Green Box: Waldorf WAVE Wavetable-Synthesizer

14. Juli 2012

Ein Wavetable-Hybrid-Klassiker

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Vorwort der Redaktion

Nachdem am vergangenen Dienstag ein WALDORF WAVE für satte 11.161,11 € über Ebay-Deutschland den Besitzer gewechselt hat, dachten wir es wäre an der Zeit, diesen Klassiker nochmals ins Rampenlicht zu stellen. Ende 1993 erblickt der Synthesizer-Gigant das Licht der Welt. 14.000 DM kostete einst das Prachtstück und gilt heute als eine der größten Raritäten am Synthesizer-Markt. Zu zweifelhaftem Ruhm ist der Waldorf WAVE allerdings auch durch den Niedergang der Ur-Firma „Waldorf“ gekommen, die – glaubt man den Gerüchten – sich bei der Entwicklung und Produktion dieses Boliden kräftig verschätzt hat und 2004 in Insolvenz ging (siehe auch verlinkte Waldorf-Story am Ende der Green-Box-Story).

Doch die Fangemeinde des Waldorf WAVE lebt. So programmierte der Schweizer WAVE-Spieler Werner Schönenberger mit Hilfe von Jürgen Fornoff und Hermann Seib mit dem original Waldorf Code ein neues, fehlerbereinigtes, um einige neue Funktionen angereichertes nun offiziell von Waldorf genehmigtes Betriebssystem. Und das 10 Jahre nach dem letztem Update in Sachen WAVE. Es lebe der WAVE! Mehr zu den Neuigkeiten in Sachen WAVE auf der letzen Seite meines überarbeiteten Berichtes.

Till Kopper, Autor des nun folgenden Berichtes, betreibt zudem noch heute eine sehr gut bestückte Website zum Waldorf Wave mit weiteren Infos und Downloads zu diesem Ausnahme-Synthesizer, der auch in unseren Charts unter „Hybrid-Synthesizer“ verdienterweise auf Platz 1 steht.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen Ihre AMAZONA.de-Redaktion.

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Big Wave

Wenn man einem anderem Vertreter der Gattung Knopfdreher etwas von einem Synthesizer erzählt, der im Flightcase verpackt auch bei umgeklappter Rückbank nicht in einen VW Golf III passt, dazu gleich mehrere parallel arbeitende Prozessoren Baujahr 1993-96 besitzt und dann noch darauf hinweist, dass dessen Panel mittels Gasdruckfedern nach oben geklappt werden kann, so ist es mehr als eindeutig: Der Waldorf WAVE ist gemeint.

Wenn ich den Waldorf WAVE meine, so schreibe ich meist kurz WAVE, also in GROSSBUCHSTABEN, denn so steht es auf der rechten oberen Ecke des Panels. Beim PPG wave (Kleinschreibung) stand unten recht auf dem Panel „wave“. Dieses ist aber nur ein Zufall. Axel Hartmann, der damals als Angestellter von Waldorf dem WAVE sein Antlitz schuf, hatte so manche andere Idee gezeichnet, bis er aus den langen Strichen des As und dem V durch Verschmelzen eine Welle erzeugte, die nun visualisiert, was der Schriftzug in Großbuchstaben beschreibt: eine Welle, engl. wave. Eben ein WAVE. W/-/E

Vom Designzentrum Nordrhein-Westfalen (www.red-dot.de) erhielt der WAVE 1994 übrigens den Red-Dot Award für seine hohe Designqualität. Hat Ihr Synthesizer auch einen solchen Sticker wie hier unten zu sehen ist? Hier trifft schöner Klang auf schönes und praktisches Design.

Waldorf Wave by Anthony Rother

Wenn Wellen schwingen

Dieser von Ende 1993 bis 1996 gebaute Synthesizer ist ein Enkel der PPG Wave Serie. Genauso wie diese benutzt er die Wavetable Synthese zur Erstellung von Klängen. 64 Wavetables mit je 64 Wellenformen stehen für jeden der beiden Oszillatoren ab Werk zu Auswahl. Weitere 64 können erzeugt und gespeichert werden. Er hat also nicht nur ein paar statische Wellenformen (Sägezahn, Dreieck oder Puls, sondern hält immer 64 Wellenformen, also ein komplettes Wavetable auf Abruf bereit. Der Clou liegt darin, sich nicht für eine einzige Wellenform aus dem Gesamtsortiment entscheiden zu müssen, sondern auf Wunsch mehrere Wellenformen nacheinander abspielen zu können. Den Start- und Endpunkt eines Wellendurchlaufes können Sie dabei selbst festlegen und auch während des Spielens dynamisch steuern.

Neben den 64 im ROM befindlichen Wavetables gibt es die Möglichkeit, 64 eigene Wavetables zu kreieren und im RAM abzulegen, doch dazu später mehr. Die Wavetables 1-30 entsprechen ziemlich denen der PPG Wave Serie, allerdings hatten die dort die Nummern 0-29.

Außerdem kennt man die ersten 32 Wavetables natürlich auch aus dem Ur-Microwave. Die Wavetables 1-64 fanden schließlich auch ihren Weg in die anderen Wavetable Synthesizer aus dem Hause Waldorf (Microwave II/XT(k), Blofeld, Largo).

Nun soll es ja noch Preset Verachter geben, die nicht einfach nur ROM-Wellen abspielen wollen. Diese können sich am WAVE mit der additiven Synthese austoben und so mehrere Wellenformen erzeugen, um diese dann nach Belieben in selbst gemachten Wavetables zu verteilen. Dabei wird man vom großen Display und der durchweg sehr logischen Bedienung des WAVE unterstützt. Das war aber den Machern bei Waldorf noch nicht genug. Wer will, kann auch per MIDI-Sample-Dump (sehr zeitraubend) oder per Diskette (3,5″ DOS formatiert) Sounddesigner I (nicht Version II !) Sounds in den Wave einlesen lassen.

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Da dieses alte Format kaum noch von aktuellen Programmen unterstützt wird, ist es mit dem neuem Betriebssystem von Werner Schönenberger möglich, auch normale WAV-Dateien, die fast alle Audio-Tools lesen und schreiben können, in den WAVE einzulesen. Daraus erzeugt der Wave dann einen Wellensatz, der mehr oder weniger nach dem Original-Sound klingt. Wer allerdings die Qualität eines Samplers erwartet, liegt vollkommen falsch. Man sollte deshalb auf zu komplexe, mehrstimmige oder unharmonische Klänge verzichten, da es sonst meist nur sehr wilde, nicht gerade ähnliche Ergebnisse gibt. Aber Probieren geht über Studieren. So habe ich selber schon erfolgreich ein hauchendes Fairlight „Ahh“ oder einen geslapten E-Bass der PPG Sample Sound Library (Sound T040) resynthetisiert.

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Auch einige der ROM-Wavetables sind so entstanden: Das Wavetable „1-2-3-4-5“ ist z.B. eine Männerstimme, die von eins bis fünf zählt – wenn auch sehr verfremdet. Ein sehr gut klingender Glockenklang Wellensatz ist der resynthetisierter Haustürgong eines Waldorf Mitarbeiters – und glauben Sie mir, sie würden nicht darauf kommen, dass es nur ein Tür-Gong ist.

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Aber dieses ist nicht genug Synthese. Es gibt auch eine Additive-Synthese-Funktion an Bord. Damit kann man einzelne Wellen mit 64 Harmonischen erzeugen. Neu ist im OS 1.803 die Möglichkeit, die Phase positiv oder negativ in der Berechnung einer jeden Harmonischen auszuwählen. Und alles dieses kann man auch gleich hören. Also kein Blindflug. Dieses sieht dann so auf dem Display des WAVE aus:

So sieht die additive Synthese mit 64 Harmonischen auf dem WAVE aus (neues OS 1.803)

So sieht die additive Synthese mit 64 Harmonischen auf dem WAVE aus (neues OS 1.803)

Und ganz nebenbei kann man das Display mit dem gleichzeitigen Drücken von SHIFT, CANCEL und OK automatisch als TIFF-Datei auf die geladene Diskette oder dem USB-Stick des neuen Floppy-Emulators abspeichern. Geschickt, um mal eben jemandem was per E-Mail zu zeigen.

