Green Box: Quasimidi Technox Synthesizer

14. April 2001

LoFi Techno-Tool

Die Vorgeschichte

Anno 1995 – die ravende Generation befindet sich gerade auf ihrem Höhepunkt – trifft Quasimidi den Nerv der Zeit.

Während sich die anderen Hersteller auf ihren Erfolgen ausruhen, schneiden Jörg Schaaf und seine Mannen aus einer Rippe des Quasar den ( Tusch ! ) TECHNOX . Vollgestopft mit den angesagten Sounds des Techno/Trance erhielt der Technox Einzug in Kinderzimmer, Keller und Studios der damals aufstrebenden Produzenten.
Unterstützt durch TB303, Juno 106, TR 909 und Atari ST war und ist er an zahlreichen Produktionen beteiligt – und man glaubt es kaum – es soll auch vorgekommen sein, daß komplette Produktionen ausschließlich mit dem Technox ihren Weg in die Vinylläden fanden. Allerdings waren das wohl eher Ausnahmen und auf zunehmende Selbstüberschätzung des A&R-Managers zurückzuführen. Die Gründe dafür finden Sie weiter unten und hören Sie im Klangbeispiel.

Sein Antlitz

Zeitlos schön, kann ich mich auch heute noch am Äußeren des Technox laben. Mattes gebürstetes Edelstahl als Frontplatte lassen den Technox auch neben Akai-Samplern nicht alt aussehen. Das in Oval gefaßte gelbgrüne Display läßt sich allerdings nur von schräg oben gut ablesen. Eine Kontrastregelung gibt es nicht. Fast schon patriotisch mutet der Schriftzug „Made in Germany “ an und der Zickzack Ralley-Zierstreifen führt Richtungsweisend zum Aufdruck “ Techno – Rave – Electronic „.
Ich habe auch schon aus dubiosen Quellen gehört, daß es mal eine Limited-Edition gab, die rosa war und Plüsch-Eingabe-Räder hatte. Celebration Generation !

Bedienelemente und Anschlüsse

Vorderseitig findet man löblicherweise ein Power-Schalter für das interne Netzteil, das 2x 16-Stellige Display, zwei Alpha-Dials, vier Tasten sowie einen Kopfhörerausgang samt Laustärkeregler. Rückseitig das Midi-Trio, Kaltgerätebuchse, Fußschalter und einen Stereoausgang. Nein, leider keine Einzelausgänge, auch nicht als Option. Schade.


Die Verarbeitung und die Auswahl der Komponenten läßt ein wenig zu wünschen übrig. Zum einen ist das Display nur von einer etwas dickeren Plastikfolie ( ! ) geschützt, das Netzteil brummt so laut, daß man es als zusätzlichen Oszillator benutzten könnte, und die Dials eiern schon ein wenig. Der Lautstärkeregler kratzt, was aber auch die sechs Jahre Studioalltag hervorrufen.

Was macht er, was kann er ?

Klangvielfalt ist das Wort was dem Technox am ehesten gerecht wird, bietet er doch 512 stilechte Sounds, geordnet nach Bässen, Leads, Pads usw. die man aus vielen namhaften Produktionen kennt.
Angefangen bei TB303 Sounds über Minimoog bis hin zu Roland-Geröchel ist alles vertreten, was man so als Grundstock für Techno braucht. Die Klangauswahl hat Quasimidi meiner Meinung nach mit Bravour gemeistert.
Der Klang des Technox ist eher Dumpf, was zum einen mit der Samplingrate zu tun hat : Um Speicherplatz zu sparen haben die Entwickler das Frequenzspektrum der Samples beschnitten wo es nur ging, auch die Hihats lassen an Brillianz vermissen.
Zum anderen wurde hinter die integrierten D/A Wandler zu Gunsten des Rauschverhaltens wahrscheinlich noch ein Tiefpass gesetzt, so daß ich den Technox mit chronischer Höhenanhebung und Denoiser in meinem Setup verwende.
Oft steppe ich auch inspirationshalber nur die Sounds durch und ersetzte ihn dann durch ein anderes Instrument.
Andersherum kann es auch gut vorkommen, daß mir ein Sound aus einem anderen Gerät zu clean ist. Dann kommt mir der Technox mit seinem Aliasing gerade recht. Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, daß sich die aktuellen Klangideale nicht mit denen des Technox vergleichen lassen. Der Sound des Technox war vor ca. 3 Jahren aktuell.

