ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Gitarren Workshop: Open Tuning und spielen mit Bottleneck

2. Februar 2021

Offene Stimmung und spielen mit Bottleneck

Gitarren Workshop: Open Tuning und spielen mit Bottleneck

Gitarren Workshop: Open Tuning bzw. Offene Stimmung

Das Gitarren-Tuning an sich ist ja schon eine Nummer für sich. Bei vielen Hobbybands oder dem einen oder anderen Guns ‚N Roses Konzert wäre der Zuhörer schon glücklich, wenn das Standard-Tuning einigermaßen getroffen worden wäre, aber ein Open Tuning? Was ist der Sinn einer veränderten Stimmung bzw. erweist sich ein Open Tuning für die eine oder andere Situation als der Problemlöser schlechthin? Dieser Workshop soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Open Tuning Tuner

— Dein bester Freund – der Tuner —

Warum denn immer nur reine Quarten?

Um es direkt im Vorfeld klarzustellen, heute nix mit tief, tiefer, böse, Metal usw., darüber gibt es bei uns bereits einen ausführlichen Workshop – die Downtunig-Fibel!

ANZEIGE

Wir beleuchten hier und heute das Umstimmen der Gitarre fernab der Quarten-Dogmen. Dogmen? Warum eigentlich? Wer hat das manifestiert? Wer war so unverblümt?

Wie fast immer in der Musikgeschichte hat sich auch die Quartenstimmung für Gitarre und Bass ganz einfach aus der Praxis heraus entwickelt. Im Prinzip kann jeder seine Saiten stimmen wie er will, ob krumm und schief, in abenteuerlichen Intervallen oder alle Saiten gleich, völlig egal. Schwierig wird das Ganze erst, wenn man wohlklingende Laute auf dem Instrument erzeugen möchte – oder aber noch weiter gedacht, innerhalb eines musikalischen Kontextes eine Funktion übernehmen möchte. Hier erscheinen nun erstmals mehr oder minder festgelegte Regeln, die es zu beachten gilt.

Zum einen haben wir da die pure Mechanik in Form von Saitenspannung. Solange der überwiegende Teil von Saiteninstrumenten weiterhin aus Holz gebaut wird, benötigt der Hals eine möglichst ausgewogene Saitenspannung, der er mittels des Trussrods entgegenwirken kann. Von daher ergibt ein ausgewogener Satz Saiten von dick nach dünn, respektive tief nach hoch nicht nur vom Spielgefühl, sondern auch vom Saitenzug her durchaus Sinn.

Nun bietet die Gitarre neben dem Klavier als eines der wenigen voll polyphonen Instrumente die wunderbare Möglichkeit, sowohl Akkorde als auch Melodien zu spielen, weshalb man sich in Kombination mit den ergonomischen Begrenzungen der Greifhand zu einer Quartenstimmung durchgerungen hat. Wie auch in anderen Teilen des Lebens ist diese Stimmung der beste Kompromiss zwischen Akkord und Solospiel.

Mensur und die H-Saite

OK, es gibt natürlich noch weitere Punkte, die bei einem Open Tuning berücksichtigt werden müssen. Da wäre z. B. die …

1.) Mensur

Wer einmal eine Geige in die Hand genommen hat, kann sich sehr schnell erklären, warum eine Geige z. B. in Quinten gestimmt ist. Man kann innerhalb des gleichen Griffradius der menschlichen Hand deutlich mehr Töne greifen, eine Quartenstimmung wäre hier vergeudeter Platz auf dem Griffbrett. Ähnliches gilt auch für Ukulelen, Mandolinen oder andere „Kleinsaiter“.

2.) die H-Saite (B-String)

Von wegen Quarten, was ist mit der großen Terz von der G- zur H-Saite? Nun, diese hat sich als bequemer im Akkordspiel herausgebildet. Würde das Quartendiktat konsequent durchgezogen, hätte wir eine C-Saite (im E-Bassbau sehr beliebt) und eine F-Saite. Vorbei die Zeit der großen Barré-Akkorde und vieles mehr. Für ein reines Solospiel hingegen würde die durchgehende Quartenstimmung durchaus Vorteile bieten

Nun denn, wie man sieht, erlaubt ist, was passt, womit wir bei der Ausgangsfrage des Workshops angekommen sind:

Welche Arten von Open Tuning gibt es und warum?

Auch hier wieder einmal: Du kannst die Gitarre stimmen, wie du willst, aber es haben sich ca. fünf Basis-Tunings für die offene Stimmung herauskristallisiert, die man natürlich entsprechend abwandeln kann. Bei Dreien der Tunings spielte zudem der Einsatz des Bottlenecks eine wichtige Rolle, dazu später mehr.

Gitarren Workshop: Open Tuning und spielen mit Bottleneck

Gitarren Workshop: Open Tuning und spielen mit Bottleneck

1.) Open E Tuning

Der Traum eines jeden Gitarrenschülers auf Anfängerbasis, einzige Voraussetzung, viel Kraft im ersten Finger. Tatsächlich bietet diese Stimmung den wunderbaren Vorteil, dass man im Prinzip mit einem Finger als Barré alle Dur-Akkorde durch Verschieben des Fingers spielen kann. Beim ersten Moll-Akkord ist allerdings Schluss mit lustig, man kann also gerade mal ein paar Dur-lastige Wanderlieder zum Besten geben, dann ist schon Feierabend.

