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Green Box: Yamaha AN1X VA-Synthesizer

6. März 2010

Yamahas erster VA-Synthesizer

Prospekt zum Yamaha AN1X VA-Synthesizer von 1997

Der AN1x gehört zu den ersten virtuell-analogen Hardware-Synthesizern. Als sich die Keyboarderzunft in den 90ern mit Workstations und Samplern nebst umfangreichen Soundbibliotheken versorgt hatte, fiel nach einer Weile auf, dass aus den digitalen Zauberkisten alles mögliche kam, nur keine überzeugende Imitation analoger Synthesizer. Auch vermissten viele die intuitiv bedienbaren Oberflächen der gerade verkauften Altelektronik. Der Techno-Boom tat ein Übriges, und ein „neues“ Synthesekonzept war geboren: Virtual Analog oder kurz VA. Dabei wird versucht, eine analoge Klangerzeugung so realistisch wie möglich mit digitaler Technik nachzubilden.

Den 1997 herausgekommenen virtuell-analogen Yamaha AN1x übersieht man fast im bunten Reigen der Synths aus dieser Schmiede, da er im gleichen Gehäuse daherkommt wie die vielverkauften CS1x und CS2x, die mit Reglern aufgepeppte Sample-Player sind, aber mit analog soviel zu tun haben wie Margarine mit Butter.
Der AN1x hat zwar nicht so viele Regler wie seine Konkurrenten, bietet aber einige Schmankerl, z.B. Step-Sequencer und Ribbon-Controller. Die Klangerzeugung ist nicht von schlechten Eltern, sie findet sich übrigens auch 5-stimmig in der AN-200 Loop Factory.

Daten und Ausstattung des Yamaha AN1X

Hardware Synthesizer, 61er Tastatur mit Velocity und Aftertouch
Klangerzeugung: Laut Yamaha-Bezeichnung „Analog Physical Modeling“-Synthese, also VA.

  • Stimmen: 10
  • Multimode: 2-fach
  • Effekte: 1 frei wählbarer plus Equalizer, Echo und Hall
  • Speicherplätze: 128, plus 128 für Sequenzen
  • Features: Arpeggiator, Step-Sequencer, Morphing, Multimode-Filter

Die Anleitung ist schwammig formuliert, weist Fehler auf und ist außerdem schlecht übersetzt, die MIDI-Dokumentation dagegen ist erstklassig.

Noch ein Hinweis:
Die Klangprogramme heißen beim AN1x „Voices“, die ich auch hier so bezeichne, bitte nicht verwechseln mit Voice gleich Synthesizerstimme.

Die Hardware des Yamaha AN1X

Gewandet ist der AN1x in ein blaues Kunststoffgehäuse mit einer markant abgeschrägten Ecke auf der linken Seite. Die 61er Plastiktastatur mit Aftertouch ist brauchbar, aber recht laut. Beim Loslassen der Tasten klappert es ziemlich – das hätte Yamaha nun wirklich besser gekonnt. Die acht Echtzeitregler auf der linken Seite haben etwas Spiel, was bei Feineinstellungen nicht gerade hilfreich ist. Sie haben aber eine Tastfunktion, und hält man sie gedrückt, wird die Auflösung erhöht. Linkerhand sind die üblichen zwei Räder und ein kleiner Ribbon-Controller, der auch auf Druck reagiert, also X-Z-Steuerdaten liefert. Das gibt schon mal einen Pluspunkt!

Der Ribbon-Controller reagiert auch auf Druck

Das Display ist zwar klein, aber gut lesbar, und alle Bedienebenen nebst Blockschaltbild sind auf dem Gehäuse verewigt, das erspart so manchen Blick in die Anleitung. Unter dem Schaltbild rechts ist eine Schlingerleiste, die dazu verleitet, Kaffeetassen und Aschenbecher auf das Gerät zu stellen, wovon natürlich abgeraten werden muss.

Blockschaltbild mit Schlingerleiste

Anschlusstechnisch gibt es das MIDI-Trio, Stereo- und Kopfhörerausgang sowie drei Buchsen für einen Fußschalter und zwei Pedale. Wie so oft muss man an dieser Stelle das Steckernetzteil bemängeln und den schwer auffindbaren Schalter auf der Rückseite. Lobenswert ist dagegen die gute Klangqualität des AN1x, er klingt sehr HiFi-mäßig und produziert immer saubere Sounds.

Der On-Schalter versteckt sich zwischen den Anschlussbuchsen

Die Bedienung des VA-Synthesizer

Editiert werden die Klangparameter mit acht Echtzeit-Reglern auf der linken Seite, die sich mit den zugehörigen Tastern auf die verschiedenen Module schalten lassen. Die Belegung ist auf das Gehäuse gedruckt und farbig unterlegt, das ist nicht wirklich übersichtlich geworden, es reicht aber ein kurzer Druck auf einen Regler, um Parameter und aktuellen Wert auf dem Display anzuzeigen.

Die acht Echtzeitregler mit Umschaltern, links Volume und die Scene-Schalter

Leider sind recht deutliche Stufen hörbar bei Cutoff und ähnlich sensiblen Parametern, die Glättung ist nicht gerade 100%ig. Und die Regler holen die Werte nicht ab, sondern springen auf den aktuellen Reglerwert, sobald man sie betätigt. So kommt es beim Umschalten dauernd zu Parametersprüngen. Im Live-Betrieb ist so etwas sehr störend. Auch wird es mir persönlich schnell zu fummelig bei Synths, die nicht für die meisten Parameter eigene Regler haben, und ich greife zu Maus und Editorsoftware. Man kann den AN1x ohne Hilfsmittel editieren, aber es flutscht nicht so richtig, man muss oft die Reglerbelegung wechseln.

Für sprungfreies Echtzeitkurbeln mit Analog-Feeling kann man die Regler in den Assign-Modus schalten. Dort sind sie frei mit Funktionen belegbar, global für alle Voices mit Control Assign, und man kann die wichtigsten Parameter zusammenfassen. Die Zuordnung erscheint beim zweiten Drücken des Reglers auf dem Display. Eine andere Methode ist, sie via Modulationsmatrix einzusetzen, das ist recht arbeitsintensiv. Dazu mehr im Kapitel „Lost in the Matrix“.

Alternativ kann man natürlich auch eine externe Controllerbox verwenden. Die meisten Parameter der Klangerzeugung sind MIDI-Controllern zugeordnet (zusätzlich zu SysEx), einige aber, wie auch die der Effekte und sonstiges, nur via SysEx erreichbar. Die Bedienelemente geben diese Controller/Sysex-Daten aus, man kann also alles im Sequencerprogramm aufzeichnen und wieder abfahren.

Achtung Stolperstein: Der AN1x kennt zwei Controller-Listen, eine General MIDI-kompatible mit CC/SysEx und eine gerätespezifische mit nur CC für die Regler. Umgeschaltet wird das durch das Halten des Assign-Tasters beim Einschalten. Der Modus soll dann angezeigt werden, das ist aber nicht so. Es funktioniert trotzdem; welcher es gerade ist, kann man mit den Control Device/Control Assign-Tastern und einem Blick in die MIDI-Dokumentation herausfinden.

