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Home-Studio Sabine Charlotte Dirksen

Sabine:
Ja, inzwischen bin ich ganz und gar zur Analogliebhaberin geworden. Die einschlägigen Musikzeitschriften, durch die ich mir mein Wissen zunächst angelesen habe, propagieren ja seit Beginn der Herstellung virtueller Synths diese als die letztlich „bessere“ Wahl. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Keyboards-Beitrag, in dem der Autor geradezu euphorisch schreibt, dass er den JP8000, nach Abwägen aller Vor- und Nachteile, dem Jupiter 8 immer vorziehen würde.

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Ist ja auch in Ordnung, das braucht der Markt, die Dinger müssen ja verkauft werden, und dadurch wird wieder weiterproduziert und entwickelt, aber ich muss das ja nicht alles glauben.
Am Anfang hab ich viele Instrumente nach diesen „Tests“ gekauft. Demzufolge erstmal ausschliesslich Virtuell-analoges. Und da auch wieder die Teile, die als die Besten abschnitten. Irgendwann hab ich festgestellt, dass ich dieses oder jenes Instrument nur noch beim Staubwischen anfasse.. und mich gefragt warum.
Dann hab ich mal spasseshalber einen Korg SIGMA ersteigert, und da wars passiert…

Amazona:
Wechselst Du die Synthesizer in Deinem Studio relativ oft, oder bleibst Du Deinen „Lieblingen“ treu?

Sabine:
Meinem ersten Synth, dem Kawai K4, der bei mir eine Initialzündung ausgelöst hat, war ich einige Jahre treu, sogar so treu, dass ich mir erst wieder einen Synth gekauft habe, als der K5000S auf den Markt kam. Mit den virtuell-analogen Geräten stieg die Lust, aber auch der Frust. Ich habe gekauft, eine Weile Spaß gehabt, und wieder verkauft, eine stressige Phase die sicher viele kennen.
Heute habe ich einen ausgewogenen, gewachsenen Tierpark: Digitales, Analoges, Virtuelles.
Es sind derzeit 7 Synths und einige Klopfmaschinen, deren Mischung so gut mit mir ist, dass ich für jede Situation einen passenden Klang finde, und die Lust nach Neuem sich eher in Aufnahme- und Spieltechniken, Peripheriegeräten etc. bewegt.

Amazona:
Welche Deiner Synthesizer sind Deine absoluten Favourites und warum?

Sabine:
Witzig, die Frage nach meinen Favourites stellt sich mir vor jedem Urlaub neu, denn da kann ich ja nur eine sehr begrenzte Auswahl mitnehmen. Die Xbase ist immer dabei, denn sie dient mir sowohl für den Rhythmus als auch als Stepsequencer zur Steuerung anderer Instrumente.
Wichtig ist für mich: ich kenne ein Gerät, und es ist doch jedesmal neu und spannend damit zu arbeiten, weil vielfältige Klänge und Variationen in ihm stecken. Dieses Feeling bei mir zu erreichen schaffen nur wenige Instrumente.
Der Polymorph ist auch so ein unwarscheinlich vielseitigesTeil, und einer der wenigen virtuell-Analogen, die ich behalten habe. Ein sehr unterschätztes Instrument, meines Erachtens.
Er hat von allen Virtuellen für mich durch seinen etwas „rauhen“ Klang die meiste Ähnlichkeit mit meinen Analogen… ich habe mp3`s an Mailfreunde verschickt, die wären nie drauf gekommen, dass ein Quasimiditeil so gut klingt.

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4_RSJUPrack.jpgStudio: Sabine Dirksen

Ganz abgesehen von den unzähligen rhythmischen Möglichkeiten des Stepsequencers, der Echtzeitzugriff auf den Klang während des Ablaufes, und dann noch Audioeingang zur Nutzung der kräftigen Filter. Im letzten Urlaub hatte ich nur diese beiden Instrumente dabei, noch eine Miditastatur, hat vollkommen ausgereicht um neue Tracks aufzunehmen, die dann später nur noch um Kleinigkeiten ergänzt und neu abgemischt werden mussten. Bei den Analogen fällt mir die Wahl schwer. Prophet VS oder Jupiter 6. Beide mit ganz verschiedenem Aufbau, jeder auf seine Art für mich unverzichtbar.

Beim VS gefällt mir, von diesem großartig orchestralen Klang mal ganz abgesehen, der Zufallsgenerator für Sounds besonders. Ich bin keine Programmierkünstlerin, und mit solch einer Funktion, die ich auch am Waldorf Pulse sehr schätze, und nur ein wenig Kenntnis und Nacharbeit, kann man die verrücktesten Klangschöpfungen hinkriegen.
Der JP 6 ist absolut stark und durchsetzungsfähig und bringt neben typischen analogen auch sehr eigene Sounds. Wenn jemand mal was Analoges ausprobieren möchte, kann ich nur einen Jupiter 6 empfehlen, denn er ist oft günstig zu haben, hat vollen Zugriff auf alle Parameter, Sounds sind abspeicherbar, Arpeggiator, Tuningknob und .. einfach dieser wahnsinnige Analogsound.
Obwohl das schon viele Instrumente sind, muss ich den Yamaha EX7 noch erwähnen, der zwar kein Analoger ist, aber mir dennoch unentbehrlich. Bei einem Stück kannst Du ja nicht nur Soloinstrumente verwenden, die würden sich schnell gegenseitig zuhauen, gerade die Analogen. Du brauchst für ein gutes Arrangement Instrumente für den Background, feine, weite Flächen, Atmos… hier und da ein Naturlaut. Und für eben diese Aufgabe schätze ich den EX sehr, obwohl er auch viel Ausdruckskraft und Power für Sololinien hat und sich ausgezeichnet dynamisch spielen lässt.

Amazona:
Ich wiederhole: „…die Frage nach meinen Favourites stellt sich mir vor jedem Urlaub neu, denn da kann ich ja nur eine sehr begrenzte Auswahl mitnehmen..“ Wie darf man sich das vorstellen? Schickst Du ein TNT Palette in die Malediven und fliegst nach???

Sabine:
Hahaha! Um Himmels willen, nein! Ich habe die letzten Jahre viel gearbeitet und immer zu wenig Zeit für die Musik. Die nehme ich mir im Urlaub. Wir fahren so zweimal im Jahr nach Dänemark, mieten ein Häuschen mit Sauna und Brennofen, und ich mache den ganzen Tag Musik… von Strand- und Saunagängen mal abgesehen. Und da ist es mir auch egal, ob das im Juli oder im November ist. Durch das dabei begrenzte Equipment kann ich mich jedoch auf die einzelnen Geräte viel besser einstellen. Wenn Du keine grosse Auswahl an Instrumenten dabei hast, bist Du einfach gezwungen aus denen die da sind viel herauszuholen.
Diese Beschränkung und Konzentration tut der Musik gut, habe ich festgestellt.

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Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    update:
    seit dem jahr 2000 hat sich natürlich vieles verändert.
    meine eigene website ist nun
    http://elektra-musik.de
    ein kontakt auch hierüber möglich, die mailadresse über t-online gibt es nicht mehr.

    herzliche gruesse, elektra

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