Green Box: AKAI S3000, S3200, S2800, 16 Bit Sampler

5. Dezember 2015

Der Sampler-Standard der 90er Jahre

Anfang der 90er ist Sound Sampling der völlige Renner in der Musikszene. Kein Wunder, denn diese Technologie ist zum damaligen Zeitpunkt den Kinderschuhen längst entwachsen. Kompakte Geräte, Speichererweiterungen, dazu jede Menge Zusatzboards und -anschlüsse. Ein schönes Klangschlaraffenland, das noch eine besondere Zusatzleistung in petto hat: das AKAI Sampleformat. Es gilt damals beinahe als Studiostandard, und Diskettentausch mit selbstgemachten Loops ist Alltagsroutine.

S3000i Totale Front Panel

Überhaupt AKAI. Die waren Pioniere auf diesem Gebiet und schon seit dem S900 im Jahre 1986 recht erfolgreich am Start. So richtig Oberwasser in diesem Produktsegment verschafften dann der S1000 und sein Nachfolger S1100. AKAI verdiente sich mit diesen Samplern nicht nur völlig berechtigt einige Lorbeeren bei den Musikern, sondern sicherlich auch eine Menge Geld. Einiges davon wanderte wohl in die Produktentwicklung, denn schon 1996 kamen mit der neuen S3000 Serie gleich mehrere Nachfolger auf den Markt.

Angetreten sind nun: S2000, S2800, S3000, CD3000, S3200. Neben der gemeinsamen Flottenfarbe fürs Metallgehäuse unterscheiden sie sich vor allem in Ausstattungsdetails. Außerdem sind innerhalb der Serie die Modelle S2000 und S2800 in einem 2 HE Rackgehäuse untergebracht, während es bei allen anderen 3 HE sind. Jeweils im damals obligatorischen 19-Zoll-Format.

Damit bei all diesen Modellen der Überblick gewahrt bleibt, greifen wir exemplarisch den AKAI S3000 heraus.

Außerdem möchten wir auf einen AMAZONA.de-Test aus dem Jahr 1999 verweisen, der in gewisser Weise historisch von Interesse sein könnte. HIER der Link.

Beginnen wir beim äußeren Erscheinungsbild.

Die Grundfarbe des Rackgehäuses ist so eine Art Beige-Grau, das auf Fotos manchmal in Richtung Weiß tendiert, lediglich rückwärtig gibt’s Schwarz. Auf der Frontplatte geht es ziemlich aufgeräumt zu, denn das zentral positionierte Display (beleuchtet, 320 Zeichen, 640 x 240 Punkte) wird lediglich von ein paar Tastern ergänzt, mit denen angezeigte Submenüs angewählt werden. Diesen Bereich nennt AKAI Screen Function, die Taster darunter folgerichtig F-Tasten. Die in der zweiten Reihe sind individuell beschriftet und für weitere Funktionen gut. Dazu leuchten sie, sobald man sie anwählt. Rechts daneben sehen wir die Cursor Tasten, das Zahlenfeld und Hilfsfunktionen, optisch schön abgesetzt auf einem Alublech. Neben dem Display befindet sich ein großes Data Wheel als Alternative zu der alpha-numerischen Eingabe der jeweiligen Werte. Ganz rechts sind noch der Recording Level Drehregler sowie ein weiterer für Master Volume. Und ganz links gibt es den Power-Schalter, einen kleinen Regler für den Displaykontrast und ein 3,5“ Floppy Disk Laufwerk. Ja, Sie haben richtig gelesen, denn Mitte der 90er sind diese Datenträger noch weit verbreitet. Dabei nimmt das Laufwerk wahlweise 2HD und 2DD Disketten an.

S3000i Display und Zehnertastatur

Die AKAI S3000 Serie ist recht gut verarbeitet, alles wirkt schön kompakt gebaut und lässt sich auch mal etwas grober anfassen, ohne das übel zu nehmen. Als Kampfgewicht bringt ein S3000 knapp 10 kg auf die Waage.

Die AKAI S3000 Serie ist mit dieser sehr aufgeräumten Bedienoberfläche gut beraten, denn neben anderen Gründen liegt es an ihr, dass diese Sampler so populär wurden. Genau wie die Vorgänger S1000 und S1100. Nicht nur, dass die Anzahl der Regler und Taster erfreulich überschaubar und praxisnah ist, sondern das gilt auch für die Benutzerführung, wenn es ums Sampling geht. Vereinfacht gesagt: Man muss sich lediglich systematisch eine nach der anderen Funktion vorknöpfen, die gewünschten Einstellungen vornehmen und anschließend die Daten sichern, das war’s dann schon. Der autarke Aufbau vom Recording bis zum fertigen Preset sorgt dabei für dieses stromlinienförmiges Handling, vorbildlich gelöst auch aus heutiger Sicht. Selbst Dinge wie Auto Loop und Envelope Templates gibt’s. Und all das erklärt nebenbei, wieso es im Bereich Vintage Sampler bereits Fans gibt, die gerade auf diese Geräte schwören.