Die restlichen Klangparameter wie auch die Modulationsmatrix und alle übrigen Parameter für Sequencer, Arpeggiator, Effekte und System werden via Umschalter und Up/Down-Taster auf der rechten Seite editiert.

Die Up/Down-Taster mit Umschalter

Die Voices werden mit dem Zahlenblock oder den Up/Down-Tastern umgeschaltet. Daneben sind noch vier Taster für Store, Portamento, Layer/Unisono und Sequencer/Arpeggiator.

Der Ribbon-Controller ist ein willkommenes Feature, wenn auch ein wenig kurz geraten. Mit ihm kann man Modulationen durchführen, die man mit einem Regler nicht hinbekommt, da er den jeweils letzten X-Wert behält und man irgendwo wieder ansetzen kann. Man sollte den Modulationsbereich aber so einstellen, dass man auf der ganzen Länge arbeiten kann, sonst kann man nur sehr grob modulieren. Die Druck-Achse (Z) ist hinreichend empfindlich und lässt sich ganz gut dosieren.

Sound-Morphing

Das Morphing spielt sich innerhalb einer Voice ab. In jeder kann man zwei beliebig verschiedene Sounds editieren, die sogenannten „Scenes“, auf die man einfach mit den beiden Scene-Tastern zugreifen kann. Natürlich gibt es Load-, Store- und Swap-Funktionen, damit lassen sich auch Scenes aus verschiedenen Voices kombinieren.
Die Scenes können dann kontinuierlich gemorpht werden via Mod-Wheel, Ribbon, Regler etc. oder einem MIDI-Controller. Folgendes wird mit den Scenes gespeichert:

  • die mit den acht Reglern editierbaren Parameter, also die der Klangerzeugung. Laut Anleitung sind die Regler im Assign-Modus davon ausgenommen, aber das stimmt nicht, dazu später mehr
  • Key-Mode Einstellungen (Poly/Mono, Portamento, LFO Reset)
  • die Einstellungen der Modulationsmatrix, es gibt also eigentlich zwei, für jede Scene eine
  • der Dry/Wet-Mix des frei belegbaren Effekts

Ein kleiner Stolperstein: Um das kontinuierliche Morphing zu aktivieren, muss man beide Scene-Taster gleichzeitig drücken, sonst tut sich garnichts trotz zugewiesenem Scene-Controller.

Gemorpht wird dann die obige Liste, aber bestimmte Funktionen wie Filter-Modus oder Oszillator-Algorithmus und Modulationsmatrix sind vom Morphing ausgenommen. Für sie gelten immer die Einstellungen von Scene1. Dabei gibt es aber ein paar sehr verwirrende Ausnahmen, siehe Kapitel „Lost in the Matrix“ am Ende.

Beim Morphen werden die Werte eventuell betätigter Regler nicht mehr zwischengespeichert. Will man einen Sound behalten, muss man ihn explizit in eine Scene abspeichern, bevor man den Morph-Regler wieder betätigt, sonst springt alles auf die in den Scenes gespeicherten Werte zurück. Auch gelungene Zwischenstufen kann man als Scenes speichern.

Die verschiedenen Modes des AN1X

Der Yamaha AN1x hat einen Unisono-Modus, bei dem monophon fünf und polyphon zwei Stimmen pro Note gespielt werden. Der Dual-Mode ermöglicht das Schichten zweier Voices, deren Scenes auch gemorpht werden können. Im Split-Modus werden die Scenes einer Voice rechts und links des Split-Punktes auf die Tastatur verteilt.
Für das Panning der Stimmen gibt es noch einen Separation-Parameter, der sie je nach Modus verschieden im Stereobild verteilt, und mit den Betriebsarten Alternate und Random macht man auch einen Sinus interessant.
Das Portamento hat ebenfalls je nach Modus verschiedene Betriebsarten.

Die Klangerzeugung des VA-Synthesizers

Nun zum interessanten Teil: Die Synthesearchitektur ist subtraktiv, zwei Oszillatoren plus Ringmodulator durchlaufen Filter, Verstärker und Effektsektion. Nichts ungewöhnliches, aber mit  Features gespickt! Um sich einen Überblick zu verschaffen, sollte man die Editorsoftware benutzen (siehe Linksammlung).

Die Editor-Software sorgt für Überblick

Die Oszillatoren

Sie starten bei Tastenanschlag mit zufälligen Phasenwerten wie bei einem Analogsynth, sehr schön, und geben Rechteck und Sägezahn aus, beide Kurvenformen sind modulierbar.
Das Rechteck lässt sich wie üblich pulsweitenmodulieren, und zwar von 0-99%, auf dem linken Anschlag verschwindet es also völlig. Das ist ein nettes Detail, so kann man es aus dem Nichts holen.
Der Sägezahn wird beim Modulieren zu zwei phasenverschobenen. Benutzt man einen LFO dafür, kann er (wie ja auch das Rechteck) Schwebungen wie zwei gegeneinander verstimmte Oszillatoren liefern. Nicht ganz wie der 7-fache Super-Saw wie im Roland JP-8000, aber immerhin.
Es gibt zwei Varianten, Saw 1 und 2, die sich unmoduliert nicht unterscheiden. Bei Saw 2 ist der Pegel des einen Teil-Sägezahns verringert, so dass man bei 180° Phasenverschiebung noch die Originaltonhöhe anstatt der dann stattfindenden Oktavierung hört.
Als vierte Wellenform gibt es einen Mix aus Sägezahn und Rechteck, der Sägezahn-Anteil bleibt beim modulieren statisch.

Zusätzlich zur Kurvenformmodulation kann mit dem ebenfalls modulierbaren Edge-Parameter alle Wellenformen kontinuierlich bis auf Sinus dämpfen. Das ist gut bei FM- und Ringmodulatorklängen einsetzbar.

Soweit zu Brot und Butter, aber das ist natürlich noch nicht alles. Wie es sich für einen anständigen VA-Synth gehört, kann man bei Oszillator 1 die Synchronisation aktivieren. Und bemerkenswerterweise braucht es dazu den anderen Oszi nicht, das kann Nummer Eins ganz alleine. Er wird dann zu Master und Slave in einer Person, der Slave lässt sich dann wie üblich mit LFO, Envelope, Controller oder manuell verstimmen und erzeugt die Oberwellen. Zusätzlich oder stattdessen kann man auch die normale Pitch-Modulation verwenden, die sich dann auf Master, Slave oder beide schalten lässt.
Im Sync-Modus stehen außerdem drei weitere, ebenfalls mit Pulse Width und Edge modulierbare Wellenformen zur Verfügung. Das sorgt für ein breites Spektrum an Sync-Sounds.

