Green Box: Korg Oasys PCI, PCI-Workstation

31. Mai 2008

Der Ursprung von Korg Prophecy, Z1 und Oasys

Der Ur-Oasys war eine PCI-Karte

2005 beglückte uns KORG mit der Korg Oasys Synthesizer-Workstation, die im vollen Umfang nicht nur mit 88 Tasten glänzte, sondern auch mit zahlreichen Synthese-Arten, Midi-Sequencing, Audi-Recording und und und….

Doch das Oasys-Konzeot selbst, war zu diesem Zeitpunkt bereits 6 Jahre alt. Bereits 1999 erschien eine PCI-Karte von Korg unter selbigen Namen. Und kurz darauf erfolgten sogar die ersten zwei Hardware-Ableger der neuen technologie: Der Korg Prophecy und wenig später der Korg Z1.

Die Karte erntete einst gute Reviews bei ihrem Erscheinen, wurde aber nie wirklich berühmt; dies dürfte – neben dem damals beginnenden Siegeszug der VST-Synthesizer – auch am hohen Preis von 4600 DM gelegen haben.

(Bescheiden) berühmt wurde die Karte später aber dann noch wegen ihrer Physical-Modeling-Fähigkeiten. Wir erinnern uns: Physical Modeling war die Syntheseneuheit der 90er, mittels simulierter Instrumentenbestandteile (etwa Saiten oder Resonanzkörper) wurden erstmalig reale Instrumente in mathematischer Form quasi eins zu eins abgebildet. Das Ergebnis waren Klänge, die gerade bei traditionell schwierig mit Synthesizern nachzubastelnden Instrumenten wie Bläsern durch enorme Ausdrucksstärke überzeugten, und Instrumente, die ebenso schön anzusehen – wie auch für Normalsterbliche unerschwinglich blieben.

Der Korg Z1

Die bald einsetzende Retroanalogwelle machte der kurzen Begeisterung für die neue Technologie bald ein Ende, und Schlachtschiffe wie Yamahas VP und VL oder Korgs Wavedrum blieben Luxusgüter für Sammler, zum gemütlichen Einstauben fürs Wohnzimmer. Auch wenn die Technologie dank einigen Ablegern – genannt sei der Yamahas VL 70 M – einigermaßen erschwinglich wurde, fanden lediglich Teile der Technologie in Form von simulierten virtuell-analogen im nennenswerten Maß Zuhörer, etwa bei den Electribe-Grooveboxen von Korg selber. Die Oasys PCI war – wie ihre Schwestern Prophecy oder Z1 – damals an vorderster Front dieser Technik und darf sich mittlerweile, dank der Arbeit von Drittanbietern, als ihr Maß betrachten – von Bongo über Ebass zum Altaxophon gibt es nichts, was die Karte nicht simuliert, da kommt nicht mal der Modularsynthesizer Tassman mit, der im VST-Land das Maß der Dinge für Physical Modeling ist.

Korg Prophecy

Hardware

Die Oasys PCI ist eine PCI-Karte in voller (!) Baulänge, die mit einem ADAT-Interface und je einem Breakout-Kabel für analoge (Cinch, Stereo, 24 bit) bzw. für digitale Ein- und Ausgänge (S/PDIF) ausgestattet ist. Hardwareseitig entspricht sie praktisch der Korg 1212-Soundkarte aus Korg´s seligem Soundlink-System und lässt sich als somit als normale 24bit -Soundkarte einsetzen, ASIO- und Windows-Audiotreiber sind mitgeliefert. Auch kann man sie über ADAT oder S/PDIF in digitale Setups integrieren, wobei lediglich die Samplingraten 44,1 oder 48 khz funktionieren. 96 khz sind leider nicht möglich. Sie wären aber auch nicht sinnvoll: Die fünf DSPs der Karte, die Synthesizer, Effekte und das Mischpult errechnen, sind nämlich schon bei 48 khz merklich schneller als bei 44,1 khz aus der Puste zu bringen. Damit sind wir schon bei dem ersten Hauptmanko der Karte: die Gesamtrechenleistung entspricht etwa einem P3 500, was schon im Erscheinungsjahr 2000 niemanden wirklich tief beeindruckte.

