Green Box: Casio VZ-1, VZ-10M, VZ-8M, Hohner HS-2/E

6. Mai 2018

Zeitloser Digital-Klassiker

Casio VZ-1

Vorwort

Mit dem Casio VZ-1, der Rackversion Casio VZ-10M und dem per Lizenz an Hohner vergebenen HS-2/E versuchte Casio 1988, 3 Jahre nach Einführung des ersten CZ-Synthesizers, an der Erfolg der CZ-Serie anzuknüpfen. Das allerdings gelang ganz und gar nicht. Wir blicken noch weiter zurück:

5 Jahre zuvor – 1983 – hatte Yamaha mit dem DX7 die Musikerwelt in Erstaunen versetzt und plötzlich ließen sich nur noch Synthesizer und Keyboards erfolgreich vermarkten, wenn ihnen das Etikett DIGITAL anhing.

CASIOs Einstieg in das Profilager der MI-Industrie gelang dann 1985 auch nur deshalb, weil ihnen mit der hauseigenen Phase Distortion quasi ein Klon der FM-Synthese von Yamaha gelang. Der Klang war sehr ähnlich, der Preis deutlich günstiger. Dass Casio da rein zufällig ein Pendant zum Verkaufsschlager aus dem Hause Yamaha gelungen war, daran glaubte sicher kein Mensch. Eher sah es danach aus, als ob Casio auf Teufel komm raus versucht hatte, ein Klangverfahren zu entwickeln, das nur „ähnlich“, aber eben nicht „dasselbe“ war, um nicht Gefahr zu laufen, an Yamaha Lizenzabgaben zahlen zu müssen. Mit der CZ-Serie gelang dieser Clou. Denn zum Zeitpunkt ihrer Einführung war der FM-Hype noch immer in vollem Gang. Als jedoch 1988 die Nachfolge-Generation unter dem Kürzel VZ vorgestellt wurde, hatte sich das Blatt erneut gewendet. Ein Jahr zuvor sorgte der Roland D-50 für einen erneuten Paradigmenwechsel. Aus FM wurde PCM, sprich kurz gesampelte Attack-Phasen von Naturinstrumenten sorgten im Roland D-50 für eine gewisse natürliche Anmutung, die sowohl Yamahas FM- als auch Casios PD-Synthese fehlte.

Casio VZ-1

Hinzu kam, dass der vermeintlich verbesserte Nachfolger zum einen deutlich komplexer zu programmieren war, zum anderen aber subjektiv betrachtet in den Ohren vieler Musiker auch weniger warm klang (das Wort analog wollte man damals nicht in den Mund nehmen).

Und auch die eingeschränkte Modellvielfalt tat sicher ihren Teil dazu, die VZ-Serie zum schwer verkäuflichen Objekt zu machen. Gab es die CZ- und auch Yamahas DX-Serie in unterschiedlichsten Keyboard-, Desktop- und Rack-Varianten, erschien die VZ-Serie nur in Form eines 61-Tasten Keyboards, als 2 HE Rack aus eigenem Haus und als 2 HE-Rack von Hohner (erst zu einem späteren Zeitpunkt kam noch eine LowBudget Rack- und Keyboard-Variante hinzu).

Kurze Zeit später verkündete Casio seinen Rückzug aus dem professionellen MI-Lager und konzertierte sich über Jahrzehnte vor allem wieder auf Tischhupen, die zu Schleuderpreisen vor dem Weihnachtsgeschäft über die Kaufhaustheken verschoben wurden.

Ein Jammer, denn mit der Zeit bildete sich weltweit eine rege Fangemeinde um Casios CZ, VZ und die Sampler-Serie FZ. An dieser Stelle möchte euch bitten, kurz einen Blick auf dieses Video von Dual Shaman zu werfen, dann wird dem einen oder anderen vielleicht bewusst, warum die CZ/VZ-Community stetig wächst:

Als 2012 bekannt wurde, dass Casio mit einem neuen Keyboards sein Comeback in die Synth-Szene wagen würde, war die Freude entsprechend hoch. Das Ergebnis ist bekannt: Die beiden Synthesizier Casio XW-P1 und Casio XW-G1 erhielten durchaus gute Kritiken (für die enorm günstige Preiskategorie und angepeilte Zielgruppe), konnten aber nicht mehr als einen Achtungserfolg erzielen.