Es gibt ein paar Nachteile dieser Konstruktion, z.B. kann man Master und Slave nicht getrennt in der Lautstärke regeln und die Wellenformen frei wählen. Der Slave läuft immer mit Sägezahn, der dann auch nicht mehr auf PWM reagiert (wohl aber auf Edge). Das macht angesichts der Tatsachen, dass Oszi 2 dabei frei editierbar bleibt und der Master im Sync-Modus fünf modulierbare Wellenformen hat, aber nichts aus.

Dann gibt es natürlich auch noch Frequenzmodulation. Im Zusammenspiel mit der Sync-Funktion kann man nun unterschiedliche Algorithmen einstellen:

  1. FM only, Oszi1 wird von Oszi2 oder sich selbst frequenzmoduliert, wobei Oszi 2 frei bleibt.
  2. Sync + FM both/master/slave, Oszi1 ist dabei wieder Sync-Master und Slave, und kann von sich selbst oder Oszi2 frequenzmoduliert werden. Die FM lässt sich dabei auf beide, Master und Slave, oder einen von beiden anwenden.

Die Intensität der FM wird mit einem Regler oder einem MIDI-Controller eingestellt, und der Pegel des FM-Inputs kann mit LFO oder Envelope moduliert werden. Die Pitch-, Sync- und FM-Parameter sind alle positiv und negativ modulierbar.
Das einzige, was man hier anprangern könnte: Für die FM wird nur ein unmodulierbares Rechteck verwendet, freie Kurvenformwahl würde die ohnehin schon große Soundvielfalt noch bereichern.

Das Ganze kann man dann noch zusammen mit Oszi2 durch den nachgeschalteten Ringmodulator jagen. Hier wie auch bei FM ist der Edge-Parameter wirklich von Nutzen: Die Obertöne lassen sich schön dosieren, ohne dass es nach Filtern klingt – prima.
Ein paar Beispiele, nacheinander FM, Sync+FM und Ringmodulator, alle mit variiertem Edge:

Man kann in dieser Sektion einige Stunden mit Experimentieren verbringen. Da zeigt sich die lange Erfahrung von Yamaha in Sachen Synthesizerbau, die Oszillatoren-Verschaltung ist gut konstruiert und geradezu vorbildlich vielseitig.

Das Filter

Es besteht eigentlich aus zwei Filtern. Wie auch bei manchen analogen Synths ist vor das eigentliche ein resonanzloses Hochpassfilter geschaltet, gut geeignet um Sounds mit wenig Obertönen zu entdröhnen. Das Hauptfilter hat die Betriebsarten

  • Tiefpass 12, 18 oder 24 dB
  • Hochpass 12 dB
  • Bandpass
  • Bandsperre

und die Resonanz reicht bis in die Selbstoszillation.
Es besitzt die übliche Parameterisierung mit Hüllkurve, Key Follow etc.

Der Klang ist durchaus eigenständig, man könnte ihn als „clean“ bezeichnen. Der AN1x kann aber auch schmutzig, dazu mehr im Kapitel Amplifier. Zunächst ganz nüchtern die sechs Filtertypen hintereinander weg, befeuert mit einem Sägezahn, jeweils drei Sweeps bei verschiedenen Resonanzeinstellungen:

Das Filter macht amtlich Druck und sowohl in den Höhen wie auch im Bassbereich eine gute Figur, bei Sub-Bässen braucht der Pegel etwas Schub.

Meine Nagelprobe für Digitalfilter: Akkord in den unteren Lagen, Resonanz bis kurz vor dem Pfeifen und Cutoff langsam hochdrehen. So manches Plug-in gibt da spätestens in den oberen Mitten den Löffel ab und produziert massenhaft Artefakte.

Daumen rauf, man hört nur deutlich die schlechte Glättung des Reglers. Man kann zwar die Feineinstellung benutzen, aber das hilft nicht wirklich und man hat dann nicht den vollen Regelweg. Für saubere manuelle Sweeps bleibt nur, einen Assign-Regler via Modulationsmatrix zu benutzen und den Regelbereich einzuschränken.

Der Amplifier

Er macht, was er soll, Hüllkurve auf die Lautstärke, modulierbar durch Velocity und LFO. Ein Gimmick gibt es aber auch hier: das Feedback. Der Ausgang lässt sich zurückschleifen in den Filtereingang. Damit kann man einen ganz netten polyphonen Distortion-Effekt erreichen und im Zusammenspiel mit der Filterresonanz den Sound ordentlich edelverschmutzen. Wenn man diese Parameter sorgfältig aufeinander abstimmt, klingt es schön „unclean“:

Die LFOs

Von ihnen gibt es zwei. LFO2 ist nur mit Dreieckswelle ausgestattet und hat als einzige Parameter die Frequenz und die „Rückstell-Funktion“, die den Neustart der LFOs mit definierter Phasenlage bei Tastenanschlag bewirkt. Eigentlich ein typischer Vibrato-LFO, aber gerade dafür steht er nicht zur Verfügung. Für PWM ist er sehr gut geeignet, da er dort auch 60° zu sich selbst phasenverschoben und als schnellere Variante seiner selbst einsetzbar ist, er liefert sozusagen einen behelfsmäßigen dritten LFO und sorgt damit für komplexere Modulationen.

LFO1 ist besser ausgestattet. Er kann Oszillatoren (PM, FM/FM-Intensität, Sync), Filter (Cutoff) und Amplifier (Lautstärke) modulieren, hat ein Delay und 21 Wellenformen. Bei ihnen handelt es sich um Varianten der üblichen: Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn, Random. Es gibt sie als bipolare (also mit positivem und negativen Wertebereich) und unipolare (nur positiv), außerdem als 1/3 negativ-2/3 positiv-Wellen und um 180° phasenverschobene.

Z.B. bei einem Rechteck-Vibrato macht es ja einen Riesenunterschied, ob beim Hochregeln der Modulationsintensität mit dem Wheel die Tonhöhe nach unten und oben oder nur in eine Richtung moduliert wird, gleiches gilt für Cutoff u.a. Die 1/3-2/3-Wellen kann man für alles einsetzen was ein wenig in die eine, ein bißchen mehr in die andere Richtung gehen soll. Bei negativer Modulation werden sie zu 2/3-1/3-Wellen … das gehört zu den vielen nützlichen Details, die der AN1x an allen Ecken bietet.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Beide LFOs sind monophon, für vielschichtiges Gewaber muss man schon beide einsetzen. Dafür sind beide in der Frequenz von 3/min bis ca. 100 Hz regelbar, was zusätzliche FM-Möglichkeiten erschließt, auch Filter-FM und Amplitudenmodulation. Da die LFOs kein Keyboard-Tracking haben, ist die FM dann nicht chromatisch konstant, sorgt aber für schräg-dissonante Sounds.
Sync zu MIDI-Clock ist nicht möglich, aber für amtlich-technoide Modulationen gibt es ja noch den Step-Sequencer und die Free-Envelope.

