Homerecording DAW Marktübersicht bis 299,- Euro

Intermezzo: (Cakewalk) Sonar

Die „Cakewalk-Sonar“-Geschichte ist ein wenig konfus: Sonar ist aus dem MIDI-Sequencer Cakewalk  heraus entstanden, der 1987 für MS-DOS erschienen war. Das Entwicklerstudio hieß damals noch „Twelve Tone Systems“, benannte sich dann aber später in „Cakewalk Inc.“ um. 2001 erschien dann die erste Version von Sonar. Nach der Version 8.5 (2009) wechselte die Nummerierung zu Sonar X1 bis X3 (2010-2013 – in der Zeit übernahm Gibson Cakewalk), bevor man sich entschied, die DAW einfach nur noch Sonar zu nennen und – im Rahmen eines Abo-Modells – mit monatlichen Updates zu versorgen.

Cakewalk Sonar

Cakewalk Sonar

Ende 2017 verkündete Gibson ziemlich abrupt das Ende von Cakewalk; man wolle sich mehr auf den Consumer-Markt konzentrieren. 2018 übernahm überraschend das Musik-Startup „Bandlab“ aus Singapur die Rechte an Cakewalk – eine Art soziales Netzwerk, das Musiker miteinander verknüpft und auch eine eigene Musik-Software dafür anbot. Die aber war so simpel gestrickt, dass man kurzerhand Cakewalk kaufte. Finanziell kein Problem, da Bandlab dem Sohn eines Palmöl-Milliardärs gehört, der 2016 auch mal eben 49 Prozent am US-Magazin Rolling Stone erworben hatte.

Seit April 2018 wird Cakewalk (ohne das Sonar im Namen) nun kostenlos zum Download für Windows (ab Win 7) angeboten, allerdings ohne jegliche Drittanbieter-Plugins wie Melodyne und ohne die hauseigenen Z3Ta+2 oder Dimension Pro. Für den Download muss dann allerdings die Bandlab-App auf dem PC installiert und der Nutzer bei Bandlab registriert sein. Cakewalk von Bandlab ist (abzüglich der Fremd-Plugins) identisch mit der Pro-Version, läuft also mit der bekannten 64-Bit-Engine, bietet unbegrenzte Spuren und Busse, VST3- und ARA-Support, das Skylight User-Interface, flexible ProChannel Module, dazu unter anderem die Studio Instruments Suite von Cakewalk und den TTS-1 Synth. Vorhandene Sonar-Projekte lassen sich problemlos laden, dann halt nur ohne die eventuell verwendeten Instrumente und Plugins von Drittanbietern. Wer diese aber noch – etwa von einer älteren Sonar-Installation – auf der Platte hat, kann die auch weiterhin nutzen. Damit ist Cakewalk by Bandlab die aktuell beste und ausgereifteste kostenlose DAW.

Gleichzeitig kann man übrigens aber auch noch immer das 2015 erschienene Sonar (ohne Cakewalk im Namen) über die Cakewalk-Website kaufen, sämtliche Versionen (Home Studio, Artist, Professional und Platinum) werden dort noch angeboten. Was aber angesichts der fehlenden Updates wenig Sinn ergibt; das letzte datiert auf den Oktober 2017.

Unnützes Wissen

Cakewalk ist eigentlich ein 1850 entstandener Gesellschaftstanz, der zwischen 1895 und 1905 in den USA zum Modetanz mit Ragtime-Musik wurde.

Preise

Sonar Home Studio: 49 US Dollar

Sonar Artist: 99 US Dollar

Sonar Professional: 199 US Dollar

Sonar Platinum: 499 US Dollar

Cakewalk by Bandlab: kostenlos

Links

Image Line FL Studio 20

Ältere Leser werden das FL Studio des belgischen Entwicklerstudios Image Line noch unter seinem ursprünglichen Namen „Fruity Loops“ kennen; die erste offizielle Version war im März 1998 (1.2.7)  als „MIDI-only“ erschienen. Nach der Version 12.5. (Juli 2017) erfolgte im Mai 2018 – anlässlich des 20. Geburtstag der DAW – ein Sprung auf die Ausgabe 20. Auch zukünftig richtet sich die Nummerierung nach dem Alter der DAW.