Systemvoraussetzungen

Und damit kommen wir gleich zum zweiten großen Manko: Oasys PCI läuft nur unter Mac OS 9 oder Windows 95, 98 oder ME. Die Unterstützung für andere Betriebssysteme wurde zwar angekündigt, aber nie realisiert. Damit ist man entweder auf eine Win-98 kompatible alte PC-Dose angewiesen oder auf einen alten Powermac der G3 oder G4-Generation; unter Emulationen wie Virtual PC oder Classic Mode von OS X ist sie nicht zum Laufen zu bri

ngen. Egal ob PC oder Mac, der Computer sollte mit mindestens 200 Mhz getaktet sein, lieber mehr, wenn man darauf auch noch einen Sequencer laufen lassen will. In der Praxis ist die Mac-Variante wohl etwas betriebstabiler, außerdem lässt sich nur hier die Entwicklungsumgebung der Karte installieren und verwenden. Ein alter (beiger) G3 233 reicht hier völlig, den man für ein paar Euro gebraucht bekommt. Allerdings kann man sich auf PC-Basis leicht ein 19-Zoll-Rack kompatibles Systemchen nur für die Karte aufbauen, was unter der eingeschworenen Usergemeinschaft beliebt ist. Aufpassen muss man hier bei der Motherboardwahl (stabiles Servermotherboard nehmen) und beim Einbau weiterer Soundkarten, die die Oasys meist nicht toleriert. Auf dem Mac ist die Karte auch hier unproblematischer; im System des Autors verrichtet sie klaglos ihre Dienste neben zwei anderen Soundkarten bekannter Hersteller. Wichtig zu wissen ist, dass die Karte keinen eigenen MIDI-Anschluss mitbringt, sondern über Windows-MIDI bzw. OMS (Mac) anzusteuern ist. Hier ist man also auf ein separates MIDI Interface angewiesen. Praktischerweise lässt sich die Karte auch direkt von einem seriellen Midi-Interface ansteuern, ohne Umweg über einen Sequencer. So kann man sie unkompliziert als PC- oder Mac-basierten Expander nutzen, ohne Umweg über ein Sequencerprogramm.

Software I: Mischer und Abspielparameter

Die Bedienung der Oasys PCI erfolgt über ein Editorprogramm im 90er-Jahre – Look. Der zentrale Teil ist hier der Mischer. Er bietet zwölf Kanäle, auf die wahlweise die (analogen oder digitalen) Eingänge, verschiedene Synthesiser-Modelle oder Ausgangskanäle von ASIO-kompatiblen Anwendungen gelegt werden können. Das Mischpult bietet dabei pro Kanal Lautstärke, Pan, MIDI-Kanal, Stereobreite, Mute, Solo sowie jeweils vier Insert-Slots für Effekte und Sendregler für jeweils zwei (von insgesamt vier) Auxwegen an. Jeder Kanal lässt sich auf sechs Ausgangsbusse legen, die den analogen und S/PDIF bzw. einen der vier Stereokanäle des ADAT-Ausganges ansteuern. Außerdem können sowohl die Ausgangsbusse als auch die Effektbusse wiederum bis zu vier Inserteffekte aufnehmen. Insgesamt ist man also sehr flexibel und kann beispielsweise über einen Sequenzer mehrere Synthesizer der Oasys PCI ansteuern, andere Kanäle mit deren Effekten belegen und einen weiteren Teil des Mixes über ADAT direkt an etwa einen externen Digitalmischer senden. Auch lässt sich hier natürlich wunderbar layern: man kann problemlos verschiedene OASYS-Synths auf einen MIDI-Kanal legen und mit Effekten versehen.

