Green Box: Yamaha V50 FM-Synthesizer (V2)

12. Dezember 2015

Die Ultra-FM-Workstation

V50 1

Der Yamaha V50 ist nicht nur selten, sondern meiner Meinung nach einer der spannendsten FM-Synthesizer, die Yamaha je auf den Markt gebracht hat. Ganz nebenbei bemerkt, liebe ich sein geschwungenes Design.

Milestones

Wir erinnern uns: 1983 brachte Yamaha den DX7 auf den Markt und veränderte damit auf einen Schlag den Musikmarkt für Synthesizer. Analog war out, Digital war in. Ganze fünf Jahre hielt Yamaha mit einer Vielzahl von FM-Synthesizern seine Vormachtstellung in sicheren Händen. Bis KORG mit dem M1, 1988 dem FM-Hype ein Ende bereitete und die Ära der Workstation einleitete.

Plötzlich sollte der perfekte Synthesizer einen Mehrspur-Sequencer beinhalten, Multieffektgeräte, Drumsounds und nach Möglichkeit natürlich klingende Sounds vom Piano bis hin zu Bläsern und Streichern.

Zu diesem Zeitpunkt waren Yamahas Entwickler entweder so sehr von ihrer FM-Technologie überzeugt, dass sie glaubten, Letzteres mit FM-Technologie zu erreichen, oder sie hatten schlechtweg keinen Plan, wie sie einen Synthesizer auf Basis von PCM-Sounds in sehr kurzer Zeit realisieren konnten.

Das Ergebnis mutete 1989 eher wie eine Verzweiflungstat an statt einer konkurrenzfähigen Strategie. Man packte den 4-Operatoren Synthesizer Yamaha DX11 in ein neues Gehäuse, verdoppelte dessen Stimmenzahl von 8 auf 16, ergänzte den Klangerzeuger um einen 9-Spur-Sequencer, Drumsounds und ein Effektboard und fertig war die Workstation Yamaha V50 (die übrigens im asiatischen Raum als Yamaha V2 erschien. Da der Name in Europa allerdings zu sehr an die V2-Raketen aus dem zweiten Weltkrieg erinnerte, entschied man sich hier für das Kürzel V50).

Offensichtlich wollte man mit der V50 Workstation die Zeit zum „großen Wurf“ überbrücken, denn der sollte ein Jahr später mit dem Yamaha SY77 erfolgen – aber das ist eine andere Geschichte.

V50 8

Kleine Übersicht

Der Yamaha V50, der zunächst in den Ladenregalen verstaubte und schon bald zu Dumpingpreisen ausverkauft wurde, hat es dann aber schließlich geschafft, sich als wahrer Geheimtipp zu etablieren. Vor allem die Dance-Szene der 90er entdeckt die 4-Operatoren-FM-Synthesizer dank dem „Lately-Bass“, der als Preset dem Yamaha TX81z (der Rack-Version des DX11) entnommen wurde und sich auch in einem V50 unverfälscht wiedergeben lässt. Zahlreiche Hip-Hop Tracks, aber auch Madonnas Hit „Vogue“ prägte dieser sehr markante Bass-Sound. Im Zuge dieser FM-Reanimation stieg der V50 wieder im Ansehen und galt vor allem mit externem Filter (wie Waldorfs 4Pole oder der Sherman Filterbank) als Geheimwaffe für Dance-Tracks.

V50 6

Und auch ich bin der Meinung, dass dem Yamaha V50 seinerzeit Unrecht getan wurde. Fassen wir nur mal die technischen Eckdaten zusammen:

4-Operatoren-Synthese mit wählbaren Grundschwingungsformen (statt nur Sinus wie DX7)

  • 16-fache Polyphonie
  • 9-Spur Sequencer (8 polyphone Spuren, 16.000 Noten für Synthesizer plus Drumspur)
  • Drumcomputer mit 64 PCM-Samples aus dem Yamaha RX-5/RX-7
  • Effektboard mit 32 verschiedenen Effekten, darunter auch seriell geschaltete Duo-Effekte
  • einfache Bedienung mit Laufwerkstasten für Sequencer
  • 5-Oktaven Keyboard mit Aftertouch
  • Floppy-Drive zur Datenspeicherung
  • ROM-Card Schacht zur Datenspeicherung

Also ja, das darf man getrost als Workstation bezeichnen, wenn auch finale Master damit sicherlich nicht gemacht werden können.