FL Studio 20

FL Studio 20

Plattformen und Editionen

Das FL Studio 20 gibt es in den Versionen „Fruity“, „Producer“, „Signature“ und das „All Plugins Bundle“, die sich lediglich in der Zahl der mitgelieferten Instrumente und Effekte unterscheiden. Die beiden größeren Versionen beinhalten zusätzliche hauseigene Plug-ins, die sonst auch einzeln gekauft werden können. Einen Versionsvergleich finden Sie hier. Die DAW läuft unter Windows (ab Windows 7) und seit der Version 20 auch für den Mac (ab macOS 10.11)

Fakten und Zahlen

Das FL Studio ist zwar bei den Audio-/MIDI- und Instrumentenspuren nicht limitiert, wohl aber bei den Inserts (10) und Sends (125) pro Kanal sowie bei der Anzahl physischer I/Os (103). Ein Arrangement packt bis zu 500 Tracks. Mit zum Lieferumfang in der Signature-Version gehören 39 virtuelle Instrumente und 61 Effekte. Audios werden mit maximal 32 Bit /192 kHz verarbeitet.

Licht

Das Beste vorweg: Sämtliche Updates gibt es nach dem Kauf auf Lebenszeit und nicht – wie bei den anderen DAWs – bis zum Erscheinen der nächsten Major-Version. Noch heute erinnert das Pattern basierte Step-Sequencer-Konzept an alte Fruity-Loops-Zeiten, weshalb auch heute noch die Beatprogrammierung im Step-Sequencer (der zentralen Anlaufstelle im FL Studio) wirklich kinderleicht ist. Auch sind die Spuren nicht – wie sonst – fest an Instrumente gekoppelt; jede Spur kann sowohl MIDI- als auch Audio- und Automationsdaten enthalten, was die DAW dann sehr flexibel und leicht bedienbar macht. Zusätzlich gibt es aber natürlich auch noch umfangreiche MIDI- und Sample-Editoren, einen Mixer und einen ganzen Stapel an Effekten und Plugins.

In Bezug auf den Umfang muss sich das FL Studio nicht vor der Konkurrenz verstecken. So lassen sich MIDI- und Audiopattern in Audioclips umwandeln, lassen sich verschiedene Taktarten in einem Song verarbeiten und mehrere Arrangements in einem Projekt erzeugen oder können die Beats im Graph Editor weiter individualisiert werden, ohne den Sequenzer verlassen zu müssen und gibt es natürlich auch VST2/3 und AU-Support. Apropos Support: Userwünsche werden schnell in Updates umgesetzt, Fragen umgehend beantwortet.

Schatten

Die Benutzeroberfläche wirkt noch immer unsortiert und etwas unübersichtlich – sie ist im Lauf der Jahre halt „organisch gewachsen“.

Unnützes Wissen

Bevor Image Line Fruity Loops entwickelte, hatte man unter anderem ein Programm namens „Porntris“ auf den Markt gebracht – eine Erwachsenenversion von Tetris.

Apps

Die Mobile Version „FL Studio Mobile 3“ (Android (17,99 Euro), iOS (14,99 Euro)) steht auch als Plugin in der Desktop-DAW zur Verfügung. So können die beiden Versionen Daten untereinander austauschen.

Fazit

Auch wenn das FL Studio in den letzten Jahren gut gewachsen und längst aus dem „Anfänger-DAW für Nachwuchs-HipHopper“-Alter raus ist, ist, gehören Beatmaking, Sampling und Step Sequencing noch immer zu den Kernkompetenzen der belgischen Digital Audio Workstation. Wer im elektronischen Bereich mal eben schnell was Gutes basteln will, ist hier genau richtig. Mastern, Multichannel Recording oder tiefergehendes Editing beherrscht die fruchtige DAW zwar auch, ist dafür aber nicht die erste Anlaufadresse. Der Spaßfaktor ist dafür aber immens.

