Homerecording mit Sehbehinderung oder als Blinder

Blinde Nutzer brauchen zwingend Anwendungen, die von Screenreadern erfasst und alternativ dargestellt werden können. Wenn sich Programmierer an die Accessibility-Vorgaben der Entwicklungsumgebungen halten, ist die Erstellung barrierefreier Anwendungen relativ einfach, die systemübergreifende Entwicklung mitunter komplizierter. Synthesizer-Plug-ins, die zumeist eine vollgrafische Benutzeroberfläche verwenden, sind mit Bildschirmleser und somit auch für Braillezeilen häufig nicht zugänglich. Denn nicht alle Entwicklungsumgebungen bieten auch Funktionen für die barrierefreie Erstellung von Apps an. Zugängliche Musikanwendungen sind auf dem Mac häufiger vertreten, weil Apple die Entwickler gut anleitet, ihre Anwendungen barrierefrei zu gestalten. Unter Windows sorgen universelle Anwendungen für Probleme, da sie häufig in eigenen Fenstern laufen, die nicht nach Microsoft-Konventionen und somit vollgrafisch dargestellt werden. In solchen Fällen sind die Anwendungsfenster für den Screenreader unerreichbar. Die bekannten DAWs Bitwig Studio und Ableton Live sind beispielsweise unter beiden Systemen nicht zugänglich. ProTools lässt sich zwar am Mac, nicht aber unter Windows bedienen und Reaper ist auf beiden Plattformen weitgehend nutzbar. Logic Pro X und GarageBand stammen von Apple und daher ist eine gute Integration von VoiceOver gegeben, selbst Korg Gadget kann man mit etwas Eingewöhnung bedienen. Bei Plug-ins sieht das etwas anders aus, die Zugänglichkeit ist sehr selten gegeben. In Reaper und vermutlich auch anderen DAWs gibt es zwar Möglichkeiten, Parameter über eine Liste zu verändern, das hat aber wenig mit haptischem Spielgefühl zu tun. Native Instruments hat einige Anstrengungen zur Bedienbarkeit unternommen, die Komplete Control S Keyboards sollen ihre Parameter zumindest am Mac mittels VoiceOver ausgeben können.

Vor der Nutzung verschiedener Software-Instrumente kommt allerdings die Aktivierung, die mich persönlich immer wieder vor Hürden gestellt hat und ich inzwischen Software mit Lizenzsystemen nach Möglichkeit meide. Unter Windows ist iLok wie auch viele andere Programmfenster von Plug-ins nicht zugänglich. Am Mac verhält sich auch dies anders, hier soll iLok inzwischen bedienbar sein. Doch unabhängig von der Nutzbarkeit ist es auch immer die Erfahrung des jeweiligen Anwenders, die eine wesentliche Rolle spielt. Denn mit Sprachausgabe lassen sich Parameter nicht querlesen, stets beschränkt sich der Fokus auf das aktuelle Element. Wer Sprach- und Soundausgabe über dieselben Lautsprecher ausgeben lässt, wird zudem schnell die Lust verlieren. Wer keinen Hardware-Controller einsetzt, um wenigstens die Hauptfunktionen einer DAW in Form dedizierter Bedienelemente zu steuern, wird vielleicht von der Flut an Tastenkürzeln überfordert. Klar ließe sich auch alles dokumentieren und die Routine führt letztendlich dazu, dass zumindest die häufigsten Schritte immer mehr autonom ablaufen, dennoch müssen blinde Anwender im Vergleich zu ihren sehenden Kollegen viel mehr auswendig lernen und Prozessabläufe im Kopf behalten. Auch das Überwachen verschiedener Parameter gleichzeitig wäre nur möglich, wenn entsprechende Skripte diese auf der Braillezeile unabhängig von der Sprachausgabe aufbereiten. Neben Voyetra Sequencer Plus unter DOS, das ich mir damals mit einer externen Sprachausgabe und Braillezeile in vielen Punkten anpassen konnte, war vermutlich Cakewalk Sonar mit speziellen Skripten für JAWS das erste überhaupt zugängliche DAW-System für Windows. Diese Anpassungen kosteten aber mehr als Sonar selbst. Heute wären taktile Grafik-Displays eine interessante Möglichkeit, viele Parameter auf einmal anzuzeigen. Diese sind allerdings sehr teuer und somit kaum verbreitet.

Das Optelec EasyLink 12 Touch ist eine Kombination aus Braillezeile und Eingabegerät für Mobilgeräte. Es verfügt über 12 Zeichen und wird über Bluetooth verbunden.

Und was ist mit Linux? – Leider nicht viel, denn die Screenreader für grafische Benutzeroberflächen wie Orca sind allenfalls eine brauchbare Lösung und hinken meilenweit den Systemen unter Mac und Windows hinterher. Als Empfehlung für Einsteiger, die nicht auf ProTools für Mac oder Sonar für Windows setzen wollen, bleibt für beide Systeme Reaper und für den Mac GarageBand oder Logic Pro X übrig. Für reine Audiobearbeitung empfiehlt sich am Mac Amadeus Pro, unter Windows Audacity und SoundForge. Das ist natürlich nur eine Auswahl, durchaus mag es weitere zugängliche Anwendungen geben. Spätestens hier aber sollte sich jeder die Frage stellen, was im Ergebnis rauskommen soll und ob eine DAW überhaupt das Richtige ist. Wer sich beispielsweise selbst mit Gitarre aufnehmen möchte, kann auch mit einem Audiorekorder und Overdubing oder alternativ mit einem Mehrspur-Rekorder glücklich werden. Olympus bietet Audiorekorder mit integrierter Sprachausgabe an, die nicht nur für den Einstieg eine gute Wahl sind.

Barrierearmut statt Barrierefreiheit

Das Modul des elektronischen Schlagzeugs Roland HD-3 hat weder ein gut lesbares Display noch ein wirklich kontrastreiches Gehäuse. Dafür aber eine logische und großzügige Bediensektion, welche sowohl die Nutzung von blinden, als auch von sehbehinderten Menschen in vollem Umfang erlaubt.

Egal ob bei Gebäuden, Internet-Seiten oder Anwendungen, beschreibt der Begriff Barrierefreiheit, dass die eigenständige Nutzung durch verschiedene Behindertengruppen gewährleistet ist. Das gelingt nicht immer und so wird dieser Begriff zum Teil auch vorschnell verwendet. In der Praxis ist es aufgrund der vielen unterschiedlichen Bedürfnisse natürlich schwer, es allen Behindertengruppen recht zu machen. So wird als Beispiel ein taubblinder Mensch keinen Mac selbständig auspacken und einrichten können, wenn nicht VoiceOver direkt beim Start die Braillezeile erkennt. Apple-Produkte sind generell ein gutes Beispiel für Barrierefreiheit, denn nach dem ersten Einschalten erfolgt auf Tastendruck oder automatisch nach einer gewissen Zeit die Sprachausgabe. Ist kein Betriebssystem vorhanden, lässt sich VoiceOver sogar im initialen Wiederherstellungsmodus aktivieren. Auch Microsoft ist bei Windows 10 inzwischen soweit, dass man nach dem Einschalten eines neuen Computers den Einrichtungsprozess mit dem integrierten Narrator durchführen kann, die vollständige Installation ist jedoch nicht sprachgeführt möglich. Analog dazu sind aus meiner Sicht Anwendungen nur dann barrierefrei, wenn blinde Menschen diese ohne sehende Hilfe installieren, aktivieren und nutzen können. Oft wäre barrierearm die bessere Formulierung, denn selten gelingt die vollständige Installation von Hard- und Software ohne Hilfe oder Sehrest eigenständig. Denn auch die Handbücher müssen zugänglich sein und sollten die vorhandenen Tasten nicht mit Symbolen oder Ziffern beschreiben. Im Bereich elektronischer Geräte haben blinde Menschen in der Regel die größten Barrieren vor sich, da vieles über die optische Wahrnehmung abläuft.

