Gitarren Tutorial: Doubling lernen, doppelt klingt fetter

8. Dezember 2018

Das macht deinen Gitarrensound fetter

Was wäre das coolste Riff oder das fetteste Gitarrenlick ohne den entsprechenden Ausdruck? Müde und leblos würde es klingen! Erst der Einsatz von Hammer on/Pull offs, Bendings oder Vibrato beispielsweise, können schon aus wenigen Tönen ein hörenswertes Ganzes machen. Auch die Technik des Doppelns („Doubling“) gehört zu diesen Ausdruckswerkzeugen – und kann sowohl in Rifffiguren als auch innerhalb eines Solos für ordentlich Dampf sorgen. Und das unabhängig davon, ob die Gitarre nun clean oder mit Verzerrung gespielt wird.

Insbesondere Triogitarristen setzen diese Technik sehr gerne ein, um mangelnde Fülle im Sound zu kompensieren. Beispiele hierfür sind Tony Iommi von Black Sabbath, Steve Morse mit seinem Trio und viele weitere Gitarrenhelden, die mit Doubling-Licks und Riffs ihren Gitarrensound mächtig aufblasen. Und das ganz ohne Octaver, sondern nur mit den Fingern der Greifhand.

In diesem Workshop geht es zum einen um die Technik des Doubling, zum anderen aber natürlich auch um den harmonischen Hintergrund und wie sich dieser Effekt praktisch innerhalb einer Tonart/Scale einsetzen lässt. Machen wir den Sound also fetter!

Harmonisches Grundwissen zum Doubling

… schadet niemandem, gerade wir Gitarristen tun uns damit ja oft schwer. In den folgenden Beispielen werden wir gedoppelte Licks und Riffs spielen, deren Grundtöne wir aus verschiedenen Tonleitern entnehmen. Wir halten uns dabei an „Gitarristenfreundliche Tonarten“ wie G-Dur, C-Dur, D-Dur und ihre Mollverwandten, deren Töne wir in die entsprechenden Positionen der Saite auf dem Griffbrett verschieben.

Beispiel 1

Das erste Beispiel startet in G-Dur mit einer Playback-Sequenz in e-Moll. Wir beginnen unser erstes Doubling mit dem Zeigefinger auf dem fünften Bund der H-Saite (der Ton E) und dem Ringfinger auf dem siebten der G-Saite (D). Nun wird die G-Saite um einen Ganzton nach oben gezogen, der Ton E ist nun auch auf der G-Saite parat. Gleichzeitig sollte der Zeigefinger weiterhin seine Position auf der H-Saite fest beibehalten, um ebenfalls ein möglichst sauberes E abzugeben.

So wandern wir also nun die G-Dur bzw. e-Moll-Skala auf der H-Saite nach oben, ausgehend vom Ton E (Bund 5), F# (Bund 7), A (Bund 10) bis hinauf zur Oktavlage mit dem Ton H. Als Abschluss dient das D auf dem fünfzehnten Bund der H-Saite, das wir mit dem kleinen Finger erreichen:

Lick 1

— Beispiel 1 – Doubling in E-Moll —

Mit der rechten Hand werden nun G- und H-Saite GLEICHZEITIG mit einem kräftigen Abschlag angeschlagen. Am Anfang können noch Verstimmungen auftreten – ganz so, als würde man die Gitarre stimmen. Mit ein wenig Übung aber entsteht so ein sehr fettes Klangbild, insbesondere dann, wenn man die G-Saite ein wenig unter dem gezogenen Ganzton belässt.

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Das klingt schon fast nach einem Chorus und ist, nebenbei bemerkt, auch das Funktionsprinzip einer zwölfsaitigen Gitarre. Denn auch hier entsteht durch minimale Tonhöhenverschiebungen zwischen den gepaarten Saiten ein räumlicher Effekt.

Beispiel 2

Dieses Beispiel zeigt den Einsatz eines Doubling-Licks im Rock/Blues Bereich. Die Tonart ist A myxolydisch, also die fünfte Stufe von D-Dur. Das erklärt auch das F# im siebten Bund der H-Saite. Die Technik ist die Gleiche wie in Beispiel 1: Der Zeigefinger bestimmt den Grundton, der Mittelfinger sorgt für das Bending um einen Ganzton. Wir beginnen also mit dem Zeigefinger auf dem zehnten Bund der H-Saite (der Ton A) und dem Ringfinger auf dem zwölften Bund der G-Saite, mit dem Bending auf den vierzehnten Bund, was hier die Oktave ergibt.