Doch wieder zurück zur Synthese:

Es gibt auch eine FM-Synthese zur Erzeugung von Wellen. Acht Operatoren sind verfügbar. Die Verschaltung der Stränge sieht so aus:

Die 8-Operatoren FM-Synthese à la DX-7

Die 8-Operatoren FM-Synthese à la DX-7

Bei jedem Operator kann man die Frequenz und die Amplitude steuern. Ein Feintuning der Frequenz gibt es hier im Gegensatz zu reinen FM-Synths nicht, da ein Verstimmen nicht in einer Welle mit nur einem Zyklus abgebildet werden kann. Lesen Sie Fachbücher und fragen sie Ihren Physik- und Mathematiklehrer.

Als weitere Syntheseform kann man gespeicherte Werks- und User-Wellen miteinander addieren, multiplizieren und so weiter.

Erzeugten Wellen kann man reichlich auf 1000 (!) User-Speicherplätzen abspeichern oder per Diskette auslagern. Wenn man mindestens zwei Wellen hat, so kann man daraus durch Interpolation einen Wellensatz (Wavetable) errechnen lassen. Dazu werden zwischen den ausgewählten Wellen vom Rechner im WAVE die Zwischenwerte berechnet und in ein der 64 Positionen eines Wellensatzes geschrieben. Man kann also ein Resynthese-Spektrum in ein FM-Klang überblenden und dann langsam dieses in ein additiv erzeugtes Spektrum überblenden lassen. Nun das Ganze noch analog filtern, und schon hat man in langen Winterabenden reichlich was zu schrauben und zu entdecken. Und nicht immer muss man genau wissen, warum es jetzt so oder so klingt. Oder ein Ziel haben. Entdecken und Überraschungen sind manchmal auch sehr kreativ. Also keine Angst und die eingebauten Wellen- und Wavetable-Erzeugung mit einem Druck auf die Wave-Edit Taste rechts vom Display gestartet.

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Mixdown

Natürlich durchläuft jeder Ton der beiden Oszillatoren vor dem Filter einen Mixer. An dieser Stelle lässt sich dem Signal auf Wunsch Weißes Rauschen hinzufügen. Leider hat der Mixer, der die digitalen Oszillatoren anscheinend schon auf der digitalen Ebene vermischt und dann erst Rauschen auf Wunsch hinzufügt, nur acht mögliche Level-Werte für die Klangquellen. Auch wenn man diese moduliert, bleibt es bei diesen acht Schritten. Das hört man natürlich deutlich bei Modulation oder Reflexbewegungen. Aber damit kann man wirklich gut leben. Ich benutze andere Regler und moduliere andere Ziele weitaus häufiger und intensiver. Was bringt einem ein Aftertouch gesteuertes Einblenden eines Oszillators, wenn die Lautstärke stufenhaft ansteigt? Hier muss man also Abstriche in Kauf nehmen. Dieser unschöne Effekt wird durch den von Wolfgang Palm entwickelten ASIC Chip generiert, der im Prinzip für die ganze digitale Klangerzeugung der acht PPG wave Stimmen zuständig ist. Zwei dieser Chips sitzen in jedem Wave, um eine 16-stimmige Polyphonie zu erzeugen. Dieser Chip ist auch beim direkten WAVE Vorfahren, dem Microwave, als Soundengine enthalten. Da wir uns nun ausgiebig den Oszillatoren und der im Waldorf-Slang als Wave 1 und 2 bezeichneten Sektion links vom (480 x 64 Pixel) LC-Display beschäftigt haben, kommen wir nun zum

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Filter

Der WAVE hat für jede seiner standardmäßigen 16 Stimmen (erweiterbar auf 32 oder 48 Stimmen) zwei analoge Filter auf Basis von Curtis ICs, Typ 3379. Na und, wird mancher denken. Da Worte einen Klang nie wirklich gut beschreiben können, verweise ich auf die Klangbeispiele. Und da hört man unerhörte Flächen und digitale Wucht. Aber auch die analogen Brot-und-Butter-Klänge. Das Tiefpassfilter ist mit 24 dB ein klassisches Filter für sonore Sounds und lässt sich mittels Resonanz bis zur Eigenschwingung treiben. Das zusätzliche Hochpassfilter besitzt eine Flankensteilheit von 12 dB und ist damit sehr gut zum Ausdünnen von Pads geeignet. Roland lässt grüßen. Natürlich lassen sich die beiden Filter entweder unabhängig in Reihe schalten oder als Bandpass oder Bandsperre benutzen. Allerdings müssen im Gegensatz zu neueren Waldorf Klangerzeugern immer alle Signale des Mixers durch die genau selbe Filterschaltung. Kein Filterpanning. Die Filter klingen nicht nur analog, sie sind es auch, wobei besonders das Tiefpassfilter warm und voll klingt. So kann man aus einfachen Sägezahnschwebungen herrliche Pads erschaffen, die man in solch einer monströsen Dichte nur sehr selten gehört hat. Das Filter wird während des Editierens als Grafik auf dem LCD abgebildet, sicher eine optisch schöne Sache, aber wohl für die meisten User nicht zwingend erforderlich. Erst der 11 Jahre später veröffentliche Waldorf Blofeld macht dieses als Hardware Synthesizer wieder so.

Was wäre wohl aus dem WAVE geworden, wenn die Digitaltechnik damals zwei oder drei Jahre weiter gewesen wäre? Der WAVE hätte dann sicherlich auch schon aus Kostengründen digitale Filter bekommen. Aber sicherlich hätte ich dann hier nicht diesen Bericht geschrieben und heute editiert. Es gibt schöne digitale Filter. Aber kein digitales Filter liefert bis heute so einen schönen Klang.

Cadmium Variante des Waldorf Wave

Cadmium Variante des Waldorf Wave

Es wird aber von Musikmesse zur Musikmesse immer knapper mit dem Vorsprung. Aber noch siegt analog im Filterklang im direkten A/B Vergleich. Im Mix wird das schon etwas anders.

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Where the fun starts

Das bisher Genannte würde sicherlich nicht die vielen Regler und den damit verbundenen Preis rechtfertigen, deshalb nun die wirkliche Fun-Abteilung.

An erster Stelle steht hier fast wie bei einem modularen System die Möglichkeit, jeden nur erdenklichen Parameter zu modulieren. Auch die Auswahl der Modulationsquellen kann man nur als üppig bezeichnen. Man beachte bitte hier das Baujahr und vergleiche nur mit Synths, die maximal 5 Jahre jünger sind. Alles andere ist unfair. Hier ein Auszug:

  • LFO 1/2
    Amp Env (ADSR)
    Fiter Env (Delay ADSR)
    Wave Env (8x Level und Time)
    Free Env (4x Level und Time)
    6 Control Module (siehe unten)
    Keytrack
    Velocity
    Release Velocity
    Aftertouch
    Polypressure (nur via MIDI, nicht über eigene Tastatur möglich)
    Playspeed (je schneller man spielt, um so höher die Steuerspannung)
    More Keys (mehr Tasten gleichzeitig = mehr Steuerspannung)
    Less Keys (umgekehrt wie zuvor)
    Wheels (3 Stück),
    Sustain und andere Pedale,
    Button1/2
    MIDI-Controller

Eigentlich für Synths von heute auch nicht schlecht. Wenn auch nicht mehr High-End-Standard.

