ANZEIGE
ANZEIGE

Hersteller im Portrait: EMS, Teil 1

Wie die kleine Firma EMS die elektronische Musik veränderte

12. September 2026
Die EMS Story, Bild enthält KI-generierte Inhalte

Die EMS-Story, Teil 1. (Bild enthält KI-generierte Inhalte)

Es gibt Synthesizer, die Instrumente sind. Und es gibt Synthesizer, die aussehen, als wären sie aus einem geheimen Forschungslabor ausgebüchst. Die EMS-Story, Teil 1.

ANZEIGE

Hersteller im Portrait: EMS, Teil 1

Der VCS3 von Electronic Music Studios (EMS) gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Mit seiner schrägen Frontplatte, den kleinen Steckstiften und dem Joystick wirkt er eher wie ein Stück britischer Experimentaltechnik als wie ein Musikinstrument. Und genau das war er auch: ein Klanglabor im Kleinformat.

„Die Oszillatoren waren so instabil, sodass jeder Versuch, sie für eine längere Zeit zu stimmen, zum Scheitern verurteilt war“, schreibt Peter Forrest. „Problematisch als Leadinstrument, aber praktisch unübertroffen zum Erzeugen von Klangeffekten.“ (The A-Z of Analogue Synthesizers, Band 1, S. 125)

Das entsprach auch der Intention des EMS-Gründers Peter Zinovieff: Seine Synthesizer sollten nicht einfach bekannte Instrumente imitieren. Sie waren Werkzeuge, um Klänge zu erforschen, zu zerlegen, zu verfremden und neu zusammenzusetzen.

Das Ergebnis war eine Reihe von Geräten, die bis heute zu den faszinierendsten, seltensten und teuersten Synthesizern überhaupt gehören. Der VCS3 und seine Koffervariante Synthi A fanden ihren Weg in die Studios von Pink Floyd, The Who, Tangerine Dream, Kraftwerk und Brian Eno. Der gewaltige Synthi 100 wurde zu einem Monument der frühen elektronischen Musik. Und der Synthi AKS verband Synthesizer, Sequencer und Touch-Keyboard in einer Weise, die Jahrzehnte später noch modern wirkt.

Ein Synthesizer von EMS bereichert auch heute noch jedes Studio (Foto: Vincent Uhlig)

EMS war nie ein großer Konzern. Die Firma produzierte nur wenige Instrumente und verschwand Ende der 1970er-Jahre beinahe vollständig vom Markt. Trotzdem ist ihr Einfluss bis heute spürbar.

Peter Zinovieff: Wissenschaftler, Musiker, Visionär

Peter Zinovieff wurde am 26. Januar 1933 in Fulham, London, geboren. Seine Eltern waren wohlhabende Russen, die nach der Revolution von 1917 nach Großbritannien geflohen waren. Während des Zweiten Weltkriegs wuchs Zinovieff bei seinen Großeltern auf. Anschließend studierte er in Oxford Geologie und beschäftigte sich nebenbei mit experimenteller Musik.

Mit Mitte 20 lernte er seine erste Frau Victoria kennen. Sie war nicht sonderlich scharf darauf, ihren Ehemann bei geologischen Exkursionen auf die Falklandinseln zu begleiten. Da Zinovieff inzwischen ohnehin der elektronischen Musik verfallen war, legte er bald den Geologenhammer aus der Hand.

Er nutzte sein Vermögen, um ein riesiges spannungsgesteuertes Studio aufzubauen, das einen ganzen Raum in seinem Haus in Putney einnahm. „Das muss eine Entscheidung mitten in der Nacht gewesen sein“, sagte er später. „Das war eine verrückte Sache. Damals gab es nur eine Handvoll Leute, die elektronische Musik machten.“ (The Guardian)

ANZEIGE

 

Peter Zinovieffs Putney Studio auf dem Albumcover von „Electronic Calendar“ in der Reihe „The EMS Tapes“

Der Raum war mit Elektronik vollgestopft, Oszillatoren und Verstärker waren verkabelt „mit ich weiß nicht, wie vielen Kilometern Draht. Es hätte teuflischer nicht sein können.“ Herzstück war ein PDP-8-Computer von Digital Equipment Corporation. Trotz der heute lächerlich erscheinenden vier Kilobyte Speicher kostete er damals 4.000 britische Pfund. „Ich hatte damals das Glück, eine reiche Frau zu haben“, erinnerte sich Zinovieff. „Also verkauften wir ihre Tiara und tauschten sie gegen einen Computer ein.“  (The Guardian)

Affiliate Links
Arturia Synthi V Download
Arturia Synthi V Download Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Mitte der 1960er-Jahre gründete Zinovieff gemeinsam mit Delia Derbyshire und Brian Hodgson die Organisation „Unit Delta Plus“, mit der sie elektronische Musik schaffen und gleichzeitig auch populär machen wollten. Derbyshire und Hodgson hatten durch ihre Arbeit beim BBC Radiophonic Workshop bereits Erfahrung und waren unter anderem an der Musik und den Soundeffekten zu Doctor Who beteiligt.

