Green Box: AKAI S3000, S3200, S2800, 16 Bit Sampler

Danach erfolgt das Mapping, bei dem allen im Speicher befindlichen Samples Tastaturzonen zugewiesen werden. Die können sich auch überlappen und bei Bedarf sorgen Sie darüber hinaus mittels Crossfade für sanfte Übergänge. Auf diese Weise lassen sich gleich 4 Ebenen erzeugen, und besonders beliebt dabei sind Velocity Switches. Dabei werden je nach Anschlagsstärke bestimmte Samples bzw. Multisamples angesprochen. Das hilft zum Beispiel, das dynamische Verhalten akustischer Instrumente wenigstens rudimentär naturgetreu wiederzugeben. Oder abgefahrene Drum Effekte zu erzeugen, indem via Velocity zu den verschiedenen Sounds gewechselt wird.

Ist das erledigt, gelangen wir in die Ebene, wo es um Klangformung bis zum Feinschliff geht. Hüllkurvengenerator, Filter, Effekte – die Palette dafür ist ziemlich übersichtlich. Dem Filter kann man keine besonderen Glanzleistungen abverlangen, es reicht eher gerade so fürs Abschwächen von Frequenzanteilen, und über Filter Resonanz sprechen wir lieber nicht genauer. Weil die wirklich nicht besonders gelungen ist. Mit APM (Assignable Program Modulation) hat sich AKAI noch eine Möglichkeit ausgedacht, den Sounds im Program Mode ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Was heute keine Seltenheit ist, war damals durchaus bemerkenswert, konnte man mit APM Modulationen nicht nur direkt den Parametergruppen Envelope und LFO zuordnen, sondern sie auch mit den Controllern wie Pitch Bender, Modulation Wheel oder Aftertouch abrufen. Da das pro Keygroup separat funktioniert, ergeben sich dadurch recht vielseitige Möglichkeiten.

Abgerundet wird die Erstellung eines Presets im AKAI S3000 mit der Effektabteilung des S3000. Allerdings ist die recht spartanisch geraten, zumindest aus heutiger Sicht. Stereo Flanger, Chorus, Multi-Tap Delay, Delay, Pitch Shifter, mehr ist nicht. AKAI selber verstand sich damals aber auch als Hinweisgeber für Synthesizerspieler: In der Bedienungsanleitung ist eine hübsche Grafik mit vielen Reglern abgedruckt, die ein wenig an einen typischen Analog Synthesizer erinnert.

S3000 Synth Engine edited cropped

Und tatsächlich, man kann kurze Samples mit engen Loops als Ersatz für Waveforms betrachten und sie mit den AKAI S3000 Parametern auf Synthsounds trimmen. Im Ergebnis klingt das gar nicht mal schlecht, AKAI gönnte dem frischgebackenen S3000 Besitzer auch eine Floppy Disk mit solchen Sounds als Startbasis. Wer etwas tiefer in die Sample und Program Parameter einsteigt, wird einen ganzen Schwung interessante Optionen vorfinden. So können zwei Samples als Layer zu einem neuen verschmolzen werden, etwa Piano plus Strings. Die Join Funktion erlaubt das Aneinanderhängen zweier Samples, mit Reverse lässt man eins rückwärts abspielen, und Splice mischt Teile von beiden. Oder bei einer Vocalaufnahme lassen sich unliebsame Atemgeräusche eliminieren, indem man die betreffenden Sampleteile entfernt, die originale Samplelänge aber bleibt. Auch Time Stretching kann der S3000, das war damals eine echte Errungenschaft.

Speichererweiterung von Mutec

Speichererweiterung von Mutec

Wie umfangreich man mit Samples hantieren kann, hängt insbesondere am vorhandenen Speicherplatz. In der Grundausstattung gibt’s 2 MB, und das Maximum via Speichererweiterungen ist 32 MB. Heute lacht man über diese Größenordnung, damals galt das als fast sensationell. Auch weil die Ladezeit vergleichsweise kurz ist. Da nach Ausschalten der Speicherinhalt weg ist, muss man frisch gemachte Samples sichern. Zwar geht das direkt per eingebautem Floppy Disk Laufwerk, aus heutiger Sicht sprechen jedoch zwei Gründe dagegen: Erstens passt auf eine 2HD Diskette nur knapp 1,5 MB, und das überschreitet schon bei 2 MB Standard-RAM deren Kapazität, und die Samples müssen in solchen Fällen auch noch auf mehrere Disketten verteilt werden. Zweitens sind diese Floppys nicht mehr an jeder Ecke zu bekommen. Drittens bieten sich Alternativen dazu an, ganz wie damals. Die heißen Harddisk, Optical Drive, DAT Tape, Data Cartridge. Hier wird ordentlich Speicherplatz geboten, regelmäßig in Größenordnungen von wenigstens 100 MB aufwärts. Schon ein sogenanntes Wechselmedium kann 270 MB Platz bereitstellen, damit kann man leben. Solange man mehrere davon besitzt. Denn trotz recht ökonomischem Umgang mit Speicherplatz und old school Sampling Methoden kommt es rasch zu Bedarf, die Daten neben den reinen Arbeitskopien auch als zusätzliche Backups zu sichern. Damit das geht, benötigt man aber die richtige Anschlussbuchse. Unter anderem dafür hat sich AKAI damals das Zubehörprogramm ausgedacht. Es ist umfangreich und je nach Bedarf kann sich der Samplerbesitzer sein Instrument genau so ausstatten, wie es benötigt wird. Mehr dazu weiter unten, hier jedoch schon mal der kurze Hinweis, dass man beim AKAI S3000 einen SCSI-Anschluss für externe Festplatten braucht.