Besondere Erwähnung verdienen dabei vor allem die CONTROL MODIFIER, die den CONTROLLERN vorgeben, wie sie die Parameterveränderung vornehmen sollen. Steuert z.B. ein LFO ein Vibrato, legt man mit einem der MODIFIER fest, wann und wie dieses Vibrato einsetzen soll. So könnte das Vibrato 5 Sekunden nach dem Auslösen des Tons langsam einfaden. Oder ein LFO moduliert die Modulationsstärke des Filter-Envelopes. Oder ein LFO moduliert Aftertouch-gesteuert die Frequenz des anderen LFOs, der wiederum per Velocity in der Stärke verändert wird und auf das Filter wirkt. Und dann wäre noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Man könnte noch viel mehr gleichzeitig machen. Hier gibt es kein Limit durch eine Modulationsmatrix. Eben alles WAVE hier.

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Ein Hoch auf die Bedienung

Waldorf hatte sich beim WAVE guten Rat geholt, um den WAVE so praktisch und komfortabel für Musiker wie möglich zu gestallten. So werden alle Edits beim Ausschalten nicht einfach vergessen, sondern sie bleiben erhalten, so lange bis man diese löscht oder speichert. Und das nicht für einen Sound oder Performance oder 10 oder 100, sondern für alle. So gesehen hat der WAVE zu jedem Speicherplatz (256 Klänge und 256 Multis) die gleiche Anzahl als Schattenbelegung zu bieten. Das bietet meines Wissens so gar heute im Zeitalter immer größerer Speicher kein Synthesizer. So gar Software Synthesizer haben dieses nicht. Waldorf hat hier eben weiter gedacht. Viele Musiker werden es ihnen schon Hunderte Male gedankt haben.

Aber dem ist nicht genug. Mit einem RECALL und gleichzeitigem PERFORMANCE (= Multi) oder INSTRUMENT Tastendruck ist man so fort wieder beim gespeicherten Einstellungen. Und Edits in der Sound- und Multi-Ebene werden mit einem satten Kreis hinter dem Namen im Display sofort angezeigt. Natürlich hat der WAVE eine Compare-Funktion, um vor dem Speichern eines Klanges diesen gegen die gespeicherte Version zu vergleichen. Das war vor 15 Jahren nicht selbstverständlich wie heute.

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Keysplits- und Layer-Zonen können im Performance-Mode entweder per Schieberegler mit Kontrolle im übersichtlichem Display eingestellt werden oder nach Funktionstastendruck oberhalb vom Display auch an der Tastatur selber. So liebe ich das!

Zu jedem der maximal acht Klängen im Performance Mode kann man unzählige Einstellungen vornehmen. Neben Anzahl der reservierten Stimmen oder dynamischer Zuordnung kann man natürlich die Basics wie Lautstärke, Panning, Transpose und Detune, Ausschalten von Daumenrädern und anderes schnell und übersichtlich einstellen. Und das Ganze kann man auch mit Externals, das sind reinen Masterkeyboard Funktionen einstellen. Natürlich kombiniert mit den internen Klängen. Und für 32 MIDI-Kanäle, die über zwei unabhängigen MIDI-Buchsen den WAVE verlassen. Die Schieberegler unter dem Display kann man individuell internen Klangparametern oder externen MIDI-Kanälen (per MIDI CCs) zuweisen. Mit Skalierungen von Controllern wie Daumenrädern und Aftertouch hat man mit dem WAVE ein wunderbares, einfach zu bedienendes Masterkeyboard. Nur wenn man eine Hammermechanik wünscht, sollte man Alternativen suchen.

Man braucht also nicht lange in Menüs zu blättern, um den WAVE zu bedienen. Lediglich die Wellen-Synthese und die Wavetable-Erzeugung benötigen eine Anleitung. Der Rest ist, so man gelernt hat, wo man was mit einem oder zwei Tastendrücken findet und sieht, schnell entdeckt und gelernt. Trotzdem hat Waldorf dem WAVe eine gut geschriebene Anleitung mit 400 Seiten spendiert. Es gab diese in Deutsch und Englisch, wobei die englische Version ein paar nette Worte mehr hat als die deutsche. Leider gibt es diese Anleitung nicht mehr bei Waldorf zu kaufen. Und ein Scan oder gar ein digitales Original gibt es noch nicht. Wer hat schon als Besitzer eines WAVEs noch Zeit, mal eben 400 Seiten zu scannen, wenn das Biest im Keyboardständer wartet.

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Sahne

Lenken wir unser Augenmerk auf die Rückseite des WAVE. Dort befinden sich vier analoge Eingänge, die es ermöglichen, externe Signale durch die komplette Klangformung des WAVEs zu jagen. OK, um damit einpaar Beats zu filtern gibt es günstigere Geräte. Auch aus dem Hause Waldorf. Aber damals war das noch nicht so ein Standard wie heute. Hier stand sicherlich der Minimoog wie auch schon beim klappbaren Panel Pate.

Noch interessanter sind allerdings die drei Buchsen, die mit AUX (mono) und RETURN (stereo) bezeichnet sind. Wie bei einem Mischer über den AUX-Weg, so lassen sich auch innerhalb des WAVEs Anteile der Instruments über einen SEND Parameter an den AUX Weg leiten, um damit z.B. ein externes Effektgerät zu füttern. Das Stereosignal des Effektgerätes kann nun wieder über den RETURN-Eingang dem Summensignal des WAVEs beigemischt werden.

In dieser Konfiguration verhält sich der WAVE quasi genau so, als hätte er ein integriertes Effektgerät. Der eigentliche Clou liegt aber darin, dass sich der Level-Anteil des Return-Signals modulieren lässt. So könnte z.B. Aftertouch ein Anschwellen des Halleffektes zur Folge haben. Ich glaube, mein Lexikon 200 (Baujahr 1984) sollte ich mal wieder dort einschleifen. Bitte einfach weiter lesen, während ich mal eben tief in den WAVE abtauche …

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Midi & Controlling

Der WAVE befindet sich grundsätzlich im Performance-Modus, der festlegt, wie sich bis zu acht Instruments (einzelne WAVE Sounds) über die Tastatur bzw. über MIDI ansprechen lassen. Außerdem findet man dort auch die ganzen Masterkeyboard-Funktionen.

Neben einfachen Anwendungen, wie z.B. einem 8-fachem Multimode mit dynamischer Stimmenzuweisung der internen Stimmen, ist jede Art von Layer oder Keyboardsplitting denkbar. Ganze 19 Parameter stehen jedem Instrument innerhalb des Performance-Modus zur Verfügung plus Keyboardzonen und Velocity-Bereich.

Innerhalb jeder Performance befindet sich außerdem eine eigene Page, die den Controllern wie Buttons, Wheels, Fader etc. spezifische Funktionen oder MIDI-Controller intern oder auf einen der beiden MIDI-Ausgänge zu natürlich 16 Kanälen (=32) zuweist. In diesem Zusammenhang sei nochmals auf die acht Schieberegler unter dem Display hingewiesen. Der Wave ist somit die optimale Steuerzentrale Ihres MIDI-Setups und als Masterkeyboard exzellent geeignet.

Den Tastern mit den Bandtransport-Symbolen direkt oberhalb der Tastatur lassen sich darüber hinaus MIDI-Strings (auch SysEx) zuweisen, um direkt Sequencer oder Bandmaschinen zu steuern.

Die Drehknöpfe des Wave sind leider normale Regler mit Anschlag. Endlosregler, wie sie z.B. später im Q Verwendung finden, wären sicher optimaler gewesen, da sie die Parameter an der so eben befindlichen Position abfangen und Parametersprünge vermieden werden. Allerdings waren damals die Regler noch teurer und weit weniger verbreitet. Und irgendwo musste ja auch mal ein Ende sein. Da ist es gut, dass man zwischen folgenden Modi wählen kann, wie der WAVE auf das Drehen eines Knopfes reagieren soll.

