Green Box: Oberheim DPX-1 Sampleplayer & HDX-20

4. April 2009

Vintage-Multi-Format-Sample-Player

Tom Oberheim war offensichtlich ein Visionär. Treffender kann man ihn kaum beschreiben, denn obwohl er seine größten Erfolge zu Zeiten der großen „analogen Schlachtschiffe“ feierte, erkannte er frühzeitig, dass die Zukunft dem digitalen Sampling gehörte.

Als er 1987 seinen DPX-1 dem Musikmarkt präsentierte, war er seiner Zeit weit voraus – und eben das war wohl auch das Problem, denn der Markt war noch nicht reif für den ersten Sampleplayer der Welt – und nichts Geringeres ist der DPX-1.

Raffiniert war die kleine schwarze Box allemal

1987 kämpften verschiedene Hersteller um die Vorherrschaft eines Sampling-Standards. Rückblickend können wir feststellen, dass schließlich die Firma AKAI mit der Veröffentlichung des S1000 das Rennen machte. 1987 war das aber noch lange nicht absehbar.

Die Bedienung war übersichtlich und einfach, per MIDI-Trio ließ sich der DPX-1 in jedes System integrieren, ein Mono-Out (Klinke) erlaubte schließlich die Verbindung zur Audio-Außenwelt. Thats it!

Ein Rückblick

In der oberen Preisklasse galt der EMU Emulator II seit 1984 als das Maß aller Dinge. Zwar arbeitete dieser nur mit 8 Bit Auflösung, erzeugte aber dank Fließkomma-Technik und seinen hochwertigen Bauteilen einen Klang, der selbst 12 Bit-Systeme verblassen ließ. Dank seiner analogen Filter und dem rauhen Klangcharakter gilt der Emulator II auch heute noch als Geheimtipp.

In der Einsteigerpreisklasse hatte die seinerzeit neu gegründete Firma ENSONIQ 1984 mit dem Mirage großes Aufsehen erregt. Der erste Sampler unter 10.000 DM – sensationell!

Und auch die Firma Sequential Circuits leistete ihren Beitrag 1985 zum Sampler-Markt unter der der Bezeichnung PROPHET 2000. Die Bedienung darf aus heutiger Sicht als spartansich bezeichnet werden, aber dank einer klug aufgebauten Bedien-Matrix, sowie ebenfalls echter analoger Filter, hat er auch heute noch eine eingeschworene Fangemeinde.

Ein Jahr später, 1986, brachte dann aber eine bis dato fast unbekannte Firma Namens AKAI PROFESSIONAL die Marktverhältnisse mit dem S900 deutlich ins Schwanken.

Offensichtlich hatte Tom Oberheim nicht vor, den Versuch zu unternehmen, noch einen Standard einzuführen und bediente sich lieber der vorhandenen Standards. Der DPX-1 sollte zwar nicht selbst sampeln, dafür aber die damals am meisten verbeiteten Standards abspielen können.

Kurzerhand implementierte Tom Oberheim Konvertierungsroutinen, die es dem DPX-1 erlaubten, die Sampledisketten des EMU Emulator II, des SCI Prophet 2000, des Ensoniq Mirage und des Akai S900 zu lesen und wiederzugeben.

Der erste Sampleplayer : Oberheim DPX-1

Da es 1987 drei verschiedene Diskettenformate gab (5 1/4 Zoll, 3,5 Zoll und 2,8 Zoll) implementierte Tom Oberheim gleich zwei Laufwerke in seinen DPX-1. Das große Laufwerk für 5 1/4 Zoll Disketten  des Emulator II, sowie ein Laufwerk für 3 1/2 Zoll Disketten der anderen genannten Sampler. Das 2,8 Zoll Format war 1987 bereits am aussterben – nur noch die Vorläufer des AKAI S900, der AKAI S612 und AKAI S700 nutzen noch dieses Format.

Und da kommen wir auch schon zu der Frage, ob der DPX-1 analogen Filter beherbergt.
Die Frage ist berechtigt und hier auch gleich die Antowrt: JA – HAT ER.

Deshalb wird er übrigens von EMU II Usern sehr sehr gerne als Ersatzteillager gekauft, quasi als kompaktes „survival kit“ zum Ausschlachten aufgrund der Filter und des Laufwerks. Das Leben ist hart.

Und wie klingt er nun?

Die A/B-Vergleiche zu den Originalen sind wirklich faszinierend. Der kleine DPX-1 ist ein echtes Chamäleon.

  • E-MU Emulator II
    Sounds gibt er 1:1 sauber wieder. Der rauhe Klangcharakter bleibt erhalten.
  • ENSONIQ MIRAGE
    Sounds klingen im DPX-1 sogar besser als im Original
  • PROPHET 2000 / 2002
    Sounds klingen ebenfalls sehr nah am Original, nur die Filter packen im Pro 2000/2002 härter zu als im DPX-1 – vorausgesetzt, die Filter wurden im Original-Sound auch eingesetzt.
  • AKAI S900 / S950 
    Die Hüllkurven des S900 sind eindeutig schneller. Das zeichnete den S900 damals auch besonders aus und machte ihn bei Drummern als Klangerzeuger für Drumsounds sehr beliebt.