Preise

FL Studio 20 Fruity: 89,00 Euro

FL Studio 20 Producer: 189,00 Euro

FL Studio 20 Signature Bundle: 289,00 Euro

FL Studio 20 All Plugins Bundle: 826,00 Euro

Links

Cockos Reaper 5.9

Reaper stammt vom New Yorker Entwicklerstudio Cockos Incorporated. Die erste Version des Reapers erschien 2004, die aktuelle Version 5 im Sommer 2015. Da Updates mitunter fast im Wochentakt erscheinen, ist man aktuell (zum Testzeitpunkt) bei 5.963 angekommen. Reaper ist extrem klein (es gibt sogar einer Version für USB-Sticks) – mit einer Installationsgröße von etwa 65 MB ein echter Zwerg unter den DAWs und startet dann auch entsprechend schnell.

Reaper 9

Reaper 9

Plattformen und Editionen

Reaper läuft unter Windows (immer noch ab XP bis Windows 10, 32 oder 64 Bit) und macOS X (10.5-10-13). Außerdem gibt es eine Linux-Version, die allerdings noch in der Probephase ist. An Editionen gibt es „nur“ eine: Die Standardversion. Die kann ohne Einschränkungen 60 Tage lang getestet werden. Anschließend gibt es aber dann auch nur hin und wieder eine Ermahnung (aka „nag screen“). Neben VST2+3 und AU werden zum einen sogar noch die alten DX-Plug-ins unterstützt, zum anderen auch das hauseigene Format „JS“, per „Reascript“ können auch eigene Effekte gebaut oder Editoren programmiert werden.

Fakten und Zahlen

Reaper kennt keine Limits – weder bei den Audio-/MIDI-/Instrumentenspuren noch bei den Inserts/Sends pro Kanal oder der Anzahl der physischen I/Os. Audios werden mit maximal 64 Bit /192 kHz verarbeitet.

Licht

Vor geraumer Zeit hatte Cockos die API von Reaper veröffentlicht. So kann mittels einer Scriptsprache auf alle Funktionen zugegriffen werden und auch eigene Funktionen und Plugins gebastelt werden. Wer das nicht kann, bedient sich in der sehr aktiven, großen Community (etwa an den kostenlosen EWS-Extensions) oder greift zu preiswerten Angeboten von Drittanbietern (etwa die Playtime-Extensions von Helgoboss). Auffällig: Reaper unterscheidet nicht zwischen Audio, MIDI, Group oder Aux-Spur, jeder Track kann alles sein, was das Setup sehr flexibel macht (wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat); zudem kann eine Audiospur bis zu 64 Audio-Tracks enthalten, außerdem gibt es ein internes MIDI-Routing über 16 Busse zu 16 Kanälen.

Weitere Pluspunkte: Die Tastenbelegung ist frei konfigurierbar, die Oberfläche lässt sich mit eigenen Themes individualisieren, es können mehrere Videospuren genutzt werden (mit Video-Effekten), es gibt die direkte Aufnahme in FLAC oder Ogg, DDP-Export und CD-Mastering, Track-, FX- und Project-Templates, Mix-Snapshots, Batch-Konvertierung, Rewire-Unterstützung, Faltungshall, Audio-Quantisierung, Transienten-Erkennung und vieles mehr.

Schatten

Die Lernkurve ist ziemlich steil; man muss sich schon einige Zeit richtig reinknien um die fast unbegrenzten Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Die Optik ist anfangs sehr schlicht, kann aber recht kreativ bearbeitet und verändert werden. Eigene Software-Instrumente sind nicht so das Ding von Reaper – ganze drei (mit dem Charme von Windows 3.1) gibt’s mit auf den Weg. Da ist man auf Fremdware angewiesen.

Unnützes Wissen

„Reaper“ steht nicht etwa für den „Sensenmann“, sondern ist die Abkürzung für „Rapid Environment for Audio Prototyping and Efficient Record“.

Apps

Apps zum Reaper existieren bisher nicht.

Fazit

Reaper ist nichts für Leute, die sich mal eben schnell dransetzen, einen Song zu basteln. Wer sich aber eine Weile damit beschäftigt (und das muss man), wird erkennen, dass kaum eine DAW so vielfältige Möglichkeiten anbietet und dem Nutzer derart große Freiheiten einräumt. Durch die aktive Community und die sehr regen Entwickler wächst Reaper zudem fast täglich. Preiswert, schnell und mit Möglichkeiten ohne Ende: Da lohnt ein Blick auf das nur scheinbar „hässliche Entlein“.