Die Envelopes

Die Hüllkurven für Filter und Amplifier sind standard, ADSR und fertig. Sie sind schnell genug, um bei kurzen Decay-Einstellungen schön knacken zu können, und das lässt sich auch gut feindosieren. Amtliche Kraftwerk-Zapps, Klicks und hackspechtmäßige Technosequenzen kann der AN1x produzieren, dass es eine Freude ist! Das ist bei Synths dieser Generation nicht selbstverständlich. Bei dem folgenden Soundbeispiel geht etwas „Knack“ durch die mp3-Konvertierung verloren, trotzdem hört es sich gut an:

Die Pitch-Envelope ist noch einfacher, hier gibt es nur Decay, ansteigend oder abfallend. Aber sie lässt sich mono- oder polyphon betreiben und hat einen Legato-Modus, in dem sie nur gestartet wird, wenn zuvor alle Tasten losgelassen wurden.

Komplizierter wird es bei der Free Envelope. Eigentlich ist sie ein 4-Spur Modulations-Recorder, mit dem man vier verschiedene Reglerbewegungen aufzeichnen und wiedergeben kann. Sie ist loopbar und dadurch als LFO einsetzbar, lässt sich zu MIDI-Clock/Stepsequencer/Arpeggiator synchronisieren oder per Tastenanschlag starten und kann so ziemlich alles modulieren, auch Parameter wie Resonanz, Oszi-Wellenform und -Lautstärke, Modulationsintensitäten anderer Quellen etc.
Mit Hilfe der Editorsoftware erschließt sich das ganze Potential dieser „Hüllkurve“, sie kann damit frei gezeichnet oder mit verschiedenen Wellen wie Dreieck, Rechteck etc. gefüllt werden, die dann (auch ausschnittsweise) weiterbearbeitet werden können mit Funktionen wie Glättung, Pegel, Randomize und Verschieben.

Die Free-Envelope-Page des Editors

Es können bis zu 4 Parameter moduliert werden, die Länge der Free Envelope ist bis zu 16 Sekunden bzw 8 Takte, und sie kann einer oder beiden Scenes zugewiesen werden. Sie kann einfach durchlaufen, vorwärts oder vorwärts-rückwärts geloopt werden, von der Mitte aus oder vom Ende … eine Modulationsquelle, die man gut gebrauchen kann, wenn man mit den anderen Hüllkurven und den LFOs nicht zum gewünschten Ergebnis kommt.

Der Step-Sequencer

Er ist recht einfach gehalten, hat aber alles Nötige: Bis zu 16 Schritte mit Tonhöhe, Notenlänge, Anschlagsstärke und einem beliebigen Parameter bzw. Controller. Es gibt die Betriebsarten Vorwärts, Rückwärts und Alternate mit oder ohne Wiederholung der ersten und letzten Schritte, Swing- und übergeordnete Gate-Time- und Velocity-Parameter.
Die Voice-Patterns werden mit einem bestimmten Sound gespeichert, für die User-Patterns gibt es separat 128 Speicherplätze. Alle Sequenzen stehen allen Voices zur Verfügung. Man kann einstellen, ob der Sequencer für die jeweilige Scene verwendet wird. Beim Morphen gilt das aber nicht, dort ist er für beide Scenes an oder aus.

Die Step-Sequencer-Page des Editors

Der Sequencer lässt sich zu MIDI-Clock synchronisieren und das Beste: Er gibt seine Daten auch an den MIDI-Ausgang, wenn gewünscht sogar auf einem eigenen Kanal, man kann also auch andere Klangerzeuger mit ihnen steuern oder sie in einer Recording-Software aufzeichnen. Die Sequenzen können automatisch losbrettern oder nur bei Tastenanschlag, selbstverständlich auch via Tastatur in Echtzeit transponierbar. Einen Song-Modus, mit dem man sie verketten kann, gibt es nicht, aber im Pattern-Select-Modus kann man sie via Tastatur umschalten und abhängig vom Split-Punkt mit einem abgetrennten Tastaturbereich auch noch transponieren. Das ist live gut einsetzbar, und im Studio kann man es mit Noten aus einer Sequencersoftware erledigen.

Note, Notenlänge, Velocity und Controller werden mit den acht Reglern editiert, wobei man natürlich immer Step-Bereich und Parameter umschalten muss – nicht sehr luxuriös, aber da man jederzeit zur Klangerzeugung und wieder zurück wechseln kann, zumindest für Änderungen im Live-Betrieb ganz brauchbar. Für die Erstellung kompletter Patterns ist der Editor eine große Hilfe.

Der Step-Sequencer ist ein gelungenes Tool mit allen Betriebsarten, die man braucht. Nur das Fehlen einer Sequenz-Darstellung auf dem Display ist zu bemängeln, es wird immer nur ein Parameter eines Schritts angezeigt. Und das prinzipielle Manko des AN1x zeigt sich hier wieder: viel zu wenig Knöpfe.

Der Arpeggiator

Er lässt sich ebenfalls zu MIDI-Clock synchronisieren, hat 30 Patterns und verschiedene Hold-, Octave- und Play-Modes, je nach Dual-, Split- oder Single-Modus. Man kann ihn einer oder beiden Scenes zuordnen und auf den MIDI-Ausgang geben etc., alles wie beim Step-Sequencer.

Die Effekte des Yamaha AN1X

Es gibt vier gleichzeitig nutzbare, einen frei belegbaren, Variation, und 3-Band-Equalizer (parametrisch), Stereo-Delay und Reverb, in dieser Reihenfolge. Delay und Reverb lassen sich aber auch parallel schalten.
Bei dem Variation-Effekt kann man unter folgenden Algorithmen wählen:

  • Chorus 1 und 2
  • Flanger
  • Symphonic
  • Phaser (der ist wirklich brauchbar)
  • Auto Pan
  • Rotary Speaker
  • Pitch Changer (eher ein Frequency-Shifter)
  • Aural Exciter
  • Compressor
  • Wah
  • Distortion
  • Overdrive
  • Amp Simulation
  • Delay und Reverb haben auch mehrere Betriebsarten:
  • Delay: Left-Center-Right, Left-Right, Echo, Cross Delay, Tempo Delay
  • Reverb: Hall, Room, Stage, Plate

Das ist eine nette Palette an FX, deren Qualität von eindeutig LoFi bis ganz ordentlich einzustufen ist. Angesichts des Baujahrs kann man hier keine Wunder erwarten, aber die Ausstattung ist mit 4 gleichzeitigen Effekten als gut zu bezeichnen. Auf jeden Fall ein kleiner Pluspunkt.
Das Delay lässt sich zu MIDI-Clock synchronisieren.
Die Echtzeitregelung der Effekte ist fast nur via Tipptaster oder MIDI/SysEx möglich, dann aber ohne Aussetzer. Bei Variation, Delay und Reverb ist jeweils der Effektanteil via Controller in der Modulationsmatrix steuerbar, für das Morphing der Scenes steht nur der des Variation-Effekts zur Verfügung.

Alternative zum Yamaha AN1X – der Yamaha AN200

Tatsächlich hat Yamaha die Klangerzeugung des AN1X in eine extrem starke und vielseitige Groovebox gepackt, die Yamaha AN200.

