Gitarren-Wissen: Welches Holz für welchen Gitarrentyp?

13. Januar 2018

Der Klang der aus dem Holz kommt.

Gitarren-Wissen: Welches Holz für welchen Gitarrentyp?

Gitarren-Wissen: Welches Holz für welchen Gitarrentyp?

 Bevor wir uns mit den verschiedenen Sorten des Innenlebens tropischer oder heimischer Baumstämme beschäftigen, sollten zuvor vielleicht einige grundlegende Dinge geklärt werden, die bei der Entstehung einer Tones unserer Instrumente zusammenspielen.

Warum klingt ein Bass oder eine Gitarre aus Ahorn anders als eine aus Mahagoni? Was können wir schlussfolgern, wenn das akustische Ergebnis bei Instrumenten unterschiedlicher Preisklassen unterschiedlich ausfällt, obwohl hier gleiches Holz zum Einsatz kommt? Warum klingen zwei Bässe oder Gitarren, obwohl gleichartiges Material verwrndet wurde, unterschiedlich, wenn ein Exemplar einen geschraubten, der andere einen durchgehenden oder eingeleimten Hals hat? Also, welche Faktoren können, neben den tonalen Grundcharakteren der üblichen Tonhölzer, den Klang einer E-Gitarre noch beeinflussen?

Übrigens sind alle folgenden Fotos  von und mit freundlicher Genehmigung von Gerald Marleaux.

-- Asche zu Asche und Holz zu Klampfen --

— Asche zu Asche und Holz zu Klampfen —

Physikalisch relevante Eigenschaften von Materialien zum Bau eines E-Basses oder einer E-Gitarre

Außer einigen unerfreulichen Charakteristiken in der handwerklichen Bearbeitung, die mit folgenden Merkmalen zu tun haben, beeinflussen sie das tonale Ergebnis je nach Ausprägung in die eine oder andere Richtung.

  1. Die Dichte, aus der zusammen mit dem Volumen später auch das Gewicht des Instrumentes resultiert,
  2. seine Härte – wieviel Kraft benötigt man, um in das Material einzudringen und
  3. die Elastizität , welche die Fähigkeit beschreibt, auf eine einwirkende Kraft reversibel zu reagieren, also seine Form wiederzuerlangen.
Gitarren Holz

Warten auf die Schönheitsoperation

Welche Merkmale erhält nun der Klang einer Gitarre durch die Mischung der oben genannten Gegebenheiten des Ausgangsmaterials? Durch Folgendes beschreiben wir gewöhnlich den Ton eines Instrumentes:

  1. Attack, oder das Einschwingverhalten. Wie schnell ist der Ton zu hören oder definiert wahrzunehmen?
  2. Sustain, wie lange ist der Ton zu hören?
  3. Timbre, Soundcharakteristikum, Klangfarbe. Welche Frequenzen werden gefeatured und welche gedämpft?
  4. Resonanz, also bei welcher Schwingungszahl wird das Instrument durch die Saitenschwingung zum Tönen angeregt?

er Stamm hat keine Schnitte

Wie ein Instrument klingt, ist heutzutage kein Zufall mehr, und mit einer genauen Vorstellung und Beschreibung dessen, was der Musiker sich wünscht, sind Gitarrenbauer mittlerweile absolut in der Lage, dieses durch die Auswahl von Konstruktion (-sdetails) und verwendeten Baustoffen zu realisieren. Generell gilt, dass, je schneller die schwingende Saite Energie an das umgebende tragende Material abgibt, ein schnelleres Attack erfolgt. Das Einschwingverhalten ist also verkürzt, je elastischer und leichter die gesamte Konstruktion ausfällt, weil leichte Stoffe sich einfacher zum Mitschwingen anregen lassen und wabbeligere Hälse z.B. viel Energie absorbieren.

Ob da eine Gitarre drin ist?