Und auch im neuen Jahrtausend entschloss sich Casio kurzerhand, sein Engagement in dieser Produktsparte wieder zu beenden. Freunden der Phase-Distortion bleibt also nach wie vor nichts anderes übrig, als sich am Gebrauchtmarkt nach den Casio Klassikern umzusehen. Die Preise sind zwar langsam wieder am steigen, halten sich aber dennoch in Grenzen. Wer durch den nun folgenden Artikel auf den Geschmack kommt, sollte bereits für wenige hundert Euro einen VZ-1 oder einen VZ-10M erwerben können. Und wer nach einem Mitglied der CZ-Serie Ausschau hält, der kommt noch günstiger weg.

Nun aber viel Spaß mit Wissenswertem rund um die VZ-Serie von Robert Skerjanc.

Casio VZ-1

Klangbeispiele
Forum
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    legoluft  

    Schöner Bericht über einen voll unterschätzten Synth! Ich habe ihn als Hoher HS-2e (hübsches Silber-Metallgehäuse) und schleife ihn oft durch meinen Evolver (als Analog-Filterbox). Durch die Multilayer sind super Stereo-Pads möglich, sehr weich, breit und fett. Auch die Bässe/Perc-Sounds sind unglaublich knackig durch schnelle Hüllkurven und guten Velocity-Möglichkeiten (mein Gerät klingt von Natur aus sehr bassig). Überraschende FX-Sounds und fette verzerrte Leads klingen auch sehr überzeugend (besonders durch den +/- 48 Halbtöne umfassenden Pitchbend!)
    Der VZ lässt sich über Sounddiver (3.0) hervorragend programmieren. Habe es auf WinVista 64bit laufen mit einem Motu MidiExpress128 Interface (frisst und verdaut alles an Sysex/Midi-Daten ohne Zicken)

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    Marko Ettlich  RED

    Ja ich mag Casio, sowohl die VZ als auch die CZ Serie. Sie klingen sehr eigenständig. Der VZ verkommt leider bei den meisten zur Presetschleuder, denn die Programmierung am Gerät ist zwar möglich, aber doch eher für Masochisten. Die zahlreichen Werkssounds (inkl. der auf den cards) sind aber teilweise wirklich erstklassig.

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      Tyrell  RED 143

      Guten Morgen Marko :-)
      Zum Frühstück den Vintage-Artikel lesen, so lieben wir das :-) !!!!

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        Marko Ettlich  RED

        Guten Morgen Peter. :) Amazona ist meine tägliche Morgenpost. Dazu ein Kaffee…mehr brauch es erstmal nicht. ;)

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    Martin Tauchen

    Ein unverwüstlicher Synthesizer der mir seit 25 Jahren eine unerschöpfliche ideenquelle ist. Und es ist schon erstaunlich welch Klänge er ermöglicht. Sei es ein Pseudo-Drumloop,sei es additive Synthese…viele Dinge sind möglich…

    Von allen Synthesizern ist der VZ der einzige,der kontinuierlich meinen Weg begleitete. Zusammen mit dem FZ1 ein echt anachronistisches Soundsystem,ohne Schnörkel.

    Ich liebe das Teil !!!

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    h.gerdes  AHU

    Nette Soundbeispiele. So schön kann digital klingeln!
    Leuchtfolie: Ich hatte mal einen Hohner HS-1 unter dem Schraubenzieher, da war die Folie unter dem Display mit doppelseitigem Klebeband fixiert. Das muss man dann sehr vorsichtig mit einer Rasierklinge oder einem kleinen Teppichmesser auftrennen, dann kriegt man sie heraus. Bei Gewaltanwendung riskiert man, das Display irreparabel zu beschädigen.
    Sowohl bei Casio als auch bei Hohner wurden verschiedene Folien verwendet. Also erst ausbauen und schauen, welche es sein soll.

