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Green Box: Korg Wavestation


Das Erbe des Prophet VS

Was die Wavestation nicht erreicht, ist der unnachahmliche Klang des Urahnen Prophet VS. Das Vorhandensein der bloßen Wellenformen des VS reicht nun mal nicht aus, um den speziellen Klangcharakter nachzubilden. Zu verschieden ist der technische Aufbau der beiden Geräte. Vor allem das analoge Curtis-Filter des VS sowie die mit 12 bit gesampelten Wellenformen zeichnen für den VS-Klang verantwortlich. Obwohl die klanggestalterischen Möglichkeiten der Wavestation teilweise weit über denen des Prophet VS herausragten, vermochte sie den VS niemals zu ersetzen.

Wer nicht gern selbst programmiert, der findet unter den Presets sehr beeindruckende Klänge. Einfach den Finger auf die Tastatur legen, und die Reise kann beginnen hin zu fremden Galaxien oder in die Nebel verhangenen Tiefen des Regenwaldes. Wem die internen Sounds immer noch nicht ausreichen, der findet eine Unmenge an Sounds im Netz. Für die Wavestation gab es viele, teilweise sehr gute Soundkarten von Korg oder von Drittanbietern. Vorsicht! Die Wavestation SR verwendet ein anderes Kartenformat als die Vorgänger.

Eine kleine Auswahl der erhältlichen Soundcards...

Eine kleine Auswahl der erhältlichen Soundcards…

Problematisch sehe ich jene Sounds, die vom Klang des Filters leben. Mit einem Trick lässt sich diese Manko aber etwas kaschieren. Mit den Effekten Distortion und Overdrive lassen sich annähernd Resonanzfilter-Sounds imitieren. Dabei wird der Edge-Parameter (Übersteuerung) ganz zurück gedreht und mit Hot Spot (entspricht Cutoff) und Resonanz das Filter entsprechend angepasst. Das Resultat kommt so einem Resonanzfilter schon recht nahe, auch wenn es dieses nicht zu ersetzen vermag.

Die Korg Wavestation

Die Korg Wavestation

 

Fazit

Alle Wavestation Modelle sind robuste und zuverlässige Synthesizer, die auch noch nach knapp 20 Jahren ihren Dienst sehr gut verrichten. Sie sind immer noch in vielen Studios anzutreffen, denn ihre speziellen Sounds sind schwer zu reproduzieren. Die Auswahl der Wellenformen ist sehr gut gelungen. Besonders die zahlreich vorhandenen synthetischen Wellen sind idealer Ausgangspunkt für interessante Klänge. Auch und gerade deshalb wird die Wavestation gerne zur Vertonung von Filmen und Werbespots herangezogen und genießt hier einen sehr guten Ruf. Aufgrund ihrer undurchsichtigen und teilweise unlogischen Speicherstruktur empfiehlt sie sich nicht unbedingt für den Anfänger. Das Timingverhalten im Multimode ist auch mehr schlecht als recht, und man sollte eher davon Abstand nehmen, die Wavestation im Multimode zu betreiben.

Die Wavestation ist kein Brot- und Butter-Synthesizer, keine Workstation – nein: vielmehr ein Gerät mit Ecken und Kanten, aber mit sehr viel Charakter und gutem Klang. Wer am Gerät selber schrauben möchte, der holt die Tastaturvariante oder die Wavestation A/D. Wer nur Sounds abfeuern will und Zugriff auf möglichst viele Sounds haben möchte, der ist mit der Wavestation SR sehr gut bedient.

Und wer am liebsten am Bildschirm arbeitet und keine Hardware verwenden will, der kann sogar mit der Legacy Collection glücklich werden.

Jedem Geschmack seine Wavestation …

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    falconi

    Ganz so rosig ist es nicht mit der Langlebigkeit:
    Bei ALLEN Wavestations mit Punktmatrix-Display (also allen Modellen ausser der SR) schwächelt die Displayhinterleuchtung, wenn diese oder das gesamte Display nicht bereits getauscht wurden. Ein generelles Problem aller Geräte mit grafikfähigem Display, die von einer EL-Folie hinterleuchtet werden (alle grafikfähigen Displays der späten 80er bis späten 90er). Ein Ersatz ist mittlerweile nur noch mit erheblichem Umstand zu beschaffen gar nicht mehr über Korg oder den Hersteller des Displays. Für den Tausch muß gesamte Wavestation komplett zerlegt werden.
    Ich habe in meiner Wavestation EX mittlerweile ein recht teures Display von Roland…aus Schweden.

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      laubi

      habe die Prozedur EL-Folien-Tausch auch schon hinter mir… sehr grosser Aufwand bei der Tastaturversion, bei der A/D ohne größere Eingriffe. Mit etwas Vorsicht ist der Tausch relativ einfach: Alte Kontakte ablöten und entfernen, neue Folie über die alte schieben, anlöten – fertig.
      Die EL-Folien hab ich übrigens von „www.midi-rakete.de“ – Stk. ca. 30 Euro – Investition lohnt sich, da so gut wie alles bei der wavestation über das Display abläuft…

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    FischerZ

    DIE WS-Ex war mein erster richtiger Synth. Leider habe ich die Kiste aus Dummheit verkauft aber es gibt ja die VST-Version. Klanglich kein Unterschied aber viel besser zu programieren. Wie die Beispiele sehr schön zeigen ist die WS auch heute noch ein guter Lieferant von tollen Pads.

