AMAZONA.de

Green Box: Kawai K5, K5m


Additiver Synth

Praktisch sind hier der Master-Modulation-Switch und die Modulation-Switches für jeden einzelnen Teilton. Mit dem Master werden die Envelopes, mit den anderen die Modulationen der Envelopes an- und abgeschaltet. Erstens kann man mit dem Master sämtliche Modulationen der Teiltöne abschalten und den DHG schnell mal eben in einen „nur-Wellenform-Generator-Modus“ schalten, ihn also wie einen normalen Oszillator verwenden. Zweitens kann man mit den einzelnen Switches eine Envelope unterschiedlich auf verschiedene Teiltöne einwirken lassen, z.B. abhängig von der Velocity oder eben nicht. Verwendet man das Key Scaling, kann sogar eine Modulation unterschiedlich auf verschiedene Teiltöne wirken. So wird die Einschränkung durch die geringe Zahl der Envelopes relativiert.

Kawai K5

Kawai K5

Für jeden Teilton sind also Pegel, Envelope-Zuordnung und Envelope-Modulation On/Off einstellbar. Und damit man nicht jeden von ihnen einzeln verarzten muss, gibt es Makro-Funktionen, man selektiert eine Gruppe von ihnen und editiert sie gemeinsam. Folgende Möglichkeiten gibt es neben der Einzelbehandlung:

Zuerst kann man einen Bereich an Teiltönen vorselektieren, wobei die folgenden 3 Einstellungen gleichzeitig wirksam sind:

  • SELECT: alle, die mit Pegel Null oder umgekehrt (angezeigt als ALL, DIE und LIVE…)
  • RANGE: eine Gruppe aufeinanderfolgender
  • ANGLE: Dadurch können die Pegel entweder der hohen oder der tiefen selektierten Teiltöne mehr beeinflusst werden. So kann man eine Höhen/Tiefen-Dämpfung einstellen.

Dann wechselt man zu einer der folgenden fünf Auswahlmöglichkeiten und ändert im selektierten Bereich die Parameter der entsprechenden Teiltöne. Folgende kann man erfassen:

  • ALL: alle
  • ODD: die ungeradzahligen
  • EVEN: die geradzahligen
  • OCT: die Oktaven
  • 5TH: die Quinten

Das alles wird auf einer Display-Seite übersichtlich grafisch dargestellt, und mit den Makros kann man sehr gezielt arbeiten, so dass eine Editorsoftware nicht nötig ist. Die Zuordnung der Envelopes wird durch Punkte unter den senkrechten Teilton-Pegel-Balken angezeigt, die Mods durch Punkte darüber und der Range durch einen waagerechten Balken am unteren Rand.

Die erste DHG-Page

Die erste DHG-Page

Die Obertöne sind gemäß der Naturtonreihe gestimmt, also harmonisch. Unharmonische Obertöne, wie man sie z.B. für Glockenklänge benötigt, kann man durch zwei gegeneinander verstimmte Sources erhalten. Eine andere Methode ist, die Sources extrem tief herunterzustimmen und nur die hohen Teiltöne zu verwenden bzw. nur Source 2 im Full-Modus. Bei Rauschen muss der K5 passen, das ist mit Bordmitteln nicht herstellbar.

< 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Schorsch

    Exzellenter Bericht, vielen Dank dafür! Hatte mal einen K5 vor etlichen Jahren, kann mich an den Sound noch gut erinnern. Die Möglichkeiten (klanglich als auch von der Ausstattung her) haben mich damals fasziniert. Hatte aber noch nicht so viele Klangerzeuger und brauchte eher was universelles, also habe ich ihn wieder verkauft. Ist wirklich sehr speziell, aber man kann einiges aus ihm herausholen. Übrigens, wenn man mit gedrücktem Haltepedal die Tastatur einmal komplett durchrutscht, kann man am Ende entspannt einen Kaffee trinken, bevor der K5 die letzten Töne spielt… ;)

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Ja, der Prozessor ist ein wenig leistungsschwach. Aber berücksichtigt man das Baujahr, finde ich schon erstaunlich, was die Kawaianer da rausgeholt haben – es werden immerhin 16×126=2016 Sinustöne generiert…! Plus Hüllkurven, LFOs etc.