Man kann sagen, dass die Elastizität mit der Dichte steigt, wobei auch die Länge der Fasern und ihre Wuchsrichtung im Holz ihre Rollen spielen. Je elastischer das Holz, desto schneller durchwandert es der Schall. Auch in viel dichteren Wasser ist die Schallgeschwindigkeit sehr viel höher als in der Luft. Die Dichte spielt ebenso eine ausschlaggebende Rolle, wenn es um das so begehrte Sustain geht. Allerdings in einer solchen Weise, dass zum Erreichen einer langen Ausschwingzeit gegensätzliche Parameter gegeben sein müssen, wie zum Erlangen schnellen Attacks. Sehr dichtes, also schweres Material, kann natürlich auch wesentlich schwerer zum Mitschwingen angestoßen werden, als leichtes. Deshalb absorbiert es weniger Saitenschwingung und der Ton steht länger, weil alle Frequenzen, welche nicht durch Resonanzen aufgezehrt werden, ungedämpft ausschwingen können. Ein dichtes und somit hartes Material kann nicht langsam schwingen, weshalb tiefe Frequenzen lange ausklingen.

Des Pudels Kern ist immer eine Überraschung

Wie wir den Klang letztendlich empfinden, welche Färbung er hat, liegt an der Resonanz.
Bei akustischen Instrumenten fungiert der Korpus als Schallverstärker. Die Saite schwingt und regt die Decke auf ihrer(n) Resonanzfrequenz(en) zum Mitschwingen an, welche wir hören.

Die Teile, die keinen Klang erzeugen oder verstärken sollen, bzw. es nicht tun, wie Hals und Kopfplatte, sollen möglichst wenig resonieren, da sie dabei der Saite Energie entziehen. Deshalb sollen Solid-Body-Instrumente eigentlich GAR KEINEN Schall erzeugen. Alles, was man vom Instrumentenmaterial (nicht den Saiten) also trocken hört würde in diesem Fall der Saite entzogen und kann nicht durch elektromagnetische Tonabnehmer übertragen werden – wir hören es also verstärkt gar nicht! Das sind die so oft erwähnten dead spots.

Was daraus alles werden kann! Definitiv kein Brennholz!

Fazit bei der Holzauswahl

  • Wer schnelles Attack will braucht leichte Hölzer/Instrumente
  • Wer langes Sustain will braucht schwere
  • Instrumente mit eher leichten Hölzern klingen warm, da sie im Obertonbereich resonieren. Im Extremfall wird es muffig.
  • Brillant, feinzeichnend bis kühl wird es mit sehr schweren Materialien, die gar nicht resonieren.
  • Schwere Instrumente haben ein längeres Sustain als leichte
  • Ebenso wichtig wie der Fakt, woraus Hals und Kopfplatte bestehen sind deren Ausmaße. Die Steifigkeit eines Halses wird rapide größer, je mehr Material man benutzt.

Auch wichtig! Die richtige Temperatur im Lager

Es gibt Tabellen, in denen verschiedene Hölzer mit ihren physikalischen Eigenschaften gelistet sind. Allerdings sich aufgrund dieser beim Tischler um die Ecke ein Stück Mahagoni und ein Ahornbrett zu bestellen ist eher fehl am Platze. Denn zum einen ist Holz ein organischer Rohstoff, in dem es sehr breite Streuungen gibt, was die tonbildenden Faktoren angeht, zum anderen kann ein durch natürliches Wachstum optimal entstandenes Stück durch falsche Lagerung und Trocknung unbrauchbar gemacht werden.

Maserrüster

Die Qualität eines Tonholzes abzuschätzen liegt in der Hand der Menschen, die Instrumente bauen. Die Bewertungskriterien, die auch bei Tests auf AMAZONA.de immer wieder zurate gezogen werden, wie die Verarbeitungsqualität, spielen natürlich eine Rolle. Feste Verbindungen von Hals und Korpus durch sichere Verschraubungen und passgenaue Fräsungen beispielsweise sind wichtige Faktoren in der kausalen Kette zur Entstehung des Tons, der letztendlich ans Ohr dringt. In diesem Bereich können heutzutage, durch computergenaue Fräsmaschinen gestützt, industrielle Massenartikel durchaus punkten. Richtig unbrauchbare Klampfen sind eigentlich neu kaum noch zu erwerben. Den Generationen zuvor wäre dieses wie ein Traum vorgekommen.