Geht man der Frage im Allgemeinen nach, wie barrierefrei Musikinstrumente eigentlich sind, gibt es bei der reinen Spielart akustischer Instrumente kaum Hürden. In allen Bereichen, in denen taktil das Instrument erfasst werden kann, ist ein Erlernen auch unter Zuhilfenahme von Markierungen möglich. Einzig das Notenlesen stellt für blinde Musiker eine Herausforderung dar, weil man diese mit der Hand in Blindenschrift erfühlen muss. Aus diesem Grund lernen Konzertpianisten und Kirchenmusiker die Stücke zumeist auswendig. Das Beherrschen der Klaviatur spielt dann fast eine untergeordnete Rolle, da ein absolutes Gehör und ein gutes Erinnerungsvermögen wesentlich zum praktischen Erfolg beitragen kann. Es gibt sowohl Musiker, die Stücke anhand der Blindennotenschrift erlernen, andere wiederum merken sich die Musikstücke aufgrund ihrer tonalen Verläufe. Die Grenzen sind allerdings erreicht, wenn es um elektronische Hard- und Software-Instrumente geht.

Die Zugänglichkeit von Hardware

Der Optelec Compact 5 HD ist eine Bildschirmlupe mit variabler Vergrößerung und hoher Auflösung. Ihn allerdings über Displays von Instrumenten zu halten, ist äußerst unergonomisch.

Wie auch akustische und elektronische Instrumente können auch virtuelle Controller-Instrumente grundsätzlich bedienbar sein. Manche meinen, dass bestimmte Funktionstasten in Form und Größe notwendig sind, damit sie von blinden Anwendern besser aufgefunden werden. Bei speziellen Hilfsmitteln sieht man häufig sehr kontrastreiche und geformte Knöpfe, die sich auch farblich vom Gehäuse absetzen. Dies ist natürlich sinnvoll, wenn als Zielgruppe auch Menschen mit motorischen Einschränkungen bedacht werden. Geburtsblinde hingegen verfügen über einen guten Tastsinn und können Oberflächen haptisch viel besser erkunden. Dennoch macht eine gewisse Gruppierung in Sektionen oder Tastenbereiche Sinn, um häufiges Abzählen zu vermeiden. Geräte mit vielen gleichen Tasten in einer oder mehreren Reihen können die Übersicht schon erschweren. Problematisch sind allerdings Folientasten oder Sensorflächen, wenn diese nicht fühlbar von der Gehäuseoberfläche abgegrenzt sind. Das Gute bei Live-Instrumenten ist häufig, dass stets auf große und übersichtliche Bedienfelder geachtet wird, dies kommt blinden Anwendern grundsätzlich zugute. Interessant ist auch die Möglichkeit der Fernsteuerung per App, sofern diese Programme auch zugänglich sind. Würden Hardware-Hersteller sich auf ein eindeutiges Protokoll verständigen, über das man Menüfunktionen und Steuerbefehle auch individueller Funktionen aufrufen könnte, wären auch zugängliche Drittanbieter-Apps denkbar, mit deren Hilfe eine Steuerung möglich wäre. Das gilt übrigens für den gesamten Bereich der Unterhaltungselektronik, wobei es schon reichen würde, wenn man bei der Programmierung zugehöriger Apps einiges berücksichtigt. So könnten Displays beispielsweise auf dem Smartphone gespiegelt und als Klartext ausgegeben werden. Änderungen an der Hardware wären dann per Sprachausgabe zugänglich.

Während die Zuordnung dedizierter Bedienelemente vor allem bei analogen Synthesizern ein großer Vorteil ist, sorgen Menüs und grafische Anzeigen hingegen für eine erschwerte Handhabung. Genau genommen sind alle ergonomischen Technologien zur Erleichterung der Bedienung für blinde Nutzer kontraproduktiv. Alles, was nur optisch auf Displays dargestellt und vielleicht noch durch Endlosregler einzustellen ist, würde nur nach Gehör funktionieren, sofern man akustisch die Auswirkung mitbekommt. Bei einem Drehregler mit Anschlag gibt die fühlbare Stellung des Zeigers Aufschluss über den Wert. Das gilt auch für digitale Regler, die entweder einen Wert abholen oder direkt einen Parametersprung ausführen. Wenn Menüs über einen „Endanschlag“ verfügen, können diese mit Pfeiltasten auch abgezählt werden. Bleibt die letzte Einstellung erhalten, ist ein Abzählen jedoch schwer möglich, wenn man sich jeden zuvor eingestellten Wert nicht merkt. Interaktive Menüs, Soft-Tasten mit weitreichenden Funktionen oder Touchscreens mit unterschiedlichen Anordnungen der Elemente sind Grenzen, die kaum zu überwinden sind. Wenn nicht eine zugängliche Computer-Software die tiefgreifenden Einstellungen eines Instruments übernimmt, kann ein blinder Musiker nur die Grundfunktionen beherrschen. Das ist besonders bei teuren Instrumenten unschön, deren eigentliche Vorteile für den Nutzer im Verborgenen bleiben. Ein Korg Kronos beispielsweise wäre ein Instrument, das von seiner Vielfältigkeit her alle meine musikalischen Ansprüche lösen könnte. Die Bedienung allerdings ist sehr komplex und anstrengend, so dass ich mich lieber auf einfache Synthesizer beschränke.

Für sehbehinderte Anwender, die Piktogramme noch erkennen können, sind Kontrast, Helligkeit und Schriftdarstellung des Displays Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Ein kontraststarker Menübalken, gut erkennbare Schriftarten und große Symbole können den Zugang zum Instrument erleichtern. Nicht jedes verfügt über eine Möglichkeit der Helligkeitsumkehr. Auch Tastenbeschriftungen sollten entsprechend kontrastreich am Gehäuse aufgebracht sein, glänzende Oberflächen können beim Ablesen mit einer Lupe problematisch werden. Auch LEDs sind nicht zu unterschätzen, diese können je nach Struktur die Bedienung ungemein erleichtern. Da jedoch sehbehinderte Menschen oft sehr nah an das Display zum besseren Ablesen herangehen müssen, gibt es auch hier ergonomische Grenzen. Bedienelemente lassen sich bei ausreichendem Abstand auch in Blindenschrift markieren, das kann für blinde Anwender sehr hilfreich sein und ist im Ergebnis recht aufwendig zu realisieren.

Der ViewPlus Columbia ist ein grafikfähiger Brailledrucker, der nicht nur Blindenschrift doppelseitig ausdrucken, sondern auch Grafiken mit einer maximalen Auflösung von 100 dpi bei acht Punktstärken realisieren kann. ViewPlus bietet auch Drucker an, die Blinden- und Schwarzschrift kombiniert ausdrucken können, was besonders für hochgradig sehbehinderte Menschen sehr sinnvoll ist.

Software und Apps

Die grundsätzlichen Probleme bei der Software-Nutzung habe ich bereits beschrieben. Zusammenfassend ist die optische Darstellung für Sehbehinderte wichtig, für blinde Menschen sollten alle Elemente beschriftet und für Screenreader zugänglich sein. Es bleibt allerdings das Problem bestehen, Einstellungen auf einen Blick erfassen zu können. Die TouchBar am MacBook kann hier helfen, auch am iPad-Touchscreen lassen sich die einzelnen Elemente quasi anfassen. Apps für iOS bieten daher bei der Nutzung Vorteile, auch wenn deren Elemente ebenfalls oft nicht gut beschriftet sind. GarageBand ist wie am Mac auch hier genauso ein Musterbeispiel, auch wenn Apps wie der Korg iKaossilator ebenfalls gut bedienbar sind, den iMS-20 oder iM1 braucht man hingegen gar nicht erst zu installieren. Allerdings ist das größte Problem bei iOS-Geräten, dass die Sprachausgabe von VoiceOver nicht über einen anderen Kanal ausgegeben werden kann und diese parallel zum Instrument ertönt. Will ein blinder Musiker das iPad auf der Bühne betreiben, wird sich VoiceOver lautstark über die PA dem Publikum unverhohlen äußern. Ob eine App zugänglich ist, erfährt man oft erst nach dem Kauf. Zwar bietet Apple die Möglichkeit der Rückerstattung an, hierbei riskiert man allerdings, von der Gewährleistungsregelung ausgeschlossen zu werden. Gibt man zu viele Apps zurück, kann der iTunes-Support willkürlich aktivieren, dass man den nächsten Kauf nur unter ausdrücklichem Ausschluss der Rückgabe tätigen kann. Da Software-Instrumente meist über 20 Euro kosten, stellt der Kauf faktisch ein wirtschaftliches Risiko dar. Den Herstellern ist anscheinend nicht bewusst, ob ihre Apps mit VoiceOver zugänglich sind oder nicht, ein Vermerk in der Beschreibung könnte Fehlkäufe vermeiden. Während manche Apps nur über schlecht beschriftete Icons verfügen, deren Funktion sich durch kryptische oder englische Beschreibung noch ableiten lässt, bieten andere überhaupt keinen Zugriff und der Bildschirm scheint leer zu sein. Auch ändert sich die Zugänglichkeit mitunter zwischen zwei Versionen, eine bedienbare App kann durch einen Design-Umbau schnell unzugänglich werden. So manches Mal hätte ich auch den Wunsch gehabt, die vorige Version zu verwenden, aber diese Möglichkeit bietet Apple nicht an.