Dies geht in begrenztem Umfang auch auf der untergeordneten Programmebene, wo sich maximal zwei verschiedene Oasys-Synthesizerplugins (Patches im Korg-Jargon) über- oder nebeneinander legen lassen. Für beide kann man hier neben Lautstärke und Tuning auch die Stimmenzahl, die Stimmenzuordnung (polyphon, monophon, unisono) und sogar Pitchbend- und Tuningmodus in verschiedenen Varianten einstellen. Hier lassen sich sogar Skalen importieren – ideal für Ethnopop oder den nächsten Mittelalterhit. Erwähnenswert ist noch, dass man über ein Modulationsfenster jeden Parameter des Mischpults, der Synthesizer und der Effekte auf Midikontroller und Werte wie Gate Time, Midi Start/Stop, Midi Tempo oder Notenhöhe legen kann. Über ein weiteres separates Fenster lassen sich daneben auch für alle Kanäle Masterkeyboardfunktionen wie Velocity- und Keyzonenlayering realisieren:

Komplexesten Synthsetups steht also nichts im Wege, und gerade die immensen Möglichkeiten schon auf Programmebene zeigen, was für ein mächtiger Synthesizer die Oasys PCI ist. Die Mischpultkonfigurationen lassen sich als Multis speichern, aber leider nicht per Programmchange aufrufen – sehr schade, besonders für den Liveeinsatz. Die Zuweisung von Effekten und Synthesizern zum Mischpult geschieht dabei zweckmäßigerweise über den integrierten Browser (Catalog auf Korgisch). Von hier lassen sich komplette Programme und Effekte auf die Mischpultkanäle, aber auch Synth-Plugins in die Programme oder Samples in die Samples abspielenden Synthesizer laden. Ebenfalls aus dem Editor zugänglich ist eine Anzeige der DSP-Auslastung und Voreinstellungen zu Audio-und Midiparametern der Karte.

Software II: Die Synthesizer

Damit sind wir bei dem für die meisten wohl interessantesten Aspekt der Oasys PCI: ihren Synthesizerfähigkeiten. In der aktuellen Version 2.0 bietet die Karte ab Haus über 40 verschiedene Synthesealgorithmen. Darunter sind Modelle analoger Synthesizer, Drumsynths, FM-artiges, Orgeln und Epianos, aber eben auch Trompete, Trombone, Saxophon, Flöte, Gitarre, Bass, Saxophon und menschliche Stimmen imitierende Vocalsynthesizer. Neben diesen Physical Modeling-Synths brachte Korg mit Softwareversion 2.0 auch die Fähigkeit mit, Samples zu laden, inklusive einem kompletten Vorrat an dies nutzenden Synthesizermodellen und 143 MB Samples aus dem hauseigenen PCM-Schlachtschiff und Trinity-Vorgänger Triton und seinen Expansionboards – sehr nett. Klingen, um mal ein Urteil vorweg zu nehmen, tut dies alles fast gleichermaßen klasse; um nicht auszuufern, hier nur einige Highlights:

Mini Synth, Pro Synth und Pro Synth Mod simulieren den Pro 53 von Native Instruments bzw. den Minimax von Creamware (oder bringe ich da was durcheinander…). Wie dem auch sei, die Korgvarianten bieten sämtliche Funktionen der Originale, die Modvariante des Prosynth sogar einige Modulationsmöglichkeiten mehr, und klingen tut alles sehr gut. Für geringere Ansprüche sind Synths wie der Analog 1 Osc oder Analog Bass Lead gedacht, unvermeidlich war wohl auch ein KB 303. Der ebenso unvermeidliche Hammond-Klon heißt hier Tonewheel Organ und kommt inklusive feinem Vibrato und Leslieeffekten und lässt sich in allen üblichen Parametern regeln, daneben gibt es eine Variante aus dem hauseigene Z1, die, wie auch das hauseigene (Wurlitzer-)Epiano, klanglich gleichermaßen überzeugt.

