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Green Box: Korg Wavestation EX, AD und SR Synthesizer

27. Dezember 2008

Das Erbe des Prophet VS

Historischer Rückblick und Einordnung

Denken wir uns einfach mal 19 Jahre zurück. Synthesizer-Entwickler und Sequential-Circuits Gründer Dave Smith landete nach dem Konkurs seiner Firma erst kurz bei Yamaha und dann in der Entwicklungsabteilung von Korg. Dave Smith war nicht nur der Vater des überaus erfolgreichen Prophet-5 Synthesizers, sondern zeichnete unter anderem für den zukunftsweisenden Sequential Prophet VS verantwortlich. Leider war der Prophet VS seiner Zeit voraus, die potentiellen Kunden konnten sich zu jener Zeit eher für FM-Sounds und naturgetreue Samples begeistern.

So kam es, wie es kommen musste: Der Prophet VS verkaufte sich schlecht und wurde ein Ladenhüter. Erst nachdem die Firma „Sequential Circuits“ vom Markt verschwand, wurde dem VS endlich mehr Beachtung geschenkt. Leider war das Schicksal des Unternehmens dann schon besiegelt. Bei Korg fand Dave Smith schließlich ein neues Zuhause und konnte seine Vision der Vektor-Synthese weiter verfolgen. Das Ergebnis war ein neu entwickeltes Instrument, das auf den genialen Namen Wavestation hört.

Wavestation Werbeanzeige von 1990

Die aus dem Prophet VS übernommene Vektorsynthese wurde hierbei weiter verfeinert und um neuartige Funktionen wie Wave-Sequencing erweitert. Als Korg die Wavestation im Jahre 1990 erstmals dem Fachpublikum vorstellte, wurde sie mit Lobeshymnen nur so überhäuft. Bis dahin ungehörte Klänge lösten große Begeisterungen aus und ließen einem wortwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Korg wollte mit der Wavestation an den Erfolg der Korg M1 anknüpfen. Leider gelang das jedoch nicht.

Betrachtet man heutzutage die Eckdaten der Wavestation, so wird mancher Leser bei nur 2 MB Samplespeicher (in der Grundversion), resonanzlose Filter, langsame LFOs und fehlende Funktionen wie Ringmodulation etc. nicht gerade euphorisch werden. Trotzdem wird die Wavestation heute immer noch sehr gerne eingesetzt und ist nach wie vor äußerst populär. Warum?

Nun zum einen haben sich die Sounds der Wavestation zu einer Art Industriestandard entwickelt, wenn es um Filmmusik und -vertonung geht. Brachiale Klänge sind nicht so ihr Metier, die Wavestation schlägt eine eher ruhigere Gangart ein. Ambient und Soundtracks – da ist die Wavestation zu Hause.

Ein echter Klassiker, die Korg Wavestation

Verarbeitung und Tastatur

Die über 5 Oktaven spielbare Tastatur ist anschlagsempfindlich und Aftertouch-fähig. Die Tasten sind Synthesizer-typisch leichtgängig und lassen sich gut spielen. Leider neigen die schwarzen Tasten dazu, im Laufe der Zeit etwas schwergängig zu werden. Meine Wavestation hatte dieses Problem leider auch. Das große hintergrundbeleuchtete Display ist ein Segen bei diesem umfangreichen Gerät. Es lässt sich gut ablesen und ist eine echte Hilfe. Leider pfeifen bei einigen Geräten die Displays mehr oder minder stark, was auf Dauer recht nervend sein kann. Bei der Tastaturversion fällt sofort der große Vektorstick ins Auge. Alles in allem wirkt das Design der Wavestation schön aufgeräumt und man findet sich schnell zurecht.