Hardware-Controller sind in jedem Fall eine gute Möglichkeit, die verschiedenen Anwendungen haptisch zu bedienen. Allerdings kann die Anpassung an die jeweilige App zu einer Herausforderung werden. Geräte mit vielen undefinierten Reglern müssen daher nicht zwingend eine Vereinfachung bedeuten. Motor-Fader sind eine gute Möglichkeit, die Positionen von Reglern auch nachhaltig taktil zu erfassen. Es macht Sinn, sich für einen zur DAW passenden Controller zu entscheiden. Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind die Keyboards der Nektar Impact-Reihe, die nicht nur fest zugewiesene Bedienelemente haben, sondern sich auch in verschiedene DAW-Systeme einfach integrieren lassen. Hingegen disqualifiziert sich die Panorama-Serie aufgrund des grafischen Displays.

Bedienbarkeit anhand praktischer Beispiele

Wenn man konkrete Instrumente betrachtet, sind Bedienungsprobleme einfacher nachzuvollziehen. Daher möchte ich anhand mir bekannter Produkte aufzeigen, welche Vor- oder Nachteile sie für blinde und sehbehinderte Anwender bieten können. Darüber hinaus habe ich auch Erfahrungen mit Instrumenten vergangener Tage sammeln dürfen, deren Bedienung aufgrund einfacher Displays oder fehlender Beleuchtung auch für Sehbehinderte nicht einfach zu bewerkstelligen war. Beispiele sind der Korg NX-5R, der mit seiner geringen Breite von 9,5“ eine relativ beengte Front hat, dass man hier nur schwer alles überblicken kann. Der Sequencer Yamaha QY-70 mit seinem Display im Gameboy-Style ist sehr grobpixelig und unbeleuchtet, auch hier klappte die Bedienung nicht. Moderne Farbdisplays bieten in jedem Fall die bessere Übersicht und auch eine gute Kontrastdarstellung. Positivbeispiele aus der frühen Digitalzeit gibt es auch, der Korg DW-8000 ist wie auch der DW-6000 und Poly-800 in fast allen Bereichen bedienbar. Strukturierte Parametereingaben und ein Regler für den jeweiligen Wert erlauben die vollständig displayfreie Programmierung. Ein sehr interessantes Exemplar eines Poly-800 stand jahrelang im Musikraum der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg. Dieser wurde vom dortigen Elektroniklabor mit Hilfe eines sprechenden Panasonic-Taschenrechners so modifiziert, dass die einzelnen Ziffern der sechs Segmente über entsprechende Tasten jederzeit abrufbar waren. Die Ausgabe erfolgte über einen ins Gehäuse eingelassenen Lautsprecher. Dieser wohl bedienbarste Digitalsynthesizer dürfte der einzige mit integrierter Sprachausgabe sein. Generell sind frühere Instrumente aufgrund ihrer beschränkten Funktionen alleine dadurch schon übersichtlicher. Drumcomputer, wie der Korg DDM-110 und Roland TR-505, konnte ich nach kurzer Einarbeitung blind bedienen und programmieren. Im Gegensatz dazu musste ich mir den DDD-1 von Korg über das Display erschließen, hier allerdings war manches nicht ohne direktes Hinsehen möglich. Komplizierter wurde es mit dem Roland D-50, dieser ist ja auch für Sehende recht komplex, an den Yamaha DX-21 habe ich ähnliche Erinnerungen. Im Folgenden betrachte ich einige Geräte im Detail.

Korg MS-20 Mini: Analog und somit eindeutig sind alle Bedienelemente und auch das Anschlussfeld rechts am Gerät. Während beim originalen MS-20 genügend Platz für die Beschriftung wäre, ist die kompakte Version (hier der MS-20 Legacy Controller) etwas beengt. Die wenigen Bedienelemente lassen sich aber erlernen und so ist eine barrierefreie Programmierung möglich. Allerdings kann das rechtsseitige Patchfeld zur Herausforderung werden. Die Buchsen sind nicht immer symmetrisch übereinander angeordnet und die recht große Anzahl macht ein Auswendiglernen mühsam. Allerdings wäre möglich, sich die Beschriftungen parallel in einer Datei oder ausgedruckt in Blindenschrift bereitzulegen. Wer einen Brailledrucker und sehende Hilfe hat, kann sich die Beschriftung in einer Tabelle abschreiben lassen und diese später ausdrucken.

Korg microKORG: Dieser Synthesizer ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein aktuelles Instrument weitgehend barrierefrei gestaltet sein kann. Die LED-Anzeige ist für Sehbehinderte gut zu erkennen und ausreichend groß, aber auch ohne die Parameter lesen zu können, lässt sich vieles akustisch ableiten. Einzig bei der Einstellung interner Funktionen ist das Display hilfreich, blinde Anwender könnten den MIDI-Kanal jedoch durch Probieren und etwas Übung einstellen. Die drei rastenden Knebelschalter geben stets Aufschluss über die jeweilige Position, so dass die Zuordnung der Soundgruppe und auch der fünf Drehregler mit Anschlag stets nachvollziehbar bleibt. Einzig die gewählte Bank ist blind nur erkennbar, wenn man einen Sound kennt und zuordnen kann. Der microKORG S mit seinen vier Bänken ist dadurch etwas komplizierter, hat dafür aber das etwas hellere Display. Auch wenn die LEDs nicht wirklich nötige Statusmeldungen anzeigen, muss man die grundlegende Bedienung inklusive Tastenkombinationen schon erlernen. Die strukturierte Menütabelle lässt sich auch sehr gut in Blindenschrift zur Gedächtnisstütze notieren. Der microKORG XL und XL+ übrigens haben mit dem Ur-microKORG nichts zu tun und sind leider nicht zugänglich.

Roland JD-Xi: Während sich das recht vielseitige Instrument vom microKORG durch seine weitreichende Ausstattung abhebt, erschwert der Funktionszuwachs auch die Bedienbarkeit. Das zwar gut lesbare und invertierte LC-Display und die Menüs mit Anschlag lassen das Abzählen zu, nach dem Einschalten befindet man sich auch stets beim ersten Menüeintrag. Allerdings merkt sich das Instrument bis zum Ausschalten die zuletzt gewählte Menüeinstellung, so dass man mitunter viel drücken und probieren muss. Die Gehäuseoberfläche ist fühlbar in Sektionen eingeteilt, so dass man sich hierarchisch von links nach rechts durcharbeiten kann. Auch wenn einige Parameter im Direktzugriff erreichbar sind und sogar das Erstellen eigener Loops möglich ist, befinden sich manche Funktionen unverständlich im Menü, wie die ADSR-Hüllkurve. Auch sind nicht alle Effekte im Direktzugriff verfügbar, Sounds bauen ist aufgrund der Menütiefen selbst für sehende Anwender problematisch. Dafür aber speichert der Synthesizer wie einige andere Roland-Produkte die Daten in einer lesbaren Einstellungsdatei, so dass man, ausreichend Programmierwille vorausgesetzt, das Instrument theoretisch im Texteditor nahezu vollständig programmieren könnte. Doch das dürfte den Live-Musiker überfordern, so dass im Wesentlichen der Zugriff auf Presets zum Einsatz kommen wird. Einige Einstellungen, wie Metronom und Startpattern beim Einschalten, sind für die barrierearme Nutzung sehr zuträglich. Auch die Favoritentasten können helfen, Patterns schnell aufzufinden. Mir macht das Instrument auch mit den Basisfunktionen Spaß, zumal man schon sehr viel selbst machen kann. Will man aber die Chain-Funktion nutzen oder Sounds basteln, gelingt das eher nicht. Unglücklich ist, dass man durch versehentliches Drücken der Favoriten- oder Pattern-Tasten das erstellte Machwerk auf Knopfdruck vernichten kann. Das passierte mir auch schon mehrmals, als sich die Favoritentasten nicht im Step-Modus befanden. Wenn man die zuständige LED nicht sehen kann oder nicht drauf achtet, ist der Datenverlust schnell passiert und damit muss man rechnen. Für sehbehinderte Nutzer kann die Wahl der Gehäusefarbe wichtig sein. Rote Schrift auf schwarzem Grund und dies zudem auf einer glänzenden Gehäusefront ist sicher nicht für jeden sinnvoll. Die weiße Variante mit silberner Front und dunkler Beschriftung hat sich für mich als vorteilhaft erwiesen, auch wenn ich prinzipiell mit invertierter Beschriftung besser klar komme. Dieses Beispiel zeigt, wie individuell hier die jeweiligen Ansprüche sind.