Die Technischen Daten

„Der Technox macht aus jedem noch so kleinen Midistudio ein TECHNO-PRODUCTION-Center “ prahlte Quasimidi in seinen Werbebroschüren. Das dies so nicht ganz richtig war, dürften wohl die Eckdaten des Technox offenbaren :

– Ein Stereo-Ausgang
– 21 Stimmig
– 2 Effekte, 1x Hall, 1x Modulation ( Qualität bestenfalls ausreichend )
– Stimmenarchitektur : 2 Oszillatoren, eine ADSR-Hüllkurve, einen Resonanzfilter, einen LFO
-16 Fach Multimode, auf Kanal 10 Drums
Die einzelne Technox-Stimme ist ein Single-Sound, dessen Voreinstellung sich nur relativ ändern läßt. Im Multimode kann man für jeden Part folgende Einstellungen vornehmen :

  • Level
  • Panorama ( Verschiedene Modi, z.B. Random )
  • FX-1 Send
  • FX-2 Send
  • Tune
  • Fine Tune
  • Cutoff Frequency + 63 ( Relativ )
  • Resonanz + 63 ( Relativ )
  • Hüllkurven-Auslenkung + 63 ( Relativ )
  • Attack + 63 ( Relativ )
  • Decay + 63 ( Relativ )
  • Release + 63 ( Relativ )
  • LFO Tiefe + 63 ( Relativ )
  • LFO Geschwindigkeit + 63 ( Relativ )
  • Portamentozeit
  • Velocity-Kurve

Das will uns sagen, daß der Technox eine Presetschleuder ist. Man kann nur marginal ins Klangeschehen eingreifen, wobei auch die Möglichkeit besteht, frei definierbare Controller auf verschiedene Modulationsziele zu routen. Die Drumsets lassen sich in pukto Panorama, Tune, FX-Sends und Lautstärke anpassen und abspeichern. Die Tastenbelegung der Drumsounds ist aber fest. Wer jetzt denkt, das ist ja ´ne GM-Kiste, hat nicht ganz unrecht, denn im Technox thront die Platine des Quasar. Auch der Caruso, ein Technox für Alleinunterhalter stammt aus dieser Familie.

Fazit

Komplette Produktionen aus einem Gerät sind auch heute im Technobereich eher eine Seltenheit, und wenn dies doch mal der Fall sein sollte, dann hat das Gerät Einzelausgänge, die im Mischpult EQt und mit externen guten Effekten bearbeitet werden. Zu den Hochzeiten des Trance 1996 bis 1998 gab es zwar noch die Möglichkeit dazu, ich glaube aber nicht, daß sich heute noch jemand ernsthaft mit diesem Gedanken befaßt. Daher Empfehle ich den Quasimidi Technox heute eher Leuten denen entweder diese Soundgrundlage fehlt, oder die einfach noch den alten Zeiten hinterhertrauern ;-) . Wenn Mancher auch mit dem CS1x oder dem CS2x liebäugelt, die Authentizität des Technox ist nicht zu überbieten. Nur er liefert das richtige Trance-Feeling. Alles andere ist Pop :-)

Plus

  • Sehr gute Techno-Sound Library

Minus

  • Auf Grund niedriger Sampling-Rate fehlen dem Sound die Höhen.
Forum
  1. Profilbild
    richard  AHU

    Für die damalige Zeit war der Technox völlig in Ordnung, auch der günstige Preis lockte.
    Heutzutage finde ich den, oft kritisierten, „mumpfeligen“ Sound der Quasimidigeräte teils recht reizvoll, es erzeugt eine gewisse „darke“ Ästhetik. Allerdings sind die zum teil aberwitzigen Preise auf E-bay definitiv zu hoch für die Geräte.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.