Reglerbewegungen

  • Jump: springen sofort auf den Wert, der der Reglerposition entspricht
  • Snap: haben erst Einfluss auf den Parameter, wenn der aktuelle Parameterwert überstrichen wird
  • Relative: addieren oder subtrahieren Werte, unabhängig von der jeweiligen Reglerposition
  • Knobs Off: lassen sich auch komplett abschalten

Und dann wäre da noch

  • der Editbuffer für jeden einzelnen der 256 Klänge (Instruments) und 256 Multis (Performances)
  • die Namenseingabe per Tastatur (mindestens viermal als bei den meisten anderen Synths)
  • die Möglichkeit, Sounds mit nur zwei Tastendrücken aus dem Multimode zu muten oder solo zu stellen
  • die Quickedit Macros zur schnellen Editierung

Unerhört!

Wie klingt er den nun? Das ist sicherlich DIE Frage überhaupt. Eigentlich gibt es zwei Grundklänge des WAVE: cremige fette Pads und kristallklare digitale Klänge. Abhängig ist das vor allen Dingen davon, ob man das Tiefpassfilter als hauptsächlichen Klangveränderer oder die Wavetables ohne Filter benutzt.

Der WAVE klingt jedenfalls viel breiter und fetter als der Microwave. Insgesamt ist der erste Microwave aber von allen Wavetablesynths der, der dem Wavesound am stärksten ähnelt. Auch wenn ihm das Hochpassfilter fehlt und die Filter etwas anders im Grundklang klingen. Der MicroWave II/XT(k) kommt bei den Pads recht nahe. Und die beiden neuen Wavetable Synthies von Waldorf, der Blofeld und die Largo Software können auch mitunter recht nah dran kommen. Allerdings klingen die beiden Letztgenannten wegen den nicht linearen Decay- und Release-Phasen bei Wavetable Durchläufen grundsätzlich anders. Aber dieses kann man mit einpaar Tricks in der Mod-Matrix umgehen. Aber das wäre ein eigener kleiner Workshop für sich alleine. Aber es fehlt ihnen die typische WAVE Wärme und der insgesamt dichtere, silbrige („Können Sie mir noch folgen?“) Klangcharakter.

Im direkten Vergleich zum PPG Wave mangelt es dem Waldorf WAVE trotz der zum Teil identischen Wellenformen und Möglichkeiten an übermäßigen digitalen Artefakten und Alaising-Geräuschen – eigentlich ein Manko der damaligen Technik, so sind diese Nebeneffekte doch geradezu stilistisch für den echten PPG Sound. Außerdem fehlt das PPG Upper Wavetable, auf das bislang alle Wavetable Synthesizer aus dem Hause Waldorf bis zur Einführung vom Waldorf PPG 2.V Plug-in ebenfalls verzichten mussten. Allerdings ist die Implementierung des Upper Wavetables bis auf beim PPG 2.V immer nur als normaler Wellensatz und nicht wie beim PPG wave 2.2 und 2.3 als überregionaler, immer zusätzlich abrufbarer Wellensatz. Aber das ist ein Thema für reine PPG Freaks und wird der normale Nutzer nicht wirklich vermissen.

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Zuletzt sei noch auf eine Besonderheit hingewiesen. Der Wave besitzt die Möglichkeit zur reinen (also nicht temperierten) Stimmung. Wer schon jemals einen Septimenakkord eines Bläsersounds so gestimmt auf einer Tastatur gespielt hat, weiß warum die Stimmung so wichtig für gute Streicher oder Bläsersounds sein kann. Der Ur-Microwave verfügte mit der ROM Version 2 auch über diese Möglichkeit. Ebenso auch der Waldorf Q. Leider ist dieses tolle Feature später nie wieder bei Waldorf oder anderen Synthesizern aufgetaucht. Ich empfehle nur Hören und Staunen! Da werden Cluster nicht dissonant. Septimen werden weich und nicht schrill. Alles klingt besser und natürlicher. Manchmal bemerkt man den kleinen, aber feinen Unterschied aber erst, wenn man diese Funktion ausschaltet.

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Das hier angewendete Hermode-Verfahren ist von Waldorf lizenziert und nicht selber erfunden worden. Die Gebrüder Hermode haben hier eine wundervolle Seite zu dieser Funktionen der großen weiten Welt der reinen Stimmung von Instrumenten erstellt: www.hermode.com.

Was was fehlt dem Waldorf Wave?

Einige Features vermutet man hinter den Bezeichnungen einiger Taster, die sich aber als Ente entpuppen. So verbirgt sich z.B. kein Sequencer hinter dem gleichnamigen Button rechts neben dem LCD, der auf einigen WAVE so beschriftet ist. Der Sequencer war ursprünglich von Waldorf laut angedacht worden, wurde aber niemals realisiert. Ebenso löst der Button OPTION keine Funktion aus. War 1995 noch zu lesen, es gäbe bald zusätzliche Karten, quasi Hardware Plug-ins, die weitere Klangerzeugungen bereithalten würde, sogar von einem Sampler war die Rede – all dieses wurde nie realisiert, was bei der kleinen Käuferschicht für so ein Instrument in der Königsklasse auch aus wirtschaftlichen Gründen vernünftig war. Man darf aber gerne an dieser Stelle sich mal überlegen, was aus dem WAVE noch alles hätte entstehen können: Harddiskrecorder, SSM-Filter als Alternative zu den Curtis-Filtern, Additiver oder FM-Synth etc. Dann gebe es sie doch: die Eierlegendewollmilchsau. Und Waldorf hätte nie den Q oder den Largo gemacht. Und ich hätte vielleicht nie Geld gehabt, meinen Keller so voll zu stellen mit alten Synths. Vielleicht hätte sie damals beginnen können: die weitgehend unbekannte Synthesizer Monogamie.

Ein kleines Manko ist die maximale Modulationsgeschwindigkeit, die mit ca. 50 Hz zwar besser ist als bei den PPG Waves, aber deutlich schlechter als bei heutigen Synthesizern oder bei rein analogen Synthesizern. Aber vielleicht klingen deshalb auch so manche Modulationen so viel anders als bei anderen Synths. Nennen wir es hier mal Charakter und nicht Schwäche. Oder wir reden es uns einfach ein, damit die weiße WAVE-Weste nicht verfärbt wird.

Mein geöffneter WAVE mit 32 Stimmen

Mein geöffneter WAVE mit 32 Stimmen

Auszüge aus der Fachpresse zum Waldorf Wave

Keyboards Special / Inside Wave / Ausgaben 10 – 12/1994
Autor Peter Gorges

„… Ein Sound des Wave ist prinzipiell genauso aufgebaut wie beim Microwave. Die Parameterbezeichnungen gleichen sich, und die Klangeigenschaften sind ziemlich identisch, wenngleich der Wave aufgrund einiger geänderter Kleinigkeiten in der Hardware nach meinem Eindruck etwas besser klingt, was mir auch der ein oder andere Microwave User bestätigte. Lediglich im Bassbereich klingt der Wave nicht ganz so druckvoll wie der Microwave und empfiehlt sich somit nicht so sehr als DER Bass-Synthesizer …“

„… Der Wave ist anders und klingt anders, und er ist auf seinem Gebiet besser als der Rest. Er hat einen unverkennbaren Druck, insbesondere in den Mitten …“

„… Dann klingt dieses Gerät sehr voll, bei obertonarmen Sounds sehr warm und vor allem breit wie die Chinesische Mauer. Sanfte, vorsichtige und dezente Töne sind überhaupt nicht seine Stärke. Der Wave gehört zur unhöflichen Sorte …“

Waldorf Wave Modellvariationen

Version in Shadow-Farbe mit 76 Tasten (Spitzname: Darth Vader)

Waldorf Ware „Custom Line“

In der sogenannten CUSTOM LINE gibt es den WAVE auch mit 76 Tasten. Auf Wunsch konnte man für diese Modellvariante auch eine von drei Sonderfarben SAHARA, SHADOW und CADMIUM (siehe Farbmuster) wählen. Die Farbvariante SAHARA wurde später allerdings aus dem Programm genommen. Alle WAVE COSTUM LINEs wurden incl. „WaveCase“ (Flightcase) ausgeliefert.