Klangbeispiele
Forum
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    MidiDino  AHU

    Danke für den historischen Bericht. Ich muss gestehen, dass die Akai 3000er Serie zwar für eine ansteigende Popularität von Samplern wichtig war, doch die Begrenzung auf 32 MB Speicher und die relativ wenigen Synthesizer-Funktionen machten die Serie für mich unbrauchbar. Zwar reichte der Speicher für einige Multisamples von Synthesizern oder Drums/Perc., doch es gab zu wenig Synthese-Funktionen, für Naturinstrumente langte hingegen der Speicher nicht. Ich griff erst auf einen Hardware-Sampler zu, als die E-mu E IV enstand.

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    tomk  AHU

    Die Dinger waren gebaut wie Panzer, erst ab der 3000 Serie für OttoNormal erschwinglich. Mein 900 leistete mir lange Zeit Dienste, einige dicke Scheiben wurden u.a. damit produziert. Stolz wie Oskar war ich als mein S3000XL im Rack hing. Da hängt er ungenutzt heute noch, denn Schleuderpreise werden der Legende nicht gerecht. Der nächste Schritt von Akai war der MPC 3000 (warum Akai dann da nicht wirklich weiter … ??!).

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    swellkoerper  AHU

    Die Akais hatten back in the day den Ruf von zuverlässigen, aber nüchternen Playback-Arbeitstieren. Für Synthesizer-Mojo waren wohl eher die E-MUs,Kurzweils oder Ensoniqs bekannt. Ein paar Hinweise auf typische Probleme dieser Baureihe wie ausgebrannte Displayfolien oder springende Taster wären noch toll gewesen, gerade wenn die Teile hier so gelobt werden. Wenn das Display dunkel bleibt, nützt der beste Workflow nichts ;-). Ansonsten guter Artikel, danke dafür.

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      AMAZONA Archiv

      Volle Zustimung beim Display. Der Gebrauchtpreis wäre wesentlich höher wenn man mit alten Augen noch alles gut ablesen könnte. MESA ist nicht mein Ding. Wenn das nicht wäre hätten wir coole Teile im Schrank. So ist jeder ASR-10 „behindertengerechter“. :)

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        k.rausch  RED

        Nun, unser Doc Analog hat die Display Folie von Midirakete kürzlich besorgt und im Dynacord ADD One erfolgreich verbaut.

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    Das Display bleibt trotzdem funzelig und kontrastarm. Hatte die Folie schon getauscht. Das hätte ab Werk besser gelöst werden müssen. Ein Umbau auf moderne Displaytypen ist auch nicht in Sicht. Für einen alten quasi Industriestandard ein schlechtes Ergebnis. Die MPC’s werden da besser versorgt.

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    doc analog  

    Ich finde das mit der Leuchtfolie gar nicht so dramatisch. Siehe auch Backlight im Soundcraft DC2000 Pult. Vermutlich gab es zu dieser Zeit nur die Alternative der LED Hintergrundbeleuchtung wie z.B. beim Alesis Midiverb, dann aber bei kleineren Displays.
    Trotzdem; Wenn das Display dunkel ist einfach die Folie erneuern und gut ist.
    @ Kyotonic: Ich weis was Du meinst, habe beim Casio FZ20 eine weiße Folie eingebaut anstatt blau, weil mir die Beleuchtung auch zu trüb war.

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      AMAZONA Archiv

      Hallo Doc! Puh, habe die Email nicht mehr aber es müsste die Pinke von Backlight4you gewesen sein. Macht das so einen Unterschied? Es war umso ärgerlicher weil der Akai S3000XL von mir mit CF aufgerüstet wurde. Das Ergebnis war dermaßen enttäuschend das ich alles wieder verkauft habe. Den Sampler an sich mochte ich sehr, nur sind meine Augen zu schlecht.

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    Despistado  

    Ich habe „nur“ den S5000 und kann daher zur S3000 Serie nicht wirklich etwas sagen, aber von neutraler Klangwiedergabe kann man zumindest beim S5000 nicht wirklich sprechen, denn in meinen Ohren hebt der höhere Frequenzen ziemlich stark an (ist aber auch abhängig vom Sample).
    Obwohl Anhebung eher nach EQ klingt und demnach nicht das ist was ich meine: Er fügt dem Klang höhere Frequenzen hinzu. Das kann mal gut klingen, aber auch nicht immer.
    Vielleicht ist das bei der S3000-Serie ja nicht der Fall.

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