Guthrie Govan: Sein Gear, seine Musik

16. Dezember 2017

The Story of Guthrie Govan

Guthrie Govan gilt als einer DER Shooting-Stars der Gitarrenszene mit herausragenden Fähigkeiten und ist zugleich einer der ersten Gitarristen, die insbesondere durch das Internet und namentlich durch YouTube einem größeren Publikum bekannt wurden. Durch sein musikalisches Wissen, sein tiefes Verständnis der moderneren Musikgeschichte aber auch  seine außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten und sein überbordendes Repertoire an Stilen, wird er von vielen als einer der Vielseitigsten und „komplettesten“ Gitarristen überhaupt verehrt.

Ebenfalls hat er es durch seine gut strukturierten Tutorials und seine sympathische und undogmatische Art zu einer Art Guitar-Hero der neuen Generation geschafft und begeistert viele jüngere Spieler auf eine neue Weise für die E-Gitarre. Ein Gitarrist also, der perfekt in unsere Reihe Gitarristen die Geschichte mach(t)en passt!

Gitarristen die Geschichte mach(t)en: Guthrie Govan Titel

— Einer DER Gitarristen der Gegenwart: Guthrie Govan (Quelle: http://the-aristocrats-band.com/goods/) —

Musikalischer Werdegang

Guthrie kam 1971 in Chelmsford, England zur Welt und wurde in eine Familie hinein geboren, für die Musik schon immer ein hohes Gut war. In Interviews beschreibt er oft, wie der Kauf einer neuen Platte ein Familienevent mit beinahe religiösem Charakter war, bei dem man andächtig dem Plattenspieler huldigte und Musik als mehr als nur Hintergrundentertainment wahrnahm. Da passt es auch ins Bild, dass Guthrie bereits im Alter von drei Jahren die ersten Gitarrenakkorde von seinem Vater lernte, der zwar gerne spielte, es aber nicht zum „echten Musiker“ bringen konnte. Was als ein kleiner Spaß mit seinem Sohn im Kleinkindalter begann, fruchtete unerwartet gut und der kleine Guthrie war schon bald nicht mehr von der Gitarre weg zu bewegen.

Schon mit fünf Jahren hatte er seinen ersten Auftritt auf einem Betriebsfest seines Vaters, und obwohl er diesen Auftritt selbst nicht zu seinen besten zählt, genoss er das Wechselspiel mit dem Publikum und die Möglichkeit sich musikalisch auszudrücken.

Die bisherige Karriere des Guthrie Govan

Mit 19 Jahren wurde er von Guitar Techniques als Transkripteur eingestellt und arbeitet dort 15 Jahre lang, während er seinen musikalischen Stil verfeinerte. Einen Plattendeal mit Shrapnel-Records schlug er zuvor noch aus, da ihm die künstlerische Freiheit nicht ausreichend garantiert wurde und er nicht als Studiomusiker enden wollte. Im Jahr 2006 brachte er dann mit „Erotic Cakes“ sein erstes Soloalbum auf den Markt, das von vielen Seiten als ein Meilenstein der modernen E-Gitarre gefeiert wurde und auf dem er sein Talent eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte.

Gitarristen die Geschichte mach(t)en: Guthrie Govan Album

— Govans Debbütalbum „Erotic Cakes“ sorgte für einigen Trubel —

Bands und Projekte

Zur gleichen Zeit engagierte er sich in dem Projekt GPS, spielte als Live-Gitarrist für Dizzee Rascal und wirkte bei den Young Punx mit. Neben der Collaboration mit Porcupine Trees Steve Wilson auf dessen Soloalbum ist er momentan mit Marco Minneman und Bryan Beller unter dem Namen Aristocrats unterwegs. Das Fusion-Jazz-Trio gilt als eines der technisch besten überhaupt und veröffentlichte bisher drei Studioalben.

Gitarristen die Geschichte mach(t)en: Guthrie Govan Aristocrats

— The Aristocrats mit Bryan Beller und Marco Minnemann (Quelle: http://the-aristocrats-band.com/goods/) —

Guthrie Govan -Stil und Ausdruck

Den Stil Guthrie Govans genau festzulegen und einer bestimmten Richtung zuzuordnen, ist gar kein so leichtes Unterfangen. Klar ist das meiste, was Guthrie spielt, irgendwo  zwischen Fusion Jazz und Rock anzusiedeln, allerdings finden sich auch viele Metal Elemente und Zitate aus klassischer Musik oder dem Pop in seiner Musik wieder. Diese werden immer wieder mit Elementen aus Blues, Country und klassischem Rock angereichert und vermischt, was ein buntes Potpourri aus den mindestens letzten hundert Jahren ergibt. Das trifft nicht nur auf die verschiedenen Spieltechniken zu, die er dabei einsetzt, sondern insbesondere auch auf seine Kompositionen.

Wie er selbst in einem Interview sagte, sei es für ihn das wichtigste, in musikalischer Hinsicht offen für alle erdenklichen Einflüsse zu sein, und sich keinem Genre zu unterwerfen, solange man Gefallen an der Musik findet. Nur so könne man so klingen wie man eben klingt. Auf diesem Wege finden auch Game-Sounds und Zitate aus der aktuellen Popkultur Eingang in seine Songs und auch die typischen Spielweisen bekannter Gitarrengrößen vergangener Jahrzehnte werden von Guthrie immer wieder aufgenommen und auf seine ganz eigene Art und Weise interpretiert.