Preise

60,00 US-Dollar (Non-Commercial)

225,00 US-Dollar (Commercial)

Links

Propellerhead Reason 10

1997 brachte das schwedische Entwicklerstudio Propellerhead – das damals aus gerade mal drei Leuten bestand – das Programm ReBirth RB-338 auf den Markt, die Wiedergeburt der damals extrem angesagten TB-303, TR-909 und TR-808 in Softwareform. Aus Rebirth wurde drei Jahre später die Rack-DAW Reason, die inzwischen ihre zehnte Runde dreht. Nachdem im Sommer 2018 mit der Version 9.5 endlich der von den Nutzern längst überfällige VST-Support integriert wurde, stehen in Ausgabe 10 wieder neue Instrumente, Sounds und Geräte auf der Liste der neuen Features.

Reason 10

Reason 10

Plattformen und Editionen

Reason gibt es in den beiden Version Reason 10 Intro und Reason 10. Die kleinere Version bringt weniger Sounds, Effekte und Instrumente mit und hat eine limitierte Zahl an maximal nutzbaren Audio/Instrument-Tracks. Die ursprüngliche (noch kleinere) Lite-Version wird inzwischen nicht mehr angeboten. Reason 10 läuft unter Windows (Windows 10, 64-Bit) und auf dem Mac (Mac OS Sierra, 64-bit). Die 30-tägige Testversion funktioniert ohne Einschränkungen.

Fakten und Zahlen

Reason 10 kommt mit 16 Instrumenten und 26 Effekten, kennt kein Limit bei den Audio- und MIDI-Tracks oder den Inserts/Sends pro Kanal, kann bis zu 64 physische I/Os händeln und läuft audiotechnisch mit bis zu 32 Bit / 192 kHz.

Licht

Auch wenn das Äußere nicht entscheidend ist: Der Versuch von Reason, mit seinem Rack-Look inklusive steckbarer Verkabelungen für realistische Studio-Atmo zu sorgen, ist schon motivierend und sieht einfach klasse aus. Hinzu kommt, dass der modulare Aufbau durchaus seine Vorteile hat: Was ich nicht brauche, fliegt aus dem Rack. Durch die einheitliche Gestaltung der Module und der übersichtliche Browser stimmt auch der Workflow. Anfangs als reine Techno-Groove-Maschine entwickelt, ist Reason spätestens seit der Hinzunahme von VST2- und AU-Plugins in der Version 9.5 ein Stück erwachsen geworden.

Der Umfang an mitgelieferten Sounds und Loops ist gewaltig, mitgelieferte Instrumente wie der Shapelifting-Synthesizer Europa oder das Radical Piano, der Grain Sample Manipulator oder die Sample-Instrumente Klang, Pangea und Human Vocal sind eine spaßige Spielwiese mit teilweise tollen Möglichkeiten; auch die Effektabteilung kann sich hören lassen, allen voran das Multieffekt-Gerät Synchronus, bei dem sich über drei (auch handgezeichnete) Hüllkurven die Effekte mit unterschiedlichen Wellenformen synchronisieren lassen.

Schatten

Notensatz, ARA-Support oder eine integrierte Bit-Bridge fehlen, VST3 wird nicht unterstützt.

Unnützes Wissen

Der Firmenname bezieht sich auf die Träger von „Propeller-Beanies“, ein Insider-Begriff für Geeks und Technik-Nerds.

Apps

Die von Propellerhead angebotene App „Reason Compact – Make Music” ist irritierenderweise keine kompakte Version der DAW, sondern enthält (bisher) nur den Softsynth Europa aus der DAW, dessen vollständige Nutzung dann mit 10,99 Euro bezahlt werden muss (In-App-Kauf). Weitere Instrumente sollen folgen.

