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Green Box: Kawai K5, K5m


Additiver Synth

 

Man kann also einzelne Bereiche des Spektrums isolieren oder ausfiltern – sehr nützlich beim Sounddesign! Und ein unerwartetes Feature: Hinter dem Parameter „Eff“ versteckt sich ein zusätzlicher LFO für jede DHG-Envelope, der ihren Pegel leicht modulieren kann, damit kann man etwas Leben in statische Sounds bringen. Allerdings ist nur die Geschwindigkeit regelbar. Kurze Demonstration, einmal unmoduliert, dann mit 4 DHG-ENV-LFOs auf die Teiltöne verteilt und zum Schluss einen für alle Teiltöne:

Auf der dritten Page sind die Parameter der vier DHG-Envelopes, zwar nicht grafisch dargestellt, aber alle zusammen in einer Tabelle. Mit Hilfe der „Shadow“-Funktion kann man sie gemeinsam editieren, die Werteänderungen werden dabei relativ ausgeführt. Ein Beispiel: Will man eine längere Attack-Phase, so ändert man mit Shadow=On die Rate 1 bei Envelope 1. Die Rates der folgenden Envelopes erhöhen sich nun um denselben Wert. Macht man dasselbe bei Envelope 2, ändern sich die Rates nur bei den folgenden, nicht aber bei Envelope1. Eine weitere gut durchdachte Makro-Funktion, man muss sie nur von Anfang an im Hinterkopf haben …

Die Teilton-Envelopes sind der wohl komplexeste Bereich der additiven Synthese. Dass es beim K5 nur vier pro DHG gibt, ist eher positiv zu werten. Man kann schnell und gezielt ausgetüftelte Modulationen des Spektrums programmieren, wenn man die Funktionen erst einmal verinnerlicht hat.

DDF, Digital Dynamic Filter

Hier erfolgt eine Filterung der vom DHG produzierten Teiltonkomplexe wie in der subtraktiven Synthese. Der Datenstrom bleibt jedoch additiv, es werden also weiterhin die Pegel der Teiltöne moduliert, im Gegensatz zum K5000, der ein herkömmliches Digitalfilter hat. Der Klang wird nicht durch Phasenverschiebungen der Obertöne gefärbt, was seinen sterilen, digitalen Charakter bewahrt – ob das nun besser oder schlechter klingt, ist Geschmackssache, eine Besonderheit ist es auf jeden Fall! Auch hier gibt es einen Mod-Switch, mit dem die Modulationen abgeschaltet werden können und einen Bypass-Switch für das Filter selbst.
Wie üblich hat es einen Cutoff-Parameter, und die Resonanz heißt hier Slope, damit wird aber nur die Flankensteilheit eingestellt. Anders als bei einem normalen Filter unterbleibt die Verstärkung an der Cutoff-Frequenz . Mit Flat kann von Tiefpass bis zu Bandpass gemorpht werden durch Absenkung der Teiltöne unterhalb des Slope-Buckels bis auf Null. Bei Maximalwert ist keine Resonanz hörbar, man muss also etwas umdenken beim Editieren.

Die Filter-Parameter

Die Filter-Parameter

Cutoff und/oder Slope können beide moduliert werden, damit dürfte der K5 der erste digitale Synth mit modulierbarer Resonanz bzw. Flankensteilheit sein. Dafür gibt es wieder eine Envelope und die anderen Modulationsquellen Velocity, Aftertouch, Key Scaling und LFO. Leider werden alle Modulationen zusammengemischt, bevor man sie auf die beiden verteilen kann, auch die Zuweisung eines Controllers (z.B. Wheel) auf der Basic-Page wird durch dieses Nadelöhr gezwängt. Will man Filter-Parameter unabhängig voneinander steuern, bleibt nur der Umweg über SysEx-Daten aus einem Sequenzerprogramm. Dann sind allerdings alle drei, also auch Flat, erreichbar.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Schorsch

    Exzellenter Bericht, vielen Dank dafür! Hatte mal einen K5 vor etlichen Jahren, kann mich an den Sound noch gut erinnern. Die Möglichkeiten (klanglich als auch von der Ausstattung her) haben mich damals fasziniert. Hatte aber noch nicht so viele Klangerzeuger und brauchte eher was universelles, also habe ich ihn wieder verkauft. Ist wirklich sehr speziell, aber man kann einiges aus ihm herausholen. Übrigens, wenn man mit gedrücktem Haltepedal die Tastatur einmal komplett durchrutscht, kann man am Ende entspannt einen Kaffee trinken, bevor der K5 die letzten Töne spielt… ;)

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      h.gerdes AHU

      Ja, der Prozessor ist ein wenig leistungsschwach. Aber berücksichtigt man das Baujahr, finde ich schon erstaunlich, was die Kawaianer da rausgeholt haben – es werden immerhin 16×126=2016 Sinustöne generiert…! Plus Hüllkurven, LFOs etc.