Erzielt wird Open E durch das Erhöhen der Saiten D, G und H um jeweils 1, respektive 2 Halbtöne. Ziel eines Open Tunings ist es, die Leersaite in einem Ton erklingen zu lassen, der zum jeweiligen Dreiklang gehört. In diesem Fall wären es die Töne E – G# – H, sprich A-Saite hoch auf H, D-Saite hoch auf E und G-Saite hoch auf G#. Wahlweise kann man natürlich auch die Gitarre auf e-Moll stimmen (G statt G#), was einen dann schon in die Lage versetzt, alle Dur- und Moll-Akkorde mit zwei Fingern zu greifen (großer Barre und bei Dur mit dem zweiten Finger zusätzlich die G-Saite anvisieren).

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, man KANN so Akkorde greifen, es klingt aber völlig unausgegoren und bietet ein schreckliches Voicing. Gern genommen wird dieses Open Tuning allerdings im Bottleneck-Spiel, wo man die Töne der tiefen E-Saite, die man meistens am schnellsten auswendig kann, als Orientierung hat. Da bei der Verwendung des Glas/Keramik-, Messing-, Metall- was auch immer Bottlenecks die Saiten nicht auf das Griffbrett heruntergerückt werden und man nicht in festen Halbtönen spielen muss, hat man umgehend den charakteristisch blueslastigen Sound, der mehrere Legenden gebildet hat.

Gitarren Workshop: Open Tuning und spielen mit Bottleneck

Bottleneck aus Messing

Im Gegenzug fliegt einem in Null-Komma-Nichts die Intonation um die Ohren und aufgrund des starren Röhrchens ist das Akkordspiel stark eingeschränkt. Eine offene Stimmung hingegen erlaubt zumindest einen durchgehenden, meist in Dur ausgeführten Akkord und ist gerade am Anfang eine deutliche Erleichterung. Das Erhöhen der Saiten um nur max. zwei Halbtöne ist zudem für den Hals im Normalfall kein Problem und selbst die meisten Vintage-Vibratosysteme kommen mit dem Tuning ohne weitere Justierung klar. Ein freischwebendes Floyd-Rose-System natürlich wie immer nicht, hier muss vermutlich nachjustiert werden.

2.) Open D für Bottleneck-Spieler

Ebenfalls ein sehr beliebtes Open Tuning für Bottleneck Spieler, jedoch mit der Besonderheit, dass die Quinte dieses Mal im Bass liegt. Man hat dadurch die Möglichkeit, sich mittels des Slidens von unten dem anvisierten Akkord zu nähern, was ein sehr reizvolles Akkordspiel ermöglicht. Das Tuning ist in diesem Fall D – A – D – F# – A – D.

ANZEIGE

Durch das ausschließliche Tieferstimmen der Saiten erreicht die Gitarre ein dunkleres Timbre, was sich durchaus als sehr reizvoll entpuppen kann. Auch hier, maximal 2 Halbtöne Unterschied zum Standard-Tuning verlangen nicht nach einer Neueinstellung der Gitarre.

3.) Open G Tuning

Open G = Rolling Stones. OK, das ist jetzt mehr als plump, aber streng genommen trifft es schon zu. Kein anderer Gitarrist hat diesem Tuning zu einer solchen Ausnahmeposition verholfen wie Keith Richards, sind doch alle Hits der Rentnertruppe mit dem agilsten 70+ Frontmann der Welt in diesem Tuning geschrieben.

Wer immer einen Hit der Stones spielen möchte, MUSS dieses Tuning verwenden, anderenfalls klingt es immer nur wie die x-beliebigste Dorfkapelle, die sich nie mit dem Material ernsthaft auseinandergesetzt hat.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das Tuning ist D – G – D – G – H – D. Keith Richards setzt der Sache aber noch mal die Krone auf, indem er die tiefe D-Saite einfach weglässt, er braucht sie ohnehin nicht. Wer live mal genau hinsieht, erkennt, dass die meisten Gitarren von ihm nur fünf Saiten aufgezogen haben.

4.) Drop D – Open Tuning

Bekannt wurde dieses Open Tuning, bei dem die tiefe E-Saite runter auf D gestimmt wird, vor allem durch seinen Einsatz im Hard ’n‘ Heavy-Bereich. Im High-Gain-Bereich lassen sich so die Powerchords schön anfetten und ggf. über drei Saiten im Bassbereich greifen.

Das Gleiche gilt auch für die Abwandlungen dieses Tunings, bei dem das Drop-D-Tuning nochmals in seiner Gesamtheit ein oder mehrere Halbtöne tiefer gestimmt wird und dann in Drop C#, Drop C o. ä. mündet. Aber Vorsicht, lasst euch nicht vom fetten Klang über den Übungsamp blenden. Denn mit jedem Halbton, den ihr die Gitarre tiefer stimmt, verliert sie an Durchsetzungsvermögen innerhalb des Bandkontextes!

5.) DADGAD – Open Tuning

Ein Open Tuning, das gerne auf der akustischen Gitarre im Folkbereich verwendet wird. Die Besonderheit ist das Fehlen der Terzen, so dass man mittels Intervallen in gedoppelter Form sowohl zu Dur- als auch zu Moll-Akkorden spielen kann. Sehr häufig anzutreffen in der keltischen Folkmusic.

ANZEIGE
Fazit

Erlaubt beim Open Tuning ist, was gefällt, die Grenzen des Tunings existieren nur in deinem Kopf in Zusammenarbeit mit der Physik des Instrumentes. Natürlich kann man sein Instrument auch auf andere Akkorde stimmen, wie zum Beispiel A (Dur/Moll) oder ähnlich. Kleiner Tipp am Rande, wenn ihr mit Sängern oder Sängerinnen zusammenarbeitet, findet heraus, welches die optimale Tonart für seine/ihre Register sind. Dann das Instrument passend dazu stimmen und das Songwriting fällt um einiges leichter.

In diesem Sinne – Tune on!

ANZEIGE
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE