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Gitarrenboxen verstehen: Speaker, Gehäuse und Impedanz

Boxenstopp: Gitarrenlautsprecher verstehen

6. September 2026
AMAZONA Gitarren-Akademie: Gitarrenboxen verstehen Aufmacher KI-generiert

AMAZONA Gitarren-Akademie: Gitarrenboxen verstehen: Speaker, Gehäuse und Impedanz (Titelbild KI-generiert)

Ein Gitarrenverstärker allein macht noch keinen Ton. Erst der Lautsprecher setzt das elektrische Signal der Endstufe tatsächlich in Schall um und prägt dabei den Sound wesentlich stärker, als viele Gitarristen vermuten. Größe und Anzahl der Speaker, Gehäusekonstruktion, Membran, Magnet, Belastbarkeit und selbst die Verschaltung mehrerer Lautsprecher können darüber entscheiden, ob ein Amp straff, offen, mittig, aggressiv oder eher weich klingt.

In diesem Teil der AMAZONA.de Gitarren-Akademie schauen wir deshalb hinter den Bespannstoff: Wie funktioniert ein Gitarrenlautsprecher? Was unterscheidet eine 1×12 von einer 4×12? Warum klingt eine offene Box anders als eine geschlossene? Was bedeuten 4, 8 oder 16 Ohm und warum kann die falsche Impedanz im ungünstigsten Fall sogar zum Problem für den Verstärker werden?

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Nachdem wir uns im letzten Teil der AMAZONA Gitarren-Akademie ausführlich mit dem Gitarrenverstärker beschäftigt haben, gehen wir diesmal einen Schritt weiter in der Signalkette. Denn ein Gitarrenverstärker allein macht noch keinen Ton.

Kurz & knapp

Worum geht es? Lautsprecher und Gehäuse sind nicht nur das letzte Glied der Signalkette, sondern entscheidend am Klang eines Gitarrenverstärkers beteiligt.

  • 1×12, 2×12 oder 4×12: Anzahl und Anordnung der Speaker beeinflussen Membranfläche, Abstrahlverhalten, Schalldruck und Spielgefühl.
  • Open-Back oder Closed-Back: Die Konstruktion des Gehäuses entscheidet mit darüber, wie straff, räumlich oder druckvoll eine Gitarrenbox klingt.
  • Watt und Wirkungsgrad: Belastbarkeit und Lautstärke sind zwei verschiedene Dinge. Der Wirkungsgrad des Speakers spielt für den erreichbaren Schalldruck eine wichtige Rolle.
  • 4, 8 oder 16 Ohm: Die richtige Impedanz und Verschaltung der Lautsprecher ist für das Zusammenspiel mit dem Verstärker entscheidend.
  • Vom Speaker zur IR: Wer reale Gitarrenboxen versteht, kann auch Impulse Responses wesentlich gezielter auswählen und einsetzen.

Gitarrenboxen sind Teil des Gesamtsounds

Bei einer HiFi-Anlage wäre ein Lautsprecher, der den Frequenzgang kräftig verbiegt, eine krasse Fehlkonstruktion. Bei der E-Gitarre ist genau das erwünscht. Ein Gitarrenlautsprecher soll das ihm zugeführte Signal nicht möglichst neutral wiedergeben, er ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der Klangformung.

Das lässt sich besonders eindrucksvoll beobachten, wenn man einen Verstärker über verschiedene Gitarrenboxen spielt. Derselbe Amp, dieselbe Gitarre, dieselben Einstellungen und trotzdem kann sich der Charakter des Sounds drastisch verändern.

Der Grund dafür liegt unter anderem im stark gefärbten Frequenzgang eines Gitarrenlautsprechers. Tiefe Frequenzen werden begrenzt, die Mitten teilweise deutlich hervorgehoben und auch nach oben ist vergleichsweise früh Schluss. Oberhalb einiger Kilohertz fällt der Pegel stark ab. Genau diese Begrenzung sorgt dafür, dass insbesondere verzerrte Gitarrensounds angenehm und kontrolliert bleiben.

Würde man einen stark verzerrten Gitarrenverstärker ohne entsprechende Lautsprechersimulation direkt über einen linearen Studiomonitor abhören, dürfte so mancher Gitarrist ziemlich erschrocken sein. Plötzlich treten all die kratzigen und harschen hochfrequenten Anteile hervor, die der Gitarrenlautsprecher normalerweise ganz selbstverständlich beseitigt. Der erfahrene Gitarrero spricht gern vom „Rasierapparat“.

Der Speaker ist also keineswegs nur das letzte Glied der Signalkette. Er gehört zur Klangformung des Gitarrenverstärkers dazu.

Gitarrenboxen Abstrahlverhalten

Das Abstrahlverhalten unterschiedlicher Boxentypen (Grafik KI-generiert)

 

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AMAZONA Gitarren-Akademie: Wie der Gitarrenton entsteht

Wie funktioniert ein Gitarrenlautsprecher?

Das Grundprinzip eines dynamischen Lautsprechers ist erstaunlich einfach. Das elektrische Signal des Verstärkers gelangt zur Schwingspule, die sich im Magnetfeld eines Permanentmagneten befindet. Fließt Strom durch die Spule, entsteht ein elektromagnetisches Feld. Je nach Polarität bewegt sich die Schwingspule in die eine oder andere Richtung.

Da sie mechanisch mit der Lautsprechermembran verbunden ist, bewegt sich diese mit. Die Membran versetzt wiederum die umgebende Luft in Schwingung und schon wird aus dem elektrischen Signal hörbarer Schall.

Das klingt zunächst ziemlich unspektakulär. Für den tatsächlichen Klang sind jedoch zahlreiche Faktoren verantwortlich: Masse und Steifigkeit der Membran, Konstruktion der Sicke, Schwingspule, Magnet, Korb und natürlich das Gehäuse, in das der Lautsprecher eingebaut wird.

Gerade bei Gitarrenlautsprechern sind außerdem mechanische Nichtlinearitäten ausdrücklich erwünscht. Wird ein Speaker kräftig gefordert, verändert sich sein Verhalten. Kompression und Verzerrungen können entstehen, die wir bei einem HiFi-Lautsprecher möglichst vermeiden würden, beim Gitarrenamp aber durchaus als musikalisch empfinden.

Während Studiomonitore einen möglichst großen Frequenzbereich vergleichsweise neutral übertragen sollen, färben Gitarrenlautsprecher das Signal deutlich. Der Bassbereich ist begrenzt, die Mitten werden je nach Speaker charakteristisch geprägt und zu hohen Frequenzen hin fällt der Pegel stark ab.

Gerade bei verzerrten Sounds ist das wichtig: Verzerrung erzeugt zahlreiche zusätzliche Obertöne. Würden diese bis weit in den Hochtonbereich linear wiedergegeben, könnte der Gitarrensound unangenehm scharf und kratzig wirken. Der Gitarrenlautsprecher wirkt deshalb gewissermaßen wie ein komplexes mechanisch-akustisches Filter.

Merksatz: Der Gitarrenlautsprecher gibt den Sound nicht einfach wieder – er ist selbst ein wesentlicher Bestandteil der Klangformung.

Warum ausgerechnet 12 Zoll?

Wer sich Gitarrenboxen anschaut, wird schnell feststellen, dass eine Größe dominiert: 12 Zoll. Das ist keineswegs die einzig mögliche Variante. Es gibt ebenso 6-, 8-, 10- oder 15-Zoll-Speaker und zahlreiche exotischere Formate. Wer Experimente mit Opas Röhrenradio gemacht hat, kennt die ovalen Speaker, die dort eingebaut waren.

Der 12-Zoll-Lautsprecher hat sich bei der E-Gitarre aber als eine Art Standard etabliert, weil er einen guten Kompromiss aus Basswiedergabe, Mittencharakter, Wirkungsgrad und Belastbarkeit bietet.

Kleinere Lautsprecher reagieren tendenziell etwas anders und werden häufig mit den Sounds kleiner, kompakter Verstärker in Verbindung gebracht. Ein größerer Durchmesser bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Bass. Dafür spielen Gehäuse, Resonanzfrequenz und die gesamte Konstruktion eine viel zu große Rolle. Und damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt dieses Artikels:

Die Größe eines Speakers allein sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie er tatsächlich klingt.

Eine 1×12 ist kompakt, vergleichsweise leicht und für Proberaum, Studio und viele Bühnen vollkommen ausreichend. Eine 2×12 bietet mehr Membranfläche und wird von vielen Gitarristen als hervorragender Kompromiss zwischen Transportfähigkeit und dem Spielgefühl einer großen Box betrachtet. Und dann wäre da natürlich noch die 4×12. Jahrzehntelang praktisch das internationale Symbol für „Jetzt wird es laut“.

Vier Lautsprecher bedeuten zunächst einmal die vierfache Membranfläche gegenüber einer 1×12. Das verändert nicht nur den maximal erreichbaren Schalldruck, sondern auch Abstrahlverhalten, Kopplung der Lautsprecher und das subjektive Spielgefühl.

Aber: Eine 4×12 mit 100 Watt Verstärkerleistung ist nicht viermal so laut wie eine 1×12 mit demselben Verstärker. Hier kommt unter anderem der Wirkungsgrad der verwendeten Lautsprecher ins Spiel. Und der ist für die wahrgenommene Lautstärke enorm wichtig.

Gitarrenboxen Abstrahlverhalten

Willze Watt? Warum Watt nicht alles ist

Bei Lautsprechern findet man häufig eine Angabe wie beispielsweise 97 dB, 100 dB oder 103 dB SPL bei 1 W/1 m. Vereinfacht gesagt beschreibt das, welchen Schalldruck der Lautsprecher bei einer definierten Leistung und Entfernung erzeugt. Und 3 dB Unterschied sind keineswegs belanglos, meine Damen und Herren!

Ein Speaker mit einem Wirkungsgrad von 100 dB kann bei gleicher Verstärkerleistung erheblich lauter erscheinen als ein Modell mit 97 dB. Um einen Pegelunterschied von 3 dB allein über die Verstärkerleistung auszugleichen, benötigt man theoretisch ungefähr die doppelte Leistung.

Damit wird hoffentlich auch klar, warum die Wattzahl eines Verstärkers allein wenig darüber verrät, wie laut ein komplettes Gitarren-Rig tatsächlich wird.

💡 Schon gewusst? Was bedeutet dB SPL bei 1 W/1 m?Die Angabe dB SPL bei 1 W/1 m beschreibt vereinfacht den Wirkungsgrad bzw. genauer die Empfindlichkeit eines Lautsprechers. Gemessen wird der Schalldruckpegel (Sound Pressure Level), den der Lautsprecher in einem Meter Entfernung bei einer zugeführten Leistung von einem Watt erzeugt.

Ein Lautsprecher mit beispielsweise 100 dB SPL bei 1 W/1 m erzeugt unter den angegebenen Messbedingungen also bereits mit einem Watt einen Schalldruckpegel von 100 dB in einem Meter Entfernung.

Dabei können wenige Dezibel einen erheblichen Unterschied machen: Ein Lautsprecher mit 100 dB Empfindlichkeit erzeugt bei gleicher Verstärkerleistung einen höheren Schalldruckpegel als ein Modell mit 97 dB. Um einen Unterschied von 3 dB allein durch mehr Verstärkerleistung auszugleichen, ist theoretisch ungefähr die doppelte elektrische Leistung erforderlich.

Wichtig: Die Herstellerangabe zur Empfindlichkeit ist nur dann unmittelbar vergleichbar, wenn auch die Messbedingungen und Bezugsgrößen vergleichbar sind. Manche Datenblätter verwenden beispielsweise 1 W/1 m, andere 2,83 V/1 m.

Merke: Die Wattzahl sagt, wie viel Leistung der Verstärker liefert, die Empfindlichkeit des Speakers aber trägt entscheidend dazu bei, wie viel Schalldruck daraus entsteht.

Open-Back oder Closed-Back?

Jetzt wird es klanglich richtig interessant.

Bei einer Closed-Back-Box ist die Rückseite des Gehäuses weitgehend oder vollständig geschlossen. Der rückwärtig abgestrahlte Schall des Lautsprechers bleibt damit im Gehäuse und beeinflusst dessen Verhalten. Das Ergebnis wird häufig als straffer, druckvoller und gerichteter wahrgenommen. Gerade im Rock- und Metal-Bereich gehören geschlossene 2×12- und 4×12-Boxen deshalb zum Standardinventar.

Bei einer Open-Back-Box kann ein Teil des rückwärtigen Schalls dagegen aus dem Gehäuse austreten. Die Box strahlt dadurch stärker nach hinten und in den Raum ab. Das Ergebnis wirkt häufig offener und räumlicher, während der Bassbereich weniger massiv erscheinen kann.

Deshalb ist die Rückwand einer Gitarrenbox keineswegs nur ein Stück Holz mit mehr oder weniger großen Löchern. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der akustischen Konstruktion. Und manch ein Studio-Spezi nimmt ganz bewusst die Rückseite eines Open-Back-Cabinets mit einem gesonderten Mikro ab.

Gitarrenboxen Open & Closed Back

Das Abstrahlverhalten von Open- und Closed-Back-Cabinets im Vergleich (Grafik KI-generiert)

Alnico, Keramik oder Neodym?

Auch beim Magneten gibt es verschiedene Konzepte. Zu den verbreitetsten gehören Alnico, Keramik und zunehmend Neodym.

Alnico-Speaker werden gern mit klassischen Vintage-Sounds in Verbindung gebracht. Keramikmagnete sind heute extrem verbreitet und finden sich in unzähligen klassischen wie modernen Gitarrenspeakern. Neodym ermöglicht dagegen bei hoher Magnetkraft erheblich leichtere Konstruktionen, ein durchaus überzeugendes Argument, wenn man schon einmal eine schwere 4×12 eine enge Kellertreppe hochgetragen hat.

Die Magnetart allein bestimmt allerdings nicht den Klang eines Lautsprechers. Membran, Schwingspule, mechanische Konstruktion und zahlreiche weitere Parameter spielen ebenfalls eine Rolle.

„Alnico klingt so, Keramik klingt so“ ist deshalb als Faustregel verführerisch, aber viel zu einfach.

💡 Schon gewusst? Macht der Magnet wirklich den Sound? Bei Gitarrenlautsprechern begegnen uns vor allem Alnico-, Keramik- und Neodym-Magnete. Ihnen werden gerne bestimmte Klangeigenschaften zugeschrieben: Alnico soll weich und „vintage“, Keramik aggressiver und Neodym besonders modern klingen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Der Magnet ist Teil des magnetischen Antriebssystems des Lautsprechers und beeinflusst zusammen mit Schwingspule und Magnetkreis dessen elektromechanische Eigenschaften. Der Klang eines Speakers entsteht jedoch aus dem Zusammenspiel vieler weiterer Faktoren, darunter Membran, Schwingspule, Aufhängung, mechanische Dämpfung und die gesamte Konstruktion des Chassis.

Zwei Lautsprecher mit unterschiedlichen Magnetmaterialien können deshalb unterschiedlich klingen. Daraus lässt sich aber nicht umgekehrt ableiten, dass ein bestimmtes Magnetmaterial automatisch einen bestimmten Klangcharakter erzeugt. Auch zwei Alnico- oder zwei Keramik-Speaker können sich klanglich erheblich unterscheiden.

Ein sehr handfester Unterschied liegt außerdem beim Gewicht: Neodym besitzt eine hohe magnetische Leistungsfähigkeit bei vergleichsweise geringer Masse und ermöglicht deshalb deutlich leichtere Lautsprecherkonstruktionen.

Merke: Der Magnet beeinflusst die Eigenschaften eines Lautsprechers – aber „Alnico klingt so und Keramik klingt so“ ist als allgemeine Klangregel zu einfach.

Belastbarkeit: Wie viel Watt muss meine Box vertragen?

Hier wird gern gerechnet, gelegentlich auch teuer und falsch.

Die Belastbarkeit eines Lautsprechers beschreibt, welche elektrische Leistung er dauerhaft beziehungsweise nach der jeweiligen Herstellerspezifikation verkraften kann. Bei mehreren identischen Lautsprechern lässt sich deren Belastbarkeit entsprechend kombinieren.

Vier identische 25-Watt-Speaker ergeben beispielsweise eine Box mit insgesamt 100 Watt Belastbarkeit. Wichtig ist aber die Unterscheidung. Belastbarkeit ist nicht Lautstärke.

Ein 100-Watt-Speaker ist nicht automatisch lauter als ein 25-Watt-Speaker. Dafür ist wiederum unter anderem dessen Wirkungsgrad entscheidend.

4, 8 oder 16 Ohm?

Und da ist sie wieder: die Impedanz.

Ein einzelner Gitarrenlautsprecher ist typischerweise beispielsweise mit 4, 8 oder 16 Ohm Nennimpedanz erhältlich. Bei mehreren Lautsprechern entscheidet zusätzlich deren Verschaltung darüber, welche Gesamtimpedanz die komplette Box besitzt.

  • Zwei 8-Ohm-Speaker in Reihe ergeben beispielsweise 16 Ohm. Werden dieselben beiden Speaker parallel geschaltet, ergibt sich eine Gesamtimpedanz von 4 Ohm.
  • Bei vier Lautsprechern sind Kombinationen aus Reihen- und Parallelschaltung möglich, mit denen sich praxisgerechte Gesamtimpedanzen erreichen lassen.

Das ist besonders wichtig, weil Verstärker und Box elektrisch zusammenpassen müssen. Wie kritisch eine Fehlanpassung ist, hängt dabei auch von der Bauart des Verstärkers ab. Bei einem klassischen Röhrenverstärker mit Ausgangsübertrager gelten andere Bedingungen als bei vielen Transistor- oder Class-D-Endstufen. Deshalb gilt als sicherste Regel:

Die vom Hersteller vorgegebenen zulässigen Impedanzen und Anschlussvarianten beachten.

Gitarrenboxen Impedanz

Impedanz von Gitarrenboxen (Grafik KI-generiert)

Warum klingt dieselbe Box mit verschiedenen Speakern anders?

Bis hierhin dürfte bereits klar geworden sein: „12 Zoll“ und „8 Ohm“ beschreiben einen Lautsprecher noch lange nicht ausreichend.

Zwei 12-Zoll-Speaker mit gleicher Impedanz und ähnlicher Belastbarkeit können völlig unterschiedlich klingen. Resonanzfrequenz, Frequenzgang, Wirkungsgrad, Membrankonstruktion und mechanisches Verhalten sorgen dafür, dass jeder Lautsprechertyp seinen eigenen Charakter besitzt.

Und genau deshalb gehört der Speakerwechsel seit Jahrzehnten zu den effektivsten Möglichkeiten, den Klang eines Gitarrenverstärkers zu verändern. Ein anderer Speaker kann den Sound stärker verändern als so manche Modifikation am Verstärker, ohne dass dafür auch nur ein Regler am Amp bewegt wird.

🔧 Praxis-Tipp: Speakerwechsel – die unterschätzte Klangmodifikation

Bevor du über einen neuen Verstärker nachdenkst, kann sich ein Blick auf den vorhandenen Gitarrenlautsprecher lohnen. Ein Speakerwechsel kann den Charakter eines Amps deutlich verändern, denn unterschiedliche Lautsprecher unterscheiden sich unter anderem in Frequenzgang, Empfindlichkeit, Resonanzverhalten und Belastbarkeit.

Ein anderer Speaker kann beispielsweise die Mitten anders gewichten, den Hochtonbereich verändern oder bei gleicher Verstärkerleistung einen höheren oder niedrigeren Schalldruck erzeugen. Gerade bei Combos ist ein Speakerwechsel deshalb eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, das gesamte System klanglich neu abzustimmen.

Vor dem Austausch unbedingt auf Impedanz, Belastbarkeit und mechanische Abmessungen achten. Der neue Lautsprecher muss elektrisch zum Verstärker passen, ausreichend belastbar sein und natürlich auch in das vorhandene Gehäuse passen.

Praxis-Tipp: Nicht nur nach Klangbeschreibungen wie „warm“, „vintage“ oder „aggressiv“ auswählen. Frequenzgang, Empfindlichkeit, Impedanz und Belastbarkeit in den technischen Daten liefern wesentlich konkretere Anhaltspunkte.

Und was hat das alles mit Impulse-Responses zu tun?

An dieser Stelle schließt sich ein schöner Kreis.

Eine Impulse-Response bildet wesentliche Eigenschaften einer mikrofonierten Lautsprecher-Boxen-Konstellation digital ab. Deshalb macht es einen gewaltigen Unterschied, ob in einem IR beispielsweise eine offene 1×12 oder eine geschlossene 4×12 steckt und welcher Speaker, welches Mikrofon sowie welche Mikrofonposition verwendet wurden.

Wer versteht, wie eine reale Gitarrenbox funktioniert und wodurch ihr Klang entsteht, kann deshalb auch wesentlich gezielter mit IRs arbeiten. Und plötzlich wird verständlich, warum die Auswahl aus 5000 Impulse-Responses nicht zwingend ein Vorteil sein muss.