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— Guthrie Govan vereint eine Vielzahl an Einflüssen und viel musikalisches Know-How in seiner Musik. (Quelle: http://the-aristocrats-band.com/goods/)

Wie klingt also die Mischung aus all diesen Stilen und Einflüssen? In jedem Fall lässt sich festhalten, dass Guthrie Govan mittlerweile einen unverkennbaren eigenen Stil entwickelt hat, auch wenn er sich in einem sehr breiten musikalischen Spektrum bewegt. Für ihn typisch sind vor allen Dingen die flüssigen Leadlines und freie Spielweise sowohl der Rhythmussektionen als auch der Soli. Oft bedient er sich einer Mischung aus knackig kurzen Riffs und ausladend jazziger Melodielinien mit lang gezogenen Tönen und Bendings in Abwechslung mit chromatischen Gap-Fillern und schnellen Legati sowie Arpeggien in seinen Soli und Leadmelodien.

So beispielsweise in dem eher rockigen Song „Ner Ner“, dass fast schon um ein Metalriff herum konstruiert ist, aber auch viele „Jazzige“ Passagen hat. Im „Waves“ setzt Guthrie in der Leadmelodie extrem viele Slides und weiche Hammer-Ons ein, um den Klang einer bundlosen Gitarre zu imitieren und erreicht so eine für die Gitarre beinahe unerhört flüssige Melodie, während er im Intro von „Wonderful Slippery Thing“ per Auto-Wah und virtuosem Slapping eine gute Prise Funk verarbeitet.

Zur gleichen Zeit ist das die Musik der Aristocrats noch eine Spur experimenteller als seine Soloprojekte, wobei Guthrie Govan seine Gitarre fast immer sehr stark mit verschiedenen Effekten belegt und so zu sehr extremen Sounds gelangt, was bei seinen Solowerken eher die Ausnahme darstellt. Unter anderem hier setzt er auch immer wieder eine bundlose Gitarre von Vigier ein, die dank eines metallenen Griffbretts ohne Unterteilungen eine Mischung aus Fretless Bass und Slidegitarre ergibt, die es zu Beherrschen einer großen Virtuosität bedarf.

Guthrie Govan – seine Technik

Was bei all dieser Experimentierfreudigkeit immer wieder heraussticht, ist eben diese beeindruckende Virtuosität Govans an der Gitarre. Er scheint alle Spieltechniken und Stile mit einer solchen Leichtigkeit zu beherrschen, dass er schon von vielen anderen Musikern den Titel des “ Worlds most complete Guitarist“ verliehen bekam. Scheinbar fühlt er sich dabei im Jazz genauso zu Hause wie im Blues, der sein neuestes Album „West Coast Grooves“ bestimmt als auch im Rock und im Metal, überzeugt aber auch mit Countryeinlagen, beispielsweise in dem Lied „Rhode Island Shred“. Egal wie schnell oder kompliziert seine Licks auch scheinen, er spielt sie mit einer schon fast maschinellen Genauigkeit.

Gitarristen die Geschichte mach(t)en: Guthrie Govan near 2

— Bei ihm sieht es immer leichter aus als es ist: Guthrie Govan (Quelle: http://the-aristocrats-band.com/goods/) —

Das kann bisweilen etwas unheimlich wirken, schaut man sich die Govans Videos auf YouTube an, denen er einen gewissen Teil seiner Bekanntheit zu verdanken hat. Hier gibt er Tipps und zeigt Tricks, wie sich verschiedene Techniken an der Gitarre weiterentwickeln oder eleganter lösen lassen. So unterteilt er Arpeggien gerne in Sequenzen aus Hammer-ons und Pull-offs sowie Tappings, anstatt das traditionellere Sweep-Picking zu nutzen. Zum einen lässt sich seiner Meinung nach ein Arpeggio so flüssiger spielen, zum Anderen könne man an jede beliebige Stelle des Akkords springen, ohne eine Saite beim Sweeping auszulassen. So zu hören etwa in den letzten Sekunden von „Wonderfull slippery Thing“

Dies kann jedoch nur einen kleinen Eindruck seines Könnens und seiner Kreativität an der Gitarre geben. Ob Slidegitarre, Fingerpicking an der klassischen Gitarre oder Shredding am Rande des menschlich möglichen: Guthrie Govan scheint dies alles nach Belieben abrufen und in sein Spiel einbauen zu können, ohne dass er sich dafür nach außen ersichtlich anstrengen oder bemühen müsste.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Den kannte ich noch gar nicht…. Aber jetzt! Gitarristen gibt es ja wirklich wie Sand am Meer.

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    Wellenstrom  AHU

    Kannte ich auch noch nicht…. höre gerade in das Erotic Cakes Album rein. Kann man sich gut reinpfeifen, auch wenn man nicht so in dem Genre verhaftet ist. Jo, der spielt fast so gut wie ich. ;-) So’n relativ alter Rochen, der seinen Durchbruch doch eher spät hatte.

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    AMAZONA Archiv

    Tja bei der Masse an Gitarristen, wen soll man den noch alles kennen. Z. B. Otto Walkes find ich auch gut, auch wenn er technisch nicht so flink ist wie Kerry King klingt er doch etwas handzahmer ;)….. Und natürlich auch den Wellenstrom seit geraumer Zeit ;)

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      Wellenstrom  AHU

      Hahaha… der aber ein besch… Klampfer ist. War nur’n Spaß. Nee, aber ernsthaft jetzt… das Album konnte ich mir erstaunlicherweise bis zum Ende anhören, obwohl da auch ’ne Menge Fusion und so’n Zeugs drin ist… der Typ weiß sich zurückzunehmen, wenn es sein muss.

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    GuitarHearts  

    Finde ich Mega-Interessant solche Storys. Habe jetzt gerade alle in einem Rutsch gelesen :-)
    Was mich immer interessiert: Die Einflüsse der Musiker und wie, wo , wann, wieviel sie üben.
    Falls sich sowas raus finden lässt.

    Mehr davon!

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