Voice Expansions

Voice Expansions

Waldorf Wave PLUS16

nennt sich eine 16-stimmige Erweiterung. In jeden WAVE lassen sich bis zu zwei solcher Erweiterungen einsetzen, um eine maximale Polyphonie mit 48 Stimmen zu erreichen. Jede Erweiterung besteht aus 4 analogen Platinen mit den Filtern für vier Stimmen. Und eine etwa DIN A4 große digitale Platine, auf der neben je einer weiteren Motorola 68000 CPU auch noch zwei je achtstimmige ASICS mit den digitalen Oszillatoren drauf sind.

Waldorf WaveCase

Ein spezielles Flightcase, das man auch für die „normale“ Variante erwerben kann.

Die zuletzt gültigen Neupreise in DM inkl. MwSt (Stand März 1999)

  • WAVE (normale Version) 14.950 DM
  • Aufpreis 76er Tastatur 1.980 DM
  • Aufpreis Sonderfarbe 680 DM
  • PLUS 16 4.280 DM
  • WaveCase 520 DM

Ein voll ausgebauter WAVE CUSTOM LINE in Sonderfarbe kam somit auf einen stolzen Gesamtpreis von DM 26.170. Aber meines Wissens existiert kein 48 stimmiger WAVE.

Berühmte Waldorf Wave User

Jean Michel Jarre

Einer der stolzen WAVE-Besitzer JMJ

Einer der stolzen WAVE-Besitzer JMJ

Klaus Schulze (auch live auf der Loreley 2008)

Der Waldorf Wave im Studio von Hans Zimmer

Snap! (drei normale und später zusätzlich drei gelbe = sechs Stück)

Hans Zimmer (hatte mal 3 gleichzeitig)

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Der Waldorf Wave lebt

Es gibt heute am Ende des Jahres 2009 zwei Lebenszeichen in Sachen WAVE zu vermelden: zum einen das anfangs (Einleitung) erwähnte neue Betriebssystem eines WAVE Eigentümers, das von Waldorf autorisiert wurde. Das heißt, Waldorf hat es nicht geschrieben oder getestet. Aber die rechtlichen Aspekte sind gewahrt worden. Also kein Pendant zum Jailbreak eines iPhones. Das OS 1.803 (Waldorf letztes war Version 1.700 von 1999, welches aber auf WAVEs mit 32 Stimmen zu Aussetzern führte) glänzt vor allen Dingen mit vielen beseitigten kleinen Fehlern. Stummschaltungen werden richtig per MIDI weitergegeben (oder besser gesagt: Nichts wird fälschlicherweise dennoch gesendet). Man kann nun wie in der Anleitung schon immer beschrieben SysEx Daten bis etwa 500 kB Größe (das reicht für einen Waldorf Blofeld Sound-Dump mit 1024 Klängen!) empfangen und auf Diskette oder USB-Stick (siehe unten) abspeichern. Oder die gleiche Datenmenge auf einmal vom WAVE aus an angeschlossene MIDI-Geräte senden. So kann man mit dem WAVE im Gepäck mal eben ein Backup der Sounds im Studio, Session oder auf der Bühne versenden. Ersetzt für Musiker ohne Computer auf der Bühne den Laptop mit dem Sicherheits-Backup aller Klänge. Ich selber habe diese Funktion schon mehrfach zum Updaten meines Moog Voyagers erfolgreich benutzt. Schließlich muss ich immer eine extrem langes USB-Kabel und ein sehr langes MIDI-Kabel von meinem Schreibtisch einen Stock tiefer in den Keller verlegen. Oder Geräte zum Updaten oder Soundarchivierung hoch und runter tragen. Sehen wir das mal als nützliches Feature, was einige nützlich finden und andere nie vermisst haben. Aber das ist auch nur ein Bespiel der nun endlich so wie gewollt funktionierenden Details am neuen WAVE OS.

Aber viel wichtiger am neuen OS sind die Funktionen, die heute eigentlich selbstverständlich sind. So können die LFOs nun zur MIDI-Clock synchronisiert werden. Dabei ist ein Sync wie bei Oszillatoren, also das neu starten der Wellenform oder aber die Anpassung an das Tempo der Master Clock möglich. So können nun im Studio WAVE LFOs taktsynchron zum Beat das Filter, das Panning oder jedes andere Modulationsziel steuern. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Und nie wieder muss man Klänge im heute altertümlichen Sound-Designer I Format konvertieren oder als MIDI-Sample-Dump im Schneckentempo transferieren, um diese am WAVE zu einem Wellensatz zu konvertieren. Normale WAVE-Dateien werden genommen. Das Kleingedruckte wie Samplefrequenz und mono/stereo erledigt das neue WAVE OS für einen. Das ist eigentlich DIE Verbesserung, weswegen sich die Anschaffung des neuen System für 75 Euro schon für jeden WAVE lohnt. Der Preis ist eher als eine Schutzgebühr zu sehen und kann die vielen Stunden des Grübelns und Programmierens von Werner Schöneberger niemals nur ansatzweise bezahlen. Selbst wenn alle knapp über dreihundert WAVE Besitzer dieses bezahlen, so wäre der Stundenlohn für 4 Jahre Arbeit geringer als der eines Fast-Food-Restaurant Mitarbeiters mit dem großem gelben „M“. Ich bin Werner für seine Arbeit sehr dankbar. Und freue mich, dass Waldorf dieses zum Vorteil aller WAVE Eigentümer erlaubt hat. Mehr Infos über das neue Betriebssystem, die genauen Neuigkeiten und wie man es erhält, gibt es in der Link-Sektion ganz am Ende des Artikels und nicht bei Waldorf.

Wer schon mal in den letzten 12 Monaten versucht hat neue Disketten zu kaufen, weiß, dass diese eigentlich fast nur in Antiquariaten der modernen Elektronik (= Gebraucht-PC-Läden und Flohmärkten) erhältlich sind. Und wenn man diese hat, so braucht man einen PC oder Mac mit Diskettenlaufwerk, um ein Update, Sounds aus dem Internet (ja, die gibt es wirklich seit Jahren auf dem Waldorf Server) oder eigene Backups dem WAVE mundgerecht zu servieren. Und in einpaar Jahren kennen die Computer-Kids auf dem Schulhof der Grundschule keine Disketten mehr.

Entschuldigen Sie bitte den Staub, aber so oft öffne ich den WAVE unter den Daumenrädern zum Einbau eines USB-Floppy-Emulators nun auch nicht.

Entschuldigen Sie bitte den Staub, aber so oft öffne ich den WAVE unter den Daumenrädern zum Einbau eines USB-Floppy-Emulators nun auch nicht.

