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Green Box: Kawai K5, K5m


Additiver Synth

MIDI

Die MIDI-Implementation ist gut, neben dem üblichen beherrscht der K5 Release-Velocity. Sämtliche Parameteränderungen können als SysEx-Daten gesendet und empfangen werden, und zwar in Echtzeit ohne Unterbrechung gehaltener Noten. Im Single-Mode funktioniert es recht gut, solange man es nicht übertreibt mit der Datenmenge. Dass es überhaupt geht, ist den Konstrukteuren hoch anzurechnen – die meisten Synthesizer der 80er kommen dabei ins Stottern. Im Multimode könnte es auch möglich sein, wenn man herausfindet wie die Part-Adressierung läuft … da überlasse ich anderen SysEx-perten noch etwas Forschungsarbeit. Single- und Multi-Patches können natürlich via Dump an den PC geschickt und dort gesichert werden.

Bei Controllern sieht es etwas sparsam aus, nur Aftertouch, Wheel und Foot Pedal stehen als zuweisbare zur Verfügung, die letzten beiden mit den Zielen Vibratointensität, Cutoff, Slope und DHG (Höhendämpfung). Fest zugeordnet sind Pitchbend, Portamento, Expression, Volume und Hold, Pitchbend-Range und Tuning. Da wünscht man sich doch etwas mehr, aber in den 80ern hat noch keiner an Controller-Breitseiten gedacht, wie sie heutzutage z.B. im Technobereich abgefeuert werden. Immerhin kann man mit Aftertouch die meisten wichtigen Parameter erreichen, und zusammen mit Wheel/Foot-Controller und etwas SysEx kann durchaus abwechslungsreiche Modulations-Achterbahnfahrten starten.

Editor-Software gibt es z.B. von SoundQuest, ein Freeware-Librarian ist auf der Kfuenf-Page zu finden.

Kawai K5 1

 

K5 und K5000 im Vergleich

K5:

  • Alle Parameter können via SysEx in Echtzeit gesendet und empfangen werden.
  • Man kann beide Sources gemeinsam editieren.
  • bessere Macros im DHG
  • einfacheres DHG-Envelope-Management
  • Jede DHG-Envelope besitzt einen LFO, wenn auch einen abgespeckten.
  • mehr Mute/Bypassfunktionen
  • additiv arbeitendes Subtraktiv-Filter mit sehr speziellem Klang

K5000:

  • Realtime-Controller für viele Parameter, SysEx ist nicht bei allen in Echtzeit möglich.
  • bis zu 32 Stimmen, bei 2 Sources aber auch nur 16
  • bis zu 6 Sources
  • zusätzlich ROM-Samples, Rauschen
  • Effekte
  • separate Hüllkurve für jeden Oberton mit Loop-Funktion
  • weiterentwickeltes Formant-Filter mit 128 Bändern für jede Source, modulierbar
  • Amplituden/Ringmodulation mit 2 Sources

Für den K5 spricht also hauptsächlich die Bedienbarkeit, für den K5000 die Ausstattung. Aber nicht alle guten Ideen sind übernommen worden. Als Besitzer des letzteren habe ich im Laufe des Tests so manches Feature des ersteren schätzen gelernt!

Bei Effekten ist man beim K5 auf externes Equipment angewiesen, aber da er vier Einzelausgänge hat, lassen sich auch im Multimode komplexe und vor allem zeitgemäße Klangveredelungen durchführen.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Schorsch

    Exzellenter Bericht, vielen Dank dafür! Hatte mal einen K5 vor etlichen Jahren, kann mich an den Sound noch gut erinnern. Die Möglichkeiten (klanglich als auch von der Ausstattung her) haben mich damals fasziniert. Hatte aber noch nicht so viele Klangerzeuger und brauchte eher was universelles, also habe ich ihn wieder verkauft. Ist wirklich sehr speziell, aber man kann einiges aus ihm herausholen. Übrigens, wenn man mit gedrücktem Haltepedal die Tastatur einmal komplett durchrutscht, kann man am Ende entspannt einen Kaffee trinken, bevor der K5 die letzten Töne spielt… ;)

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Ja, der Prozessor ist ein wenig leistungsschwach. Aber berücksichtigt man das Baujahr, finde ich schon erstaunlich, was die Kawaianer da rausgeholt haben – es werden immerhin 16×126=2016 Sinustöne generiert…! Plus Hüllkurven, LFOs etc.