Zinovieffs Stadthaus in Putney wurde zum Zentrum für experimentelle und elektronische Musik. 1968 kam seine „Partita for Unattended Computer“ in der Queen Elizabeth Hall zur Uraufführung – die erste Aufführung von Live-Computermusik, an der kein menschlicher Interpret beteiligt war.

Weil sein erstes Computersystem sehr limitiert war, holte sich Zinovieff Hilfe vom Ingenieur Dave Cockerell und dem Programmierer Peter Grogno. Zwei PDP-8-Minicomputer wurden gekoppelt, um die spannungsgesteuerten Module von Zinovieffs frühen Synthesizern zu steuern. Dieses „MUSYS“-System besaß eine klavierartige Tastatur und konnte Kompositionen mit allen wichtigen Parametern speichern und wiedergeben. Das Programm wurde über einen Lochstreifen geladen.

 

EMS VCS3

Die Gründung von EMS

Der Ausbau von MUSYS und der Unterhalt des Studios wurden für Zinovieff bald zu teuer. Eine Anzeige in der „Times“ brachte bei seinem Versuch, Geld aufzutreiben, gerade einmal 50 Pfund ein. Also gründete Zinovieff 1969 gemeinsam mit Dave Cockerell und dem Elektronik-Komponisten Tristram Cary das Unternehmen „Electronic Music Studios Ltd.“

Ihr erstes Produkt war ein Synthesizer mit der Bezeichnung „Voltage Controlled Studio No. 3“. Heute besser bekannt als EMS VCS3 oder „The Putney“, da EMS in diesem Londoner Stadtteil ansässig war.

Interessanterweise folgte ein wesentlich größeres Instrument: der EMS Synthi 100, der die Abmessungen einer Küchenzeile hatte. Damit gingen die Briten den umgekehrten Weg wie Moog: Während Moog mit großen Modularsystemen begann und später den Minimoog herausbrachte, entwickelte EMS aus dem kleinen VCS3 ein riesiges System.

Zinovieff: Beinahe hätten wir Moog gekauft

Apropos Moog: „Ich glaube, wir haben das zur gleichen Zeit oder noch vor Moog entwickelt“, erzählte Zinovieff der Red Bull Music Academy. „Wir haben angefangen und irgendwann hätten wir ihn fast aufgekauft – er war kurz vor dem Bankrott. Aber wir konnten es uns einfach nicht leisten. Aus kommerzieller Sicht wünschte ich, wir hätten es getan. Er kam einmal vorbei, als wir den VCS3 bauten; er saß auf dem Boden in meinem Studio und fand es großartig.“

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Erfolgreicher als der Synthi 100, der nur in kleiner Stückzahl produziert wurde, war der Synthi A. Eine kompakte Weiterentwicklung des VCS3, die in einen Koffer passte und später noch ein Touchkeyboard und einen Sequencer bekam: der Synthi AKS.

Affiliate Links
Behringer AKS Mini
Behringer AKS Mini Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Netter Henze, schroffer Stockhausen

Berühmte Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Hans Werner Henze und Harrison Birtwistle besuchten Zinovieff in seinem Studio. Mit Henze arbeitete er musikalisch eng zusammen. Von Stockhausen war er weniger begeistert: „Er war sehr schroff und typisch deutsch. Ich fand ihn nicht besonders sympathisch. Er trat auf, als wüsste er alles, aber über meine Ausrüstung wusste er überhaupt nichts.“ (The Guardian)

Ein wichtiger Kunde war auch Pink Floyd: „Wir haben einen Vocoder erfunden“, erinnert sich Zinovieff. „Viele Bands haben diese Geräte genutzt. Pink Floyd ist ein gutes Beispiel, sie haben jede Menge davon gekauft. Jedes Mal, wenn sie etwas kauften, konnte ich weitere Experimente durchführen.“ (Red Bull Music Academy)

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

EMS-Gründer: Eigentlich mag ich keine Synthesizer

Zinovieff interessierte sich für Sprachcodierung, Kommunikationstechnologie und Quadrofonie. Die Synthesizer waren für ihn nur Mittel zum Zweck: „Das war für mich schon immer ein Problem, weil ich Synthesizer nicht mag. Daher hat mich diese Seite von EMS nie interessiert, es ging mir immer um das Studio. Der eigentliche Zweck von EMS war es, das Studio zu finanzieren, aber leider ist es nicht so gekommen.“ (Podcast Sonia 286, Peter Zinovieff)

Peter Zinovieff und David Cockerell waren die treibenden Kräfte von EMS. Cockerell verließ die Firma bereits 1972, und auch Zinovieff verlor zunehmend das Interesse. Trotz guter Ideen fehlte eine klare Strategie. EMS verzettelte sich mit einem Gitarreneffektgerät, einem Videosynthesizer und einem halbgaren Polysynth. Ein geplanter Börsengang in den USA scheiterte.