Novation UltraNova: Dieser Digitalsynthesizer hat es in sich und bietet somit auch eine umfangreiche Ausstattung an. Wie beim microKORG gibt es auch hier verschiedene Menüebenen, wobei dedizierte Tasten für die Grundfunktionen bereitstehen und die zugehörigen Menüs aufrufen. Die acht Endlos-Drehregler geben keinen Aufschluss über den Parameterwert, das relativ schwache und vor allem breite LC-Display dürfte auch sehbehinderte Musiker überfordern. Trotzdem kann man mit viel Dokumentieren und Beschriften einiger Tasten sicher viel aus dem Instrument herausholen. Die Menüebenen haben einen Anschlag, bei einigen Einstellungen stehen allerdings bis zu acht Parameterseiten zur Verfügung. Ohne Kopfarbeit und konzentriertes Handeln wird man konkrete Ergebnisse nicht einfach realisieren, auch wenn nur wenige Aktionen zum Erfolg führen können. Hier darf man ebenfalls das Speichern nicht vergessen, da ein falscher Dreh am Rad den erstellten Sound aus dem Speicher wirft.

Korg microSTATION: Eine etwas betagte Workstation, die in ihrer Kompaktheit bislang nicht unterboten wurde. Vier Drehregler mit Anschlag und drei Parameterebenen sind übersichtlich und lassen sehr schnelle Eingriffe in den Sound zu. Das Menü mit Anschlag wird auf einem relativ hellen LC-Display angezeigt, dessen Kontrast rückseitig geregelt werden kann. Eine Kontrastumkehr hätte viel retten können, so ist es selbst für Sehbehinderte schwer zu lesen. Leider stehen wenig Bedienelemente zur Verfügung, so dass viele Einstellungen im Menü erfolgen müssen. Ein bisschen hat es den Anschein, als habe sich Roland beim JD-Xi etwas an der microSTATION orientiert. Auch dieses Gehäuse ist fühlbar in Sektionen aufgeteilt, die Ergonomie des Menüs ist ähnlich und nach dem Ausschalten befindet man sich stets in einem initialen Modus. Korg hat einige Einführungsvideos gestaltet, die eine recht einfache Handhabung vermitteln. Im Ergebnis aber läuft zu viel über das Menü ab. Für den Live-Betrieb ist die microSTATION eine schöne und kompakte Preset-Schleuder, mit der man sich gut und lange beschäftigen kann. Allerdings ist die Programmierung eine Herausforderung, so dass die eigentliche Kernfunktion nur mit Mühe erlernbar ist. Aber es kann klappen, denn Transport- und Zifferntasten in einer logischen Anordnung stehen zur Verfügung.

Roland VA-7: Um die Jahrtausendwende wollte Roland mit wenigen Tasten und einem Touchscreen alles besser machen, doch scheiden sich hier die Geister. Grundsätzlich erleichtern die haptisch hervorragenden Bedientasten den Zugriff, so dass blinde Anwender es als einfaches Keyboard sehr gut und intuitiv nutzen können. Aber schon die Variationen der über 1.800 Sounds machen den Griff zum Display notwendig. Diese Minimalkonfiguration an Bedienelementen und die in vielen Bereichen notwendige Touch-Bedienung sind für blinde und sehbehinderte Anwender kontraproduktiv. Auch wenn die Symbole sehr großzügig sind und die invertierte Darstellung auch Vorteile bietet, fehlt es an Kontrast. Dieser lässt sich aber rückseitig etwas regeln. Auch hier bleiben Funktionen, wie Style Morphing und der Zugriff auf die ZIP-Disk, nur Anwendern mit Sehvermögen vorbehalten.

Technics sx-KN7000: Das absolute Gegenteil präsentierte Panasonic mit seinem letzten Flaggschiff, das über sehr viele und haptisch gut unterscheidbare Bedienelemente verfügt. Es gibt kein Menü, das man lange durchscrollen muss. Allerdings teilt sich die Displayansicht in Seiten auf, die leider keinen Anschlag haben und entsprechend durchlaufen. Das ist besonders bei den vielen Sounds und Styles für sehende Anwender vorteilhaft, blinde Benutzer müssen ein wenig probieren. Die Orgeln mit Zugriegel, Akkordeon und auch Einstellungen zur Begleitsektion sind voll zugänglich und es macht Spaß, dieses Keyboard zu spielen. Eigene Settings können auf spezielle Tasten abgelegt und direkt wieder aufgerufen werden, so dass auch ein Live-Einsatz gegeben ist. Trotzdem aber gibt es viele Menüs mit Untermenüs, die blinde Anwender überfordern können. Durch Aufruf einer Funktionsgruppe werden die 10 seitlichen Bildschirmtasten bemüht, deren Einstellung man mit den 16 unter der Anzeige befindlichen Tastenwippen ändert. Panasonic hat das so gestaltet, dass nur die Tasten unter einer jeden Displaymarkierung auch die Funktion ändern, das ist aber in jedem Bereich anders. Teilweise lässt sich das auswendig lernen, wenn man beispielsweise Sounds der Erweiterungskarten laden will. Sequencer und Soundbearbeitungen sind nur schwer nutzbar. Dafür aber lassen sich auch blind Styles von Diskette mit kleinen Einschränkungen laden. Die invertierte Darstellung und Anpassung des Hintergrunds ist für Sehbehinderte sehr gut, so auch die dicke und gut lesbare Schriftart. Allerdings hat Panasonic ein recht blickwinkelabhängiges LC-Display verbaut, am Videoausgang ließe sich aber ein großer Fernseher anschließen. Die grauen Tasten setzen sich gut von der dunklen Front ab, die Beschriftung ist klar und gut lesbar. Das sx-KN7000 ist ein erfreulich bedienbares Entertainer-Keyboard, das aber auch Funktionsgruppen nicht zugänglich macht.

Korg Electribe EMX-1 SD und ESX-1 SD: Die beiden Grooveboxen sind kompakt und bieten mit großzügigen Bedienelementen einen zumindest scheinbaren Direktzugriff. Wäre da nicht die vollgepackte Beschriftung, die sehr verwirrt. Das LC-Display ist groß, aber sehr schlecht beleuchtet und kontrastarm. Eigene Patterns zu erstellen ist ohne Sehrest kaum möglich, auch wenn man bei der Wiedergabe mit Hilfe der übersichtlichen Bearbeitungs-Sektion den Dreh schnell raus hat. Die älteren Electribes zeigen eindrücklich, dass die Bedienung mit dem Display steht und fällt. Die Nachfolger scheinen offenbar trotz besserem Display an ihrer Komplexität nicht viel verloren zu haben. Schön erkennt man daran, wie eine kompakte Bauweise einerseits zwar durch die Begrenzung der Hardware die Übersicht erleichtert, andererseits macht das auch die Bedienung sehr komplex. Während es mir mit dem JD-Xi auf Anhieb gelang, ein Pattern zu erstellen, scheiterte ich bei den Electribes stets am dunklen Display und den nicht immer gut lesbaren Tastenbeschriftungen.

Novation Circuit: 32 Leucht-Pads und acht Endlosdrehregler, das scheint wie gemacht für hochgradig sehbehinderte Menschen. Und in der Tat ist die Anzeige sehr hell und durch die farbigen Pads extrem kontraststark. Und auch wenn die Bedienung in fast allen Punkten gelingt, werden vollblinde Menschen mit ihm nur bedingt zurechtkommen. Denn gerade die visuelle Bedienung zeichnet Circuit aus und ohne optische Wahrnehmung der Betriebszustände wird man nur wenig mit der kleinen Groovebox zustande bringen können. Es sei denn, man hat sehr viel Anleitung und Vorstellungsvermögen, was nach Betätigen einer Taste passiert. Hochgradig sehbehinderte Musiker allerdings brauchen nichts zu lesen, da es kein Menü gibt. Die Anzeige für Tempo und Swing erstreckt sich über die gesamten Pads, hier kann man auch nach Gehör gehen. Durch die großen Abstände der einzelnen Leuchten ist die Erkennung einfach, bei Tageslicht allerdings wirken die weißen Gummipads kontraproduktiv und blenden mit den eingebauten Leuchten um die Wette. Somit darf sich Circuit für hochgradig Sehbehinderte als uneingeschränkt empfehlenswert betrachten.