Ansonsten ist die Wavestation hervorragend verarbeitet. Hier eine Bild mit den Anschlüssen und einer ausführlichen Fact-List:

Vector-Synthese mit der Korg Wavestation

Während die meisten anderen Synthesizer statische Wellenformen verwenden, geht die Wavestation einen völlig anderen Weg. Die schon aus dem Prophet VS bekannte Vektorsynthese erlaubt, das Lautstärkeverhältnis von bis zu vier verschiedenen Klangquellen mittels eines Joysticks – die Steuerung erfolgt dynamisch und in Echtzeit. Das Ergebnis sind leicht morphende und sich ständig verändernde Klangverläufe. So kann zum Beispiel ein perkussiver Glöckchen-Sound in einer Fläche überblendet werden, oder ein harter Digital-Sound kann in einer warmen Analog-Fläche enden. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Die Vektor-Synthese in der Korg Wavestation

Die Korg Wavestation kann schon auf Wellenform-Ebene ein enormes Klangspektrum entwickeln, was mit anderen Synthesizern beim besten Willen nicht hinzubekommen ist. Und fast so, als wäre das alles noch nicht genug, gab man der neuen Wavestation noch eine bis dato völlig unbekannte Funktion auf den Weg. Die Rede ist vom …

Wave-Sequencing mit Korg Wavestation

Hinter dem Begriff verbarg sich die wohl größte Neuerung gegenüber allen anderen Synthesizern jener Zeit. Wave-Sequencing ist im Prinzip nichts anderes als die Aneinanderkettung mehr oder minder komplexer Wellenformen, die je nach Einstellung der Überblendungszeit (Crossfade) hart aufeinander folgen oder leicht ineinander faden können. Die maximale Länge einer Wave-Sequence kann bis zu 255 Schritte betragen. Zwischen den Steps lässt sich sogar noch eine Schleife (Loop) bestimmen, die vorwärts oder rückwärts ablaufenund unendlich oft wiederholt werden kann.

Info-Grafik zum Wavesequencing der Korg Wavestation

Diese Wave-Sequences sind voll programmierbar, und es lassen sich pro Step die Wellenform, die Tonhöhe, das Feintuning, die Lautstärke, die Tondauer, der Start- und Endpunkt, die Überblendungszeit der einzelnen Wellen und die Wiederholung einzelner Teile oder der ganzen Wave-Sequence (Loop) bestimmen. Die Ablaufgeschwindigkeit wird entweder intern geregelt oder kann von außen per MIDI-Clock gesteuert werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Tempo der Sequenzen durch verschiedene Modulationsquellen wie LFOs, Hüllkurve, Velocity und Aftertouch oder dem Modulation-Wheel zu beeinflussen. Das alles macht die Wavestation zu einem Synthese-Monster und eines ist gewiss: So schnell geht einem da der Spaß nicht aus!

Der Klangaufbau

Die Klangstruktur der Korg Wavestation ist nicht immer leicht zu durchschauen. Die oberste Ebene der Klangorganisation nennt sich Performance.

Diese Performance ist nichts anderes als der Klang, den Sie spielen, wenn Sie einen Sound aus den Speicherbänken aufrufen. In jeder Soundbank gibt es 50 dieser Performances mit den zugehörigen Keyboardbetriebsarten (Single, Split und Layer) und den Effekteinstellungen, die wiederum die untergeordneten Patches organisieren. Ein Patch ist die untere Ebene der Klangorganisation und kann aus 1, 2 oder 4 Oszillatoren samt der Filter, LFO und Hüllkurveneinstellungen bestehen.

Struktur eines Patches mit vier Oszillatoren.

Es ist sozusagen ein Single Sound inklusive aller erforderlichen klangsynthetischen Parameter. Hier wird der eigentliche „Sound“ programmiert. Eine Performance kann aus bis zu acht Patches bestehen.

Die Speicherverwaltung

Je RAM-Bank lassen sich 50 Performances, aber leider nur 35 Patches abspeichern. Das heißt, die 50 Performances können nur auf 35 Klanglieferanten zugreifen, was ich für eines der größten konzeptionellen Mankos der Wavestation halte und was an sich völlig unverständlich ist. Dazu kommt noch, dass man es tunlichst vermeiden sollte, speicherbankübergreifende Veränderungen an den Patches vorzunehmen. Diese wirken sich dann auf alle Performances aus, die jenes (geänderte) Patch enthalten. Performances und Patches sind sehr eng miteinander verknüpft, und jede Veränderung kann Auswirkungen auf andere Klangprogramme haben. Damit ist das Chaos vorprogrammiert.

