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Green Box: Kawai K5, K5m


Additiver Synth

Ein paar auf die schnelle fabrizierte Glöckchen aus der K5-Gießerei:

Bei dem Versuch, einen einfachen Sägezahn zu synthetisieren, musste ich feststellen, dass die Sinus-Teiltöne nicht exakt phasensynchronisiert sind, die Nulldurchgänge sind gegeneinander verschoben. Das ist ein wenig unschön, macht es doch eine Nachbildung klassischer Wellenformen unmöglich, dürfte aber zum speziellen Sound des K5 beitragen. Positiv gesehen: It’s not a bug but a feature …

Der Klang wird unsauber, wenn man es mit den Obertönen übertreibt. Das liegt in der Natur der Sache, die höchsten liegen weniger als einen Halbton auseinander und interferieren kräftig, außerdem ergeben sich bei polyphonem Spiel ebenfalls leicht Dissonanzen. Dazu verweise ich mal auf die Theorie der Stimmungssysteme. Und man muss natürlich darauf achten, die D/A-Wandler nicht zu überfordern (Aliasing). Eine Source umspannt im Twin-Modus sieben Oktaven, im Full-Modus kommt noch knapp eine Oktave durch die High-Source hinzu (aufgeteilt in 63 Teiltöne!).

Kawai K5 8

Man kann leicht ausrechnen, dass selbst in den unteren Lagen die hohen Teiltöne schnell über die Grenze rutschen. Beispiel: Bei einem A mit 220 Hz als Grundton liegt der höchste Oberton bei ca. 28 kHz. Wenn es also nicht mehr gut klingt, muss man die Pegel der hohen Teiltöne verringern und/oder sie etwas ausdünnen. Ich war allerdings überrascht, dass der K5 mühelos Frequenzen von 20 kHz ausgibt – beim K5000 ist knapp hinter 10 kHz Ende im Gelände! Wobei es sich mehr nach 12bit- als nach 16bit-Wandlern anhört (verlässliche Angaben konnte ich nicht finden), und etwa ab 14 kHz der Pegel geringer wird, die Höhen werden also gedämpft.

Mal sehen, was das Schiff aushält. Beide Triebwerke im Twin Mode, alle Teiltöne voller Schub, Warp 9 (die Sources lassen sich +/- vier Oktaven transponieren) – Mr. Data, beschleunigen!

Und das Sonogramm dazu:

Full Range: Der K5 gibt bis 22 kHz aus

Full Range: Der K5 gibt bis 22 kHz aus

Auf der zweiten Page wird der Einfluss von Velocity, Aftertouch, Key Scaling und LFO auf die Pegel der Hüllkurven geregelt, positiv oder negativ. Diese Modulationen wirken also nicht direkt auf die Teiltöne, wie man vermuten könnte. Dann finden sich hier noch On/Off-Switches für die Envelopes. Miit ihnen werden auch die zugeordneten Teiltöne an- und abgeschaltet.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Schorsch

    Exzellenter Bericht, vielen Dank dafür! Hatte mal einen K5 vor etlichen Jahren, kann mich an den Sound noch gut erinnern. Die Möglichkeiten (klanglich als auch von der Ausstattung her) haben mich damals fasziniert. Hatte aber noch nicht so viele Klangerzeuger und brauchte eher was universelles, also habe ich ihn wieder verkauft. Ist wirklich sehr speziell, aber man kann einiges aus ihm herausholen. Übrigens, wenn man mit gedrücktem Haltepedal die Tastatur einmal komplett durchrutscht, kann man am Ende entspannt einen Kaffee trinken, bevor der K5 die letzten Töne spielt… ;)

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      h.gerdes AHU

      Ja, der Prozessor ist ein wenig leistungsschwach. Aber berücksichtigt man das Baujahr, finde ich schon erstaunlich, was die Kawaianer da rausgeholt haben – es werden immerhin 16×126=2016 Sinustöne generiert…! Plus Hüllkurven, LFOs etc.