Korg Monotribe: Minimalistisch ist nicht immer ein Nachteil, das sehen wir nicht nur beim Circuit. Auch wenn hier manches nur über die LEDs erkennbar ist, bietet der Monotribe eine außerordentlich gute Haptik aller Bedientasten wie bei einem Gerät der 70er Jahre. Doppelbelegungen gibt es, sind jedoch überschaubar und lassen sich erlernen. Was man macht, hört man sofort und kann entsprechend reagieren. Auch wenn natürlich die Übersicht der LEDs Sehbehinderten die Bedienung erleichtert, geht es auch ohne Sehrest. Lediglich einige Betriebszustände lassen sich nicht sofort erkennen, es gibt aber nicht viel auswendig zu lernen. Die Variante einer Funktion pro Bedienelement geht hier voll auf und so können besonders Anfänger mit dem Monotribe viel Spaß haben, sollten sich aber der Einschränkungen bewusst sein. Das Gerät ist somit auch von vollblinden Musikern bedienbar, denen eine kurze Übersicht der Tasten sicher nicht schadet.

Korg nanoKEY Studio und nanoCONTROL Studio: Von den beiden kompakten Controllern habe ich mir sehr viel erhofft, allerdings gibt es auch kleine Ernüchterung. Das beginnt bei der schlecht lesbaren Beschriftung, die das schnelle Zuordnen der jeweiligen Funktionen erschwert. Die Umstellung in die Betriebsmodi geht zwar auch ohne LEDs, aber man sieht nicht auf Anhieb, ob das Gerät die richtigen Parameter geladen hat. Grund dafür ist, wie bei allen Bluetooth-Eingabegeräten, dass man nur über die LED signalisiert bekommt, ob das Gerät auch tatsächlich aktiviert wurde. Zu allem Überfluss sind die weißen LEDs bei Tageslicht nur schwer zu erkennen. Der rückseitige und eindeutige Hardware-Schalter ist hier allerdings auch eine große Erleichterung. Die Probleme beginnen abseits von GarageBand, Logic Pro X und Korg Gadget, da die Integration nicht wirklich unkompliziert ist. Gerade in Reaper als MackieControl-Ersatz stimmten die Werte nicht überein, das wird ein vollblinder Anwender kaum bewerkstelligen können. Auch deshalb, weil die zugehörigen Einstellungen unter Windows nicht ganz zugänglich sind, das gilt auch für den Control-Editor. Haptisch allerdings überzeugen die Controller, die Gummitasten haben einen spürbaren Druckpunkt und auch die Regler können unmittelbar ertastet werden. Die Drehregler haben eine fühlbare Markierung, so dass auch ohne Verdrehen die Einstellung ertastet werden kann. Wer sich auf die native Integration der genannten DAWs beschränkt, kann ihn durchaus einsetzen. Über die zugehörige App lässt sich auch der Verbindungsstatus überprüfen, das gelingt am iPad und Mac barrierefrei.

Nektar Impact LX61+: Wie oben bereits erwähnt, ist die Impact-Serie für blinde und stark Sehbehinderte eine gute Alternative. Nicht nur wegen der gut strukturierten und logisch doppelt belegten Bedienelemente, die sich sehr gut vom Gehäuse abheben, sondern auch wegen des absolut barrierefreien Handbuchs und die sehr einfache Integration über vorgefertigte Mapping-Dateien. Zwei Schwachpunkte gibt es allerdings auch hier: So ist die LED-Anzeige mitunter für Sehbehinderte etwas zu dunkel, weiterhin ist die Nektar-Website nicht sonderlich gut zu bedienen. Da die Registrierung obligatorisch ist, um an die Download-Files zu gelangen, kommt man hier leider nicht dran vorbei. Im Ergebnis klappt die Einrichtung in Reaper mit dem Installationsprogramm und zwei Änderungen in den Einstellungen auf Anhieb. Sehr schön ist, dass dieses Keyboard im Gegensatz zu anderen ohne Controller-Software auskommt, so dass Tastenkombinationen die einzige Programmiermöglichkeit sind. Und auch das hat Nektar gut durch die Kombination der Shift- und einer Reihe von Klaviaturtasten gelöst, so dass ein blinder Anwender mit dem allerdings in Englisch gehaltenen Handbuch zurecht kommen kann. Zwar ist das Display für die Werteausgabe nötig, aber auch hier können Einstellungen durch Tastaturbefehle ausgeführt werden. Die drei Tasten unter dem Display wählen den jeweiligen Betriebsmodus für Mixer, Instrument und User, so dass man auch den aktiven Modus nicht kennen muss. Man könnte fast meinen, Nektar habe sich gezielt Gedanken darüber gemacht, wie man ein barrierefreies Keyboard entwickeln müsste. Die Impact LX-Reihe ist mit 25, 49, 61 und 88 Tasten verfügbar. Was viele bemerken, stimmt übrigens, die Tastatur klappert und erinnert ein bisschen an einen 70er-Jahre-Synthesizer, damit kann man jedoch angesichts des günstigen Preises und der Bedienoberfläche gut leben.

Novation Launchkey Mini: Die erste Version dieser kompakten Tastatur verfügt zwar noch nicht über RGB-Pads, lässt sich aber dafür direkt vom iPad mit Energie versorgen. Die zugehörigen Apps Launchkey und Launchpad laufen Hand in Hand, wobei sich letztere vor allem auch blind bedienen lässt. Novation hat sich bei der Beschriftung der Pads nur in Englisch bemüht, dennoch ist dies ein wunderbares Beispiel, wie sich Hard- und Software unmittelbar ergänzen. Wenn blinde Nutzer auch hier kein optisches Feedback wahrnehmen, lässt sich durch Probieren so manches herausfinden. Die vertikale Anordnung der acht Pads wird auf zwei Zeilen auf dem Keyboard beschränkt, wobei die seitlichen Tasten den Fokus verschieben. Ganz ergonomisch ist das zwar nicht, aber trotzdem ein guter Kompromiss und die Mini-Tasten können parallel den Arpeggiator der Launchkey-App steuern. Zwischen den Apps lässt sich mit zwei Tasten umschalten, so dass der blinde Anwender nicht wissen muss, welche App sich im Vordergrund befindet. Ein Druck auf Launchpad bringt sie auf Wunsch in den Fokus. Weil VoiceOver sich ständig äußert, wäre eine Bedienung über den Touchscreen nicht wirklich produktiv, auch weil man zur Aktivierung immer doppelt tippen müsste. Übung ist auch hier natürlich absolut notwendig, aber es geht und man kommt zu Ergebnissen. Die vollumfängliche Steuerung, wie das Auswählen von Songs oder Start der Aufnahme, ist ohne VoiceOver natürlich nicht zu bewerkstelligen. Auch könnte die Launchkey-App etwas zugänglicher sein, hier ist man auf die je nach gewähltem Sound unterschiedlichen Möglichkeiten des Launchkey Mini angewiesen. Nebenbei bemerkt lässt sich mit einem USB-Hub auch parallel ein Audiointerface nutzen.

Akai MPC Renaissance: Am Schluss möchte ich noch eine ganz persönliche Erfahrung aus der langfristigen Arbeit mit der MPC Renaissance schildern, deren Konzept mich nach wie vor überzeugt. Besonders spannend fand ich die dedizierte Zuordnung von Bedienelementen und das reduzierte Display, mit dessen Hilfe ich auf sämtliche Funktionen zugreifen sollte. In der Praxis gelang dies allerdings nicht ganz, denn oft war der Griff zur Maus nötig. Wenn nicht die MPC-Anwendung von der Farbdarstellung mehr grau gewesen wäre, hätte ich auch damit arbeiten können. Somit wendete ich mich an den Akai-Support mit der Frage, ob man nicht das Display der MPC-Hardware auf dem Computer spiegeln könnte. Zu meiner Überraschung wurde diese Funktion in einer späteren Version eingebaut und ich musste mich fortan nicht mehr mit der Lupe über das Gerät beugen. Einen kleinen Schönheitsfehler gab es dennoch, denn eine Tastenkombination zum Aktivieren hat man vergessen und die Maus musste doch wieder herhalten. In der Folge hat man außerdem immer mehr Features eingebaut und die Tastenbelegung wurde für mich immer undurchschaubarer. Auch blieb das Problem, mit der MPC nicht auf alle Plug-ins zugreifen zu können, manche Funktionen waren auch nur durch viel Klicken zu erreichen. Lange habe ich ausgehalten und mich immer versucht, durch das System zu beißen, doch nach etwa drei Jahren habe ich es aufgegeben und die MPC Renaissance verkauft. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie schwer es ist, nicht alles zugleich im Blick behalten zu können. Und auch wenn die MPC Live und MPC X ein super Display haben, das ich sicherlich sehr gut ablesen könnte, würde ich diese Kosten nicht noch einmal auf mich nehmen. Weiterhin wurde mir bewusst, dass ein Software-Produkt mehr Änderungen unterliegt als reine Hardware. Das kann ein Vorteil sein, jedoch wie in diesem Fall nicht immer.