Fazit

Besonders mit seinen neuen Instrumenten lädt Reason 10 zum hemmungslosen Experimentieren ein. Der modulare Aufbau, das schnelle Arrangieren mit Blocks sowie die Auswahl der Loops und Instrumente machen Reason 10 – trotz VST- und AU-Support – machen Reason 10 noch immer zu einem tollen Baukasten tanzbarer, elektronischer Produktionen. Fürs Mastering/Recording dagegen gibt es bessere Lösungen.

Preise

Reason 10 Intro: 79,00 Euro

Reason 10: 259,00 Euro

Links

Renoise 3.1

„Mehr Hexadezimal, weniger bunt“ – ist das Motto von Renoise, der etwas anderen DAW. Die nämlich war ursprünglich ein Tracker (daher auch der Name: „Noisetracker“ war einer der beliebtesten Tracker der Amiga-Szene in den späten 80ern / frühen 90ern. Noten werden hier in senkrecht scrollende Tracks als Hexadezimalzahlen eingegeben und so mit Samplematerial gefüttert, das mit Hüllkurven, Filter-Effekten und LFO-Funktionen verändert wird. Mit der Zeit war Renoise – dessen erste Version schon 2002 erschienen war (2008 Version 2, 2015 Version 3) – um DAW-typische Funktionen wie MIDI, VST/AU-Support oder Mischpult – erweitert worden.

Renoise 3

Renoise 3

Plattformen und Editionen

Renoise 3.1 läuft unter Windows (ab XP mit SP2, 32 und 64 Bit), Mac OS X (10.4 für 32 Bit, 10.6 für 64 Bit) und Linux (mit glibc, Ubuntu 10.04 z.B.). Eine Lizenz reicht dabei für den Betrieb auf allen drei Plattformen. Die Software kostet 68,- Euro, eine Light- oder Pro-Version gibt es nicht. Die Demoversion kommt mit einigen Einschränkungen (kein ASIO-Support unter Windows, Rendering nicht verfügbar, eingeschränktes ReWire). Upgrades gibt es für eine vollen Versionsschritt kostenlos, heißt: Wer bei 3.1 einsteigt, zahlt erst wieder bei 4.2.

Fakten und Zahlen

Renoise kommt mit gut 800 MB an Samples und XRNI-Instrumenten für registrierte Nutzer und 26 Effekten.

Licht

Als leistungsfähiger (Step/Raster)-Sequencer ist Renoise unschlagbar. Über die Pattern-Matrix können Songabschnitte blockweise schnell verschoben und kopiert werden, mit der Render-to-Sample-Funktion lässt sich das laufende Audio durch eine Effekt-Chain schicken und zu einem neuen Instrument machen. VST und AU werden solide unterstützt, zudem lässt sich Renoise via ReWire mit anderen Anwendungen verbinden; so kann man dann zum Beispiel die Vorteile des Tracker-basierten Renoise mit den Stärken anderen DAWs kombinieren.

Weitere schöne Details: Im Phrase-Editor lassen sich Rhythmen und melodische Phrasen erstellen, die dann im Main-Pattern-Editor ausgelöst werden, es können (über den Befehl MaYbe) zufällige Muster generieren, die Effekte sind zahlreich und gut, der Plugin-Grabber verwandelt Plug-ins in CPU-freundliche Sample-Instrumente, dazu Mehrkanal-Ausgabe, MIDI, leistungsstarke Modulationen per Meta-Routing, außerdem lässt sich Renoise per API (Lua) individuell anpassen und erweitern.

Schatten

Der Umgang mit Renoise ist für Musiker, die nicht mit den Amiga-Trackern aufgewachsen sind, schon extrem gewöhnungsbedürftig. Zahlen und Buchstaben statt Noten und vertikal laufende Tracks – das ist schon etwas komplett anderes. Da müssen dann Anschlagstärken oder Delays per Shortkey programmiert werden oder werden bei Audioaufnahmen keine Wellenformen angezeigt. Überhaupt ist die Lernkurve ziemlich steil. Renoise ist auch keine DAW für längere Audioaufnahmen oder für das Mehrspur-Recording.,

Unnützes Wissen

Renoise wird unter anderem auch von Depeche Mode eingesetzt.

Apps

Eine App zu Renoise existiert bisher nicht.