Die Percussion Synths kommen ebenfalls in mehreren Varianten; besonders gut gefallen hat mir die „Beatbox“-Spielart, die Stepsequencing integriert, zu Midiclock synchronisierbar ist und klanglich und auch so recht stark an die hauseigenen Electribes erinnert. VPM bedeutet „Virtual Phase Modulation“ und entspricht der FM-Synthese; hier gibt es vier Varianten mit zwei bzw. vier Oscillatoren. Das reicht nicht für komplexere Klänge a la FM 7, aber für FM-typische Epianos und trockene Bässe ist es wunderbar, und wer hier mehr will, für den gibt es auch als Shareware einen „echten“ FM 7- Nachbau in der Kollektion von Harm Visser (s.u). Ganze 16 Synthesizermodelle widmen sich dem Playback des mitgelieferten Triton-Samplevorrats inklusive deren Piano-, Studio Essential und Future Loop Expansion Packs. Die Modelle unterscheiden sich vor allem in Details, etwa in Filtertyp, Anzahl der LFOS oder Hüllkurven. Alle können auch Wav oder AIFF Files in 16 oder 24 Bit importieren – das macht die Karte auch fast zum Sampler. Die Sounds sind auch hier zum Teil sehr gut, aber auch Geschmackssache – der Triton war eben ein PCM-Rompler.

Toll wird es mit den Physical Modelling-Patches: das Akustikgitarrenmodell beispielsweise lässt die Einstellung von Pickuptyp und -technik, Seitenlage und -dämpfung zu, und wenn man diese Parameter auf Midikontroller legt (und ordentlich übt), kann man wirklich eindrucksvolle Klänge erzeugen. Das Wort Klänge ist hier mit Absicht gewählt, denn ganz nach Gitarre klingt es nicht, der Klang hat, wie immer bei Physical Modelling, etwas poliert-künstliches, aber die mögliche Ausdrucksstärke ist verblüffend. Dies gilt auch für andere der mitgelieferten Modelle, unter denen mir besonders die Flöte, Saxophon und die Trompete gefallen haben. Weiteres Goodie sind Vocalsynths, die Stimmenartiges erzeugen, was zum Teil wirklich eindrucksvoll klingt, gerade als Effektsound. Von Bass und Gitarre gibt es auch „small“ Modelle, die weniger Rechenleistung brauchen. Dies ist manchmal auch bitter nötig: gerade die Schlachtschiffe wie der Prosynth, Minisynth oder die Trompete belegen die DSPs schnell bis zur Auslastung. Ohne weitere Effekte bringt der Minisynth etwa gerade mal 8 Stimmen, nutzt man ihn multitimbral und monophon, dann kann man bis zu sieben einstimmige Exemplare aus der Karte herauskitzeln. Die andere Seite des Spektrums zeigt dagegen die (Tonewheel)-Orgel, die erst ab 60 Stimmen dichtmacht, das Epiano, das ohne Erröten deren 38 schafft, oder das „Small Plucked String“-Modell, das mit dreißig Stimmen eine ganze Flamenco-Combo an die Wand spielen kann.

