 4×12″ Marshallbox. Ich nutzte den Marshall Head jedoch nur als Endstufe. Um dies zu ermöglichen, ließ ich mir eine Return-Buchse auf der Rückseite des Chassis einbauen, da der Marshall über keinen Einschleifweg verfügte. Um auf den von der Endstufe erwarteten Pegel zu kommen, wurde auch eine Treiberstufe mit einer weiteren Röhre installiert. Als Vorstufe diente mir damals eine Marshall JMP-1 bzw. ein MESA Boogie Studio Preamp, die seriell mit einem Rocktron Intellifex verbunden waren (da ich auch dessen gutes Hush 2C Rauschunterdrückungssystem nutzen wollte). Diesem Sound trauere ich heute noch gelegentlich nach, aber leider hat man im Laufe der Jahre meist weniger Lust, große Boxen und schwere Verstärkerboliden zu schleppen, gerade wenn man viel unterwegs ist und nicht den Luxus von Roadies in Anspruch nimmt. Mit einem Effektweg kann man also einige interessante Dinge anstellen.

Wir hoffen, dass dieser Workshop etwas Licht ins Dunkel bringen konnte und somit dem einen oder anderen von euch nützlich war. Stay tuned.

Zum Abschluss ein wichtiger Hinweis:

Die Menge an AMAZONA.de-Artikeln rund um Effektpedale, ist enorm umfangreich. Hier eine kleine Auflistung der wichtigsten Reportagen und Workshops zu den beliebten Effekt-Pedalen – sowohl für Gitarristen, aber auch für Keyboarder und Liebhaber modularer Systeme.

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