  2. Profilbild
    FischerZ

    Mich wundert warum noch kein Hersteller den K5000 als VST-Plugin veröffentlicht hat

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Hm, eventuell patentrechtliche Gründe… aber die vorhandenen additiven Software-Synths haben durchaus die eine oder andere Idee übernommen, zB das Formantfilter.
      Und so richtig populär ist additive Synthese nie geworden, trotz der beinahe-Omnipotenz. Ist halt sehr arbeitsintensiv und Sounds „from scratch“ erstellen führt nicht zu schnellen Ergebnissen wie bei virtuell-analog oä.
      Man braucht gute Templates oder eine Resynthesefunktion wie in Vertigo oder Cameleon, dann erhält man prima Material mit ein paar Klicks.

  3. Profilbild
    DietmarB ••

    Nicht zu vergessen: Der Filter des K5. Einer der Besten Digitalen seinerzeit, kam später auch im K4 zum Einsatz.

    Das mit dem Backlight ist eine Macke am Netzteil, da bekommt einer der Spannungsregler, der den Inverter versorgt nimmer richtig Kontakt zum Kühlkörper (ist schon wieder so ewig her wo ich das Ding hatte, daher aus dem Gedächtnis), ließ sich einfach beheben. Das Netzteil ist, wie zu dieser Zeit noch üblich, konventionell längsgeregelt mit Trafo.

    Was dem Ding fehlte waren grafische Hüllkurven, aber trotzdem kann man da auch einiges mit anstellen. Habe damals eine Adaption für Sounddiver gebaut dafür, die dann zum Lieferumfang der Software gehörte.

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      h.gerdes AHU

      Hat der K4 nicht ein „normales“ Digitalfilter? Das des K5 ist ja ganz anders und funktioniert additiv, wobei man versucht hat, eine normale Parametrisierung nachzubilden (was erfreulicherweise nicht so ganz gelungen ist).

      Der Inverter selbst war bei meinem Testgerät hinüber, fiel immer nach ein paar Minuten aus. Aber Ersatz ist nicht so schwierig, man muß nur wie gesagt einen mit 5V-Versorgung finden.

      • Profilbild
        DietmarB ••

        Apropos Backlight: Das Gefrickel kann man sich sparen, den Inverter auch, denn der K5 verwendet mehr oder weniger das gleiche Display wie SY77/99, TG77 und auch der K5000(!) bzw die Sampler aus der EIV-Familie von Emu: 240*64 mit Controller T6961 /6963. Da hats eine Menge Austauschtypen auf dem Markt, entweder als OLED oder auch mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Ich hab meinem SY99 gerade ein blaues LED-Display verpaßt, das hat den neueren T6963 Controller, während auf dem Original ein 6961 sitzt. Zum K5 würde ein rotes OLED gut passen.
        Was da für ein Prozessor drinsteckt, weiß ich garnimmer genau, irgendwas von Intel jedenfalls, soviel ist sicher, diese Dinger mag ich nicht disassemblieren :)

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          nightflyer3x

          Lese gerade, daß Du Deinen SY-99 mit einem neuen blauen Display ausgestattet hast. Was hast Du für ein Display benutzt? Meines ist durchaus auch reif für ein Neues. Muß ich dazu noch andere Teile ändern, oder funktioniert das einfach per Tausch.
          Habe auch gelesen man kann die Leuchtfolie tauschen, was mir aber zu frickelig erscheint.
          Für eine Antwort wäre ich dankbar.
          Viele Grüße

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Guter Test, besonders gefallen hat mir der Tip zu den Modifikationen. Dass der Prozessor bei 15-facher Multitimbralität in die Knie geht, wundert mich nicht, damals war 8-fach das Mass aller Dinge und das ohne die aufwendige Synthese dahinter.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja man übersieht leicht, daß die Leistung der Prozessoren seitdem etwa um den Faktor 1000 gewachsen ist. Mit den damaligen Chips würde man heutzutage nicht mal mehr eine Espressomaschine bauen ;-)

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