Die Originalpreisliste von EMS von 1974 weist für den Synthi AKS einen Kaufpreis von 790 Pfund aus. Der Pfundkurs lag damals bei rund 6 DM, so kostete der AKS umgerechnet  4.740 DM. (Foto: Wolf-Rüdiger Uhlig)

EMS: Wirtschaftlicher Abstieg und ein abgesoffenes Studio

Zinovieff zog später ein betrübliches Fazit: „EMS wurde immer größer, wir stellten immer mehr Produkte her, und das nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Und statt Geld zu verdienen, fingen wir an, Geld zu verlieren. Als EMS schließlich in Konkurs ging, riss es das Studio mit in den Abgrund.“ (Podcast Sonia 286, Peter Zinovieff)

Und es kam sogar noch schlimmer. Das Studio wurde vom Londoner National Theatre übernommen, das die Gerätschaften im Keller unterbrachte: „Der Keller wurde überflutet und als ich es das letzte Mal sah, stand die gesamte Ausrüstung im Wasser. Es war schrecklich. Ein paar der Ampex-Geräte haben überlebt, aber das war das Ende dieser beschämenden Geschichte.“ (Red Bull Music Academy)

Affiliate Links
Xils Lab XILS 4 Download
Xils Lab XILS 4 Download Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Robin Wood und Ludwig Rehberg führen das EMS-Erbe weiter

1979 schien das Schicksal von EMS besiegelt. Doch die Geschichte endete damit nicht.

Nach verschiedenen Eigentümerwechseln gelangten die Rechte schließlich 1995 zu Robin Wood, der bereits seit den frühen 1970er-Jahren bei EMS gearbeitet hatte. Seitdem werden ausgewählte EMS-Instrumente bei Electronic Music Studios in Cornwall wieder gebaut beziehungsweise restauriert.

In Deutschland gibt es Ludwig Rehberg, der Zinovieff und Cockerell bereits in den 70er-Jahren kennenlernte, bei EMS einstieg und dort unter anderem fürs Marketing zuständig war. EMS Rehberg kümmert sich heute um Vertrieb, Reparatur und auch die Entwicklung von EMS-Produkten. Martin Andersson hat mit Ludwig Rehberg ein ausführliches Interview geführt.

Ludwig Rehberg am Synthi 100

Peter Zinovieff: Die erfolgreichen späten Jahre

Und Peter Zinovieff? Er zog sich zunächst auf eine abgelegene schottische Insel zurück, wo er den Strom für sein verbliebenes Equipment mit einer Windmühle erzeugte. Später ließ er sich in Cambridge nieder und wurde als Komponist noch einmal sehr aktiv. Er kombinierte Feldaufnahmen, elektronische Klänge und räumliche Mehrkanal-Aufführungen.

Seine späten Jahre gaben keinen Grund für Bitterkeit: Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Anglia Ruskin University und erlebte Aufführungen seiner Computerkomposition „South Pacific Migration Party“ mit Blauwalgesängen in zahlreichen europäischen Städten. Gleichzeitig wurde seine Arbeit zunehmend gewürdigt.

Er selbst sah die Renaissance der alten Synthesizer mit ironischem Abstand: „Das ist wie ein Museumsstück. Erstaunlicherweise wollen die Leute diese alten analogen Synthesizer jetzt immer mehr. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, warum, denn es ist ja unglaublich, was man heute mit richtigen Computern alles machen kann. Das ist nicht meine Welt.“ (Red Bull Music Academy)

Zinovieff starb am 23. Juni 2021 im Alter von 88 Jahren.

Elektronisch verfremdete Blauwalsänge gibt es auf Peter Zinovieffs Album South Pacific Migration Party zu hören.

EMS: Die technischen Besonderheiten

Der EMS VCS3 und speziell der Synthi A sind einerseits sehr kompakt, stellen gleichzeitig aber offene Systeme dar. Statt Kabel zu patchen, wie bei den meisten Modularsystemen, verfügen die EMS-Synthesizer über ein Kreuzschienensteckfeld: 16 Reihen mit 16 Buchsen, insgesamt 256 Steckpunkte.

Diese Matrix ist eines der charakteristischsten Merkmale der EMS-Geräte. Signal- und Steuerspannungen werden nicht über eine festgelegte interne Struktur geführt. Der Benutzer entscheidet, welcher Generator welchen Parameter steuert. Dadurch entsteht eine Art grafischer Schaltplan auf der Frontplatte.

Leben in der Matrix (Foto: Vincent Uhlig)

Die Patch-Matrix ermöglichte komplexe Verbindungen auf kleinstem Raum und machte das Instrument ausgesprochen experimentell. Ein VCS3 konnte als Synthesizer, Effektgerät, Klangprozessor, Ringmodulator, Filterbank oder schlicht als Quelle unvorhersehbarer Geräusche dienen.

Wann benutze ich welchen Pin? Rot war vor allem für die Oszillatoren vorgesehen, grüne und weiße Pins zum Beispiel für Modulationen. (Foto: Costello)

Während es bei vielen gepatchten Kabeln schnell unübersichtlich werden kann, reicht beim EMS ein Blick auf die Matrix. Diese Übersichtlichkeit erklärt auch die Beliebtheit der EMS-Synthesizer im musikpädagogischen Bereich.

Weiß, rot und grün – wie unterscheiden sich die Pins?