Editing

No Way! Ja – das ist wirklich schade. Da lässt sich keine Envelope verbiegen und keine Resonanz hochschrauben. Wurde kein Filterverlauf im Original produziert, ist er auch im DPX-1 nicht vorhanden.

Auf vielen damaligen Soundisketten wurden aber Samples grundsätzlich mit verschiedensten Edit-Parametern als eigenständige Sounds abgespeichert. So kann man sich also auch im DPX-1 durch die Programme zappen und evtl. das passende finden.

SCSI, HD?

Auch wenn es so aussehen mag, SCSI wurde für den DPX-1 leider nie angeboten – oder doch?
Auf Synrise.de findet sich der Hinweis, es handle sich um SCSI-Platten.

Unter der Bezeichnung HDX-20 erschien wenige Monate nach dem DPX-1 von Oberheim auch der dazu passende Massenspeicher (hüstl)!

Mit enormen 20 MB!!!! war es dank dieser 2HE großen Rack-Einheit möglich, durch ein spezielles Anschlusskabel und optionalen Interface, bis zu 20 verschiedene Disketten von der Festplatte abzurufen und in den DPX-1 zu laden.

Optionaler SCSI Anschluss beim DPX-1

Optionaler SCSI Anschluss beim DPX-1

Der Ladevorgang wird entweder am Gerät oder durch Program Changes getriggert.

Der hier abgebildete HDX-20 Massenspeicher hat leider wenige Wochen nach Erwerb seinen Geist aufgegeben. Auch nach tagelangen Foren-Scouting war keine Hilfe in Sicht. Ein Austausch mit einer 20 MB SCSI Platte könnte evtl. möglich sein, da aber der DPX keine Möglichkeit bietet, HDs zu formatieren und das Format noch dazu unklar zu sein scheint, schmachtet der HDX-20 also in der Raritätensammlung der Redaktion vor sich hin.

So lange der HDX-20 seinen Dienst tat, tat er diesen zwar schnell aber EXTREM LAUT. Ich habe selten einen Lüfter und eine Festplatte gehört, die diesen Schallpegel erreichten. Kein Witz.

Rückseite des HDX-20

Rückseite des HDX-20

Also weinen Sie dem HDX-20 keine Träne nach, denn der DPX-1 lädt seine Disketten problemlos, schnell und leise.

Bedienung

Diskette reinstecken, LOAD drücken, ENTER – fertig. Nach dem Ladevorgang (wird per LED angezeigt) LINKS oder RECHTS Taster betätigen um verschiedene Presets anzusteuern. Auch das lässt sich über MIDI -Program-Change erledigen.

SAVE? Ja, gibts. EMU II Diskette rein, saven auf 3 1/2 Zoll Diskette – bingo.

Das Ende vom Lied

Leider hat der DPX-1 gemeinsam mit dem Matrix 1000 den Untergang der Firma OBERHEIM nur verzögern, nicht aber aufhalten können. Wirklich schade!

Fazit

Der kleine Schwarze macht Spaß, eben weil er so unkompliziert ist, gut klingt und nicht teuer ist. Hin und wieder tauchen auf eBay auch die dazugehörigen Libraries auf. Kürzlich konnte ich 50 EMU II Disketten für 50 Euro ergattern. Ist doch klasse: So unkompliziert war ich noch nie in den Genuss von original Emu-II Sounds gekommen.

Aus diesem Grund gibts hier auch die drei STERNE von mir!

Plus

  • Kompatibel zu Emu II, Prophet 2000 und Ensoniq Mirage
  • Klingt dank seiner analogen Nachbearbeitung und Filtern fast wie die Originale

Minus

  • Nur wenige HDs kompatibel und sehr langsam
  • Keine Klangeditierung möglich

Preis

  • ca. 400€ laut Syntacheles-Liste
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Habe vor ein paar Tagen in einer alten Keyboards-Ausgabe über den DPX-1 gelesen und mich gefragt, wie Oberheim so dramatisch untergehen konnte. Denn wenn eines klar ist dann dieses: Sampler-User sind wohl selten selber-Sampler. Ich habe eine W-30, zwei S-330 und einen EMU Esi32. Einmal habe ich was gesampled, aber sonst habe ich einfach nicht die Zeit dazu. Und wenn alle so sind wie ich, dann ist das DPX-1 das klügste Stück Hardware das die Musikindustrie herstellen konnte.

    Bitte mal um Handzeichen: Welcher Hardware-Sampler-User hat selber Samples angelegt, und wer nicht? Besten Dank.

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      gaffer  AHU

      W-30 und S 330 sind schon harter Stoff, aber mit den ESIs gings doch einigermassen. Ich selbst habe mit K 2000 am meisten gesampled, habe aber viele gesehen, die mit S 1000 z.T. sehr schnell gearbeitet haben, denk mal an die HipHopper anfang der Neunziger, die sampleten ihre Textpassagen brockenweise in die Geräte und das ging rasend.