V50 3

Sequencer

Da der Sequencer nicht nur den internen Klangerzeuger multitimbral ansteuern kann (was die schrecklich-schönen Demos im Gerät beweisen), sondern auch externes MIDI-Equipment und dazu ein einfacher interner Drumcomputer sein Werk verrichtet, war der Yamaha V50 durchaus dazu geeignet, das Zentrum eines Homerecording-Studios zu sein.

Wie bei vielen Sequencern üblich, verfügt Yamahas V50 über einen besonders tighten Zeitgenossen, der dank seiner Track-Taster auch im Live-Betrieb das Muten einzelner Spuren erlaubt, aber sonst leider nur im Songmodus von A nach Z läuft und keinen Pattern-Modus beherbergt.

Gleichzeitig bietet der Song-Modus eine einfache Möglichkeit, den Yamaha V50 in den MIDI-Multimode zu schalten und auf 8 MIDI-Kanälen unterschiedliche Sounds abzurufen.

V50 4

Drumcomputer

Ganze 100 Preset Pattern und 100 User Pattern umfasst der 8-fach polyphone Drumcomputer, der mit 64 Sounds der Yamaha Drumcomputer RX-5 und RX-7 gefüttert wurde. Die waren Mitte der 80er durchaus angesagt, 1990 hatte allerdings längst der Roland TR-Zug alles niedergewalzt, was nicht nach 808 oder 909 klang. Weiß der Geier, warum Korg und Yamaha nicht viel früher in ihre Workstation brauchbare Bass- und Snare-Drums integriert hatten. War denn wirklich keine Zeit, eine vernünftige Analog-Bass-Drum zu sampeln und in den V50 zu integrieren oder hatten die damaligen Yamaha Ingeniere kein Ohr an der Dance- und Techno-Szene?

Wer auf die Old-School-Drums der 80er steht, bekommt diese zumindest mit 100 Preset-Pattern im Yamaha V50 frei Haus dazu geliefert. Und manche dieser Preset-Pattern lassen sich echt hören. Für Eigenkreationen stehen aber wie gesagt 100 weitere Pattern zur Verfügung.

Wie bei Drumcomputern üblich, lassen sich die Pattern dann auch beliebig aneinander hängen und das auch live. Die aufdringlichen Effekte (die leider immer auf alle Drums gleichzeitig wirken), kann man über einen eigenen Bypass-Taster zum Schweigen bringen.

Negativ bemerkbar machen sich bei den Drums leider auch die fehlenden Einzelausgänge – und Drum-Edit gibt auch nicht. Die Drumbelegung auf den Tasten muss ebenfalls so verwendet werden wie vorgegeben. Leider!

V50 6

Effektboard

32 verschiedene Effekte von durchschnittlicher Qualität stehen zur Auswahl. Maximal einer davon lässt sich aktivieren. Und auch im Song- oder Performance-Modus (mit bis zu 8 verschiedenen V50 Sounds), muss man sich entscheiden zwischen AN und AUS pro Spur. Pragmatisch unpraktisch.

Von metallisch, unnatürlichen Hallfahnen, zu tauglichen Delays, bis hin zu digitalen Distortions ist viel krankes „Zeug“ dabei. Wer die Effektunit als Teil der Synthese ansieht und nicht als Werkzeug, um seine Sounds in virtuelle Räume zu stellen, wird seine Freude an diesem kranken „Zeug“ haben. Zum Glück lassen sich wenigsten die Effekte in einigen entscheidenden Parametern verändern und zusammen mit den Songs, Sounds oder Performances abspeichern. Na immerhin :-)

Zuletzt sei noch erwähnt, dass einige der 32 Effektpresets auch Duo-Effekte enthalten, in denen man z.B. gleichzeitig Hall und Delay zur Verfügung hat.