Es gibt mittlerweile Geräte, die wie ein Disketten-Laufwerk gebaut sind. Nur dass diese statt der Diskette heimlich die Daten auf einem USB Stick schreiben oder von diesem lesen. Und das alte Gerät merkt dieses nicht, da dem Oldtimer ein angeschlossenes Floppy-Laufwerk suggeriert wird. Man nennt wegen dieser Vortäuschung falscher Tatsachen solche Geräte Floppy-Emulator Diese können im Internet gekauft werden, z.B. findet man über Google die ipcas GmbH aus Erlangen als Lieferanten. Der Einbau geht mit der speziellen Anleitung für den WAVE (siehe Link unten) in 30 bis 45 Minuten für jeden, der schon mal einen Synth repariert hat oder seinen PC selbst hardwaretechnisch konfiguriert hat. Es gibt zwar keinen Geschwindigkeitsvorteil, aber die 25 Sekunden für ein komplettes WAVE Backup, die größte Datei die ein WAVE lesen oder schreiben kann, sind gerade noch erträglich. Der Vorteil ist neben der herrlichen Ruhe beim Schreiben und Lesen, dass man auf Knopfdruck mal eben auf eine andere virtuelle Diskette umschalten kann.

Und nach dem Ziehen des USB-Sticks kann man nun die Daten von 100 Disketten als Schlüsselanhänger zum WAVE-Freund oder zum Senden von WAVE Klängen am Heimcomputer tragen. Ich denke, der Austausch von Daten wird nun leichter und ohne Briefmarken über jede Strecke möglich sein. Wie wäre es mit einem kleinen, aber feinen, YouWAVE.com Portal (Mist! Zu spät. Das ist ein bereits registrierter Domainnamen). Meine Disketten-Box kann nun ins Deutsche Museum. Mehr Informationen und die Einbauanleitung gibt es unten bei den Internet-Verweisen. Aber Vorsicht, nicht vergessen, mindestens eine Kopie eines eigenen kompletten WAVE Backups („TotalRecall“, Dateiendung: .SET) irgendwo vorher sicher verwahren und auf einem, besser zwei sicheren Medien aufzuheben. Sonst muss man beim nächsten Batteriewechsel am WAVE alle Filter erst mal wieder neu stimmen. Und das ist nicht so einfach. Und dann gleich 16 mal.

Also bitte die originale Diskette von dem WAVE (Waldorf Etikett und Seriennummer sollten dort drauf sein), so vorhanden, aufheben und eine Sicherheitskopie auf den neuen USB-Stick kopieren. Wenn nicht vorhanden, tut es meist ein möglichst altes Backup von diesem WAVE. Meist war da die Stimmung der Filter dank originaler Batterie noch sauber.

Technische Daten des Waldorf Wave

  • Basisversion 16-stimmig, erweiterbar auf 32und auf 48 Stimmen (kenne keinen einzigen 48er)
  • 2 digitale Wavetable-Oszillatoren pro Stimme mit gleichem Spezialchip wie MicroWave I (Design: Wolfgang Palm, ex PPG)
  • White Noise
  • 1 analoges 24dB-Tiefpass- und 12dB-Hochpass-Filter pro Stimme (Curtis IC 3387)
  • klanglich sehr sauberer, analoger Signalweg
  • 2 LFOs pro Stimme (mit neuem OS per MIDI-Clock synchronisierbar)
  • 4 Hüllkurven pro Stimme: ADSR, DADSR, 4 Zeiten/Pegel, bipolar 8 Zeiten/Pegel inkl. Loop
  • Bedienfeld klappbar mit pneumatisch gehaltene Endlagen (flach oder aufgeklappt)
  • 61 bzw. 76 Tasten Tastatur mit Anschlagsdynamik, Aftertouch und Releasevelocity
  • längere Tasten als normal
  • 480 x 64 Pixel-Display, hintergrundbeleuchtet
  • 83 Taster
  • 54 Drehregler
  • 9 Endlosregler (Free-Envelope/Quick-Edit und Wavetables (großer roter Knopf)
  • 8 Fader als frei programmierbare MIDI-Controller (nur mit neuem OS auch über CC #64 nutzbar)
  • 3 Daumenräder (Pitch, Freies (Free) und Modulationsrad)
  • 3 separate Stereoausgänge, monophones Aux-Send, stereophones Aux-Return
  • 4 Audioeingänge zur Bearbeitung externer Audiosignale durch Filter- und Verstärkereinheit
  • Kopfhörer-Ausgang (6,3 mm) vorne unter den Daumenrädern
  • CV-Pedal Eingänge
  • Sustain-Pedal Eingang
  • 1 MIDI In, 1 MIDI Thru, 2 MIDI Out
  • Diskettenlaufwerk für 3,5 Zoll Disketten bis 1,4 MB oder Floppy-Emulator einbauen

Nachtrag:
Die mit „c by AR“ gekennzeichneten Bilder wurden uns freundlicher Weise von Anthony Rother zur Verfügung gestellt“

Fazit

Der WAVE ist weit mehr als nur ein aufgepumpter MicroWave mit vielen Knöpfen. Sein Klang ist einzigartig: Eine Mischung aus digital und analog, der sowohl brachial als auch samtig weich klingen kann. Sein Design und die Bedienung sind sehr durchdacht und noch heute geradezu mustergültig. Er gehört sicherlich zu den Top 10 der polyphonen Synthesizer-Geschichte. Dank des neuen Betriebssystem und seinen USB-Ersatz für das Diskettenlaufwerk zeigt der Wave, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
Und wie man sieht, ist der WAVE zudem eine gute Wertanlage. Als dieser Bericht 2009 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lag der durchschnittliche Gebrauchtmarktpreis zwischen 5.000 und 6.000 Euro. Nun, drei Jahre später, hat sich der Preis fast verdoppelt.

Plus

  • Klang (analoge Curtis Filter und gute VCAs)
  • eigene Wavetable onboard erstellen
  • Bedienung (look & feel) und Design mit Auszeichnung)
  • übersichtlich trotz Komplexität
  • Resynthese
  • verschiedene Knopf-Modi (keine Datensprünge beim Editieren)
  • 16- oder 32-stimmig
  • solide gebaut (für die Fülle an Elektronik von 1993)
  • grafikfähiges Display mit 480 x 64 Pixeln (damals was ganz Besonderes)

Minus

  • Preis
  • Transport (Größe, Tasten stehen gefährlich über, empfindlicher als moderne DSP-Synths)
  • nur 9 Endlosregler

Preis

  • 2012 in der Grundversion ca. 10.000 Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Der Synth schlechthin. Sowas als VST-Plugin wäre doch der Hammer. Leider komme ich noch immer nicht dahinter warum man sich bei Waldorf so dagegen streubt einen Wavetableeditor in den Largo zu intergrieren. Zwar wird da noch kein Wave daraus aber män könnte wenigstens eigen Wellensätze erstellen.
    Ansonsten toller Bericht zu einem absoluten Ausnahmeinstrument.

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      t.kopper  RED

      Hallo FischerZ,
      es freut mich, dass mein Artikel gefällt.

      Vielleicht glaubt man einfach, das der Markt für in Largo mit Wavetable-Editorzu klein sei, und der Mehraufwand zur Programmierung das Ganze für die vielen Preset-User (gibt es ja reichlich) einfach zu teuer machen würde.

      Ich glaube aber nicht, dass die derzeitige digital Technik einen guten Analogen wirklich gut nachmachen kann. Es würde bei den Filtern auch noch heute hörbare Unterschiede geben. Und der WAVe ist mehr als nur der Klang. Es ist auch die Optik und die tolle Bedienung an echte Knöpfen, die den so einmalig machen.
      Largo ist ein guter Plug-In Synthesizer. Und er hat neben allen Waldorf WAVE Wellensätzen auch weit mehr Möglichkeiten. Man kann eigentlich bis auf besondere Wavetable-Envelope Sachen alles vom WAVE am Largo genauso machen. Lediglich die Filter klingen deutlich anders und lassen sich trotz gleicher Flankensteilheit nicht wirklich nachbilden. Das gilt auch für einen MicroWave I und Largo. Also bei vielen Klängen alles zu 100% vorhanden. Und trotzdem liegen da klangliche Welten dazwischen. Auch ein Minimoog der als VST wirklich gleich klingen würde (kenne noch keine Software die das wirklich könnte), wäre über eine normale Midi-Tastatur gespielt nicht mehr das Selbe. Instrumente sind eben mehr als nur reine Daten und Klangbausteine. Ein Instrument definiert sich für mich an der Haptik _und_ dem Klang als eine Einheit. Beides beeinflusst den User. Und dieser wiederum beeinflusst dann das Instrument als Folge davon wieder etwas anders beim Spielen oder Klangeditieren. Eine Art kreative Rückkopplung. Und dieses macht für mich ein Instrument aus. Daher glaube ich nicht an ein befriedigendes Waldorf WAVE Plug-In. Das ist wohl auch der Grund, warum es dieses von Waldorf nicht gibt.

