Green Box: AKAI S3000, S3200, S2800, 16 Bit Sampler

Technologie

Unter der Haube geht es beim AKAI S3000 für damalige Verhältnisse modern bis richtungsweisend zu, letzteres vor allem für die später folgenden hauseigenen Sampler S5000 und S6000 sowie Z4 und Z8. Es wird wahlweise in Stereo oder Mono gesampelt, und zwar in 16 Bit Qualität bei 64-fachem Oversampling. Die interne Datenverarbeitung erfolgt mit 28 Bit. Als Sampling Rate stehen 44,1 und 22,05 kHz zur Verfügung, wobei die geringere Rate zunächst für entsprechendes Aufnahmematerial unter 10 kHz gedacht ist. Allerdings auch zum Speicherplatz sparen, denn bei 44,1 kHz sind es gerade mal 11,14 Sekunden Aufnahmekapazität für Stereosamples und 22,05 bei Mono. Die Ursache für die Knappheit: Werksseitig sind nur 2 MB RAM verbaut. Hier kann man aber aufrüsten – und zwar bis maximal 32 MB. Schon besser! Dann sind nämlich immerhin 3 Minuten Stereosampling drin und fast 12 Minuten, wenn es 22,05 kHz und Mono sein darf. Was erklärt, warum die AKAI Sampler zu ihrer Blütezeit gerne für Dance und Techno Produktionen eingesetzt wurden, um längere Vokalaufnahmen als Samples zu verwalten. Schließlich war Harddisk-Recording noch nicht sonderlich etabliert. Mit der Resample Option kann man seine vorhandenen Daten auch in andere Sampling Rates verwandeln. Bis zu 255 Einzelsamples verwaltet der S3000. Verglichen mit Stand der Dinge 2015 mag einem alles das ganz schön spartanisch vorkommen, damals aber galt so was als durchaus komfortabel. Wenn das jemandem in den 90ern für seine Produktionen nicht ausreichte, dann wurden einfach mehrere Sampler fürs MIDI-Recording beschafft.

Bis zu 32 Stimmen können gleichzeitig wiedergegeben werden, wodurch der Sampler auch für MIDI-Recording geeignet ist und die Stimmen auf bis zu 16 Channels verteilt werden. Mehr dazu weiter unten. Für die Klangformung selber steht eine Synthesizer Engine bereit, deren Parametersatz zwar überschaubar ist, die aber für die meisten Zwecke gute Dienste leistet. Insbesondere Feinschliff bei Instrumenten aller Art kann man damit machen, wofür es ein digitales 12 dB/Oktave Filter gibt, das sogar ein bisschen Resonanz kann. Weiter geht’s mit zwei Hüllkurvengeneratoren, wobei regelmäßig einer für Volume und der andere für Filter eingesetzt wird. Die Anzeige ist alpha-numerisch und grafisch, was die oft doch etwas mühselige Einstellerei bei der Samplebearbeitung komfortabel gestaltet.

S3000i Rear

Auf der Rückseite geht es bei den Anschlüssen an die Außenwelt – je nach Ausstattung und Modell – geräumig bis zugepflastert zu. Das liegt an zahlreichen Leistungsmerkmalen, die geboten werden, und welche das sind, schauen wir uns weiter unten an.

Signal Input, Sampling, Editing, Looping, Mapping

Zwar könnte man beim AKAI S3000 auch lediglich auf die Aberhunderte CD-ROMs im AKAI-Format hinweisen, denn kaum ein anderes Format hatte zum damaligen Zeitpunkt einen derartigen Bestand an fertiger Sampleware zu verzeichnen. Das wäre aber nur der halbe Spaß, denn gerade die Vorzüge einen autarken Hardware-Samplers sind es, die ihn auszeichnen. Spielen wir doch stattdessen einfach mal in groben Zügen eine Sample Recording Session samt anschließendem Editing wie Looping und Mapping durch.

Die Inputs für Mikrofon und Line Signale befinden sich auf der Rückseite, statt wie beim S1000 und S1100 auf der Vorderseite. Klinke und XLR für wahlweise Mono- oder Stereoaufnahme strahlen uns da an, und das ist auch genau das, was gebraucht wird. Auf dem Frontpanel stellt man mit dem hübsch farblich in Rot abgesetzten Drehregler den korrekten Aufnahmepegel ein, der via Displayanzeige kontrolliert wird. Hinsichtlich Pegel ist der S3000 einigermaßen gnädig, denn selbst leicht übersteuertes Material wird nicht unbedingt übel verzerrt wiedergegeben. War man stattdessen etwas schlampig bei der Aufnahme und hat nur einen geringen Signalpegel eingefangen, dann sorgen die Scale und Normalize Funktionen für Abhilfe. Optisch lässt sich das dank Grafikdisplay wunderbar überschauen. Das war seinerzeit nicht selbstverständlich, denn all diese Audio- und Sampledaten wurden bis dato von vielen Herstellern häufig nur numerisch angezeigt.