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    YC45D  

    Es wurde und wird so viel hier über die Casio CZ ,bzw. VZ-Serie geredet,aber überhaupt noch nicht über einen noch selteneren Casio Vertreter,der noch ein ganz anderes Spectrum von Sounds erzeugen kann:
    Casio HT Serie,die mit dem analogen Filter!

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      l.bergen

      Eigentlich wäre der korrektere Name ja HZ-Serie. ;-)

      Okay es gab nur den HZ-600 (mein erster Synthesizer) aber die HT-Serie ist dann ja doch eher Richtung Keyboard getrimmt, mit Rythmus und Begleitautomatik. Macht aber enorm Spaß mit der HT-Serie zu spielen. Und soundtechnisch sind die auch viel besser als ihr Ruf.

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    fritz808  

    für mich kam cz und vz nie an die vorbilder von yamaha heran. dx klang immer fülliger und in vielen bereichen einfach überzeugender.

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      ctrotzkowski  

      Hi Fritz808

      ich kann Dir nur zustimmen – ein CZ3000 war mein erster Synth (ca. 1989 gebaucht für 50 DM), aber mit seiner Soundqualität war ich niemals ansatzweise zufrieden.
      Daß die Presets tatsächlich allesamt billig klangen, war das eine, und so kompliziert wie oben beschrieben hab ich die Programmierung nie empfunden… aber die Sounds hatten alle keinerlei musikalische Dynamik, keine Wärme, kalten Glanz.
      Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum im o.g. Artikel gesagt wird, die CZ hätten ähnlich wie ein DX geklungen. Ok, 2OP CZ klingen als einfacher Ringmodulator ähnlich wie 2OP SY99, letzterer hatte aber 8 mit erweiterten Wellen, Algorithmen und RCM.
      Ein Jahr später kaufte ich einen Yamaha SY77 (der ja einen vollständigen DX7 enthält) und der war nun wirklich insb. bei den reinen DX Sounds richtig dynamisch (ich demonstriere interessierten Gästen gern, warum ein echtes FM E-Piano gegenüber auch modernen Stage-Piano-Samples weit dynamischer klingt).
      Besonders das o.g. Hörbeispiel „8. Ringmodulierte Glocken“ ist ein perfektes Beispiel: Klingt als gäbe es gar keine Anschladynamik – erinnert an DX, aber sowas klingt im DX dann eben doch völlig anders – und um Welten besser und musikalischer.

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        ctrotzkowski  

        Übrigens hängen meine drei vintage Digital-Synths alle noch voll einsatzbereit und verkabelt im Heimstudio an der Wand: D-5, CZ-3000 und SY77 – und zufällig wollten vor ein paar Wochen ein paar Besucher die Unterschiede hören – und ratet mal, welcher Synth überhaupt niemandem gefiel?
        Ich würde sagen – „meist unterschätzter Synth“ hin oder her – wer genau solch minimalistische Sounds und einfache Ringmodulation statt 8OP braucht, hat sicher Spaß damit – alle andern schiessen sich lieber einen echten DX, M1, SQ80, Ensoniq VFX, D-50 aus der Zeit… Und wer einfach heute mal ganz anders klingen will, der hat bestimmt in NI Reaktor eine multidimensionale Spielwiese….

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    Tolayon  

    Das Ausschlaggebende an den früheren PD-Casios dürfte tatsächlich die leichtere Bedienung mit nur zwei Operatoren sein, von denen der Modulator sogar ein paar resonante Wellenformen anbot, um „analoge“ Filtersweeps zu emulieren. Auch sonst ist die Auswahl an Wellenformen größer als nur der reine Sinus im DX-7 (Sägezahn geht dort dank Feedback auch noch).