Nachbemerkung

Sicherlich kann man darüber diskutieren, welche von mir angeführten Punkte tatsächliche Vor- oder Nachteile bei der Bedienung sind. Denn wie Sie oben gelernt haben, ist jeder sehbehinderte Anwender individuell zu betrachten und bringt eigene Voraussetzungen mit. Das gilt ja auch für alle anderen, wie man ja in manch kontroversen Diskussionen zu Testberichten gut erkennt. Wer sehr viel im Kopf nachvollziehen kann, wird manch von mir beschriebene Hürde sicher überwinden können. Aber denkt man über die Barrierefreiheit nach, führt der umgekehrte Ansatz zum Ziel und das Ergebnis muss ein Produkt sein, das von möglichst vielen Menschen mit unterschiedlichsten Benachteiligungen bedient werden kann. Diese Gedanken waren für obige Bewertungen meine Ausgangsposition, denn bei der Entwicklung habe ich stets gelernt, dass es solche und solche Menschen gibt. Dabei ist für den geübteren Anwender einfacher zu verschmerzen, wenn etwas vielleicht zu einfach ist, als es umgekehrt der Fall wäre. Und auch derjenige, der nicht alle Parameter eines Instruments auswendig lernen kann, sollte genauso Freunde bei der Handhabung empfinden. Denn auch wenn sicherlich die Musik für manche Komponisten sehr technisch wie eine Programmiersprache ist, empfinden die meisten Menschen aktive Freude beim Musizieren. Und die sollte allen Menschen zuteil werden, egal ob mit oder ohne Einschränkungen. Nur sollten Instrumente nicht selbst einschränken, genau das möchte ich mit diesem Artikel vermitteln. Natürlich ist klar, dass nicht jedes Instrument barrierefrei sein kann. Aber mit kleinen Veränderungen, einer ordentlichen akustischen Anleitung oder einem speziellen Training lassen sich Barrieren überwinden. Nur das kostet Geld, daran wird es vermutlich bei vielen Hobbymusikern scheitern.

Mir persönlich macht auch noch ein weiterer Punkt Schwierigkeiten und sorgt für Barrieren im Kopf: das Virtualisieren von Geräten. Seit meiner Schulzeit habe ich immer wieder mit Hardware gearbeitet: Mikrofon, Kabel, Effektgerät, Mischpult und Bandmaschine. Heute soll ich mir all diese Geräte im Kopf vorstellen und mit virtuellen Parametern verkabeln. Das stellt mich mit meiner praktischen Denkweise vor Herausforderungen, die ich bislang noch nicht bewältigen konnte. Ich bin gespannt, wann ich den Dreh von der platzraubenden Hardware hin zu virtuellen Instrumenten raus haben werde. Mehr barrierefreie Software könnte sicherlich hierzu einiges beitragen.

Fazit

Man könnte meinen, dass gerade in der heutigen Zeit die Barrierefreiheit selbstverständlich ist. Sie ist es aber nicht, weil vor allem die grafische Darstellung, Touchscreens und intuitive Bedienkonzepte für Probleme sorgen können. Trotzdem gibt es Lichtblicke und vernachlässigt man die Frage, was man mit dem Instrument machen möchte, finden sich zugängliche Produkte. Fragt man die Hersteller, haben diese ausnahmslos ein offenes Ohr. Aber konkrete Produkte, die sich die Barrierefreiheit auf die Fahne schreiben, gibt es anscheinend wenig. Vielleicht trägt dieser Artikel ein kleines Stück dazu bei, dass Hersteller für dieses Thema etwas sensibilisiert werden und ein bisschen bei künftigen Entwicklungen darauf achten.

Forum
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    dflt  

    vielen dank! ich bin ja (zum glück) nicht betroffen, aber es ist sehr interessant, mal so einen einblick zu bekommen.

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    Ralle373  

    Hallo Stephan, Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Mich betrifft dieses Thema zu 100 Prozent, da ich selbst blind bin. Musikalisch bin ich bei EBM unterwegs und kann sagen, dass ich in meinem Studio alles alleine machen kann. Ich arbeite mit Mac und Logic Pro X und VoiceOver.
    An dieser Stelle noch ein paar weitere Tipps für Hard- und Software:
    1. Sequencer: MFB Step 64; gut taktil zu bedienen und alle Funktionen blind erreichbar; Arturia Beatstep Pro – ebenfalls sehr gut zu bedienen und umfangreich ausgestattet; beide Geräte lassen sich mit Logic Pro X syncronisieren. Beatstep Pro bietet den Vorteil das man ein Drum-Sequencer hat mit dem man andere Drumcomputer und Groeboxen ansteuern kann und der Fokus auf die Bedienung des Beatstep Pro bleibt

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    Ralle373  

    2. Synthesizer: Ich nutze als VA Synth den Waldorf Blofeld Keyboard (auch als Midi Controller). Das Handbuch ist sehr gut geschrieben und die Bedienmatrix ist gut händelbar. Das Handbuch glänzt sogar mit Informationen wie oft ich die jeweiligen Menütasten drücken muss um an bestimmte Dinge im Menü zu kommen.
    Clavia Nord Lead 4 – das Gerät ist voll auf Live Performance getrimmt und fast alle Regler und Bedienelemente kommen ohne Doppelbelegung aus. Das Handbuch ist ebenfalls sehr gut geschrieben.
    Access Virus TI – klanglich der Hammer aber ohne Display geht hier so gut wie nichts. Und hier kommt dann die Total Integration zum tragen. Das Plugin ist voll durch VoiceOver unterstützt und ermöglicht dann die Programmierung von Sounds.
    Novation Ultranova bietet ebenfalls ein Plugin, so das auch hier die Programmierung möglich ist. Zusätzlich bietet dieser Synth die Automap Funktion an, die sehr hilfreich ist.

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    Stephan Merk  RED 1

    Danke für Deine Ergänzungen. Ich habe mich jetzt natürlich nur auf die Produkte bezogen, die ich wirklich gut kenne. Mit Logic Pro X hast Du ja auch, wie im Artikel beschrieben, optimale Voraussetzungen. Aber die hat eben nicht jeder und wer klein anfangen will, wird nicht mehrere tausend Euro in die Hand nehmen wollen. Das war eigentlich meine Motivation, denn schlussendlich könnte man mit kleinen Veränderungen oder speziell erstellten Anleitungen manche Produkte in der Zugänglichkeit optimieren. Auch gibt es ja nicht nur Studiomusiker, im Live-Betrieb wird man mit den meisten aktuellen Instrumenten nicht ohne sehende Hilfe oder alternativ mit dem Verzicht auf Funktionen klar kommen müssen. Es ist ja auch immer die Frage, was man im ‚Ergebnis machen will. Wenn für Dich die genannten Geräte geeignet und zugänglich sind, passen sie vielleicht aber nicht zum Musikstil eines Anderen, der kein Mac hat und vielleicht autark musizieren möchte. Mit Clavia und Waldorf habe ich zu wenig Erfahrung, aber auch hier scheint man sich sehr intensiv in ein Gerät hinein arbeiten zu müssen. Das kann aber blinde Menschen ohne räumliches Verständnis auch mitunter überfordern.