Speicherverwaltung am Beispiel der Wavestation SR

Polyphonie

Beworben wurde die Korg Wavestation als 32-stimmig polyphones Instrument. Das ist so nicht falsch, aber nur tatsächlich der Fall, wenn man EIN Patch pro Performance verwendet (… und das dürfte wohl fast nie der Fall sein). Verwendet man zum Beispiel für die Vektorsynthese vier Oszillatoren, ist das Gerät nur noch 8-stimmig spielbar.

Die Grundwellenformen

Die Wavestation kann aus einen riesigen Wellenformvorrat schöpfen. Dieser beträgt in der Grundversion 2 MB und umfasst 365 Wellenformen, in der EX–Version und bei Rack Varianten wurde der Speicher auf 4 MB verdoppelt und umfasst hier 484 Waves.

Die Auswahl der Wellenformen ist sehr gut gelungen. Hier finden sich neben einigen wenigen Naturimitaten vor allem synthetische Wellen aus der analogen und digitalen Synthesizerwelt jener Zeit. Lang geloopte Samples (wie sie heute in Workstations zu finden sind) sollte man sich aber nicht erwarten. Speicherplatz war damals noch sehr teuer, und so finden sich im ROM nur sehr kurze Wellenformausschnitte, was aber auch völlig in Ordnung ist und den damaligen Gepflogenheiten entspricht.

Die ursprüngliche Menge an Wellenformen, der Korg Wavestation

In der EX-Version gab man der Wavestation ein richtiges Piano Sample mit auf den Weg, weil man bei Korg der Ansicht war, dass sich ein Synthesizer ohne “richtiges“ Klavier nicht verkaufen ließe. Das Piano erinnert sehr stark an das M1 Piano, welches ja immer noch einen guten Ruf genießt.

Interessant sind besonders die zahlreichen animalistischen und menschlichen Laute, welche sich hervorragend als Futter für die Wavesequenzen anbieten.

IN „blau“ die hinzugekommenen Wellenformen der EX, AD und SR Variante (anklicken)

Die Auswahl an synthestischen Wellenformen ist erfreulich groß, so finden sich hier neben praktisch allen Wellenformen des Urahnen Prophet VS verschiedene (quasi) Oberheim- und Moog-Wellen mit unterschiedlichen Filtereinstellungen, formatähnliche Waves, ein paar perkussive Attack-Samples à la D50, geräuschhafte und resonierende Waves und die damals schon schwer angesagten Hauch- und Röchelsounds.

Da die Korg Wavestation leider kein resonanzfähiges Filter hat, kann man mit geschickter Programmierung der Wave-Sequences und der Resonanz-Wellen den Filterverlauf ganz gut imitieren. Zum Glück wurden die Wellen beispielsweise eines sich öffnenden Filters hintereinander in den Speicher geschrieben. Das erleichtert den Überblick sehr. Eine rudimentäre Pulsweitenmodulation lässt sich auf diesem Wege auch nachbilden. Man muss schon sagen, dass man in Anbetracht des geringen Speicherplatzes die Wellenformauswahl sehr geschickt getroffen hat.

Wem die große Anzahl an Wellenformen immer noch nicht ausreicht, der sollte nach dem Zadok SAM-1 Ausschau halten. Dieser nur eine Höheneinheit große Sample-Expander kann beliebige Samples einlesen und direkt in die Wavestation senden. Die Verbindung erfolgt über den PCM Kartenschacht der Wavestation. Die Formate EPS, AKAI S900 / S1000 und Sound Designer werden dabei unterstützt.

Die verfügbaren Effekte und Effekt-Kombinationen

Effekte und Vocoder

Die Korg Wavestation besitzt zwei unabhängig arbeitende Effektprozessoren zur Veredelung des Klanges. Ich würde sagen, die Effekte ähneln doch sehr der Korg M1. Anders als in ihr, kann man die Effekte allerdings in Echtzeit modulieren. So ist es zum Beispiel möglich, mit Hilfe des Joysticks, dem Modulation Wheel oder anderer Modulationsquellen die Effekte während des Spielens zu verändern, um so noch mehr Ausdruckskraft zu bekommen. Die Effektblöcke lassen sich zudem noch parallel oder seriell schalten. Die Qualität der Effekte ist für damalige Verhältnisse wirklich gut. Es finden sich hier neben verschiedenen Hall-, Delay-, Chorus-, Phaser-, Flanger- und Distortion-Programmen auch zahlreiche Kombi-Effekte und speziellere Effektalgorithmen wie zum Beispiel einen recht guten Vocoder (ab WS-EX).