  2. Profilbild
    FischerZ

    Mich wundert warum noch kein Hersteller den K5000 als VST-Plugin veröffentlicht hat

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hm, eventuell patentrechtliche Gründe… aber die vorhandenen additiven Software-Synths haben durchaus die eine oder andere Idee übernommen, zB das Formantfilter.
      Und so richtig populär ist additive Synthese nie geworden, trotz der beinahe-Omnipotenz. Ist halt sehr arbeitsintensiv und Sounds „from scratch“ erstellen führt nicht zu schnellen Ergebnissen wie bei virtuell-analog oä.
      Man braucht gute Templates oder eine Resynthesefunktion wie in Vertigo oder Cameleon, dann erhält man prima Material mit ein paar Klicks.

  3. Profilbild
    DietmarB

    Nicht zu vergessen: Der Filter des K5. Einer der Besten Digitalen seinerzeit, kam später auch im K4 zum Einsatz.

    Das mit dem Backlight ist eine Macke am Netzteil, da bekommt einer der Spannungsregler, der den Inverter versorgt nimmer richtig Kontakt zum Kühlkörper (ist schon wieder so ewig her wo ich das Ding hatte, daher aus dem Gedächtnis), ließ sich einfach beheben. Das Netzteil ist, wie zu dieser Zeit noch üblich, konventionell längsgeregelt mit Trafo.

    Was dem Ding fehlte waren grafische Hüllkurven, aber trotzdem kann man da auch einiges mit anstellen. Habe damals eine Adaption für Sounddiver gebaut dafür, die dann zum Lieferumfang der Software gehörte.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hat der K4 nicht ein „normales“ Digitalfilter? Das des K5 ist ja ganz anders und funktioniert additiv, wobei man versucht hat, eine normale Parametrisierung nachzubilden (was erfreulicherweise nicht so ganz gelungen ist).

      Der Inverter selbst war bei meinem Testgerät hinüber, fiel immer nach ein paar Minuten aus. Aber Ersatz ist nicht so schwierig, man muß nur wie gesagt einen mit 5V-Versorgung finden.

      • Profilbild
        DietmarB

        Apropos Backlight: Das Gefrickel kann man sich sparen, den Inverter auch, denn der K5 verwendet mehr oder weniger das gleiche Display wie SY77/99, TG77 und auch der K5000(!) bzw die Sampler aus der EIV-Familie von Emu: 240*64 mit Controller T6961 /6963. Da hats eine Menge Austauschtypen auf dem Markt, entweder als OLED oder auch mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Ich hab meinem SY99 gerade ein blaues LED-Display verpaßt, das hat den neueren T6963 Controller, während auf dem Original ein 6961 sitzt. Zum K5 würde ein rotes OLED gut passen.
        Was da für ein Prozessor drinsteckt, weiß ich garnimmer genau, irgendwas von Intel jedenfalls, soviel ist sicher, diese Dinger mag ich nicht disassemblieren :)

        • Profilbild
          nightflyer3x

          Lese gerade, daß Du Deinen SY-99 mit einem neuen blauen Display ausgestattet hast. Was hast Du für ein Display benutzt? Meines ist durchaus auch reif für ein Neues. Muß ich dazu noch andere Teile ändern, oder funktioniert das einfach per Tausch.
          Habe auch gelesen man kann die Leuchtfolie tauschen, was mir aber zu frickelig erscheint.
          Für eine Antwort wäre ich dankbar.
          Viele Grüße

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Guter Test, besonders gefallen hat mir der Tip zu den Modifikationen. Dass der Prozessor bei 15-facher Multitimbralität in die Knie geht, wundert mich nicht, damals war 8-fach das Mass aller Dinge und das ohne die aufwendige Synthese dahinter.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja man übersieht leicht, daß die Leistung der Prozessoren seitdem etwa um den Faktor 1000 gewachsen ist. Mit den damaligen Chips würde man heutzutage nicht mal mehr eine Espressomaschine bauen ;-)

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