S3000i Display und Buttons

Nachdem auf diese Weise die erforderlichen Samples genommen und ordentlich benannt sind, geht’s in schön logischer Bedienreihenfolge weiter mit den Schneidearbeiten für Anfang und Ende der Samples. Traditionell aufwändig ist das Looping. Ohne auf Details einzugehen, die können Sie nämlich in unserer Workshopserie Modern Sampling nachlesen, macht es einem AKAI beim S3000 ziemlich leicht: Auto Loop. Bevor Sie diese Funktion auslösen, müssen Sie lediglich Start- und Endpunkte zuweisen. Bereits das erste Loop-Resultat kann gelingen, AKAI hat da einfach einen guten Job gemacht und Ihnen die Arbeit leicht. Bei manchen Sounds will das nicht auf Anhieb von der Hand gehen, da braucht es dann mehrere Versuche, bis der geeignete Loop-Durchlauf gefunden ist. Sollte es trotzdem noch immer zu ungewünschten Klicks kommen, so hilft Loop Crossfade. Einziger Wermutstropfen dabei: Starker Einsatz von Crossfade verfälscht den Originalklang.

Klangbeispiele
Forum
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    MidiDino  AHU

    Danke für den historischen Bericht. Ich muss gestehen, dass die Akai 3000er Serie zwar für eine ansteigende Popularität von Samplern wichtig war, doch die Begrenzung auf 32 MB Speicher und die relativ wenigen Synthesizer-Funktionen machten die Serie für mich unbrauchbar. Zwar reichte der Speicher für einige Multisamples von Synthesizern oder Drums/Perc., doch es gab zu wenig Synthese-Funktionen, für Naturinstrumente langte hingegen der Speicher nicht. Ich griff erst auf einen Hardware-Sampler zu, als die E-mu E IV enstand.

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    tomk  AHU

    Die Dinger waren gebaut wie Panzer, erst ab der 3000 Serie für OttoNormal erschwinglich. Mein 900 leistete mir lange Zeit Dienste, einige dicke Scheiben wurden u.a. damit produziert. Stolz wie Oskar war ich als mein S3000XL im Rack hing. Da hängt er ungenutzt heute noch, denn Schleuderpreise werden der Legende nicht gerecht. Der nächste Schritt von Akai war der MPC 3000 (warum Akai dann da nicht wirklich weiter … ??!).

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    swellkoerper  AHU

    Die Akais hatten back in the day den Ruf von zuverlässigen, aber nüchternen Playback-Arbeitstieren. Für Synthesizer-Mojo waren wohl eher die E-MUs,Kurzweils oder Ensoniqs bekannt. Ein paar Hinweise auf typische Probleme dieser Baureihe wie ausgebrannte Displayfolien oder springende Taster wären noch toll gewesen, gerade wenn die Teile hier so gelobt werden. Wenn das Display dunkel bleibt, nützt der beste Workflow nichts ;-). Ansonsten guter Artikel, danke dafür.

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      AMAZONA Archiv

      Volle Zustimung beim Display. Der Gebrauchtpreis wäre wesentlich höher wenn man mit alten Augen noch alles gut ablesen könnte. MESA ist nicht mein Ding. Wenn das nicht wäre hätten wir coole Teile im Schrank. So ist jeder ASR-10 „behindertengerechter“. :)

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        k.rausch  RED

        Nun, unser Doc Analog hat die Display Folie von Midirakete kürzlich besorgt und im Dynacord ADD One erfolgreich verbaut.

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    AMAZONA Archiv

    Das Display bleibt trotzdem funzelig und kontrastarm. Hatte die Folie schon getauscht. Das hätte ab Werk besser gelöst werden müssen. Ein Umbau auf moderne Displaytypen ist auch nicht in Sicht. Für einen alten quasi Industriestandard ein schlechtes Ergebnis. Die MPC’s werden da besser versorgt.

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    doc analog  

    Ich finde das mit der Leuchtfolie gar nicht so dramatisch. Siehe auch Backlight im Soundcraft DC2000 Pult. Vermutlich gab es zu dieser Zeit nur die Alternative der LED Hintergrundbeleuchtung wie z.B. beim Alesis Midiverb, dann aber bei kleineren Displays.
    Trotzdem; Wenn das Display dunkel ist einfach die Folie erneuern und gut ist.
    @ Kyotonic: Ich weis was Du meinst, habe beim Casio FZ20 eine weiße Folie eingebaut anstatt blau, weil mir die Beleuchtung auch zu trüb war.

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      AMAZONA Archiv

      Hallo Doc! Puh, habe die Email nicht mehr aber es müsste die Pinke von Backlight4you gewesen sein. Macht das so einen Unterschied? Es war umso ärgerlicher weil der Akai S3000XL von mir mit CF aufgerüstet wurde. Das Ergebnis war dermaßen enttäuschend das ich alles wieder verkauft habe. Den Sampler an sich mochte ich sehr, nur sind meine Augen zu schlecht.

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    Despistado  

    Ich habe „nur“ den S5000 und kann daher zur S3000 Serie nicht wirklich etwas sagen, aber von neutraler Klangwiedergabe kann man zumindest beim S5000 nicht wirklich sprechen, denn in meinen Ohren hebt der höhere Frequenzen ziemlich stark an (ist aber auch abhängig vom Sample).
    Obwohl Anhebung eher nach EQ klingt und demnach nicht das ist was ich meine: Er fügt dem Klang höhere Frequenzen hinzu. Das kann mal gut klingen, aber auch nicht immer.
    Vielleicht ist das bei der S3000-Serie ja nicht der Fall.

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