Yamaha VA-Synthesizer AN200

Außerdem gibt es Erweiterungskarten mit den Synthese des AN1X für folgende Synthesizer Yamaha  MOTIF, Yamaha MOTIF ES sowie Yamaha CS6x. Im Yamaha EX5, EX7 und EX5R ist der AN1X bereits fester Bestandteil der Klangerzeugung, wenn auch mit stark eingeschränkter Polyphonie.

Synthese des AN1X gleich integriert:Der Yamaha EX5R

Lost in the Matrix

Nun noch zu einem etwas trockenen Kapitel: Controller-Matrix und Controller-Zuordnung (Control Matrix und Control Device).
Einer meiner ersten Gedanken beim Herumspielen mit dem AN1x war, die Regler im Assign-Modus sinnvoll mit einzubinden. Dabei stieß ich jedoch auf zahlreiche Merkwürdigkeiten. In dieser Abteilung gibt es nicht nur Stolpersteine, sondern sozusagen ein Geröllfeld!
Zuerst die Grundlagen:

Die Matrix-Page des Editors, links unten die System-Einstellungen für die Controller

CONTROL MATRIX

Die Controller-Matrix ist keine Modulationsmatrix im klassischen Sinne, die Modulationszuordnungen der LFOs und Envelopes sind in der Klangerzeugung fest geroutet. Man kann hier die Hardware-Controller (Assign-Regler, Wheels, Ribbon, Keyboard, Pedale) sowie die eingehenden MIDI-Controller als Modulationsquellen eintragen und fast alle Parameter der Klangerzeugung damit steuern.
Sie gehört zu den Parametern der jeweiligen Voice und ist mit 20 Routen (Source->Mod Depth-> Soundparameter) gut ausgestattet, zwei sind für Pitchbend-Range reserviert, das sich für up/down getrennt einstellen lässt, wieder mal ein kleines, aber feines Detail. Natürlich kann man Pitchbend in eine weitere Route eintragen und noch andere Parameter damit steuern.

CONTROL DEVICE

Die Controller-Zuordnung geschieht unabhängig davon in den System-Einstellungen, dort kann man Hardware-Controllern (Assign-Regler, Mod-Wheel, Ribbon, Pedale) global für alle Voices MIDI-Controllernummern zuweisen (Device->MIDI CC), von denen einige bestimmten Soundparametern zugeordnet sind. Welche Nummern frei und welche zugewiesen sind, ist abhängig von der eingestellten Map, siehe Kapitel Bedienung. Hier versteckt sich auch der für das Morphing zuständige Controller, obwohl er ja eigentlich einen Zielparameter darstellt.
Die MIDI-Controller werden am MIDI-Out ausgegeben und intern an die Klangerzeugung weitergeleitet. Änderungen bei den Controllerzuordnungen wirken sich natürlich auf alle Voices aus, die diese Controller verwenden, die gespeicherten Voices bleiben bis zum Betätigen des Controllers aber erstmal, wie sie sind.
Man kann diese Controllernummern oder den Hardware-Controller selbst zusätzlich in der Matrix eintragen, was natürlich einen Unterschied macht, wenn man später die MIDI-Controllernummer des Hardware-Controllers ändert.

In einer Grafik zusammengefasst sieht das so aus:

Die Modulationswege

Diese Modulationswege sind alle gleichzeitig aktiv, und ein Controller kann sowohl direkt auf die Klangerzeugung wirken wie auch parallel dazu via Matrix. Da das Ganze recht umfangreich ist, es zu Interaktionen kommen kann und der AN1x über zwei Scenes pro Voice verfügt, die sich morphen lassen, wird es nun ein wenig knifflig:

  1. Es gibt für jede Scene eine Matrix, also sind es eigentlich zwei. Das ist logisch, schließlich können ja ganz verschiedene Sounds mit verschiedenen Modulationen in den Scenes sein. Nur zwei der Routen gelten für immer für beide Scenes, mit stark eingeschränkter Zielparameter-Auswahl. Man muss also die Zuordnungen und Intensitäten in der Matrix im Ernstfall alle zweimal editieren.
    Das gilt aber nicht beim Morphen, dann wird immer die Matrix von Scene1 verwendet.
  2. Die Stellungen der Regler im Assign-Modus werden laut Manual nicht mit den Scenes gemorpht. Der AN1x hat das anscheinend nicht gelesen, es funktioniert wie bei den anderen Reglern auch, wenn man ihnen im System global einen Parameter zuweist. Ihre Werte können mit den Scenes umgeschaltet und gemorpht werden, ausgenommen nicht morphbare Parameter wie Filter-Typ.

Bei Einsatz in der Matrix können ihre Werte und Parameter-Zuordnungen ebenfalls umgeschaltet und gemorpht werden. Aber das ist nicht immer so! Ein Beispiel: Man hat einen Assign-Regler in die Matrixes eingetragen mit unterschiedlichen Modulationszielen bei Scene1 und 2.

Spontan macht man es dann eigentlich so:
Man schaltet auf Scene1, ändert die Stellung des Assign-Reglers, dann auf Scene2 und ändert wieder die Stellung des Assign-Reglers. Dann aktiviert man das Morphing, Wert und Zuordnung des Assign-Reglers wird gemorpht. Das wird auch so mit der Voice gespeichert. Alles paletti.

Weicht man von dieser Reihenfolge ab, passiert folgendes:
Man schaltet wie eben auf Scene1, ändert die Stellung des Assign-Reglers, dann auf Scene2 und ändert wieder die Stellung des Assign-Reglers. Wenn man nun noch einmal zurückschaltet auf Scene1 und etwas ändern möchte, hat sie den Assign-Regler-Wert von Scene2 übernommen! Das kann man natürlich wiederum ändern, aber wenn man nun zurückschaltet auf Scene2, so hat diese den Wert von Scene1 übernommen … die Parameter-Zuordnungen bleiben dabei jedoch erhalten. Tilt!

Es funktioniert also, wenn man unmittelbar nach der Verstellung des Assign-Reglers in den beiden Scenes das Morphing aktiviert, wie man es beim zügigen Arbeiten auch macht. Wählt man aber eine Scene ein zweites Mal an, ist die ursprüngliche Einstellung dahin. Da man die beiden Scene-Taster für die Aktivierung des Morphings gleichzeitig betätigen muss, gibt es zwei Möglichkeiten: Den aktiven zuerst drücken oder den nicht aktiven, was ein zweites Anwählen der Scene bewirkt. Es ist also mal so, mal anders – wenn man diesen Stolperstein nicht kennt, ein völlig willkürliches Verhalten …

Die Betätigung der Assign-Regler nachdem Aktivieren des Morphings führt zu Soundänderungen entsprechend Matrix von Scene1, also gelten ausschließlich deren Wert und Zuordnung – bei Scene2 aber zusätzlich zu den Scene2-Matrix-Einstellungen!