Fazit

Renoise mit anderen DAWs zu vergleichen ist nicht ganz einfach (und auch nicht fair), verfolgt es doch – trotz aller DAW-ähnlichen Kompetenzen – einen anderen Ansatz. Freunde der Elektro-Musik und des Pattern-orientierten Musikmachens sollten sich aber in jedem Fall die Demoversion zu Gemüte führen und sich auch nicht von der etwas ungewohnten Bedienung abschrecken lassen; hat man die erst einmal verinnerlicht, ist der Workflow recht fix und entspannt. Außerdem ist der Preis extrem günstig und sind Anforderungen an die Hardware gering.

Preis

Renoise 3.1: 68,- Euro

Links

Im zweiten Teil unserer Marktübersicht geht es dann mit den DAWs Ableton Live 10 Suite, Presonus Studio One 4 Pro, Pro Tools 2018, Steinberg Cubase, Motu Digital Performer 9 und Samplitude Pro X3 weiter.

Forum
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    GioGio  AHU

    Toller Test :) Bitwig kannte ich gar nicht. Habe zwar schon genug DAWs (ProTools, Nuendo, Cubase, Ableton), aber immer wieder interessant was sich so auf dem Markt tut.
    Ich hoffe, dass in den 2.Teil des Test auch Cubase Artist hineinfindet. Liegt zwar 9€ über der 300€ Grenze, aber zur Not gibt es ja auch noch Cubase Essentials. Ebenso gibt es kleinere Ableton-Versionen. Bei ProTools gibt es übrigens auch „günstige“ Jahreslizenzen. Ich mag diese Entwicklung zwar gar nicht (!!!), aber für ProTools kann durchaus faszinieren und gilt in vielen Berufen immer noch als Standard (vor allem in Amerika). Studio One von Presonus findet auch immer mehr Anhänger. Auch hier gibt es kleinere Einsteigervarianten.

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      m.steinwachs  RED

      Danke für die Blumen, GioGio ;)

      Wie in der Einleitung erwähnt, habe ich jeweils nur die größte Version einer DAW getestet, um die DAWs besser vergleichen zu können. Außerdem wäre die Sache dann noch mehr ausgeufert, wenn ich auch sämtliche kleineren Ableger genauer unter die Lupe genommen hätte. Die werden dann im jeweiligen Abschnitt aber immerhin erwähnt inklusive der Einschränkungen gegenüber den großen Versionen.

      Im zweiten Teil werden deshalb vertreten sein: Cubase Pro, Presonus Studio One 4, Ableton Live 10, Pro Tools 2018 und Digital Performer 9.

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        GioGio  AHU

        Ach so, ich hatte das falsch verstanden und den Hinweis auf Seite 2 unten übersehen. Ich dachte im 2. Teil wäre die grenze ebenso bei 300€. XD
        Dann ist klar, dass Du die großen Versionen testest :)

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    swift  

    Ardour und Tracktion fällt mir noch ein, sind aber wohl beides Außenseiter. Ich benutze inzwischen nur mehr Hardware, mit meiner Musik muss ich zum Glück aber kein Geld verdienen ;)

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      dr noetigenfallz  

      Mein jugendlicher Sohn arbeitet mit Tracktion. Das ist sehr übersichtlich und die vorletzte Version ist immer gratis. Das ist echt eine Empfehlung.

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      m.steinwachs  RED

      Danke für den Hinweis – Ardour kannte ich noch gar nicht. Das merke ich mal für ein späteres Update vor – genau wie Tracktion, das ich (warum auch immer) schlicht vergessen hatte.

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    microbug  

    Ergänzung: Cakewalk gehörte vor Gibson eine Zeitlang zu Roland.
    Die ersten Audio-fähigen DAWs wie Cubase Audio und ProTools bauten zudem auf spezielle Hardware auf, bei Cubase Audio wars der DSP im Atari Falcon, bei ProTools, damals noch Digidesign, brauchte es eine DSP-Karte (AudioMedia, zuerst NuBus, später PCI), und ProTools war zu dieser Zeit Mac Only.

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    lightman  AHU

    Schöne Gegenüberstellung, gefällt mir.