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    Ralle373  

    Hallo Stephan, ich wollte Deine Liste und Erfahrungen einfach nur ergänzen. Natürlich muss jeder sein Gerät finden, und das unter den Gesichtspunkten der individuellen Zugänglichkeit und Bedienung. Was hier nicht vergessen werden darf sind die guten alten analogen Synthesizer. Moderne Geräte wie der Arturia Mini- und Microbrute sind eine gute Emphehlung. Zur Zeit probiere ich mich am Matrixbrute rum (sehr steile Lernkurve). Aber auch alte Klassiker wie von Dir schon erwähnte KORG MS-20, Sequential Circuits Pro One, Roland SH-101 sind voll zugänglich. Und darüber hinaus gibt es noch das Eurorack System. Individueller geht Synthesizer wohl nicht! Klar muss man vieles auswendig lernen, aber Notizen z.B. in MS EXcel können helfen.
    Und das Musik machen Geld kostet sollte jedem klar sein…

    Gruß Ralf

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      Stephan Merk  RED 1

      Sorry, aber natürlich sind für Profis Lösungen denkbar, die zum Einen über genügend Geld, zum Anderen auch über ausreichend Zeit verfügen, sich damit auseinanderzusetzen. Aber der Markt besteht eben nicht nur aus dem Profi-Segment, es gibt auch noch einen Bereich da drunter. Auch nützt sicher nicht jedem Keyboarder ein Modularsystem etwas, eine Gitarre wäre für den Trompeter auch recht sinnfrei. Der Sinn meines Artikels war nicht, Gerätschaften aufzulisten, die barrierefrei nutzbar sind. Ich habe an Beispielen offenbar auch nachvollziehbar versucht, Vor- und Nachteile bei der Bedienung zu erläutern. Mein Ziel war es daher, sehende Musiker und vielleicht auch Entwickler für dieses Thema ein Bisschen zu sensibilisieren und nicht, konkrete Produkte vorzustellen und sie als generell bedienbar auszuzeichnen. Was Deine Erfahrungen angeht in allen Ehren, aber ich bin in der Hilfsmittelbranche schon über 25 Jahre unterwegs und was manche mir so alles erzählten, was sie so angeblich alles ohne sehende Hilfe geleistet hätten, entpuppte sich nicht selten als Windei. Mit dem Mac bist Du ja gut beraten, aber wenn Dir kein Sehender die Funktionsweise erklärt, welches Kabel bei einem Modularsystem wo hinein gehört, bist auch Du, genau wie ich, aufgeschmissen. Ich kann wenigstens mit der Lupe noch die Beschriftungen ablesen.

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    Franz Walsch  AHU

    Interessanter Artikel, danke dafür. Die zunehmenden Sehprobleme im allgemeinen basieren auf zwei zentralen Punkten, zum einen sieht man bei Monitoren immer in eine Lampe und zu anderen haben die neusten Geräte eine immer höhere Auflösung und/oder spiegelnde Displays. Das hat zu Folge das es zunehmend anstrengender wird mit diesen Geräten zu arbeiten. Mein Hausarzt hat seinen Bildschirm auf 600X800 eingestellt und braucht immer noch keine Brille. Die Auflösung ändern funktioniert je nach Gerät unterschiedlich und es gibt auch Programme die eine Auflösungsänderung nicht verkraften. Auch musste ich feststellen, das die Menuleiste von Mac OS 10.6 kontrastreicher als bei neueren Systemen ist. Zum Organisieren von Dateien benutzte ich Icons. So finde ich mich schneller zurecht, als mit den nichtssagenden Ordnern in der Systemfarbe. Auch gibt es Programme die Farbblindheit simulieren. Das ist wichtig bei der Gestaltung von beleuchteten Tastern. Auch finde ich Reader (z. Bsp. bei Webbrowsern) sehr angenehm. Besser die Ergonomie verbessern, als eine Sehhilfe tragen.

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      Stephan Merk  RED 1

      Ich habe das mit der Reduktion der Bildschirmauflösung sehr häufig bei sehbehinderten Kunden erlebt, die sich übergangsweise helfen wollten. Früher sogar mit der Reduktion auf 16 oder 256 Farben, das ist aber nicht ganz unproblematisch. Wer HTML-Mails mit umgekehrten Windows-Farben schreibt, schickt schwarzen Text auf schwarzen Hintergrund. Da bin ich mit dem Screenreader der König, weil der mir den Text vorliest. Aber generell würde ich immer dazu raten, die integrierten Bildschirmlupen wenigstens auf kleiner Vergrößerung einzusetzen, damit verzerrt man nichts an den Apps oder der Grafikleistung. Unter Windows können niedrige Auflösungen auch den Grafiktreiber bremsen, das geht auf die Liestung bei grafischen Anwendungen. Die integrierten Lupen von Windows und MacOS sind gleichermaßen gut und zu empfehlen, können auf Wunsch auch Kontraste und Farbdarstellung anpassen. Apple bietet hier etwas mehr Funktionen, wie das Zentrieren der Maus bei Vollflächenvergrößerung.

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    AMAZONA Archiv

    Viel gelernt!
    Was zumindest mal großflächig angelegt werden sollte von den Herstellern von PlugIns, wäre eine (freie) Skalierbarkeit ihrer Produkte. Würde ja schon wenigstens etwas helfen in einigen Fällen.

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    Son of MooG  AHU

    Sehr informativer Artikel, gut geschrieben. Das positive Abschneiden des MicroKorg hat mich jedoch überrascht; mir ist er etwas zu unübersichtlich (Brillenträger). Ein Juno-6 mit seinen dezidierten Schiebereglern ist wahrscheinlich besser zugänglich als ein Behringer DeepMind 12 mit seiner teilweise Menu-gesteuerten Bedienung..?

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      Stephan Merk  RED 1

      Ja, das kann ich sogar nachvollziehen, wobei der microKORG ein schönes Beispiel dafür ist, wie man reduzierte Bedienelemente doch effizient nutzen kann. Denn jeder der rastenden Knebelschalter hat eine eindeutige Stellung. Das geht nicht ohne Auswendig lernen oder Notieren der Matrix, aber es gibt eine Logik der Parameteranordnung und das ist das Entscheidende. Wenn Du Dir jetzt vorstellst, dass man anstatt dieser zwei Menüregler Up-/Down-Tasten verwendet hätte, würde ich ihn sicher anders bewerten müssen. So aber erleichtert die Auftrennung die Bedienung, weil DU abzählen kannst und innerhalb der Sektionen stets weißt, wo Du bist. Klar sind einzelne Bedienelemente prinzipiell ein Vorteil, weil Funktionen dediziert erreichbar sind, können aber auch, wenn es zu viele sind, die Übersicht erheblich erschweren. Beachte dabei, dass jeder sehbehinderte bzw. blinde Mensch andere Voraussetzungen mitbringt, manche haben ein gutes Ortsverständnis und können im Kopf Regler und ihre Stellung quasi abspeichern, andere wiederum müssen immer hinfassen bzw. hinhören, haben es also mit weniger Bedienelementen einfacher. Ich bin so jemand, der ein Mittelmaß braucht, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Der JD-Xi hat mir viel zu wenig, die Ultranova fast zu viel.

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    lugosi

    Spannender und gut geschriebener Beitrag!

    Mit meiner leichten Rot/Grün-Sehschwäche hab ich teilweise auch schon Schwierigkeiten bei entsprechend gewählten LED Farben auf der ein oder anderen Maschine. Das ist vergleichsweise harmlos aber betrifft hierzulande wohl ca. 8% der männlichen Bevölkerung. Modellvarianten wie beim Dark Time mit blau/weißen LEDs gibt eher selten.

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      Stephan Merk  RED 1

      Mal eine vielleicht gar nicht so blöde Frage dazu: Rot und Grün oder auch andere Farbspektren haben ja eine unterschiedliche Wellenlänge. Ich hätte jetzt gedacht, dass man in solch einem Fall zumindest Helligkeitsunterschiede wahrnehmen kann, das ist dann vermutlich bei Dir nicht so?

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      Stephan Merk  RED 1

      Danke, den Artikel kannte ich noch gar nicht, wohl aber den Oliver. An dieser Stelle ein Hinweis, im Artikel stellt er es so dar, als habe er Lesemaschinen erfunden, das entspricht nur leider nicht ganz der Wahrheit, mehr schreibe ich dazu öffentlich besser nicht, dafür aber eine Anekdote: Er hat mehrere Jahre auch in Marburg auf der Hilfsmittelausstellung seine Produkte gezeigt und das nicht wirklich leise. Bei den Mitausstellern hinterließ er somit einen bleibenden Eindruck, da er quasi physikalisch unzählige Kundengespräche zu unterbrechen wusste.