V50 2

Performance

Dieser Part ist eigentlich der Clou des V50, denn im Performance-Modus lassen sich bis zu 8 verschiedene Single-Sounds schichten, splitten und auch auf unterschiedliche MIDI-Kanäle legen. Dazu kommt die Möglichkeit, die einzelnen Sounds im Stereopanorama zu verteilen, die Lautstärke anzupassen und sie gegeneinander zu verstimmen. Für jeden Sound gibt es außerdem zusätzlich die Möglichkeit, das Effektmodul (leider nicht stufenlos) einzuschleifen. Insgesamt stehen 100 Speicherplätze für solche Zusammenstellungen zur Verfügung.

Ja, all das ist nichts Neues – aber im Yamaha FM-Universum dann doch wieder. Ein fetter Unisono-Bass aus 8-Teilfragmenten oder sphärische Streicher aus zwei verschiedenen Pad-Sounds ist ein Kinderspiel und kann quasi live geschehen, da dank des großen Displays immer alle 8 Parts sichtbar und veränderbar sind.

Ein DX7 oder DX7 II bekommt das nicht hin und in den Expandern TX81z oder TX802 ist das lange nicht so flexibel gelöst wieder im Yamaha V50 und mit eingeschränkter Stimmenzahl.

Klangwelten

Bereits die 4-Operatoren-FM-Synths TX81z und DX-11 haben eindrucksvoll bewiesen, was sich mit reduzierter Operatoren-Zahl alles bewerkstelligen lässt, wenn als Grundschwingungsform nicht nur Sinus zur Verfügung steht.

Dieses Grundprinzip greift der Yamaha V50 aber nicht nur auf, sondern erlaubt durch doppelte Stimmenzahl ein sinnvolles Kombinieren von Teilaspekten eines Klanges. Ähnlich wie im Roland D50 könnte z.B. der Attack eines Klanges von einem Sound, der Bauch des Klanges von einem anderen Sound stammen, die so vielleicht nicht einmal ein 6-Operatoren-FM-Synthesizer erzeugen könnte. Das Ganze dann noch in Verbindung mit der Effekteinheit lässt den Yamaha V50 deutlich die Grenzen der FM-Vorgänger sprengen. Erst der SY77 erweiterte dann das Klangpotential der Yamaha FM-Synthesizer erneut.

In den Demos habe ich mal versucht, einige solcher Kombinationen aufzuzeigen, damit die Stärke des V50 zur Geltung kommt.

V50 5

Sound

Über die FM-Klangwelt ist viel geschrieben und diskutiert worden. Einst hatte sie den Untergang der analogen Saurier eingeläutet, um im neuen Jahrtausend als kalt und digital abgestempelt zu werden.

Aber so leicht lässt sich die FM-Synthese nicht in eine Schublade stecken. Für meinen Geschmack gibt es auch kein „besser“ oder „schlechter“ als Analog, sondern ein „anders“. Und dieses „anders“ ist eine wunderbare Ergänzung zu allen anderen Synthesen, da sie Klänge erzeugen kann, die mit der gängigen subtraktiven Synthese einfach nicht machbar sind.

Der Yamaha V50 ist ein FM-Synthesizer, der diese Klangwelten nicht nur wunderbar bedient, sondern gleichzeitig einen Spagat vollzieht zwischen den Aliasing behafteteten Vorgängern und den cleanen FM-Sounds der Nachfolger.

Die Möglichkeit von bis zu 8-fachen Layern erzeugt dabei extrem wuchtige oder lebendige Klänge. Natürlich sind Glöckchen und Metallisches die großen Stärken der FM-Synthese, aber nicht ohne Grund war die Basis der meisten 80er Pop-Hits ein FM-Bass Fundament.

An dieser Stelle würde ich normalerweise ein interessantes YT-Video verlinken, aber außer klassischen E-Piano und Orgel-Demos war da nichts zu finden. Lassen Sie sich bitte durch diese Art Demos nicht abschrecken. Der V50 ist ein Wolf im Schafspelz, der mit schmalzigen Whitney-Houston-FM-Pianos definitiv weit unterfordert ist.