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    FischerZ

    Mich wundert warum noch kein Hersteller den K5000 als VST-Plugin veröffentlicht hat

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      h.gerdes AHU

      Hm, eventuell patentrechtliche Gründe… aber die vorhandenen additiven Software-Synths haben durchaus die eine oder andere Idee übernommen, zB das Formantfilter.
      Und so richtig populär ist additive Synthese nie geworden, trotz der beinahe-Omnipotenz. Ist halt sehr arbeitsintensiv und Sounds „from scratch“ erstellen führt nicht zu schnellen Ergebnissen wie bei virtuell-analog oä.
      Man braucht gute Templates oder eine Resynthesefunktion wie in Vertigo oder Cameleon, dann erhält man prima Material mit ein paar Klicks.

  3. Profilbild
    DietmarB

    Nicht zu vergessen: Der Filter des K5. Einer der Besten Digitalen seinerzeit, kam später auch im K4 zum Einsatz.

    Das mit dem Backlight ist eine Macke am Netzteil, da bekommt einer der Spannungsregler, der den Inverter versorgt nimmer richtig Kontakt zum Kühlkörper (ist schon wieder so ewig her wo ich das Ding hatte, daher aus dem Gedächtnis), ließ sich einfach beheben. Das Netzteil ist, wie zu dieser Zeit noch üblich, konventionell längsgeregelt mit Trafo.

    Was dem Ding fehlte waren grafische Hüllkurven, aber trotzdem kann man da auch einiges mit anstellen. Habe damals eine Adaption für Sounddiver gebaut dafür, die dann zum Lieferumfang der Software gehörte.

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      h.gerdes AHU

      Hat der K4 nicht ein „normales“ Digitalfilter? Das des K5 ist ja ganz anders und funktioniert additiv, wobei man versucht hat, eine normale Parametrisierung nachzubilden (was erfreulicherweise nicht so ganz gelungen ist).

      Der Inverter selbst war bei meinem Testgerät hinüber, fiel immer nach ein paar Minuten aus. Aber Ersatz ist nicht so schwierig, man muß nur wie gesagt einen mit 5V-Versorgung finden.

      • Profilbild
        DietmarB

        Apropos Backlight: Das Gefrickel kann man sich sparen, den Inverter auch, denn der K5 verwendet mehr oder weniger das gleiche Display wie SY77/99, TG77 und auch der K5000(!) bzw die Sampler aus der EIV-Familie von Emu: 240*64 mit Controller T6961 /6963. Da hats eine Menge Austauschtypen auf dem Markt, entweder als OLED oder auch mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Ich hab meinem SY99 gerade ein blaues LED-Display verpaßt, das hat den neueren T6963 Controller, während auf dem Original ein 6961 sitzt. Zum K5 würde ein rotes OLED gut passen.
        Was da für ein Prozessor drinsteckt, weiß ich garnimmer genau, irgendwas von Intel jedenfalls, soviel ist sicher, diese Dinger mag ich nicht disassemblieren :)

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          nightflyer3x

          Lese gerade, daß Du Deinen SY-99 mit einem neuen blauen Display ausgestattet hast. Was hast Du für ein Display benutzt? Meines ist durchaus auch reif für ein Neues. Muß ich dazu noch andere Teile ändern, oder funktioniert das einfach per Tausch.
          Habe auch gelesen man kann die Leuchtfolie tauschen, was mir aber zu frickelig erscheint.
          Für eine Antwort wäre ich dankbar.
          Viele Grüße

  4. Profilbild
    gaffer AHU

    Guter Test, besonders gefallen hat mir der Tip zu den Modifikationen. Dass der Prozessor bei 15-facher Multitimbralität in die Knie geht, wundert mich nicht, damals war 8-fach das Mass aller Dinge und das ohne die aufwendige Synthese dahinter.

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja man übersieht leicht, daß die Leistung der Prozessoren seitdem etwa um den Faktor 1000 gewachsen ist. Mit den damaligen Chips würde man heutzutage nicht mal mehr eine Espressomaschine bauen ;-)

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