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      k.rausch  RED

      Sampler waren damals neu und die meisten Käufer dachten, sie würden sicherlich auch sampeln. Zwar war das ein Irrtum, nur die wenigsten Leute haben das auch in die Tat umgesetzt, aber das wussten die bei der Kaufentscheidung ja noch nicht. Hinterher ist man immer schlauer :-) Folglich blieb der DPX-1 für die übrig, die vorsätzlich nicht sampeln wollten. Das war eine klare Minderheit, wie wir nun wissen. Heute ist das deutlicher erkennbar, Sampleplayer sind das Mainstreamtool schlechthin, nur ein paar echt Unerschrockene sampeln selber. Deshalb war der DPX-1 lediglich seiner Zeit voraus und insgesamt einen Tick zu untermotorisiert.

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      TZTH  

      Mit dem S612 natürlich nur sampling, mit dem S900 verwende ich ab und zu die Linndrum Samples, aber ansonsten wird auch nur gesampelt.

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      micromoog  AHU

      Mit 7 Jahren Verspätung strecke ich mal die Hand!
      Ich bin Fan von den alten HW-Samplern mit einer Prise Sammelleidenschaft.
      Samplte in den End 80ern bis vor etwa 10 Jahren sehr viel. Hauptsächlich Synthesizer, die hybriden Sampler wie EII, EIII, Emax, FZ1 und DSS1 etc. sind ja eigentlich nix anderes wie „Synthesizer mit austauschbaren Wellenformen“ :o)
      Zu meinen Lieblingen zählen auch die Roländer, die Fairlights für Arme!
      Die DPX1 haben leider oft Probleme mit der PSU. Kenne neben meinem auch andere die mittlerweile schon abgeraucht sind.

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    gaffer  AHU

    @ den Tester:
    glaubst Du nicht, daß das nur ein romantisch verklärter Blick auf einen Dino der Achtziger ist. Ich stand damals in einer Synthieabteilung im Verkauf und musste auch dieses „In jedem Dorf ein Hund“- Gerät anbieten, glaube mir keiner wollte es – vollkommen richtig, ein Original der „emulierten“ Sampler war weit besser. Wenn es doch wenigstens günstig gewesen wäre. Und heute ist es auch zu Recht zum Ersatzteillager für Chipsucher mutiert, sorry.

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      AMAZONA Archiv

      Was waren denn die Argumente gegen das Gerät? Schlechter Sound? Schwierige Bedienung? Hoher Preis?

      Ich möchte Deine Erfahrungen nicht gering achten (und schon gar nicht Deine Qualitäten als Verkäufer), aber wenn ich mir den Ensoniq Mirage ansehe, dann wurde der nahezu ausschließlich als Sample-Player eingesetzt. Unter anderem auch weil die eingebaute Sample-Engine schlechtere Ergebnisse brachte, als die gekauften Sounds, die nie und niemals auf dem Mirage entstanden sind. Und der Mirage konnte nur Mirage-Disketten lesen. Der DPX-1 alle in dieser Zeit Üblichen.

      Echt, ich bin wirklich auf die Kunden-Argumente gegen den DPX-1 gespannt. Für mich war es damals der Preis. Aber das galt für fast alle Geräte damals. Als Lehrjunge mit 350 DM (für die Spätgeborenen: Etwa 170 €) stotterte ich ewig an meinem DW-6000 ab. Da kam ein Oberheim gar nicht mal in Betracht …

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        gaffer  AHU

        Sorry, hab den Beitrag erst jetzt gelesen.
        Wenn vor 15 Jahren jemand einen PC kaufte musste der 1 m hoch sein, mindestens 6 PCI Plätze haben, damit er erweitert werden konnte. Das hat zwar niemand getan, trotzdem hat es Jahre gedauert, bis kleine Gehäuse wiederkamen. Genauso hätte kaum jemand einen Sampler gekauft um damit nur Sounds abzuspielen, auch wenn er das später genauso gemacht hat. Dazu war der Preis zu hoch. ROMpler wurden in den 80ern übrigens auch nicht verkauft, nein man kaufte einen Synthie mit 50000 zusätzlichen Sounds (randomerzeugt im Editor) ohne nachzudenken, wie man den Schrott jemals duchhören könnte.

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    emulator2hd  

    Ich benutze ihn um meine Emulator II Library wiederzugeben(Meine E II’s sind beide hin),und das tut er sehr gut.

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    Son of MooG  AHU

    Ich gehöre zu der unerschrockenen Minderheit, die auch heute noch mit ihrem Mirage und Akai S01 selber sampelt. Daß man mit der Engine des Mirage nur schlechtere Ergebnisse als bei den Kauf-Disketten hinkriegen soll, kann ich nicht bestätigen. Es braucht halt Geduld, Fingerspitzengefühl und v.a. ein gutes Ohr, um mit dem Mirage wirklich gute und auch sehr abgefahrene Sounds zu kreieren. Aus diesem Grund hätte ich sehr gerne noch einen DPX als Erweiterung gehabt, um live mehr Mirage-Sounds bringen zu können. Leider hatte ich bisher nie die Gelegenheit dazu, aber wer weiß…?

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