Riegelahorn AAAA

Aber die Handwerker sind die Vorreiter, die durch ihr Tun die Erfahrung erwerben, die sich die Industrie später zunutze macht. Es werden Dinge wie Holzkombinationen in verschiedensten Konstruktionsverfahren ausprobiert und die bewährten Strategien dann später in großem Stil kopiert. In die Hand nehmen, klopfen, horchen und wiegen und aus den damit erlangten Informationen ein Stück Holz als Ton-, Möbel oder Brennholz zu kategorisieren ist eine Kunst, die richtig angewandt eine grundlegende Voraussetzung dafür ist ein hervorragendes Instrument zu fertigen. Ob der Fabrikarbeiter in Fernost, der den Kantel in eine CAD-Maschine schiebt, das in seiner Stellenausschreibung als Anforderung stehen hatte, ist fraglich.

Im nächsten Teil unseres kleinen Exkurses in die Klangwelten der Bauminnereien soll auf Grundlage des jetzigen Informationsstandes auf bekannte oder fast schon klassische Kombinationen diverser Hölzer in ebenso populären Instrumenten eingegangen werden, sowie dem daraus resultierenden Tonergebnis. Warum klingt eine Les Paul, wie sie klingt? Oder ein Jazzbass? Oder ein Steinberger Spirit? Oder eine Telecaster? Zumindest in Hinblick auf die verwendeten Baumaterialien und die Konstruktion können wir uns der Antwort vermutlich etwas annähern – es gilt also dranzubleiben!

Body für einen Jazzbass

Forum
  1. Profilbild
    456Onno456

    Liebes Amazona-Team!

    bitte überarbeitet diesen Artikel. Als Physiker dreht es einem den Magen um, wenn man diese Halbfalschheiten und den Schwachsinn liest. Dieser Artikel passt nicht in die sonst ganz hervorragende Arbeit eures Magazins.

    Max

    • Profilbild
      a.rademacher  

      Hallo Max!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Wenn Du Ideen zur Verbesserung des Artikels in wissenschaftlicher/physikalischer Hinsicht hast, bin ich für ausführliche Verbesserungsvorschläge – auch im Hinblick auf folgende Fortsetzungen – sehr dankbar und würde mich freuen, wenn Du per mail mit mir in Verbindung trittst.
      Andreas

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hallo, 456Onno456

      würdest Du dir als „Physiker“ die Mühe machen und bitte genau sagen wo in dem Artikel Dir etwas nicht passt? Wir werden dann für Änderung sorgen.

      Ich bin gespannt..

    • Profilbild
      a.rademacher  

      Vielen Dank für diesen link, den kannte ich noch nicht, auch wenn der Abschnitt „Holz“ eher klein ausfällt und keine neuen Erkenntnisse bringt.

  2. Profilbild
    tantris  

    Das Holz einer E-Gitarre hat nur einen geringen Einfluss auf den Klang, denn dieser wird nicht von einem einem Resonanzkörper bestimmt. Der Klang hängt nur von dem Schwingungsverhalten der Saite und den Wiedergabeeigenschaften des Tonabnehmers ab. Natürlich beinflußt der Aufbau, besser gesagt die Steifigkeit der Hals-Korpus-Konstruktion das Schwingungsverhalten der Saite in einer Art Rückkopplung, aber eben nur geringfügig.

    Die Industrie beharrt natürlich auf der These, Holz hätte einen Einfluss auf den Klang. Täte sie das nicht, könnte man auch aus preiswertem Material gut klingende E-Gitarren bauen. Daran kann der Fachhandel kein Interesse haben. Deshalb weist jeder Markenhersteller darauf hin, dass er nur teuerste Hölzer verbaut. Somit kommt man schnell auf vierstellige Preise.

    Tatsächlich könnte man E-Gitarren auch aus Spanplatten oder MDF-Platten bauen, oder einem reinen Stahlgerüst, die den Echtholz-Kollegen in nichts nachstehen würden. Auf youtube habe ich sogar mal einen Aufbau aus Betonteilen gesehen.

    Leider ist auch dieses Thema zu einer Art Religionskrieg entartet. Weil ich solche Kriege albern finde, kann und möchte ich damit leben, wenn andere an was anderes glauben.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.