Zu beachten ist die außerdem die Einschränkung, dass nachträgliche Editierungen nicht gepuffert werden und sie bei Betätigung des Morph-Reglers zurückgesetzt werden, siehe Kapitel Morphing.
All das gilt auch für die anderen Controller, Ribbon, Pedale etc und die extern eingespeisten MIDI-Controller.

Unterm Strich: Das Morphen mit Controllern in der Matrix führt dazu, dass ein und dieselbe Source während des Editierens drei verschiedenartige Funktionen bekommen kann und je nach Vorgehensweise unterschiedliche Endergebnisse dabei herauskommen. In der Anleitung stehen dazu wenig hilfreiche oder sogar falsche Angaben.
Nur mit viel Phantasie könnte man es noch komplizierter machen …

  1. Es gibt in der Matrix keine Neutralstellung der Modulationsintensität, es wird entweder positiv oder negativ moduliert, relativ zum Parameterwert, und statt Nullstellung gibt es hier „DIR“, die Source regelt den Parameter direkt über den ganzen Bereich. Will man eine Route vorübergehend deaktivieren, muss man die Source oder den Parameter auf „Off“ stellen – sehr umständlich, man muss sich merken, was man abgeschaltet hat.
    Bei den Keyboard-Sources Velocity, Key Track und Key Random sind merkwürdigerweise einige Modulationsziele nicht verfügbar, z.B die Pulsweite, dafür aber sonst nicht verfügbare Ziele wie z.B. Pitch. Und es gibt hier doch eine Nullstellung statt DIR.
    Ändert man also die Source von einem anderen Controller auf eine dieser drei, so verabschiedet sich der Parameter aus der Matrix, was auf dem Display noch durch Blinken angezeigt wird, oder DIR wird zu Null, und zwar klammheimlich.
  2. Man kann eine Source->Parameter-Zuordnung in der Matrix entgegen der Angaben in der Anleitung mehrfach verwenden, und einige Parameter, die offiziell für bestimmte Sources gesperrt sind, funktionieren trotzdem, z.B. Assign-Regler->VCO Pitch bei Depth: DIR. Wenn man da eine Zuordnung nicht mehr auf dem Plan hat, wundert man sich stundenlang. Weil es keine Übersichtsseite auf dem Display gibt, muss man mühsam alles durchsteppen, um solche Routings ausfindig zu machen. Da hilft nur der Editor.
  3. Wie oben beschrieben, kann man den Hardware-Controllern im System global MIDI-Controller zuordnen. Benutzt man freie Controllernummern, gibt es keine Probleme, per Default liegen sie auch auf unbenutzten. Verwendet man nun zugewiesene Nummern, z.B. um einen Assign-Regler mit einem Sound-Parameter zu belegen, so sind dieser und der eigentlich zuständige Regler gleichberechtigt, beide regeln den ganzen Bereich direkt. Soweit schön und gut.
    Wenn man aber den Assign-Regler, egal ob als Controllernummer oder als Hardware-Controller(!), zusätzlich in der Matrix verwendet, um weitere Parameter damit zu regeln, so bekommt auch der eigentlich zuständige Regler dessen Modulationsfunktion! Das Gleiche passiert, wenn man belegte Controllernummern in der Matrix verwendet. Die den Reglern automatisch zugewiesenen MIDI-Controller werden nicht nur an den MIDI-Ausgang, sondern auch in die Matrix geroutet. Das ist reichlich unlogisch, bleibt im Manual unerwähnt und kann auch gestandene Soundfrickler in den endgültigen Wahnsinn treiben …

Mit intuitiver Bedienung ist bei der Matrix und den Controllern wirklich Schluß! Das ist Yamaha nachträglich wohl auch aufgefallen … ich zitiere mal einen Satz aus der Anleitung:

„Zwischen den Knopfzuordnungen der Steuerungs-Funktion
(System) und den Knopfzuordnungen der Control Matrix
(Voice) können Sie ein monströses Knopf-Steuerungssystem
entwickeln, …“

Und das soll man mit den sechs dafür zuständigen Tipptastern und einer Anleitung voller Fehler bewältigen? Man kann hier den Daumen nicht tief genug senken. Die viele Zeit, die ich damit verbracht habe, hätte ich lieber den anderen Features des AN1x gewidmet. Mit ein paar solcher Bugs muss man leider bei vielen Geräten leben, aber hier muss man sich die Anleitung über weite Strecken selbst schreiben.
Man tut gut daran, einen Nachmittag mit viel Kaffee für das Kennenlernen dieser Abteilung einzuplanen. Ich hoffe, das alles korrekt diagnostiziert zu haben, und vielleicht ersparen diese Hinweise dem einen oder anderen AN1x-Benutzer stundenlanges Kopfzerbrechen.

Aber das soll das gute Gesamtbild nicht allzusehr trüben, wenn man den Editor verwendet und erstmal alle „undocumented Features“ intus hat, erweist sich das System als sehr flexibel, wenn auch schwer handhabbar. Und so ziemlich alles andere am AN1x ist in starkem Kontrast dazu gut durchdacht, logisch konstruiert und bedienbar.

Zum Schluß noch ein paar Voices, die mir angenehm aufgefallen sind und die Soundvielfalt des AN1x demonstrieren. Als erstes das Preset „We All Die“, das zwar unerwünscht an das Ableben erinnert, aber zeigt, was man aus einem VA-Synth von 1997 herausholen kann (siehe Soundbeispiele)

Der Yamaha AN1X on YouTube

Fazit

Der Yamaha AN1X ist ein Wolf im Schafspelz. Unter der etwas simpel anmutenden Hülle steckt ein gut ausgestatteter und durchdachter Synthesizer, der klanglich wesentlich jüngeren Vertretern seiner Art durchaus gewachsen ist. Die viel zu geringe Zahl der Regler bremst den Echtzeitspaß ein wenig, aber man kann ganz gut an Sounds schrauben, ohne sich auf Menüseiten zu verirren. Das gilt allerdings nicht für die Controllermatrix und -zuweisungen, siehe oben.
Für ausgetüftelte Soundfrickeleien ist der AN1x wie geschaffen, die komplexe Oszillator-Sektion, der Step-Sequencer, der Arpeggiator, die Free Envelope und nicht zuletzt die Effektabteilung sorgen für reichlich Kurzweil. Der Ribbon-Controller ist eine gute Ergänzung zu Pitch- und Mod-Wheel, wenn auch ein bißchen zu kurz.
Kurz, eine Techno-Workstation für wenig Geld mit allem drum und dran für unterwegs und daheim!

