Green Box: Ensoniq TS-10 und TS-12 Digitalsynthesizer

23. Mai 2009

Wavesequencing durch Hyperwaves

Über den Ensoniq TS-10 bzw. TS-12 könnte man 10 bzw. 12 Testberichte verfassen und noch immer nur einen kleinen Bruchteil all ihrer Features durchleuchtet haben.

1993 als Nachfolger der Ensoniq VFX und SD-Synthesizer auf den Markt gekommen, unterscheiden sich beide Instrumente letztlich nur durch ihre Tastatur (und die damit zusammenhängenden Features): Während der TS-10 über 61 Keyboardtasten mit 9 Velocity-Kurven und polyphonem (!) Aftertouch verfügt, bietet der beachtlich große (und entsprechend schwere) TS-12 76 gewichtete Tasten mit „Hammermechanik“ (was auch immer das bei einem elektronischen Keyboard heißen mag), 14 Velocity-Kurven und einfachem Aftertouch.

Als kurzen, positiven Einstieg in die Welt vieler Synthesizer eignen sich die Erfahrungsberichte von Julian Colbeck bestens. Sein Resümee zu Ensoniq TS-10/12 lautet wie folgt:

“Flexibility is the name of the TS-10’s [TS-12’s] game. This is not just another Ensoniq VFX clone; it is an expandable, adaptable, workstation combining powerful synthesis, sampling and sequencing in an easy-to-upgrade package.” (Julian Colbeck: Keyfax 4, 1993)

Dass TS-10/12 enorm leistungsfähige Synthesizer / Workstations sein müssen, wird schon beim Durchblättern der Bedienungsanleitung klar ersichtlich. Mit 400 (!) Seiten ist das Haupt-Manual einem Telefonbuch ähnlicher denn einer Gebrauchsanweisung.

Ein Teil des mitgelieferten Materials

Und … es gibt „einige“ solcher Bücher / Manuals / Appendixe etc, die man mit dem TS-10/12 geliefert bekommt. Das Gute daran ist, dass derjenige, der eine Abneigung gegen „zu viel“ Information hat, dank der logischen Benutzerführung der Instrumente auf die dicken Bücher nicht unbedingt angewiesen ist. Derjenige aber, der etwas weiter hinter die Kulissen blicken möchte, bekommt mit den Manuals exzellent geschriebene Nachschlagewerke, die beim Erarbeiten der enorm leistungsfähigen Synthesizer / Workstations TS-10/12 tatsächlich sehr hilfreich sind.

Der Ensoniq TS-12 in voller Breite

Peripherie Ensoniq TS-10 / TS-12

Wir beginnen diesmal „von außen“. Das, was den Synthesizer / die Workstation umgibt, sagt ja oftmals schon sehr viel über die Firma, den Service, das betreffende Produkt und letztlich auch über das Potenzial des Instrumentes aus.

Von zuvor genannten dicken Manuals und Reference Guides weitergehend, sind TS-10/12 meist mit einer ansehnlichen Sound-Library erhältlich. Zwar erscheinen Floppy Disks im frühen 21. Jahrhundert ein wenig antiquiert, doch so lange das Einlesen neuer Daten mittels Disc Drive gut funktioniert, ist dem nichts entgegen zu halten. Alle Sounds der ENSONIQ Library der Sampler EPS, EPS-16 Plus sowie ASR-10 können direkt in TS-10/12 eingelesen werden. Somit hat man – Stand 1993 – Zugang „zur größten Sample Library überhaupt“. Das Zitat entstammt natürlich dem TS-12 Handbuch – ein wenig Eigenlob und Image-Pflege gehört wohl zum nötigen Corporate Behavioureines Unternehmens …

Die Anschlüsse inkl. SCSI des TS-12

Fortschrittlichere (und leistungsfähigere) Soundverwaltung erfolgt über den SCSI-Port von TS-10/12 (sofern vorhanden). Dann erhält man im Bundle meist auch gleich ein externes CD-ROM Laufwerk und entsprechende CD-ROMs dazu.