Die Pins gibt es in drei verschiedenen Farben: rot, weiß und grün. Bei den Patchpins für EMS VCS3, Synthi A und Synthi AKS unterscheiden sich die Farben vor allem in Genauigkeit und Signalabschwächung. Weiße und rote Pins haben beide etwa 2,7 kΩ, wobei rote Pins genauer sind und sich deshalb besonders für präzise Steuerspannungen wie Tonhöhen eignen. Grüne Pins haben mit etwa 68 kΩ einen deutlich höheren Widerstand und schwächen Signale entsprechend stärker ab, was sich für fein dosierte Modulationen eignet. Beim EMS Synthi 100 kommen dagegen üblicherweise 10-kΩ-Pins zum Einsatz.

Report: EMS Synthesizer

Die verschiedenfarbigen Pins übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Die hohen Toleranzen der weißen Pins sind oft für den unberechenbaren Klang der EMS-Synthesizer verantwortlich (Foto: Vincent Uhlig)

Der unberechenbare EMS-Sound liegt oft an den Pins

Bei EMS-Synthesizern kann ein Patch trotz identischer Regler- und Matrixeinstellungen sehr leicht ziemlich unterschiedlich klingen. Ursache sind nicht nur die bekannten Oszillatorinstabilitäten, sondern auch die unterschiedlichen Widerstandswerte der Patch-Pins. Selbst anscheinend identische weiße Pins können sich in ihrem Widerstand so stark unterscheiden, dass sich etwa Keyboard- und Filter-Tracking, Signalpegel oder andere Steuerspannungen hörbar verändern. Was damals an Fertigungstoleranzen lag, kann sich durch Alterung der Kohleschicht- oder Metallfilmwiderstände in den Pins noch verstärken.

Affiliate Links
Xils Lab XILS Vocoder 5000 Download
Xils Lab XILS Vocoder 5000 Download
Kundenbewertung:
(2)

Umgang mit den Pins

Deshalb ist es eine gute Idee, die Pins mit Farbpunkten zu markieren und im Patch-Sheet genau zu vermerken, welcher Pin in welcher Kreuzung steckte. Alte Pins können geöffnet und die alten Widerstände gegen hochpräzise, temperaturstabile Metallfilmwiderstände ausgetauscht werden. Und natürlich stehen heute auch moderne Ersatzpins zur Verfügung. Da diese abweichend ausgeführt sein können, empfiehlt sich im Zweifel eine Messung mit dem Multimeter.

Generell gilt: Man muss mit den kleinen Steckern recht vorsichtig umgehen. Ich erinnere mich, dass mich mein großer Bruder eines Tages bezichtigte, einige davon beim unvorsichtigen Hantieren verbogen zu haben. Die für mich bittere Folge: Ich musste mich von seinem Synthi AKS vorerst fernhalten.

Die Filtersektion des EMS Synthi AKS, rechts daneben der Ringmodulator (Foto: Vincent Uhlig)

Ein ungewöhnliches Filter

Auch die Filter waren speziell. Das Filter des VCS3 wird in der Literatur, etwa in Matthias Beckers Synthesizer von gestern (S. 17), meist als Low-Pass mit einer Flankensteilheit von 18 dB/Oktave beschrieben.

Gordon Reid hat allerdings darauf hingewiesen, dass das Cutoff-Profil ein ausgeprägtes Knie besitzt, wodurch zumindest die erste Oktave oberhalb der Cutoff-Frequenz mit 12 dB/Oktave abfallen würde.  Außerdem dämpft bereits ein Hauch von „Response“ – bei EMS die Filterresonanz – die Verstärkung im Tieftonbereich erheblich.

„EMS bezeichnete ihn deshalb als kombiniertes Tiefpass-/Bandpass-Gerät“, schreibt Reid. „Bei hoher ‚Response‘ schwingt das Filter selbstständig mit und wird so zu einem Oszillator. Für eine Generation von Musikern, die mit Multimode-Filtern und den komplexen virtuellen Analog-Synthesizern von heute aufgewachsen ist, ist das nichts Ungewöhnliches, doch Ende der 60er-Jahre war das noch eine geradezu umwerfende Sache.“ (Sound on sound, 11/2000)

Der Envelope Shaper des EMS Synthi AKS (Foto: Vincent Uhlig)

Die Hüllkurvensteuerung

Ebenfalls ungewöhnlich war die Lösung für die Hüllkurven. Der Envelope Shaper unterscheidet sich von üblichen ADSR-Verläufen. Neben Attack und Decay gibt es eine On-Zeit, die als eine Art Hold- beziehungsweise Sustain-Phase fungiert, und eine Off-Zeit.

Report: EMS-Synthesizer

Skizze des speziellen Hüllkurvenverlaufs im Handbuch zum Synthi AKS (Foto: Costello)

Befindet sich der Off-Regler nicht in der Pausenstellung, wird die Hüllkurve abhängig von der eingestellten Off-Zeit immer wieder neu getriggert – eine kleine Fallgrube beim ersten Kontakt mit dem Synthesizer.

Der EMS Synthi AKS besitzt auch einen vielseitigen Noise-Generator (Foto: Vincent Uhlig)

Der britische EMS-Sound

Die eigenen Schaltungskonzepte und das charakteristische spannungsgesteuerte Filter trugen wesentlich zum oft beschriebenen „britischen“ EMS-Sound bei. Die Instrumente konnten mal rau und instabil, mal aggressiv und metallisch klingen. Aber immer ist es ein sehr lebendiger Sound. Dazu trugen auch Ringmodulator, Rauschgenerator mit stufenlosem Überblenden von weißem zu rosa Rauschen und ein Federhall von Accutronics bei.