Plus

  • Klang und -vielfalt, komplexe Oszillatorsektion
  • Step-Sequencer
  • schnelle Hüllkurven
  • Ribbon-Controller
  • vier Effekte
  • Morphing

Minus

  • schlecht dokumentierte Controllermatrix mit vielen Stolpersteinen
  • laute Tastatur
  • zuwenig Regler, die haben außerdem etwas Spiel und sind schlecht geglättet

Preis

  • etwa 200-300Euro auf dem Gebrauchtmarkt
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wegen dem recht billig anmutenden und an den CS1x erinnernden Erscheinungsbild wird der AN1x extrem unterschätzt.
    Das ist sehr schade, denn klanglich ist er sehr gut und kann es locker mit anderen VA´s ala Nord Lead, JP-8000 aufnehmen. Der AN1x klingt vielleicht nicht so edel wie ein Nord Licht, trotzdem gefällt mir persönlich der Sound besser.

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      h.gerdes  AHU

      Stimmt, der AN1x steht zu Unrecht im Schatten seiner Konkurrenten. Klanglich ist er vielleicht um Nuancen einem Nord unterlegen, aber er weist in der Hinsicht keinerlei Schwächen auf. Vom Tiefbass bis zu den Höhen klingt er gut, ausgewogen und vor allem analog-like.

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    lowcust

    hab den an1x damals verkauft um mir einen access virus b zu holen, aus heutiger sicht war es ein fehler. wenn ich heute nochmals entscheiden müsste würde ich den an1x behalten und virus b verkaufen. ist doch der an1x einer der va der sagen wir mal seine eigene besondere haptik und auch klang besitzt. vorallem das cs80 preset mit aftertouch ist ein anpielen wert. ich will meinen wieder zurück!

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      h.gerdes  AHU

      Den Virus B habe ich auch, und ich muß sagen, den Filtersound des AN1x finde ich besser und „analoger“. Und schon wegen des Step-Sequencers lohnt sich die Anschaffung, den kriegt man kaum billiger.
      Aber die Bedienung (und die Reglerglättung) ist beim Virus nach meiner Meinung viel gelungener.

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    zeitlos  

    Ich fand den Klang seinerzeit schon ziemlich gut, nicht warm zwar aber recht durchsetzungsfähig und gut klingend. Ich hatte neben dem An-1x noch den Roland JP-8000, der klanglich längst nicht so vielseitig ist wie der Virtuelle von Yamaha und auch weniger Druck/Kraft erzeugen kann. Aber: den AN1X habe ich recht schnell wieder verkauft, weil er erstens doch umständlich zu bedienen war ( im Vergleich zum JP) und klanglich – wie ich finde – ziemlich neutral daherkommt, was ich persönlich nicht so mag. Den „blubbernden“ JP-8000, über den Peter Gorges einmal abwertend sagte, er sei eine „Blaupause“, hab ich dagegen immer noch im Einsatz! Denn der hat neben seiner total intuitiven Bedienbarkeit und trotz des fehlenden Drucks —> Charakter!

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    YC45D  

    Ich bin positiv überrascht über diesen informativen „Nachruf“ über den AN1x,danke.
    Mittlerweile besitze ich Exemplare davon,und die ziehe ich mittlerweile sogar oft meinem Prophet08,der doch viel teurer war.
    Allerdings heute noch einen AN1x für 200-300 Euro zu bekommen,sehe ich nicht als realistisch an,eher 400-500 Euro.

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      h.gerdes  AHU

      Tja die Gebrauchtmarktpreise schwanken stark… aber mit Glück muss man nicht viel mehr als 200 Euro zahlen.

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    olduser  

    Habe damals ca. 2300.- DM für die Schüssel bezahlt, Yamaha hat der Einfachheithalber einfach die Cs1x Gehäuse dunkler gespritzt, wobei man sagen muss, die Effekte werden schon sehr intensiv eingesetzt, aber als ich ihn verkauft habe, fand ich auch das er gar nicht soweit vom Nordlead 3 weg war. Wobei die Bedienung na ja: Yamaha.Yamaha baut die besten Digitalen Filter, der drei Japaner, ich wünschte der V-Synth hätte so ein Filter, die Motif Reihe, den Preis vom An1x über 300 € halt ich für einen Witz, aber gut wenn er manchmal besser klingt als ein P08, bin ich froh das ich nen Andro und nen Voyager hab, und den NL3 in den Hähen der Beste VA für mich, Aärme geben die Anderen.

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    Fairchild

    Ich habe meinen AN1x vor 3 Jahren für 300 Euronen erstanden und möchte ihn nicht mehr missen. Mit einem Nord und eine JP bin ich nie richtig warm geworden.
    Mit einem AN1x kann man Klänge erzeugen, die man einem typischen VA dieser Zeit nicht so ohne weiteres zutraut, was vor allem an der ungewöhnlichen Sync/FM-Option liegt.
    Über den Edge-Parameter an den Oszilatoren kann man den Klang sehr schön in Richtung Oberheim bewegen.
    Beide Daumen für den kleinen Blauen aus dem Fernen Osten!

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      h.gerdes  AHU

      Genau, die FM/Sync-Abteilung reicht fast an die Möglichkeiten eines Modularsystems heran und liefert wirklich prima Klänge. Und das schon mit einem Oszi…

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    AMAZONA Archiv

    In meinem Kopf war der AN1X bis jetzt immer als „schlechter JP-8000“ gespeichert. Danke das ihr das geändert habt! Amazona hat eindeutig die Eigenschaft meine „haben will“ Liste immer weiter zu verlängern.
    Sehr gut geschriebener Artikel übrigens!

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      h.gerdes  AHU

      Danke für die Blumen!
      Auf Sequenzer und Free Envelope wäre ich gerne noch etwas detaillierter eingegangen, aber die Matrix hat mich tagelang beschäftigt…

  8. Profilbild
    Doc  

    Der AN1x wird auch, (genau wie z.B ein Alesis ION) einfach unterschätzt.
    Aber den Soundcharakter eines NordLead erreicht er nicht. Muss er ja auch nicht.

    Hatte ab 1997/98 alle 3 – (NL1, JP, AN1x) und nur ein NL klingt wie ein NL.
    Aber die 3 haben sich gut ergänzt.

    Als CW dann den Minimax und den Pro5 auf den Markt warf, waren sie dann Geschichte.
    Ich will einfach den Dinosound…

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Tja, der wunderbar warme Analogsound… ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, da wurde ebendieser als kalt, technisch und seelenlos bezeichnet!
      Übrigens erging es dem Klavier genauso, viele taten sich schwer, vom Cembalo auf das Pianoforte umzusteigen… dieser kalte, harte Klang…
      Und mittlerweile ist auch der Vintage-VA-Sound eines AN1x pure Nostalgie ;-)

  9. Profilbild
    filterfunk  

    Sicherlich war das Teil anno 97 für die aufgerufenen 1500DM ein Renner.
    Dennoch ist er m.E. zu Recht nicht zum Klassiker geworden.
    Ich hatte damals gerade meinen NL1 verkauft, den ich mir für eine Produktion geholt hatte. Der AN1X kam mir da gerade recht. Ich fand das Gerät zwar „ganz ordentlich“, hat mich aber NIE begeistert. Der Sound ist zwar durchaus voll, aber unterkühlt, es fehlt die Transparenz. Die Tastatur ist eines Yamaha unwürdig, die Effekte scheppern vor sich hin. Auf der anderen Seite war ’97 für das Geld nicht mehr DSP-Leistung drin, und das hört man aber auch.
    Es ergibt sich auch im Vergleich zu anderen Gebrauchten in dieser Preisklasse für mich ein zwiespältiges Bild. Wenn man auf „kalt“ steht, würde ich den MicroQ eindeutig vorziehen, auch wenn dieser ohne Tastatur daherkommt. Und wer fetten Future-Retro-Sound will, der kommt m.E. in dieser Preisklasse kaum am MicroKorgXL vorbei, auch wenn dessen Hardware eine absolute Katastrophe ist.
    Aber: Nur ein AN1X klingt wie ein AN1X. Und wer genau den Sound will, der sollte sich nichts anderes holen…..