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    fritz808  

    wenn man sich überlegt, wie einst mr. kurzweil für stevie wonder ein keyboard auf seine bedürfnisse gebaut hat – und heute scheint es da offensichtlich auch lösungen zu geben, die sich nicht nur ein superstar leisten kann. toll.

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    Stephan Merk  RED 1

    Ray Kurzweil hat Anfang der 90er auch das Blindenvorlesesystem Kurzweil Reader mit Xerox Imaging Systems gebaut, der auf dem Personal Reader basierte, auch ein Projekt von Stevie Wonder. Ich konnte auf der diesjährigen SightCity in Frankfurt Chris Park kennenlernen, der für Stevie Wonder handgemachte Blindenstöcke produziert, wie Stevie ihn nennt, den „WonderStick“. Was mich aber bei einem Teil der vorgestellten Produkte begeistert ist, dass diese überhaupt nicht mit der Intention entwickelt wurden, dass sie von blinden oder sehbehinderten Menschen überhaupt bedient werden können. Es ist eher Zufall und im Umkehrschluss könnte man mit etwas Überlegung manche Geräte durch kleine Veränderungen an Hard- und Software zugänglich machen. Orientierungstöne, wie sie beispielsweise der Kronos bietet, sind hier schon mal ein guter Ansatz. Aber auch unterschiedliche Displaydarstellungen, vergrößert und invertiert, wären schon mal für viele Anwender hilfreich. Und schlussendlich kann auch eine alternative Steuerung via App schon eine gute Lösung bedeuten.

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    matlo

    Hallo.

    Das Thema Linux und Musik-Machen ist ja eh ein sehr eigenes.

    Was unter Linux gut geht ist die Kommandozeile (Braillezeile). Und ja es gibt unter Linux viel Audiosoftware die sich komplett per Kommandozeile steuern lässt. In „Echtzeit“ und natürlich scriptbar.

    In einer Linux-Audio-Maillinglist weiß ich das dort ein Blinder Musiker schreibt und ließt. Er hat so ein paar Kniffe erklärt.

    Bei Interesse such ich gerne die (englischen) Artikel.

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      Stephan Merk  RED 1

      Ganz ehrlich, das wäre für mich heute keine Option mehr. Vor 30 Jahren klar, aber man wird nicht jünger und heute werde ich mir sicher keine zig Parameter mehr behalten wollen. Ich glaube zwar auch, dass man das sicher leisten kann. Allerdings habe ich schon von vielen blinden Menschen gehört, die von sich behaupteten, alles bedienen zu können, klangliche Ergebnisse blieb sie mir aber schuldig. Man darf in diesem Zusammenhang auch nie vergessen, dass jeder anders ist. Hoch theoretisch denkende Menschen können sich in die Tiefen der Zahlen und Befehle reinarbeiten, aber praktische ebe nicht. Ich muss Geräte anfassen können, dann kann ich sie begreifen, auf verschiedene Weise. Programmieren ist aber genau das, was ich nicht will, viele nicht können und selbst wenn man sich Entwicklungsumgebungen anschaut, ist man vom Codeschreiben in vielen Bereichen inzwischen weit entfernt. Wäre man das nicht, würde es sicher Millionen Apps weniger geben, weil sich deutlich weniger Menschen überhaupt mit Software-Entwicklung auseinandersetzen würden. War ja nicht ohne Grund so, warum man die Informatik den Fachbereichen Mathematik angegliedert hat, heute sind sie ja Gott sei Dank eigenständig.

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          Stephan Merk  RED 1

          Danke für den Link. Nur weil es mich nicht interessiert, kann es womöglich jemandem weiterhelfen. Ich habe mir das angeschaut und stelle fest, dass derjenige gute Englisch- und Computerkenntnisse haben muss und viel Zeit, sich in eine Befehlssyntax einzulesen. Die habe ich nicht, daher warte ich auf meinen iMac. Linux hatte bei mir in den letzten 25 Jahren genügend Chancen, diese wurden alle verspielt, nicht zuletzt auch wegen den unzureichenden Screenreadern im KDE. Ich hatte auch mit Orca mal einen Podcast gemacht, das war alles nicht ergiebig und hatte die Hörer auch nicht überzeugt. Diejenigen, die ich kenne und mit Linux arbeiten, sind zumeist Informatiker, die tief in der Materie stecken und das als Hobby betreiben. Für reine Anwender, die einfach nur Musik machen wollen, ist das aus meiner Sicht wenig produktiv, als wollte sich ein Gitarrist eine eigene Gitarre mit Verstärker bauen. Daher habe ich mich auch im Fokus auf Hardware bezogen. Es geht ja um produktive Lösungen, nicht um Alternativen über einen Umweg. Als das hat sich Linux bei mir leider nur gezeigt.

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            matlo

            Ich vermute mal das auch unter Mac und Windows die Möglichkeiten bei bei vollkommener Blindheit sehr eingeschränkt sind. Oder ist Protools und Co. mit Tastatur und Brail bedienbar?

            So gesehen ist das die letzte Möglichkeit gewesen Mutitrack-Recording zu machen.

            Ps: Kann man Mac und Windows überhaupt bei kompletter Blindheit nutzen?

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              Stephan Merk  RED 1

              Sorry, aber genau darauf hatte ich mich im Artikel doch bezogen, dass die Unterschiede zwischen Windows und Mac gravierend sind. Gerade ProTools ist ein gutes Beispiel, unter Windows nicht bedienbar, am Mac hingegen schon. Tastenkombinationen sind natürlich wichtig, aber auch Controller. Weiterhin gibt es aber auch die der Screenreader zum Erfassen des Bildschirms. Schau mal auf meine Seite https://merkst.de, klicke oben auf Hilfsmittel. Ich hatte zu diesem Thema anschauliche Artikel und Videos erstellt. In einem Punkt hast Du aber Recht, ich kenne niemanden, der absolut vollblind ist und vollständig ohne Anleitung oder wenigstens gelegentliche sehende Hilfe zurecht kommt. Wenn aber die Kniffe erlernt sind, das System und die Hardware aufeinander abgestimmt wurden und Routine da ist, dann aber sicher schon. Das gilt jetzt nicht nur bezogen auf die Musik, sondern die generelle PC-Arbeit.

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                matlo

                Danke. Ich habe den Artikel gelesen und auch noch mal durch ihre Seite gesehen (aber nicht alles gelesen).
                Von dem was ich mitgenommen habe ist das doch ein Rest Sehvermögen für vieles notwendig ist. Der Mensch von meinem Link bedient seine PC ausschließlich mit Baillezeile (und wahrscheinlich Sprachausgabe).

                Ich bin nicht Blind und als Informatiker kenne ich mich mit Rechentechnik durchaus gut aus. (Außer Mac)

                Von Linux weiß ich wie man fast alles auf der Kommandozeile machen kann. Bei Windows ist das schon schwieriger. (Mac ??? könnte dank Unix-Unterbau auch gut gehen habe ich aber keinerlei Erfahrung)

                Danke.

                PS: Ich muss echt mal probieren wie der Screenreader funktioniert.

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                  Stephan Merk  RED 1

                  Aus meiner Erfahrung haben es vollblinde Menschen, die nie zuvor einen Computer bedient haben, mit Commandozeilen deutlich schwerer. Wer in der Materie drin steckt hat es einfach, aber die Adaption grafischer Benutzeroberflächen und das Erlernen von Tastenkombinationen ist intuitiver, als einen Befehlssatz auswendig zu lernen. Daher ist Klaus Knopper mit seinem textbasierten ADRIANE-System sagen wir mal eher vor die Wand gelaufen, weil das in der heutigen Zeit keiner annimmt bzw. haben will. Man möchte mithalten und die Zeiten von Speziallösungen sind spätestens seit iPhone und Android vorbei. Der Anspruch geht dahin, dass ja sogar die Softwarehäuser selbst eine Menge für die Barrierefreiheit tun, besser als es die linux-Gemeinde je getan hat. Kann jeder selbst ausprobieren, unter Windows 10 aktiviert Strg+Windows+Eingabe den Narrator oder einfach aufrufen, Monitor aus und los geht’s. Alternativ http://www.nvda-project.org, runterladen, installieren und loslegen. Am Mac Cmd+F5, das aktiviert VoiceOver und schon spricht der Kasten. Geht unter Linux mit Ausnahme von Knoppix bei Weitem nicht so einfach und Orca ist so rückständig, da verliert man nach fünf Minuten echt die Lust.

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