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Green Box: Kawai K5, K5m


Additiver Synth

Die technischen Schwachstellen

20 Jahre sind eine lange Zeit, auch für Elektronik. Daher wird man meistens nicht darum herumkommen, bei Erwerb eines K5 ein paar Wartungsarbeiten und/oder Reparaturen durchzuführen. Eine gute Gelegenheit, gleich ein paar andere Dinge mitzuerledigen, z.B. sind die Ausgänge zu leise und rauschen ziemlich stark. Anleitungen und Bezugsquellen siehe Linksammlung. Und immer schön den Stecker ziehen, die Netzsicherungen sind ungeschützt!

Das Innenleben des K5. Bei meinem Testgerät war einiges zu tun...

Das Innenleben des K5. Bei meinem Testgerät war einiges zu tun…

  1. die Platinen mit den Tastern
  2. die Platine mit dem Display
  3. der Inverter für die Stromversorgung des Displays (der hellgraue Klotz)
  4. der EPROM-Chip mit dem Betriebssystem
  5. die Speicherbatterie – auch sie hält nicht ewig …

Der K5 wurde mit verschiedenen Betriebssystemen ausgeliefert, zumindest v1.0 ist instabil bei SysEx-Übertragung. Es ist in einem gesockelten Chip (ein EPROM) untergebracht und lässt sich leicht austauschen. Die Versionsnummer wird beim Einschalten kurz angezeigt, für den K5 ist v1.3 und für den K5m v1.2 aktuell. Materialkosten: ca. 20 Euro.

Für die Speicherbatterie ist eventuell ein Austausch fällig, das Datum ist bei der Originalbatterie aufgedruckt. Ersatztypen kosten ca. 5 Euro. Nicht vergessen: Vorher die Sounds sichern!

Die Netzkabelbuchse hat ein seltenes Format. Falls das mitgelieferte Netzkabel verloren geht, lässt sie sich ohne großen Aufwand gegen eine normale Kaltgerätebuchse austauschen.

Die Pegel der Ausgänge sind etwas niedrig, sie lassen sich mit einer relativ einfachen Modifikation anheben. Dazu benötigt man einen Lötkolben und ein paar Widerstände aus dem Elektronikladen für ca. 1 Euro. Das verbessert auch den schlechten Rauschabstand.

Das Display wird im Lauf der Zeit dunkler, das liegt an der langsam dahinsiechenden Leuchtfolie (Backlight) dahinter. Die Reparatur ist etwas für versierte Bastler, besondere Kenntnisse sind aber nicht erforderlich. Dazu gibt es eine reichlich bebilderte Anleitung im Netz. Materialkosten: ca. 30 Euro. Wenn das Display gar nicht mehr leuchtet, dann kann der Inverter (anfälliges Spezialbauteil) für die Stromversorgung kaputt sein. Hört man ein leises Summen auf der rechten Seite des K5, ist er in Ordnung und nur das Backlight tot. Man muss kein Originalteil (angeblich 45 Euro) verwenden, bei Ersatztypen ist aber darauf zu achten, dass sie mit 5V Eingangsspannung arbeiten. Ich konnte einen für 5 Euro auftreiben, bei dem ich allerdings die Anschlüsse passend machen musste. Ein angenehmer Nebeneffekt: Es war kein Summen mehr zu hören.

Wenn die Taster nicht funktionieren, muss man die Kontakte reinigen. Das ist relativ simpel, aber mühsam und schmerzhaft für sensible Finger, wie ich am eigenen Leib erfahren musste. Was tut man nicht alles für einen Amazona-Artike l… ich betrachte es mal als Dienst an der Menschheit. Auf keinen Fall eine Zange benutzen, die Dinger sind sehr filigran!

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Schorsch

    Exzellenter Bericht, vielen Dank dafür! Hatte mal einen K5 vor etlichen Jahren, kann mich an den Sound noch gut erinnern. Die Möglichkeiten (klanglich als auch von der Ausstattung her) haben mich damals fasziniert. Hatte aber noch nicht so viele Klangerzeuger und brauchte eher was universelles, also habe ich ihn wieder verkauft. Ist wirklich sehr speziell, aber man kann einiges aus ihm herausholen. Übrigens, wenn man mit gedrücktem Haltepedal die Tastatur einmal komplett durchrutscht, kann man am Ende entspannt einen Kaffee trinken, bevor der K5 die letzten Töne spielt… ;)

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Ja, der Prozessor ist ein wenig leistungsschwach. Aber berücksichtigt man das Baujahr, finde ich schon erstaunlich, was die Kawaianer da rausgeholt haben – es werden immerhin 16×126=2016 Sinustöne generiert…! Plus Hüllkurven, LFOs etc.