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Tja die unerreichte Transparenz eines Waldorf Wave hat er nicht… aber den Klang kann man auch als „elektronisch“ statt als „kalt“ beschreiben, ist halt Geschmackssache. Auf jeden Fall ist er eine gute Ergänzung/Alternative für Moog-Sounds & Co.
      Die Tastatur hatte ich ja auch bemängelt, die ist recht nervig. Leider gibt es keine Rackversion vom An1x, nur die AN-200 mit halber Stimmenzahl.

  10. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Besitze auch sei 97 einen An1x, wenngleich das Gerät derzeit aus Platzgründen ein Schattendasein originalverpackt im Wandschrank verbringt. Mit dem Sound war ich von Anfang mehr als zufrieden… und die Tastatur finde ich gar nicht so übel. Die Benutzeroberfläche ist tatsächlich übel. Kein Vergleich zum JP. Habe das Gerät des öfteren – auch wegen der zuweisbaren Controller – als Masterkeyboard eingesetzt. Muss allerdings Holger recht geben: gebraucht ist der An1x tatsächlich für 200 – 300 Euro zu bekommen…vielleicht ändert sich das nach diesem tollen Bericht ja.

  11. Profilbild
    Organist007  

    ich hatte auch mal einen an1x in den 90igern und konnte damit sehr schöne pads und auch einige interessante leads machen.
    auch wenn nicht so druckvoll wie andere, so hat er doch charakter und ist vielseitig.
    ich würde ihn wieder gegenüber einem clavia NL vorziehen.
    ist natürlich geschmacksache !
    mein Creamware prodissey bereitet mir uneingeschränkt freude !

  12. Profilbild
    canutility

    Hallo!
    also, wollte eigentlich nur sagen, dass ich ein An1X fan der ersten stunde war,-
    ich hab ihn kurz nach seinem erscheinen live auf herbie hancock´s fender rhodes liegen sehen, und er hat ein paar grossartige effekt- und solo – sounds aus ihm herausgeholt.

    Hab ihn mir dann gekauft und fand ihn einfach
    umwerfend, trotz seiner einschränkungen.

    über den sound braucht man nichts mehr zu sagen, und auch die controller-knob lösung fand ich originell und sehr praktisch, vor allem beim livespiel.
    schliesslich hat man mit einem knob gleich mehrere parameter zur verfügung, und mehr als zwei hände hat man sowieso nicht, egal wieviele controller der synth hat))!

    und auch dass chassis hat ein super design,-
    und dass es das gleiche wie vom CS1X war? wen interresierts? war der CS1X eine schande oder was?

    Selten hab ich so ein inspirierendes instrument gespielt,-
    aber diese digitalen spruenge beim filtern sind mir einfach allmählich extrem auf die nerven gegangen.
    Ist mir bis heute schleierhaft, warum dieser dumme fehler passiert ist.

    ich habe ihn im lauf der zeit verkauft, aber ich wusste immer, dass ich ihn mir wieder zulegen werde, zumal er – noch mehr wie früher – unter seinem wert gehandelt wird.

    ———-hat übrigens mittlerweile irgendjemand eine lösung für dieses grobe filter gefunden??

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Das mit der groben Rasterung läßt sich auf zwei Arten verbessern (am besten beides kombinieren):

      a) Externe Controller verwenden, die Regler des AN1x sind nicht nur schlecht geglättet, sie überspringen auch Werte!
      b) Die Cutoff-Frequenz nicht direkt steuern, sondern via Matrix und dort mit Mod Depth den Regelbereich auf das notwendige einschränken.

      Ist dann immer noch nicht perfekt, aber brauchbar.

  13. Profilbild
    microbug  

    Wurde ja mal Zeit, danke für den Bericht:)

    Hatte auch mal kurz einen und den dummerweise wieder abgegeben.

    Was ich bisher nicht richtig entdecken konnte: Kann bei der Nutzung des AN1x als Masterkeyboard die Velocity begrenzen? Meine S3 hat leider einen Bug an dieser Stelle, und ein TX802 klingt dummerweise anders, wenn er über eine Tastatur mit voller Velocity angesteuert wird. Wenn nicht muß der 802 dann doch wieder einem DX7IID weichen …

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Es gibt nur die verschiedenen Velocity-Kurven in den System-Einstellungen, vielleicht ist da eine geeignete dabei. Begrenzen kann man die Velocity nicht, das geht nur mit externen Tools oder via PC.

      • Profilbild
        microbug  

        Danke. Mal sehen, vielleicht muß ja auch eher die S3 weichen. So geil das Ding auch ist, aber wer sich dieses Sysexformat ausgedacht hat gehört geteert und gefedert.

  14. Profilbild
    richardon

    Hi
    Schoener Bericht. Der Free EG des An1x ist leider auch nicht viel einfacher zu bedienen als die Matrix.Man kann damit auch einen 2 ten kleinen Arp basteln.Wichtigster Parameter des An1x ist Feedback, mit dem man den AN1x von 10=duenn (Werksounds) ueber 40=neutral bis 90=boese einstellen kann. Alle Elemente auch das Filter aendern dabei ihren Charakter. Bei 80 klingt der AN1x sehr aehnlich kaputt und vocal wie ein CS80. Was will man mehr :-) Auch Natursounds lasen sich bestens emulieren. Wer das mag :
    http://hom...../frame.htm
    (kostenos)
    Mittels Free EG kann der An1x auch laengere Saetze plappern. Toller Synth.
    Gruesse

    • Profilbild
      SpotlightKid  

      Richys Sound sind wirklich spitze und ich empfehle jedem AN1x-Besitzer sie mal auszuprobieren!

      Kleine Korrektur zum Testbericht:

      „Umgeschaltet wird das [der Controller Modus] durch das Halten des Assign-Tasters beim Einschalten. Der Modus soll dann angezeigt werden, das ist aber nicht so.“

      Bei mir wird er ausgewählte Controller Modus nach den üblichen Boot-Meldungen (nach „Welcome to AN1x“) angezeigt. Man muss nur den ASSIGN-Knopf lange genug festhalten.

      Ansonsten sehr guter Bericht, vor allem der Abschnitt „Lost In the Matrix“ ist sehr hilfreich!

      Chris

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