    Dennoch, nur zwei gegen sechs Operatoren können auf Dauer kein richtiges FM-Feeling aufkommen lassen, egal wie komplex die Wellenformen auch sein mögen. Aber gerade um das zu kompensieren, haben sie bei der VZ-Reihe quasi den Overkill mit gleich acht Operatoren gewählt.
    Nur dass die sich nicht so variantenreich in diversen Algorithmen miteinander verschalten lassen, sondern wie im Artikel erwähnt nur paarweise und dann jeweils das nachfolgende Paar modulieren können.

    Alles in allem also keine Konkurrenz zu Yamahas FM-Synthese, sondern eine eigenständige Ergänzung, die vor allem mit professionellen Effekten alles andere als billig klingt.
    Und ja, die Presets kann man wie so oft bei den Casios fast kollektiv in die Tonne treten, erst beim Selbst-Handanlegen kommen die Stärken der PD-Synthese zu tragen.

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    schmudo

    Ich hatte den auch, bzw. die Hohner-Variante und fand‘ den eigentlich eher über- als unterschätzt. Im direkten Vergleich mit Yamahas FM Synthesizern fällt nämlich auf, dass nicht die FM-Synthese an sich für perkussive Sounds so toll ist, sondern dass die Yamahas ihren Geräten vernünftige Hüllkurven mit auf den Weg gegeben habe. Der Casio hingegen ist ein FM-Synth, der weder die Dynamik und den Punch der DXe noch die „Analogheit“ der CZ-Reihe hat. Sozusagen „Worst of both worlds“.
    Dazu kommt die Benutzerführung mit ihrer streng hirarchischen Baumstruktur. Die ist zwar logisch, aber extrem arbeitsintensiv, weil man immer wieder über mehrere Ebenen navigieren muss. Der langsame Aufbau der Edit-Pages auf dem Display gibt einem dann den Rest, weil es bei der Bedieninung am Gerät bis zu 30 Sekunden dauert, bis man den Parameter erreicht, den man editieren möchte. Wie gesagt, eher was für Masochisten, zumindest was die Bedienung am Gerät angeht.

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    Violator  

    Jo, der CZ-1 und der VZ-1!!!
    „Der Kenner genießt und schweigt“ – und ob die nach Yamaha DX klingen oder nicht war mir schon immer ‚pumpel‘!
    Ich bedaure es sehr, daß Casio auf dem professionellen Synthesizermarkt nicht mehr vertreten ist.
    .
    Und wenn dann bitte ein ‚Casio‘ – die silbernen Hohner Lizenznachbauten finde ich ‚xxxx‘.

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    Son of MooG  AHU

    Die Casios hatten komplexere EGs als die Yamahas, das war’s aber auch schon. Die Sounds meines geliehenen CZ-1000 hatten immer einen Plastik-mäßigen Charakter, wo die Ablösung DX-100 deutlich härter und durchsetzungsfähiger ans Werk gingen. Der zweite Lead-Sound im Beispiel ist ja schön gezerrt, kommt aber längst nicht an das „HeavySynth“-Preset des DX-100 bzw. TX81Z heran. Das Casio-Keyboard, welches ich schon eher vermissen würde, wäre das SK-1, mit dem ich tatsächlich meine ersten Sample-Erfahrungen gemacht habe…

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    swissdoc  RED

    Was genau ist die erwähnte LowBudget Keyboard-Variante?
     
    Das mit dem DH200 und iPD halte ich für eine Verwechslung, die anderen Digital Horns wie DH100 oder DH500 haben einen einfache monophone, digitale Tonerzeugung (uPD78C11G) mit analogem VCA und VCF.
     
    Die Gitarrensynths PG300, PG310 und PG380 haben in der Tat ein VZ-Tonerzeugung drinnen, dort kann man sogar eigene Sounds ab RAM Karte abspielen. Der Unterschied zwischen den PG-Modellen besteht nur in der Gitarre, der Synth ist immer derselbe.

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