    Ich verwende Reaper zur Aufnahme (Einzelspur Stereo), MIDI-sequenziert wird mit Notator aufm Atari, Softwaresynths verwende ich nicht. Vermutlich wäre Wavelab für mich die besser Wahl, aber ich habe mich mittlerweile an Reaper gewöhnt.

    Als Notator zu Logic wurde, hab ich mir die neue Version gleich angesehen, kam aber mit dem Arrangementfenster nicht zurecht. Das war auch bei Cubase so, schon die Atari-Versionen waren nicht so mein Geschmack, obwohl ich damit diverse Tracks gemacht habe. Das Durcharrangieren bis ins Details war nie mein Ding, ich arbeite da etwas anders und der alte Notator kommt dem sehr entgegen.

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    ThomasHelzle  

    Eine Anmerkung zu Bitwig und dem Vorhören von Presets:
    Wenn du den Pop-Up-Browser in der jeweiligen Spur verwendest, kannst du on-the-fly jedes Preset direkt im Kontext deines Projektes vorhören, an jeder beliebigen Stelle in der Device Chain mit dem jeweils laufenden Midi Clip oder bei aktivem Input live spielbar.

    Da die Bitwig Presets Device-agnostisch sind, kann man so alle Presets im Kontext vorhören, egal ob Audio Effekt, Noten Effekt, Instrument oder komplexe Chain.
    Also auch nicht nur z.B. alle Bass Sounds von Diva oder dem PolySynth, sondern alle Bass Sounds von allen Devices und Plugins.

    Für mich persönlich das Optimum :-)

    Und die neue Version 3 die auf der NAMM angekündigt wurde sieht ja auch schon sehr lecker aus mit dem Grid-Modularsystem…

    Good Times! :-)

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      m.steinwachs  RED

      Muss ich direkt mal ausprobieren mit den Pop-Up-Browsern, danke für den Tipp. Wenn man in einem Monat 13 DAWs unterm Messer hat, entgeht einem schon mal das ein oder andere nützliche Detail ;)

  6. Profilbild
    ThomasHelzle  

    Und noch eine Anmerkung zu Renoise: Wem ein „purer“ Tracker“ zu viel ist, sollte sich vielleicht den Plugin-Sampler „Redux“ aus dem gleichen Haus anschauen. Sehr flexibel, kann auch Tracker Patterns, kommt mit der gleichen Effekt-Chain, ist aber auch einfach als Sampler sehr schnell, leicht, übersichtlich und mächtig – und bezahlbar.
    Also so eine Art Tracker-Light (wenn gewünscht, tut aber auch einfach als normales Intrument) als VST.

  7. Profilbild
    p_carp  

    Die lieben DAW´s was wären wir ohne sie;-)

    Für mich ist es Fluch und Segen, jedoch teste ich auch gerade noch alternativen zu ALS 10 da ALS 10 zum teil immer noch Bugy ist. Ich hoffe mit dem neuen Update auf 10.06 das diese doch ein wenig Stabiler und leistungsschonender läuft als die Versionen zu vor. Leider gewöhnt man sich zu schnell an die neuen Funktionen, so das ich es schwer habe auf eine 9.xx Version zurück zu kehren. Gefühlt liefen diese Stabiler, jedoch große Audiofiles sind in der Tat nicht die Stärke von ALS, hier finde ich derzeit Studio One sehr gut was ich auch am testen bin, dennoch gibt es für mich persönlich keine Kreativere DAW als ALS 10xx was den Workflow angeht.

  8. Profilbild
    gaffer  AHU

    „Bevor Image Line Fruity Loops entwickelte, hatte man unter anderem ein Programm namens „Porntris“ auf den Markt gebracht – eine Erwachsenenversion von Tetris.“

    Was muss ich mir da vorstellen? Nackte Steine? ;) sorry, musste.

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      :-)

      Nein, wenn ich die entsprechenden Ergebnisse in der Google Bildersuche richtig deute, konnte man sich durch das Abräumen der Spielfläche mit ganz normalen Tetrissteinen anscheinend Fotos von leicht- bis gar nicht bekleideten Frauen freispielen.