Das spezielle SW-10 Doppel-Pedal von Ensoniq sei noch erwähnt. Es war anno 1993 als Zubehör erhältlich. Beide Pedale können frei programmiert und für eine Vielzahl von Performance-Funktionen verwendet werden. Das ist gerade bei so enorm leistungsfähigen Instrumenten wie TS-10/12 ein wichtiger Aspekt. Die Patch-Schalter (jene kleinen, unscheinbaren grauen Taster oberhalb der beiden Wheels) beispielsweise erlauben Variationen zu jedem (!) Preset. Das dürfte Ensoniq-Fans von früheren Instrumenten her bereits bekannt sein. Konkret kann dies etwa bei einem Saxophon „Glide von unten“ bzw. „Flatterzunge“ bedeuten (in diesem Fall: unterschiedliche Spieltechniken des Blasinstruments) oder bei Streichern die Oktavierung des Klanges (in diesem Fall: neue Orchestrierung) bzw. unterschiedliche Platzierung im Panorama-Bild.

Diese Patches lassen sich nun on the fly während des Spiels mittels Fußtaster hinzuschalten (wobei beide Hände zum Spielen frei bleiben), was unglaublich ausdrucksstarke Soli ermöglicht. Auch Effekt-Modulationen und die Transportfunktionen des Sequenzers können mittels Pedal bedient werden. „Für die ultimative Fußsteuerung empfehlen wir zwei SW-10 Doppelfußschalter“ meint Ensoniq dazu.

Das mag nun übertrieben erscheinen, doch ganz so abwegig ist es nicht: Während z. B. Doppel-Pedal 1 für Klavier-Funktionen (Sustain und Sostenuto) zum Einsatz kommt, wird Doppel-Pedal 2 für Soundvariationen (zum Aktivieren von Patch 1/2) verwendet.

Soundspeicher-Erweiterung (Sample ROM – Standard SIMMs, von 2 MB auf 8 MB) sowie die SQX-70 Sequenzer-Erweiterung seinen als Hardware-Upgrade noch genannt.

Digitalsynthesizer TS-10 / TS-12

Damit zu den eigentlichen Instrumenten. Im Grunde sind TS-10/12 reine Computer. Das ist natürlich nicht neu und betrifft jeden Digitalsynthesizer seit 25 Jahren. Doch selten ist man sich dieser Sache so gegenwärtig wie beim Öffnen von TS-10 oder TS-12 (womit die Ensoniq-Garantie erlischt, doch spielt das keine Rolle, da das Unternehmen ohnehin nicht mehr existiert): Ein Meer an Platinen und Chips …

An dieser Stelle möchte ich großen Respekt für Ensoniq bzw. speziell für den hier vorgestellten Testkandidaten TS-12 aussprechen. Es ist erstaunlich, wie sehr man doch ein MUSIK-Instrument aus einem Computer erschaffen hat. Jeder Aspekt (Software wie Hardware) und beinahe jeder Arbeitsschritt scheint durchdacht und im Sinne des Spielers / Users angelegt zu sein. Selten hat man so sehr den Eindruck, dass ein möglichst perfekter Klang und die unmittelbare musikalische Umsetzung dessen derart im Mittelpunkt stehen wie beim TS-12 (und – wie ich annehme – auch beim TS-10). Von dieser globalen Betrachtung des „Computers“ TS-10/12 ausgehend.

Die technischen Daten der TS-Synthesizer

  • 32 Stimmen (was – zugegeben – heute nicht mehr ganz zeitgemäß ist)
  • General MIDI (wer es braucht …)
  • 300 Programs und 300 Performance Presets
  • Jedes Programbesteht aus 6 unterschiedlichen Klangquellen
  • Jedes Presetbesteht aus bis zu 3 Sounds
  • Patch-Select Taster (die Variationen innerhalb jedes Presets anbieten)
  • 6 MB Sample RAM, 2 bis 8 MB Sample ROM, weitere Sampled Sounds (nur über Discs, SCSI)
  • 254 Wellenformen
  • TransWaves und HyperWaves (bewegliche, dynamische Wavetables)
  • Split und Layer in allen Varianten möglich
  • Dynamischer 24-Bit Effektprozessor (= Ensoniq DP-4!)
  • Umfangreiche Synthesizer-Einheit mit Filter, Envelopes, LFOs, etc.
  • 13 Modulationsquellen
  • 33 „Scales“ – Stimmungssysteme (u.a. pythagoräische Stimmung, Arabic, Java, Indian, Chinese, 53-Ton-Skala, etc.)
  • Ausgereifter 24-Spur Sequenzer
  • Komplette Panorama-Steuerung des Audio-Materials
  • 61 Keyboard-Tasten mit polyphonem Aftertouch (TS-10) bzw. 76 Klavier-Tasten mit Channel Aftertouch (über MIDI) beim TS-12
  • Anschlagdynamik mit 9 (TS-10) bzw. 14 Velocity-Kurven (TS-12)
  • 2 Wheels, 1 Data Slider (frei zuweisbar)
  • 80-Zeichen fluoreszierendes Display (immer gut lesbar!)
  • Floppy Disc
  • Anschlüsse: Phones, 2x Stereo-Outputs, 2x Foot-Switch, Pedal CV, Midi In/Out/Thru, SCSI (optional)