Erklärt: Alles, was du über Impulse Responses wissen musst

Ausblick

Damit haben wir die klassische Signalkette der E-Gitarre inzwischen ziemlich weit verfolgt: Wir wissen, was in der Gitarre passiert, haben uns den Verstärker vorgenommen und sind jetzt dort angekommen, wo aus elektrischer Leistung tatsächlich Schall wird. Eigentlich wären wir damit fertig.

Eigentlich.

Denn zwischen Gitarre und Verstärker befindet sich bei vielen Gitarristen eine kleine Ansammlung bunter Metallkisten, deren Verkabelung mit zunehmender Stückzahl erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Sicherungskasten eines Altbaus entwickeln kann.

Im nächsten Teil der AMAZONA Gitarren-Akademie geht es deshalb an die Effektpedale. Overdrive, Distortion, Fuzz, Kompressor, Modulation, Delay und Reverb. Und vor allem um die Frage, warum es keineswegs egal ist, in welcher Reihenfolge der ganze Kram miteinander verkabelt wird.

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Über den Autor
Profilbild

Jan Steiger RED

1972 geboren, von der Gitarre Anfang der 80er gefunden worden. Im Team von Amazona seit 2018, immer neugierig auf neues Equipment und froh, so viel neues Zeug ausprobieren zu dürfen. Bekennender Kemper-Fan und InEar-Fanatiker. Save your ears, you crazy fools!

 

Forum
  1. Profilbild
    chardt AHU

    Hallo Jan, Danke auch für diesen Teil der Serie. Ich denke, um zu verstehen, wie der Lautsprecher den Klang beeinflusst, ist eine Frequenzgang-Grafik eine große Hilfe – ehrlich gesagt, habe ich sowas hier wirklich vermisst. Hier ein Beispiel:
    https://cdn.shopify.com/s/files/1/0270/8665/1462/files/Legend_1258.png
    Zeigt sehr gut den typischen Verlauf: Im Frequenzkeller kommt nix, dann ein Plateau und schließlich die Resonanz in den hohen Mitten, welche den wesentlichen Teil des Klangs ausmacht, gefolgt vom „Absturz“, der uns vor den übelsten Höhen des verzerrten Klangs bewahrt.

    • Profilbild
      Fredi

      @chardt Hallo chardt,

      das Lustige dabei ist, dass die von Jan zitierten Impulsantworten im Wesentlichen der Frequenzgang des Lautsprechers sind (nur in anderer Form).
      Eine Impulsantwort ist das Signal, das herauskommt, wenn ein extrem kurzes Schallereignis durch ein System – hier der Lautsprecher – durchläuft. Idealerweise ist das Eingangssignal ein Spike mit der Länge eines Audiosamples, also beispielsweise 1/44100s, es kann aber auch näherungsweise ein Klatschen o.ä. sein.
      Wenn Du dann das Ergebnissignal mit einer Fouriertransformation analysierst (d.h. die Frequenzen in dem Signal bestimmst), bekommst Du exakt Dein Frequenzgangdiagramm des Lautsprechers.
      Oder man könnte andersherum aus Deinem Frequenzdiagramm ziemlich gut per umgekehrter Fouriertransformation die Impulsantwort berechnen. Das geht heute in jeder besseren DAW.
      D.h. mir würde die Impulsantwort reichen 😉
      Gruß
      Fredi

  2. Profilbild
    RockRentner

    Die wichtigste Anschaffung der letzten Jahre waren neben den G12H30 Heritage 55Hz Speakern meiner 2×12 Box zwei DEFLEXX H1 Edition 2.0 Diffusoren … die mit den roten Keil-Elelementen.
    Für jemanden, der seinen Röhrenamp (über eine Fryette PS-2) vornehmlich im eigenen Homestudio geniessen möchte, sind diese Teile aus meiner Sicht unverzichtbar.

    Der Speaker kann auf dem Papier noch so cool sein, der Beam kann einen umbringen.

  3. Profilbild
    Linus AHU

    Sehr guter und verständlicher Überblick. Gerade der Einfluss des Speakers auf den Gesamtsound wird meiner Meinung nach oft unterschätzt. Man beschäftigt sich mit Gitarren, Pickups, Amps und Pedalen, dabei kann ein anderer Speaker den Charakter des gesamten Rigs enorm verändern. Besonders interessant finde ich auch den Bogen zu den IRs: Wenn man versteht, warum eine reale 1×12, 2×12 oder 4×12 unterschiedlich klingt, versteht man plötzlich auch viel besser, wonach man bei hunderten IRs eigentlich suchen soll.

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