Der Yamaha V50 in der seltenen Version Yamaha V2

Zu den Soundbeispielen

Alle Beispiele wurden mit 4-fach Layern erstellt ohne Zuhilfenahme externer Gerätschaften. Das Bassbeispiel scheint deutlich leiser, das liegt aber daran, dass kein Kompressor verwendet wurde und sich im Sound kräftige Subbässe verbergen, die Sie nur wahrnehmen, wenn Sie das Beispiel über entsprechende Monitore abspielen.

Der Yamaha V50 on YouTube

Fazit

Der Yamaha V50 stellte zu seiner Zeit die Krönung der FM-Synthesizer dar. Zwar arbeitet der Yamaha V50 nur mit vier Operatoren, konnte aber bereits auf verschiedene Grundschwingungsormen zugreifen, während der Klassiker DX7 nur mit Sinus arbeitete.
Die einfache Bedienung, das blitzschnelle achtfache Layern von Klängen, die doppelte Stimmenzahl gegenüber einem TX81z oder DX11, die Effekte, der 9-Spur-Sequencer, all das verschafft ihm eine Sonderstellung
Dass er dennoch kein großer Erfolg wurde, hat er einzig und allein der damaligen Omnipräsenz der Korg Workstations (M- und T-Serie) zu verdanken.
Für heutige Musikproduzenten erweitert der Yamaha V50 aber den Gerätepark um eine außergewöhnliche und vielseitige Klangquelle, die einen immer wieder aufs Neue überrascht.

Plus

  • exzellente FM-Klangchreationen
  • 8-fach Layer (bzw. auf Wunsch Unisono-Modus)
  • RX5/RX7-Drumsounds mit einfachem Pattern-Drumcomputer
  • einfach zu bedienen
  • rudimentäre Effekteinheit, die aber spannende Klänge ermöglicht und pro Sound abgespeichert wird
  • Sehr gute MIDI-Tastatur
  • stabile Verarbeitung und sehr gut Knöpfe
  • 9-Spur Sequencer

Minus

  • Sequencer leider ohne Patternmodus
  • im Performance- oder Multimodus Effekte nicht stufenlos einsetzbar
  • im Performance-Modus keine dynamische Stimmenzuweisung
  • Panoramaeinstellungen nur rudimentär

Preis

  • ca. 250,- Euro
  • (Syntacheles-Liste, Stand Dezember 2015)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Super Artikel! DX21, V50, DX11/V2, DX100/27, TQ5, TX81z, DX9 aber auch die bei Circuit Bendern beliebten YS/B und PSS (Portasound) sind Helden des FM Sound. Die viel beschworene Wärme und Dynamik von analogen Synth gibt es ganz genau hier! Ich spiele gerne meinen DX11 der unter uns Vögeln wärmer und weniger hart klingt als ein TX81z den ich mal hatte. :)
    Darf ich mal linken?
    https://www.youtube.com/watch?v=iKXC7kbKASI
    und
    https://www.youtube.com/watch?v=IvqFaeTwXz0
    und
    https://www.youtube.com/watch?v=8Mb3Hu6ZnpQ

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      Xenox.AFL  

      Ah, die Links wollte ich auch mal posten, du warst schneller, hehe.. Danke, ich finde den Sound auch ziemlich gut, einer der Gründe warum ich mir jetzt nach Jahren wieder einen Hardware Synth geholt habe…

      FM ist definitiv immer „der“ sound für mich wenn man richtig einsetzt, auf den Glökchenkram und so steh ich ja nicht wirklich aber er kann ja auch viel mehr…

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      kiro7  

      Vollste Zustimmung! Die FM Synths mit 4OP klingen auch für mich wesentlich „erdiger“. Der direkte Zugang zum „schrauben“ am Gerät ist durch die durch FM bedingte Parameterflut natürlich etwas schwieriger, wobei es bei der YS-Serie (YS200 mit Sequencer, YS100 ohne Sequencer) schon vorgefertigte Edit-Funktionen gab, um nur „sinnvolle“ Paramter und die davon abhängigen gleichzeitig zu ändern. Dies habe ich dann erst wieder im FS1r wieder gesehen, welcher mir allerdings viel zu „clean“ und „silbrig“ klang.