Das sehr gut lesbare, leuchtende Display der TS-Synthesizer

Besonderheiten

Statt jedes Feature im Detail zu betrachten (was – wie gesagt – auch in 10 oder 12 Testberichten nicht gelingen wird), möchte ich wichtige und besondere Aspekte des TS-10/12 hervorheben.

Die Klang der Ensoniq TS-Synthesizer

Entscheidend ist natürlich in erster Linie der Sound. Nun, anno 2009 hat man günstigen Zugang zu hochwertigsten Soundlibraries, die viele Samples von 1993 ohne Mühe in den Schatten stellen. Das ist ganz klar und unbestritten. Dennoch wirken TS-10/12 keineswegs antiquiert. Es ist vor allem die Programmierung der Sounds, die hierbei entscheidet.

 

Neben einigen sehr exzellenten Samples ist es vor allem die detaillierte und ausgefuchste Anpassung der Klänge, die absolut überzeugt. Zwar sind nicht alle Presets „der Knaller“, doch wenn man schon „einige Dutzend“ extrem gute Performance-Sounds und beinahe perfekt adaptierte Samples vorfindet ist das – früher wie heute – eigentlich eine Auszeichnung für jedes Instrument. Ein wesentlicher Bestandteil des guten Klanges ist sicherlich auch die Effekte dieser Workstation.

Effektabteilung

Ich hatte das Ensoniq DP-4 für einige Jahre im Einsatz. Hervorragende Hardware und äußerst interessante Modulationseffekte – ein gelungenes Produkt! Nun, diese Effektmaschine bekommt man auch im TS-10/12. Die Effekteinstellungen sind dabei fester Bestandteil jedes Presets. Und man möchte sie nicht missen, denn sie sind in fast allen Fällen eine echte Bereicherung für den Klang bzw. für das, was der Klang ausdrücken soll.

Ob Flying Stereo-Delays oder schöne Hall-Räume – die Qualität ist hervorragend. (Wobei man auch hier ein Produkt von 1993 nicht mit Standards von 2009 vergleichen darf. Viele – teils gar kostenlose – Plug-ins werden heute Effekte in gleicher oder wohl noch deutlich besserer Qualität liefern). Doch selbst wenn dem so ist: Vergleiche spielen keine große Rolle, denn es ist die Gesamtheit, die einen Ensoniq TS-10/12 zu dem „Musikinstrument“ macht, das es präsentiert.

Hammer-Tastatur des TS-12

Ausdrucksstärke über die Tastatur

Es gibt Maus-Schubser und Tasten-Freaks. Maus-Schubser erledigen alles am Computer und nützen Keyboards ausschließlich als Klangquelle. Tasten-Freaks bekommen schon bei der akustischen Wahrnehmung des Wortes „MIDI“ unangenehme Stresszustände und bevorzugen meist die unmittelbare Umsetzung ihrer Ideen direkt am Instrument. Und es gibt jene die – mit welchem Schwerpunkt auch immer – beide Welten (MIDI und Live-Performance) miteinander kombinieren.

Für Tasten-Freaks sind TS-10/12 in höchstem Maße zu empfehlen. Während der TS-10 die besondere Möglichkeit des polyphonen Aftertouch bietet (was wirklich grandiose musikalische Ausdrucksmöglichkeiten mit sich bringt), verfügt der TS-12 über eine angenehm gewichtete Klaviertastatur. 14 Velocity-Kurven sind verfügbar, wobei die Kurven 1-6 (Piano) und 7-12 (Synth) grundsätzlich identisch sind.