Bei einem so umfangreichen Gerät wie der Wavestation, ist es natürlich nicht möglich, jede einzelne Funktion aufzuzeigen. Das würde den Rahmen dieses Rückblicks sprengen. Die Patch-Editierung, MIDI-, Multimode-Funktionen sowie die globalen Einstellungen lasse ich hier mal außen vor. Wer sich damit noch eingehender beschäftigen möchte, den verweise ich auf das Bedienungs- oder Programmierhandbuch der Wavestation, die beide sehr gut und leicht verständlich geschrieben sind.

Modellvarianten – Korg Wavestation, AD, SR und EX

Die erste Korg Wavestation erblickte 1990 das Licht der Welt, und schon ein Jahr später erschien die EX-Version mit doppeltem Wellenformspeicher und den neu hinzugekommen Effekten wie z.B. den Vocoder. Die beiden Keyboardversionen sind ansonsten absolut identisch, optisch dem Zeitgeist entsprechend in mattem schwarz gehalten und entsprechend klar strukturiert. Ein Designklassiker und einfach schön anzuschauen! Mit gut 12 kg Gewicht sind sie absolut roadtauglich.

Korg Wavestation EX

Die Rack-Variante Korg Wavestation A/D nimmt zwei Höheneinheiten ein. Das große Display hat man erfreulicherweise von den Tastaturmodellen übernommen, einzig der Vektorstick ist geschrumpft. Zusätzlich hat man eine weitere RAM-Bank implementiert. Die Wavestation A/D bietet eine Besonderheit, die den anderen Versionen fehlt und sie deshalb auch so begehrt macht. Sie besitzt zwei Analogeingänge. Audio-Signale können so von außen in die Wavestation eingeschleift werden und im Gerät weiterbearbeitet werden. Besonders Sinn machen diese Eingänge zum Füttern des Vocoders. Eine Spielwiese für den Elektronik-Fan!

Korg Wavestation AD

Die letzte und kleinste Wavestation-Version nennt sich Wavestation SR. Mit der WS-SR versuchte Korg 1993 nochmals den typischen Wavestation-Klang mit den Eigenschaften eines Sample-Players mit sehr viel Speicherplatz zu verbinden, um die doch eher bescheidenen Absatzzahlen der Vorgängers zu übertrumpfen. Bei der WS-SR ist alles noch etwas kleiner geworden. Eine Höheneinheit voll gepackt mit derselben Soundengine und dem gleichen Klang wie die Großen, aber nur mit sehr kleinem Display und winzigen Tastern, was das Programmieren am Gerät fast unmöglich macht. Der Vektorstick musste hier leider auch dran glauben.

Allerdings hat man in der Wavestation SR acht (!) ROM-Bänke zu den 3 RAM-Bänken direkt zur Verfügung, was der WS SR auch den etwas zweifelhaften Ruf der „Preset-Wavestation“ einbrachte. Allerdings lässt sich mit dem Software-Editor „Sound-Diver“ (nur noch gebraucht erhältlich) auch diese Wavestation Version recht gut editieren. Also wer wenig Platz daheim und einen Editor hat, der kann auch mit einer Wavestation SR richtig glücklich werden.

Comparison CHart aller Wavestation Modelle

Die Wavestation als VST Plugin

Vor ein paar Jahren erlebte die Wavestation noch mal eine Wiederauferstehung als Bestandteil der Korg Legacy Collection für den PC. Also nicht als Hardware, sondern zusammen mit den Analog-Sauriern MS20 und Polysix als reine Software-Variante. Im direkten A/ B Vergleich sollen nach Meinung einiger Anwender keine großen Unterschiede zu hören sein.