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        Organist007  

        ich hab den fs1R auch wieder hergegeben, obwohl er drehregler zum schnellen zugriff hatte. er klang mir einfach nicht brachial genug und zu sauber. der sy99 bringts mehr, und für € 400 kann man nicht meckern. hoffentlich hält er noch lange. und einen blaswandler kann man auch anschließen, um z.B den vl70m zu steuern.

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    phil_dr110  

    Auch heute noch wird die Klanganmutung der FM- Synthese von vielen noch unterschätzt. Neben einem DX7- IID und einem TG – 77 kommt bald noch ein DX – 9 ins Haus ;) Es ergänzt sich fabelhaft mit analogen Synthesizern.

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    AMAZONA Archiv

    Mit FM hat Yamaha ein heisses Eisen im Feuer welches mit neuen Bedienkonzepten und vor allem SPEICHERPLÄTZEN! noch in tausend Jahren abgeht. Viele Sounds die Roland zugeschrieben werden sind simple Basspatches aus den kleinen FM-Kisten. Viele Videos von YS100/200, FB01 und B200 kannte ich noch nicht und empfehle jeden mal danach zu googeln. Auch interessant ist ein Sega Mega Drive 4Op-FM VST mit vielen Sounds aus Spielen für diese Konsole. Kannte ich noch nicht und verdammt warum habe ich so wenig Zeit?
    https://www.youtube.com/watch?v=wU4COz6Gc4U
    Da sind noch andere interessante VST’s auf der Produktseite aber echte Nerds arbeiten wahrscheinlich mit Atari Emulator nebst Cubase, Editor und FB01. :)

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    Codeman1965  

    Der V50 war mein erster fabrikneuer Synth, und er hat mir jahrelang viel Freude gemacht! Es gab kaum einen Tag, an dem ich ihn nicht benutzt habe! Leider hat er sich dann nach einigen Jahren immer weiter verabschiedet (Tastatur, Laufwerk usw…), aber seine sterbliche Hülle steht immer noch in meinem Keller…
    Für damalige Verhältnisse konnte er enorm viel, wenngleich er mit der heutigen Technik natürlich nicht mehr vergleichbar ist. Allerdings hatte er schon ein paar Features, die es so heute eigentlich kaum noch gibt, wie z.B. Alternate Assign oder auch Last/Highest Note Pitch Bending (Wer mal auf einem Keyboard ’ne Gitarre simulieren wollte, würde es lieben!)…

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    gaffer  AHU

    Ich glaube ich hatte das hier schon mal geschrieben, das Erscheinen der 4OP Synths, M1 und SY77 folgte nach Aussagen eines Insiders einer festen Dramaturgie. KORG ging es nicht gut Ende der 80er, der letzte Hit war PolySix, gut ein halbes Jahrzehnt alt, DW 6000/8000 gingen voll den Bach runter, (obwohl ich die richtig gut finde), noch schlimmer waren die FM Adaptionen von KORG mit „analoger Bedienung“, ich glaube das Ding hiess DS-8, später noch irgendein 707, die Aliasinggeräusche waren lauter als das Nutzsignal.

    Yamaha besass entscheidende Anteile an der Firma und half denen mit dem Zurückhalten der 6 OP+ Releases beim M1 zu einem Hit, V50 war ein Bauernopfer. Ich war damals im Verkauf und den verkaufte ich richtig gern.

    Die Zusammenarbeit sah man auch bei den HomePianos, CLP 300 und das parallele C 3000? (bin mir bei Buchstaben nicht mehr sicher) waren absolut identisch, nur der Lautsprecher war anders angebracht, Tastatur, Chips, alles Yamaha. Ich habe mich immer köstlich amüsiert, wenn ein Kunde die Tastatur viiiiel besser als die andere fand.