Report: Die Geschichte der EMS-Synthesizer

Der Joystick wird im EMS-Handbuch nicht nur als Spielhilfe, sondern auch als Werkzeug beim Austüfteln von Patches empfohlen (Foto: Costello)

Hinzu kam der berühmte Joystick als Performance-Controller. Zwei Steuerspannungen konnten gleichzeitig verändert werden, sodass sich Klangparameter während des Spiels intuitiv beeinflussen ließen.

Hier gut zu erkennen: Der Joystick des EMS Synthi AKS (Foto: Vincent Uhlig)

EMS: Wer braucht eine Tastatur?

Ein weiterer wichtiger Punkt war die bewusste Abkehr vom Synthesizer als klassischem „Tastaturinstrument“.

„Wir waren drei Leute“, erklärte EMS-Entwickler David Cockerell. „Peter Zinovieff, ich und Tristram Cary. Die beiden standen auf Avantgarde-Musik, was man als ernste Musik in der klassischen Tradition bezeichnen würde. Diese Musik war nicht an definierte Töne gebunden, weshalb sie ein Keyboard für zweitrangig hielten. Der VCS3 war wirklich nicht als Keyboard-Instrument geplant. Das Keyboard kam nachträglich dazu.“ (M. Vail, Vintage Synthesizers, Seite 111)

Affiliate Links
Erica Synths SYNTRX II
Erica Synths SYNTRX II
Kundenbewertung:
(8)

Ein VCS3 brauchte tatsächlich keine Tastatur, um interessant zu sein. Das Instrument war eine Maschine zur Klangmanipulation und besaß deshalb auch zwei Mikrofoneingänge. Genau das machte ihn für Gitarristen, Toningenieure und experimentelle Musiker interessant.

Die berühmte blau-schwarze Tastatur des EMS Synthi AKS mit integriertem Sequencer (Foto: Vincent Uhlig)

Beim Synthi A gab es dann die Tastatur KS. Sie arbeitete mit sensorgesteuerten Metalltasten, mit denen zum Beispiel Glissandi möglich waren. Daraus entstand später das blau-schwarze Touchkeyboard mit integriertem Sequencer. Mein Bruder fand zusätzlich eine Möglichkeit, den Synthi AKS über die Tastatur seiner Hammondorgel anzusteuern.

Was erwartet euch im zweiten Teil unseres EMS-Specials?

Das war der erste Teil unseres EMS-Portraits. Kommende Woche sehen wir uns alle wichtigen EMS-Synthesizer etwas genauer an. Wir schauen aber auch auf weitere Highlights wie den Vocoder 5000, den Sequencer 256 und den Video-Synthesizer Spectre. Wir stellen einige berühmte und auch weniger bekannte Nutzer der EMS-Synthesizer vor. Und wir werfen wie immer einen Blick auf den Gebrauchtmarkt, die aktuelle Produktion von EMS-Synthesizern und mögliche Alternativen.

ANZEIGE
ANZEIGE
Über den Autor
Profilbild

costello RED

Costello (Christian Uhlig) schreibt seit 2016 für amazona.de Stories über Vintage-Equipment und Peoplegeschichten. Synthesizer faszinieren mich, seit ich als 12-Jähriger am EMS-Synthi A meines Bruders rumschrauben durfte. Ab 1979 selbst in verschiedenen Bands gespielt. Das Foto ist Anfang der 80er in einem der bekanntesten Berliner Clubs - dem SO36 - aufgenommen worden, wo die Bierflaschen tief flogen, wenn's den Leuten nicht gefallen hat. Zuletzt aktiv als Keyboarder einer Cover-Band in ...

Forum
  1. Profilbild
    Viertelnote AHU

    hast du schön gemacht!thx🙂

    EMS instruments wirken sie wie labohr oder
    forschung.sigmund freud analysis😀
    mit synthese ich verbinde da nicht viel
    aber ich denke man hat gutes spectrum um
    viel zu entdecken. knobs und so auch bedienung
    man hat wert darauf gelegt auch hochwertigen
    bauteile sie zu verwenden.
    aber die klänge sind nicht mein ding🙂aber heben
    sich gut ab von standart.

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      @Viertelnote Seit ich mich mit dem Thema Synthesizer befasse, rund 18 Jahre, finde ich den EMS Synthi AKS einer der schrägsten Geräte überhaupt. Trotz seiner „Schrägheit“ ist er neben dem Brot,- und Butter Synthesizer „Jupiter 8“ der mit Abstand teuerste auf dem Gebrauchtmarkt. Aktuell wird hierfür ein Preis aufgerufen von sage und schreibe 23.700€. Den Klang finde ich laut diversen Beispielen ebenfalls eher speziell, aber die Funktion der Pinmatrix würde mich extrem interessieren. Behringer plante bzw. plant auch hier ein günstiges Pendant nach Vorbild des Originals. Das Miniding gibt’s ja schon und natürlich den einen oder anderen Softwaresynthesizer. Aber rein aus Interesse würde ich vermutlich sofort zuschlagen! Leider wissen wir Synthfreaks wie das bei Behringer so läuft. Stichwort Ankündigungen! – Alda isch krisch Plaque! Trotzdem: Er hebt sich auch nach Jahrzehnten immer noch deutlich ab vom klassischen, substraktiven Tastensynthi. Einfach eine eigenwillige Konstruktion der EMS Synthi AKS.