  2. Profilbild
    FischerZ

    Mich wundert warum noch kein Hersteller den K5000 als VST-Plugin veröffentlicht hat

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hm, eventuell patentrechtliche Gründe… aber die vorhandenen additiven Software-Synths haben durchaus die eine oder andere Idee übernommen, zB das Formantfilter.
      Und so richtig populär ist additive Synthese nie geworden, trotz der beinahe-Omnipotenz. Ist halt sehr arbeitsintensiv und Sounds „from scratch“ erstellen führt nicht zu schnellen Ergebnissen wie bei virtuell-analog oä.
      Man braucht gute Templates oder eine Resynthesefunktion wie in Vertigo oder Cameleon, dann erhält man prima Material mit ein paar Klicks.

  3. Profilbild
    DietmarB ••

    Nicht zu vergessen: Der Filter des K5. Einer der Besten Digitalen seinerzeit, kam später auch im K4 zum Einsatz.

    Das mit dem Backlight ist eine Macke am Netzteil, da bekommt einer der Spannungsregler, der den Inverter versorgt nimmer richtig Kontakt zum Kühlkörper (ist schon wieder so ewig her wo ich das Ding hatte, daher aus dem Gedächtnis), ließ sich einfach beheben. Das Netzteil ist, wie zu dieser Zeit noch üblich, konventionell längsgeregelt mit Trafo.

    Was dem Ding fehlte waren grafische Hüllkurven, aber trotzdem kann man da auch einiges mit anstellen. Habe damals eine Adaption für Sounddiver gebaut dafür, die dann zum Lieferumfang der Software gehörte.

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      h.gerdes AHU

      Hat der K4 nicht ein „normales“ Digitalfilter? Das des K5 ist ja ganz anders und funktioniert additiv, wobei man versucht hat, eine normale Parametrisierung nachzubilden (was erfreulicherweise nicht so ganz gelungen ist).

      Der Inverter selbst war bei meinem Testgerät hinüber, fiel immer nach ein paar Minuten aus. Aber Ersatz ist nicht so schwierig, man muß nur wie gesagt einen mit 5V-Versorgung finden.

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        DietmarB ••

        Apropos Backlight: Das Gefrickel kann man sich sparen, den Inverter auch, denn der K5 verwendet mehr oder weniger das gleiche Display wie SY77/99, TG77 und auch der K5000(!) bzw die Sampler aus der EIV-Familie von Emu: 240*64 mit Controller T6961 /6963. Da hats eine Menge Austauschtypen auf dem Markt, entweder als OLED oder auch mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Ich hab meinem SY99 gerade ein blaues LED-Display verpaßt, das hat den neueren T6963 Controller, während auf dem Original ein 6961 sitzt. Zum K5 würde ein rotes OLED gut passen.
        Was da für ein Prozessor drinsteckt, weiß ich garnimmer genau, irgendwas von Intel jedenfalls, soviel ist sicher, diese Dinger mag ich nicht disassemblieren :)

        • Profilbild
          nightflyer3x

          Lese gerade, daß Du Deinen SY-99 mit einem neuen blauen Display ausgestattet hast. Was hast Du für ein Display benutzt? Meines ist durchaus auch reif für ein Neues. Muß ich dazu noch andere Teile ändern, oder funktioniert das einfach per Tausch.
          Habe auch gelesen man kann die Leuchtfolie tauschen, was mir aber zu frickelig erscheint.
          Für eine Antwort wäre ich dankbar.
          Viele Grüße

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Guter Test, besonders gefallen hat mir der Tip zu den Modifikationen. Dass der Prozessor bei 15-facher Multitimbralität in die Knie geht, wundert mich nicht, damals war 8-fach das Mass aller Dinge und das ohne die aufwendige Synthese dahinter.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja man übersieht leicht, daß die Leistung der Prozessoren seitdem etwa um den Faktor 1000 gewachsen ist. Mit den damaligen Chips würde man heutzutage nicht mal mehr eine Espressomaschine bauen ;-)

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