Der einzige Unterschied zwischen „Piano“ und „Synth“ besteht darin, dass bei den Piano-Einstellungen ein sehr leichtes Drücken der Tasten wirklich keinen (!) Sound antriggert – völlige Stille also. Das ist dem realen Klavier nachempfunden, denn zu leichtes Drücken gibt den Hammer nicht genügend Schwung, derselbige also den Weg zur Saite nicht schafft und folglich kein Ton entsteht. Die Synth-Einstellungen hingegen erzeugen – wie Elektroniker es gewöhnt sind – auch bei geringsten Velocity-Werten einen Klang.

Die Kurven 13 und 14 schließlich erzeugen fest eingestellte Anschlagswerte. Kurve 13 = Value 64 (50% Velocity), Kurve 14 = Value 127 und somit 100% Velocity. Diese Einstellungen werden unter anderem für Drum-Sounds und für die Nachahmung analoger Synthesizer-Klänge verwendet.

Die Velocity-Kurven der Piano-Einstellung sind übrigens wirklich exzellent (und – zusammenhängend mit der gewichteten Tastatur – nur beim TS-12 zu finden). Sie bieten die einzigartige Möglichkeit, rhythmische Variationen im fortlaufenden Spiel umzusetzen, in dem man bestimmte Noten einfach „leiser“ anschlägt (was keinen Ton zur Folge hat). Müsste man die „ausgelassenen“ Töne bereits im Spiel (Fingertechnik) weglassen, wäre das sehr aufwendig und in vielen Fällen auch deutlich zu mühsam. Während die hier genannten Piano-Einstellungen natürlich in erster Linie für Klavier-Sounds gedacht waren, ist es jedoch ebenso reizvoll, Synthesizer-Klänge aller Genres mit dieser Velocity-Technik anzuspielen. Gerade das schafft neue Klangbilder und Ausdrucksmöglichkeiten / Spielweisen, die man sonst am Synthesizer nicht geboten bekommt.

Eine sehr eigenartige „akustische“ Macke der TS-12 Tastatur sei aber nicht verschwiegen: Sie quietscht! Genau genommen sind es nur die weißen Tasten, die quietschen (und die auch ab und zu abbrechen, so jedenfalls zu lesen). Optimisten können nun sagen: „Wunderbar – Musik ohne Strom, denn die Tastatur selbst macht genug Geräusche um ein eigenständiges Instrument zu sein“, Pessimisten werden hingegen das Quietschen lästig finden. Meine Lösung ist das Spielen mit Kopfhörern, wobei sich Tastengeräusche nicht störend bemerkbar machen. Das Feelingder TS-12 Tastatur – sprich: die in der Literatur so gerne zitierte Hammermechanik – ist jedenfalls ausgezeichnet!

Bedienpanel der TS-Synthesizer

Stacken – das Schichten von Sounds

EIN Beispiel, was am TS-10/12 so wunderbar einfach und unkompliziert umgesetzt wurde: Das Überlagern zweier Klänge. Man wählt einen beliebigen Klang aus, macht einen „Doppelklick“ auf einen beliebigen anderen Sound und voilà – schon sind beide überlagert. Viel einfacher und intuitiver geht es wohl kaum …

Data Slider

Ein weiteres Beispiel. Der Data-Slider lässt sich einem bestimmten Klangparameter fest zuordnen. So kann er z.B. fix einfach für Filter-Frequency stehen. Jeder neu aufgerufenen Sound lässt sich nun direkt – ohne in den Programmier-Bereich zu wechseln – in seiner Filter-Frequency ändern. Idealerweise gäbe es nun mehrere dieser zuweisbaren Slider (wie etwa beim GeneralMusic S2/S3), doch ok – man ist auch schon so zufrieden.

Globale Parameter für schnelle Klangänderungen

Noch EIN Beispiel. Man könnte es „Makros“ nennen oder „Globals“, Ensoniq bezeichnet sie mit „Track Parameters“. Abseits der Möglichkeit, jeden Sound in seiner kleinsten Parzelle zu bearbeiten, bieten TS-10/12 globale Programmier-Seiten. Kurz gesagt: Die wichtigsten Dinge im schnellen Zugriff. Das wären z.B. Mix/Pan, Attack/Release oder Brightness/Timbre. EINMAL drücken, und schon kann man für jeden aktiven Sound Panorama, Attack, Brightness (= Filter Frequency), etc. einstellen. Mehr braucht es ja oft gar nicht, um die vorgegebenen Klänge an die eigenen musikalischen Ideen anzupassen.

Oktave mit 53 Tönen gefällig?