Software III: Die Effekte

Etwas weniger dramatisch ist die Lage, wenn man mit Effekten arbeitet, von denen die Karte von Haus aus insgesamt (d.h. Mono-und Stereoausführungen) 130 verschiedene mitbringt. Auch wenn man von den eindrucksvollsten Exemplaren O-Verb XL und dem Leslie nur jeweils vier Exemplare aufrufen kann, lassen sich einfachere Stereoeffekte wie der Stereochorus 16-mal laden, und man kann ihnen dann noch beispielsweise fünf einfache Delays zugesellen. Zusammen mit der enormen Auswahl tut sich hier nämlich noch ein weiterer Anwendungszweck für die Karte auf: Mit ihrer ADAT-Schnittstelle macht sie sich auch als Multieffektgerät hervorragend und lässt sich gut mit guten bis edlen Hardwaregeräten messen. Dies gilt auch qualitativ: der hauseigene Edelhallalgorithmus O-Verb XL kann sich, trotz anderem Grundcharakter, gut mit der aktuellen Lexicon-Mittelklasse (MX) messen und auch der Rest klingt, Korg-typisch, wirklich professionell gut. Es gibt gute Ampsimulationen, Modulationseffekte und Delays mit bis zu 40 Sekunden Delayzeit, und viele Effekte gibt es als Mono- und Stereovarianten. Toll sind auch der Minimoogfilter, und auch Compressoren und EQs klingen. Absolutes Highlight ist natürlich das Producer-Plugin (siehe Bild oben), das erstmalig auf Softwareseite tiefgreifende Eingriffe in Musikstil, Lyrics und Alter der Zuhörer erlaubt, und das völlig klangneutral. Toll!

Drittanbieter-Plugins

Da Korg von Anfang an die Developersoftware Synthkit freigiebig an alle Interessierten mit Mac ausgab, gibt es eine große Sammlung an zusätzlichen Plugins/Patches für die Plattform. Viele davon sind Freeware und entweder über die Homepage der Karte oder eine Yahoo-Diskussionsgruppe zur Oasys PCI zu beziehen. Darunter sind etwa ein echter modularer Synth mit zwei Oszillatoren von Brandon Daniel, eine Juno 106-Emulation, experimentelle Synthesizer von Joe Corrigan oder ein toller Physical-Modelling Gitarren-Glocken-Hybrid von Korg selber, den die Firma ihren Usern auf der Webseite der Karteumsonst zur Verfügung stellt. Sehr sehr eindrucksvoll ist ein Paket von Effektplugins von Oasys-Mitentwickler Dan Phillips, das der Entwickler auf seiner Seiteebenfalls umsonst anbietet. Bestandteile des Pakets sind u.a. ein 16-Band-Vocoder, LFO-modulierte Filter, eine ganze Serie komplexer Delays, z.T. mit Pitchshiftern und Combfilter, ein Lofi-Effekt, der einen Kompressor mit Samplerate und Bitreduktion verbindet, sowie Simulationen der Endlosdelays der Korg SDD-Serie. Für einen Delay-Fan wie den Autor macht das die Karte zum Mekka: sowohl die emulierten Korg Delays als auch die Filtervarianten klingen einfach hervorragend, hier habe ich aus einem Computer schlicht noch nicht besseres gehört, und selbst mein Lexicon versteckt sich verschämt, sobald ich den Computer anwerfe… Weiterhin sind einige Plugins auch käuflich zu erwerben. Für 100 $ bietet Orwell Mediasechs ungewöhnliche und komplexe Synthesiser an, die vom Drumsynth über einen Virtuell-Analogen hin zu einem Sampleplayer mit Stepsequencern vor allem die Bedürftnisse der Elektronikerfraktion befriedigen. Von der Synthbauerlegende John Bowen stammt der Sharewaresynth Orion, der für 50 Dollar von seiner eigenen Seitezu beziehen ist und eine gute Alternative zu den mitgelieferten virtuell-analogen Synths bietet.