Andere sehen das wieder umgekehrt. Da sollte sich jeder seine eigene Meinung zu bilden. Man hat alle 11 Soundbänke der SR-Version zur Verfügung und kann am übersichtlichen Blue-Screen gleich richtig loslegen. Nun, ich bin kein Software Fan, muss aber zugeben, dass es eine Alternative zur Hardware gibt. Der Nachteil ist, dass man einen PC und eine gute Audiokarte benötigt.

Wellen-Klang- der Sound der Wavestation

Allen Wavestation Varianten gemein ist der typische mittige Grundsound. Die Wavestation ist kein Bass-Synthesizer, dazu fehlt es ihr an Druck im unteren Frequenzbereich. Mit zischligen Höhen hat sie es auch nicht so. Langsam sich bewegende Klangebilde und sanfte Ambient-Sounds sind ihre große Stärke. Die schon damals schwer angesagten Hauch- und Röchelsounds sind immer noch sehr hörenswert. Teilweise erinnern die erzeugten Klänge an den Waldorf Microwave, den Kawai K5000 oder sogar an die Korg M1. Da ich die Wavestation EX lange Zeit besaß und die Wavestation SR immer noch im Rack habe, war es mir möglich, einen direkten A/B Vergleich zu machen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die SR-Version noch ein Tick druckvoller und klarer als der Tastatur-Vorgänger klang. Aber das sind wirklich minimale Unterschiede und fallen nur im direkten Vergleich auf.

Korgs ROM-Kartenwelt für die Wavestation

Was die Wavestation nicht erreicht, ist der unnachahmliche Klang des Urahnen Prophet VS. Das Vorhandensein der bloßen Wellenformen des VS reicht nun mal nicht aus, um den speziellen Klangcharakter nachzubilden. Zu verschieden ist der technische Aufbau der beiden Geräte. Vor allem das analoge Curtis-Filter des VS sowie die mit 12 bit gesampelten Wellenformen zeichnen für den VS-Klang verantwortlich. Obwohl die klanggestalterischen Möglichkeiten der Wavestation teilweise weit über denen des Prophet VS herausragten, vermochte sie den VS niemals zu ersetzen.

Wer nicht gern selbst programmiert, der findet unter den Presets sehr beeindruckende Klänge. Einfach den Finger auf die Tastatur legen, und die Reise kann beginnen hin zu fremden Galaxien oder in die Nebel verhangenen Tiefen des Regenwaldes. Wem die internen Sounds immer noch nicht ausreichen, der findet eine Unmenge an Sounds im Netz. Für die Wavestation gab es viele, teilweise sehr gute Soundkarten von Korg oder von Drittanbietern. Vorsicht! Die Wavestation SR verwendet ein anderes Kartenformat als die Vorgänger.

Problematisch sehe ich jene Sounds, die vom Klang des Filters leben. Mit einem Trick lässt sich diese Manko aber etwas kaschieren. Mit den Effekten Distortion und Overdrive lassen sich annähernd Resonanzfilter-Sounds imitieren. Dabei wird der Edge-Parameter (Übersteuerung) ganz zurück gedreht und mit Hot Spot (entspricht Cutoff) und Resonanz das Filter entsprechend angepasst. Das Resultat kommt so einem Resonanzfilter schon recht nahe, auch wenn es dieses nicht zu ersetzen vermag.

Die Korg Wavestation on YouTube

Hier alle Preset-Sounds der Wavestation in einem langen Demo-Video:

Und hier ein Demo von neu programmierten Sounds:

Fazit

Alle Wavestation Modelle sind robuste und zuverlässige Synthesizer, die auch noch nach knapp 20 Jahren ihren Dienst sehr gut verrichten. Sie sind immer noch in vielen Studios anzutreffen, denn ihre speziellen Sounds sind schwer zu reproduzieren. Die Auswahl der Wellenformen ist sehr gut gelungen. Besonders die zahlreich vorhandenen synthetischen Wellen sind idealer Ausgangspunkt für interessante Klänge. Auch und gerade deshalb wird die Wavestation gerne zur Vertonung von Filmen und Werbespots herangezogen und genießt hier einen sehr guten Ruf. Aufgrund ihrer undurchsichtigen und teilweise unlogischen Speicherstruktur empfiehlt sie sich nicht unbedingt für den Anfänger. Das Timingverhalten im Multimode ist auch mehr schlecht als recht, und man sollte eher davon Abstand nehmen, die Wavestation im Multimode zu betreiben.