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    gaffer

    Dem Test würde ich in fast allen Punkten zustimmen. Allein der Ruf nach Reso Filtern kann ich nicht ganz nachvollziehen. Resonanzfilter sind bei wellenformarmen Synths notwendig und wer einen Sweep hören will, kann dafür ja einen seiner anderen 26 Synths bemühen. Diese Syntheseform zielt woanders hin und wie sagte vor vielen Jahren ein Waldorf Werbespruch: eine gefilterte Geige ist kein neuer Sound sondern eine dumpfe Geige, oder so ähnlich….Frohe Eier

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    laubi

    habe alle WS-Modelle, die SR dürfte dieselben Wandler wie die 01/W-Serie verwenden (gleiches PCM-Format), ist um einiges klarer als EX und A/D (M1-Wandler?), dafür aber im Bass nicht so präsent. SR = mehr HiFi.

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    kpr

    Die Zugabe Piano-Multisample war ein Tribut an die Tanzmusiker, die damals wichtig als zahlungskräftige Kaufkundschaft waren. Klar als Synthi wollte Korg die ursprünglich WS getaufte Sache dennoch positionieren. Mit Wave Slicing war eine Idee umgesetzt worden, Filterbewegungen analoger Synths zu simulieren. Daher die entsprechenden Wellenformen im notgedrungen kleinen ROM. Soweit ich weiß, hat John Bowen die Samples beigesteuert.

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    filterfunk

    Ich hatte mich damals mit der Wavestation A/D ziemlich intensiv beschäftigt, und konnte diese auch gewinnbringend bei Produktionen einsetzen. Dennoch war die Wavestation meilenweit von dem enfernt, als was sie damals auch in der Fachpresse gepriesen wurde: Als Klang- und Synthese-Monster. Die Möglichkeit der wavesequencen war zwar nett und machten schon was her, dennoch hatte man diese recht schnell über. Und dann wurde es eng: Keine resonanzfähige Filter, und dann der typische Korg \

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      FischerZ

      Korg hat die WS nie als ….Monster angepriesen sondern als ein Instrument mit einer Quasi neuen Synthesetechnik. Klar hatten die PPG Instrumente mit ihren Wavetables eine gewisse ähnlichkeit. Der Vorteil des Wavesequencing besteht darin das die Anordung der Waves verändert werden konnte und Filter mit Resonance, vielleicht dann auch noch die 24dB/Octave Moogkaskade,hat man nun doch schon genug gehört. Dave Smith hat mit der WS den Synth der 90er erschaffen und da ziehe ich meinen Hut davor.

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        filterfunk

        Ich sprach von „Fachpresse“: Im amtlichen Test der A/D- Version, in der Fachzeitschrift „Keyboards“ wurde der A/D damals sehr wohl als das wohl ergiebigste Synthsschlachtschiff angepriesen. Ich hatte mir deshalb den Synth zugelegt. Es erging mir aber dann wie im Beitrag von user elektronalin beschrieben. Den Grundsound der Digitalsynths Anfang der 90er, mit einer ausschließlich auf Samplerom basierenden Klangerzeugung habe ICH PERSÖNLICH einfach über. Insbesondere den von Korg (das wollte ich noch erwähnen, ich höre denn schon den Aufschrei der JD800 freaks). Das an sich tolle wavesequencing, o. osc-hardsync kann daran auch nichts ändern.

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          FischerZ

          Wie bei vielen anderen Dingen alles eine Frage des Geschmacks. Die analogen Sounds werden einem in fast jeder Produktion um die Ohren gehauen. Mir sind die neuen, anderen Klänge, auch wenn diese als Digital beschrieben werden, lieber denn mit diesen Instrumenten kann ich eher Klangforschung betreiben. Ein Sägezahn und ein Filter sind, für mich, nicht so ergiebig wie ein großer Fundus an Waves mit denen ich basteln kann. Das gilt auch für die Wavetablefraktion von PPG oder Waldorf. Wie der Affe schon meinte als er in die Seife biss. Alles Geschmacksache.

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    Schorsch

    Ein toller Bericht! Ein Feature fehlt mir dennoch in der Beschreibung: auch Osc-Hardsync ist möglich, was es meines Wissens nach bei den Digitalen damals sonst nur im Roland JD990 gab. Dabei spielen bei Nutzung aller 4 Teilklänge eines Patches dann OSC1 2 und 3 4 zusammen, ergibt also 2 separate Sync-Sounds in einem Patch.Das mit der Resonanz-Simulation per Overdrive-Effekt funktioniert ganz gut, nur kann man dieses „Filter“ nicht per Hüllkurve steuern. Hier ist also Controller-Einsatz gefragt.

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      Marko Ettlich RED

      Schorsch, da hast du absolut recht. Hard-Sync ist bei der Wavestation, als ein ganz seltenes Feature bei sample-basierten Synthesizern vorhanden und kann je nach Wellenform sehr eigenwillige Klänge hervor bringen.

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    elektronalin

    Ja, er war auch mein erster, Luxus-Synth, nach einem DW8000 und einem Poly61M.

    Als ich damals die ersten Flächen von der Wavestation EX angespielt hatte, da musste ich ihn haben, aber irgendwie bin ich dann doch lieber bei den warmen analogen Sounds geblieben und habe die Wavestation EX wieder verschleudert.

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