Der Korg Oasys in Hardware gegossen

Harm Visser Oasys Collection

Besonders erwähnt werden muss die Oasys-Plugin Kollektion des niederländischen Sounddesigners Harm Visser, der auch für seine Tassman- und Reaktor-Ensembles bekannt ist. Seine mittlerweile nur noch als Bundle erhältliche Sammlung umfasst 281 (!) Plugins in 62 Gruppen, mit insgesamt über 2000 Presets. Hier werden besonders die Physical – Modelling -Aspekte der Oasys ausgereizt: von Tenor- oder Altsaxophon über ethnische Flöten, Drumsynthesiser, Formantsynths für vocalartige Klänge zu Glockenspielen, Vibraphonen, elektrischen Gitarren, allen Arten von Percussion hin zu Spinett, Sitar oder asiatischen Klangschalen findet sich hier (fast) nichts als Physical-Modelling-Instrument, was es nicht gibt. Bestandteile des Bundles sind aber auch klassische Synthesiser, die das Repertoire der Oasys sehr gut ergänzen. Darunter sind beispielsweise zwei Wavesequencing-Synths for Wavestation-artige Klänge, elektronisch klingende Drumsynths, mehrere FM-Synthesizer inklusive eines DX7-Nachbaus, Modelle, die mit Granularsythese arbeiten, aber auch „normale“ Analoge und diverse Hybride. Die Qualität der Synths ist dabei durchweg sehr hoch, wie man auch an den Klangbeispielen unten und auch auf der Seite hören kann, und die Plugins sind so gut bedienbar wie spielbar. Da das gesamte Bundle nun nur noch 169 $ kostet, ist es in mehrfacher Hinsicht Rekord: So viel Synths in dieser Qualität für so wenig Geld gab es noch nie.

Der Nachfolger des Korg Oasys, der Korg Kronos

Die Oasys in der Praxis

Wie man sehen kann, ist das Angebot für die Karte enorm. Mit Patches von Drittanbietern kann sie wirklich nahezu alles, was man auch für anspruchsvollste Studio-und Sounddesignanwendungen benötigt, und die Qualität ist fast immer erstklassig. Wer will, kann auch zum Programmieren in Synthkit einsteigen, um eigene Effekte oder Klangerzeuger zu schaffen. Dem steht allerdings die doch recht schwächliche Rechenleistung gegenüber: So eindrucksvoll das Mischpult auch ist, man wird nicht mal sämtliche zwölf Kanäle mit einer üblichen Trackeffektkette – sagen wir mal aus einfachem Chorus, EQ, und Kompressor – belegen können, ohne sich dem Ende der Ressourcen anzunähern. Mit einem durchschnittlichen Midisetup und einigen Effekten kann man etwa fünf Synthesizerspuren aus der Karte herauskitzeln, dann ist Schluss – und man kann auch nicht zwei Karten in einem Rechner kaskadieren. Auch für die Bühne ist die Karte (leider) weniger geeignet, da sie keine Programmierung über Programchanges zulässt und darüberhinaus ihre Resourcen fest verwaltet – das Zuordnen von zwölf Synths auf die Mischpultkanäle und aufrufen via Masterkeyboardprogramm scheitert so wieder an der geringen Rechenleistung. Dies macht sie primär zum Studiotool. In dieser Funktion ist sie praktisch ein Schweizer Taschenmesser: Effekte wie Delays, Filter und Modulation sind erstklassig, der Hall kann selbst in teuersten Produktionen zumindest Nebenaufgaben übernehmen, und synthesetechnisch kann sie fast alles.

Fazit

Klanglich lässt sich bei einem so komplexen System wie der Oasys PCI schwer ein Pauschalurteil fällen. Die Wandler der Karte waren damals und sind auch heute noch sehr gut. Den Grundklang von Effekten und Synthesizern würde ich dabei mal mit den Attributen „klar“ und „silbrig“ zusammenfassen, im Vergleich zu den Cousins Prophecy und Z1 klingt sie vielleicht etwas weniger rauh oder brachial. Die meisten mitgelieferten Presetsklänge sind (leider) auch eher auf der zahmen oder edlen Seite anzusiedeln. Allerdings kann die Karte auch das Gegenteil gut. Die Karte ist nicht häufig, aber doch regelmäßig gebraucht zu finden; einen guten Anhaltspunkt liefert die schon erwähne Yahoo-Gruppe zu der Karte (s.o.). Mittlerweile bekommt man sie meist deutlich unter 400 Euro. Für dieses Geld bekommt man ein Studiotool, das – außer vielleicht der neuen Hardwareversion und dem ähnlichen Scope System von Ex-Creamware Soniccore – eigentlich keine echte Konkurrenz hat. Nimmt man die – mäßige – Mühe auf sich, die Karte in einen alten PC oder Mac zu stecken, bekommt man ein gut bedienbares System, das als Synthesizer und Multieffektgerät in seiner schieren Flexibilität kaum zu übertreffen ist, mit aktueller Studiotechnologie klanglich locker mithält und im Vergleich zu VSTis einfach besser klingt. Die geringe Rechenleistung stört schnell, aber man kann – durch Einschränkungen der Stimmen oder Aufnehmen der Spuren – dies einigermaßen umgehen. Gerade für ambitionierte Sounddesigner und Studioarbeiter ist die Oasys PCI somit ein echter Geheimtipp. Prädikat: immer noch super.