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        AMAZONA Archiv

        Hallo,

        es ist natürlich die alte Gretchenfrage ob Digital klingt wie Analog. Diverse Tests mit VST-Plugs haben gezeigt das nur sehr wenige einen Unterschied hören und da ist es noch nicht ganz sicher ob da die Macht des Zufalls nicht mitgespielt hat. Wie dem auch sei. Ich hatte den MW1 und 2 und habe damit auch mit Editoren eigene Wellensätze erstellt und das hat so richtig Spass gemacht. Natürlich kommt das ergebniss nicht an den grossen Wave herran aber die Tatsache die eigenen Waves zur Klangerstellung zu nutzen hatte doch schon was für sich. Vielleicht sehe ich das mit meinen 46 Lenzen anders aber ich bin halt Quasi damit grossgeworden und vermisse solche Features. Gerade die Möglichkeit Wavetables mit vielen Unterschiedlichen Waves zu erstellen und diese dannn per Hüllkurve zu durchfahren brachte Klänge zustande die man so nicht oft hörte. Ich hoffe also noch immer auf Waldorf und ein Update für den Largo.Ihnen weiterhin viel Spass mit dem Wave auf dass er noch lange seine Dienste tut und sich an den Knöppen drehen läst.

        Gruss Piet

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    filterfunk  

    Ein unglaubliches, und monumentales Kunstwerk! Mein absoluter Synth No. 1. Und ich befürchte, es wird auch dabei bleiben. Denn von so einer ästhetischen Symbiose aus Klang und Instrument sind wir im Zeitalter von klapprigen Controller-Keyboards und seelenlosen plugins Lichtjahre entfernt.
    Das ist sehr schade, denn ein moderner „WAVE 2“ mit einer voll integrierten Softwareeinbindung a la Virus TI würde mich sehr anmachen!

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      t.kopper  RED

      Ein WAVE II wäre schon toll. Aber man sollte so ein Synth in der Königsklasse nicht an ein Computer koppeln müssen. Alles gehört ins Instrument. Sonst ist es ja doch nur ein schöner Controller. Und sind wir doch mal ehrlich: welche Software von 1995 läuft den noch immer ohne Updates auf unseren Rechnern? Ein geschlossenes System wie ein Hardware Synth ist da zukunftsbeständiger als eine Anbindung an alle paare Jahre komplett geänderte Betriebsystem und Hardware von Computern.

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        filterfunk  

        Nun, selbst als leidenschaftlicher Hardware-Junky sehe ich den Verzicht auf Computereinbindung als dogmatische Selbstbeschränkung. Ein Hardware-Instrument muss auch ohne Computer komfortabel bedienbar sein: JA! Aber warum nicht die Vorteile einer voll-integrierten Softwareeinbindung nutzen? Nur weil irgendwann die Software veraltet ist? Dann funktioniert das (Hardware)-Instrument aber immer noch autark!
        Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Warum werden meist teure DSP’s, und proprietäre Betriebssysteme für Hardwaresynth’s verwendet? Aktuelle PCU’s haben Leistung bis zum abwinken, und zu was Software (-plugins) fähig sind ist allgemein bekannt. Um so tragischer finde ich, dass man dies nicht in eine tolle Hardware a la WAVE integriert und eine ordentliche analoge Filter/Amp- Sektion dazupackt, inclusiver amtlicher I/O Schnittstellen.
        Leider sind die Softwarehersteller genau so wenig in der Lage, über den Tellerrand zu gucken. Die kochen lieber ihr – zwar sehr schmackhaftes – Softwaresüppchen, sind aber nur im Stande halbherzige Hardwarelösungen – wie unlängst Native Instruments Machine – auf den Markt zu bringen, welche am Tropf der Computerhardware hängen, und daher m.E. keine Instrumente sind! Oder man ist eingeschränkt hinsichtlich der Verwendung von plugins, und/oder die verwendete Hardware ist es nicht wert, als „Instrument“ bezeichnet zu werden.
        Das ist meiner Meinung nach das große Desaster der elektronischen Musikinstrumenten-Industrie, und hat – in einem nicht unerheblichem Maße – zur Folge, dass die teuren Hardwaresynths aussterben, und der Markt statt dessen mit Software und Billighardware geflutet wird. Aber das wertige Instrument, dass man auch noch nach Jahren einschalten, und losrocken kann, das bleibt auf der Strecke.
        Und was machen wir Musiker? Wir diskutieren lieber über die Frage, ob Software oder Hardware die besseren Instrumente sind, oder ob man ohne das eine, oder andere auskommt……

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          Michael Kathke

          Einen Zahn muss ich dir leider ziehen. ;-)
          Der DSP (i.d.R. zzgl. FPGA) ist und bleibt die erste Wahl für HW Synths weil er die gleiche Rechenleistung zu einem Bruchteil des Stromverbrauchs bereitstellen kann. Klassische CPUs müssen einfach auf zu vielen Hochzeiten tanzen.
          DSPs sind auf Echtzeit-Signalverarbeitung spezialisierte Rechenkünstler.

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            filterfunk  

            Hallo WattSekunde,
            genau das Argument kann ich nicht gelten lassen! Denn warum werden die Hardware Synths von den Software Kollegen verdrängt?
            Es ist die Verwendung von Standards aus der IT-Welt. Das geschieht im Maschinenbau schon seit langem, auch bei hohen Echtzeitanforderungen! Das große Problem ist eher, dass Hersteller von DSP-basierenden Synths den immensen Engineering-Aufwand scheuen, das bisherige System auf einem embedded System zu portieren. Das 2. Problem sehe ich darin, dass man Schnittstellen-Standards definiert, auf denen jeder Hersteller aufsetzen kann, um den Entwicklungsaufwand, und somit die Kosten zu senken. Aber seit der MIDI-Spezifikation hat sich wenig in dieser Hinsicht getan….
            However, so lange sich die Hersteller nicht zusammenraufen und dem Stand der Technik, UND den Markt-Tendenzen folgen , werde ich access und & Co nicht mehr lange geben. Dann gibt es in Zukunft nur noch so poppige Eintagsfliegen wie der Gaia. Hauptsache billig, einfach und bunt!
            WattSekunde wird sicherlich bald wissen, was ich meine, wenn er von der fetten Kuh auf Gaga umsteigen wird…..

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              Michael Kathke

              Hallo filterfunk,

              Tools, Schnittstellendefinitionen und Standards gibt es reichlich. Auch bei DSP und FPGA/ASIC Entwicklungsumgebungen. Ein Hardwaresynth braucht da nix anderes. Das AU oder VST API sind sicher nicht der entscheidende Kostenfaktor bei der Pluginentwicklung. Das Firmenkapital steckt in den Mathematischen Algorithmen der digitalen Signalverarbeitung und deren Implementierung. Diese bilden den Charakter eines Digitalen Synths. Früher waren das die Schaltungen eines Moogfilters oder eines CEM-Chips. Eine Portierung PC< ->DSP ist im Wesentlichen eine Fleißarbeit. (Origin, Largo, etc.)