  2. Profilbild
    FischerZ

    Mich wundert warum noch kein Hersteller den K5000 als VST-Plugin veröffentlicht hat

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hm, eventuell patentrechtliche Gründe… aber die vorhandenen additiven Software-Synths haben durchaus die eine oder andere Idee übernommen, zB das Formantfilter.
      Und so richtig populär ist additive Synthese nie geworden, trotz der beinahe-Omnipotenz. Ist halt sehr arbeitsintensiv und Sounds „from scratch“ erstellen führt nicht zu schnellen Ergebnissen wie bei virtuell-analog oä.
      Man braucht gute Templates oder eine Resynthesefunktion wie in Vertigo oder Cameleon, dann erhält man prima Material mit ein paar Klicks.

  3. Profilbild
    DietmarB ••

    Nicht zu vergessen: Der Filter des K5. Einer der Besten Digitalen seinerzeit, kam später auch im K4 zum Einsatz.

    Das mit dem Backlight ist eine Macke am Netzteil, da bekommt einer der Spannungsregler, der den Inverter versorgt nimmer richtig Kontakt zum Kühlkörper (ist schon wieder so ewig her wo ich das Ding hatte, daher aus dem Gedächtnis), ließ sich einfach beheben. Das Netzteil ist, wie zu dieser Zeit noch üblich, konventionell längsgeregelt mit Trafo.

    Was dem Ding fehlte waren grafische Hüllkurven, aber trotzdem kann man da auch einiges mit anstellen. Habe damals eine Adaption für Sounddiver gebaut dafür, die dann zum Lieferumfang der Software gehörte.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hat der K4 nicht ein „normales“ Digitalfilter? Das des K5 ist ja ganz anders und funktioniert additiv, wobei man versucht hat, eine normale Parametrisierung nachzubilden (was erfreulicherweise nicht so ganz gelungen ist).

      Der Inverter selbst war bei meinem Testgerät hinüber, fiel immer nach ein paar Minuten aus. Aber Ersatz ist nicht so schwierig, man muß nur wie gesagt einen mit 5V-Versorgung finden.

      • Profilbild
        DietmarB ••

        Apropos Backlight: Das Gefrickel kann man sich sparen, den Inverter auch, denn der K5 verwendet mehr oder weniger das gleiche Display wie SY77/99, TG77 und auch der K5000(!) bzw die Sampler aus der EIV-Familie von Emu: 240*64 mit Controller T6961 /6963. Da hats eine Menge Austauschtypen auf dem Markt, entweder als OLED oder auch mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Ich hab meinem SY99 gerade ein blaues LED-Display verpaßt, das hat den neueren T6963 Controller, während auf dem Original ein 6961 sitzt. Zum K5 würde ein rotes OLED gut passen.
        Was da für ein Prozessor drinsteckt, weiß ich garnimmer genau, irgendwas von Intel jedenfalls, soviel ist sicher, diese Dinger mag ich nicht disassemblieren :)

        • Profilbild
          nightflyer3x

          Lese gerade, daß Du Deinen SY-99 mit einem neuen blauen Display ausgestattet hast. Was hast Du für ein Display benutzt? Meines ist durchaus auch reif für ein Neues. Muß ich dazu noch andere Teile ändern, oder funktioniert das einfach per Tausch.
          Habe auch gelesen man kann die Leuchtfolie tauschen, was mir aber zu frickelig erscheint.
          Für eine Antwort wäre ich dankbar.
          Viele Grüße

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Guter Test, besonders gefallen hat mir der Tip zu den Modifikationen. Dass der Prozessor bei 15-facher Multitimbralität in die Knie geht, wundert mich nicht, damals war 8-fach das Mass aller Dinge und das ohne die aufwendige Synthese dahinter.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja man übersieht leicht, daß die Leistung der Prozessoren seitdem etwa um den Faktor 1000 gewachsen ist. Mit den damaligen Chips würde man heutzutage nicht mal mehr eine Espressomaschine bauen ;-)

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Green Box: Kawai K5, K5m

Bewertung: 4 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Hersteller-Report Kawai

AMAZONA.de Charts

Aktion