Preis

  • Neupreis bei Erscheinen 4.600 DM
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dreitagebart

    Ich hätte mir dieses Teil damals beinahe gekauft, die Synth-Klänge (Emulationen) waren und sind beeindruckend (das hört man auch an den Demos). Ich finde es sehr sehr schade, dass Korg dieses System auf Computerbasis nicht weiterentwickelt hat.
    Übrigens: Respekt an Herrn Knapp für diesen überaus guten Bericht!

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    AMAZONA Archiv

    Ich hatte das Vergnügen, eines der ersten Testexemplare längere Zeit auszuprobieren. Mir hat die Karte, bis auf die Rechenleistung und den Preis super gefallen. Dass solche Synthesen kein Erfolg werden, lässt sich mit dem eher konservativen Geschmack vieler Musiker erklären. Kaum kommt ein neues System auf den Markt, wird Altbewährtes damit simuliert. Siehe DX7, dessen E-Pianoklänge, anfangs auch Klavier- und Orgelklänge, man glaubt es kaum, die Reisser waren. Dabei geht damit ganz abgefahrenes. Virtuelle Synthese war nach kurzer Zeit die Simulation analoger Synthies und ist es heute noch fast ausschliesslich (gähn). Da war doch noch was, war nicht die Suche nach NEUEN Klängen ursprünglich die Triebfeder für die Synthentwicklung? Deshalb konnte Oasys genau wie Tassman nie ein Hit werden.

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      AMAZONA Archiv

      Ja, genau ! Die meisten Musikstile sind in Bezug auf Soundauswahl leider sehr traditionell und drehen sich ziemlich im eigenen Saft, obwohl es mittlerweile gerade auf Computerbasis auch so tolle Synths
      mit wirklich immensen Möglichkeiten zur Neukreation gibt – man denke nur an die Resynthesizer wie Cameleon oder Virsyn Cube. Ich glaube allerdings, dass bei Physical Modelling noch eine besondere Schwierigkeit mitschwingt – das interessante daran ist eigentlich das "fast-authentische"; um solche pseudo-realen
      Licks oder Phrasen hinzukriegen, muss man sich wirklich in die Vorbilder einarbeiten – und das kostet einige Mühe und Zeit – wen man es wirklich "real" will, nimmt man doch lieber den Sampler oder fragt gar einen von diesen "echten Musikern" :-)

  3. Profilbild
    Neven Dayvid

    ich kann mich nur anschließen. es ist beklagenswert, daß momentan dank billigem speicher der hundsgemeine sample-overkill allen interessanteren syntheseformen (samt ihren kompromissen) den garaus gemacht hat.
    als ehemaliger z1-spieler bin ich überrascht, wie gut die oasys beispiele klingen, da ist der z1 doch etwas unterkühlter und pappiger, obwohl ich viel daran programmiert habe.
    trotzdem bleibt die sehnsucht nach echten synthesizern mit eigens angepasster bedienoberfläche und guter tastatur….
    auch total im kommerzdenken unter die räder gekommen ist ja der technics wsa, den ich neulich für einen spottpreis erstehen konnte. kann ich allen nur empfehlen, probierts aus! logisch, bequem zu bedienen, und klingt originell.

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