Ein allerletztes Beispiel: Manche der unzähligen „Stimmungen“, die Ensoniqs TS-10/12 anbieten, sind geradezu unwiderstehlich interessant. Von historischen Stimmungen (antikes Griechenland bis Mittelalter, Werckmeister zur Zeit Bachs, u.a.), asiatischen Tonsystemen aller Schattierungen, invertierter Tastatur (Joe Zawinul lässt grüßen) und Wendy Carlos Beta-/Gamma-Skala abgesehen, sind es vor allem die 24- / 19- / 31- und 53-Ton-Skalen, die „Experimentiere und erforsche mich!“ auszurufen scheinen. 24 Töne innerhalb einer Oktave ist ja fast noch „Standard“ und vielen als „Vierteltöne“ ein Begriff. Die 53-Ton-Skala hingegen teilt eine komplette Oktave zwischen C2 und F6 auf (so beschrieben im Manual). Das „Tonmaterial“ einer Oktave wird also auf 4 1/2 Keyboard-Oktaven verteilt (was Sechzehntel-Töne bzw. sogar noch kleinere Tonschritte ergibt). Derartig ungewöhnliche „tonale“ Möglichkeiten sind für experimentelle Zwecke hervorragend geeignet und suchen in der Synthesizer-/Keyboard-Landschaft wohl ihresgleichen …

Speicherstruktur der TS-Synthesizer

Die eierlegende Wollmilch… – wie ?

Es gibt ein paar Dinge, die man zu Ensoniq TS-10/12 noch wissen sollte. Dinge, die aufzeigen, dass auch diese Instrumente nicht aus dem Schlaraffenland kommen und dort auch nie landen werden. Fangen wir mit der Firma an. Ensoniq gibt es seit 10 Jahren nicht mehr. Keine gute Nachricht. Damit ist auch der Bereich „Service“ ein bisschen mit Fragezeichen versehen. Die gute Nachricht ist, dass TS-10/12 extrem zuverlässige Instrumente sind. Viele Erstkäufer haben noch heute ihren TS-12 und hatten – bis auf den Wechsel der Speicherbatterie – kaum Wartungsarbeiten vorzunehmen. Die Frage ist natürlich immer, wie viel ein Instrument zum Einsatz kam bzw. ob es als Studio- oder Bühnen-Instrument verwendet wurde/wird.

Ein sehr positiver Aspekt: Das Ensoniq-Display ist – so „eigen“ es auch sein mag – heute noch so gut zu lesen wie am ersten Tag. Man blicke in die Runde der Akai S-Sampler, der Korg Wavestations, Yamaha SY-77/99, etc. aus jener Zeit – fast alle der großartigen Displayfolien sind aufgebraucht/dunkel und müssen – sofern überhaupt erhältlich bzw. möglich – teils extrem aufwendig bzw. umständlich ausgetauscht werden. Die 80-Zeichen Ensoniq-Displays wirken im Vergleich zwar etwas altbacken, doch sie funktionieren exzellent und zeigen praktisch kaum Alterserscheinungen.

High Noon: TS-12 steht Elka Synthex gegenüber

Das Diskettenlaufwerk könnte bei TS-10/12 natürlich früher oder später zum Problem werden (sei es wegen mechanischer Verschleißerscheinungen der Disc Driveselbst oder wegen fehlerhafter Disketten, die unaufgefordert ihre Daten verlieren und neu formatiert werden müssen). Da ist die anfangs genannte SCSI-Erweiterung sehr wünschenswert (und evtl. ein mögliches Kriterium bei der Suche nach einem TS-10/12).

Der TS-12 ist extrem (!) schwer (ca. 30 kg). Das macht eine Lagerung nicht wirklich einfach. Umso mehr, als das Instrument auf den Seiten abgerundet ist. Sieht zwar schön aus, doch einmal auf den Boden gestellt, wippt der TS-12 wie ein Pendel hin und her. Nicht sehr ideal.

Der Ensoniq TS-10 on YouTube

Fazit

Abschließend nur ein Wort zum hier vorgestellten TS-12 und zu den Soundfiles. Robert Wittek (synthesizer.at), ein genialer Elektroniker / Keyboarder und guter Freund aus Wien hat mir den TS-12 empfohlen. Ich bin um diesen Rat sehr dankbar. Nicht nur, weil besagtes Keyboard aktuell relativ günstig erworben werden kann. Auch, weil mir schon seit langem kein solch geniales „Musikinstrument“ mehr untergekommen ist. Dabei spreche ich aus der Sicht des Tasten-Freaks, der vor allem direkt am Instrument Musik macht. Für Klang-Tüftler und Extrem-Elektroniker kommen die meisten S+S (Sample+Synthesis) Instrumente bzw. Workstations wohl ohnehin nicht wirklich ernsthaft in Frage. Schließlich liegt der Schwerpunkt von TS-10/12 auch eindeutig im Performance-Bereich.