Weiter geht es mit Bund 15 (D) für den Zeige- und Bund 17 für den Ringfinger, gezogen auf die Nummer 19. Dann die Skala wieder einen Halbton runter und wir landen bei Bund Nummer 14 bzw. 16. (Bending auf Bund 18), ehe es wieder zum ersten Lick zurückgeht. Das F# und das E auf dem achten bzw. siebten Bund der H-Saite bilden den Abschluss dieses Beispiels.

Lick #2

— Doubling in A myxolydisch —

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Beispiel 3

Bei unserem nächsten Beispiel ändert sich die Technik der Greifhand komplett. Doublings können natürlich nicht nur durch Saitenziehen entstehen, auch mit einem Grifftyp ähnlich dem eines gewöhnlichen Powerchords, lassen sich die gleichen oder zumindest ähnliche Effekte erzielen. Hierbei wird der Zeigefinger ähnlich wie beim Greifen eines Barré-Akkordes genutzt: Mit möglichst flachem Winkel des Fingers drücken wir den entsprechenden Bund auf der A-Saite und dämpfen dabei nicht nur die D-Saite, sondern alle übrigen Drähte gleich noch mit dazu. Das erlaubt der rechten Hand einen kräftigen Anschlag, ohne dabei die vier anderen Saiten noch mit anzuschlagen.

Lick 3

— Beispiel 3 – Doubling in D Lydisch —

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Harmonisch betrachtet bewegen wir und in Beispiel 4 in D Lydisch. Lydisch ist die vierte Stufe im System der Kirchentonarten, somit ist die Stammtonart A-Dur. Das ist auch der Grund für das gedoppelte G#, das uns hier auf dem 11. Bund der A-Saite und dem 13. Bund der G-Saite begegnet. Die lydische Kirchentonart ist ideal dafür geeignet, um eher maue Themen in Dur etwas aufzupeppen, wie man diesem Beispiel entnehmen kann.

Beispiel 4

Unser nächstes Beispiel zeigt einen Blues in G. Auch hier lassen sich Doublings sehr gut einsetzen und können zusammen mit der bevorzugten „Wohlfühlpentatonik“ Basis für eine ausdrucksstarke Bluesbegleitung sein. Für den folgenden Lick nutzen wir im Prinzip die gleiche Technik, wie wir sie auch in Beispiel 3 benutzt haben. Allerdings mit dem Unterschied, dass nun die G- und die hohe E-Saite gedoppelt werden und das Ganze zudem nacheinander im Triolenrhythmus stattfindet.

Startpunkt ist der 9. Bund auf der D-Saite, den wir mit dem Ringfinger nehmen. Die Sieben auf der G-Saite erledigt der Zeigefinger, Ringfinger und kleiner Finger übernehmen die Bünde 9 bzw. 10. Der darauf folgende Lauf auf dem Griffbrett nach oben wird dann vom Zeigefinger und dem kleinen Finger übernommen. Auch hier haben wir wieder eine deutlich größere Klangfülle, als wenn beide Saiten einzeln angeschlagen werden.

Lick 4

— Beispiel 4 – Gedoppelte Linie in G Myxolydisch —

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Ein kleiner Tipp noch am Rande: Auch ein Fingervibrato kann bei diesen gedoppelten Voicings sehr hilfreich sein. Vibrato bedeutet auch immer gleichzeitig Tonhöhenveränderung und genau diese kleinen Nuancen können das Klangbild noch mal ordentlich in die Breite ziehen. Sehr schwer ist die Technik dazu nicht, da die Grifftypen doch recht einfach sind und ohnehin für die meisten Spieler durch ihre Ähnlichkeit zu den beliebten und bekannten Powerchords recht schnell erlernbar sind.

Beispiel 5

Unser letztes Beispiel ist ein Tipp für alle Powerrocker und Alternativfreaks, denn auch in diesen Genres wird gut und gerne gedoppelt! Diesmal ohne Playback, nur pur mit der Gitarre gespielt. Die gespielte/gedoppelte Skala ist E myxolydisch, die fünfte Stufe von A-Dur. Auch hier sorgen ein Barré ähnlich abgelegter Zeigefinger und der Ringfinger für das Spielen der Skala. Für zusätzlich Power dürfen hier gerne die offene H- und die hohe E-Saite genutzt werden. Doch aufpassen – lasst noch etwas Platz im Sound für die übrigen Bandmitglieder!

Lick 5

— Beispiel 5 – Doubling in E Myxolydisch (A-Dur) —

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Bleibt uns nur noch, euch beim Ausprobieren mit dieser Technik viel Spaß zu wünschen. Vielleicht hat es dieser Workshop ja geschafft, neue Impulse und Ideen zu vermitteln – wir würden uns darüber sehr freuen! Ebenso über Tipps und Ratschläge, die ihr wie immer über die Kommentarfunktion abgeben könnt. Und immer dran denken: Doppelt klingt fetter!

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