  9. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo,

    bitte nicht unterschlagen, das die MIDI Enviroments in Logic X existent sind und auch noch gepflegt werden. Und das man hiermit einiges anstellen kann. Ob nun mit oder ohne Scripter, welcher einem Routineaufgaben und Zeitfresser abnehmen kann. Zum anderen benötigt man nicht unbedingt Logic Remote zur Fernsteuerung, Touch OSC et. al machen es auch. Obwohl aus praktischen Erwägungen Remote die bessere Wahl ist.

  10. Profilbild
    hc-hardy

    Super Test und gute Hilfe für alle die sich gerade überlegen ein oder umzusteigen. Ich vermisse aber Waveform oder dessen Freewarevariante Traction. Ich hab das mal zu einem Behringer Interface geschenkt bekommen und zwar eine Vollversion und keine Lite! Weils mir so gut gefallen hat besorgte ich mir beim nächtsen Major Relase das Waveform Bundel mit einem Haufen Plugins für schlappe 99$! Das müssen die anderen (ausser FL-Studio) erst mal nachmachen.

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Jep, Asche über mein Haupt – Tracktion/Waveform ist mir irgendwie vom Schirm gerutscht in der Masse der DAWs. Ich werde es beim nächsten Update dann berücksichtigen.

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Mixcraft hatte ich tatsächlich auch anfangs noch auf meiner Liste, aber als der – ursprünglich als ein Artikel geplanter – Text immer länger und selbst für zwei Artikel schon recht lang wurde, musste ich irgendwo einen vorläufigen Schlussstrich ziehen, um überhaupt jemals mit dieser Sisyphos-Arbeit fertig zu werden ;)

      Aber ich seh schon – evtl. müssen wir da irgendwann noch einen dritten Teil folgen lassen, um die Sache dann wirklich rund zu machen. Danke dir (und allen anderen) jedenfalls für die vielen Rückmeldungen und Anregungen!

  11. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hallo Kollege,

    hast du dir mal Harrison Mixbus angeschaut? Hab das Gefühl da steckt Potential dahinter, upgrade regelmässig, aber so richtig warm werde ich nicht damit.
    Hat jemand andere Erfahrungen?

    Grüße
    Armin

  12. Profilbild
    Wolfgang

    Noch ein paar Daumen hoch für Ardour; ich mach alles damit. Hier ein paar Links für Interessierte:

    https://wolfgang.lonien.de/2017/04/see-what-you-can-do-with-ardour/ (Beispiel, nicht von mir, mit Kontakt Player und Pianoteq als Plugins)
    https://wolfgang.lonien.de/2017/05/thanks-to-paul-davis-and-to-others/ (eine Keynote-Rede von Paul Davis, Erfinder von Jack und Ardour, sehr interessant) und/oder
    https://www.wikiloops.com/backingtrack-jam-155161.php (moderner Popsong, Gitarre, Bass und Mix in Ardour)

    Tolles Programm. Für ein fertiges Binary zahlt man den Gegenwert eines Essens (außer für Linux, da ist es in allen möglichen Repositories enthalten).

    Hdh,
    Wolfgang

  13. Profilbild
    Laserjones

    Ich vermisse Tracktion/Waveform und Mixcraft in dieser Übersicht. Beides durchaus seriöse und leistungsstarke Produkte, wenn auch weniger bekannt. Tracktion ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil es ältere Versionen kostenlos gibt und man es dadurch einfach mal antesten kann.

    • Profilbild
      m.steinwachs  RED

      Asche über mein Haupt – wie weiter oben schon mal (vor einigen Wochen) geschrieben: Ich habs schlicht vergessen bei der ganzen Masse an DAWs. Ist aber fürs nächste Update vorgemerkt.

      • Profilbild
        Markus Schroeder  RED

        hehe, hier noch ein paar zur Auswahl für den 3. Teil:
        Studio One, n-Track, MuLab, EnergyXT, SunVox, Swar Studio 3, Ohm Studio, PowerTracks Pro Audio, Music Studio Independence, Bremmers MultitrackStudio, MPC Software.

        IMHO würde besonders EnergyXT mehr Aufmerksamkeit verdienen.
        :)

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