Aus diesem Grund wurden alle angefügten Klangbeispiele ausschließlich live eingespielt, nur über die Tastatur des TS-12. Sie sollen zeigen wie ausdrucksstark eine gelungene Symbiose von hochwertigem Klangmaterial mit durchdachter Hardware sein kann. Natürlich präsentieren die Soundfiles trotzdem nur einen Bruchteil des Potenzials, das in Ensoniqs TS-10/12 steckt. Alle Effekte sind übrigens „intern“ und immer Bestandteil des jeweiligen Sounds. Einzig beim zweitem Klavier-Soundfile wurde der Bass extern mittels EQ angehoben, was – als Gegenüberstellung zum vorangegangenen Beispiel – zu einem besseren Klangbild geführt hat.

Plus

  • musikalischer Ausdruck
  • sehr gute und benutzerfreundliche Hardware
  • sehr umfangreiches Klangpotenzial
  • TS-10: polyphoner Aftertouch
  • TS-12: Piano-Kurven bei Velocity

Minus

  • Ensoniq 'out of business' - Service nicht gesichert
  • Filter ohne Resonanz
  • TS-12: Tastatur quietscht

Preis

  • ca. 400-700 Euro (TS-12, nur gebraucht erhältlich)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Guter Test. Ich habe auch einen 12er und kann die angesprochenen Punkte nur unterstützen: schwer, klingt prima, quietscht. Kurz für mich ein typischer Amerikaner, viele gute Ideen, teilweise lausige Umsetzung. Bei zwei Dingen bin ich anderer Meinung. Spiel mal das Instrument, während noch jemand im Zimmer ist mit Kopfhörer, der schlachtet dich. Das DP4 hatte ich auch mal und fand es furchtbar, 3 LEDs zur Aussteuerung waren da das geringste Problem. Der Klang war OK, die Programmierung hat mir überhaupt nicht gefallen. Zu den Sounds ist zu sagen: ich hörte vor sagen wir 4 Jahren nochmal einen EPS Sampler. Da waren auf einer 800k Disk die Samples von einer Nylongitarre UND die Sequenz dazu. Das klang super. Ich denke gleichzeitig daran, dass eine Terabyteplatte (mehr als eine Million mal grösser) heute für ernstes Musikmachen gerade mal ausreicht, wenn die Drumlib schon ein Drittel wegfrisst… Also die haben einen gnadenlosen Job gemacht, ich spiele ihn heute noch gern, versuche aber nicht gross zu editieren, die Tastatur ist eine Fatar meines Wissens (ziemlich sicher), vielleicht tausche ich da mal.

    • Profilbild
      Bloderer  AHU

      … ja, das ist richtig. Das Spielen mit Kopfhörern wurde hier ausschließlich für den „Spielenden“ empfohlen, der dann einen (einigermaßen) reinen Ensoniq-Klanggenuss bekommt. Weitere, anwesende Zuhörer werden durch das bloße Quietschen der TS-12 Tasten mit großer Wahrscheinlichkeit verrückt … (was zwar eventuell beabsichtigt sein kann, aber davon gehen wir nicht aus … (o:).

  2. Profilbild
    Sebastian B.

    Ich hatte dieses Keyboard und warne bei Gebrauchtkäufen vor der (wichtigsten) internen Waveform, der Sawtooth!!
    Sie ist ein so schlechtes Multisample (man hört Sample-Sprünge; klingt in unteren Oktavlagen nach „Gummiband“; unterschiedl. Frequenzen; u.ä.). Überhaubt nicht zu vergleichen mit der (wertigen) Saw eines ESQ1 !!
    Nur aus diesem Grund hatte ich das ansonsten gut klingende Gerät verkauft.
    Wer ihn kauft, muss damit rechnen, dass typisch programmierte Analog-Klänge mit Saw-Waves nicht nur besonders in Basslagen wirklich nach Billig-Sampler-Input klingen.

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