Die Wavestation ist kein Brot- und Butter-Synthesizer, keine Workstation – nein: vielmehr ein Gerät mit Ecken und Kanten, aber mit sehr viel Charakter und gutem Klang. Wer am Gerät selber schrauben möchte, der holt die Tastaturvariante oder die Wavestation A/D. Wer nur Sounds abfeuern will und Zugriff auf möglichst viele Sounds haben möchte, der ist mit der Wavestation SR sehr gut bedient.

Und wer am liebsten am Bildschirm arbeitet und keine Hardware verwenden will, der kann sogar mit der Legacy Collection glücklich werden.

Jedem Geschmack seine Wavestation …

Klangbeispiele
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    Ganz so rosig ist es nicht mit der Langlebigkeit:
    Bei ALLEN Wavestations mit Punktmatrix-Display (also allen Modellen ausser der SR) schwächelt die Displayhinterleuchtung, wenn diese oder das gesamte Display nicht bereits getauscht wurden. Ein generelles Problem aller Geräte mit grafikfähigem Display, die von einer EL-Folie hinterleuchtet werden (alle grafikfähigen Displays der späten 80er bis späten 90er). Ein Ersatz ist mittlerweile nur noch mit erheblichem Umstand zu beschaffen gar nicht mehr über Korg oder den Hersteller des Displays. Für den Tausch muß gesamte Wavestation komplett zerlegt werden.
    Ich habe in meiner Wavestation EX mittlerweile ein recht teures Display von Roland…aus Schweden.

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      habe die Prozedur EL-Folien-Tausch auch schon hinter mir… sehr grosser Aufwand bei der Tastaturversion, bei der A/D ohne größere Eingriffe. Mit etwas Vorsicht ist der Tausch relativ einfach: Alte Kontakte ablöten und entfernen, neue Folie über die alte schieben, anlöten – fertig.
      Die EL-Folien hab ich übrigens von „www.midi-rakete.de“ – Stk. ca. 30 Euro – Investition lohnt sich, da so gut wie alles bei der wavestation über das Display abläuft…

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    DIE WS-Ex war mein erster richtiger Synth. Leider habe ich die Kiste aus Dummheit verkauft aber es gibt ja die VST-Version. Klanglich kein Unterschied aber viel besser zu programieren. Wie die Beispiele sehr schön zeigen ist die WS auch heute noch ein guter Lieferant von tollen Pads.

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    Dem Test würde ich in fast allen Punkten zustimmen. Allein der Ruf nach Reso Filtern kann ich nicht ganz nachvollziehen. Resonanzfilter sind bei wellenformarmen Synths notwendig und wer einen Sweep hören will, kann dafür ja einen seiner anderen 26 Synths bemühen. Diese Syntheseform zielt woanders hin und wie sagte vor vielen Jahren ein Waldorf Werbespruch: eine gefilterte Geige ist kein neuer Sound sondern eine dumpfe Geige, oder so ähnlich….Frohe Eier

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    habe alle WS-Modelle, die SR dürfte dieselben Wandler wie die 01/W-Serie verwenden (gleiches PCM-Format), ist um einiges klarer als EX und A/D (M1-Wandler?), dafür aber im Bass nicht so präsent. SR = mehr HiFi.

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      Das kann ich nur bestätigen. Die WS-SR klingt brillianter.

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    Die Zugabe Piano-Multisample war ein Tribut an die Tanzmusiker, die damals wichtig als zahlungskräftige Kaufkundschaft waren. Klar als Synthi wollte Korg die ursprünglich WS getaufte Sache dennoch positionieren. Mit Wave Slicing war eine Idee umgesetzt worden, Filterbewegungen analoger Synths zu simulieren. Daher die entsprechenden Wellenformen im notgedrungen kleinen ROM. Soweit ich weiß, hat John Bowen die Samples beigesteuert.