      • Profilbild
        Dirk Matten RED

        @Filterpad Was soll an der Pinmatrix denn da nicht ersichtlich sein? In der Senkrechten findest du die Ausgänge, in der Waagerechten die Eingänge. Mit einem Pin stellst du die Verbindung her. Sinnvollerweise beim Patchen immer von links nach rechts „denken“, denn du verbindest ja Ausgänge mit Eingängen. Die Krux bei dem Gerät sind nicht die abweichenden Widerstandwerte bei den weißen Pins, sondern dass Verbindungen nicht rückwirkungsfrei sind. Somit verbindest du etwas, was nicht vorgesehen war. Das hat nichts mit einem Übersprechen zu tun, wie es im Text dargestellt wird. Rote Pins, wenn man Osz 1 und Osz 2 mit derselben Steuerspannung ansprechen will, denn diese Pins haben eine geringe Abweichung bei ihren Werten. Grüne Pins zur Dämpfung von Werten, alles andere mit weißen Pins. Das wird, obwohl im Text entsprechend erläutert, auf den Fotos nicht angewendet. Und einen Ausgang auf Ausgangskanal 1 und zwei zu legen, ist Quatsch, es gibt im Ausgangsbereich ja die Panregler für die Lautstärkebalance im Stereofeld.

        • Profilbild
          Filterpad AHU

          @Dirk Matten Ok, mir war das völlig neu! Nicht die Matrix und der Synthesizer, sondern natürlich die Funktionen. Denoch fehlt mir ein hörbarer Vergleich bzw. eine Möglichkeit, um das selbsttändig herauszufinden. Bei Synthesizern ist meiner Ansicht nach immer noch am besten „learning by doing“ und dies macht natürlich auch Spaß! Beispiel: Ich verstehe den Patchsignalweg des Matriarch definitiv noch nicht und werde ich vermutlich auch nie!

          • Profilbild
            herw RED

            @Filterpad ??? Der Patchweg des Matriarch ist doch überaus traditionell, RTFM !!
            Einzig die Inflation an Keyboards in meinem Studio hindert mich daran, ihn endlich zu kaufen.

            • Profilbild
              Filterpad AHU

              @herw RTFM 🙄 Ja, ist gut geschrieben aber es geht ja um das Verständnis per se und dbzgl. tu ich mich relativ schwer! Die einzelnen Module habe ich inzwischen allerdings im Griff. Die Inflation der Keyboards ist doch ein Befürworter um ihn endlich zu kaufen, so lange es ihn noch gibt. 😁

              • Profilbild
                herw RED

                @Filterpad Ich habe da immer Zweifel, ob es nicht einfach GAS ist, dieses Besitzen-Wollen.
                Die Möglichkeiten, die ich in meinem Studio habe, sind so vielfältig, dass ich gar nicht mehr dazu komme, alles „abzuarbeiten”, daher die schmerzhafte Selbstbeschränkung.
                Prophylaktisch lege ich schon seit mehreren Monaten jede Woche 50€ zurück und habe die nötige Summe schon längst zusammen, aber …
                Emotional hänge ich am Matriarch, seit ich ihn hier getestet habe.

      • Profilbild
        MPC-User AHU 1

        @Filterpad Ja das Teil ist schon sehr speziell. Der Synthi V ist ja Teil meiner Arturia V Collection. Hatte ihm bisher wenig Beachtung gegeben. Aber seit dem hervorragenden Beitrag hier wird sich das in Zukunft ändern.
        Ich frage mich ernsthaft wie Arturia es geschafft hat dieses ungezügelte Monster nachzubauen. Ein Vergleich wäre mal interessant.

        • Profilbild
          Filterpad AHU

          @MPC-User Wem geht es nicht so! Man lässt das eine oder andere links liegen bis man darüber plötzlich etwas liest und dadurch das Interesse auf einmal geweckt wird.

        • Profilbild
          TobyB RED

          @MPC-User , ich schwöre auf die Apesoft und „offizielle“ VCS3 Putney Emulation. Man kann super einfach schön Leads, Bässe und sonstiges Futter für den Sampler erstellen.

  2. Profilbild
    RaiJed

    Zuerst mal danke für den längst fälligen Beitrag…

    Mein Mitmusiker und ich konnten uns in den frühen Siebzigern von Ludwig Rehberg – dessen Domizil auch aktuell noch nicht weit von uns angesiedelt ist – großzügigerweise zu Testzwecken (mit durchaus Kaufabsicht – damals DM 5600.- wenn ich recht erinnere…) einen Synthie AKS mit „Tastatur“ ausleihen.

    Ziemlich schnell fiel uns das „Fertigungstoleranzen-Verbiegen-Problem“ mit den Steck-Pins auf. Das ging vor allem mir – als überzeugtem Grobmotoriker und Schlagzeuger (zusammen mit den doch eher sehr schrägen Sounds) recht zügig auf die Nerven.

