AMAZONA.de

Hersteller Report: Doepfer Musikelektronik

Dieter Doepfer (eigentlich Döpfer, doch für das Firmenlogo wurde der Umlaut in „oe“ gewandelt) begann Mitte der 70er Jahre nach seinem Physikstudium mit der Entwicklung elektronischer Klangerzeuger und Effektgeräte. Der erste Erfolg gelang mit dem Voltage Controlled Phaser für das Formant-Modularsystem. Daraufhin entwarf er eigene Schaltungen für modulare Komponenten, die sich vom Formant unterschieden. Das Polyphone Modul System PMS bot Bausätze für vierstimmige Module und richtete sich vornehmlich an Bastler, weswegen wohl nicht mal 50 Exemplare verkauft wurden.

Für ein breiteres Publikum entwickelte Dieter Doepfer Anfang der 80er Jahre das Voice Modular System VMS, das VCOs, Filter, VCA und Hüllkurven auf einem Board vereinte und noch mit LFOs erweitert werden konnte. Später folgte sogar ein zusätzliches Sampling-Board. Das VMS wurde das erste kommerziell erfolgreiche Produkt der Firma und stellte die Weichen für die Zukunft. Da das VMS mit Curtis-Chips aufgebaut war, lag es nahe, dass Doepfer auch den Europa-Vertrieb für die CEM-Chips übernahm. Dadurch setzten auch andere deutsche Hersteller wie Waldorf, Böhm (im Soundlab) oder Dynacord diverse CEM-Chips für ihre Produkte ein.

Doepfer entwickelte für die Firma Böhm einen speziellen Chip zur Tastaturabfrage, der den vollen Umfang von 127 Velocity-Stufen umsetzte. Dieser Chip wurde an weitere Firmen lizenziert. Aber auch Doepfer begann selbst mit dem Bau eigener Masterkeyboards, die stetig weiterentwickelte LMK-Serie. Das Besondere an ihnen ist, dass die Tastaturen (gewichtet oder Hammermechanik) direkt in ein Flightcase eingebaut sind, wodurch sie ein vergleichsweise geringes Transportgewicht haben. Die LMK-Serie wird bis heute fortgeführt.

Weitere wichtige Produkte wurden MIDI/CV-Interfaces zur Ansteuerung von analogen Synthesizern und das MSY, ein Wandler von MIDI-Clock zu DIN-Sync für die Roland TR-808, TR-606 und TB-303. In Zusammenarbeit mit Kraftwerk, für die Dieter Doepfer zuvor schon einige Spezialanfertigungen realisierte, wurde 1992 der MIDI-Hardwaresequencer MAQ 16/3 entwickelt, der das Konzept des Moog Modularsequencers auf die MIDI-Ebene übertrug. Später wurde eine um CV/Gate-Ausgänge erweiterte Version herausgebracht. Darauf folgten die Sequencer Schaltwerk und Reglerwerk. Mit der Pocket-Serie (Dial, Fader, Control) brachte Doepfer preiswerte Contoller-Boxen auf den Markt.

1994 gelang Doepfer passend zum Techno-Hype ein überraschend großer Erfolg mit dem monophonen Analogsynthesizer MS-404. Mit über 3.000 verkauften Stück wurde damit die logistische und finanzielle Grundlage für den nächsten Schritt gelegt. Doepfer wagte mit dem A-100 den Schritt, wieder ein analoges Modularsystem auf den Markt zu bringen. Mit den verfügbaren Industrierahmen, die für das A-100 verwendet wurden, entwickelte sich die 3HE-Bauform zusammen mit Doepfers Systembus zum Standard, der heute als Eurorack bekannt ist. In das A-100 flossen anfangs viele Ideen der alten PMS- und VMS-Systeme. Inzwischen bietet Doepfer weit mehr 100 verschiedene Module für das A-100 an. Nach und nach bauten immer mehr Firmen Module und komplette Systeme, die kompatibel zum A-100 sind, der Markt zählt mittlerweile über 200 Anbieter (Stand 2016).

Andere erfolgreiche Produkte wie die LMK-Serie sowie MCV und MSY wurden mehrfach aktualisiert und u.a. mit USB ausgestattet. 2009 wiederholte Doepfer den Erfolg des MS-404 mit dem Kompaktsynthesizer Dark Energy (später Dark Energy II), für den mit Dark Time ein ebenso kompakter Sequencer als Partnergerät angeboten wird.

Artikel über Doepfer

AMAZONA.de Charts

Aktion