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    Ich hatte mich damals mit der Wavestation A/D ziemlich intensiv beschäftigt, und konnte diese auch gewinnbringend bei Produktionen einsetzen. Dennoch war die Wavestation meilenweit von dem enfernt, als was sie damals auch in der Fachpresse gepriesen wurde: Als Klang- und Synthese-Monster. Die Möglichkeit der wavesequencen war zwar nett und machten schon was her, dennoch hatte man diese recht schnell über. Und dann wurde es eng: Keine resonanzfähige Filter, und dann der typische Korg \

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      Korg hat die WS nie als ….Monster angepriesen sondern als ein Instrument mit einer Quasi neuen Synthesetechnik. Klar hatten die PPG Instrumente mit ihren Wavetables eine gewisse ähnlichkeit. Der Vorteil des Wavesequencing besteht darin das die Anordung der Waves verändert werden konnte und Filter mit Resonance, vielleicht dann auch noch die 24dB/Octave Moogkaskade,hat man nun doch schon genug gehört. Dave Smith hat mit der WS den Synth der 90er erschaffen und da ziehe ich meinen Hut davor.

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        Ich sprach von „Fachpresse“: Im amtlichen Test der A/D- Version, in der Fachzeitschrift „Keyboards“ wurde der A/D damals sehr wohl als das wohl ergiebigste Synthsschlachtschiff angepriesen. Ich hatte mir deshalb den Synth zugelegt. Es erging mir aber dann wie im Beitrag von user elektronalin beschrieben. Den Grundsound der Digitalsynths Anfang der 90er, mit einer ausschließlich auf Samplerom basierenden Klangerzeugung habe ICH PERSÖNLICH einfach über. Insbesondere den von Korg (das wollte ich noch erwähnen, ich höre denn schon den Aufschrei der JD800 freaks). Das an sich tolle wavesequencing, o. osc-hardsync kann daran auch nichts ändern.

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          Wie bei vielen anderen Dingen alles eine Frage des Geschmacks. Die analogen Sounds werden einem in fast jeder Produktion um die Ohren gehauen. Mir sind die neuen, anderen Klänge, auch wenn diese als Digital beschrieben werden, lieber denn mit diesen Instrumenten kann ich eher Klangforschung betreiben. Ein Sägezahn und ein Filter sind, für mich, nicht so ergiebig wie ein großer Fundus an Waves mit denen ich basteln kann. Das gilt auch für die Wavetablefraktion von PPG oder Waldorf. Wie der Affe schon meinte als er in die Seife biss. Alles Geschmacksache.

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    Ein toller Bericht! Ein Feature fehlt mir dennoch in der Beschreibung: auch Osc-Hardsync ist möglich, was es meines Wissens nach bei den Digitalen damals sonst nur im Roland JD990 gab. Dabei spielen bei Nutzung aller 4 Teilklänge eines Patches dann OSC1 2 und 3 4 zusammen, ergibt also 2 separate Sync-Sounds in einem Patch.Das mit der Resonanz-Simulation per Overdrive-Effekt funktioniert ganz gut, nur kann man dieses „Filter“ nicht per Hüllkurve steuern. Hier ist also Controller-Einsatz gefragt.

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      Schorsch, da hast du absolut recht. Hard-Sync ist bei der Wavestation, als ein ganz seltenes Feature bei sample-basierten Synthesizern vorhanden und kann je nach Wellenform sehr eigenwillige Klänge hervor bringen.

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    AMAZONA Archiv

    Ja, er war auch mein erster, Luxus-Synth, nach einem DW8000 und einem Poly61M.

    Als ich damals die ersten Flächen von der Wavestation EX angespielt hatte, da musste ich ihn haben, aber irgendwie bin ich dann doch lieber bei den warmen analogen Sounds geblieben und habe die Wavestation EX wieder verschleudert.

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      mhagen1  

      Stimmt! Die iWavestation ist wirklich sehr nah dran am Original, das ich auch habe (und behalten werde). Voraussetzung ist natürlich – wie immer – eine gute Soundkarte. Dann höre ich kaum einen Unterschied zwischen digital und digital emuliert 🙂

      Die Displaybeleuchtung lässt sich mittlerweile auch durch LEDs ersetzen. Die pfeifen nicht, da der Spannungskonverter der EL-Folie nicht mehr gebraucht wird. Umbauzeit ca. 90 Minuten, wenn man weiß, wo der Lötkolben heiß wird.

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