In den frühen 90er Jahren etablierte sich zunehmend die Sample CD-ROM, und da der S3000 Format-kompatibel mit der Vorgängergeneration S1000 ist, profitierte der neue erheblich davon. Schließlich war die Mehrzahl der Sample CD-ROMs damals in diesem Datenformat. Kurz gesagt: Ein solcher CD-ROM Player ist beim S3000 also Pflichtprogramm. Auch dieser wird via SCSI an den Sampler angeschlossen, wo eine Programmfunktion die Anwahl des jeweiligen Datenmediums erlaubt.

Klangbeispiele
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    MidiDino  AHU

    Danke für den historischen Bericht. Ich muss gestehen, dass die Akai 3000er Serie zwar für eine ansteigende Popularität von Samplern wichtig war, doch die Begrenzung auf 32 MB Speicher und die relativ wenigen Synthesizer-Funktionen machten die Serie für mich unbrauchbar. Zwar reichte der Speicher für einige Multisamples von Synthesizern oder Drums/Perc., doch es gab zu wenig Synthese-Funktionen, für Naturinstrumente langte hingegen der Speicher nicht. Ich griff erst auf einen Hardware-Sampler zu, als die E-mu E IV enstand.

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    tomk  AHU

    Die Dinger waren gebaut wie Panzer, erst ab der 3000 Serie für OttoNormal erschwinglich. Mein 900 leistete mir lange Zeit Dienste, einige dicke Scheiben wurden u.a. damit produziert. Stolz wie Oskar war ich als mein S3000XL im Rack hing. Da hängt er ungenutzt heute noch, denn Schleuderpreise werden der Legende nicht gerecht. Der nächste Schritt von Akai war der MPC 3000 (warum Akai dann da nicht wirklich weiter … ??!).

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    swellkoerper  AHU

    Die Akais hatten back in the day den Ruf von zuverlässigen, aber nüchternen Playback-Arbeitstieren. Für Synthesizer-Mojo waren wohl eher die E-MUs,Kurzweils oder Ensoniqs bekannt. Ein paar Hinweise auf typische Probleme dieser Baureihe wie ausgebrannte Displayfolien oder springende Taster wären noch toll gewesen, gerade wenn die Teile hier so gelobt werden. Wenn das Display dunkel bleibt, nützt der beste Workflow nichts ;-). Ansonsten guter Artikel, danke dafür.

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      AMAZONA Archiv

      Volle Zustimung beim Display. Der Gebrauchtpreis wäre wesentlich höher wenn man mit alten Augen noch alles gut ablesen könnte. MESA ist nicht mein Ding. Wenn das nicht wäre hätten wir coole Teile im Schrank. So ist jeder ASR-10 „behindertengerechter“. :)

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        k.rausch  RED

        Nun, unser Doc Analog hat die Display Folie von Midirakete kürzlich besorgt und im Dynacord ADD One erfolgreich verbaut.

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    AMAZONA Archiv

    Das Display bleibt trotzdem funzelig und kontrastarm. Hatte die Folie schon getauscht. Das hätte ab Werk besser gelöst werden müssen. Ein Umbau auf moderne Displaytypen ist auch nicht in Sicht. Für einen alten quasi Industriestandard ein schlechtes Ergebnis. Die MPC’s werden da besser versorgt.

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    doc analog  

    Ich finde das mit der Leuchtfolie gar nicht so dramatisch. Siehe auch Backlight im Soundcraft DC2000 Pult. Vermutlich gab es zu dieser Zeit nur die Alternative der LED Hintergrundbeleuchtung wie z.B. beim Alesis Midiverb, dann aber bei kleineren Displays.
    Trotzdem; Wenn das Display dunkel ist einfach die Folie erneuern und gut ist.
    @ Kyotonic: Ich weis was Du meinst, habe beim Casio FZ20 eine weiße Folie eingebaut anstatt blau, weil mir die Beleuchtung auch zu trüb war.

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      AMAZONA Archiv

      Hallo Doc! Puh, habe die Email nicht mehr aber es müsste die Pinke von Backlight4you gewesen sein. Macht das so einen Unterschied? Es war umso ärgerlicher weil der Akai S3000XL von mir mit CF aufgerüstet wurde. Das Ergebnis war dermaßen enttäuschend das ich alles wieder verkauft habe. Den Sampler an sich mochte ich sehr, nur sind meine Augen zu schlecht.

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    Despistado  

    Ich habe „nur“ den S5000 und kann daher zur S3000 Serie nicht wirklich etwas sagen, aber von neutraler Klangwiedergabe kann man zumindest beim S5000 nicht wirklich sprechen, denn in meinen Ohren hebt der höhere Frequenzen ziemlich stark an (ist aber auch abhängig vom Sample).
    Obwohl Anhebung eher nach EQ klingt und demnach nicht das ist was ich meine: Er fügt dem Klang höhere Frequenzen hinzu. Das kann mal gut klingen, aber auch nicht immer.
    Vielleicht ist das bei der S3000-Serie ja nicht der Fall.

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