              In punkto Innovationskraft stimme ich dir zu. Da ist es wirklich mau geworden. Neben neuen Ansätzen zu Syntheseverfahren hängt auch die Technik immer etwas hinterher. SD, USB-Stick, LAN, WLAN, Buetooth könnten langsam mal breiten Einzug halten.

              Ein (digitaler) HW-Synth hat seine Daseinsberechtigung natürlich nur noch durch sein Userinterface. Daher kommen so viele analoge wie digitale mit immer mehr Bedienelementen auf den Markt.

              Ja, die Qualität ist bei den aktuellen „Minis“ natürlich dem Preis entsprechend. Mehr erwarte ich da auch nicht. Wenn ich einige kEUR auf den Tisch legen soll muss das schon mehr sein als Kurzhub/Folientaster/Gummi und billigste Potis/Encode.

              Aber auch der „Fette“-Q könnte bessere Encoder und deutlich bessere Taster haben. Beispielsweise die Encoder bekommt man von ALPS entweder mit 15.000-Zyklen oder mit 500.000 Zyklen. Und das hat nix mit dem Metallschaft zu tun. ;-) Oder das ewige Ärgernis billiger Taster seit es den DX7 gibt. Ein ordentlicher Taster ist beispielsweise der RAFI RS76C Hall-Langhubtaster. Das kostet natürlich auch alles deutlich mehr.
              Ein Metallgehäuse und Metallknöpfe auf Billigpotis/Encodern machen noch keinen soliden Hardwaresynth. Es gibt da genug Beispiele. Schön zu beobachten wie schnell da z.B. die Encoder beim DSI in Verruf geraten sind. Anstelle von vernünftigen werden eben noch billigere Potis eingesetzt und als „Old School“ verkauft. lol

              Wenn ich für einen Synth 5000 anstelle von 500 ausgebe erwarte ich Top-Qualität bei Bedienelementen, Verarbeitung, etc. Neben der Haltbarkeit ist die Haptik um längen besser. Und die Haptik ist m.E. heutzutage der einzige Grund einen Hardwaresynth zu kaufen.

              Wieso sollte ich Umsteigen? GAIA hat halt ein nettes UI im sinne der Bedienung. Natürlich absolut nicht im Sinne der Qualität. Den rest muss man sich im Geschäft anhören. Ich schaue halt über den Tellerrand. HW & SW!

              Ich habe mich bisher auch nicht dazu durchringen können einen aktuellen Minisynth für unterwegs zu kaufen. Noch schleppe ich 25 kg zur Session. Aber ich schaue halt immer mal über den Tellerrand. Auch die kleinen analogen sind nett und bezahlbar. Live ist es auch nicht so wichtig das letzte Quentchen Realismus aus einem VA Algorithmus heraus zu kitzeln.

              Werden die Hardwaresynths wirklich verdrängt? Ich glaube es nicht. Wenn ich mir den Markt der VAs ansehe ist das schon erstaunlich was da auf dem Markt ist. Auch die modernen Analogen kommen stärker.

              Ja, der WAVE ist natürlich schon extrem beeindruckend und spielt in einer anderen Liga. Hab den von Till auch schon mal live erleben dürfen. Das Auge hört ja bekanntlich mit ;-).

              Aber auch ein DX1, Novachord oder Moog Modular möchte ich mal anfassen. Kaufen würde ich sie heute nicht mehr. Verstehe die irrsinnigen Preise bei den alten sowieso nicht.
              Da baue ich mir lieber selber einen auf meine Wünsche zugeschnittenen Controller selber (z.B. Midibox-SEQ, http://www.synth-project.de). Ins Auge gefasst habe ich dafür schon den u-he ACE. ;-)

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                filterfunk  

                Hallo WattSekunde,
                Beispiel V-Machine: Das da noch einiges im Argen liegt in der Definition von Standards, um beispielsweise beliebige VST’s zu betreiben, liegt auf der Hand. Das meinte ich hinsichtlich „Schnittstellenproblematik“. Mein „Traum“ wäre es, dass am Markt eine Vielzahl von Hardware-Geräten zur Verfügung stehen würde, in denen man beliebige VST’s integrieren könnte. Schön mit viel Knöppe, unterschiedlichen Designs, und vor allem autark. Eben ein Instrument, keine IT-Kiste! Die Idee von Synth-Project geht genau in die Richtung. Fantastisch!

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                  Michael Kathke

                  Hallo filterfunk,

                  ja davon träume ich auch! Leider scheinen wir zu wenige zu sein um kommerzielle Anbieter anzuziehen. Ein Problem sehe ich in der Universalität. Ein HW-Synth mit vielen Knöpfen wie der Wave oder der Q etc. haben einen unumstößlichen Vorteil. Sie sind mit verbundenen Augen auf dem Rücken zu bedienen. Jedes Bedienelement hat genau ein oder zwei Funktionen und ist immer an der gleichen Stelle. Die Anordnung ist meist logisch strukturiert und erschließt im Idealfall die innere Struktur der Klangerzeugung.

                  Bei einem universellen PlugIn-Controller ergibt sich wieder das Problem der Zuordnung der Bedienelemente.
                  Ein Controller mit 8 bis n frei verwendbaren Reglern, Knöpfen, etc. wird auch nicht besser wenn über jedem Regler ein Display sitzt. Es fehlt einfach die räumliche Struktur. Menschen können sich in räumlichen Strukturen eben gut zurecht finden.

                  Um von den unbezahlbaren individuellen Bastellösungen weg zu kommen würde ein etabliertes Baukastenprinzip Sinn machen. Um aus mehr oder weniger (preiswerten;) Grundelementen einen Controller individuell auf ein Plugin zuschneiden zu können. Komponenten passend zum Plugin einkaufen und zusammenstecken, beschriften, bespielen. Wenn das PlugIn nicht mehr so beliebt ist einfach Baukasten-Controller zerlegen und für ein anderes neu zusammenstecken. Evtl. weitere Elemente zukaufen. Dabei ist es egal ob das Plugin auf dem Rechner oder einer AU, VST-Box läuft oder ein kleiner analoger Thetra ist. So stelle ich mir mein ideales Controller-Baukasten-System vor.

                  Gruß,
                  WattSekunde

                  PS: Wenn jemand Interesse an einer Realisierung hat bitte melden.

    • Profilbild
      qwave

      WAVEs kann man reparieren. Problematisch wird es nur bei was ernsten am Digital Board oder bei mechanischen Sachen. Die Anlogen Bauteile bekommt man noch, oder kann die aus anderen Geräten ausbauen. Ein hirntoter MicroWave kann so z.B. zur Organspende dienen. Ersatz Diskettenlaufwerke habe ich auch noch. Die pneumatischen Federn kann man bei den richtigen Herstellern bestellen. Bei der Tastatur wird es schon etwas schwieriger. Und die Displays sind von anderenNutzern bereits erfolgreich ausgewechselt worden. Es geht also. Allerdings ist das wie bei so einem großem Synth meist nicht ganz billig.

  3. Profilbild
    iltis30  

    Was die Klangvielfalt betrifft, den Presi und Ausmaße, ist der legitime Nachfolger des WAVE heute wohl der Schmidt-Synthesizer. Falls der mal wirklich erhältlich sein wird. Ja ja, ich weis, ganz andere Synthese. Aber das ist nicht entscheidend. „Synthesemonster zum Preis eines gehobenen Kleinwagens“ triffts eher. Ach ja: und natürlich absolute Studiogeräte, nix für die Bühne.

  4. Profilbild
    rauschwerk  

    Die Klangbeispiele 2-6 sind alle down? Nur das oberste (erste) Bsp. ist (noch) abspielbar … Absicht? Fehler?

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