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Hersteller Report: VOX

Wer sich für Gitarrenverstärker interessiert, wird wissen, dass seit Beginn des Siegeszuges der Rockmusik zwischen amerikanischem und britischem Sound unterschieden wurde. Die sogenannte „British Invasion“ schwappte mit einem sehr weit gefächerten Klangspektrum, einem etwas raueren Klang und ausgeprägten Mitten über den großen Teich und damit in die populäre Musik der Sechziger und Siebziger Jahre. Kaum ein anderer Verstärkerhersteller hat diesen Sound so geprägt wie VOX. Dick Denny stellte im Jahr 1956 seinem ehemaligen Arbeitskollegen Tom Jennings den Prototypen des Gitarrenverstärkers vor. Dieser hatte sich mit der Jennings Organ Cmpany nach dem Zweiten Weltkrieg selbständig gemacht und stellte unter anderem die Univox-Orgel her.

Schon zwei Jahre später wurde mit dem VOX AC15 ein Gitarrenverstärker auf den Markt gebracht, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut, prägend für seine Zeit war und sich zudem als kommerzieller Erfolg erwies. Kein schlechter Anfang für den Orgelhersteller, der sich mittlerweile in Jennings Musical Instruments umbenannt hatte. Bands wie The Shadows gehörten zu den Ersten, die den charakteristischen Klang des AC15 ins Radio und auf Vinyl brachten. Der kleine Verstärker mit 15 Watt Leistung geriet allerdings unter Druck, als amerikanische Verstärker, namentlich aus dem Hause Fender, mit mehr Leistung auf den Markt drängten. VOX reagierte mit dem AC30, einem doppelten AC15 mit 30 Watt Output. Der AC30 lieferte den Sound, der lange Zeit die britische Pop- und Rock- Musik definierte. Die Beatles, RollingStones und die Yardbirds sind dabei nur die bekanntesten Bands, die den genannten „britischen“ Gitarrensound in die ganze Welt trugen. Einmal losgetreten ebbte die Popularitätswelle, die insbesondere den AC30 trug, nicht ab. Immer wieder wurde der legendäre Gitarrenverstärker in Zusammenhang mit den dicken Fischen des Business genannt. So war er im Setup der Blues-Legende Rory Gallagher und bei Brian May von Queen genauso vertreten wie bei U2, Radiohead und Mark Knopfler von den Dire Straits.

Doch auch wenn das Lebenswerk schon getan zu sein scheint, kann von Rast keine Rede sein. Neben dem erfolgreichen Orgel-Geschäft, wobei vor allem die erstmals 1962 produzierte Continental genannt werden sollte, versuchte sich VOX auch in der Herstellung von Gitarren. Die in Kooperation mit der italienischen Firma EKO entwickelte und gebaute Phantom-Serie war dabei leider nicht so erfolgreich wie die Verstärker und die Continental, weshalb das Projekt wieder eingestampft wurde. Vielleicht war die revolutionäre und etwas unpraktische Tropfen-Form der Instrumente ihrer Zeit noch etwas voraus.


Durch die zunehmende Konkurrenz, auch von der eigenen Insel durch
Marshall, kam VOX Ende der 60er Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten, wechselte mehrmals den Namen und wurde des Öfteren vor dem endgültigen Aus bewahrt. Unter den damit einhergehenden Sparmaßnahmen litt die Qualität der hergestellten Verstärker und damit auch der Ruf der Marke gewaltig. Erst 1992, als KORG die Namensrechte an VOX erwarb, kam es zu einer Neuauflage des legendären AC30, der heute zusammen mit dem AC15 wieder recht nah am Original hergestellt wird.


Mittlerweile wurde das Sortiment jedoch noch stark erweitert und so finden sich neben den Klassikern auch modernere
Röhrenverstärker wie die Night Train Serie oder die Valve Reactor Linie. Und auch digitale Modeling-Verstärker mit Röhrenendstufe finden sich in Form der Valvetronics+ -Amps im Sortiment. Neben einer ganzen Palette mit Bodeneffekten und den ebenfalls berühmten Wah-Pedalen von VOX sind auch wieder Gitarren und Bässe im Produkt-Lineup zu finden. Darunter auch die wohlbekannte Tropfenform in Gestalt der MarkIII und MarkV Modelle. Vielleicht klappt es ja dieses Mal!