    Das „Aus“ kam dann nach wenigen Tagen recht schnell, unterstützt von einem blöden Ungeschicklichkeits – Vorfall – als uns die Dose mit den Pins runterfiel und im ganzen Zimmer verstreut lagen. Hat uns Stunden gekostet, alle wieder einzusammeln… Grrr!!!

    Die Wahl fiel dann auf einen – konzeptionell natürlich völlig anders gelagerten – aber auch nicht wesentlich günstigeren Mini-Moog. später ergänzt durch den Micro-Moog…

    Im Rahmen der Arturia V- Collection haben wir natürlich – vor wenigen Jahren – rein Interesse halber auch den darin entahltenen Synthi V getestet. Aber trotz einfacherer Bedienung will mir das trotzdem nicht so recht gefallen, zudem ist auch der CPU und RAM- Hunger des Plugs eine echte PLAGE und damit eher nutzlos…

    • Profilbild
      Dirk Matten RED

      @RaiJed Nachdem Ludwig Rehberg den Direktverkauf in Deutschland übernommen hatte, kostete der EMS Synthi AKS dann DM 6.900 inkl. MwSt. Er klapperte regelmäßig Schulen ab und führte den Synthi AKS Musiklehren und Eltern aus dem Förderverein vor. Dankbare Abnehmer, war ja nicht deren Geld.

      • Profilbild
        RaiJed

        @Dirk Matten Danke für den Hinweis. Hatte ich nicht mehr SOOO teuer auf dem Schirm… Aber nach über 50 Jahren verblasst schon mal die Erinnerung… Möglich auch, dass es sich um ein „Gebraucht- oder Vorführ-Gerät“ handelte…

        Trotzdem wir damals nicht „schwach“ geworden sind, war das durchaus ein – wenn auch kurzes – intellektuelles Abenteuer. Zugegeben – die musikalische Ausbeute war unter unseren Händen auch eher dürftig!

        Wenige Jahre danach klappte uns dann die Kinnlade runter, als wir im CVJM (!!!) in Ludwigsburg einem Synth-Workshop von Wolfgang Dauner (!!!) beiwohnen konnten, der dort ganz allgemein eine Einführung in die Welt der Synths gab und speziell seine neuen Oberheim SEM´s und „Four Voice“ – Teile livehaftig demonstrierte.

        THOSE WERE THE TIMES, MY FRIEND… NEW FOUND LAND

        Wie sich Jahre später herausstellte, waren Stücke darunter die dann teils auf seinen Solo-Sachen bei Mood-Records erschienen.

        WAS EIN OHREN- UND AUGENÖFFNER !!! Ein Knalleffekt in unseren Gehirn- und Ohrwindungen!

        Dauner war und ist seither unser (nicht nur) local Hero… Nahbar, unprätentiös und bodenständig im Auftritt, nicht die Spur von Arroganz. Ein leider schon verstorbenes, musikalisches Vorbild.

  3. Profilbild
    PaulusS

    Ich hatte auch mal ein Interview mit Peter Zinovieff gesehen und es lag ein Synthi A vor ihm und beim Anblick schüttelte er nur den Kopf und meinte, er verstehe nicht, wie man sich damit in der heutigen Zeit noch beschäftigen kann.

    Hat David Cockerell nicht auch „nebenbei“ noch den Small Stone Phaser erdacht?

    Allein die Optik der Gerätschaften ist schon sehr anziehend!

    • Profilbild
      TobyB RED

      @PaulusS , Cockerell wurde 1974 von Mike Matthews zu EHX geholt und ist seitdem Chef Designer. Small Stone, Electric Mistress waren sein Einstand. Die ersten digitalen Looper und Digital Delays von EHX gehen auch auf seinen Deckel. Ebenso hat er die ersten Clap, Super Space Drum, Crash Pad und diverse Synthesizer für EHX entwickelt. Für Akai war er an Akai MPC60 (Nur PCB Design) Akai S612, Akai S900
      Akai S1000 beteiligt. Ich hab die beiden vor Jahren mal Zigarre paffend in einer No Smoke Area fotografiert. Die hatten sichtlich Spass den Ordner zu veräppeln. Weil paffen ist nicht rauchen. ;-)

  4. Profilbild
    ach herrjemine

    Endlich wieder ein costello!
    …und dann noch zu solch einem epochalen Hersteller.

    Danke dafür!
    Her mit dem 2.Teil 😄

    • Profilbild
      herw RED

      @Lewis Die Klangexperimente im link finde ich ernüchternd und einfallslos, viel zu zufällig und beliebig.