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      gaffer  AHU

      Wer noch 4 OP Maschinen sucht, wird eventuell an einem ganz anderen Ort fündig: WERSI, sie bauten die flexibelsten 4 OP Kisten, habe mir damals zwei zusammengelötet. Sie waren multitimbral und hatten dynamische Stimmzuordnung, ich glaube ORLA hat das Ding dann noch in Lizenz nachgebaut. 19″ 1 HE, das Böhm Ding hiess 12/24 oder so, da man zwei Ausbaustufen kaufen konnte, 12 und 24 -stimmig

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      k.rausch  RED

      Eigentlich war Yamaha vom V50 Konzept sehr überzeugt und rechnete nicht mit dem großen Erfolg einfacher Samples bzw. kleiner PCM Speicher, wie es bereits der D50 vorgelegt hatte. Im Gegenteil, es wurde auch fleißig in das Projekt V80 investiert. Was am Ende nichts wurde und vor allem Geld verbrannt hat. Der folgende SY77, der dann neben FM ebenfalls mit Samples ankam, war ein Schnellschuß und hinsichtlich Entwicklungszeit ein sehr hastiger. Dass FM ein derartiger Erfolg werden würde, und dass sich die Musiker plötzlich bei jedem Keyboard plötzlich in erster Linie fürs Klavier interessierten – beides war eine Überraschung für Yamaha.

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        gaffer  AHU

        Ja, hört sich schlüssig an. Die Entwicklungsabteilungen der japanischen Firmen, die damals ja den Markt dominierten, waren alles andere als nah am Verbraucher. Das mit dem Zurückhalten war evtl. Spekulation, die Zusammenarbeit und bestimmt auch die finanzielle Beteiligung war Fakt. Ich wurde einige Jahre später (QY 20 Zeit) von einem Entwicklerteam befragt, wie der zukünftige Synth aussehen sollte. Die reisten da durch ganz Europa. Ich wunderte mich schon sehr über das Umdenken. TG 500, prima Synth, fast unbedienbar. Schaut man sich die Entwicklung in den 70ern und 80ern an, erkennt ma, da war vieles hervorragende Ingenieursarbeit aber auch reichlich Glück beim Erfolg der Releases

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        c.hatvani  AHU

        Daß die Entwicklung des SY77/TG77 hastig und unter Zeitdruck geschah, merkt man den Geräten auch an. Ich liebe meinen TG77, aber er wirkt stellenweise „unfertig“. Die Filter waren nicht ganz ausgereift (Resonanz nur im Lowpass Modus) bescheidene Drums (die V50 Drums sind sogar noch besser) ohne Bearbeitungsmöglichkeiten, mit 300ms zu kurze Delayzeiten, billig klingender Hall… Der SY99 ist, wie der SY77 von anfang an hätte sein sollen. Ich hätte mir einen TG99 gewünscht, wäre ein Traumgerät.

  6. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Yamaha hatte mit FM eine bis heute nicht völlig erforschte Syntheseform geschaffen. Mit dem SY-85 und allen Romplern seither haben sie einen weiteren Standard professioneller Klangerzeugung gesetzt, selbst bei Low-Cost-Geräten wie TG-100.
    Neben den roten Schweden scheint ein Motif auf fast jeder Bühne heimisch zu sein.

  7. Profilbild
    Organist007  

    meinen Yamaha sy 99 geb ich sicher nicht mehr her ! Grauenhaft zu programmieren, aber es gibt viele tolle sounds zum download, und ein wenig an der Hüllkurve rumwerkeln geht schon. der klingt einfach zeitlos klasse !

  8. Profilbild
    arnd

    ich habe auch so ein V50-Schätzchen, von dem ich immer noch stark angetan bin. Als ich diesen Synthi kaufte, gab es dazu ein Editier- und Speicherprogramm XPERT4 für Atari, das Farnz Martin Löhle (Klangkonzepte) entwickelt hatte. Mich würde interessieren, ob jemand von Euch weiß, ob es dieses Programm in späteren Versionen für Mac oder Windows gegeben hat.
    Danke schon mal.
    Arnd

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