Hersteller Report: E-MU

Die Firma wurde Anfang der 70er Jahre in einem Appartement in Kalifornien als E-u Systems gegründet. Da dieser Name zu unpraktisch in der Schreibweise und Aussprache (iemü) war, wurde er später geändert.

Das erste Produkt von E-MU SYSTEMS war ein Modularsystem, das 1971 vorgestellt wurde. Es zeichnete sich dadurch aus, dass es erheblich elementarer als andere Modularsysteme war und feierte daher besonders in akademischen Kreisen große Erfolge, denn es erlaubte umfangreichere und feinsinnigere Eingriffe in die Klangstruktur als seine Konkurrenten.

1975 entwickelte E-MU SYSTEMS das erste polyphone Synthesizerkeyboard. Es wurde  von Oberheim Electronics in Lizenz gebaut. Die Firma Oberheim Electronics hatte mit dem SEM (Synthesizer Expander Module) einen auf kleinste Ausmaße reduzierten Synthesizer ohne Tastatur gebaut, der bis dahin zur Steuerung durch damals gebräuchliche analoge Sequenzer gedacht war.

Die Idee Oberheims war nun, mehrere dieser Module mit der polyphonen Tastatur von E-MU SYSTEMS fest zu verkabeln und in ein Gehäuse zu bauen. Das Resultat wurde Oberheim Four Voice Polyphonie genannt und war der erste integrierte polyphone Synthesizer nach heutigem Polyphoniekonzept.

1977 bot E-MU SYSTEMS aus eigener Herstellung das Model 4060 an, eine Kombination aus einem digital abgetasteten polyphonen Keyboard und einem polyphonen Digitalsequencer. Am Ausgang wurden die Realzeit- und Sequenzdaten auf mehreren Kanälen in analoge Spannungswerte übersetzt und dienten so zur Steuerung beliebiger damaliger Synthesizersysteme.

Die SSM INTEGRATED CIRCUITS wurden von E-MU SYSTEMS 1978 zusammen mit der Firma Solid Sate Microtechnology entworfen. Für fast jedes der wichtigsten Baugruppen des E-MU SYSTEMS Modularsystems wurde in einer Chipserie ein spezielles IC entwickelt, so dass nicht nur Klänge per Computersteuerung abspeicherbar wurden, sondern auch einiges an Hardware wegfiel und die Geräte dadurch sogar billiger wurden.

Ebenfalls 1978 arbeitete E-MU SYSTEMS am Entwurf von Sequential Circuits PROPHET-5 mit, der SSM Chips von E-MU SYSTEMS enthielt und der erste kommerziell verfügbare integrierte polyphone Synthesizer mit Mikroprozessorsteuerung war.

1981 stellte E-MU SYSTEMS das erste einer Reihe von Produkten her, mit denen die Firma bis heute vorrangig identifiziert wird: den EMULATOR. Der EMULATOR war das erste Musikinstrument, in dem Soundsampling nicht als eine von mehreren Klangmöglichkeiten angeboten wurde, sondern das ausschließlich und zu einem erheblich günstigeren Preis als der damalige Konkurrent Fairlight CMI diese Technik zur Verfügung stellte.

Der DRUMULATOR, der 1982 in den Verkauf ging, hatte als Drumcomputer mit gesampelten, auf Chips gespeicherten Schlagzeugklängen den damals vorhandenen Geräten LINNDRUM und Oberheim DMX gegenüber vor allen Dingen den Vorteil, dass er nur etwa ein Viertel des Kaufpreises seiner Konkurrenten kostete.

Als E-MU SYSTEMS 1984 den EMULATOR II vorstellte, war darin zum ersten Mal ein Konzept der Architektur, der Klangbearbeitung und der Bedienung verwirklicht, das seitdem für alle folgenden Generationen von  Multisamplern zum Standard geworden ist und von den Nachfolgern im besten Falle kopiert wurde.

Der EMULATOR II  etablierte sich seinerzeit zum erfolgreichsten Keyboard-Sampler. Kaum eine Pop-Produktion, die nicht ohne ihn auskam. Vor allem auf Peter Gabriel Produktionen kann man ihn deutlich heraushören, da er mit seiner 8-Bit-Wandlung einen ganz eigenen, charismatischen Sound besitzt.

Ein Jahr später präsentierte E-MU erneut einen Meilenstein der Musikgeschichte, den E-MU SP-12, einen Drumcomputer, der nicht nur über fest gespeicherte Schlagzeugklänge verfügte, sondern durch eigene, gesampelte Klänge ersetzt werden konnte. Über ein extern angeschlossenes Commodore C64-Laufwerk ließen sich diese Klänge schließlich speichern und verwalten.

1987 kam der Nachfolger SP-1200 auf den Markt, der schließlich zur Legende wurde und in leicht abgewandelter Form bis 1998 gebaut wird. Eine Laufzeit, die kaum ein anderes elektronisches Musikinstrument erreichte.

Ebenfalls 1987 brachte E-MU den Emulator III heraus, einen 16-Bit Stereo-Sampler mit 4 MB Speicher zum Preis von DM 24.000, die 4 MB Erweiterung kostete weitere DM 4.000. Dem Emulator III blieb leider nur ein Achtungserfolg. Wirtschaftlich konnte er sich schließlich nicht gegen die nun anbrandende Konkurrenz aus Japan behaupten.

Obwohl E-MU 1987 noch Marktführer in Sachen Sampling in den professionellen Musikstudios weltweit war, schaffte es 1988 der japanische Konzern AKAI PROFESSIONAL innerhalb kürzester Zeit, mit seinem 16 Bit 19″ Sampler AKAI S1000 E-MU von seinem Thron zu stoßen.

In den Folgejahren lieferten sich beide Firmen einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung am Sampling-Markt. Mit der Einsteiger-Serie Emax und Emax II  gelang dies aber zunächst nicht.

Erst mit einer vollkommen neuen Generation an 16 Bit Samplern, der E-MU EIV-Serie (mit eigens dafür entwickelten CPUs) konnte E-MU ab 1994 nach und nach verloren gegangene Marktanteile zurück gewinnen. E-MU oder AKAI war von da ab unter Studio-Profis eine Glaubensfrage wie etwa PC oder Apple.

Bis es soweit war, setzte E-MU auf seine Synthesizer-Serie PROTEUS, deren Klänge zwar auf Sampling beruhten, aber selbst nicht sampeln konnten. Die Proteus-Serie wurde ab 1990 in extrem vielen Varianten erfolgreich vermarktet und stellte das wirtschaftliche Rückgrat der Company dar.

Sowohl E-MU als auch AKAI verschliefen letztendlich aber den Umbruch in der Musikindustrie von Hardware auf VST Plug-ins. Ende der Neunziger wurde E-MU auf Grund seiner finanziellen Schräglage an CREATIVE LABS verkauft. Seit dieser Zeit konzentriert sich E-MU auf die Herstellung von Audio-Karten.