      • Profilbild
        Lewis

        @herw Ja, das geht vielen Neulingen so … das Krell-Patch ist bewusst auf Zufall und (deterministisches) Chaos ausgelegt … Musique concrete halt 😊

        • Profilbild
          Dirk Matten RED

          @Lewis Musique concrète (französisch für „konkrete Musik“) ist eine Kompositionstechnik, bei der mit aufgenommenen und auf Tonträgern gespeicherten Klängen komponiert wird. Diese Aufnahmen können sowohl eingespielte Instrumente als auch Alltagsgeräusche enthalten. Sie werden dann durch Montage, Bandschnitt, Veränderung der Bandgeschwindigkeit und Tapeloops elektronisch verfremdet. Einflüsse sind vor allem im italienischen und spanischen Futurismus zu finden.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Musique_concr%C3%A8te

        • Profilbild
          herw RED

          @Lewis Komposition kann ich nicht erkennen, aber vielleicht ist mein Horizont nicht weit genug. 🌈

          @Dirk Matten vielen Dank für den Wikipedia-Link.
          Ich erkenne aber in dem Link mit den Klangexperimenten keine Entwicklung. Es erscheint mir egal, ob es sich nur um einen Sekundenschnipsel handelt oder stundenlang abläuft.

    • Profilbild
      Viertelnote AHU

      @Lewis soundclips mehr random🙂
      finde schon denke das du was dir gedacht hast.
      chaos auch gelernt sein will.man denkt viel okay
      sound horror oder scfi.geht vieles mehr.
      wenn auch nicht meine vorstellen von sound
      danke für excurs.

  5. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Ich möchte mich allzu lange an Ludwig Rehberg abarbeiten, meine aber, dass eine kleine Anekdote interessant ist.
    Als EMS Synthi A Besitzer der ersten Stunde suchte er mich in Bonn auf, das muss Ende 1971, Anfang 1972 gewesen sein. Wir sprachen auch über das Studio für Elektronische Musik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln. Dort verfügte man schon über einen Moog Modularsynthesizer und einen ARP 2600. Prof. Hans-Ulrich Humpert war der Leiter und ich kannte ihn aus meiner Jugend in Paderborn. Wir besuchten ihn in seiner Kölner Wohnung und Ludwig Rehberg versuchte, ihm den EMS Synthi AKS aufs Auge zu drücken. „Damit kann man dufte Sounds machen.“ Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Ludwig Rehberg mache immer „dufte Sounds“ und meine damit eine bestimmte Verschaltung der Baugruppen auf dem Kreuzschienensteckfeld. Auf die Frage, ob EMS ein Gerät im Lieferprogramm hatte, mit dem man auf Tonband gespeicherte einfache Töne in Steuerspannung umsetzen konnte, Humpert nannte das „Frequenzdemodulator“, hatte er keine Antwort. Ich habe ihn dann zart vors Bein getreten und „Pitch to Voltage Generator“ zugeflüstert. Ein möglicher Auftrag über 16 dieser Geräte ging an ihm vorbei.

  6. Profilbild
    DJ Ronny AHU

    Danke für den interessanten Artikel.
    Voran stellen möchte ich, ich habe keine Ahnung von Synth.
    Erst dachte ich, was ist das für ein Entwickler, lässt sein Gerät unfertig! Aber dann habe ich erkannt, er strebte immer nach dem Neuen und Modernen. Meine Hochachtung dafür.
    Ich hänge auch aus Nostalgie an alten Geräten und Zeiten, bin aber immer gerne bereit Neues auszuprobieren.

  7. Profilbild
    Dirk Matten RED

    Ausdrucksstarke Klangbeispiele im musikalischen Kontext in Ergänzung zu den beiden Videos, die den Synthesizer in seiner von anderen Geräten unterscheidenden Eigenart zeigen, wären interessant. Finde nichts im Netz.

  8. Profilbild
    Mac Abre AHU

    Eine Firma mit einer kurzen aber bewegten Geschichte. Ich bin gespannt auf den Test des Behringer AKS Mini. Hat hier jemand einen EMS AKS zum Vergleich?

        • Profilbild
          Markus Galla RED

          @Mac Abre Ich denke, dass Dirks Aussage sich vor allem darauf bezieht, dass bislang kein einziger Mini Synthesizer (noch nicht einmal der CZ) mit dem Original verglichen werden konnte, weder von der Funktionalität her noch vom Klang. Sollte der AKS jemals in der Redaktion eintreffen (Lieferbar in mehreren Monaten), werden wir den selbstverständlich testen.

        • Profilbild
          Dirk Matten RED

          @Mac Abre Der EMS AKS ist ein experimentelles, frei verschaltbares Klanglabor, der Behringer AKS Mini ein moderner, kompakter Performance-Synthesizer.

            • Profilbild
              Dirk Matten RED

              @Viertelnote Beide Geräte verfolgen ein unterschiedliches Konzept (s.o.). Ein Vergleich ist daher in der Sache unsinnig. Die vehemente Ablehnung jedweder Erkenntnis macht mich nachdenklich.

              • Profilbild
                Viertelnote AHU

                @Dirk Matten B. schreibt so viel hab ich gedacht klon copy.okay verschiedenes concept.ich habe es nun verstanden.brauchst du aber keine blume.sage direct wenn man dumm ist.

  9. Mehr anzeigen
Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Wir behalten uns die Löschung von Inhalten vor. Dies gilt insbesondere für Inhalte, die nach unserer Einschätzung gesetzliche Vorschriften oder Rechte Dritter verletzen oder Diffamierungen, Diskriminierungen, Beleidigungen, Hass, Bedrohungen, politische Inhalte oder Werbung enthalten.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
X
ANZEIGE X
ANZEIGE X